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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-12-02 · 48 (2.12.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
48 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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untac zukommen zu lassen, wodurch der letztere in die Lage versetzt wird, sich eine Existenz aufzubauen und seinem Verwandten nicht weiter zur Last zu fallen. „Ort' wird zwecks Anschaffung der Produktionsmittel den notwendigen fftcbtt zur Verfügung stellen, die vorgeschossene Summe wird von den ausländischen Verwandten in kleinen Raten rückgezahlt werden. Instrument dieser Operation ist die „Ort Credit Corporation" in Amerika. Es gibt, sagte Dr. Moscowitz, in Rußland 600000 deklassierte Juden, die registriert sind, schätzungsweise gibt es weitere 500000 nichtregistrierte Deklassierte. Man müsse also mit einer Million deklassierter Juden rechnen, die keine wirtschaftliche Existenz und auch keine Rechte besitzen. Die landwirtschaftliche Kolonisation kann nur einen Teil dieser Elemente absorbieren, der Rest muß dem Handwerk uund der Industrie zugeführt werden. Dr. Moscowitz stellte fest, daß seit seinem letzten Besuch im Jahre 1925 die Verwurzelung des jüdischen Menschen auf der russischen Erde ungeahnte Fortschritte gemacht hat. In den jüdischen Ackerbaufamilien nimmt der Wohlstand zu. Noch hat der jüdische Bauer schwer zu kämpfen, aber er ist zufrieden und zukunftsfroh und denkt nicht daran, je in die Stadt zurückzukehren. Dr. Moscowitz sprach in begeisterten Worten von der Tätigkeit des Joint Distribution Committee und seines russischen Organs, des Agro-Joint. Durch die Einführung moderner amerikanischer Landwirtschaftsmethoden in Rußland wird nicht allein die Landwirtschaft der Juden, sondern die gesamte russische Landwirtschaft auf ein höheres Niveau gebracht. Der Redner skizzierte auch die ungeheuren Leistungen von Joint und Jca auf dem Gebiete des kooperativen Creditwesens und schilderte die sehr bemerkenswerten Fortschritte der jüdischen Kolonisation im Rayon Odessa, dem Tätigkeitsgebiet von „Ort". Er stellte das folgende Programm der Zukunststätigkeit auf: 1. Die bestehenden Kolonien sind auszubauen, neue zu begründen. 2. Die Kräftigung des jüdischen Handwerks durch die von Joint und Jca gestützten Kreditgenossenschaften und die Einführung von Maschinen'und Werkzeugen durch „Ort" ist auf eine erweiterte Basis zu bringen. 3. Möglichst viele Juden sind in der Industrie unterzubringen. 4. Das Programm beruflicher Ausbildung namentlich durch kurzterminige Fachkurse ist auszubauen. Dr. Moscowitz schloß mit einem Appell an die europäischen Juden, an diesem Aufbauwerk ihrer Brüder im Osten kräftig teilzunehmen, da diese amerikanischen Quellen nicht unerschöpflich sind. Seitens der Pressevertreter wurden mehrfach Anfragen an Dr. Moscowitz gerichtet, die er eingehend beantwortete. Eine Fra^e, wie sich „Ort" zu der Rußlands-Arbeit des Hilfsvereins der deutschen Juden bezieht, beantwortete Herr Graetz wie folgt: In Rußland ist die Arbeit streng abgezirkelt; während „Ort" auf den Gebieten der handwerklichen Fachausbildung und der Landwirtschaft tätig ist, hat sich der Hilssverein kulturelle, erzieherische und medizinisch-hygienische Ziele in den Kolonien und den Städten gestellt. Was die Propaganda-Arbeit in Deutschlarid betrifft, so ist zu erwarten, daß nicht ein Nebeneinander, sondern ein Miteinander Platz greisen wird. Eine Reihe weiterer Aufklärungen wurden noch von den Herren Prof. Frankfurt, Dr. Lvovitch und Dr. Traub