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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-03 · 5 (3.2.1928) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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vom Preußischen Landesverband Amtlich. Von der Arbeit der Ausschüsse. Die Kommission zurVorbereitungdesliberalenEinheitsgebetbuches hat das Manuskript des hebräischen Textes und der Uebersetzung soweit gefördert, daß im Laufe des Monats Februar 1928 mit dem Druck von Band I begonnen werden kann. Vor kurzem tagte der bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz von Frau S. Wronsky, Berlin. Der Vorsitzende des Vereins für jüdische Familienforschung, Herr Dr. med. Arthur Czellitzer-Berlin, nahm an der Sitzung teil und berichtete einleitend über die bisherigen Ergebnisse der sogenannten Stammbaumumsragen des Jüdi- . schm Frauenbundes. Im Anschluß daran wurde über zwei Umfragen beraten, die auf Antrag von Frl. Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M. und Tr. med. Felix Theilhaber, Berlin, Material über die bevölkerungspolitischen Verhältnisse der Juden in Deutschland erbringen sollen. Ten Umfragen wurde grundsätzlich zugestimmt und die genauere Festsetzung des Wortlautes einem kleinen Sachverständigenkreis übertragen, der inzwischen zusammengetreten ist und die ihm übertragenen Aufgaben erledigt hat. Die Erhebungen sollen noch im Frühjahr durchgeführt werden. Ferner wurde für das vom Wohlfahrtsausschuß in Aussicht gmommene Preisausschreiben über „Das großstädtische Wohnungsproblem und sein Einfluß aus die jüdische Bevölkerung" ein Preisrichterkollegium eingesetzt. Das Preisausschreiben, wird demnächst erlassen werden. jüdische Siedlung in Ostrußland In der jidoischen Tageszeitung „Emes", Organ der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, veröffentlicht A. Tschemeriski, der Führer der jüdischen Sektionen und Mitglied der Regierungskommission für jüdische Landansiedlung KOMZET,eilten aufsehenerregenden Artikel über den in Regierungskreisen bestehenden Plan der Errichtung eines „Jüdischen Landes" in einem der landwirtschaftlich fruchtbaren und an Bodenschätzen reichen Gegenden Sibiriens. Tschemeriski führt u. a. aus: Dem Komzet wurde die Ausgabe gestellt, eine planmäßige Landsiedlung jüdischer Massen in möglichst zusammenhängenden Gebieten durchzuführen mit dem Ausblick, eine autonome jüdische Einheit im Rahmen der Sowjet-Union zu schaffen. Komzet hat die ihm übertragene Mission zu einem Plane konkretisiert: 100000 jüdische Familien in den Gebieten der bisherigen jüdischen Siedlung aus dem Lande seßhaft zu machen. Es wurden einige zusammenhängende jüdische Siedlungsrayons geschaffen, es bestand aber nicht die Möglichkeit, ein einziges großes jüdisches Gebiet abzugrenzen, da die Aufnahmefähigkeit in der Ukraine und auch in Weiß rußland begrenzt ist und 100000 jüdische Familien hier kaum angesiedelt werden könnten. Die Regierung hat deswegen der Komzet die Möglichkeiten gegeben, in den Gegenden von Saalsk, Kaukasien, Altai (Ural) und Sibirien, in den Wolgagegenden in Nordrußland, in den ostasiatischen Gebieten, am Asow'schen Meer, in den Gegenden des Schwär zen Meeres usw. ein geeignetes Land auszusuchen. Es ist nun die Zeit eingetreten, fährt Tschemeriski fort, daß man sich für ein Gebiet entscheide. Wir werden mit größter Energie und Anstrengung unsere Arbeit in den alten Rayons der Krim, der Ukraine und Weißrußlands fortsetzen, wir werden die Ansiedlung der Bergjuden am Schwarzen Meer-Ufer und der Juden von Buchara auf Boden der mittelasiatischen Republiken weiter fördern. Allein von allen diesen Projekten eröffnet die Schaffung eines jüdischen Landes im Fernen Osten im Gebiete des Amur-Flusses nicht weit vom Großen Ozean die weitesten Horizonte und ist geeignet, auf die jüdische Masse am stärksten zu wirken. In diesem Gebiete eröffnen sich ihr Perspektiven