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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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8. Jahrgang Nummer 6 Beilage 10. Februar 1928 IWchÄMleZüiM Zum Konflikt zwischen Preußischem Landesverband «nd berliner Gemeinde Anbegreifliche Geheimdiplomatie des Alehrheitsblocks In der vorigen Woche veröffentlichten wir unter der Ueberschrist „Landesverband in (Gefahr! Der Berliner Gemeind evorstand gegen den Preußischen Landen verband" einen Leitartikel, in dem wir berichteten, daß der Vorstand der. Berliner Jüdischen Gemeinde dem preußischen Kultusministerium einen Vorschlag für die durch da» Ab leben von Justizrat Lilienthal freigewordene Stelle eine» jüdischen Sachverständigen im Kultusministerium unterbreitet habe, obwohl in dieser Frage, da es sich ja um eine Angelegen heit der gesamten preußischen Judenhcit handelt, unzweifelhaft der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden zuständig ist, dessen Rat obendrein noch die Berliner Jüdische Gemeinde ausdrücklich schriftlich gebeten hatte, von dem beabsichtigten eigenmächtigen Vorgehen abzuschen. Wir hatten betont, daß es sich bei dem Vorgehen des Berliner Gemeinde Vorstandes vornehmlich um die Befriedigung der Wünsche des Herrn Tr. Jsmar Freund handelt, der weiß, daß die Mehrheit des Landesverbandes seine Eigenschaften nicht so be wertet, um in chm den geeigneten Vertreter der preußischen Judenhcit im Kultusministerium zu erblicken, und der daher nun den Berliner Gemeindevorstand für seine Wünsche eingespannt hat. Wir brachten zum Ausdruck, daß es auf Herrn Tr. Freund selbst zurückzuführen sein bürste, wenn der in der Berliner Gemeinde gegen die Liberalen geschlossene Block unter Brüskierung des Landesverbandes Herrn Tr. Freund für das Ministerium in Vorschlag gebracht hat. Wie zu erwarten war, hat unsere Veröffentlichung dein Berliner Gemeindevorstand die Stimme verschlagen. Der Ge meindevorstand hüllt sich in ein für Eingeweihte recht verständliches Stillschweigen, durch welches ebenso wie durch die orakelhaften Äeußerungen von Mitgliedern der Blockmehrheit der Boden für die verschiedenartigsten Gerüchte bereitet wurde. Wir versagen uns, diese Gerüchte, die zum Teil den Stempel der Unwahrheit an der Stirn tragen, hier zu registrieren; dagegen werden wir aus die Angelegenheit ausführlich zurückkommen, sobald das Ergebnis der Aufklärung vorliegt, die unsere liberalen Freunde demnächst herbeisühren werden. Ter Berliner Gcmeindevorftand würde nach unserer Ueberzengung klug tun, seine gegenwärtige Geheimpolilik aufzugcben und die Oesfentlichkeit über seine Schritte und die Gründe, die chn zu diesen veranlagten, zu unterrichten. Wir selbst begnügen uns für den Augenblick mit der Feststellung, daß tatsächlich der Brief mit dem Vorschlag Freund — entgegen der Bitte des Landesverbandes — vom Berliner Eemeindeoorfitzenden an das Kultusministerium abgesandt morden ist, und daß dieser Brief sich noch heute im Besitz des Kultusministeriums befindet, — also nicht, wie inzwischen verlautete, zu den Akten der Berliner Jüdischen Gemeinde zurückgenommen worden ist. Zweifellos wird die Angelegenheit sowohl im Landesverband als auch in der Berliner Gemeinde ihr Nachspiel haben. Weder der am 25. Februar zusammenlretende Rat noch der ans den 25 März einbernsene Verbandstag werden sich den Uebergriff der Berliner Gemeinde gefallen lassen; man wird die Rechte des Landesverbandes gegenüber der ihm angeschlossenen Mitgliedsgemeinde Berlin zu wahren wissen. Insbesondere wird eine scharfe Abrechnung mit Herrn Tr. Freundzu erwarten sein, der obwohl selber Ratsmitglied unb Dezernent im Landesverband feine Stellung in der Berliner Gemeinde zur Brüskierung des Landesverbandes und zur Sabotage seiner Arbeiten benutzt und nicht davor zurückscheut, Schritte zu tun, die beii Landesverband geradezu in seiner Existenz erschüttern. Desgleichen wird man sich in der Berliner Gemeinde mit den Vergangen beschäftigen. Die liberalen Mitglieder des Vorstandes und dec Repräsentanz mißbilligen den eigenmächtigen Schritt beim Kultusministerium; wie we.t andere besonnene Elemente, an denen es gewiß nicht fehlt, und die das von der Blockmehrheit heranfbeschworene Unheil bedauern, sich öoi« dem Stimm und Meinungszwang eben dieses ihres Blocks werden befreien können, muß