gegeben. Herr Dr. Moscowitz begab sich nach Polen, von wo er über Berlin die Rückreise nach Amerika antreten wird. Der Hilfsverein der deutschen Juden. Am 17. November fand in Karlsruhe ein Pcopagandaabend für den Hilfsverein der deutschen Juden statt. Prof. Dr. Eugen Mittwoch, Direktor des Seminars für orientalische Sprachen in Berlin, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins, sprach über die Tätigkeit des Hilssvereins fett seinem Bestehen und skizzierte dessen neue Ausgaben. Herr Dr. Wifchnitzer, Generalsekretär des Hilfsvereins, berichtete unter Vorführung von Lichtbildern über seine Reise durch die jüdischen Kolonien in Rußland und setzte das Arbeitsprogramm des Hilfsvereins des näheren auseinander. Der Versammlung wohnten u. a. die Herren Obcreg.-Rat Dr. Mayer, Mitglied des geschästsführenden Ausschusses des Hilfsvereins und Kommerzienrat Dr. Straus bei. Am 19. November sprach Herr Dr. Wifchnitzer in Mannheim, wo seit Begründung des Hilfsvereins eine starke Ortsgruppe besteht. Die Ausführungen des Vortragenden fanden lebhaften Anklang. Am 20. November folgte eine Versammlung in M. - G l a d b a ch, die sehr gut besucht war. Herr Max Friedlünder, Mitglied des Zentralkomitees 'und des Vorstandes der Ortsgruppe in M.-Gladbach, begrüßte Herrn Berthold Israel, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins, und Herrn Dr. Wischnitzer. Herr Israel gab in großen Umrissen ein Bild vom Werk des Hilfsvereins und von seinen Aufgaben. Herr Dr. Wifchnitzer hielt einen Vortrag mit Lichtbildern über den Hilssverein und das Wiederaufbauwerk in Rußland. Herr Friedländer appellierte zum Schluß an die Erschienenen, die Bestrebungen des Hilfsvereins nach Kräften zu unterstützen. ... In Karlsruhe, Mannheim und M.-Gladbach wurde der Mftftgtuung Ausdruck gegeben, daß der Hilfsverein der deut- Mn.Juden, die repräsentative Organisation der deutschen Invest für jüdische Auslandshilfe, sein Arbeitsfeld erweitert. M chsttden viele neue Freunde für den Hilfsverein gewonnen. Noch in diesem Jahre, schloß Dr. Rosen, wird die „Agro-Kustbank" ihre Tätigkeit beginnen. Die Bank wird ein Instrument der jüdischen Landwirtschast und der Ausbildung jüdischer Heimarbeiter mit Hilfe der großen Berufsgenossenschaften sein. * Aus den Gemeinden * Berlin. (Altersheim des Jüdischen Frauenbundes.) Am Sonntag, den 27. November, erösfnete der Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes e. B. sein erstes kleines Altersheim in der Großbeerenstraßc 74. Mit Gesang und Harmoniumspiel wurde die Feier sehr stimmungsvoll eingeleitet. Frau Falkenberg begrüßt« die Delegierten der amtlichen Wohlfahrtsstellen, des Gemeindevorstandes, der Repräsentanten und der befreundeten Organisationen. Di« Rednerin sprach Worte demütiger Freude über das Gelingen dieses ersten Versuches; es sei dieses ein kleiner Schritt auf dem Wege, Dankesschuld au den Alten abzutragen. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Salomonski. Die Delegierten überbrachtcn viele gute Wünsche und durch einen Gesangsvortrag wurde pie Feier geschlossen. Die Besichtigung zeigte, daß 9 Insassinnen ein behagliches Heim gefunden haben; jede in einem einzelnen Zimmer mit eigenen Möbeln, zu den Mahlzeiten vereinigt sie ein gemeinsames Speisezimmer. Berlin. (6 0. Geburtstag.) Am 29. November beging der Prediger der Jüdischen Reformgemeiude, Dr. Julius Jelski, den 60. Geburtstag. Dr. Jelski, der seit 30 Jahren an der Reformgemeinde tätig ist und durch gelegentliche Mitarbeit an unserer Zeitung seine Ansichten auch in diesem Blatt vertrat, bekennt sich mit Stolz zu den