für weiteste wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Verbindung mit den dort blitzschnell emporstrebenden Hafenstädten. Das Gebiet, das die besten Vorbedingungen, das „Jüdische Land" zu werden, besitzt, trägt jetzt den Namen „Birer-Bidschaner Rayon" und grenzt im Süden an den Amurfluß, im Norden an die Eisenbahn, im Westen an den Fluß Chingan. Es mißt zwei Millionen Hektar, ungefähr soviel wie die Halbinsel Die Steine vom Sinai Professor Dr. Hubert Grimme von der Universität Münster berichtete in Gegenwart des preußischen Kultusministers Dr. Becker, des Reichskunstwarts Geheimrat Redslob, von Vertretern des Auswärtigen Amts, Gelehrten der ägyptv logischen und orientalischen Wissenschaften, sowie einer Reihe von jüdischen Persönlichkeiten wie die Rabbiner Dr. Weiße und Dr. Lehmann, Justizrat Tr. Brodnitz und Dr. Holländer, Professor Mittwoch, Rechtsanwalt Heinrich Stern und vieler anderer im Hause des Berliner Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil über die Ergebnisse seiner in Kairo letzthin vorgenommenen Untersuchungen der berühmten Sinaisteine. Diese, vor etwa 30 Jahren aus dem Sinai entdeckten, mit bisher unlösbaren Zeichen versehenen Steine waren zuerst von dem Engländer Gardiner, dann von Prof. Sethe (Berlin), als die' älteste Buchstabenschrift der Welt erkannt worden, deren Schaffung um mehr als 000 Jahre vor der bis dahin als älteste gellenden phönizischell lag. Prof. Grimme hatte dann die Tafeln weiter gedeutet und in einem vor zwei Jahren bei Dr. Weil gehaltenen Vorträge seine Deutungen, die zum Teil aus die Feststellung biblischer Namen hinausliefen, mitgeteilt. In der Oesseutlichkeit war ein lebhafter Gelehrtenstreit über die Richtigkeit der Grimmeschen Thesen entstanden. Ein Komitee bemühte sich, eine Expedition nach dem Sinai zur Heimschassung der rätselhaften Steine zu finanzieren, als die Nachricht eintraf, daß es zwei amerikanischen Gelehrten bereits gelungen sei, die bis dahin unbekannten Steine und noch' drei weitere in das Museum nach Kairo zu schaffen. Das Komitee ermöglichte darauf Prof. Grimme das Studium der Steine an Ort und Stelle. Seine nunmehr auf Grund der Originale vorgenommenen Deutungen bleiben unter Aufgabe einzelner Stellen in wesentlichen Stücken bei den seiner Zeit aufgestellten Theorsen stehen. Er belegte an Hand von sorgfältig aufgenommenen Abklatschen, Zeichnungen und Photographien die Entstehung der Schrift, an deren semitischem Charakter nach ihm ein Zweifel nicht bestehen kann. Er zeigte weiter die in der Schrift immer wiederkehrenden typischen Buchstaben auf und setzte sich für die von ihm vorgebrachten Deutungen einer Reihe hÄräischer Namen, wie Joseph, Jochanattn und Moses, Krim oder Palästtna in den historischen Grenzen. Es leben in diesem Lande gegenwärtig 27 000 Menschey, also ein Mensch auf einem Quadratkilometer. Das Land besitzt eine fruchtbare Niederung von 1400 000 Hektar guten landwirtschaftlichen Bodens, sowie Berg- und Waldmassivs, wo Möglichkeiten für Entwicklung intensiver Landwirtschaft und industrieller, vor allem bergindustrieller Anlagen bestehen. Man wird schon in den nächsten Jahren 35 000 Familien landwirtschaftlich ansiedeln können. Nimmt man eine Einwohnerschaft von 50 Menschen auf ein Quadratkilometer als Norm, so wird hier Platz für eine jüdische Bevölkerung von einer vollen Million Seelen sein. Die klimatischen Bedingungen sind vorzüglich, es gedeihen dort Weizen, Reis, Hülsenfrüchte, Baumfrüchte in guter Qualität, der Weinbau hat gute Aussichten. Die Ansiedlung einer Familie stellt sich dort bei freier Erde auf rund 2000 Rubel. Das Gebiet ist durch eine wissenschaftliche Expedition von Komzet, der erprobte Gelehrte angehörten, nach jeder Richtung hin erforscht worden, man kann das Land im Bewußtsein der ganzen Verantwortung für jüdische Siedlung empfehlen. Tschemeriski teilt mit, daß Komzet den Beschluß gefaßt hat, für