Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 52 (30.12.1927)
- Date
- 1927-12-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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foflte- Mir war der Bettlätte vom ersten Taye an, da »ich das von ihm bereits besuchte Rabbinerseminar tn der Reichs- Hauptstadt bezog, ein gar lieber Freund und Gefährte, der — trotz, der landsmannschaftlichen Verschiedenheit, denn er verleugnet« nie, weder in jüngeren noch in späteren Jahren, weder in Sprache und Sprechweise noch in seiner ganzen Wesensart den „Schwaben" — sich meiner, des Jüngeren, mit der ganzen Glut und Tiefe seines Empfindens angenommen, bei dem ich mir, zumal nachdem ich ins Amt gekommen war, oft Rat holen durfte, und der mir in jedem Betracht.reiche Förderung und das Wertvolle seiner Freundschaft - und wie er konnte selten einer Freundschaft üben -- angedeihen ließ. Treu hing und haftete meine Seele mit allen ihren Fibern an der seinen in stetem Bunde, der sich noch fester fügte, als ich, seinem Drängen folgend, aus dem national-gesährbeten Osten nach dem Süden unseres Vaterlandes übersiedelte, tn seine Nähe, und ich muß ob seines so plötzlichen Heimganges in die Trauerklage des Psalmisten ausbrechen: „Du hast mir den Freund und Gefährten entrissen!" (88,19.) Jgna; Mofcheles Ein Lebensbild von A. S t r u k a l. Es war im Sommer des Jahres 1806. In Prag sprach man von nichts Anderem als von einem kleinen und schwächlichen zwölfjährigen Knaben, der als ein wahres Wunderkind durch seine staunenswerten Leistungen auf nnisi kalischem Gebiet die Stadt in Verwunderung gesetzt hatte. Mozartsche Stücke waren von ihm gespielt worden, wie man sie bisher noch nicht gehört hatte, und dazu hatte der Kleine noch eine staunenswerte Technik im Komponieren gezeigt, durch eine Sonate in Fis-dur, durch Stücke für Klavier, Flöte, Klarinette und Fayott und durch Konzertstücke für Klavier und Flöte. Mau wußte nicht, was man von solchen Lei stungen halten sollte. - Es war Ignaz Mofcheles, der Sohn eines jüdischen Tuchhändlers in Prag, geboren am 30. Mai 1794. Sein Geschäft sühne den Vater mehrfach im Jahre nach der in der Musik tonangebenden Hauptstadt Wien, und wenn er zurückkam, brachte er nicht nur musikalische Erinnerungen, sondern auch die neuesten Musikschöpsungen mit. Soweit es möglich mar, wurden sie in der Familie ausgeführt, und der musikalische Vater hatte nur den einen Lieblingswunsch, das; eines seiner Kinder in der Musik etwas Tüchtiges leisten möge. Die älteste Tochter sollte es, aber Begabung und Lust fehlten ihr, und wenn sie wieder ein ausgegebenes Stück nicht zur Zufriedenheit des Vaters spielen konnte, daun sagte der sechsjährige Ignaz: „Ich kann es." Er hatte es ja bei den Uebungen der Schwester so oft gehört, daß ec es endlich auswendig wußte und zu seinem Vergnügen nach dem Gehör auf dem Klavier übte. Nun ging der Musikunterricht zur Befriedigung der ganzen Familie auf ihn über. Die drei bescheiden-stolzen Worte „Ich kann es" führten ihn nun unaufhaltsam dem Ruhme entgegen. Direktor Dionys Weber vom Prager Konservatorium gab ihm den ersten Unterricht im Klaviersvielen, utld dann ging er nach Wien, wo er theoretischen Unterricht bei Albrechtsberger nahm. Dieser stellte ihm schon im Jahre 1808 folgendes Zeugnis aus: „Endesunterschriebener bezeugt hiermit, daß der Ignaz Moscheles durch einige Monate bei mir die musikalische Setzkunst so gut erlernt hat, daß er im Stande ist (indem er auch aus dem Fortepiano und aus der Orgel meisterlich spielt), sein Brot mit beiden Künsten überall zu verdienen, und da er jetzt willens ist, Reisen zu machen, so finde ich es für