Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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11i für David A. Brown, der sich groß'e Verdienste um d.as Reformjudentum erworben hat. Louis Marshall forderte mehr finanzielle Opfer für den Liberalismus. Es sprachen noch die Herren Ludwig Vogelstein, Rabbiner Jonah B. Wise, Adolpb S. Ochs, der Richter des Obersten Gerichtshofes Mitchell May, Lee K. Frankel u. a. m. Es wurde ein Appell zur schnellen Aufbringung des Fünf-Millionen-Dollar-Stiftungs-Foiios für die Union beschlossen. Bedauerlicher Unfall Bernhard Breslauers Ter Ehrenvorsitzende und Begründer unserer Vcreungung für das liberale Judentum, Justizrat Bernhard Bres lauer, ist erst vor wenigen Wochen von einem schweren Leiden genesen. Wir freuten uns, den wackren Vorkämpfer unserer Ideen wieder gesund und frisch im Kreise seiner Angehörigen zu wissen nun hören wir zu unserm schmerz lichen Bedauern, daß er am vergangenen Dienstag in seiner Wohnung einen schweren Unfall erlitten hat, der zwei Knochenbrüche zur Folge hatte und die Ueberführung in eine Klinik notwendig machte. Von ganzem .Herzen wünschen wir baldige Genesung? Aus den Gemeinden Aachen. (2 t) u n fl o fl e >i ch v r - Konter t.);jum Besten de» israelitischen Altersheimes veranstaltete der Aachener Lynaflvflenchvr- Verein Verein in der Synaflvfle ein Wohltätigkeiiskonzert. Das Programm wurde in der Hauptsache van solistische» Krüjlen bestritten. Der Chor sang ausser zwei liturgische» Werten von Nirschner und Sulzer nur den Händel'schcn Chor: „C Herr und Woü". Richard Heidelberg hatte die Stimmen sehr gut gegeneinander abgewogen und dadurch eine vornehme Klangtultur erreicht. Unterstützt wurde er durch eine reiche Fülle guter Stimmen, die eine fundamentale Stütze des Chores bildeten. Die Chorleistung stand aus einer beachten» werten Höhe. Die übrigen Vorführungen waren zwar sehr ab wechsclungsreich und unterhaltsam, litten aber naturgemäst unter der reichlichen Auswahl an der erforderlichen Einheitlichkeit.;,)um Ueberflusse war auch noch ein Vortrag über den Propheten „Elias", den Rehnin Friedmann aus Berlin mit innerer Ueberzeugung und sprachlicher Gewandtheit hielt, in de» Rahmen des Konzerts gespannt, der dadurch eine kaum tragbare Belastung erhielt. Auch die liturgischen Gesänge, die Hauptkantor M. Stiebet (Aachen) und Ober kantor B. Friedmann (Berlin) vonrugen, reichten kaum zur Erläuterung der Verknüpfung der musikalischeu Veranstaltungen mit dem religiösen Vortrage. Im übrigen waren die Werke aus der bekannteren Literatur entnommen. Hans Tusch spielte zum Eingang die „Entrata" von S. Kay-Elert. .Hier, wie in den fünf Legenden von Sjörgcn, konnte man die sichere Vertrautheit mit dem Instrument bewundern. Ueber das überlegene Können des Organisten dürsten wohl kaum Zweifel entstehen. Die Arien aus dem „Elias" sang Oberkautvr B. Friedmann mit angenehmer, wandlungssähiger Stimme. Auch die Sopranarie „Höre Israel!", die Grete Herz aus Aachen sang, fand eine musikalisch bedeutsame Gestaltung, wenn auch einige Wünsche hinsichtlich der Größe des Tones bestehen blieben. Auch Johanna Wcsly fand sich sehr gut in dem Gesänge „Höre Gott mein Flehen" von Dovrak zurecht. Die bedeutendsten solistische» Leistungen waren den Geigenkünstlern Vorbehalten. Betty Francken Schwabe spielte mit bekannter Meisterschaft das Andante aus der a-moll Solosonate von Bach. Im Largo aus dem a moll Konzert für zwei Violinen von Bach gesellte sich Professor Juncker (Stolberg) als ebenbürtiger Partner ihr zu. Das Andante aus der Konzertante von Mozart spielten die beiden Künstler mit berückend schönem Tone. Da das Konzert sehr gut besucht war. dürste für den wohltätigen Zweck auch eine beachtliche Summe zur Verfügung stehen. Das Konzert hat einen