seine Arbeit den Birer-Bidschaner Rayon im Fernen Osten zu sichern und Maßnahmen zur Organisierung der Arbeit in diesem Rayon noch im laufenden Jahre zu ergreifen. Es ist dies, sagt Tschemeriski, ein historisch schwerwiegender Beschluß, er schlägt ein neues Blatt in der Geschichte des jüdischen Arbeitsvolkes auf. Komzet ist sich der Schwierigkeit einer Verwirklichung des Planes, den Birer- Bidschaner Rayon in ein „Jüdisches Land" umzuwandeln, vollkommen bewußt. Die räumliche Ferne des Landes ist geeignet, schwache Seelen zu schrecken. Die Sowjetunion aber glaubt an die Kräfte und die eiserne Energie der jüdischen Massen. Komzet hat sein Wort gesprochen. Er will ben Birer-Bidschaner Rayon zu einer Basis für ein großes vielseitiges landwirtschaftlich-industrielles jüdisches Land mit einer konzentrierten vielhunderttausendköpsigen jüdischen Bevölkerung gestalten, um den Beschluß des Zentralbüros der jüdischen Sektionen vom 4. September 1926 zu verwirklichen, die Landsiedlung der jüdischen arbeitenden Massen nach der Richtung der Schaffung einer größeren jüdischen territorialen und autonomen Einheit mit kompakter jüdischer Mehrheit aus zusammenhängendem Territorium zu führen. Jetzt haben die jüdischen arbeitenden Massen selbst das Wort. Ihnen läutet eine Glocke zu neuer produktiver Arbeit, zur Erschließung von Neuland und zur Schmiedung einer neuen Werkstätte für den Sozialismus. Wir sind überzeugt, daß in Hunderten und Tausenden Volksversammlungen und Konferenzen das Wort ertönen wird: Wir sind mir der von Komzet getroffenen Wahl einverstanden. Der Artikel schließt: „Allrusftsche Konferenz der jüdischen Bauern Du hast nun das Wort!" Der Artikel Tschemeriski's, der mit großen Lettern an der Spitze des Blattes abgedruckt ist, hat sofort Anlaß zu sehr lebhaften Diskussionen in den Kreisen, die sich mit jüdischer Kolonisation und jüdischer sozialer Fürsorge befassen, gegeben. ' (Jta.) Die Tätigkeit des jüdischen Kreditvereins in Berlin In einer am 11. Januar 1928 stattgefundenen Mitgliederversammlung des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zu Berlin referierte Herr James Golösch midt über das Thema „Jüdischer Kreditverein für Handel und Gewerbe". Unter dieser Firma ist eine G. m. b. H. gegründet worden, die mü Beginn des Kalenderjahres ihre Tätigkeit ausgenommen hat unnd sich während der kurzm Zeit chres Bestehens eines regen Zuspruches seitens aller Mtttelstandsschichten erfteuen konnte. Während seit einigen Jahren eine jüdische Tahrlehnskasse, die als Teil des Wohlfahrtsamtes als soziale Einrichtung gedacht ist, bereits besteht, soll die jüdische Kreditgenossenschaft kreditwürdigen Personen bei vorübergehend eintr'etendem Geldbedarf mit Krediten nach kaufmännischen Grundsätzen an Hand gehen, um so die Förderung des Erwerbs und der Wirtschaft ihrer Mitglieder zu erreichen. Existenzen zu erhalten und den Wohlstand des Handwerks und des Mittelstaiwes zu fördern. Als Bankverbindung soll sie denen, deren Betriebsmittel durch Kriegs- und Nachkriegszeit geschwächt sind, zur Beschaffung von Rohmaterial für erhalein. Da die Amerikaner ihrerseits noch in diesem Monat eine Publikation vornehmen werden, und Prof. Grimme gleichfalls die Ergebnisse seiner Forschung in Buchform niederzulegen beabsichtigt, wird es wohl in naher Zeit möglich sein, dem Geheimnis der ältesten Schrift näher zu kommen. Unter den im Hause Dr. Weils anwesenden Gelehrten und Fachleuten wurde lebhaft die Frage der Veranstaltung einer deutschen Expedition nach dem Sinai erörtert, da nach den von den Amerikanern gefundenen Tafeln mit dem Vorhandensein weiterer Schristtaseln auf dem Sinai gerechnet wird. Pros. Grimme teilte seinerseits mit, daß von amerikanischer Seite (Universität Boston) für das Jahr 1929 eine Expedition bereits vorgesehen sei. (Jta.) Stefan Zweig und sein Werk Von Max Spanier. Das find nicht die besten Juden, die immer vom Judentum