Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 47 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Jahrgang Nummer 47 IWchHbackeZÄW Beilage 25. November 1927 Beibehaltung des Numerus clausus in Ungarn? Unterrichtsminifter Graf Klebeisberg veröffentlicht heute den Gesetzentwurf über die Revision des -Numerus clausus, der folgenden Wortlaut hat: „Bei der Zulassung (zum Hochschulstudium) ist nebst den Anforderungen der nationalen Gesinnung und der moralischen Verläßlichkeit einerseits auf den vorhergängigen Studienfortgang des Aufnahmebewerbers, beziehungsweise auf dessen geistige Fähigkeiten, wie auch darauf Rücksicht zu nehmen, daß in erster Reihe die Kriegs Waisen und die Kinder der gewesenen Frontkämpfer, ferner die Kinder der öffentlichen Angestellten und der Angehörigen der verschiedenen Beschäftigungszweige (Landwirtschaft, Industrie, Handel, freie Berufe usw.) in dem der Zahl der Angehörigen dieser Beschäftigungszweige und der Bedeutung der letzteren entsprechenden Verhältnis zum Hochschulstudium zuzulassen sind und die Zahl der Zugelassenen auch unter die einzelnen Munizipien in gerechter Weise aufgeteilt zu werden hat." Obwohl es zum Schlüsse heißt, daß der Kultusminister darauf achten wird, daß diese Normen entsprechend angewandt werden, hat die weitgehende Auslegungsmöglichkeit dieser Bestimmung unter der Judenschaft Ungarns die Besorgnis erweckt, daß der Willkür der jeweiligen Universitätsbehörden Tür und Tor geöffnet werden. Sowohl in oppositionellen als auch in Kreisen der Regierungspartei wird diese „Lösung" der Frage des Numerus clausus als grotesk bezeichnet und ablehnend kritisiert. Dem Abgeordnetenhaus wird die Novelle noch in der heutigen Sitzung zugehen. Auch der regierungstreue „Pester Lloyd" befürchtet, daß in der Praxis der Numerus clausus auch weiterhin im bisherigen Geiste gehandhabt werden wird. Das Blatt ist überzeugt, daß auch der neue Numerus clausus sich sehr bald als unhaltbar erweisen wird. Der Preußische Innenminister gegen das deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels Wie schon mitgeteilt, haben das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands und der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bei den amtlichen Stellen Beschwerde erhoben gegen den von Regierungsrat Dr. Kundt verfaßten Bericht des Deutschen Nationalkomiteees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, der dem in London stattgefundenen internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels Vorgelegen hat und in welchen: auf Grund ganz willkürlicher Zahlen über angeblichen Menschenschmuggel an der deutsch-polnischen Grenze, der irgendwie mit Mädchens- Handel in Beziehung gebracht wurde, die vage Beschuldigung gegen das Arbeitersürsorgeamt erhoben wurde, daß dieses „in den Fällen der Festnahme derartiger Leute mit Geld und Anwälten eingreift, um ihren Glaubensgenossen zu helfen". Tiefer Bericht war^dazu angetan, nicht nur das Ansehen des deutschen Judentums, sondern auch des Deutschtums überhaupt im Auslande zu schädigen. Tr. Kundt ist bis jetzt jeder Aufforderung, auch nur einen einzigen Fall zu nennen, auf den sich feine Behauptung bezieht, aus dem Wege gegangen. Nunmehr richtet der Preußische Innenminister an das Arbeiterfürsorgeamt der jüdi schen Organisationen Deutschlands das folgende Schreiben: „Tas Deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels ist eine rein private Vereinigung. Herr Regierungsrat Tr. Kundt, der nicht meinem Ressort, sondern dem Auswärtigen Amt angehört, hat die Informationsreise nack Oberschlesien lediglich in seiner Eigenschaft als Schriftführer des Komitees unternommen. Wenn in dem Bericht, den Herr Tr. Kundt über seine Reise erstattet hat, von meiner Zustimmung zu dieser Reise unter Anführung eines Erlasses die Rede ist, so bezog sich diese Zustimmung nur auf die Dienstreise des Leiters der Zentralpolizeistelle zur Bekämpfung des Mädchenhandels, des Kriminalkommissars Tr. Nordhausen, dem Herr Dr. Kundt sich angeschlossen hat. Daß das Nationalkomitee diesen Bericht in der von Ihnen angegebenen Weise verbreitet hat, kann auch ich nur bedauern. Er gibt ein völlig schiefes, wenigstens heute nicht mehr zutreffendes Bild von den Verhältnissen an der oberschlesischen Grenze und muß besonders im Auslande zu Deutungen Anlaß geben, die der deutschen Sache nicht förderlich sind. Ich glaube mich aber zu der Annahme berechtigt, daß das Auswärtige Amt, dem der Centralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens den Sachverhalt gleichfalls unterbreitet hat, auf Grund meiner Aeußerung zu dieser Eingabe geeignete Schritte unternehmen wird, um weiteren schädlichen Wirkungen des Berichts im Auslande vorzubeugen. Ebenso stehe ich nicht an, zu erklären, daß ich den verletzenden Borwurf, den Herr Dr. Kundt gegen Ihre Organisation erhoben hat, tief bedauere. Die diesbezügliche Behauptung des Berichterstatters steht im völligen Gegensatz zu dem, was mir bisher über die jüdische Fürsorge bekannt geworden ist, von deren segensreicher und dem Staatsinteresse dienender Wirksamkeit ich überzeugt bin. Die von Ihnen erbetene amtliche Richtigstellung der in dem Berichte enthaltenen Behauptungen würde, da es sich in ihnen um statistische Ausführungen handelt, eine Gegenüberstellung der auf vagen Schätzungen beruhenden Ziffern mit den in Wahrheit zutreffenden enthalten müssen. Die richtigen Zahlen wären aber nur auf Grund eingehender Erhebungen zu ermitteln, die bei dem außerordentlichen Aufwand von Zeit und Mühe, die sie beanspruchen würden, für den gedachten Zweck nicht in Frage kommen können. Ich bedaure daher, Ihrem Wunsche nach dieser Richtung nicht entsprechen zu können. Den Herrn Vorsitzenden des Nationalkomitees habe ich von Ihrer Beschwerde und meiner Stellungnahme zu ihr in Kenntnis gesetzt und ihn gebeten, Ihren Wünschen nach Möglichkeit nachzukommen." (Jta.) Schia Schaswin, ein Vorgänger Schwarzbards In unsagbarer Erschütterung vernahm der Teil der menschlichen Gesellschaft, der noch an Sittlichkeit und Religion orientiert ist, in den Tagen des Schwarzbard-Prozesses zu Paris Kunde von der endlosen Reihe der Scheußlichkeiten, die der am 25. Mai 1926 von Schalom Schwarzbard erschossene frühere Gouverneur der Ukraine, Petljura, während der Zeit der Kämpfe der roten und weißen Truppen in Rußland heraufbeschworen hat. Wem stockte nicht das Herz in Gram und grimmer Verzweiflung, als er die Summe der Greueltaten sich vor Augen halten mußte, die unbarmherzig und unbehindert noch in einem Zeitalter geschehen konnten, das sich anmaßend-anspruchsvoll das christliche zu nennen pflegt? Wen wäre nicht glühende Scham angekommen, so etwas wie ein Mensch zu sein, da es möglich war, daß Wesen, die auch den Namen und die Würde eines Menschen für sich fordern, hunderttausende von Unglücklichen auf die unerhörteste Art hinschlachten konnten, ohne daß das Gewissen der ganzen sittlichen Welt flammenden Protest dawider erhob und den Untergang dieser Verfolgten, deren Schuldlosigkeit die einzige Schuld ihres Daseins war, zu verhindern vermochte? Und so war es denn wohl auch nichts wie der Ausdruck einer Scham größten Stiles, wenn der Pariser Assisen-Gerichtshof die Rache Schwarzbards an Petljura für all das Entsetzliche, oas dieser in den Pogrom-Tagen von 1919 an den Juden der Ukraine verschuldete, straflos ausgehen ließ. Gewiß, Mord bleibt in alle Ewigkeit Mord und darum eine Wertwidrigkeit, die eine schon irgendwie verschuldete nicht dadurch aufhebt, daß man ihr eine neue hinzufügt. Aber wer hätte nicht uneingeschränktes Verständnis für die Leiden eines Menschen, der dazu verdammt war, mit eignen Augen die Ermordung seiner Eltern und die von tausenden seiner Volksgenossen mitansehen zu müssen; wer könnte von sich mit vollkommener Sicherheit sagen, er würde inmitten der Wirrnis solchen Elendes stets so ruhigen Geistes bleiben, daß er nie handelte wie der Jude Schalom Schwarzbard am 25. Mai 1926 handelte? Zweifellos: es war die in der Tiefe des Menschheitsgewissens doch noch geheim vorhandene Uebcrzengung sittlicher Solidarität, das Gefühl einer absoluten Mitveranlwortlichkeit am Abläufe jedes einzelnen geschichtlichen Geschehens und dieser Pogrome von 1919 im besonderen, das die Richter zu Paris auf Freispruch des Schwarzbard erkennen ließ. Mit diesem Akte folgte der Assisen-Gerichtshof erneut jener großen Tradition, die gerade im französischen Rechtswesen sich bemüht hält, leidenschaftlose Gerechtigkeit mit warmer Menschlichkeit und der Idee der Mitverantwortlichkeit aller für alle zu verbinden. Ganz unbekannt ist es wohl der breiteren Oessentlichkeit geblieben, daß vor dem gleichen Pariser Assisen-Gerichtshof M N b, MeugderpUU, FraBklorter Allee. VUmersdarter Strasse, Bnurastruse, > Versandabteilung < Leipziger Strasse Sehnftl. Bestellungen werden prompt erledigt. Bei ' By Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. 1 SO Pf., die nur für Porto bxw. Verpackung in Aurechnung gebracht werden Postscheckkonto ffi Berlin Nr. 2382 Billigt Bülbkr Modernes Antiquarität * Restauflagen * Neuausgaben Berlin im Wandel der Zeiten. gQQ Eine Wanderung vom Schloss nach Charlottenburg durch, drei Jahrhunderte von Boddan Krieger. 452 Seiten mit 215 Abbild., und farbigen Tafeln. Eieg. QanzleTnenhand. Früher 14,00, jetzt j H. 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Goethe, F*ust. Gogol, Die toten Seelen. Gorki, .feistere., Zählungen.-Warenska Oleseow. - Das Ehepaar Orlow. - Im Asyl für Obdachlose. Hauff, Lichtenstein. Hugo, Der Glöckner von Notre Dame. — Die Blenden. Immermann, Der Oberbof. Jacobson, Frau Marie Grubbe. — N eie Lyune. Keller, Züricher Novellen. - Die Leute von tseldwyia. KUgelgen, Jagenderinnerangen eines alten Mannes. Laaerlttf, Gteta Betllog.- Jerusalem. Ludwig, Zwischen Himmel und Erde. Maupassant, Der vchöne Georg. Marlitt, Goldclse. - Am Schillingshot. Die 2. Frau. - Amtmanns Magd. — Die Frau mit den K&rtnnkelsteinen. — Im Haus! des Kommerzienrats. — Reichsgräfin Gisela. — Heidepiinzezschen. — Geheimnis der alten Mamsell. Murger. Zigeunerleben. Prevost. Manon Lescant. Sacher«|Masoch,KatharinaII.-Bin weiblicher Sultan. Sacher - Mstsoch, Masche, v., *Würde zn gehen den Verschmähten..* Scheffel, hkkehard. Scott, Ivanhoe. Seidel, Der Boscbhahn. Bin Roman aus > em Liebeateben der Samoaner. Slenkiewlcx, Qua vadis? Stevenson ,8chatzlnse l.-In der Südsee. Stilgebauer, Das verlorene Paradies- Storni, Von Meer n. Heide. 10 Novellen. Sue, Der ewige Jude. Telmann, Unter den Dolomiten. Tolstoi, Auferstehung. - Krentzersonate. - Anna Karenina. Turgenjew, Väter und Söhne. Twain, Abenteuer Huckleberry Finne. - Tom Sawyer. Verne, Der Kurier des Zaren. — Reise um die Erde. - Um den Mond. — Kapitän Hat era.«. Viachor, Auch einer. Wallace, Ben Hnr. Wilde, Bildnis des Dorlan Gray. — Härenen und Erzählungen. Sole, Germinal. - N ana. - Da* Paradies der Damen. Jeder Titel «CE in eleg. Ganz- 1 , leinenband J | Perlen dwTonkuntt ■ .Goldene Leier.“ Ausge wählt von ■ C. M o r e n a. Enth.2d StockeKonsert- ■ und 8alonmusik, 10 Stücke Opern- ■ musik, 86 Tänze, Bärsehe, Operetten. ■ 23 Lieder rt. Gesänge. 390 8. M «A ■ Rt.Ha!bl-Rd.( Albumtormat, ■ 33|2')Cm). 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