positiven Kräften des jüdischen Liberalismus. Wir wünschen dem Scchzigjährigen noch recht lange ein erfolgreiches Wirken. Berlin. (Todesfall.) Der Mitbegründer und Ehrenvorsitzende des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Herr Julius Löwenstein, wurde am 27. November zur letzten Ruhe geleitet. Die Bcstattungsfeierlichkeit fand unter außerordentlich starker Beteiligung seiner engeren Kollegen und anderer Organisationen, denen der Verstorbene an führender Stelle angehörte, statt. Sie zeigte, welchen hohen Ansehens und Verehrung sich der Dahingeschiedenc erfreute. Eine besondere Trauerfeier findet am Donnerstag, den 1b. Dezember 1927, abends 8 Uhr, im Plenarsaal des Gemeindehauses, Rosenstraße 2-4, an der vertrauten Stelle seines Wirkens für seine Ideale, statt. Nähere Benachrichtigung wird allen Freunden rechtzeitig zugehcn. Berlin. (Amtliche Anerkennung der Schneiderlehr >v e r k st ä t t e.) Wie das Provinzial-Schulkollegium der Provinz Brandenburg und von Berlin mitteilt, hat der Minister für Handel und Gewerbe durch Erlaß vom 24. September 1927 die vom „Ort" und der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise in Berlin gegründete Lehrwerkstätte für Herren-Maßschneiderei als eine Unterrichtsanstalt anerkannt, deren Besuch als Ersatz der Mcistcrlehre anzusehen ist. Berlin. (Fortbildungskursus jüdischer Lehrer und Lehrerinnen.) Wegen des Bcrbandstages in München finden die Ferien fortbildungskursc der Wissenschaftlichen Vereinigung in Berlin dieses Mal nicht in den Weihnachtsferien, sondern voraussichtlich im Frühjahr, ettva in den Pfingstserien, statt. Berlin. (Bilder zur biblischen Geschichte.) Die Kunstverlagsgesellschaft Wohlgemuth & Lissner gibt in der bekannten Primus-Sammlung eine Serie künstlerischer Postkarten heraus, auf denen Gestalten der biblischen Geschichte dargestellt werden. Die Entwürfe, die von der Hand des bekannten Nürnberger Malers Johannes Tillack geschaffen sind, zeichnen sich sowohl durch eine tiefe Auffassung des religiösen Motivs als auch durch feine, bis ins kleinste liebevoll durchgeführte Charakteristik und eine harmonische Farbengebung aus. Die Ausstattung und Reproduktion sind der künstlerischen Leistung in jeder Hinsicht würdig. Für die Belebung des Religionsunterrichts und zur Vertiefung des religiösen Empfindens werden diese Karten von besonderem Wrrie sein. Berlin. (Wohltätig keitsf« ft des R. j. F. Berlin- R o r d.) Unter dem Protektorat von Professor Max Liebermann und Leopold Jeßner fand am Sonnabend, den 26. November, in den Gesamträumcn des Ulap ein Wohltätigkeitsfcst des R. j. F. Berlin- Nord statt. Zahlreiche Ehrengäste waren erschienen. Die Anwesenheit von Frau Professor Jeßner, Ministerialdirektor Dr. Klausner vom Preußischen Innenministerium, Polizcr-Vizepräsident Dr. Weiß, der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Oberst Heimannsberg, Oberst Goltze, Regierungsrat Schöny, zahlreiche Vertreter der Ministerien und des Berliner Polizeipräsidiums sowie Vertreter der Berliner Presse gaben dem Fest einen halb offiziellen Anstrich. Die schönen Räume des Ulap waren zu klein für die vielen Festtcilnchmer. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Herrnstadt begannen die Vortrüge, welche unter Leitung des Herrn Dr. Eckart von Naso, Dramaturg der Staatlichen Schauspiele, und unter Conference des mit seltenem Witz ausgestatteten Redakteurs Egon Jacobsohn standen. Gab Shelaso vom Schauspielhaus sprach den 6. Psalm in-hebräischer Sprache. Dorothea Aldu von der Staatsopcr trug den jüdischen Brauttanz vor. Kammersänger Fritz Soot erntete stürmischen Beifall für zwei Schumann-Lieder und Fritz Valk vom Staatlichen Schauspielhaus rezitierte schlicht und eindrucksvoll aus Heines Buch „Le Grand" Vom Tod des Tambour. Bruno Eisner und Gertrud Bamberger brachten gemeinsam Busoni-Mozart auf 2 Klavieren zum Vortrag. Dann lockten aus den Sälen die Klänge der Kapelle Kermbach zum Tanz. Als man sich wieder heiß und müde getanzt hatte, sorgte ein heiterer Teil für neue Unterhaltung. Annemarie .Haase amüsierte durch einige Lieder echt Berliner Humors, Hermann Boettchcr durch Soldatenlieder zur Laute. Eine reich besetzte Tombola beschenkte die glücklichen Losgcwinner. Obwohl es längst Sonntag- Morgen lvar, als wieder Tanz die Borträge ablöste dachte niemand an Aufbruch und man feierte und tanzte fröhlich weiter. Zu bemerken ist noch, daß sämtliche Künstler sich unentgeltlich in den Dienst der guten Sache gestellt haben. 'l : - Dom Agro-Joint. f; ‘ .'Äst, diesen Tagen reiste der Direktor der Agro-Joint und .jüdischen Kolonisationswerkes in Rußland, Dr. e^Ä^ Mch Mußland zurück, um die Vorbereitungen e^MeWngsWampagne des kommenden Frühjahrs zu ^^WaenMbr ^öM' Pertreter der Jüdischen Telegrasich^Dr.'Rosen wie folgt: Unsere nächste LaNärMdstM^ iömterer 2000 jüdischer Fami- Äik.WHMErM ^orrHkWHer größte Teil auf der Äfi MMWMldsMit'GMftlekILd000 acres Boden sind, der 'W ,~dfi! T'lrf/fr': :i Kfr I U Vi »iW 1. 'l. Lut «fit _ rf » W p%r j 3L.faqp, SK ej«aätttpf iutt Är/ja»teitajp™?,rtä Berlin. (Stiftungsfest des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens.) Am Mittwoch, den 7. Dezember 1927, abends 8 Uhr, findet in den iKarnmersälen, Teltower Straße 1-4 (am Halleschcn Tor), das 32. Stiftungsfest des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens statt. Renommierte Künstler der staatl. und städt. Oper, bestens bekannte Cabarettisten, sowie eine erstklassige Jazz-Band sind zu diesem Fest verpflichtet. Etwas ganz besonderes bietet aber die Vereins-Tombola, die ein« große Anzahl sehr wertvoller Geschenke aufweisen wird und deren Erlös restlos der „Louis Wolfs-Stiftung" zur Unterstützung notleidender Kollegen zufließt. Es ist in jeder Weise vorgesorgt, daß allen Festteilnehmern ein genußreicher Abend geboten wird. Deshalb kommen Sie nicht nicht nur selbst mit Ihren Angehörigen, sondern führen Sie uns auch Ihre Freunde und Bekannten als Gäste zu. , Bochum. (K o n ze r t in de r S y na g o ge.) Der jüdische Vortcaasvexband erösfnete die Wintersaison mit einem Konzert in der; für das der Oberkantor Flrischmann aus Köln gewonnen Mr/"Die'ShstälMe' war bis auf de» letzten Platz besetzt, als Herr ^Äuii^r^WchnÄlftB^Ü'-AKnplpniteinem Präludium von Bach ein- MVSeO tzvtzr fsH-SVnApHibnstlerischem Empfinden 'iztyapwrenWfetzfau PtiÄMWb Zu. -joi; Wüte »chw Gulzur, Naumbourg, MlMlL wdtüßiMnÄe«?>7MwPvs»Uosttlo Mi kiv-rnlMr mssmsSm »liirfÄÄFi Beethoven. Ihre Vortragsart, die auch gesangstechnisch auf hoher Stufe steht, zeigt« ein tiefe künstlerische Auffassung. Im zweiten Teile bewies Herr Oberkantor Fleischmann bei der „Arie des Manoah" aus Händels „Samson", daß er auch den Oratorienstil meisterhaft beherrscht. Lr beschloß die Gesangsreihe mit „Eli, Eli, lomoh asawtonn" von Schalit. Hier trat besonders der Künstler Fleischmann hervor, der durch Material und Gesangskultur den Abend zu einem religiösen Erlebnis werden ließ. Herr Studienrat Schneck, der Thordirigent und Organist der Synagogengemeinde, begleitete die Gesänge in feinsinniger Weise und zeigte bei dem Postludium, daß er ein Meister aus der Orgel ist. Erfurt. (Jugendtagung.) Am Sonntag, den 27. November, fand die Borstandssitzung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands ynter Vorsitz von Rabbiner Dr. Klein-Düsseldorf statt. Die Besprechungen waren hauptsächlich der Finanzlage des Verbandes und der Vorbereitung der Reichsdelegiertentagung (Pfingsten 1928 in Dresden) gewidmet. — Am Vorabend hatte der Jugendbund Erfurt die Gemeindemitglieder zu einer Kundgebung eingeladen. Der Saal der Erfurt-Loge war außerordentlich stark überfüllt. M sprachen drei Mitglieder des Verbandsvorstandes: Siegfried Bacharach- Hannover „Zur Führerfrage", Elsa Hirschel-Drcsden: „Warum Jugendbund? Warum neutraler Jugendbund?", Fritz Schwarzschild- Wiesbaden: „Jugend und Gemeinde". Prächtig vorgetragene Chöre der Chorveremigung des Jugendvereins Erfurt gaben der Veranstaltung eine besonders feierliche Note. Flörsheim. (Todesfall.) Hier starb im Alter von 86 Jahren der um die Entwicklung der Chewra verdiente Vorsteher Elias Herzheimer, der sich in allen Kreisen der Bürgerschaft großer Beliebtheit ersreute, die auch durch die rege Beteiligung an der Beisetzungsstier zum Ausdruck kam. Bezirks- und Stadtrabbiner Dr. P. Lazarus-Wiesbaden widmete dem Entschlafenen ehrende Worte, auch ein Neffe, Herr A. Loeb, Dieburg, sprach im Namen der Familie und schilderte die allgemeine Trauer um den Verlust des geachteten Mannes. Hannover. (Um die Gemeinde-Reform.) Die kürzlich in Erscheinung getretene Gruppe liberaler Richtung — wir berichteten darüber in der vorigen Nummer — versendet ein Merkblatt an sänitliche Mitglieder der Synagogengemeinde, in dem sie ihre Forderungen an den Gemeindevorstand wie folgt formuliert: 1. Sofortige Schaffung eines Gottesdienstes, der den überwiegenden liberal-religiösen Bedürfnissen der Gemeindemitglieder entspricht. 2. Einrichtung eines Religionsunterrichts, der im obigen Sinne gestaltet wird. 3. Sicherstellung der Mitwirkung eines Geistlichen auch bei Feuerbestattungen. l. Sicherstellung der unpolitischen Einstellung der Synagogengcmeinde mit der ausdrücklichen Verpflichtung, deren Steuergelder zu jüdisch-politischen Zwecken weder innerhalb noch außerhalb Deutschlands zu verwerten. Die Unterzeichner teilen am Schluß des Merkblattes mit, daß sie über die Ergebnisse der nunmehr mit der Gemeinde erforderlich werdenden Verhandlungen entweder schriftlich oder, falls ihnen dies geboten erscheint, in Versammlungen die Gemeindemitglieder unterrichten werden. Kassel. (Neuer Vorsteher.) Für den nach Wiesbaden verzogenen Gemeindeältesten L. Engelbert wurde der Kaufmann Abraham Heinemann zum Mitglied deS Gcmeindeältesten-Kollegiums ernannt und in sein Amt eingeführt. Kassel. (Vortrag im Centralverein.) Auf Einladung der hiesigen Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt Frau Else Dormitzer, eine eifrige Verfechterin der Centralvereinssache, einen Vortrag über „Die jüdische Frau im deutschen Volksleben". Entgegen den völkischen Angriffen, daß die jüdischen Frauen oberflächlich, leichtsinnig und putzsüchtig seien, wies die Rednerin nach, daß sie zu allen Zeiten, namentlich seit dem 18. Jahrhundert, an allen kulturellen, sozialen und geistigen Bestrebungen regsten Anteil genommen haben. Bon der Wienerin Rahet Ackermann, der Verfasserin der Jntrignen des Hofes, führte der Weg über die Glücket von Hameln, Henriette Herz, Rahel Lewin und Dorothea Beith, die Begründerinnen der Berliner Salons, zu den Verfechterinnen der Emanzipation, Henriette Goldschmidt, Henriette Schtverin und zeitgenössischen Typen weiblichen Strebens auf allen Gebieten humanitärer Betätigung (Wohlsahrts-, Armenpflege, Verlvundetenfürsorge) oder