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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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meitibc, der Lehrerschaft und in Anwesenheit einiger Elternpaare Fritz Schwarzschild, Geschäftsführer des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, über: „Wesen und Ziele jüdischer Jugendarbeit". Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete anläßlich des 15. Schwat einen gemütlichen Teeabcnd. Ludwigshafen. Am Dienstag, den 24. Januar, veranstaltete der jüdische Kulturverein einen Abend für synagogale Gesänge und ostjüdiswl' Voltslicder Der neue Kantor der Mannheimer Gemeinde, Herr Lewi, errang sich durch die Vorzüge seines schönen und kultivierten Tenors und beseelte Wiedergabe sowohl der synagogalcn ivic auch der weltlichen Gesänge einen außergewöhnlichen Ersolg. Ein voraufgcgangencr Vortrag über synagogalcn Gesang und ostjüdischcs Volkslied von Herrn Liebermensch in Mannheim hatte in vorzüglichster Weise das Verständnis für die Gesänge vorbereitet. Die Begleitung hatte Herr Eppstein übernommen, der auch gemeinsam mit Frau Leboivisz ein Konzert für 2 Klaviere in bestem Zusammenspiel zum Portrag brachte. Schneidemühl. (A u s der G e m e i ii b c.) Die neugewähltkii Repräsentanten lvurden nunmehr von dein Wahlkommissar, Herrn Oberbürgermeister Dr. Krause, in ihr Amt cingeführt und verpflichtet. Es sind dies die Herren: Fabrikbesitzer Siegfried Sommerseid, Rechtsanwalt Fleischer, Dr. Kronheiin, Zahnarzt Tr. Bieber, Kausmaun Avols Simonstein, Kaufmann Samuel Rosenthal, Rentier Gumperl, Kaufmann Samuel Reich, Kaufmann Rosenberg, Kaufmann Alexander Meyer, Kaufmann Eugen Rosenbaum, Kaufmann Alexander Wiener und Kaufmann Samuel Goetze. Stellvertreter: Kausinani, Hugo Simoiistein, Kausmann Fachmann und .Kaufmann .Heinz Silberslein. Zum Vorsitzenden bezw. Schristsührcr lvurden gewählt die Herren Sommerfeld und Simonstein. Hieraus lvählten die Repräsentanten den Gemeindevorstand, ivelcher aus den Herren Stadtrai a. D. Schneider, Justizrat Soldin, Kaufmann Louis Schweriner, .Kaufmann Siegmund Jakob und Lyzcallchrer i. R. Lewin besteht. Zu Stellvertretern lvurden die .Herren Kaufmann Simonsohn, Kaufmann Löffler und Lehrer Moses gewählt. Schweidnitz. (Todesfall.) Am 2. Februar starb nach fast einjährigem schwerem Leiden der l. Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Justizrat Georg Landsberg, der mehr als 20 Jahre Führer unserer Gemeinde und 17 Jahre Stadtverordneter war. Die Nachrufe der Gemeindekörperschastcn, des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, des Amvaltsvereins, des Landgerichtspräsidenten und des Richtcrkollegiums, des Gewerbevereins und der Turngemeinde bewiesen, ivelch hoher Verehrung und Wertschätzung sich der teure Entschlafene, der einer der gesuchtesten Anivälte war, in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute. Von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Ter neue Führer d u r ch d i e jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland wird Mitte März dieses Jahres erscheinen. Redaktionsschlnß ist am 15. Februar. Es liegt im eigenen Interesse aller Einrichtungen, daß der neue Führer lückenlose und neueste Angaben bringt. Tie Z e n t r a I >v o h l f a h r t S st e l l e der deutschen Juden bittet daher dringend, alle Gemeinden, WohlsahrtSorganisationen, Anstalten ustv., von denen etwa noch irgendwelches Antwortmaterial auf die Anfragen fehlt, es bestimmt bis zu dem genannten Tage einzusenden, an die Adresse: Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 69. Briefkasten. Anonymer Briesschreiber in