Reingewinn von WO, Mark erbracht. Aurich. (Jubiläum des F r a u e n v e r e i n s.) Der hiesige Israelitische Frauenverein konnte kürzlich aus ein 125» jähriges Bestehen zurückblicken und feierte dieses Ereignis unter Teilnahme vieler hiesiger und auswärtiger Gäste. Landrabbiner Dr. Blum, Emden, hielt beim Gottesdienst eine eindrucksvolle Ansprache und hob besonders das Verdienst aller um die Entwicklung des Vereins bemühter Frauen hervor. Auswärtige Franenvereine hatten ihre Vertreterinnen entsandt, die die Glückwünsche ihrer Auftraggeber über Mittelteil. Frau Wallheimcr richtete als Vorsitzende des sestgebenden Vereins herzliche Begrüßungsivorte an die Teilnehmer; es folgten dann Aufführungen einiger von Frau E. Wolfs verfaßter Stücke und Ueberreichuug von Ehrenurkunden an die Mitglieder, die 40 oder 50 Jahre und länger dem Vereine angehörten. Die Lehrer Lachmann und Moses hatten sich um die Ausgestaltung des Festabend» mit großem Eifer bemüht und lösten ihre Ausgabe zur besten Zufrieden^ heit aller Anwesenden. Berlin. (Zentral w o h l s a h r t s st e l l e der d e tt t > ch e n Juden.) Ende Januar fand in Berlin eine Sitzung der Ar b e i t s g e m c i n s ch a s t „I ü d i s ch e G e f ä h r d e t e n s ü r s o r g e" statt. Ihr gingen Beratungen der Untertommissionen für Gefangenen- und Psychopathenfürsorge voran. Die Verhandlungen standen unter dem Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Scligsohn-Berlin. In der Kommissions-Sitzung für G e f a n g e n e n f ü r s o r g e, an der auch der Vorsitzende des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, Rabbiner Dr. Horovitz-Franksurt a. M., trilnahm, wurde mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß vom 1. Februar ab eine enge Zusammenarbeit zwischen der Zeutraltvohlsahrtsstellc der deutschen Inden und dem Sozialen Ausschuß des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes durchgeführt ist, über die noch Näheres durch besondere Mitteilung an die Presse bekanntgegeben ivird. Bei den Beratungen standen Fragen des iveiteren Ausbaues der Seelsorge und Fürsorge im Vordergrund. Es wurde beschlossen, demnächst in Gemeinschaft mit dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und dem Sozialen Ausschuß des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbaudes über die einschlägigen Fragen, zunächst für Preußen, mit dem Ministerium zu verhandeln und alsdann Richtlinien für sie Arbeit ausznstellen. Im übrigen wurdc von dein Beitritt zn dem neugebildelen „Reichsznsammenschluß für soziale Gerichtshilfe, Gefangenen und Enllassenenfürsorgk", der unter dem Vorsitz des Straf Vollzugspräsidenten Muntau in Celle steht, zustimmend Kenntnis genommen. Die jüdische Wohlfahrtspflege ivird nach den getroffenen Vereinbarungen wie die übrigen Konfessionen durch 8 Vertreter im Arbeitsausschuß des Reichszusammenschlnsfes vertreten sei». In der Kommissioiissitzung für P s y ch v p a l h e n f ü r s o r g e war diesmal die Frage der Beratungsstellen sür schwer erziehbare Kinder und Jugendliche Haiiptgegeiistand der Erörterunaeii. Im einzelne» galten sie der Aufstellung eines lückenlosen Verzeichnisses der Beratungsstellen, das nunmehr zusammengestellt ist und nur noch durch Verhandlungen mit einigen jüdischen und interkonfessionellen Stellen abschließend ergänzt ivcrden soll. Zum Schluß wurde angeregt, sich demnächst mit der Frage von Beobachliings-Kindergärte» und Horten zu bescbäftigen. Tie Kommission für Psychvpathenfürsorge ist zur Erteilung aller Auskünfte bereit und würde iür jede Mitteilung ans der praktischen miiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiHiiiiiHiimiiiuiiimiiiiiinimiiiiinimiiiiiuiHiiiiiiiniiiiinimimminnii Sendet den sättigen Beitrag für das 1. Quartal 1928 in Höhe von Mk. 2,50 auf