billig, ihn anderer Orten bestens anzuempfehlen." Nun glaubte Mofcheles, er sei ein fertiger Mann, aber ein Besuch bei dem berühmten Tonkünstler Salieri belehrte ihn eines anderen. Der Kapellmeister war nicht zu Hause, aber auf seinem Tische lag ein Zettel mit den Worten: „Der Schüler Beethoven war da." Das gab ihm zu denken, und er bat Salieri, ebenfalls sein Schüler sein zu dürfen. Durch dessen Unterricht reiste Mofcheles schnell zu einem Musiker heran, dessen Fähigkeiten und Kenntnisse Aufschen erregten. Schon am 9. April 1809 gab er durch ein Konzert glänzende Beweise seiner Tüchtigkeit; er dirigierte eine selbstverfaßte Symphonie und spielte ein Klavierkonzert von Mozart. In demselben Jahre verschaffte ihm Salieri die Stelle eines Chordirektors am Kärnthertor-Theater. hätten uns einfach erfreut an der Erde und des Meeres Schönheit. Und wir wären zu Festen gefahren, Sophie Elkan. Ich liebte es immer sehr, dich hinaustreten zu sehen unter die Menschen. Welche herrlichen Augenblicke, wenn dein Geist aufblitzte, wenn aller Augen an deinen Lippen hingen! Und wir hätten unsere langen Gespräche wieder erneuert, deine unsterblichen Geschichten hätte ich dir ins Gedächtnis zurückgerufen. Wir hätten gelacht über die kleine Sophie Salomon, die immer Pech hatte, und gelächelt über die junge Sophie Elkan, die so glücklich war und so vergöttert wurde." Mit diesen schönen, dem Warmquell der Freundschaft hervorsprudelnden Motten leitete Selma Lagerlöf ihre Grabrede ein. Aber auch über das Grab hinaus bewahrte sie der Freundin Liebe und Dankbarkeit. Als die Dichterin im Jahre 1909 der: Nobel-Preis für Literatur erhielt und, wie üblich, in der schwedischen Akademie für diese Auszeichnung in einer Rede dankte, gedachte sie in dieser Rede auch ihrer Freundin Sophie Elkan, die ihr das ganze Leben Heller und reicher machte. Selma Lagerlöf ist beute als Schriftstellerin weltberühmt. Wer aber war Sophie Elkan? Sophie Elkan, geborene Salomon, war eine der bedeutendsten Frauen Schwedens. Sie entstammte einer wohlhabenden, sehr angesehenen Familie. Ihr Onkel, der Großkauftnann und Gutsbesitzer August Abrahamson, hat sein Gut Nääs in ein Seminar für Handfettigkeitsunterricht verwandelt und es bei seinem Tode 1898 mit eurem großen Kapital dem schwedischen Staate geschenkt. Ihr Bruder, Otto Salomon, war Leiter und Vorsteher des Seminars. Sophie war 1853 in Göteborg geboren und heiratete neunzehnjährig den Buchhändler N. Elkan. 1879 wurde fte Witwe. Auch ein Kind aus dieser Ehe starb. Nach langem Kummer fand sie Trost in schttftftellerischer Tätigkett. Sie schrieb - unter dem Decknamen Ruft Roest, spater auch unter eigenem Namen - feinsinnige Novellen und historische Romane, die in Schweden viel gelesen wurden. „Sie war", schreibt Berendsohn, „eine echt« Jüdin von jener vornehmen Att, wie sie nicht ganz selten in der Freiheit der oberen Gesellschaftsschichten europäischer Großstädte gedeihen, feinfühlig, lebhaft, geistvoll, voll Ernst gegenüber den Lebensfragen, mit einem Zug zur Schwermut unter heiterer Oberfläche, weltgewandt und tatkräftig." Bald darauf begann der junge Künstler seine Konzertreisen und trat zuerst in Leipzig aus, wo man von ihm schon viel gehört hatte. Am 8. Oktober 1816 erfüllte er die Ermattungen in so reichem Maße, daß die strenge Krittk bemertte, „man könne Herrn Mofcheles nicht ohne Bewunderung und lebhafte Teilnahme hören, welche Stellung man auch zur Tonkunst einnehme. Eine solche Behendigkeit und Fertigkeit habe bisher noch kein Klavierspieler besessen." Ebenso günstig beutteilte man ihn ein Vierteljahr später in Dresden. Nach Wien zurückgekehrt, bot sich dem Meister