Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Jahrgang Nummer 2 Vellage 13. Januar 1S28 Me Krise in der berliner Gemeinde Wir Häven in unserer vorletzten Nummer in voller Oeffentlichkeit auf die durch das unerträgliche Verhütten der Indischen Dolkspartei hervorgerufene Krise in« der Berliner Indischen Gemeinde hingemiesen. Unser Marmrnf hat zu eingehenden Erwägungen in den matz gehenden Kreisen der Gemeinde und insbesondere in den zuständigen liberalen Gremien geführt. In der nächsten Woche werden wir ans die gesagten Beschlüsse eingehend zurückkommen. Heute veröffentlichen wir nur zwei Meinnngsäutzernngen aus der noch schwebenden Diskussion. Tie Redaktion. Für eine GemeindepolM der guten Nerven Bon Tr. Walter Breslauer, Berlin. I Es sei gestaltet, im Folgenden Probleme der Gemeindepolitik zu erörtern, die zunächst für die B e r l i n c r Gemeinde von Bedeutung sind. Aehnliche Konstellationen wie zurzeit in Berlin können auch anderwärts eintreten. Wir glauben auch nicht, daß die geistige Einstellung unserer Freunde und die gemeindepolitischen Manieren unserer „Freunde" von der rechten Seite etwa in Königsberg oder Duisburg anders sind als in Berlin. In Berlin sind bekanntlich seit der Bestätigung der letzten Gemeindewahlen die Liberalen in den Gemeindekörperschaften in der Minderheit, in der Repräsentanz mit 10 von 81, im Borstand mit 3 von 7 Stimmen. Derartige Situationen sind — auch für Berlin - nicht neu und unerhört. In den letzten dreißig Jahren hat die Berliner Repräsentanz zweimal konservativ-mittelparteiliche Mehrheiten gesehen. Trotzdem wird die Situation hüben und drüben als neu und unerhört empfunden. An den Mandataren der früheren vorübergehenden Rechtsmehrheiten war vom liberalen Standpunkt zwar auch viel auszusetzen, aber fco; Unterschied ju den jetzigen national-jüdischen Beherrschern der Gemeinde bestand darin, daß jene konservativen Herren bei ihren Ausführungen die vom seligen Knigge gezogenen Grenzen einzuhalten und denselben nicht durch erhobene Stühle und dergl. Nachdruck zu geben pflegten. Für die Liberalen in der Minderheit ist es nun vor allem wichtig, daß sie nicht die Nerven verlieren. Nur mit einer Politik des ruhigen Gewissens und der guten Nerven .können die Liberalen die ihnen zustehende Stellung in der Gemeinde wieder erringen. Tiefer Grundsatz bedarf der Erläuterung. Wir wollen zunächst sagen, was uns als Politik der schwachen Nerven erscheinen würde. II Hierzu würde zunächst einmal die Flucht in die Sondergemeinde gehören. Die Frage, ob die Zukunft des deutschen Judentums, des liberalen Judentums, in der Einheitsgemeinde liegt oder nicht, ist in diesen Blättern in breiterem Rahmen erörtert worden. Vorliegend sei sie nur in Beschränkung auf die Erwägungen und Bedürfnisse der augenblicklichen Gemeindepolitik betrachtet. Unter diesem Gesichtswinkel ist ein Austritt interessierter liberaler Gemeindemitglieder entschieden abzulehnen. Ein solcher Austritt würde der Gemeinde schaden. Das ist schlimm, mindestens solange lebens- und entwicklungsfähige liberale Separatgemeinden nicht bestehen, die nach Art der amerikanischen eine Zukunft des deutschen Judentums verbürgen. Ein solcher Austritt würde aber in weitaus höherem Maße dem jüdischen Liberalismus im besonderen Schaden. Und das ist schlimmer. Man unterscheidet vielfach im jüdischen Leben tätige Liberale und Indifferente, die sich liberal nennen. Es kann in diesem Rahmen nicht diskutiert werden, ob diese Unter-- fcheidung richtig ist, oder ob das liberale Judentum nicht viel mehr im Willen zum Judentum verbunden mit dem Bekenntnis zu einer den alten Glaubensinhalt im Geiste heutigen religiösen Fühlens und Verstehens deutenden Weltanschauung liegt, als in der — gewiß erwünschten — religiösen Betätigung. Sicher ist jedenfalls, daß die große Masse der sogenannten Indifferenten ein notwendiges Reservoir für die im jüdischen Gemeindeleben aktiv tätigen Kreise ist, aus dem sie sich! stets neu ergänzen müssen. Eine solche Ergänzung zu Gunsten des