Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 50 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SttÜMltt*. (Bersammluug des Hilssvereins der »rutschen Juden.) Zu einem inneren Erlebnis ganz besonderer Art gestaltete sich der Bersammlungsabend des HilfSvereins der deutschen Juden am 17. November d. Js. Eröffnet und geleitet Wurde derselbe vom Vertrauensmann des HilfSvereins in Dortmund. Herrn Lehrer Siegmund Nußbaum, der in zu Herzen gehenden Worten »es großen Verlustes des Hilfsvereins durch den Tod Dr. Paul Nathans gedachte, zu dessen Ehren sich die Versammlung erhob. — Der Redner des Abends, Herr Henry Chassel, Hamburg, sprach alsdann über: „Der Hilfsverein der deutschen Juden und sein Werl". Aus der Fülle und reichen Erfahrung einer 26 jährigen Tätigkeit im Hilfsverein brachte er aus dem Innern eines tiefjüdischen Herzens quellend, in schlichter, aber um so beredter zum Herzen sprechenden Form erschütternde Bilder der materiellen und seelischen Not der jüdischen Auswanderer. Er wußte die Hörer von den gewaltigen Ausmaßen des sozialen Werkes des .Hilfsvereins, von der Größe und Bedeutung seiner Zukunftsaufgaben so zu überzeugen, daß ein Gefühl alle Versammlungsteilnehmer beherrschte: Wir deutsche Juden können stolz sein, daß durch den Hilfsverein, durch das Wirken deutsch-jüdischer Männer uns das Vertrauen der Welt zuteil wurde. Das Werk des Hilfsvereins muß trotz der Schwere der Zeit, trotz verlorenen Kriegs und der dadurch bewirkten wirtschaftlichen Depression weiter erhalten und gefördert werden. — Reicher Befall ward dem Redner zuteil; ein großer Teil der Anwesenden meldete seinen Beitritt zum Hilfsvcrein an. Dortmund. (Spende.) Der kürzlich verstorbene Kommerzienrat Müser, ein Nichtjude, vermachte in seinem Testament neben den großen christlichen charitativen Bereinigungen dem jüdischen Frauenverein die Summe von 5000,— Mark. Dresden. (Aus dem Gemeindeparlamcnt.) Die in der letzten Rovembcrwoche nach einer Pause von fast drei Monaten statlsindende Gcmeinderatssitzung leitete Vorsteher Pionkowski ein. Bon »en Gemcindcmitgliedern der Stadt Freiberg lag ein Dankschreiben für die Unterstützung vor, die den dortigen israelitischen Einwohnern von der Dresdner Gemeindeverlvaltung durch Einrichtung eines Gottesdienstes an den hohen Feiertagen und Abordnung des Lehrers Bernhard Isaak als Borbeter zuteil geworden war. Das sächsische Ministerium für Volksbildung hat mitgeteilt, daß die Erhebung der beschlossenen 10 o/oigen Vorauszahlung auf die Gemeindesteuer für das Kalenderjahr 1927 genehmigt sei. Aus Antrag des Vorstandes erÄärte sich der Gemeinderat damit einverstanden, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in Berlin für 1927 zugunsten der Anstalten m Rcpzin, Cöpenick und Weihensee 300 Mark zu überweisen. Rechtsanwalt Salinger berichtete über das Gutachten des Vorstandes, der Aufwertung des Restkaufgeldes von Rmk. 58 500 für das am Hasenberg. der an der Synagoge östlich vorübcrsührcnben Straße, gelegene Flurstück 979 auf Rmk. 45 000 unter der Bedingung zuzustimmen, daß die Verwaltung der Stadtgemeinde Dresden auf das Rückübereignungsrecht zunächst bis Ende 1932 Verzicht leistet. Das Kollegium beschloß gemäß dem Anträge des Vorstandes. Den Hauptteil der Beratungen bildete die Einführung eines orthodoxen Gcmeindegottesdienstcs in Dresden. Für einen neuen Gottesdienst nach altem Ritus wurden bisher rund 47» Plätze im Gesamtbeträge von etwa 4500 Mark gezeichnet, für die Dr. Schornstein im ersten Jahre die Garantie übernehmen und sich verpflichten will, die genannte Summe zwei Wochen nach Festsetzung des für den Beginn des