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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-11-25 · 47 (25.11.1927) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
47 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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* Vesten der Hilsskasse sstx Chormitglieder statt. Eintrittskarten bei Bote» & Bock, A. Werthcim, Tietz. den Kastellanen der Synagogen und an der Abendkasse. Berlin. (Beerdigung von Albert Kellermann.) Am 30. ds. Mts. wurde auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee die Leiche des auf so überaus tragische Weise in seinem 65. Lebensjahre ums Leben gekommenen Kapellmeister Albert Kellermann zur Ruhe bestattet. Entsprechend dem großen Wirkungskreis des Verstorbenen in Berlin während eines Menschenlebens an den Schulen der jüdischen Gemeinde, als Dirigent des Chores der Neuen Synagoge wie des „Vereins zur Pflege hebräischer Musik" nahm außer Mitgliedern der Gemeindebehörden und den Amtsgenossen ein sehr großes Trarrergcfolge an der Beisetzung teil. Rabbiner Dr. Mlrschaucr hielt die Trauerrede. Studiendirektor Dr. Gutmann namens der Lehrerschaft, Arno Nadel für die Chordirigenten widmeten dem Dahingeschredenen herzlich empfundene Nachrufe. Nach Chorgesang trug Oberkantor Gollanin das von dem Verstorbenen für die Scelenseier komponierte Lied „Herr, was ist der Mensch" vor, das in ergreifender Beziehung auf diesen tragischen Fall erklang, sodann das El molc rachamim-Gebet. Darauf geleitete eine überaus zahlreiche Menge, in der auch die Schüler der Knabenschule eine Abordnung stellten, den Sarg zur Gruft. — Die jüdische Oeffentlichkeit verliert in Albert Kellermann ein wertvolles Mitglied. Weitesten jüdischen Kreisen ist er durch seine in Berlin und in vielen Städten des Reiches gehaltenen Vorträge bekannt geworden; als erster hat er vor dem Berliner Rundfunksender über hebräische Musik gesprochen. Auf dem Gebiete der Kantorenausbildung und der religiös-musikalischen Interpretation und Neuschöpfung hat er lvährend eines Menschenlebens die Stelle ehrenvoll verwaltet, an der vor ihm der Altmeister Louis Lewandowski wirkte. Nach Pensionierung von dem Lehramt, das er mehr als 3 Jahrzehnte ausgeübt hat, gedachte er in ungebrochener Tatkraft seinen Lebensabend dem kompositorischen Schaffen zu widmen. Der Tod hat leider einem ungemein arbeitsreichen Leben ein unerwartetes Ziel gesetzt. Wer den Verstorbenen gekannt, wird ihn nicht vergessen! Lerliu. (Von der Bibliothek der jüdischen Gemeinde.) Das Wachstum von Bibliothek und Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde hat die Anstellung weiterer Beamten erforderlich gemacht. Zum Bibliothekar an der Bibliothek wurde der Orientalist und Rabbiner Dr. Schulim Ochser, zum Kustos an der Kunstsammlung und zum Assistenten an der Bibliothek der Kunsthistoriker Dr. Karl Schwarz gewählt. Die Zahl der Stunden, in denen die Bibliothek geöffnet ist, werden demnächst vermehrt werden. Die Kunstsammlung, die im laufenden Jahre räumlich erweitert wurde, wird am Sonntag, 27. November, mit einer neuen Ausstellung eröffnet. Die Sammlung ist Sonntags und Mittwochs vormittags 10—1 Uhr geöffnet. Schulen und Vereine können die Sammlung auch sonst nach geschehener Anmeldung besichtigen. Berlin. ((Sitte Geschmacklosigkeit.) Eine Broschüre „Vollendung des künstlichen Juden durch Zwangsbeschneidung", als deren Verfasser Genera! Erich L u d e n d o r f f bezeichnet ist und die auf dem Umschlag auch dessen Bild trägt, ist kürzlich an Parteien, Verbände und Einzelpersonen versandt worden. Uns wird mügeteilt, daß es sich um eine Mystifikation handelt und daß General Ludcndorfs bei der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme der Schrift und Strafantrag gegen bereit Verfasser Dr. Bolho Las erst ein veranlaßt hat. Die erwähnMBroschüre ahmt den Stil voit Ludendorffs Freimaurer-Broschüre nach. So wichtig es ist, Ludendorsss antisemitischem Wirken entgcgenzutreten, so bedauerlich ist es, wenn dies in einer Art und Weise geschieht, wie in dieser Broschüre, in der jüdisch-religiöse Institutionen lächerlich gemacht werden und in der von der Selbstachtung eines