das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137 ÜSS ein. Arbeit der jüdische» Psychopathen Fürsorge jeglicher Art sebr dankbar sei». I» der P l e n a r s i tz u u g d e r A r b e i t s g e m e i n f ch a f t „I ü d i s ch e Ges ü h r d e t e n s ü r s o r g e" konnte Herr Sanilülsrai Dr. Seeligsohn mit besonderer Freude zivei ausländische Gäste begrüßen, nämlich die Herren Cohen-London, Generalsekretär der Jüdischen Gesellschaft sür Mädchen- und Frauenscyntz, und Glücksmann- Buenos Aires, eine» der Vorsitzenden der Jüdischen Mädchen und Frauenschutzocgauisationen in Buenos-Aires. Beide gaben eingebende außerordentlich interessante Berichte über den Stand ihrer Arbeiten. Herr Cohen erläuterte dabei insbesondere die Tätigkeit der internationalen Kommission für die Fragen des Mädchenschutzes und Mädchenhandels beim Völkerbund in Genf. Er begrüßte es mit großer Genugtuung, daß nunmehr in der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" eine alle beteiligten jüdischen Organisationen umfassende Zentralstelle für die allgemeine» Aufgaben dieses Gebietes in Deutschland geschaffen ist. Herr Glücksmann berichtete ausführlich über die Organisation in Buenos-Aires und brachte vor allem zum Ausdruck, wie stark die jüdische Mitarbeit in Argentinien bei allen Fragen des Mädchenschutzes und der Bekämpfung des Mädchenhandels fei. Die Arbeitsgemeinschaft nahm im übrigen von den Ergebnissen der oben erwähnten Beratungen ihrer Unterkommissionen Kenntnis, bestätigte die Wahl von Frau Paula Ollendorff Breslau zur Mit vorsitzeuden der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gesährdetenfürsvrge" und wählte eine Anzahl von Vertretern anderer Organisationen teits in ihren Kreis, teils in ihre Unterkommissionen hinzu. Ferner wurde der Arbeitsgemeinschaft ein eingehendes Rundschreiben über die Mitwirkung der jüdischen Wohlfahrtspflege in der neugeregelten Geschlechtskranken- und Gefährdetenfürsorge, das demnächst gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund versandt werden soll, zur Genehmigung vorgelcgt. Schließlich wurde ein kurzer Bericht über den Stand der Verhandlungen wegen stärkerer Mitarbeit der jüdischen Jugcndwohlfahrts- und Gefährdetenfürsorge im Allgemeinen Deutschen Fürsorge Erziehungstzag gegeben. Alle Anfragen, die in diesem Bericht erwähnte Arbeitsgebiete im allgemeinen und besonderen betreffen, werden an die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdetenfürsorge" oder ihre Untertommissionen, sämtlich Berlin W. 2t, Oranienburger Str. 60, II, erbeten. Berlin. („Ort" Ball im Kaiser Hof.) Die „Ort" Ge sellschast zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden, Abt. Deutschland E. V., veranstaltete am Sonnabend, den 4. Februar 1028, in den gesamten Festsälen des Hotels „Der Kaiserhos" ihren Ball, der einen glänzenden Verlaus nahm. Viele Mitglieder und Freunde der „Ort" Gesellschaft sind dem Rufe gefolgt, um durch ihr Erscheinen ihre Anhänglichkeit an den Bestrebungen der „Orl"- Gesellschast zu Sekunden. Die Räume des Kaiserhofs boten an > diesem Abend ein überaus interessantes Bild. Die hervorragendsten Vertreter der meisten Parteien und Richtungen innerhalb d. 1 schen Bevölkerung Deutschlands, mit denen der „Ort" in freunv, lichstcr Weise zusammenarbeitet, haben sich am „Ort"-Feste cn. j funden. Man sah u. a. die Herren Kurt Blumenfeld, Justizrai Dr. I. Brodnitz, Dr. Martin Rosenblüth, R.