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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-01-27 · 4 (27.1.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
4 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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8. Jahrgang Nummer 4 Beilage 27. Januar 1928 Entspannung in der Berliner Gemeinde? Am Donnerstag, 19. Januar, trat dir Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde zu einer Gitzung zusammen. Es zeigte sich, daß durch die Verösfent- Hichung der skandalösen Vorgänge der vorhergehenden Sitzung «nd dnrch die inzwischen von liberaler Seite für den Fall einer Fortdauer derartig unwürdiger Verhandlungsmethoden geplanten Maßnahmen ein Einlenken des zionistisch-konser- »ativ-mürelpart etlichen Blocks herbergeführt worden war. In geheimer Sitzung nahm zunächst der Führer der -Jüdischen Volkspartei die in der vorhergehenden Sitzung -Wegen den Sprecher der liberalen Fraktion getanen Beleidi- «ungs.' zurück, wodurch die Möglichkeit eines weiteren sachlichen B erstens geschaffen wurde. In der Frage, die in liberalen Kreisen ganz besonders Verstimmung hervorgerufen hatte, der Ersatzwahl für den Rat des Preußischen Landesverbandes, wurde der Gemeinde- Vorstand von der Repräsmtantenversammlung sogar einstimmig desavouiert. Der Gemeindevorstand hatte vorgeschlagen, in die durch das Ausscheiden der beiden Liberalen, J.-R. Lilienthal und J.-R. Makower frei gewordenen Stellen den der Mittelpartei angehörigen Kommerzienrat Gerson Simon und das Mitglied der Jüdischen Bolkspartei Dr. Sandlev zu wählen. Für die beiden ausgeschiedenen Liberalen sollten also zwei Angchörige anderer Parteien gewählt werden, sodaß hie Liberalen von den 10 Ratsmitgliedern des Landesver- Handes nur noch 3 gestellt haben würden. Daß! die chen jetzigen Mchrheitsverhältnissen in der Gemeinde — 10 libevalen Repräsentanten stehen nur insgesamt 11 Repräsentanten der vier Blockparteien gegenüber — keineswegs entsprechen würde, mußte nun sogar von dem Ausschußreferenten, Moritz A Loeb, eingestanden werden. Er schlug deshalb hie Wahl des Liberalen Direktor Ostberg anstelle des Mittelparteilers Kommerzienrat Simon vor. Gleichzeitig brachte er eine Protestresolution gegen den Beschluß des Gemeindevorstandes ein, demzufolge bei der Wahl von Ratsmitgliedern seitens.der Berliner Jüdischen Gemeinde eine Beschränkung «uf den Personenkreis der in der Gemeindeverwaltung Tätigen zu erfolgen hatte. Die Wahl und die Resolution wurde nach einer Erklärung des Gemeindevorsitzenden Kommerzienrat Simon im Sinne des Ausschußberichterstatters erledigt. Kommerzienrat Simon erklärte, daß der Gemeindevorstand bei feinem Vorschlag Non Irrigen Voraussetzungen ausgegangen sei und daß er den Wünschen der Repräsentantenversammlung Rechnung tragen werde. Für das verstorbene konservative Mitglied des Gemeindevorftandes Bankier Galewski wurde Dr. Jsi Kahn in den Gemeindevorstaud und Bankier Seckelsohn in den Rat des Preußischen Landesverbandes gewählt. Die Wahl eines liberalen Gemeindevorstehers als Ersatz für den infolge persönlicher Verunglimpfungen bei der Dezernatsverteiluna, ausgeschiedenen Carl Fuchs wurde vertagt. Bei der Wahl des Präsidiums der Repräsentantenversawmlung, die statutengemäß in der ersten Sitzung eines jeden Jahres erfolgen muß, hielten die Blockparteien an der Kandidatur des Herrn Geheimrat Stern fest. Für die Liberalen erklärte Professor Türk, daß. sie von ihrer Auffassung, nicht «blassen könnten, daß nach parlamentarischem Brauch M *o im Hotel „Der Kaiserhof“ Konzert abarett FRL. FRIEDA WOLF JAN JAROFF RESI LANGER WILLI ROSEN CONFERENCIER: DR. S. HILDESHEIMER EINLADUNGEN 2 Kapellen TONBOLA Im Büro der Gesellschaft „ORT“, BUlowstraße 90 Telefon: LUtzow 49*86 der stärksten Fraktion die Präsentierung des Borsitzend,en überlassen bleiben müsse. Da dieses Recht jedoch vom Block wiederum mißachtet wurde, beteiligten sich die Liberalen nicht an der Besetzung des Präsidiums, dessen Zusammensetzung wie im Vorjahre bestehen bleibt. Man hatte bei den Verhandlungen das deutliche Empfinden, daß maßgebende Persönlichkeiten des Blocks mü der gegenwärtigen Zusammensetzung des Präsidiums nicht übermäßig froh sind, und daß in dieser Frage die Erkenntnis wächst, daß Blockinteressen über sachliche Notwendigkeiten gestellt werden. Zu Beginn der Verhandlungen hielt der Vorsitzende einen Nachruf aüs den früheren Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, Geh. Regierungsrat Tr.Georg Minden. Ein von liberaler Seite gestellter Antrag, in gemischter Deputation über die Einrichtung von getrennten Kultusausschüssen zu beraten, wurde angenommen. Ferner wurde die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Beratung über eine evtl. Eingemeindung von Vorortgemeinden (Oranienburg, Spandau, Cöpenick usw.) angenommen. In die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise wurden die Repräsentanten Wilhelm Marcus und Dr. Oscar Cohn delogiert. Es war erfreulich, nach längerer Zeit wieder