jüdischen Deutschen auch nicht ein Hauch zu verspüren ist. Das religiöse und nationale Empfinden jedes jüdischen Deutschen wird Lasersteins geschmacklose und unanständige Schrift schwer verletzen. Bei den nichtjüdischen Deutschen aber wird die Schrift den Antisemitismus, den sie bekämpfen will, nur fördern, so sehr hat sich der Verfasser in der Wahl seiner Mittel vergriffen. Versammlungstalender * Verlin-Norde«. Liberale Synagoge Norden (im Auerbochfcheu Waisenhaus, Schön- Hauser Allee 162): Freitag, den 25. November, abends 7.15 Uhr» Gottesdienst. Sonnabend, den 26. November, vormittags 10 Uhr» Gottesdienst. Breslau. Ili „Abraham Geiger". Vorsitzender: Rabb. Dr. Halpersoha, Breslau 13, Morttzstraße 50. Montag, den 28. November, abends 8.15 Uhr, im Bereiuskokal, Saal der Loge „Gerhart Hauptmann", Schmeidnitzer Stadtgraben s, Bortrag des Herrn Dr. Erich Breslauer: vidlisch-tat« mudische Borschristen im Lichte moderner Hygiene. Wir bitten um rege Beteiligung und Einführung von Gästen. Frankfurt a. M. Der Freisinnige Verein für jüdisches Eemeindeleben E. v. (Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum E. v. Berlin) hält feine Generalversammlung am 29. November 1927, abends 8.30 Uhr, im Cmpfaugssaal der Synagoge an der Königstriner Sir. ab. Nach Erledigung der üblichen Formalitäten wird Herr Studien- Direktor Dr. Otto Driefen einen Bortrag halten Über dar Thema: „Was lehrt uns die Frankfurter Tagung der Bereinigung für das liberale Judentum?" Wir machen unsere Frankfurter Mitglieder speziell darauf aufmerksam und bitten um zahlreichen Besuch. Braunschweig. (Eine wichtige gottesdienstliche Aend e r u n g.) Bisher fanden in mehrwöchigen Abständen an Sonnabendvormittagen Gottesdienste statt, die durch Predigt und Chorgesang aus dem Rahmen der üblichen Sabbatgottesdienste herausgehoben waren. Da diese schon seit Jahren bestehende Einrichtung unter einem äußerst schwachen Besuch litt, haben sich Vorstand und Gemeindeverordnete in dem Bestreben, das religiöse Leben innerhalb der Gemeinde zu erneuern und zu vertiefen, entschlossen, diese Sabbatseiern künftig an Freitagabenden stattfinden zu lassen. Dadurch wird auch den Erwerbstätigen die Teilnahme ermöglicht. In einem Ausruf, den der Gemciudevorstand erläßt, heißt es u. a.: „Diese Freitag-» abende sollen dem religiösen Leben der Familie gehören. Laßt daher auch nach dem Gottesdienst die Sabbatweihc im Glanze der Kerzen Eure Wohnungen erfüllen, widmet Euch und Euren Lieben wenigstens einmal im Monat diesem hehren Gedanken und knüpft so die Fäden wieder inniger zu dem «ltehrwürdigeu Erbgut unserer heiligen Religion!" Crefeld. (Rabbincrwah l.) Die Gemeinde Cresetd wählte Herrn Rabbiner Dr. Arthur Bluhm-Berlin anstelle des aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amte zurückgetretenen Oberrabbiners Dr. Levi zu ihrem Rabbiner, nachdem Herr Dr. Bluhm seit etwa V2 Jahr bereits das Creselder Rabbinat vertretungsweise verwaltet hat. Herr Dr. Bluhm, der ein Absolvent der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ist, hatte schon im Lause seiner Studienzeit längere Zeit hindurch Rabbiner Dr. Kaelter in Danzig vertreten. Darmstadt. (Neue R a b b i n a k s b e s c tz u n g.) Die Synagogen-Gcmeinde Darmstadt berief Herrn Rabb. Dr. Erich Bienheim-' Berlin zur vorläufigen Verwaltung des Rabbinats, aus dem Rabb. Dr. Italiener am 1. Dezember d. Js. ausscheidet, um einer Berufung an den Israelitischen Tempeloerband in .Hamburg Folge zu leisten. Herr Dr. Bienheim legte das Rabbinatsexamen an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin, ab. Dresden. (B 0 r t r a g.) Auf Einladung der Bereinigung „Esra" e. B. sprach am Bußtag Miltelschullehrer Hermann Ster», der erste Vorsitzende der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, über „Die jüdische Jugend in der Kulturkrise der Gegenwart". Bon dem Standpunkt ausgehend, daß die Jugendsrage eine Frage der europäischen Menschheit sei, zeigte der Vortragende zunächst in längeren Ausführungen, welche Gegensätze das jüdische Leben heute beherrschen. Die Kulturkrise, in die natürlich nicht nur die Jugend verwickelt sei, lasse sich erklären, wenn wir uns vergegenwärtigen» daß