Sieglitz: Wenn Sie die Freundlichkeit haben, uns Ihren Namen zu nennen, wird sich der hiesige Liberale Verein gern mit Ihnen unterhalten. Mehrere Leser. Der Staatsanwalt Jaeoby-Berliu ist nicht Jude. Sei» Vater ist Theologieprofeffor an der Universität zu Königsberg. Balduins Buße oder Wie der stolze Ritter zum zahmen Schneiderlein wurde. (Eine flandrische Legende.) Der tapfere Ritter Balduin klopfte heftig an die Eingangspforte in das Paradies. „Petrus, heiliger Torwart! Mach’ mir auf! Ein fluchwürdiger Sarazene hat mir in der Schlacht bei Akka den Bauch aufgeschlitzt und so meinem irdischen Leben ein Ziel gesetzt.“ Der heilige Petrus steckte den Kopf in das Guchloch und sah durch seine runden Brillengläser nach, wer da klopfe. „Aha! Auch du bist schon unter den Verstorbenen, armer Balduin. Nun denn: Jeder Mensch muß es einmal durchmachen, davor gibt es kein Entrinnen. Aber warum klopfst du so heftig?“ Balduin erwiderte gekränkt: „Ich sollte eigentlich noch stärker klopfen. Ich hatte schon geglaubt, daß ihr dort alle eingeschlafen wäret. Es ist schon das allein merkwürdig, daß ich überhaupt schrift immer noch sträflich wäre! — anzunehmen, so höre er, wie der „christliche" Freimaurer (aus S. 10) unmittelbar hinter dem „Liebe deinen Nächsten als dich selbst", dem „Brudergedanken der Freimaurerei" fortfährt: „Nicht der Gott der Rache des alten Testaments, der Gott des jüdischen Volkes, sondern der Gott der Liebe des neuen Testaments, der Gott der abendländischen christlichen Welt, ist der Gott der Freimaurer." — Auf Seite 11 vernimmt man einen psychologisch aufschlußreichen Unterton: in irgendeinem Zusammenhänge ist von den alten deutschen Ordensrittern die Rede, „denen Beziehungen zum Judentum vorzuwerfen (von mir gesperrt. Vers.) einfach lächerlich wäre." Aber es wird nicht nur der von Ludendorfs, wie auch von der Allgemeinheit, oft betonte Gegensatz zwischen Jüdisch und Christlich tapfer unterstrichen, sondern es wird auch gar deftig unterschieden zwischen Jüdisch und Deutsch. Wobei dann natürlich nach berühmtem antisemitischen Muster der Nationsbegrisf uni) der Rassebegriff gänzlich identifiziert werden. Daß die deutsche Nation keine deutsche Rasse und übevhaupt keine einheitliche Rasse ist, werden vom Judenhaß geblendete Augen niemals sehen. Wir aber werden dem judenhassenden Freimaurer nicht die Ehre antun, ihn über den Unterschied von Rasse und Nation wissenschaftlich zu belehren, wenn wir in seinem Kapitel über „Freimaurerei und Deutschtum" in einem Zusammenhang, der die Uebereinstimmung des freimaurerischen Gemeinschaftsgeistes mU der alten deutschen Gcsolgschaftstreue dartun sott, selber folgende wissenschaftliche Belehrung empfangen (S. 75): „Ter chm (dem Gefolgschaftswesen) zugrundeliegende geistige und sittliche Kern ist dem deutschen Volkstum erhalten geblieben und in neuen Bildungen immer wiürer zum Ansdruck gekommen: in... (folgen Beispiele): in den geistlichen, ritterlichen und bürgerlichen „Bruderschaften" des deutschen Mittelalters, die selbst im Weltenheiland den großen germanischen Gefolgsherrn sehen, dem sie Treue geloben (von mir gesperrt. Vers.)." Jesus ben Josef aus Nazareth als Germane — Tolleres als diese Offenbarung des Logen- Versammlungskalender Breslau. Der liberale Verein der Synagogengemeinde ladet seine Mitglieder sür Dienstag, den 14. Februar, abends 8* ä Uhr, in den Kleinen Saal der Gesellschaft der Freunde ein. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bortrag Rabbiner Dr. Dienemann-Offendach über: „Probleme und Ausgaben des religiösen Liberalismus im Judentum". 