orthodoxen Gcmeindegottesdienstes maßgebenden Termins im Gemeindeamt zu deponieren. Nachdem Vorsteher Rechtsanwalt Salinger im Namen der liberalen Mitglieder des Kollegiums unter der Voraussetzung zugcstimmt hatte, daß der Haushaltsplan der Gemeinde bei Regelung der Angelegenheit nicht in Mitleidenschaft gezogen werden dürfe, die Finanzfrage also den Ausschlag geben muffe, wurde ohne Widerspruch nachstehende Entschließung, die Rechtsauwalt Salingrr und Dr. Levy gemeinsam vor legen ließen, angenommen: Gemeindevorstand und Gemeinderat legen Wert darauf, einen orthodoxen Gottesdienst ins Leben zu rufen. Synagogen- und Finanzausschuß werden beauftragt, die technischen Vorbereitungen durchirr sichren. Hierzu wurde «in Antrag des- Vorstandes, zwei dem Gemcmderat angehörendc Delegierte für den Vorstand des Vereins Ädaß Jcschurun gemäß eiuem ftüher mit der Adaß Jcfchurun getroffenen Abkommen zu bestellen, angenommen. Dresden. (Neuer Jugcndgottesdienft.) Um der erwerbstätigen jüdischen Jugend Dresdens während der Wtntermonate Gelegenheit zum Besuche eines Freitagabend-Gottesdienstes zu geben, fand mit Unterstützung der Israelitischen Religionsgemeinde am vergangenen Freitag im großen Saal der Fratcrnitas-Loge der erste Gottesdienst dieser Art als sogenannter Resormgottesdicnst nach liberalem Ritus statt. Die Ansprache des Rabbiners Dr. Wolf, der in eindrucksvoller Weise die Symbole des heutigen Judentums behan- 444»^^«444 44»44»44»^4»4»4 444»»»4»»,,,»»4 444 444»»44»S»»^4«» Verfammluugskalender >!!;»+»♦+♦»+»+»4»4*♦« M»4+4444»» »4444»»»»»»»#4>»»444»4»44 f» > SttffoKortoit. Liberale Synagoge Norden (im Aarrbachscheu Waisenhaus, Sch-«. Hauser Mle« 162): Freitag, den 16. Dezember, adruds 7.15 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Radbiner Dr. Salomvaski. Svnnadend. den 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Dortmund. Ortsgruppe der Vereiviguag für das liderale Judentum. »« Dienstag, de« 2V. Dezember, oachwittags 4 Uhr, findet im fthjfo«« Saal des Gewerdevereius nufere diesjährige Niuder-Thanukahfeier statt. Wir lade» die Kinder unserer Mitglieder ein und ditteu Aumeldungev au Herrn E. Nuhbaum, Arueckeftraße 18, Ruf 5973, zu seudeu. Unsere Ortsgruppe richtet fvigeud« ftntft ein: 1. Kursus: Hebräisch Avsangsstvfe. 2. Kursus: Hebräisch Mittelstufe. 3. Kursus: Hebräisch Oberstufe. 4. Kursus: Jüdische Geschichte und Religionswissenschaft. 5. Kursus: Zum Erlernen der häuslichru Feier. Anmeldungen a» Herrn S. Nußbaum, Arneckestraße 18, Ruf 5973. Die Teilnahme au den Kursen steht allen Mitgliedern der Gemeinde offen und ist uueutgrlnich. Liegnitz. Liberaler Bereis der Syuago-eu-Gemeiude zu Lie-uitz. Uusere Chauulah-Feier findet am Montag, den 19. Dezember, 26.15 Uhr, in der Silesta-Loge statt. Anschließeud musikalische uud r, Daitzietuugea. Tee und Gebäck wird wie üblich verabfolgt, willlommeu. delte, umrahmten Gesänge des Jüdischen Jugendvereins. Frau Resi Elb sang Beethovens Hymne „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Kantor H. Paglin fungierte als Borbctcr. Anschließend an den Gottesdienst, dem diesmal etwa 180 Personen beiwohnten,' wurde den erwerbstätigen Jugendlichen in den GesellschaftsräumeN der Loge Tee und Gebäck geboten. Bei genügender Beteiligung wird der Gottesdienst für erwerbstätige Jugend jeden Freitag Abend im Logensaal abgehalten werden. . Dresden. (Errichtung einer Darlehenskasse.) Die Israelitische Religionsgemeinde zu Dresden hat eine Darlehenskasse errichtet, die vom Vorstand der Gemeinde verwaltet wird. Aus der vom Vorstand in Gemeinschaft mit der Fürsorgekommission und dem Rechtsausschuß beschlossenen