Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613947-2613953--2596-2620085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Arbeit zu erhalten. Diese Verhandlungen scheiterten daran, daß im nationaljüdischen Lager die radikalen Elemente über die besonnenen Führer den Sieg davon trugen und jede Einigung ablehnten. So stehen sich denn zwei geschlossene Fronten kampfbereit gegenüber. Auf der einen Seite die religiös eingestellten Danziger Juden liberaler und orthodoxer Richtung, die unter ihren Fahnen die alteingesessenen Teile der Danziger Gemeinde in ihrer großen Mehrheit vereinen. Ihr Ziel ist die Erhaltung und der Ausbau der Religionsgemeinde in der Form, wie sie sich seit Generationen bewährt hat, als umfassender Zusammenschluß aller Danziger Juden, gleichviel welcher Richtung sie im einzelnen angehören. Wenn auch die Leitung der Gemeinde im wesentlichen in den Händen liberaler Männer liegt und gelegen hat, so haben doch auch die Orthodoxen, wie von ihren Vertretern freudig anerkannt wird, stets vollste Berücksichtigung ihrer religiösen Wünsche und Bedürsnisse gesunden. Ebenso fanden die aus dem Osten auf längere oder kürzere Zeit verschlagenen jüdischen Ein Wanderer gastliche Aufnahme in der alten liberalen Ge meinde. Die gerade in Danzig Gewaltiges leistende soziale Hilfsarbeit sah stets ihre freudigsten und aufopferndsten Helfer in den Reihen der Liberalen, ihre Anwendung vor allem in den hilfsbedürftigen Reihen der Ostjuden. Ein Name, der weit über Danzig hinaus Klang hat, mag hier als Beispiel genannt sein: der des verewigten Rabbiners Robert K a e l t c r, der ein so guter Liberaler und Deutscher und ein unermüd licher Helfer der Ostjuden war. Aber nicht nur auf sozialem Gebiet haben die Danziger Liberalen Großes geleistet. Den Interessen der neu nach Danzig Gekommenen vor allem diente auch der Bau einerneuen Synagoge im Vorort Langfuhr, ein Unternehmen, das wegen seiner schweren finanziellen Belastung manchem alten Danziger Juden als ein gar zu weitgehendes Entgegen kommen an die Wünsche der neuen Mitbürger erschien. Daß auch sonst die Gemeindeverwaltung auf das beste für alle jüdischen Richtungen gearbeitet bat, das bewies besonders deutlich das uneingeschränkte Lob, das auch von zionistischen Führern der Gemeindeverwaltung im Wahlkampfe gespendet wurde. Und dennoch Wahlkampf? Was fordert mui eigentlich die Jüdische Volkspartei Neues? Ein wortreiches Programm soll ihre Forderungen künden, aber hinter den klingenden Worten läßt sich nur schwer ein greifbarer Plan erkennen. Das jüdische Gemeiiideleben soll alles umfassen, was jüdische .Herzen höher schlagen läßt so liest mann. Tie Gemeinde soll sich als Teil des Gesamtjudentums fühlen so heißt es. Wunderschöne Worte, die ein jeder unterschreiben könnte, wüßte man nur, ob dies „Gesamtjudentum" als religiöser oder nationaler Begriff gemeint sei. Als einzige positive Forderung wird der Wunsch nach einer jüdischen Grundschule ausgesprochen. Nun, auch hierüber könnte man Meinungen austauschen, wenn man sich im nationaljüdischm Lager erst einmal darüber klar wäre, was man unter einer jüdischen Schule verstehen möchte. Tie Anhängerschaft der Volkspartei setzt sich nämlich in Danzig zum überwiegenden Teil aus Inden zusammen, die nicht deutscher Muttersprache