nun ein weites Arbeitsfeld. Die bedeutendsten Musikverleger rechneten es sich zur höchsten Ehre an, ein Stück von Mofcheles verlegen zu dürfen. In Karlsbad hatte Mofcheles, ohne es zu wissen, ein junges Genie im höchsten Grade begeistert. Am 4. und 17. August 1819 hatte er da zwei Konzerte mit großem Erfolge gegeben. Unter den Zuhörern befand sich ein Knabe, der von dem Können des Künstlers so hingerissen war, daß er den Entschluß faßte, diesem Vorbilde nachzueiscrn. Der Knabe war Robert Schumann. Als Mofcheles ihm feine Sonate Op. 21 für Klavier uich Cello gewidmet hatte, dankte ihm Schumann in einem Briese vom 20. November 1851 mit folgenden Worten: „Freude und Ehre haben Sie mir bereitet durch die Widmung Ihrer Sonate; sie gilt mir zugleich als eine Ermunterung meines eigenen Strebens, an dem Sie von jeher freundlich Anteil nahmen. Als ich, Ihnen gänzlich unbekannt, vor mehr als dreißig Jahren in Karlsbad mir einen Konzertzettel, den Sie berührt hatten, wie eine Relique lange Zeit aufbewahrte, wie hätte ich da geträumt, von so berühmtem Meister aus diese Weise geehrt zu werden. Nehmen Sie meinen innigsten Dank dafür." Mofcheles unternahm nun eine zweite Kunstreise, die ihn weiter führen sollte. In Frankfurt am Main eroberte er sich im Fluge die Herzen, wozu auch seine Bescheidenheit und Freundlichkeit viel beitrug. So war es auch im Jahre 1821 in Paris, und das wollte schon viel heißen, denn die Franzosen hielten sich für die größten Künstler der Welt. Man dachte schließlich kaum mehr daran, daß Mofcheles ein Deutscher war und behandelte ihn wie einen Künstler der eigenen Nation. Trotz aller dieser Erfolge hatte man in London noch nichts von ihm gehört, aber nach dem ersten Konzert erklärte man ihn für den größten Klavierspieler, der je in London gespielt hatte. So war es auch in den anderen englischen Städten. Die Jahre 1821 bis 1823 waren für sein späteres Leben entscheidend; er hatte alle Rivalen besiegt und war auf den Gipfel seines Ruhmes gestiegen. Umso mehr wurde die Kunstwelt erschreckt durch die Nachricht: „Mofcheles ist tot." Es war nur eine Krankheit, von der er sich bald erholte. Wettere Triumphe auf Reisen durch die verschiedensten deutschen Großstädte folgten, und irr Berlin, wo er längere Zeit blieb, übernahm er die Erziehung des jungen Felix Mendelssohn-Barth oldy. Nach London zurückgekehrt, wurde Mofcheles zum Professor der königlichen Akademiemusik ernannt, wo er als Lehrer die segensreichste Tätigkeit entfaltete. Als solcher kam er 1826 wieder nach Deutschland zurück, und wenn er auch noch verschiedene Kunstreisen unternahm, so gestattete sich sein Leben nun doch ruhiger. Hamburg sah ihn 1829, Kopenhagen 1830. In England gewannen die Werke von Mendelssohn-Battholdy und von Bach durch ihn Verbreitung, und auch vom Königshose erhielt er zahlreiche Ehrungen, unter anderem wurde er zum Hofpianisten des Königs Albert ernannt. Mofcheles sehnte sich aber nach Leipzig zurück, wo man ihn am meisten schätzen gelernt hatte. Wien brachte ihm längst nicht mehr die Huldigungen entgegen wie einst und zog die Romantik eines Liszt, Chopin und Thalberg der alten Schule vor, während England seinen Mofcheles fast wie einen Heiligen verehrte. Trotzdem zog er Leipzig vor, wo er einen Kreis feiner und kunstsinniger Musikkenner fand. Da nahm er die Musikprofessur am Konservatorium an. Leider traf ihn ein Jahr später, am 4. November 1847, ein tiefer Schmerz, denn sein Freund Mendelssohn-Battholdy starb an diesem Tage. Sein ganzes Leben lang war Mofcheles auch ein gewissenhafter Lehrer. Mit dem Glockenschlage der bestimmten Stunde betrat er das Unterttchtszimmer, in dem seine