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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-11-25 · 47 (25.11.1927) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
47 (25.11.1927)
Date
1927-11-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Was ist es nun, das die beiden Gruppen, so unüberbrückbar tief von einander trennt, daß es zwischen ihnen keine Gemeinschaft geben kann? Bor kurzem noch war es die Rasse. Die Deutsche und die semitische Rasse, so lehrte man, können nie u»lnimmer etwas geistiges und soziales nein haben. Inzwischen haben alle Rassentheorien Bantt gemacht, nicht am wenigsten hat dazu Goldsleins prächtiges kleines Buch „Rasse und Politik" (4. Auflage, Leipzig, Ernst Oldenburgs Verlag, 1925) beigetragen, das eine ungewöhnliche Fülle von Wissen in lichtvoller Form darbot und nachwies, daß weder die Juden noch die Deutschen Rassen, sondern beide Gruppen aus mehreren Rassen hervorgegangen sind, zum Teil sogar aus den gleichen Rassenbestandteilen. Dies gibt Stapel selbst ausdrücklich zu. Aber er und seine Gemeinde haben an Stelle der Rasse einen neuen Götzen aufgerichtet, das Volkstum. Das Volkstum ist aber nach Stapel nicht ein Produkt der Geschichte und der Kultur, sondern es ist ein Naturbegriss, „eine naturhafte, gewachsene Einheit, wie der Baum, das Korallenriff, der Bienenschwarm". Mit seinem Volk verbindet den Einzelmenschen nicht der freie Entschluß, die Sympathie, die Anhänglichkeit an seine Muttersprache, die Liebe zu seinem Lande, seine Geschichte, seine Sitten, seine Kultur, sondern ein Naturzwang, der über oder außerhalb seines Bewußtseins steht und von der Gefühlswelt und dem Gewissen des Einzelnen unabhängig ist. Aus seinem Volke kann kein Mensch hinaus, in ein Volk kann kein Mensch hinein. Es wird die Analogie zwischen den Völkern und den zoologischen Arten des Tierreichs sowie den botanischen des Pflanzenreichs streng durchgeführt. Alle Angehörigen eines Volkes sind in ihrem Bolkstume eingemauert, eingekapselt, ohne Ausweg, ohne Durchschlupf zwischen Volk und Volk. Der Angehörige des einen Volkes kann ebenso wenig in ein anderes treten, sich mit ihm verbinden, wie der Kuckuck mit dem Grasmückenvolk oder wie die Mohrrübe mit dem Geschlecht der Apfelsinen. Tu glaubst, daß einzelne hervorragende Menschen, wie Alexarrder von Humboldt oder Rainer Maria Rilke, die Seelen zweier Volker in sich harmonisch vereinen, für das Wesen beider Völker gleicherweise Sympathien und Verständnis haben und als Vermittler und Versöhner zwischen ihnen wirken können. Weit gefehlt! Kann eine Erdbeere zugleich die Seele eines Apfels oder einer Kirsche beherbergen? Alle Angehörigen eines Volkes haben die gleiche „feeliscke Zuständigkeit", d. h. es spielen sich in der Seele aller Die gleichen Vorgänge ab, die von den Vorgängen in den Seelen anderer Völker grundverschieden sind. Darum kann es zwischen Menschen verschiedener Völker * keinerlei Verständigung geben. Das gilt für alle Völker ohne Ausnahme, von dem Hundertmillionenvolk der Deutschen angefangen, bis zu dem Zweimillionenvolk der Litauer und dem Halbmillionenvolk der Albaner und erst recht für das „Volk der Juden", von dem mehr als eine halbe Million in Deutschland lebt. „Sowohl die seelische Zuständigkeit wie der seelische Ausdruck ist (bei Deutschen und Juden) nachweisbar verschieden. Darf man es einem Volke, das in Jahrhunderten eine bestimmte, innere Gesetzmäßigkeit, eine Art, gewonnen hat, verübeln, wenn es seine politische»! und kulturischen Schicksale nicht von andersartigen Menschen in artfremde Bahnen ivill zwingen lassen? Damit schon aber allein, daß Juden im deutschen Staate gleiches Bürgerrecht genießen, deutsch reden und schreiben, an der deutschen Kultur mitbaucn, am deutschen Wirtschaftsleben Mitarbeiten, zwingen sie aber die politischen und kulturellen Schicksale des deutchen Volkes in artfremde Bahnen. Daher droht dem deut chen Volke von den Juden eine ungeheure Gefahr. Ist das alles auch Wahnsinn, so ist es doch strenge