und jüdischer Religion sprechen und mit ihrem ^rhetorischen Bekenntnis prahlen; man kann auch anders Jude sein, groß durch andere Vorzüge, die den Anforderungen hoher Kultur entsprechen, durch Gewissenhaftigkeü, reine Menschlichkeit und Güte. Ter Adel der Gesinnung gibt dem Menschen seine wahrhafte Größe. Aber die Tat darf nicht hinter dem Worte stehen, sie müssen wie Brüder nebeneinander herschreitcn, zu gleichem Ziel. Hoher jüdischer Geist pulst in Stefan Zweig. Seine Rede ist eindringlich, ein schwelgendes Pathos, innig, echt und voll Begeisterung. Sein Sang greift in die Menschen, um sie zu erwecken und ihnen den Weg. zur Vollendung zu weisen. Ec kündet die ewigen Worte der Wahrheit, preist die Liebe und ruft die Menschen zur Gerechtigkeit auf. Er will die Menschen in einem höheren Geist vereinen. Er kann uns ein Vorbild ^sein. den Glauben an den Sieg nicht zu verlieren und im Siege auszuharrcu. Weil diese Persönlichkeit so groß ist, darf hier sein literarisches Werk ausführlich besprochen werden.. Das dichterische Gesamtwerk Stefan Zweigs ist auf keine Formel zu bringen, es ist so vielgestaltig, daß man esnttt einem „Wort" nicht umfaßen kann. Er ist Lyriker, weich und zart, voll harmonischer Melodie, Epiker, ein Meister der Novelle, Dramatiker mtt außergewöhnlichem Ausmaß, tene Aufträge, zur Auszahlung von Löhnen und Gehältern Mtttel zur Verfügung stellen, insbesondere auch denen, dere« eigene Mittel oft im Betrieb oder Warenlager festgelegt sind oder als Forderungen im Buch stehen. Für Großbanken, die als großkapitalistische Unternchmungen für Großhandel und Großindustrie ausgezeichnete Berkehrsinstrumente darstelle«, können solche Aufgaben nicht in Frage kommen, sie werden vo» ihnen als unlohnend abgelehnt; deshalb sind für den Mittelstand die Bolksbanken in Form von Genossenschaften die gegebenen Geldinstitute. Ohne Kredit ist eine gedeihliche Entwicklung eines wirtschaftlichen Unternehmens'kaum denkbar, zumal gerade der Mittelstand und das Handwerk gegen die scharfe Konkurrenz der sich immer mehr ansbreitenden Konzerne und Großunternehmungen außerordentlich zu kämpfe» haben. Um Kredite gewähren zu können, muß die Genossenschaft natürlich über Mittel verfügen und je größer diese Mittel sind, desto ausgedehnter, kann an Umfang der Summe und an Zahl der Kreditnehmer die Kredithilfe sein. Bei dieser auf der Idee der Selbsthilfe basierenden Genossenschaft, die eine solche mtt beschränkter Haftpflicht ist, beträgt die Höhe des einzelnen Anteils M. 250.—, dessen volle Einzahlung beim Eintritt erwünscht ist aber nicht zur Bedingung gemacht wird. Wer hierzu nicht in der Lage ist, ist statutengemäß verpflichtet, bei der Austrahme M. 25.—, den Rest in vierteljährlichen Raten von M. 10.-- zu zahlen. Als Eintrittsgeld werde» M. 10.— erhoben; die Haftung erfolgt im gleichen Betrage der erworbenen Anteile. Damit ist das übernommene Risiko beschränkt, der Genosse kann in keinem Fall darüber hinaus i» Anspruch genommen werden. Die Kreditgewährung kann i» dm verschiedensten Formen erfolgen, so z. B. durch Diskontierung von Kundenwechseln, durch Kredtte in laufender Rechnung, Vorschüsse, Beleihung von Effekten, Finanzierung von Aufträgen u. a. nt. Während die Großbanken ihren Betrieb auf Erzielung möglichst hoher Gewinne einstellen, ist es Zweck der Genossenschaft das Kreditbedürfnis ihrer Mitglieder möglichst billig zu befriedigen, sodaß also die Berechnung der Zinsen und Spesen auf ein Minimum beschränkt bleibt. Tie Mittel, die der Kreditgenossenschaft aus der Uebevnahme der Anteile zusließen, werden aber allein nicht ausreichm, um das voraussichtlich sehr reichlich hervortc elende Kreditbedürfnis zu befriedigen. Es ist deshalb erforderlich, für eine Verstärkung der Mittel zu sorgen und die hierfür gebenen Mittel sind: 1. Spargelder, 2. Depositengelder auf Scheckkonto oder in laufender Rechnung. Kredite dürfen nacb dem