-A. Heinrich Stern, Dr. Bruno Weil, Dr. Wiener sowie zahlreiche angesehene Vertreter des Preußischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden, des Reichsbuildes jüdischer Frontsoldaten und mehrerer anderer Organisationen. Der Ball begann mit einer Festansprache des Herrn Tr. S. .Hildesheimer, hieran schlossen sich die künstlerischen Darbietungen von Frieda Wols und Rcsi Langer, sowie Dr. Jan Jarofs und Willy Rosen. Die Künstler ernteten sür ihre von besonders hohem Niveau getragenen Darbietungen reichen Beifall und trugen viel zur Hebung der Stimmung bei. Bei den herrlichen Klängen des Tanz-Orchesters blieb das Publikum bis zum frühen Morgen in frohester Stimmung beisammen. Diese Veranstaltung gab wiederum einen Beweis für die weite Popularität der „Ort"-Jdec und den überaus günstigen Reson nanzboden, den sie in allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft gesunden hat. Um die wohlgelungene Veranstaltung des „Ort"-Festes haben sich in erster Linie die Damen -des „Ort"-Fest Ausschusses verdient gemacht. Auch die dank der Gebefreudigkeit vieler Firmen reich ausgestattete Tombola hat wesentlich zum Gelinge» des „Ort"-Bnlles beigklragen. Berlin. (G e d ä ch t n i » f c irr s ü r VI l b e r l K e l l k r m a n ».) Zu der am ö. d. Mts. vom Verein Reue Synagoge sür den an, Bußtag vorigen Jahres durch einen tragischen Unglückssall dahingerafsten Kapellmeister Albert Kellermann veranstalteten Gedächtnisfeier war die Synagoge Oranienburger Straße dicht gefüllt von der großen Schar Freunde des Tahingeschiedenen, von Mitgliedern der Gemeindebehörden und des Vereins. Rabbiner Dr. Warschauer zeichnete in seiner Ansprache das Bild der Persönlichkeit und des Wirkens Kellermaiius, der a» dieser Stelle durch seine von religiösem Geiste getragene Mitarbeit an der Gestaltung des modernen jüdischen Gottes dienstes sich eine dauernde Erinnerung geschassen hat. Ter Vortrag einer Anzahl seiner Kompositionen, die an dieser Stelle ihren Schöpfer erfreut haben, legte Zeugnis ab von der lebendigen Auffassung, mit der Albert Kellermann den musikalischen Gedanken des jüdischen Gottesdienstes zu gestalten verstanden hat. Seine Helfer am Werk in den Konzerten des Vereins für hebräische Musik, Oberkantor Gollanin, Organist Zepke und der Chor der Neuen Synagoge, sowie die Damen Frieda Wols und Charlotte Rosen widmeten dem verstorbenen Meister der Töne eine» schönen Nachruf durch den zn Herzen gehende» Vortrag seiner Kompositionen, der ihm sicher der schönste Lohn gewesen ivüre. Die Feier erweckte sichtlich liefen Eindruck. Ta« Andenken der schafsensfreudigen Persönlichkeit Albert Kellermanns ivird in seinem Wirkung» und Bekanntenkreis unvergessen fortleben! Braunschweig. (A u s dem G e in e i » d e l e b c n.) Die Schulkommission rief die Elternschaft und Freunde der Religionsschnle zu einem Elternabend. Herr Landesrabbiner Tr. Wilhelm teilte mit, daß in diesem Jahre die Religionsschnle zn Braunschweig aus ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken könne. Es folgte ein ans hohem Niveau stehendes Referat de» Herrn Lehrer Herz über „Reli giousschule und Elternhaus". In der anschließenden Aussprache ivurde die jetzige Arbeit der Religionsschuie dankbar anerkannt und praktüche Vorschläge zur vorteilhafteren Erteilung des Unterrichts gemacht. Unter Leitung der l. Vorsitzenden, Frau Flora Mielziner, hielt der jüdische Fraucuverein seine Jahresversammlung ab. Nach Entlastung der Kassiererin und Verlesung des Protokolls der vorjährigen Versammlung dankt Herr Dr. Wilhelm Frau Flora Mielziner im Namen der Versammlung für die vorbildliche Leitung des Vereins. Sodanil hielt Herr Dr. Wilhelm einen sehr interessanten Vortrag über „Die Pflichten der jüdischen Frau". Im Reichsbuud jüdischer Frontsoldaten sprach Herr Direktor Rnbinstein über das Wesen des Bolschewismus. Hannover. (G e n e r a l v e r s a in m l u u g des F r a u e n v e r * ein».) Unter Leitung feiner 1. Vorsteherin, Frau Hete Jacobson, hielt der Israelitische Frauenvereiu E. B. in den Räumen der Zion löge am 1. Februar seine 84. Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Frau Jacobson der im Berichtsjahr verstorbenen 22 Mitglieder. Besondere Worte des Dankes fand sie für die kürzlich dahingeschiedene Frau Ella Bergmann und den im Juni verschiedenen treuen Berater des Vereins, Senator Leopold Fischer. Nach dem Geschäftsbericht uno nach Erledigung einiger Anträge sprach Frau Hanna C o h n - T o r n , Mitglied des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, über die Frage des Frauenstimmrechts in der Synagogengenieinde Hannover. Frau Fanni Kaufsmann berichtete über den Martha-Fischer-.Kindergarten, der im Be richtsjahr eine Freyuenz von durchschnittlich 50 Kindern auswies. Nach dreistündigen Beratungen ivurde die gut besuchte Versammlung geschlossen. Hannover. (VI u s de m G e m e i n d e l e b e n.) Die kürzlich neugegründete Religiös-liberale Vereinigung Hannoverscher Juden tädt die Mitglieder der Synagogengemeinde zu einem für den 8. Februar vorgesehenen Vortrag des .Herrn Rabbiner Dr. V o g e l st e i » aus Breslau ein. Thema: „Sinn und Forderungen des religiösen Liberalismus im Judentum". Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten beging sein '»jähriges Stiftungsfest mit einem gut besuchten und tvohlgelungenen Maskenball. Dem Bund ist durch Vermittlung der Hindenburgspende Gelegenheit gegeben, vier Kinder Schwerkriegsbeschädigter zu einer sechsivöchigen Kur kostenfrei in einem Erho lungsheim unterzubringen. Im bis aus den letzten Plap gefüllten Heim des Jüdischen Jugendvereins sprach vor Vertretern der Ge Zudenfeindliche Strömungen in der deutschen Freimaurerei Don einem jüdischen Freimaurer. Als Ludendorsf seine Schrift „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung chrer Geheimnisse" herausgegeben hatte, in der er Judentum und Freimaurerei als nahezu identische Tinge darstellte pnd demgemäß seine Angriffe gleicherweise gegen Freimaurer und Inden richtete, ging ein Schmunzeln durch die Rechen derjenigen deutschen Freimaurer, die den sogenannten humanitären Logen angehörten. Diese humanitären Logen nämlich nehmen wegen ihres interkonfessionellen Charakters Juden aus; die Logen der sogenannten „christlichen" Systeme tun das nicht, und niemand, der die Verhältnisse in unserm deutschen Vaterlande kennt, wird sich darüber wundern, daß die christlichen, oder sagen wir getrost judenreinen Logen sich sür die besseren und feineren gegenüber den - „Judenlogen" halten. Nun hat aber Luoendorft den „christlichen" Freimaurern nicht den Gefallen getan, zwischen ihnen und den „humanitären" zu unterscheiden; er richtete seine Angriffe gegen die gesamte Freimaurerei und behauptete von ihr, sie „bringe ihre Mitglieder in bewußte Abhängigkeit vom Judentum" (das Ludendorff-Teutsch in richtiges Deutsch übersetzt, meinte er: die Freimaurerei bringe bewußt chre Mitglieder in Abhängigkeit vom Judentum), und nun begannen, wie gesagt, die humanitären Logenbrüder vergnüglich zu schmunzeln, denn sie konnten — so meinten sie wenigstens — die Abwehr der Ludendorffschen Angriffe getrost den christlichen, will sagen den judenreinen Logen überlassen. Solche Abwehrschriften sind in größerer Zahl herausgekommen, als Ludendorffs Schrift verdiente — Ludendorffs Geschwätz sollte von keinem ernsten Menschen beachtet oder gar einer Erwiderung gewürdigt werden. Tie Persönlichkeit Ludendorsss dürfte heute in keiner andern Weife benützt werden denn ganz allein als Spiegel der Selbsterkenntnis für das deutsche Volk: daß ein solcher Mann, Lessen politische Reife etwa der eines Untertertianers gleichkommt, bei uns in Deutschland in schwerster Kriegszeit und Hungersnot nahezu der erste Mann der Reichsleitung werden konnte — „geh hin, mein Volk, geh in deine Kammer!" In diesem Blatte ist erfreulicherweise Herrn Ludendorsss antisemitischem und antisreimaurerischem Feldzug keine Beachtung