sind. -Ob die Jiddischisten und Hebraisten, deren Zahl im nationaljüdischen Lager nicht gering ist. irgendein Interesse an der von den deutschen Zionisten angeblich erstrebten deutschen Schule jüdischer Kon- Mjwtt pavif11, erscheint denn doch äußerst zweifelhaft. Und >° ist <nnfy Hiese Forderung letzten Endes nur ein Schlagwort, über d-essen Bedeutung sich die Verfechter dieser Idee durchaus nr^ht klar und einig sind. Ter bisherige Verlauf des Wahlkampfes hat die Wogen Erregu^rg bisweilen recht hoch gehen lassen. Die erste ^erfammlUs'ng der Volkspartei, in der die nationaljüdischen Kanoidate cn ihr Programm entwickelten, war sehr schwach SfffNfet zahlreich anwesenden Liberalen kamen in der gsion mit Erfolg zu Wort, bis dann ein nach Inhalt und o.orr'.n besonders -gröber Ausfall von zionistischer Seite die > ,.oeralen veranlaßte, zum Protest den Saal zu verlassen. Tos vorzeitige Ende der nunmchr völlig zusammengeschrumpf-- ten Versammlung war die Folge. In schärfstem Gegensatz zu diesem unerfreulichen Verlauf spielte sich eine vom Centralverein Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufene Versammlung ab, in der Gemeinderabbiner Tr. Lewin- Königsberg über das Thema: „Der Jude im Gefüge des neuzeitlichen Staates" sprach. Die Aufforderung des liberalorthodoxen Wahlkomitees zum Besuch dieser Versammlung hatte den großen Saal des Danziger Hofs überfüllt. Die inhaltlich und rhetorisch auf höchstem Niveau stehenden Ausführungen des in Danzig wohlbekannten Redners machten auf die auch von nationaljüdischer Seite stark besuchte Versammlung sichtlich nachhaltigen Eindruck. In der Diskussion kamen ausgiebig Vertreter aller Richtungen zu Wort, bis dann in vorgerückter Stunde eine formvollendete Schlußabrechnung des Hauptredners der wohlgelungenen Versammlung ein Ende setzte. Für den weiteren Verlauf des Wahlkampfes bleibt nur der Wunsch übrig, daß er sich in Formen abspielen möge, die der Austragung innerjüdischer Gegensätze angemessen sind. An alle Danziger Juden, die auf die Erhaltung und den Ausbau der jüdischen Gemeinde in der bisherigen Gestalt als Religionsgemeinde Wert legen, muß die dringende Mahnung gerichtet werden, am 19. Februar ihre Pflicht zu tun und durch ihre Stimme den Block der vereinigten Liberalen und Orthodoxen zu stärken. Tr. Erwin L i ch t e n st e i n, Danzig. (Eta sozialer Ausschuß beim Reichsverband der jüdischen Lehrervereine Auf der 9. Verbandstagung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche vom 26. bis 28. Dezember 1927 in München wurde ein Sozialer Ausschuß, der den Charakter einer Arbeitsgemeinschaft tragen soll, mit dem Heilpadagogen Georg Sawady als 1. Vorsitzenden, begründet. Dieser Ausschuß will das Interesse des jüdischen Lehrers an der Jugendwohlfahrtspfiege wecken, fördern und wach erhalten, und ihm Rat und Hilfe in allen Fragen der Jugendwohlfahrtspflege erteilen. Er will dahin streben, daß! die jüdische Schule und tjttt ihr die jüdische Lehrerschaft stärker Mitwirken bei der pädagogischen Ausgestaltung der gesamten Jugendwohlfahrisarbeit. Zur Mitarbeit ist jeder jüdische Lehrer willkommen. Zuschriften sind zu richten an: Georg Sawady, 1. Vorsitzender des Sozialen Ausschusses des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche, Geschäftsstelle: Berlin