Satzung, der der Gemeindcrat zugestimmt hat, geht hervor, daß die Darlehenskasse der vom Vorsteher Rechtsanwalt Salinger geleiteten Wohlfahrtsstelle der Israelitischen Religionsgemeinde angeglirdert wird, im übrigen aber eine getrennt van den sonstigen Wohlfahrtsinstitutionen der Gemeinde arbeitende Verwaltung erhält. Der Zweck der neuen Einrichtung ist, Mitgliedern der Gemeinde, vor allem Kleingewerbetreibenden, für ihren Geschäftsbetrieb Darlehen zu gewähren. Sie werden nur bewilligt, wenn geeignete Personen selbstschuldnerische Bürgschaft übernehmen. , In Ausnahmefällen ist es zulässig, Darlehen, die in der Regel nicht länger als auf ein Jahr gegeben werden, gegen llebereignung oder Ver- Pfändung von Wertsachen zu gewähren. Zur Errichtung Und zum Betrieb der Darlehenskasse hat die Israelitische Religionsgemeinde selbst ein Darlehen ausgenommen. Die gleichen Zinsen, die die Gemeinde an ihren Geldgeber zahlt, fordert sie für die aus der Darlehenskasse zu gewährenden Darlehen. Im einzelnen werden die Darlehensbedingungen unter Berücksichtigung der SatzungsbestimmüngM vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde festgesetzt. Erfurt. (Persönliches.) In dem vor einigen Tagen; verstorbenen Herrn S. Baumgart verliert die hiesige Gemeinde eins ihrer geachtetsten und um die religiösen Interessen .verdientesten Mitglieder. Als Angehöriger des Vorstands der Gemeinde und auch als Vorsitzender der Chewra, die Liebestätigkeit -fliegt,' war der Verblichene mit seltener Treue und vorbildlicher Hingabe tätig. Die Erfurt-Loge zählte den Heimgegangenen zu ihren Gründern^ segensreiche Arbeit hat er auch in der Ortsgruppe des Eentrasvexesns geleistet. Ein treues Gedenken ist dem im 72. Lebensjähr Verstört denen bei allen Gemeindeangehörigen gesichert. Hamburg. (WohltätigkeitskUnzeit.) Avm Besten der jüdischen Armen der Gemeinden Hamburg-Altona fand am Sonntag; den 11. Dezember, im größten Saal Hamburgs, „Eonvcntgarteir", ein Wohltätigkeitskonzert statt. Erste Hamburger Künstler hatten sich in den Dienst der guten Sache gesklü. ^:au Äalbet,' die berühmte Altistin, und Dr. Sakum, der ausgezeichnete vEeyiftz/erfreute» SoS^I JCHOKOLADE PRALINEN d?—i* durch ihre vorzüglichen Darbietungen. Aus Berlin war Obertautor Davidsohn berufen worden, der sowohl mit weltlichen Liedern wie auch mit interessanten jüdischen Werken begeisterten Beifaul fand. Nüruberg. (Ehru n g.) Der verstorbene Regiertzygßbaumeister und Proftssor Meier Wallersteiner, langjähriges und bewahrtes Mitglied der Nürnberger Kultusgemeindeverwaltung, wurde schön vor vielen Jahren durch die Gemeindeverwaltung Buchau a. Federsee wegen seiner großen Verdienste um das Zustandekommen und um den Bau der Eisenbahn Schussenried -Buchau zum Ehrenbürger 'd(r Stadt Buchau ernannt. Neuerdings hat man den Nämen Wallersteiner noch weiterhin zu Ehren gebracht, indem di« Stadtgemeinde Buchau eine neue Straße zu Ehren des ausgezeichneten Mannes mit dem Namen „Wallersteiner Straße" dezeichnete. Nürnberg. (Todesfall.) Die Stadt Nürnberg, wie die Kultusgemeinde, hat einen schweren Verlust erlitten durch das Hinscheiden eines ihrer besten und angesehensten Mitbürgers, des Herrn Eonsul -und Kommerzienrat Max Lehmann, welcher »ach schwerer Kraukheft <un 9. ds. Mts. verschieden ist. Der Berstorhxne war ein Mann voll Tatkraft, Weitblick und voller Herzensgüte, wessen Rat und Mitwirkung' überall gesucht wurde, wo es zu raten und zu helfen gab und der in 'steter Hilfsbereitschaft nie seine Hilfe versagte. Im bayerischen wie im deutschen Exporthandel nahm Max Lehmann eine führende Stellung ein und wurde an maßgebenden