einmal eine Repräsentantenversammlung zu sehen, die statt andauernder Gehässigkeiten und Vergewaltigungen sachliche Arbeit und Verständigungswillen dokumentierte. Allgemein wird es nun als dringend notwendig empfunden, die Frage der Mandatsdauer der jetzigen Repräsentantenversammlung zu entscheiden Daß dabei nur nach rechtlichen und nicht nach parteitaktischen Gesichtspunkten eine Lösung gesucht werden darf, ist selbstverständlich. Tie Liberalen werden darauf achten müssen, daß der Block seine Mehrheit von einer Stimme nicht dazu benutzt, aus parteitaktischen Erwägungen heraus eine andere Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung zu verhindern und den Wählern der Jüdischen Gemeinde die Möglichkeit zu einer wirklichen Befriedung des Gemeindelebens zu nehmen. Dr. Georg Mnden Am 17. Januar 1928 verstarb in Berlin der Geheime Regierungsrat Dr. jur. Georg Minden. Mit ihm ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der sich mehr als drei Jahrzehnte hindurch im jüdischen Gemeindeleben Berlins in großem Umfange betätigt hat. Georg Minden, am 31. August 1850 in Berlin geboren, hat, wie sein Vater Leopold Minden (einer der Mitbegründer der jüdischen Reformgemeinde, zu deren Ehrenmitgliedern er später zählte), als treuer und aufrechter Sohn seiner Glaubensgemeinschaft gewirkt. Nach seinem juristischen Studium amtierte er mehrere Jahre als Kreisrichter in Memel. Nach der 1879 erfolgten Justizreorganisation nach Berlin versetzt, schied er aus dem Staatsdienst aus und trat als Syndikus des Pfandbriefamts der Stadt Berlin den verantwortungsvollen Posten an, den vor ihm der unvergeßliche Eduard Lasker bekleidet hatte. Nach mehrjähriger Amtstätigkeit wählte ihn die Stadt Berlin zum Direktor dieses Amtes. Diesen Posten bekleidete er unter vielfacher Anerkennung bis zu der vor einigen Jahren erfolgten Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand. Neben der reichen, verantwortungsvollen Berufstätigkeit widmete er seine Mitarbeit einer Reihe jüdischer Organisationen. Lange Jahre bekleidete er, gleich seinem Vater, das Amt der Vorsitzenden der jüdischen Reforrngemeindh war Schriftführer der Gesellschaft Magine Reim. Im Ausschuß des D.J.G.B. und seinen Institutionen wirkte er viAe Jahrzehnte unermüdlich, sorgte für Anstellung jüdischer Wanderlehrer und war in besonders reger Weise für die Schaffung eines Reichsverbandes jüdischer Gemeinden Deutschlands tätig. Vom Jahre 1887 bis zum Jahre 1898 wirkte er als Repräsentantcn-Stellvertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde. 1899 wurde er zum stimmberechtigten Mitglieds der Versammlung gewählt; aus diesem Amt schied er mit Ablauf des Jahres 1922 wegen hohen Alters aus. Nach dem Tode von Louis Sachs — 1915 — wählte ihn die Versammlung, deren stellvertretender Vorsitzender er war, ihrem Vorsitzenden. Sieben Jahre leitete er mit Geschick und Sichere, heit die Verhandlungen dieser Körperschaft, mit einer Objektivität, die ihm die Anerkennung aller Richtungen erntrug. Daneben wirkte er in zahlreichen Kommissionen (Schulunv- Talmud-Thora-Vorstand, Fürsorge-Kommission und Rabbinerwahl-Kommission). Ganz besonders wichtig schien ihm die Heranziehung weiterer Kreise zur Mitarbeit an der Gemeindearbeit. Dies veranlaßte ihn, sich für die Schaffung einer Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten einzusetzen. In dieser nach seinen Anträgen geschaffenen Kommission war er stellvertretender Vorsitzender; hier arbeitete er einen Leitfäden für Ehrenbeamte aus. Als die Inflation eine Vereinfachung der Verwaltungsarbeit nötig machte, verfiel diese Kommission der Auflösung. Im Verein mit seiner kunstliebenden Gattin unterstützte er freigiebig talentierte Künstler jüdischen Glaubens. Das Gotteshaus der jüdischen Reformgemeinde ziert eine von ihm gestiftete Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Söhne dieser Gemeinde. Für den Sitzungssaal der Repräsentanten- Versammlung stiftete er eine Bronzebüste des Großen Kurfürsten, jenes Hohenzollern, der durch seine Edikte vom 21. Mai und 10. September 1671 den aus Oesterreich vertriebenen Glaubensgenossen die Niederlassung in der Mark Brandenburg und damit die Bildung der Berliner Jüdischen Gemeinde ermöglichte. Dem Wunsche des Entschlafenen entsprechend fand eine interne Gedenkfeier im Trauerhause statt, an die sich die Beisetzung in allet Stille anschloß. Il»lll»im»in»ninillllllll«imilll|||inimimnnmimmimnrm>m«""" .".. Sendet den fälligen Beitrag für das I. Quartal 1928 in HSHe t>on SRI 2,50 aut das Postscheckkonto der Bereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 137 089 ei«. Unsere begingen am Montag, den 30, Januar Wir bringen in diesen Wochen Weisse Waren aller Art, welche z. T. eigens für diesen Zweck aufgestapelt, zu enorm billigen Preisen zum Verkauf M N N Leipziger Strasse, Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Belle-Alliance-Strassa, Brunnenstr., Kottbuser Damm, Wilmarstlorfer Str., Androasstr., Chawsseestr.

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