Methode.... Diese völkische Geschichtsphilosophie wird mit einem ungeheuren Aufwand von metaphysischen und wissenschaftlich tuenden Floskeln ummauert und befestigt, mit unerbittlicher Logik cmsgebaut, so daß sie äußerlich den Eindruck einer uneinnehmbaren Festung macht. Diese Logik mit ihrer unerschütterlichen und unentwegten Folgerichtigkeit erinnert in erschreckender Weise an die Logik der primitiven Völker, die von einer Vorstellung ausgehend, in gerader Linie zur Menschenfresserei und zur Witwenverbreunung gelangen, Die einzige Konsequenz dieser Gedankengänge ist, die Juden in Deutschland aus dem gesamten Leben der Ration hinauszudrängen. A i e das geschehen soll, sagen uns Stapel und die Seinen nicht. Aber andere haben das für sie getan. Blüh er z. B. verlangt ganz unumwunden „Reghettoi sierung" der Juden, d. h. man solle sie, ganz wie im Mittel alter, in ein Ghetto sperren, um das deutsche Polt vor ihrem entartenden Einfluß zu schützen. (Vgl. Segel: „Philosophie des Pogroms", Philo-Verlag, Berlin, 1923.) In England wird dies« Lehre durch den katholische»! Franzosenstämmling Hilaire Belloc vertreten (sein 1921 erschienenes, fast ganz unbeachtet gebliebenes Buch „The Jews" ist soeben in deutscher Uebersetzung erschienen, und zwar in einem hochkatholischen Verlage, dem doch dieser heidnischzoologische Nationalismus ein Greuel sein müßte). Belloc gelangt zu der Forderung, die Juden „nicht durch Zwangsgesetze, sondern durch „Institutionen" zu isolieren, so daß ihr artfremder Einfluß auf das Wirtsvolk unmöglich gemacht werde.... An diese unangreifbar scheinende Mauer legt Prof. Goldftein die Axt, haut Stein um Stein heraus und zermalmt ihn zu losem Staub, den ein Würdhauch davontragt. Es gehört dazu eine eiserne Geduld und Selbstüberwindung, verbunden mit einer souveränen Beherrschung der gesamten wissenschaftlichen Literatur und einer intimen Kenntnis der lebendigen Knlturströmrmgen. Da haben die Völkischen z. B. den großen Philosophen Fichte zu ihrem Urahn ernannt, weil von ihm ein paar judenfeindliche Aeußerungen bekannt sind und er in bedrängter Zeit die „Reden an die deutsche Nation" gehalten hat. Goldstein erweist an Hand der Texte, daß Fichtes Ideal als Weltbürger der Deutsche war, daß also der Patriotismus seiner „Reden" im schroffsten Gegensatz zu dem engherzigen Nationalismus der Völkischen steht, daß seine antijüdischen Aussprüche ein Reflex zeitläufiger Vorurteile waren und mit seiner denkerischen Arbeit nichts zu tun haben. Allen vagen Redensarten und allgemeiner Versicherungen seiner Gegner weiß er authentische Tatsachen und Texte entgegenzuhalten und jene ad absurdum zu führen. Ein Beispiel für unzählige: Ein jüdischer Literaturhistoriker hat einmal ein abfälliges Urteil über Hebbel gefällt. Das ist natürlich nach Ansicht der Völkischen die Folge seiner jüdischen Unfähigkeit, den Deutschen Hebbel zu verstehen. Nun zieht Goldstein einen Brief des kerndeutschen Adalbert Stifter von 1847 hervor, in welchem ein noch viel schärferes Urteil über Hebbel gefällt wird. So geht es auf st»st allen Gebieten des Geisteslebens: „Wer sich deutscher Jude nennt", sagt Goldstein, „der nimmt das Wort deutsch nicht im Sinne der Abstammung, sondern im Sinne einer national-kulturellen Kulturgemeinschaft." Der deutsch-jüdische Meßsch hat nicht eine Kopie irgend eines der vielen Typen des deutschen Volkes zu sein, sondern er selbst, unter Bewahrung seiner vollen Eigenart. Goldstein zitiert einen hervorragenden deutschen Katholiken, der für seine Glaubensgenossenschaft das gleiche beansprucht. „Wir sind existenzberechtigt nur, wenn wir Eigenes sind, nicht wie die anderen, nicht eine Kopie!" Von der ganzen Fülle des Belehrenden und Befreienden, welches dieses kleine Buch bietet, konnte hier kaum eine Andeutung gegeben werden. Der Stil ist frisch und lebensvoll, manche Sätze prägen sich ein, wie feingeschliffene Aphorismen. Kein Jude soll es ungelesen lassen. Jeder wird daraus Klarheit über die Lage seiner Gemeinschaft gewinnen