Schüler watttten. Hier wurden die bedeutendsten aus seiner Feder geflossenen Wette studiert, die so oft aufgeführt wurden. So lehne er jahraus, jahrein, und alle durchreisenden Künstler waren bei ihm und seiner Frau gern gesehene Gäste. Von einer großen Reise durch Ungarn 1869 zurückgekehrt, wo ihm von Künstlern und Zuhörern die begeistettsten Huldigungen gebracht wurden, fing er, sonst so kräftig, an zu kränkeln, und am 10. März 1870 starb er. Einen Lorbeer- und einen Mytthenzweig hatte man ihm in die Hand gelegt, und die ganze Stadt nahm Anteil an dem Begräbnis dieses Mannes, dessen Geist und Charakter so viel Segen gestiftet hatte. Er war der bedeutendste Klaviervittuose in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der selbst neben einem Liszt noch siegreich die atte Schule behauptete, Hin vortrefflicher Lehrer, zu dem sich Schüler aus allen Weltteilen drängten und ein unermüdlicher Verfechter der Klassiker anfänglich gegen die Italiener, später gegen die Wagner-Lisztsche Schule. * Aus den Gemeinden * Berlin. (Repräsentantenversammlung.) Am Mittwoch, den 21. Dezember, trat die Repräsentantenversammlung zu einer erneuten Sitzung zusammen. In ihr wurden vornehmlich sinanzicllc Fragen erörtert, die allerdings zum großen Teil durch die Zeit bereits überholt waren; so erfolgte insbesondere die erste und zweite Lesung des .Haushaltetats für 1927. Der Etat für 1928 soll nach den Wünschen der Fraktionen bereits im Januar 1928 zur Beratung gelangen. Infolgedessen verzichtete man auf eine eingehende Etatdebatte. Der Etat der Berliner jüdischen Gemeinde für 1827 schließt mit einer Endsumme von etwa 9V.i Millionen. Der Steuerbedarf beträgt 5,7 Millionen. Bon liberaler Seite wurde unter Bezugnahme auf die vom Landesverband erörterten Probleme der Bevölkerungs- Politik verlangt, im nächsten Etat 50 000, Mk. zur Gründung einer Frühehckasse bereit zu stellen. Es gelte, eine alte jüdische Einrichtung in modernem Geiste wiederzuschaffcn. Marcus wies im Auftrag der liberalen Fraktion auf die fortdauernde Untcrbilanz des Gemeindeblattes hin. Ein Blatt mit derart hoher Auflage müsse rentabel gestaltet werden und dürfe nicht den Gemeinde-Etat jährlich mit über 50 000,— Mk. belasten. Er verweist ferner auf die von uns bereits gemeldete Gründung der Jüdischen Kredit-Gcnosscnschasts-Bank. Bezüglich eines Antrages der liberalen Fraktion wegen Feststellung der Mandatsdauer der Mitglieder der Rrpräsentantenversammlung einigt« man sich dahin, vorerst die Feststellungen der vom Geineindevorftand zur Untersuchung der Frage eingesetzten Kommission abzuwarten. Bei Vorhaltungen von Herrn Dr. Klee, daß die Liberalen mit ihrem Wahplrotest frivol gehandelt hätten, erklärte Professor Tür? namens der liberalen Fraktion, daß die Liberalen immer wieder protestieren werden, wenn die Wahlen, wie es doch vom Polizeipräsidenten festgestellt sei, nicht der Würde einer öffentlichen Körperschaft entsprechen. Die Liberalen folgen damit den Beispielen der Jüdischen Bolkspartei in Gelsenkirchen, der Konservativen in Köln und der Mittelpartei in Königsberg. Es sei nicht zu verstehen, warum sich die Blockparteien so aufregtcn, »oo das doch von den andern Parteien in ähnlichen Fällen ebenfalls geschehen sei. Bor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Gemcindevorsitzende der Verluste, °die Mitglieder der Rcpräsentantrnversammlung betroffen haben. .Herr Pinkus hat durch das Ableben seiner Tochter, Herr Marcus durch den Tcü> seiner Mutier einen schweren Verlust zu beklagen. Einen tiefempfundenen Nachruf widmete er dann dem verstorbenen Vorstandsmitglied Bruno Galewski. Bon der liberalen Fraktion wurde