Stellrn zu allen wichtigen Beratungen in Export- und Zollfragen als sachverständige Persönlichkeit herangezogen. Der Nürnberger Exportcurverpsch stand obwohl er sich sofort durch rin Tauchbad gereinigt hatte. Tie Engel Michael und Gabriel bringen ihn ins Paradies, wo er Becia unter den Brauthimmel führen darf. Gott selbst spricht dm Segen, Mose und Aaron sind die Brautführer, Salomo sprcht die sieben Segcnsformeln, lmd die Engel verbreiten als Schalksnarren Freude und.Ausgelassenheit auf der Hochzeit. — (Nach M. Steinschneider.) Bezeichnend für die ganze Maässe-Dichturrg ist der durchaus schwanchafte Charakter der Erzählung, die nicht vor den Grenzen der Erde, der Unterwelt und des Himmels zurückschreckt, um die Handlung nur erweitern und vervollständigen zu können. Damit steht die Ma'asse ganz auf dem Boden des spathöfisch-bürgerlichen Romans und der Volksbücher. welche die Buntheit und Mannigfaltigkeit der Bilder oft bis ins Uebermaß steigern. Hiermit verlassen wir die jüdisch-deutsche erzählende Dichtung und wenden uns nunmehr der dram atische n Gattung zu. Was die Juden auf diesem Gebiete schufen, .hält sich ganz auf der Ebene der deutschen Passions- und Fastnachtsspiele, die ihren Höhepunkt in den Dramen des 16. Jahrhunderts erreichen. Wie das deutsche Spiel die Fast- Njachtszeit oder das Oster- und Pfingstfest als Anlaß zur Darstellung dramatischer Szenen benutzte, so schließt sich das jüdische Spiel an die frohen Zeiten des Chanuckah- und Purimfestes an. Ter Brauch, die Festesfreude durch dramatische Darstellungen zu erhöhen, hat sich sehr lange erhalten, im Osten ja bis auf unsere Tage. Eine solche jüdü sche Aufführung mag auch Goethe zum Vorbild für sein Gedicht ,Zahrmarttsfest zu Plundersweilern" gedient haben, das durch seinen Mißbrauch für antisemitische Propagandazwecke besonders bekannt sien dürste. Als Vorwurf dienten den jüdischen wie den deutschen Dramendichtern besondere biblische Szenen, so vor allem die Esther-Geschichte, dann Jonas, David und Goliath oder Josephs Schicksale. Auf dem Gebiete des Dramas ist von den Juden jedoch wenig Selbständiges geschaffen worden; es läßt sich vielfach eine starke, oft wörtliche Anlehnung an christlich-deutsche Spiele feststellen. Ties ist auch der Fall bei einem Jonas-Spiel des 16. Jahrhunderts, das nur eine stark gekürzte und in jüdischdeutsche Sprache umgesetzte Bearbeitung des Spiels der beiden Schweinfurter Bürger Simon Rother und Balthasar Mein darstellt. Ein Argumentator sagt in vielen Spielen einen Vvrspruch und Zwifchenbetrachtungen her; so beginnt ein Ahasverus-Spiel: ,^JHr werdet schauen, wie ein König werd kamen einher, König Ahasveros ist er genant, Hundert und 27 Länder hat er in seiner Hand." Haben wir bis jetzt gesehen, wie die mittelalterlichen Juden chre Wissensbestrebungen und ihr Unterhaltungsbedürfnis durch deutsches oder im Deutschen wurzelndes Lesematerial befriedigten, so läßt sich das gleiche auch dort beobachten, wo sich das Gefühl am reinsten auslebt: In der Lyrik, die hier in der Form des Volksliedes auftritt. Wie wir wissen, haben die Juden stets gern deutsche Volkslieder gesungen; ist doch das Lochamer Liederbuch, dem wir viel von unserer Kenntnis des mittelalterlichen Gesanges verdankm, von dem Juden Wölslein von Locham zum eigenen Gebrauch geschrieben. In letzter Zeit hat man auch erkannt, in welchem Maße das deutsche Volkslied sogar auf unseren Synagogengrsang gewirkt hat. Das jüdisch-deutsche Lied ist uns gut erhalten in dem Liederbuch des Eisak Wallich, aus Worms (16. Jahrhundert), das leider nur die Texte, nicht auch die Melodien enthält. Wenn die Juden Lieder