N24, Oranienburger Straße 69, II. Unehelich geborene Kinder sollen dem Judentum erhallen bleiben Eine bemerkenswerte Bewegung wird aus Wien gemeldet. Während früher unehelich geborene jüdische Kinder in jeder Weise hintangesetzt wurden, sodaß auch ihre religiöse Erziehung Mangel litt, will man jetzt mit solchen veralteten Auffassungen brechen. Tie Wiener Jsr. Äultusgemeinde hat eine Aktion eingeleitet, die daraus hinausgeht, unehelich geborene jüdische Kinder, die bei christlichen Pflegeeltern untergebracht sind und meist durch Entfremdung und Taufe dem Judentum verloren gehen, bei jüdischen Familien und in jüdischen Waisenhäusern unterzubringen, ihnen jüdische Vormünder zu bestellen, um diese Kinder dem Judentum zu erhalten. Eine gleiche Aktion hat der Provinzialverbanü der Jüdischen Kultusgemeinden Oesterreichs eingeleitet. Es handelt sich um einige Hundert solcher Kinder.' Die Hauptversammlung des <£. V. Die Hauptversammlung des Eentral-Ber eins deutscher Staatsbürger jüdischen Glau bens findet am Sonnabend, Sonntag und Montag im Plenarsitzungssaale des vorläufigen Reichswirtjchastsrates zu Berlin statt. Die Verhandlungen beginnen Sonnabend Abend 6.30 Uhr mit einem Geschäftsbericht des Syndikus Tr. Alfred Wiener, dem Finanzbericht des Herrn Oscar H eimann und einem Bortrag des .Herrn Staatssekretär a. T. Professor Dr. Julius Hirsch über „Wirtschafts Probleme der deutschen Jude n". Den zweiten Ver handlungstag am Sonntag leitet eine große Kundgebung im „Capitol" ein. Justizrat Dr. Julius Brodnitz, der Vorsitzende des E. V„ Rabbiner Dr. Paul Lazarus-Wies baden, Chefredakteur Georg Bernhard Berlin, Rechts anwalt Dr. Norbert Regensburger- Bcaunschweig und Direktor Dr. Ludwig Holländer- Berlin werden zu dem Thema „Lebensfragen des deutschen Juden tu ms" sprechen. Umrahmt werden die Vorträge von einein künstlerischen Programm, für das Generalintendant Pros. Leopold Jeßner verantwortlich zeichnet. Das bekannte Trio K n i e st ä d t, R a u ch e i s e n , H e i n i tz wird Franz Schn bert und Felix Mendelssohn zu Gehör bringen: die in Berlin beliebte Lucie M a n n h e i in vom Staatstheater einen von Fritz Engel verfaßten Prolog vortragen. Ter Sonntag- Nachmittag ist geschäftlichen Tingelt vorbevalten. Am Montag werden Dr. Ludwig Holländer und Tr. Eduard Strauß Frankfurt das Thema „Ter Weg des E.B.", a) Abwehr verein oder Gesinnungsverein?, b) Ter E. B. der Gegenwart, der C. V. der Zukunft, behalldeln. Am Nachmittag des letzten Verhandlungstages wird Dr. Norbert Einstein über „Das W i r t s ch a st s p r o g r a m m des C. V." sprechen. Neben der Hauptveranstaltung finden eine Reihe von Sonder- Veranstaltungen statt: Beamtentagung, Sitzung des Verwaltungsausschusses, Jugendtagung, Besprechung der weiblichen Abgeordneten. Tie .Hauptversammlung schließt mir einer öffentlichen K undgebnng in den „11 n i o n s f e st s ä l e n". Das Programm wird bestritten von den Herren Tr. Bruno Weil, stellv. Vorsitzenden des C. V., Rabbiner Dr. L e v i - Mainz, Frau Paula O l l e n d o r f f - Breslau, Dr. Ludwig Haas- Karlsruhe, M. d. R., und Dr. Kurt Alexander - Krefeld. Frau Erna Feld spricht hier den von Fritz Engel gedichteten Prolog. Während die Kundgebung in den Unionsfestsälen bei freiem Eintritt slattfindet, müssen für die Kundgebung im Capitol an den Theaterkassen von Hermann Tietz Karlen für 1, Mark gelöst werden. Eventuell sind auch noch Karlen an der Kasse des Capitol von Sonntag 10 Uhr an zu haben. Landesversammlung der Israelitischen Religionsgememden Württembergs Die Landesversammlung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs für das Jahr 1927 hat am 5. und 6. Februar getagt, da erst gegen Ende Dezember infolge verspäteter Steuerabschlüsse eine Feststellung der Steuer eingänge und damit die Beschlußfassung über die Höhe der Landessteuer zur Zentralkasse der Religionsgemeinschaft möglich war. Die Versammlung fand unter der Leitung ihres Präsidenten Julius Rothschild statt, der von seinen Stell Vertretern Dr. Hayum-Tübingen und Dr. Wolf-Stuttgart bei der Leitung unterstützt wurde. Der Präsident des Oberrats, Regierungsrat Dr. Nördlinger, erstattete zuerst den Bericht über die Tätigkeit des Israelitischen Oberrats vom 1. April 1926 bis zum 31. Dezember 1927. Er schilderte die Bemühungen, das religiöse Leben im Lande auf dem Gebiete des Gottesdienstes, der Seelsorge und des Religionsunterrichtes zu fördern. Der neue Lehrplan für den Unterricht an den höheren Schulen liegt zur Zeit dem Kultusministerium zur endgültigen Genehmigung vor. Der Religionsunterricht für die Zöglinge des Lehrerseminars Eßlingen wurde wesentlich erweitert. Besondere Vorbeterkurse zur Ausbildung von Laien in Gemeinden, die keinen Vorbeter haben, wurden mit gutem Erfolg eingerichtet. Den Rabbinern wurde aufgegeben, in den Gemeinden, die sie anläßlich der Turnusreisen besuchen, einen Gemeindeabend mit geeigneten Vorträgen zu veranstalten. Im April 1926 und 1927 wurden Fortbildungskurse für Rabbiner und Lehrer veranstaltet. Die Wanderbibliothek für die Lehrer und die Bibliothek des Oberrats wurden wesentlich erweitert. Die Vorbereitungen für die Uebersührung der Lehramtszöglinge an das staatliche Seminar in Heilbronn wurden getroffen, so daß vom Frühjahr 1928 an ihre Ausbildung dort erfolgen wird. Ein neuer Betsaal wurde in Ellwangen eingeweiht, das Gotteshaus in Rottweil wurde erneuert. Die Synagogen in Nordstetten, Aufhausen, Affaltrach, Buchau und Buttenhausen wurden restauriert. Die Friedhöfe in Kochendors und Nordstetten wurden wieder instandgesetzt. Mit der Restaurierung des Friedhofs in Asfeltrach ist begonnen worden, die Instandsetzung der Friedhöfe in Dünsbach und Hochberg ist für das Frühjahr geplant. Das Steuerergebnis des Rechnungsjahres war wenig günstig. Doch wurden den Beamten die gleichen Notstandsbeihilfen gewähtt wie den Staatsbeamten. Ebenso wurden die Vorauszahlungen auf die Gehaltserhöhung seit dem 1. Oktober 1927 geleistet. Die Versuche zur Begründung einer Reichsorganisation der deutschen Juden haben im Berichtsjahre keinen Erfolg gehabt. Dagegen hat die Süddeutsche Arbeitsgemeinschaft, welche die Gemeinden Bayerns, Badens, Württembergs und Hessens umfaßt, erfolgreich gearbeitet. Die Geschäftsführung liegt zur Zeit in den Händen des I Württembergischen Oberrats. Zum theologischen Mitgliede des Oberrats wurde in geheimer Wahl mit sämtlichen abgegebenen Stimmen Stadt rabbiner Tr. Rieger Stuttgart, gewählt. Ein Antrag des Lehrervereins auf Schaffung gehobener Stellen wurde von der Tagesordnung abgesetzt, da die neue Besoldungsordnung noch nicht übersehbare Aenderungen in der Besoldung herbei' führen wird. Dagegen wurde ein Antrag des Lehrervereins, beit in Gruppe VIII eingestuften Lehrern die Amtsbezeichnung eines ReligivnSvberlehrers zu erteilen, angenommeit. Die ausführliche Beratung des Haushaltsplanes ergab die Annahme des Antrages des Oberrates, 41/2 <>„ aus der Reichseinkommensteuer für das Kalenderjahr 1926 und aus der dreifachen auf den 1. Januar 1925 veranlagten Bec mögenssteuer als Landesumlage zur Deckung der Bedürfnisse der Religionsgemeinschaft zu erheben. Außerdem sind die Lohnempfänger, die im Kalenderjahr 1926 nicht mehr als 8000 Mark steuerbares Einkommen gehabt haben, in Steuer klaffen zu 10, 20, 10 und 60 Mark einzuteilen. Ebenso wurden die RabbinatSbeiträge insofern neu geregelt, als die Bezirtsgemcinden von ihnen ganz befreit wurden, während die Sitzgemcinden vom 1. April an die Hälfte des Grundgehaltes der Rabbiner zu zahlen haben. Die Auflösung der Gemeinde Wiesenbach wurde be schlossen. Dagegen sollen in Freudenthal und Edelfingen neue unständige Religionslehrerstellen geschaffen werden. Die Tagung bot ein erfreuliches Bild blühenden religiösen Lebens in Württemberg. (Jta.) Keine religiöse Scheidung in Oesterreich mehr erforderlich? Tie Niederösterreichische Landesregierung hat einer jüdischen Frau, dcrett Galle sich weigerte, ihr den religiösen Scheidungsbrief (Gel) zu geben, obwohl das Gericht die Trennung der Ehe ausgesprochen hatte, das Eingehen einer neuen Ehe gestattet. Tie Frau ging auch bereits eine sogenannte Dispens Ehe mit einem freisinnigen Juden ein. (Jta) f*:: Aus der Bewegung Berlin. iborat c 2 ti n n fj u g o © i l m c v * b o r f.) Xei seit dem Dezember v. Js. veranstaltete Freitagabc > idgvltcsdienst iir der Stiila des Eäcilienichnle hat bewiesen, ivie dringend das Bedürfnis nach einem liberalen Gottesdienst besonders im Westen ist. Der Besuch der Gottesdienste ist in ständigem Steigen begrifsen, die DurchschniNsanzahl der Besucher snr den einzelnen Gottesdienst wenn von dem Eröffn ungsgvltesbienst und dem Gottesdienst am 20. v. MlS., an dem die S.G.B. (Sozialgesellige Vereinigung der drutich-jüdischen Perusstätigen) korporativ teilnahm, abgesehen wird betragt rund l',0. Die Neugestaltung der Liturgie, die in Anlehnung an das Althergebrachte neue Gesichtspunkte betont, unter .Hervor Hebung _ der hebräischen Gebetiprache die wichtigsten Gebiete in der Muttersprache vermittelt lind die Gemeinde durch Gemeindegesang. der die Regel ist, zu einer aktiven Teilnahme am Gottesdienst aneisert, hat viele, die einer religiösen Betätigung ablehnend oder indisserenl gegenübergestanden haben, wieder zu aktiven Juden gemacht, die an den Gottesdiensten regelmäßig leilnchmen. Für die Feiertage wirb an gleicher Stelle ein Votlgottesdienst vorbereitet, ivegen Veranstaltung eines Gottesdienstes am Rosch haschonoh und Jom Kippur »vird wegen eines würdigen Lokals bereits verhcmdelt, um den Gottesdienst einem möglichst weiten Kreise zugänglich zu machen, umsomehr, als sich besonders in Wilmersdorf der Mangel eines Gottesdienstes sehr fühlbar gemacht hat. Anmeldungen von Mitgliedern, die bei Vergebung der Plätze für die hohen Feiertage bevorzugt werden, nimmt der l. Vorsitzende, Herr Dr. Lev Earo, Wilmersdorf, Motzstraße 