eine Anfrage cingcbracht, »veshalb vom Borstand in den BertvaltungSrat der Jca nicht das bisherige, der Mittelpartci angehürende Mitglied, sondern ein Zionist entsandt worden sei. Entgegen dem bisherigen Brauch und u. E. ohne Notwendigkeit wurde für diese Anfrage von der Jüdischen Volkspartei Beratung in geheimer Sitzung verlangt. Die Anfrage wurde in der geheimen Sitzung vertagt und wird hoffentlich in der nächsten Sitzung öffentlich zur Erörterung kommen. In der geheimen Sitzung wurde der Ankauf eines Geländes für die Errichtung einer i. Altcrsversorgungsanstalt beschlossen. (Bgl. auch die Notizen „Tie Krise in der Berliner Gemeinde" und „Einerseits Andererseits" in der heutigen Nummer. Die Red.) B<rli«. (Bortrag über die deutschen Ausgrabungen in Palästina.) Professor Dr. Ernst Sellin, bekannt durch seine Ausgrabungen des alten Jericho und. Sichem, hielt anläßlich eines Empfanges bei Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Centralvcreins deutscher Staatsbürger jüdifä-cn Glaubens, einen Vortrag über die Geschichte der Ausgrabungen in Palästina. Erst tun die Jahrhundertwende sind die deutschen Ausgräber in Palästina aus den Plan getreten. Sie haben sich bei ihrer Forschungsarbeit vom alten Jerusalem serngehalten, da sie mit Recht vermuteten, daß große und wichtige Funde in und um Jerusalem kaum zu erwarten wären. Jericho und Teil Taanach, nahe beim alten Megiddoh, und seit 1925 Sichcnr bezeichnen die wichtige Arbeitsstätte der deutschen Gelehrten. Neuerdings ist Sichem das Arbeitsfeld der Grabungen, für die die Notgemcinschaft deutscher Wissenschaft die Finanzierung übernommen hat. Die wichtigsten Kleinsunde bestehen in Tontaseln mit Keilschrift. Bei den Ausgrabungen, in Sichern gelang es, die Grundmauern von Tempeln und Palästen auszudecken und dadurch wichtige Erkenntnisse für die Frühgeschichte Palästinas zu gewinnen. Im Anschluß an den Bortrag Sellins gab Dr. Bruno Weil ihm soeben übermittelte ausführliche Berichte über die Sinai-Inschriften bekannt. Bekanntlich hat Pros. .Hubert Grimme diese Inschriften als das älteste Alphabeth gedeutet. Er glaubte sogar, in den Inschriften Anklänge an Namen biblischer Persönlichkeiten (die Geschichte Moses') zu entdecken. Nachdem nun eine amerikanische Expedition die Steine vom Sinai her in das Kairoer Museum gebracht hat, hat Pros. Grimme die Inschriften sämtlicher Steine studieren können. Er wird nach seiner Rückkehr vor einem Wissenschaft« lichcn Forum die Ergebnisse seiner Forschungen vortragen, um damit die Diskussion über die Richtigkeit seiner Deutungen zum Abschluß zu bringen. Berlin. (I u d i l ä u IN.) Am Montag, den 19. Dezember 1927, hatte die .Hochschule für die Wissensä>ast des Judentums in Berlin, Artilleriestraße 14, Kuratorium, Dozcntenkollegium, Beamte und Hörerschaft, sowie die ehemaligen Hörer der Anstalt zu einer Jubiläumsfeier zu Ehren ihres Dozenten Herrn Professor Dr. Jsmar E l d o g e n eingetadcn, der seit 25 Jahren als Dozent an der Hochschule wirkt. In der akademischen Feier, die von einem aus Hörerkreiscn gebildeten Orchester musikalisch umrahmt wurde, würdigten Herr Justizrat Dr. Arnold Seligsohn, als Vorsitzender des Kuratoriums, Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck im Namen des Lehrerkollegiums, Herr Dr. Alfred Philipp für die gegenwärtigen und Herr Rabbiner Dr. Max Wiener für die ehemaligen Hörer der Anstalt die großen Verdienste und die schönen menschlichen Eigenschaften des Jubilars und gaben der großen Anhänglichkeit und Verehrung für den Gefeierten warmen Ausdruck. Unter den Ehrengaben für den Dozenten sei besonders eine kleine Festschrift der ehemaligen Hörer