geschenkt worden; für die Schristleitung dieses Blattes zählte Herr Ludendorfs zu den Toteir des Weltkrieges, zu den Toten ohne Auferstehung. Aber nun kommt eine Schrift heraus, die eine, wenigstens mittelbare, Beschäftigung mit Ludendorsf nötig macht. Eine der „christlichen" Großlogen, die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugän" bringt im Deutschen Verlagsinstitut G.m.b.H., Berlin, unter dem Titel „Ludend-orff auf dem Kriegspsade gegen die deutsche Freimaurerei — eine Aufklärungsschrift" eine Broschüre heraus, die blitzartig die Situation innerhalb der deutschen Freimaurerlogen beleuchtet. * Tie Freimaurerei ist ihrem Wesen nach undogmatisch, und es ist also von voricherein schon eine durch nichts auszugleichende Abirrung von ihrer Idee, wenn Logen sich aui christlich-konfessionellen Boden stellen. Daß es hierzu in Deutschland und andern europäischen Ländern kommen konnte, ist indessen historisch nur allzu begreiflich: Freimaurerei ist höchste undogmatische Religion, entstand aber in dm Ländern mit christlicher Religion und wurde so in ihren Formen zunächst christlich. Biel später erst kam es in Europa zum Anfänge einer Juden-Emanzipation (die bekanntlich noch lange, lange nicht vollendet ist — vielmehr stehen wir noch immer an ihrem Beginn), und man kann verstehen, daß. die Logen nun nicht einigen aufnahmesuchenden Judm zuliebe ihr christlich gefärbtes Ritual aufgeben wollten. Man kann es verstehen; das heißt nicht: man kann es billigm. Vielmehr hätte man von echten Freimaurern erivarten müssen, daß sie alles getan hätten, um Angehörigen aller Bekenntnisse die Lo^entore zu öffnm. Eine Anzahl Logen haben das getan und haben zu diesem Zweck auch alles dogmatisch Christliche aus Satzuug und Ritual mtfernt. Es sind dies die schon genannten „humanitären" Logen. Die andern verharrtm bei ihrem „christlichen" System; daß Juden bei ihnen keine Aus nähme finden konnten, ergab sich aus ihrem christlichen Prinzip von selbst. Betrachtet man nun diese Entwicklung nicht vom frei maurerischm sondern vom nationalen Standpunkte aus, so hat man sich mit der Tatsache, daß jede Togmatisierung der Logen, und also auch ihre Togmatisierung im christlichen Sinne, dem Gedanken der Freimaurerei widerspricht, nicht weiter auseinanderzusetzeu. Schließlich hat jede Gemeinschaft das Recht, die christliche Religion für besser zu halten als alle andern Religionen: und dagegen, daß eine christliche Gesellschaft Andersgläubige nicht ausnimmt, ist sicherlich nichts einzuwenden. Ter Ausschluß von Juden aus den „christlichen" Freimaurerlogen könnte gewiß nicht als Ausdruck antisemiti | scher, b. h. judenhasserischer Gesinnung gewertet werden, wenn > nicht... Wenn nicht die Große National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln mit ihrer Veröffentlichung gegen Ludendorsf eindeutig ihre a n - t i s e m i t i s ch e G e s i n n u n g enthüllt hätte. Zunächst stutzt man, wenn man in einer Kampfbroschüre, die einen offenbar historisch und literarisch beschlagenen Mann zum Verfasser hat, und die von einer Großloge, in deren Bundesdirektorium viele christliche Theologen sitzen und deren Großmeister evangelischer Pastor ist, offiziell herausgegeben wird, lesen muß, daß Ludendorsss Behauptung, die Freimaurerei sei jüdisch, zweimal (S. 10 und S. 12) mit der Betonung des christlichen Charakters der Freimaurerei widerlegt werden soll, und zwar beide Male unter Berufung auf den „Gedanken Christi" bzw. den „christlichen Grundsatz": „Liebe deinen Nächsten als dich selbst!" Nur Judenhasser wissen immer noch nicht, daß dieses wahrhaft heilige Wort der Lehre des Judentums entnommen und im 3. Buch Mose Kap. 19 Vers 18 zu finden ist! Sollte aber jemand geneigt sein, hier Unwissenheit des Autors — die in dieser Abwehr-