3. Bericht über das liberale Einheitsgebetbuch. Breslau. Jli „Abraham Geiger". Lorsitzender Rabbiner Dr. tzalpersohn, Breslau 13, Moritzstratze 50. Bereinslokal: Loge „Grrhart Hauptmann", Schweidnitzer Stadtgraben 9. Montag, den 13. Februar, abends 8.15 Uhr, Bortrag von Fraulein Dr. Ellen Littmann-Berlin: Herder und die Bibel. Wir erwarten bei diesem Vortragsabend rege Beteiligung unserer Mitglieder und bitten um Einsührung von Gästen. Königsberg. . Bereinigung sür das liberale Judentum. Am Dienstag, den 14. Februar, abends 8.30 Uhr, findet in der Börsenhalle (Spielsaal), Hintertragheim, unsere Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Kassenbericht, 3. Wahl des Vorstandes, 4. Referat des Herrn I. Fabian: Welche Aenderungen wünschen wir im Gottesdienst? Gäste witttommen. Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerdachfchen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 10. Februar, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonsti. Sonnabend, den 11. Februar, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Am Freitag, den 17. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsti. Berlin-Wilmersdorf-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschnle, Nilolsburger Platz): Liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 7.15 Uhr pünktlich. Am Freitag, den 10. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Lazarus-Wiesbaden. Am Freitag, den 17. Februar, Predigt: Rabbiner Dr. Schreiber-Potsdam. erst anklopfen muß. Wenn ein so vornehmer Toter wie ich kommt, sollte man schon im voraus die Paradiespforten sperrangelweii aufreißen!“ Der heilige Petrus antwortete demütig: „Entschuldige schon, daß cs so kam, Ritter Balduin. Wenn du noch einmal sterben wolltest, werden wir schon auf der Wache sein. Aber diesmal war es leider nicht möglich, weil dein Name in der Liste gar nicht enthalten ist.“ „ln welcher Liste?“ - fragte erstaunt Balduin. „ln der Liste der Hingeschiedenen, die zu uns in die Seligkeitsstätte gehören. Denn nur vor denen, die auf der Liste stehen, öffnet sich die Eingangspforte in das Paradies. Die anderen aber finden hier immer verschlossene Pforten.11( „Ich stehe also auf deiner Liste nicht?“ „Nein!“ „Das ist merkwürdig! Einen so hervorragenden Toten wie ic?h es bin in die Liste der Paradiesseligen nicht auf zu nehmen! Da muß bei euch im Himmel eine Schlamperei herrschen, wie sie nicht einmal auf der Erde denkbar ist!..“ „Hm..— überlegte der heilige Torwart. — „Wenn du durchaus überzeugt bist, daß dein Platz im Paradies ist, dann ist es allerdings eine unverzeihliche Schlamperei ... Aber icb muß dich warnen, daß, jedenfalls seitdem ich hier Wache halte, noch nie ein Irrtum vorgekommen ist.“ „Ob ich’s überzeugt bin!“ — rief Balduin und schlug zornig mit dem schweren Schwert gegen die Paradiespforte. — „Ob ich’s überzeugt bin! Und bist du’s etwa nicht?! Natürlich, überzeugt! Wo kann ich sonst hin- Annahme non Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands gehören, ich, der tapfere Ritter Balduin, den die Eeinde Christi Balduin der Qrimme nennen?“ Der heilige Petrus antwortete in Demut: „In der Regel finden alle, die in meiner Liste niaht enthalten sind, in der Hölle eine Unterkunft. Wer aber auch dort keinen Einlaß findet, dem bleibt nur noch die eine Wahl des Purgatoriums.“ „Wa—a—as?!“ — heulte Balduin auf. — „Mich ins Purgatorium? Du wagst es?! Unglückseliger! Du weißt wohl nicht, mit wem du sprichst! Siehe da: Mit diesem Arm hatte ich ad majorem Dei gloriam hundertneunundzwanzig Sarazenen niedergemacht, und den hundertunddreißigsten nur darum am Leben gelassen, weil er mir zuvorkam! Alle heidnischen Ortschaften unterwegs legte ich in Trümmer, verschonte weder Greise, noch Frauen, noch Kinder! Ich hatte dort wie toll gehauen, so daß Blutspritzen hoch über die Dächer stiegen!..“ „Stimmt“, — sagte der heilige Petrus. — „Ich entsinne mich dessen genau. Die Blutspritzen stiegen damals noch höher, Balduin. Sie stiegen bis zu uns ins Paradies und setzten sich im roten Tau auf den Flügeln der Engel und auf den weißen Gewändern der Gerechten an, und wir jammerten verzweiflungsvoll: schon wieder wütet auf der Erde im Namen des Glaubens ein unglücklicher Narr und vergießt dort unschuldiges Blut.. Du warst es also, Balduin!“ „In meinem Vaterland in Flandern“, — fuhr der Ritter fort, — „hatte ich, vom weisen Kaplan dazu an- Rgestiftet, alle Häretiker, alle Zauberer, Alchimisten, Astrologen, Philosophen, alle Weiber, alle, auf die nur die geringste Spur eines Verdachtes fiel, verhaften und auf gewaltigen Scheiterhaufen verbrennen lassen, mitsamt ihren Büchern und Geräten...“ ,,Ah! Erzähle lieber nicht davon!“ — seufzte Petrus. — „Du hast damals uns allen schrecklich eingeheizt! Wir hatten die Augen voll Asche. Und erst der Rauch! Der garstige Qualm hat uns ganz rußschwarz gemacht und wir sahen wie die Aethiopier aus.“ Balduin zuckte die Achseln und fuhr fort: „Was endlich meinen Eifer gegen die verfluchten, beschnittenen Juden anbelangt...“ „Höre, Balduin!“ — unterbrach ihn gekränkt der heilige Petrus. — „An deiner Stelle hätte ich es mir überlegt, den Juden so offen zu fluchen, wenn ich zu einem Mann spräche, dessen Vater, Großvater und Ahne Juden waren und der selbst beschnitten war und bis ans Ende seiner irdischen Tage den Ritus streng beobachtet hatte.“ „Ha! Daran habe ich gar nicht gedacht, ich muß es gestehen.“ — rief der verdutzte Balduin. „Ja, du und deinesgleichen, Haudegen mit schwachem Kopf und starkem Arm, dachten leider niemals darüber nach, aus welchem Lande und aus welcher Stadt der Glaube kam.“ „Aber ich wollte dich nicht beleidigen, guter Petrus, und ich bitte dich um Verzeihung.“ „Gott wird verzeihen. Also, was wolltest du mir von den Juden erzählen?“ „Ich weiß nicht...“ — schwankte der Ritter. — „Ich glaube, es wird vielleicht besser sein, wenn ich davon nicht mehr erzähle.. „Das glaube ich“, — sagte der heilige Petrus. — „Für dich ist es gewiß besser, davon nie wieder zu sprechen. Umso mehr wäre es auch überflüssig, weil ich deine Juden ohnehin alle kenne." „Woher solltest du meine Juden kennen?" — fragte verblüfft Balduin. „Woher ich sie kennen soll?" — lachte der heilige Petrus. — „Ich hatte sie doch alle auf der Liste und mußte ihnen die Paradiespforte öffnen.“ „Du hast sie ins Paradies eingelassen?“ — schrie Balduin entsetzt auf. — „Wie war das nur möglich? Was hast du angerichtet? Das ist nicht auszudenken, himmlicher Torwart! Leute, die ich fortgejagt hatte, nahmst du auf?!“ „Ja, so ist es, Balduin! Wir nahmen sie alle auf. Alle! Die, die du in Palästina aus ihren ärmlichen Behausungen vertrieben hattest, und die, die du in Flandern auf Scheiterhaufen verbrannt hattest. Auch die schöne Rebekka, die sich selbst das Leben nahm, nachdem du sie vergewaltigt hattest. Auch den Waffenschmied Joseph, den du aufhängen ließest, weil er seine Arbeit bezahlt haben wollte. Auch den Geldwechsler Schriftstellers hätte man schließlich auch von Ludendorss nicht erwarten können! Und nun, denke ich, kennen wir uns aus mit dieser Sorte Logenbrüder, die alles mögliche sind, nur keine Freimaurer. Nun wundern wir uns nicht mehr darüber, daß. sie da, wo sie uns von der Selbständigwerdung der deutschen (preußischen) Freimaurerei unter dem Großmeister Friedrich II.. dem