zur Ehre Gottes singen wollten, so war es nur natürlich, daß sie sich die vollkommene Form der Psalmendichtung zum Vorbild nahmen. So lehnt sich das Lied, das wir jetzt (im Auszuge) hören wollen, eNg an den 118. Psalm an; es beginnt sogar jede Strophe mit den hebräischen Psalmworten: „Min hamezar ich tu anrusen Gott, der uns Hilst aus aller not, und speist uns das teglich brod, loben wellen mir in frü und spot. Trum sie ich da und sag also: Ki gowor olenu chasdo! Kol haagojim, sie uns umringelt haben, senrn kumen vor Jeruscholajim zu traben, Laben etliche brüder die haut tun abschabrn, doch senen sie geblieben bei irem glaberz. Trum stü ich da... ’ : ■ ,, Me'es adonoj hojsso saus, ich woll alles besser wach es möcht in die zell wohl kumen, i ' ich macht so wohl lernen als Rabhi JoseH Aschkjeusch. oder möcht also reüb sein als Meisten was. , ..,.7 Trum ste ich oa... , (Meisten war der reiche Vorsteher der Prager Gemeinde,' der 1601 starbt Aus fröhlicher ^cstesstimmung heraus sind recht. vieler jüdisch-deutsche Volkslieder Laboren. Chsnuckahstcht düan erster Stelle; ein großer Teil der ChannchMichor siud 'uQch Art der Pijutnn Akrosticha (wie ja auch das, „Moaus tzur"> und haben uns so den Namen des Persassexs henpchh^.^ Ein Wettstreit zwischm Chanuckch und den übrigen Festen aus dem 16./17. Jahrhundert hat einen Salman zum ^Verfasser, ein anderes Lich aus der gleichen Zeit einen Jesaiw. baf. Israel Ha-Levi. Die fröhliche, ja geradezu ausgelassene Stimmung des Chanuckah- und Purimfestes veranlaßte die Liederdichter manchmal sogar zu Parodien ernster BußgebeteB. Chotomt) oder läßt sie allerlei Geschichten recht Dhlüpfrigew Inhalts erzählen. In der Feftes-Ausgelassenhett könnte auch manches gesagt werden, was sonst verschwiegen werden mußte; so bÄMgen sich in einem Liede die armen Leute schwer über die Parnessim, die Gemeindevorsteher: „Mir armen müssen klagen, was uflomt in olam^ Was do is geschehen im Bamberger Land, ' Wie die Panessim antun den armen grbße schand..." Welche Ironie, wo doch „Parneß" eigentlich „Fürsorger" heißt! Es folgen allerlei persönliche Ausfälle gegen die beiden Gemeindevorsteher Hirsch Schwarz nnd Schmerle Schuppalch. Ties charakterisiert treffliche das Zeitbild, das uns Grätz von. der Zeit gegen 1700 malt, die eine große Verarmung der deillschen Juden und damit übergroßen Respekt vor dem Geldbesitz brachten. Ein Satiriker dieser Zeit äußert sich sehr drastisch: „Ter Gulden bindet und löset, er -erhebt Unwissende zu Gemeindebeamten." — Wie bei dem sogenannten „Schönbartlaufen" von maskierten Gestalten in der Fastnachtszeit, durchzogest verkleidete Personen auch die Häuser der Judengassen ustd sangen die Escher ge schichte in Liedform ab. Toll trieben es wvhl. auch die Talmudschmer, die Bachorim, die um Bewirtuzzg mst Speise und Trank änklopsten mit dem Liede: . „Pumei, ir liebm gesellen, Göit geb euch ein gut Purim! i ich kum herein mtt meinen schellen Wegen des königs bachurim. /Trum rüst euch zu, ' " Trägt mir ochsenfleisch zu, behalt die kuh!" — . Hiermit beenden wir unsere» Spaziergang durch das .Mehret, her jüdisch-deutschen Literatur. Die Mestge des Beachtens- und Betrachtenswerten ließ uns zum Teil nur gerade einen Ueberblick gewinnen. Wenn wir nun unseren Blick . zurückschweisen lassen auf das jüdisch-deutsche Schrifttütn mehrystr Jahrhunderte, so sehen wir, wie den Ghettomiauern zum.Trotz-der Geist des Juden und des Deutschen sich'.herband ^ustd ein ^Etändiges, emzigartiges Schrifttunx zemgbe. Wir schen .hiLrrn einen Ast jener weitverzweigten Wurzel, die den Brilm des.jüdischen Lebens in deutschem Erdreich festhält.