jüdischen Liberalismus würde durch eine liberale Austrittsbewegung behindert. Der Kreis der zur liberalen Sondergemeinde Uebergehenden würde entsprechend dem unleugbar zurzeit geringen Fonds aktiver religiöser Energie ein begrenzter sein. In der großen Gemeinde würde ein Teil der Liberalen (aus prinzipiellen Gründen, > siehe z. B. die Ausführungen Heinrich Sterns in diesen Blättern) und das Gros der Indifferenten zurückbleiben. hier aber infolge der vorgenommenen Schwächung durch den Austritt interessierter liberaler Kreise in hoffnungsloser Minderheit. Spaltung und Schwächung des Liberalismus sind die praktisch unausweichlichen Folgen einer Austrittspolitik. Ebenso wenig wie diese sollte eine Amtsniederlegung der liberalen Repräsentanten ernsthaft erwogen werden. Die Partei, die sich aus der Vertretung einer öffentlichen Körperschaft selbst ausschalten würde, würde sich selbst aufgeben. Im staatlichen Leben haben das selbst so parlamentsfeindliche Parteien wie die Kommunisten und die Nationalsozialisten eingesehen. Für das Gemeindeleben gilt das gleiche. Anders liegt die Frage hinsichtlich der Aufrechterhaltung der liberalen Mitarbeit im Gemeindevorstand. Der Vorstand ist ein Verwaltungsorgan, und jedes Vorstandsmitglied trägt in gewissem Umfange eine Verantwortung für die Verwaltungshandlungen der Gemeinde. Können die liberalen Vorstandsmitglieder diese Verantwortung noch mittragen? Schon ist wieder von einer neuen zweifellosen Vergewaltigung der liberalen Minderheit in der Frage der zu besetzenden Mandate zum Rat des Landesverbandes zu berichten. Was wir kürzlich hier als unwahrscheinlich bezeichnten, soll Tatsache werden: daß auf Grund des Gewinnes eines Mandates (von 21) der Block den Liberalen beide Ratsmandate (von 10) rauben will. III In gleicher Weise wie die Flucht aus der Gemeinde würde uns aber als Politik schwacher Nerven eine solche erscheinen, die die Tatsache der liberalen Minderheit picht in aller Ruhe als gegeben akzeptieren würde, sondern bemüht wäre, sie durch unannehmbare Kompromisse zu verschleiern. Wohl ist die Politik die Kunst der Kompromisse; aber keine Situation ist für solche Kompromisse weniger geeignet, als die der Berliner Liberalen. Liberaler Anschauung entsprechend ist grundsätzlich ein friedliches Zusammenwirken mit der gesetzestreuen Richtung, überhaupt aller religiösen Richtungen. Dieser Grundsatz war nach beiden Wahlen 1920 leitende Parole. Wenn 'hei dein Berliner Gesetzestreuen, Persönlichkeiten, wie es der kürzlich verstorbene Gemeindevorsteher Bruno Galewfki war, oder wie es einzelne Vertreter der Konservativen im Preußischen Landesverband noch heute sind, maßgebend wären, wäre seine Ausrechterhaltung nicht schwer. Wir wissen aber, daß der Vertreter der konservativen Richtung in der Repräsentanz, Herr Moritz A. Loeb, — alsbald nachdem er mit den Stimmen der Liberalen gewählt war, sich> von ihnen abgewandt und sich zurzeit völlig in die Abhängigkeit der Jüdischen Volkspartei begeben hat; er scheidet damit für die Libercüen als Vertragspartner aus. Ueber die Verhandlungsfähigkeit der Mittelpartei soll hier nicht weiter gesprochen werden. Es ist schwer, dieses Thema mit Ruhe und Ernst zu behandeln. Daß auch diese Partei zurzeit in urkundlich verbrieftem Blockverhältnis zu der Volkspartei sich befindet, steht fest. So bleibt nur die Erwägung, ob eine Verständigung mit der Führung des Blocks selber, der Jüdischen Dolkspartei, möglich ist. Es klingt verlockend, auf diese Weise „den Frieden in der Gemeinde herbeizuführen". Mit Sirenentönen Damen - Filzschlüpfer mit KordeUohle hntLKamelhaar-Schnallenu.Ohrenschuhe LKlnd-1B-26 75. Damen-Slepp-Morgen- Schuhe viele Farben ImiL Kamelhaar-Umschlagschuhe mit Ledersohle 1” Damen-blond-Einspange I mit Louis XV.-Absatz I Damen-braun-Kroko* 1 Spangenschuhe 490 Schwa. Damen-Zugpumps Grau und blond Damen - Lasting - Spange mit französischem Absatz 3*° Damen-Ballsdmhe, rot und grün, bestickte Cosyschuhe f. 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