unsere Zeit Altes ausgibt, neue Werte sucht, aber noch nicht gefunden hat. Die besonders stark in Erscheinung tretende Steigerung der Technik bedeutet für das geistige Leben innere Verarmung. Dafür sprechen die bestialischen Methoden der Kriegssührung, die vielen Skandale an den Hochschulen und sonstige Auswüchse antisemitischer Hetze. Es habe den Anschein, als wenn jeder Fortschritt aus technisch-naturwissenschaftlichem Gebiete das seelische Manko vergrößere, als wenn die Uebersütterung mit Wissen zum Schaden der Gemütskräfte geschehe. Das gelte vor allem für die Schule, die den Emanzipationskamps der Jugend nicht verstanden habe. Die Jugendbewegung suche nach einer selbständigen Lebensgestaltung, gruppiere sich aber anderseits in Anlehnung an die gegenwärtigen Parteien, und Richtungen, diese hinsichtlich Zersplitterung zum Schaden der jüdischen Sache noch übcrtreffend. Daher komme cs darauf an, die Jugend zur Neutralität zu erziehen. Himmelstürmende Ideen führen nicht zum Ziel. Beispiclgebcud müsse innerhalb der Gemeinden für den Zusammenschluß der deutschen Juden, deren Führer den Weg zum Reichsverband noch immer nicht finden können, gewirkt werden. Tatsache sei indes, daß in vielen Gemeinden das jüdische Leben zu wenig sozialen Geist und Demokratie verspüren lasse. Es gelte den Blick zu schärfen für die Erkenntnisse der Gegenwart, aus ihr müssen die Kräfte zur Erhaltung des Judentums nicht minder als aus der Vergangenheit geschöpft werden. Die jüdische Geschichte dürfe nicht als ein Ding an sich, sondern nur von dem Gesichtspunkt aus betrachtet werden, daß die geschichtliche Entwicklung den Juden ei» eigenstaatliches Leben verwehrte, sondern sie in die Kultur des Abendlandes fest eingegliedert habe. Durch den Antisemitismus, der i« Juden nicht zuletzt den Rationalismus bekämpfe, sei der Existerrpkamps des Juden stets ein schwerer gewesen. Wie ihn in der Berufswahl selbst unsere Zeit noch hemmt, hat das Kulturchaos während und nach dem Kriege erneut bewiesen. In diese Gegensätze zwischen alter und neuer Zeit, in einen Wirrwarr der Begriffe, wie er besonders kraß auf dem Gebiete des Rechts- und Erziehungswesens sich bemerkbar mache, sei die Gegenwartsjugend gestellt worden, um für neue Ideale zu kämpfen. Sie wägt nicht ab, fei nicht nur schnell mit dem Wort, sondern auch mit dem Gedanken. Der Schule von einst, die die Jugend meist nur als Mittel zum Zweck betrachtet habe, sei sie entglitten. Wer ihr helfen will, müsse den Blick für die Erkenntnis dieser Tatsachen schärfen und die Jugend aus der Krisis, die letzten Endes nichts anderes als ein Kampf um die allgemeinen Ideale der Menschheit sei, hinausführen helfen zu einer neuen, besseren Zukunft. Düsseldorf. (R e p r ä s e n t a n t c n w a h l.) Für die am 27. November anberaumte Wahl der Repräsentanten ist nach langen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Liberalen, Orthodoxen, Zionisten und Ostjuden, die all« von dem Wunsche getragen waren, einen Wahlkampf mit seinen unausbleiblichen Erschütterungen zu vermeiden, eine Einheitsliste ausgestellt tvorden. Bon den 8 zu vergebenden Repräsentantensitzen erhalten die Liberalen fünf, der Block (Orthodoxe, Ostjuden, Zionisten) 3 Sitze. Bon den 6 Stellvertretersitzen erhalten beide Parteien je 3 Sitze. Als Repräsentanten auf 6 Jahre sind gewählt: Josef Cohen, Rechtsanwalt Dr. Gottlieb, Moritz Gottlied. Samuel Gottdiener, Paul Klestadt, Oskar Mancs, Sally Rosenbusch, Oskar Rosendahl. Als Repräsentantenstellvertreter sind gewählt: Joses Erle, Heinrich Horn, Julius Jelin, Rechtsanwalt Dr. Kann, Rechtsanwalt Dr. Orzegow und Dr. Ing. Herbert Simons. Franksort a. M. (W a h l k 0 m p r 0 m i ß.) Das Kompromiß für die Wahlen zur Gemeindevertretung ist perfekt geworden, und zwar Wir haben damit gerechnet! Es ist alles da: Doppelsohlige Stiefel. Gefütterte Leder-StrassenstiefeL Filz-Schnallensiiefel mit Lederkesatz. Warm gefütterte Hausschuhe. Kamelhaarschuhe. UeberziehsfiefeL Pelzstiefel. Ski- und Rodelstiefel. Eislaufstiefel. Warme Gamaschen. Wollene Strümpfe. Socken und Unterziehstrümpfe für Damen, Herren und Kinder. 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