39. entgegen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat für die Gottesoienste eine vorläufige Subvention von 3000 RM. bewilligt. Dem Gemeindcvorstand liegt ein Antrag aus Bewilligung einer weiteren Subvention bereits vor, damit der Bestand und die weitere Ausgestaltung des Gottesdienstes materiell gesichert sind. Es dürste bei dem bisherige» Erfolg der Veranstaltung und dem dringenden Bedürfnis nach einem solchen Gottesdienst wohl keinem Zweifel unterliegen, daß auch die weitere Subvention bewilligt werden nnrd. Mannheim. (Vereinigung für das liberale Judentum.) Am Dienstag, den 31. Jnnuar, sprach in der Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum Herr Rabbiner Dr. Selig mann (Frankfurt a. M.) über „u n s e r c lt Willen zum Judent u m". Vor seinen zahlreichen Hörern setzte er auseinander, „warum" es heute noch ein Judentum gebe, ebenso das „Wozu" und das „Wie". In der dem Redner eigenen meisterhaften Diktion wies er auf das Wunder des durch Jahrtausende fortwirtenden Lebenswillens im Judentum, hin, bis zur jüngsten Gegenwart, lvo in den Parteien aller Schattierungen ungebrochene Kraft pulsiert. Aus einen Lebenswillen, der Völker und Kulturen überdauert hat und Ewigkeitswert in sich trägt. Die Frage des „Wozu" steht für ihn im innigsten Zusammenhänge mit dem „Warum". Eine felsenfeste Uebcrzeugung für die größten Menschhcitsideale hielt den Lebenswillen aufrecht. Die mcssianischen Hoffnungen auf die Zeit der Menschen- und Völkervcreinigung im Geiste des „Höre Israel" gab der Seele des Juden in Zeiten des Glückes wie der Finsternis die Schwungkraft zum Ausharrcn, bis die Zeit anbrcchen wird, von der die unverbesserlichen Idealisten in Gestalt jüdischer Propheten zu weissagen sich mutig genug gefühlt haben. Hier tvar der Redner ein begeisterter Interpret für das Verdienst, welches gerade das liberale Judentum als Wiedererwecker und Träger dieser Idee für sich in Anspruch nehmen darf. Weit wies er den Vorwurf, das liberale Judentum für alle Absallserscheinungen verantwortlich zu machen, von sich; dafür aber verlangte er, und dies als Antwort auf seine Frage des „Wie", daß auch der religiös liberale Jude mit Eifer und Verantmortlichkeitsgesühl der Pflege des kostbaren religiösen Erbgutes obliegen soll. Der Vorsitzende der Bereinigung, Herr Notar Dr. Appel, der die Versammlung geleitet hatte, dankte dem Redner für die eindrucksvollen Darlegungen. Vereinsnachrichten Der Frauen-Berein der Berliner Logen U.O.B.B. E. 8. (Mütter und Säuglingsheim) begeht am Sonntag, den 4. März 1928, die Feier seines 40jährigen Be st ehe ns. Der offizielle Festakt findet vormittags 11 Uhr im Marmorsaal des Zoologischen Gartens statt. Weiherede hält: Herr Rabbiner Dr. Baeck, Festrede die Vorsitzende: Frau Minna Schwarz. Freie Indische Bolkshochschnle. Am Montag, den 13. Februar, abends 8 Uhr, findet der zweite Vortragsabend von Frau Alice Jacob-Loewenson über „Moderne jüdische Musik" in der Aula der Kaiser Wilhelm-Schule, Charlottenburg, Knesebeckstraße 24 (am Savignyplatz), statt. Mitwirkende.- Frau Rahel Kaufmann (Sopran) und Herr Leo Riasanzew, Mitglied der Habima (Bariton). Es wird aus Werken von Ljow, Milhaud, Nadel, Achron, Gnessin, Engel, Weinberg, Krein, Sternberg, Gladstein und Jora vorgetragen. Werbt neue Mitglieder!