Genossenschaftsgcsetz nur an Mitglieder gegeben werden: andere bankmäßige Geschäfte dürfen aber auch mit Außenstehenden gemacht werden. Nach diesen mit großem Beifall ausgcnommenen Ausführungen des Herrn Goldschmidl forderte Herr Wilhelm Marcus als Korreferent in weiterer ausführlicher Behandlung des angeschnittenen Themas alle Anwesenden auf nicht nur selbst Mitglieder dieser neu gegründeten Institution zu werden, sondern darüber hinaus im Bekanntenkreise aufklärenid und werbend zu wirken, denn eine starke jüdische Genossenschaft bedeute einen starken jüdischen Mittelstand. Den vorzüglichen Referaten folgte eine ergiebige Aussprache, die aber nicht nur ein besonders hohes Niveau hat, sondern auch ihrm praktischm Zweck erreichte, indem eine Reche von Anmeldungen zum Kreditverein settens der anwesenden Handwerksmeister erfolgte. Diesem Thema voran ging ein Vortrag des Schlossermeisters Peisachowitz über „Schönheit und Geschmack imKunstaewerbe". Durch seine formvollendete Redeweise, gediegenes Wissen erkmnm lassend, verstand es der Redner, bei der großen Zahl der Anwesenden einm nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. E. S. Kalendarium f. die Zeit v. 5. 2. b. 11.2. 28 Frbruar 1928 Schewal 5688 Sonntag 5. 14. Montag 6.! 15. Chamischoh oßor Dienstag 7. j 16. Mittwoch 8.! 17. Donnerstag 9.! 18. Freitag 10. | 19. Sonnabend n.! 20. Aochenabschnitt: Jißrau .S'astarah: Jesaia Kap. 6,1--6,0t; 7,1—7,6; 9,5—9,6 Sabbat-Ausgang: 5.52 Uhr ein feinsinniger Uebersetzer; er schreibt die schönstm Biographien, voll Hingabe und Liebe, ohne sich dennoch mit dem ftemdm Stoff zu vermählen. Er ist ein großer Kenn« der menschlichen Psyche, weiß um deren letzte Verlegenhette«, mit scharfem Verstand und Hellen Augen dringt er in die fremden Körper genialer und irrender Naturen, von Dirnen und Heiligen, Jünglingm und Greisinnen, und kein Geheimnis bleibt ihm länger verschlossm. In der gegenwärtige« deutschen Dichtung triumphiert augenblicklich ein schrankeisloser Subjektivismus, das Ringen vieler um die Persönlichkett. Zweig ist sie, mit freiem Geist und offenem Herze». Voran steht der Epiker. Sein bisheriges Schaffen offenbart sich wie ein organischer Ausbau. Ein Baum, der Jahr für Jahr Ringe um sich legt, steigt und wächst und vdurck schönere Farben und kühnere Gestalt mehr Gäste lockt. Zuerst das Buch der Blindheit: „Erstes Erlebnis". In die unerwachte Kinderseele bricht die große Offenbarung, sie ahnen nun das nahende Geheimnis, es brennt in ihren Seelen, aber eine Unerbittlichkeit verschließt ihnen noch das Tor zur Wahrhcü. Unbedachtsamkeit der Eltern und deren Unverstand richten oft unermeßlichen Schaden in der jungen Seele an. Ein Knabe liebt mit seiner reinen jugendlichen Leidenschaft, mtt der feurigen Glut eines unbefleckten Herzens, ahnt um die Geliebte, ist überglücklich in seiner Phantasie ein bitteres Erwachen und er trägt die erste Wunde in die Welt. Zwei Mädchen lauschen an der Tür, hören zum ersten Male vom Wunder der Liebe und des ungeborenen Kindes; weil sie sich die verwickelten Vorgänge nicht erklären können, man ihnen die Wahrheit verschweigt, stürzen sie aus ihrer heiteren Kindlichkett in einen Abgrund, und. Angst vor der Einsamkeit in der Welt wächst in ihren Körpern groß. Ein Knabe wird zum Schicksal seiner Mutter, der dunkle Drang seines Blutes führt chn zum rechten Ziel. Ein geheimnisvoller Schleier umgibt die Erzählung, es ist ein Gang durch düsteren FrühlingSwald, und hinter dem undurchdringbaren Grün jubelt die aussteigende Sonne. Aus dunklem Traumland quellen die Gestalten, die Stimmen, tvächst der Gesang, kreist zu herrlichem Gipfel. „Die Geschichten, die man des Abends erzählt, wandern alle in die leise Straße der Wehmut hinein... das Dunkel sickert in ihr Blut, und all die Hellen und bunten Worte, die sie tragen, haben dann einen so vollen *

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