ElbogenS genannt, die neben einer persönlichen Widmung u. a. auch die Bibliographie der Schriften, die Elbogen bringt, sowie die Stiftung einer Reise nach Palästina durch das Kuratorium der Hochschule, die Elbogen und seine Frau in nächster Zeit ins heilige Land führen und sicherlich zur Stärkung der Beziehungen zwischen der Berliner Anstalt und den im neuen Palästina erwachsenden wissenschaftlichen Institutionen beitragen wird. In einer stimmungsvollen, vom derzeitigen Vorsitzenden der Hochschule, Herrn Dr. Torczyncr, geleiteten Nachfeier im festlich geschmückten Lesesaal der Hochschule bemühten sich Hörer und Gäste im intimen geselligen Beisammensein durch mannigfache heitere Darbietungen, sowie durch eine Bierbezw. Kafscezeitung der Freude Ausdruck zu geben, daß sie Herrn Pros. Elbogen den ihren nennen können, den Gefeierten von ihrer warmen und aufrichtigen Liebe und Anhänglichkeit zu überzeugen, bewiesen die Dankeswortc des Herrn Prof. Elbogen, der in seiner bescheidenen sachlichen Art auf die noch bestehende» großen Ausgaben der jüdischen Wissenschaft hinwicS und damit den Anwesenden ein Beispiel seiner eindringlichen und gedankenreichen Lchrvorträge gab. Berlin. (7 0. Geburtstag.) Am 2. Januar 1928 feiert Herr Joseph Kaufmann, Weißenscc, Tassostraße 21, der verdienstvolle Leiter unserer Bezirksgruppe. Berlin-Weißensee, seinen 70. Geburtstag. Herr Kaufmann, der bereits an seinem früheren Wohnort Plauen zu den Vorkämpfern des liberalen Judentums gezählt hat, ist seit Begründung unserer Wcißensecr Bezirksgruppe an deren Spitze tätig. Als Mitglied des Hauptvorstandes des Liberalen Vereins ist er einer unserer tätigsten und eifrigsten Mitarbeiter. Wir wünschen dem Jubilar, der erst vor kurzem von schwerer Krankheit genesen, ist, einen glücklichen Lebensabend und hoffen, daß er seine hervorragenden geistigen Kräfte nach wie vor in den Dienst der liberalen Sache stellen wird. Berlin. (8 0. Geburtstag.) Herr Joses Asch feierte am 24. Dezember seinen 80. Geburtstag. Herr Asch trat schon in Posen energisch für das liberale Judentum ein und hat auch hier der liberalen Bewegung gedient. Berlin. (Todesfall.) Gestern nachmittag erlag plötzlich aus der Straße einem Herzschläge SanilälSrat Dr. Albrecht Roscnstein. Der Verstorbene war ein Sohn des Leidener Klinikers, der als Schüler von Traube viele Jahre hindurch in Holland auf dem Gebiete der inneren Medizin führend gewesen war. Der Sohn Albrecht hatte in Deutschland studiert und kam dann als Assistent zu Prof. James Israel an das Jüdische Krankenhaus in Berlin. Hier war er viele Jahre tätig und hat lange Zeit hindurch, wenn Israel beurlaubt war, ihn in der Leitung der chirurgischen Station vertreten. Später bekam er dann einen Ruf als Leiter der chirurgischen Station des Jüdischen Krankenhauses in Posen. Von dieser Stellung aus hat er ebenso wie aus seiner Assistentenzeit eine Reih« wertvoller wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht. Als Konsiliarius und ausübender Ehirurg war er in der ganzen Provinz Posen bei alten BevülkerungSkreisen aus das Höchste geschätzt, und er würde auch bis zu seinem Tode eine gleiche große Stellung behalten haben, wenn er nicht für Deutschland optiert hätte und infolgedessen die Stätte seines langen Wirkens hätte verlassen müssen. Er kam dann nach Berlin und hat hier die letzten Jahre hindurch all die Mühseligkeiten der Verdrängten mit durchmachen müssen. Strli«. (Nachklänge zum Tode von Bruno Galewski.) Anläßlich des Hinscheidens des Herrn Bruno Galewski hat die Liberal« Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden an dj« Konservative Fraktion folgendes Schreiben gerichtet: