Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 47 (25.11.1927)
- Date
- 1927-11-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WR3C33S5r**<»»i .. ,'E -... E. schon im Jahre 1920 der Fall des Juden Schia Schaswin behandelt wurde, der mit einer geradezu unheimlichen Aehnlichkett schon alle die Szenen und Motiv-Hintergründe in kleinerem Rahmen vorweggenommen hat, die jetzt kürzlich <« Schwarzbard-Prozeß in breiterer Front ihre Aufrollung gründe» haben. Es mutet einen fast so an, als ob damals die Aufrüttelung des Gewissens der Menschheit nur in ganz schwachem Maße möglich gewesen wäre und daß es darum einer noch eindringlicheren Wiederholung des schier bis in die Einzelheiten gleichen Vorganges bedurft hätte, um die Scham und den tiefsten Protest aller sittlichen Menschen zu erregen. Doch wiewohl Schwarzbards Prozeß größeren Widerhall in der Oeffentlichkeit gesunden hat, scheint der Fall des Juden Schaswin in seiner noch unseligeren Verstrickung der Situationen, in der grausameren Tragik seines endlichen Ausganges trotzdem der entsetzlichere, grauenhaftere gewesen zu sein. Das größte Geheimnis bleibt dabei die Parallelität des äußeren Geschehens in beiden Fällen, fast magisch entwickelt sich der spätere in seiner Struktur aus dem früheren. Sechs Jahre vor der Tat Schwarzbards, genau am 23. Februar 1920, erschoß in Paris aus gleicher Unseligkeit, in gleicher Not des Geistes und der Seele der Jude Schia Schaswin den Pjotr Trubetzki, einen vormaligen Oberleutnant in der Armee Petljuras, eben jenes Generals, den Schwarzbavd in innerer Verzweiflung hernach auck im Quartier Latin niederst reckte. Der Polizeibericht und die Zeugenaussagen brachten ungefähr folgende Schilderung des Vorfalles: Der Oberleutnant Pjotr Trubetzki hatte seit dem 1. Januar 1920 zwei Räume des Hotels Bleu zu Paris, rue Condorcet, inne. Am 23. Februar desselben Jahres kehrte er gegen 11 Uhr abends von der ihm befreundeten Sängerin Estella Condor begleitet, in einer etwas animierten Stimmung in seine Wohnung zurück. Vor dem Hoteleingang verabschiedete er sich von seiner Freundin. Diese hatte sich nur wenige Schritte entfernt, als sie aus der Vorhalle des Hotels Bleu zwei Schüsse hörte. Verängstigt kehrte sie sofort um und faird im Foyer des Hotels den Pjotr Trubetzki in einer Blutlache vor sich liegen. Daneben stand Schia Schaswin, scheinbar kalt und leidenschaftslos, den noch rauchenden Revolver in der Hand, ohne den geringsten Versuch zur Flucht zu unternehmen. Trubetzki war unmittelbar nach der Abgabe der beiden Schüsse verschieden. Die bald hernach herbeieilenden Polizisten brachten den Schia Schaswin, der sich seiner Gefangennahme nicht im geringsten widersetzte, aus das Commissariat. Sein Verhalten erschien allen Augenzeugen vollkommen unerklärlich. Am 17. April 1920 kam dann der Mord zur Verhandlung vor dem Pariser Assisen-Gerichtshof. Obwohl es um Seiu oder Nichtsein des Angeklagten ging, fanden sich doch nur sehr wenige Sensationslüsterne und müßige Gasser im Berhandlungssaale ein, da es bekannt geworden war, daß gleichen Tages ein Ehebruchprozeß, der mehr „Enthüllungen" zu versprechen schien, zur Entscheidung kommen sollte. Die Daten der Anklage waren kurz diese: Schia Schaswin, Student der Medizin, 26 Jahre alt, geboren und zuständig in Worochow, Wolhynien, russischer Staatsbürger, angeklagt des vorsätzlichen Mordes an dem Pjotr Trubetzki, ebenfalls russischer Staatsbürger. Nach den polizeilichen Erhebungen habe der Angeklagte den Ermordeten tagelang vor Ausübung der Tat beobachtet und unablässig verfolgt. Der Ermordete habe still und zurückgezogen gelebt und nur ab und zu russische Freunde bei sich empfangen; aus seinen beschlagnahmten Papieren sei ersichtlich gewesen, daß er längere Zeü bei der Armee Petljuras als Oberleutnant gedient habe, auch einmal Anführer einer Beutetruppe in dieser Armee gewesen sei und jetzt, während seines Pariser Aufenthaltes, bei der Banque de France ein Gut haben von 654000 Francs besessen habe. Der Täter selbst sei auch erst unlängst mit zwei Ge sthwistern, einem Säugling und einem sechszehnjährigen Mäd chen, nach Paris gezogem Er habe in der rue Jacob Wohnung genommen. Seine Verhältnisse seien äußerst dürftige ge wesen, nur mühsam habe er sich und seine Geschwister mit Uebersetzungsarbeiten ernährt. Später habe er in einer Fabrik eine Stelle mit 140 Francs Gehalt wöchentlich gefunden. Ferner sei festgestellt, daß Angeklagter an der Sorbonne als ordentlicher Studierender eingeschrieben gewesen sei. Wer Schaswin gekannt habe, hätte ihn nie zu solcher Mordtat fähig gehauen. War es doch eine Tatsache, daß er stets bescheiden und zuvorkommend gelebt und mit seltener Aufopferungskraft für seine Angehörigen gesorgt hatte. Auch seine Angabe, als man ihn über die Motive zu seiner Tat ausforschte, er habe den Mord ans Rache begangen, stehe in seltsamem Widerspruche zu seinem eigentlichen Wesen. Nach Aufführung der Personalien wandte sich der Aelteste der Geschworenen an Schaswin mit der entscheidendew-Frage: „Schia Schaswin, bekennen Sie sich des Mordes an dem Pjotr Trubetzki schuldig?" Mechanisch und wie geistesabwesend erhob sich Schaswin während der Frage des Vorsitzenden, ihn mit toten Augen, als habe er das Bewußtsein verlorm, anstarrend. Obwohl sein Verteidiger, Maitre Plons, ihm einige ermutigende Worte zuflüsterte, blieb er die Antwort aus des Vorsitzenden Frage schuldig. Fast schon unwillig werdend, wiederholte der Aelteste die SchuLfrage, ungeduldig hinzusetzend: „Als Sie die Tat verübten, scheinen Sie kühner gewesen zu sein." Jetzt überkam den Angeklagten sichtlich die qualvollste Verzweiflung. Die seelische Erschütterung macht ihn kurz aufschluchzen, ein nervöser Krampf befiel seinen abgemagerten Körper, Schweiß bedeckte sein aschfahles Gesjcht. Erschöpft sank er auf die Anklagebank zurück. Nach einer Pause wandte er sich forschend zu Maitre Plons, seinem Verteidiger. Nach Vernehmung der Zeugen, die durch ihre Aussagen i den Tatbestand der Anklage aufs Gewisseste erhärteten, bat der Verteidiger, ein junger und damals noch sehr wenig bekannter Advokat, um Gehör. Anfangs noch stockend, aber später mit Glut des Empfindens sprecheird, enthüllt er die grauenvollen Hintergründe der Lebenstragödie Schaswins, die diesen jungen Menschen zum Mörder machten. „Der Angeklagte", so begann er seine Darlegungen, „kam im Jahre 1918 nach mehrjähriger Kriegsdienstleistung als Hilfsarzt in der russischen Armee in sein verwüstetes Heimatstädtchen Worochow zurück. Seine Eltern Ephraim und Riwka Schaswin fand er in den denkbar traurigsten Verhältnissen vor. Ihr Haus war von deutschen Granaten zerstört, ihre Fabrik seit langem außer Betrieb und alles Wertvolle längst zum Lebensunterhalte verkauft. Sie wohnten bei einem Bauern am Rande des Städtchens in einer elenden Stube. Die alte Frau saß mit einigem Gebäck, das sie nachts buk, tagsüber am Marktplatz; der Mann suchte durch Maklerei einige Kopeken zu verdienen. Schaswins einzige Schwester, ein sechszehnjähriges schönes Mädchen, namens Sabine, verdiente als Hausschneiderin ihr armes Brot. Schaswin, der jahrelang von seinen Angehörigen entfernt gewesen war und der sie in Wohlstand zurückgelassen hatte, war zutiefst erschüttert. Er hatte sich von seiner Gage einige tausend Rubel erspart und zögerte jetzt keinen Augenblick, das Los seiner Eltern zu verbessern. Er kaufte ein leerstehendes Häuschen, richtete es, so gut wie es eben ging, ein und sicherte den Ellern durch seine ärztliche Tätigkeit ein auskömmliches Dasein. Das Doktorat hatte er infolge des Krieges nicht gemacht. So praktizierte er, wie es in Rußland häufig ist, als Feldscher. Im Felde hatte er viel auf medizinischem Gebiete gelernt und einige erfolgreiche Kuren verschafften ihm bald einen, guten Ruf und darüber hinaus auch eine einträgliche Klientel. Die Eltern dieses trefflichen Sohnes sahen einem ruhigen Lebensabend entgegen, während Sabine wieder ihre unterbrochenen Studien aufnehmen konnte. Der hohe Gerichtshof, die Herren Geschworenen sind aus den Zeitungen über die Vorgänge in jenen Gebieten sicherlich in Kenntnis gesetzt: d'er Strom der Ereignisse rauscht vernichtend über die unglücklichen Einwohner hinweg. Rote und weiße Truppen, welche letztere nicht ohne Legitimation unserer republikanischen Regierung austraten, bringen Mord und Qual über gepeinigte Menschen, deren Martyrium zu dem Unbegreiflichsten gehört, das die Geschichte kennt. Worochow wechselte, gleich anderen Städtchen, wiederholt den Besitzer. Die jeweiligen Machthaber übten jede Brutalität an den Einwohnern, preßten ihnen ihre Habe ab und machten ihnen das Leben zur Hölle. Gestatten Sie nun, daß ich zum Falle Schaswin zurückkehre. Er lebte schon über ein Jahr in seinem Heimatstädtchen und war bei den Gewalttaten der roten und weißen Armee bis dahin glimpflich davongekommen. Bis zum 3. März 1919! Diesem Datum wolle der hohe Gerichtshof seine besondere Beachtung schenken. Denn dieser Tag ist der Anlaß zur Ermordung des Pjotr Trubetzkis. Die Herren Geschworenen mögen erfahren, wer mit dem Gelde französischer Steuerzahler ausgerüstet wird. Sie werden als Menschen, Gatten, Väter und Söhne über die Greuel schaudern, deren leidvoller Zeuge jener blutjunge Mensch war, der heute als Angeklagter vor Ihnen steht. Hören Sie die Einzelheiten. Am 3. März 1919 rückte nach kurzem Gefecht ein Trupp der weißen, sogenannten Petljura-Armee mit Pjotr Trubetzki als Kommandant in Worochow ein. Seine erste Tat bestand darin, daß er die Synagoge, wohin die Juden während der Straßenkämpfte geflüchtet waren, umzingeln und in Brand stecken ließ. Die aus dem Feuer Flüchtenden wurden aufgespießt. Trubetzkis Vergnügen wurde jedoch durch einen herabfallenden, brennenden Span gestört, der ihm eine empfindliche Brandkvmwe am linken Arm beibrachte. Man schrie nach einem Arzt und ein Bauer geleitete Trubetzki mit seinem Stab zu Schaswins Haus. Der junge Feldscher trat dem BÄrdenführer gefaßt entgegen und tat alles Notwendige, um dessen Schmerz zu lindern. Sabine half ihm dabei. Von der Synagoge her ertönte schrecklich das Geheul der Brennenden. Der greise Ephraim Schaswin staird in seinen Gebetmantel gehüllt und bewegte flehend die Lippen. Seine alte Frau saß zitternd vor seinen Füßen und hielt die Hände vor das Gesicht. Als Trubetzki einen Verband mit kühlender Salbe erhalten hatte, ließ ihn plötzlich etwas wild auffahren und fluchen. Er hatte im Augenblicke durch das Beten des alten Schaswin erfahren, daß er Juden vor sich hatte. Drohend und düster sah er seine Helfer an. „Du bist Jude?", fragte er. Schia Schaswin nickte stumm. „Weil Du mir geholfen hast", fuhr Trubetzki fort, „bleibst Du leben. Geh'!" Schaswin nahm Vater und Mutter an die Hand, Sabine hielt sich ängstlich an seinem Rock fest und sie gingen ungefähr bis zur Türe. Da knallten mehrere Schüsse und die beiden alten Leute sanken totgetroffen zu Boden. Die Bestie Trubetzki wies grinsend hinaus: „Nur Du bist frei, Jude. Diese Schweine gehören in die Hölle. Das Mädchen bleibt bei mir." Schaswin warf sich mit einem Tigersprung auf den Mörder und würgte ihn an der Gurgel. Er wurde aber von den Offizieren zurückgerissen, zu Boden geschlagen und im Umsehen gefesselt. Trubetzki gab ihm noch einen Fußtritt. Dann warf er sich auf das angstvoll schreiende Mädchen und befriedigte an ihm, unter dem teuflischen Gelächter seiner umstehenden Kumpane, seine tierischen Gelüste. Als Schaswin aus seiner Ohnmacht erwachte, lag er neben den blutüberströmten Leichen seiner Eltern und auf dem Bette krümmte sich in Fiberdelirien das grauenhaft mißhandelte Mädchen. Die Barche aber war abgezogen, nachdem sie das Städtchen in einen Friedhof verwandelt hatte. Die weiteren Schicksale des Angeklagten will ich nur kurz streifen. Mit übermenschlicher Energie brachte er, der in einer furchtbaren Stunde alles verloren hatte, was das Leben erst lebenswert macht, seine Schwester zuerst in einen Nachbarort, wo sie langsam genas. Einige Wochen später gelang es ihnen, nach Warschau zu entfliehen. Dort wurde ihnen eine furchtbare Erkenntnis: Das Mädchen hatte empfangen und trug das Kind eines Mörders unter dem Herzen. Des Mörders ihrer Ellern! Der Herr Geschworene weint? Da weint Frankreichs große Seele, die von Politikern beschmutzt wird!... In Warschau kam das Kind zur Welt. Einige Monate darauf gingen Schaswin und Sabine mit dem Neugeborenen, dem in Schuld und Schande Geborenen nach Paris. Hier sollte die unselig geknickte Blume Vergessen finden. Schaswin bringt sich und die Seinen mit schwerer Arbeit durch. Gleichzeitig setzt er, dem alles Leben abgestorben ist, seine Studien fort. Doch damit ist der Gang nicht abgeschlossen, den das Verhängnis Schaswin zu gehen zwingt. Noch soll sein Inneres der gramvolle Schauplatz der heftigsten Kämpfe werden. Von Natur aus mit keiner unmenschlichen Absicht behaftet, muß er, der selbst leidende Mensch, zum Mörder werden. Zum Mörder, damit die Ordnung der Dinge wieder befriedet werde, die der Tiermensch Trubetzki zerbrach. Die Stunde des Schicksals dämmert. Von der Arbeit aus der Fabrik heimkehrend, sieht er sich eines Tages auf dem Boulevard Michel — Trubetzki gegenüber! Schaswin fühlt Blut auf der Zunge. Er will sich auf den Mörder stürzen, da trennt sie unversehens der Menschenstrom. Trubetzki ist verschwunden, nachdem er wie ein Hohn auf Schaswins Leid plötzlich in Paris vor feinem Blicke aufgetaucht war und ihn wie ein finsterer Dämon für einen Moment genarrt. Ich will Sic nicht mit der Schilderung der nachfolgenden Tage ermüden, in denen Schaswin dem Mörder nachspürte. Er hatte seine Arbeit aufgegeben, aß und trank kaum das Nötigste und verbrachte alle Stunden des Tages und der Nacht auf der Suche nach Pjotr Trubetzki. Bis er ihn endlich fand und niederstreckte. So mußte die fürchterliche Aussaat enden, die Trubetzki freventlich gesät! Meine Herren Geschworenen! Wir fühlen es, nicht der Angellagte ist schuldig, Trubetzki, der Ermordete, war schuldig. Doch dieser allein? Wir alle sind schuldig! Ja, wir alle; denn wir alle hatten nicht Liebeskraft und Selbstverleugnung für unsere Nächsten genug, daß diese Verbrechen verhindert werden konnten. Noch ist es möglich, daß unter unseren Augen unter den niederträchtigsten Masken der tönenden Heuchelei Legionen von Menschen aus Habsucht, Gier und niedrigem Machtgelüste hingeschlachtet werden. Noch ist die Erde erfüllt vom Jammer, den die Verachtung der einzelnen untereinander, ihre haßvolle Erbitterung, ihr Mißtrauen, ihre grimme Verlogenheit gegeneinander gezeugt hat und an jedem, von Gott geschenkten Tage neu erzeugt! Hätten wir alle mehr Liebe gehabt und das Leben leuchtender gestaltet als es uns in diesem jungen Menschen zurückstrahlt und begegnet solches Elend wäre nicht möglich gewesen. Hohes Gericht! Meine Herren Geschworenen! Sprechen Sie diesen Menschen frei, der vor uns steht wie die Verkörperung des tausendjährigen Leides, der Verfolgung, des unaufhörlichen Martyriums, das herniederging über sein Volk und der handeln mußte, wie er handelte. Wir alle beugen uns vor der Größe der Heimsuchung, die auf einen einzigen Menschen fallen konnte. Meine Herren, — Sie müssen Schai Schaswin, dessen Elend wir kaum zu begreifen vermögen, dessen Tat wir aber alle begehen würden, geschähe uns, was ihm geschah, ich sage, Sie — müssen ihn freisprechen!" Maitre Plons hatte sein Ptaidoyer mit größter Erregung beendet, erschöpft sank er auf seinen Stuhl zurück. Kaum vermochte er seine Glut zurückzuhalten. Atemlose Stille, wie sie nur dre Kunde des Entsetzlichsten zu bewirken vermag, herrschte im Berhandlungssaale. Schweigsam erhoben sich die Geschworenen, um sich zur Beratung zurückzuzichen. Nach kurzer Pause verkündete der Vorsitzende die Frei-- sprechung Schia Schaswins. Schaswin erhob sich von der Anklagebank, trat wie in einem dumpfen Traume in die Mitte des Saales und blickte sich darauf fast ängstlich um. Bleiernes Schweden lähmte alle Anwesenden. Alle beobachteten in höchster Spannung den Freigesprochenen. Ta schrie dieser plötzlich gellend auf. So unmenschlich erschien der Schrei, daß die Versammelten kaltes Entsetzen packte. Schaswin riß sich darauf, die Kleiber vom Leibe, fiel auf die Knie urü> Hub an wie ein Hund zu bellen. Schaswin bellte, bellte die Richter an und krocht auf Händen und Füßen auf sie zu. War er auch von milden Richtern freigesprochen, so griff jetzt ein grausames Geschick mit den Krallen des Wahnsinnes nach ihm und hüllte feinen Geist fortab in ewige Nacht. So endete die Tragödie des Juden Schia Schaswin. Während Schwarzbarth die Gnade ward, nach seinem Freispruch ein neues Leben, gewiß im Innersten erschüttert, aber ooch im Geiste heilgeblieben, zu beginnen, versank Schaswin in Not und Grauen, unbekannt geblieben in der Tragik seines Lebens der breiteren Oeffentlichkeit und unerlöst von Gott bis auf den heutigen Tag. H. G. 60 CHERSCHAU Die letzten Kompositionen von Kellermann. Albert Kellennann, Nachfolger Lewandowskis ah Dirigent an der Neuen Synagoge, schreibt — alle seine Kompositionen bezeugen das — melodiös, leicht sangbar die Melodie, eindrucksvoll unterstreichend und doch unaufdringlich die Begleitung. Auch seine zwei neuen Kompositionen: „Haschkivenu" und „Adonoj moh odom“, beide von stark jüdischem Empfinden durch lutct, zeigen die erwähnten Vorzüge. Sie dürften nicht nur in Kantorenkreisen, sondern auch überall da, wo man hebräische Musik liebt, willkommen sein. Sie sind für eine Singstimme mit Begleitung im Verlage Carl Simon, Berlin W 35, erschienen. S. Lilienthal, Wiesbaden. (Wie wir bereits in unserer letzten Nummer berichteten, ist Kellermann in der vorigen Woche bei einem Verkehrsunlall tödlich verunglückt. Die Red) AUF AUE FÄtlE HARTWIG-QUELLE Halb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. 'Ärztlich empfohlen bei Zucken- Nieren,-Maqerv Darm-und Stoffwechsel- Krankheiten DEUTSCHE MINERALQUELLEN A,-G, JÄGERSTR,6 MERKUR«4664/4666 Ausserdem vorrätia in allen einschlägigen Geschäften u*allen verkauftstellen d-MPech A& *lrt na».