abgewartet werden. Die Verhandlungen werden seiner Klarheit bringen müssen über einen besonders mysteriösen Vorgang. Ter Geineinbevorsitzcnde, Kommerzienrat Gerson Simon, gleich Herrn Tr. Freund Angehöriger der Mittelpariei, hat erklärt, bei Absendnng seines Antrages an das Kultusininistecinin sei ihm nicht bekannt gewesen, daß der Rat des Landesverbandes die Gemeinde schriftlich um Unterlassung ihres eigenmächtigen Vorgehens gebeten hatte; wäre ihm der Brief des Rats bekannt gewesen, so würde ec den Antrag an das Ministerium reicht abgcsandt haben. Tiefe Unkenntnis des Vorsitzenden über den Eingang eines so wichtigen Schriftstückes erscheint um so auffälliger, als Herr Tr. Freund, um dessen Ernennung sich die ganze Affäre dreht, in der Berliner Gemeinde diese seine höchsteigene Angelegenheit als Tezernent bearbeitet; sicherlich gehört zu seinen Obliegenheiten, den Vorsitzenden über wichtige Vorgänge zu unterrichten, und sicherlich ist der Eingang jenes Briefes des Rates ein wichtiger Vorgang. Allein, in welchen Vermutungen man sich auch angesichts dieses mehr als merkwürdigen Tatbestandes ergehen mag, unerklärlich bleibt die von Herrn Simon behauptete Unkenntnis immer noch, weil der Vorsitzende des Landesverbands- Rats, Herr Kammergerichtsrat Wolfs, ebenfalls, und zwar als stellvertretender Vorsitzender, dem Gemeindevorstand angehört. Es wäre wohl Herrn Simons Pflicht gewesen, vor Abscndung seines Brieses an das Ministerium sich nicht nur von dem persönlich beteiligten Dezernenten Tr. Freund, sondern auch von Herrn Kammergerichtsrat Wolfs beraten zu lassen. Zudem: Herr Simon hatte am 19. Januar den in voriger Woche hier abgedrnckten Brief an den Rat des Landesverbandes abgesandt; bevor er weitere Schritte nntevnahm, mußte er sich erkundigen, ob dec Rat geantwortet habe. Gleichwohl behauptet Herr Simon, das Antwortschreiben des Rates nicht gekannt zu haben. Herr Simon ist Kommerzienrat urrd wird also wohl außerhalb der Gemeinde geschäftliche Korrespondenzen zu erledigen verst hen. In der Oranienburger Straße aber zeigt er sich so ahnungslos, als wäre er sein eigener jüngster Lehrling. Tie Verhandlungen werden ergeben, ob er wirklich nur ahnungslos war, ob er nicht ahnungslos hat sein wollen. Vielleicht erhält man bei den zu erwartenden Verhandlungen im Geineindeparlament eine Aufklärung, die folgenden Ausspruch Kotzebues aufs neue bestätigt: „Die Welt verzeiht dir eher, wenn du lasterhaft, als wenn du lächerlich bist, und — es ist fürchterlich wahr! — fast jeder Mensch gilt lieber für lasterhaft als für lächerlich, wenn er die Wahl zwischen beiden hat." Repräsentantenwahlen in Danzig Am l9. Februar finden in der Danziger Gemeinde Wahlen zur Repräsentantenversammlung statt. Nicht die ganze Gemeindevertretung ist neu zu wählen, sondern die im Jahre 1928 turnusmäßig ausscheidenden acht Mitglieder. Von nationaljüdischcr Seite war die Forderung erhoben worden, daß mit Rücksicht auf die kürzlich erfolgte Wahlrechtsreform die ganze Repräsentanz neu gewählt werden sollte. Diese Forderung mußte daran scheitern, daß die im Amt befindlichen Repräsentanten nicht genötigt werden konnten, ihre Aemter vor Ablauf der Periode, für die ihre Wähler ihnen ihr Mandat anvertraut haben, niederzulegen. So bleibt es für dieses Jahr bei der Teilwahl. Aber diese Teilwahl trägt doch einen wesentlich anderen Charakter als frühere Wahlen. Zum ersten Mal seit langen Jahren kommt es zum Wahlkampf im wahren Sinne des Wortes. Auch diesmal war der Versuch unternommen worden, durch .Kompromißverhandlungen innerjüdischen Kampf zu vermeiden. Zwischen dem Wahlkomitee der Jüdischen Bolkspartei und dem des Blocks der vereinigten Liberalen und Orthodoxen fanden ernsthafte und langwierige Besprechungen statt, geboren aus dem Wunsche, den Frieden in der Gemeinde im Interesse des jüdischen Ansehens und der inneren jüdischen % \ 8 fA \# °e. *{120** hilÄ. VffTZOr* isl meiallos maanrä -Fussstütze vereinigt in sich die Vorzüge aller Systeme# ohne deren Mängel zu besitzen. Die verstellbare HHZBhl ~Fussstütze liegt polsterartig unter Ihrem Fuss# drückt nicht# denn sie besteht aus handgewalktem Leder; enthält kein Metall# rostet daher nicht und erfordert keinerlei Reparaturen. Die -Fussstütze kann in federn Schuh unsichtbar getragen werden. 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