schöngeistigen Wirkens als ebenbürtige und in gleichem Maße leistungsfähige Inhaberin verantwortungsvoller Posten im deutschen Kultur- und Volksleben. Als das Resümee ihrer Betrachtungen stellte die Rednerin die Parole auf, daß die jüdische Frau von heute allen Ernstes von der Absicht sich leiten lassen müsse, ihren Platz im deutschen Geistes- und Wirtschaftsleben mit der Energie und Intensität auszufüllen, die ihr viele würdige Vorbilder aus Vergangenheit und Gegenwart schon bewiesen haben. Königsberg. (Berufung von Rabbiner Jakobovits nach Berlin.) Dr. Julius Jakobovits, der Rabbiner der Äönigs-- berger konservativen Gemeinde-Synagoge, ist von der Berliner jüdischen Gemeinde berufen worden, um dort die rabbinische Leitung des gesamten Ritualwesens zu übernehmen. Tr. Jakobovits ist als Sohn des Rabbinatsassessors Salomon Jakobovits i. I. 1886 in Lackenbach (Ungarn) geboren und besuchte die Rabbinerschulen in Deutsch-Kreuz, Steinamanger, Preßburg, Wien und Berlin. Seit 1917 wirkte er in Königsberg. Lange«. (Sy n a g o g e n - I u b i l ä u m.) Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Synagoge konnte die hiesige Gemeinde am vorletzten Sabbat in dem renovierten und festlich geschmückten Gotteshaus eine auch von Gästen besuchte feierliche Andacht begehen. Im Mittelpunkt der Festesseier stand die Weiherede des Rabbiners Dr. Italiener, Darmstadt, der die von der Gemeinde ihren gefallenen Söhnen gestiftete Gedenktafel ihrer Bestimmung übergab. Kantor- Hauser von der Hauptgemeinde Darmstadt hatte den liturgischen Teil übernommen und zur vollen Zufriedenheit aller Festteilnehmer durchgeführt. Leipzig. (Ergebnis der Repräsentanten wählen.) Am Sonntag, den 27. November, fanden in Leipzig Wahlen zur Jüdischen Gemeinde statt. Es waren 11 Repräsentanten zu wählen. Das Resultat ist folgendes: Bon der liberalen Liste wurden 6, von der Liste der Jüdischen Bolkspartei 3, von der Liste 1 der Orthodoxen ein Repräsentant gewählt. Die Listen der Poale Zion, der Handwerker und der Orthodoxen (Liste 2) gingen vorläufig ohne Mandat aus. T-cn 11. Sitz erhalten entweder die Jüdische Bolkspartei oder die Poale Zion oder Liste 4 der Orthodoxen. Lüneborg. (Ermittlung der Synagogenschänder.) In der Nacht vom 18. zum 19. November wurden an verschiedenen Stellen der Stadt Lüneburg Hakenkreuze an Häusern und Türen angemalt und die Synagoge in nicht wiedcrzugebender Weise besudelt. Einig« Täter sind über das Synagogengitter gestiegen und habe» die Eingangstür beschmutzt. Auf die Steinplatte vor der Eingangstür wurde mit Oelsarbe ein großes Hakenkreuz gemalt. In dem zur Synagoge gehörigen Garten wurde an einem Baum ein großer roter Lappen befestigt, über diesem ein weißes Tuch mit aufgemaltem Hakenkreuz. Die Ortsgruppe des Centralvereins hat für die Ergreifung der Täter eine Belohnung ausgesetzt, und cs ist bereits gelungen, sie zu ermitteln. Es sind Angehörige der Nationalsozialisten, welche in Lindemanns Restaurant an dem fragliche» Freitag-Abend eine Versammlung hatten. Fünf junge Burschen im Alter von 18 bis 25 Jahren haben ihre Tat bereits der Polizei cingestanden. Ein sechster Täter ist bislang noch nicht überführt. Potsdam. (Reprafentantenwahlen.) Be: oen stattgefundenen Repräsentantenwahlen wurden die in der Wählerversammlung ausgestellten Kandidaten, wie das seit langen Jahren bei uns üblich ist, einstimmig gewählt, und zwar die Herren Justiz- Pink,, Rocho.cz, I. Gersmann, G. Michaelis, W. Braun. anAicheytznMHeniz tziv h»»Ajäh«ige^ . .Bestands-

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