Großen, erzählen (S. 44), den Namen seiner Loge „Zu den drei Weltkugeln" nennen, während diese in WirklichLit — Friedrich der Große hat Französisch gesprochen und beherrschte das Deutsche nur mangelhaft — anfangs „Aux trois Globes" geheißen hat. Daß sie einst einen französischen Namen führten, müssen diese Logenbrüder in ihrer „Aufklärungsschrift" schamhaft verschweigen, damit nur ja niemand ihren „nationalen" Charakter in Zweifel ziehe. — Nun wundern wir uns über nichts mehr. Auch darüber nicht, daß diese „Freimaurer" mit wahrer Wollust immer wieder beteuern, sie tvollten mit außerdeutschen Logen nichts zu tun haben und hätten nach dem Kriege jede sich bietende Gelegenheit zu auch nur unverbindlich«: Zusammenkünften entrüstet ausgeschlagen. Von allem Pazifismus halten sie sich bewußt fern (S. 47)' und ob sie auch begeistert Lessings Freimaurer-Gespräche als die klassische Abhandlung über die Freimaurerei bezeichnen (S. 15), so ermangeln sie doch nicht der Dreistigkeit, von sich selber zu behaupten, daß sie die Freimaurerei weit über Lessings Auffassung von chr voranentwickelt hatten. Allgemeiner Menschheitsbund — davon wollen sie nichts wissen; sie wollen „national" sein und meinen, die früheren Freimaurer seien nicht national, nicht national genug gewesen. Es zeigt sich ihre ganze Unfähigkeit, Lessing auch nur zu lesen; denn der schreibt ausdrücklich, daß die Freimaurerei bestehende nationale und religiöse Abgrenzungen weder ausheben kann noch will, daß sie diese vielmehr nur überbrücken will. Solche Ueberbrückung der bestehenden und durchaus bejahten Abgrenzungen: das ist Lessings und der Freimaurerei allgemeines Menschheits-Ideal, ein allgemein menschlicher und menschheitlicher Bund; kein allgemeiner Bund aller Menschen, den man bloß erfunden hat, um chn antisemitisch zu bekämpfen! — Liest man schließlich noch (auf S. 22), daß die Großloge „Zu den drei Weltkugeln" sich die Bchauptung eines Odd-Fellow-Schriftstellers zu eigen macht, wonach Freimaurer „zu den obersten Zehntausend gehören" müssen, so dürfte man endgültig wissen, mit wem man es zu tun hat: mit einem völkisch-kapitalistischen Bund nämlich, tvelcher vom Geiste der Freimaurerei genau so weit entfernt ist wie der von ihm bekämpfte Ludendorfs. * Die „Humanitären" Brüder haben zu früh geschmunzttt. Die Verteidigung, die sie sich von den Christlichen erwartet hatten, ist chnen nicht geworden. Denn die „Aufklärungsschrift" klärt zwar unfreiwillig über Irrwege der „christlichen" Freimaurerei auf, aber sie ist selber derartig unwissenschaftlich, daß sie nicht einmal chrem eigentlichen oder doch angeblichen Zweck gerecht wird und Ludendorffs Behauptungen an keiner Stelle schlüssig widerlegt. Aber das ist auch nicht nötig; es wurde schon gesagt, warum. Nötig ist vielmehr, auf den traurigen Tatbestand hinzuweisen, daß unter dem Namen einer „christlichen" Freimaurerei ein antisemitischfeudaler Bund am Werke ist; nötig ist, daß unsere Glaubensgenossen ihre Gegner an jeder Stelle und in jeder Maske erkennen. Darum gehört dieser Aufsatz in ein jüdisches Blatt. Zum Schluß aber sei dem Verfasser ein nicht mehr rein jüdisches Bekenntnis gestattet: Tie Freimaurerei ist eine große und heilige Sache; ihr Geist, der Geist Lessings, lebt und wirkt. Aber nur in den Humanitären Logen, die Bekenner aller Religionen und Angehörige aller Nationen aufnehmen und jedem Bruder auferlegen, seine Religion und sein Vaterland zu lieben. Nur sollte endgültig ein Trennungsstrich gezogen werden zwischen der echten, Humanitären und der — antisemitischen Freimaurerei.

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