Und tüchtige Waffen im Kampfe der Meinungen, der ihm oft und oft aufgezwungen wird. Und jeder Leser reiche dieses Buch einem nichtjüdischen Freund.... Synagogenschändungen ohne Ende In der Nacht ist die Synagoge der Lüneburger jüdischen Gemeinde von unbekannten Tätern in gemeiner Weise beschädigt und beschmutzt worden. An einem Baum in den benachbarten Anlagen war ein Tuch mit einem Hakenkreuz befestigt worden. Auf die Ermittlung der Täter wurde eine hohe Belohnung ausgesetzt. Aus Königsberg wird gemeldet: Unerkannte Burschen warfen nachts die in Blei gefaßten Fenster der Synagoye Adaß Jisroel in der Synagogenstraße mit Ziegelsteinen e»n und ergriffen dann die Flucht. Es gelang bisher nicht, der Täter habhaft zu werden, trotzdem die Königsberger Polizei sich die größte Mühe gibt, sie zu ermitteln. Nachdem bereits früher in Rosenberg (Westpr.) und erst vor kurzem in Eydtkuhnen der jüdische Friedhof geschändet wurde, ist dies jetzt die dritte Schändung einer heiligen jüdischen Stätte in der frovinz Ostpreußen. Am Abend vor der Tat hatte in önigsberg eine Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei stattgefunden, zu der in stark judenhetzerischen Plxkaten ei»»geladen worden war. Es ist möglich, daß gewisse Zusammenhänge zwischen den Teilnehmern jener Versammlung, in der besonders des mißglückten Hitlerputsches gedacht wurde, und den Tätern besteht. IIMNMMMIMMMlMMMMMMIllMIMMMMMIMllMIlMMMNMMlMMI» Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands :iiU!immmi4iiuiiimnuiuiu)iiiwiiiuiuumumuiuiiuiiuininuLimuiiiiiiHimiiuiitiimmii Urteil für antisemitische Verleumdungsdelikte Wie masserrhaft die völkische Presse Schmutz produziert, konnte man dieser Tage in Breslau ad oculos demonstriert bekommen. Ein ganzer'Sitzungstag des großen Schöffengerichts war den fünf Prozessen gewidmet, die gegen den verantwortlichen Redakteur der antisemitischen „Schlesischen Bolksstimme", Dr. Bruno Herrmann, anftanden. In allen Prozessen handelte es sich um aus der Lust gegriffene Niederträchtigkeiten gegen Juden. Der eine sollte Hindenburg beschimpft, dn andere eine Wöchnerin an die Luft gesetzt, der dritte Wohnungsschiebungen getrieben haben usw. In keinem einzigen Fall hatte Dr. Herrmann auch nur eine Nachprüfung versucht. Unbedenklich nahm er jeden Schwindel gegen die Juden auf. In allen fünf Fällen wurde er verurteilt, zusammen zu 550 Mark. Die Strafe fiel wegen seiner „schlechten Vermögenslage" so niedrig aus. Ablehnung des Zionismus Ter Verband der tschechischen und slowakischen Juden hielt Sonntag in Brünn eine Tagung ab. In einer Resolution wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Juden keine einzelne Nation bilden, sondern in der Nation ausgehen müssen, unter der sie leben. Tie Resolution protestiert dagegen, daß die Zionisten aus dem Weltforum als Vertreter der tschechoslowakischen Inden anstreten. Tie Tagung beschloß ferner, ein Memorandum auszuarbeitcn, worin die Forderungen der Inden der Regierung zur Kenntnis gebracht werden. Jüdische Astronomie Von E. Beyer. Oesters hört man von Andersgläubigen die Bemerkung: „Wenn die Juden Feiertag haben, ist immer schönes Wetter". Es ist lächerlich, nur daran zu denken, daß man das ernstlich widerlegen müsse — und wer nicht weiß, was dahinter steckt, der könnte säst glauben — ein Wunder bewirke dieses tatsächlich oft zutreffende Wort! Wir aber wissen das Geheimnis. Welche feinen Beobachter der Natur waren doch unsere Vorfahren! Sie warm nicht mit Unrecht in ältesten Zeiten als Steivn-. deuter und Propheten berühmt. Mit tiefinnerem Wissen legten sie die Berechnung des Jahres dem Monde und nicht der Sonne nach. Ist doch der Mond der wahre Anzieher von Glut, Kälte, Nässe — hängt doch von seiner Veränderung die Nähe der Gestirne ab, ist er doch sozusagen der Dirigent am Himmel, dessen Gangart die anderen mümachen und nachahmen! Mit dem Wechsel des Mondes können wir an Hand des jüdischen Kalenders die Aenderung des Wetters beobachten. Unsere Feste regeln sich nach ihrem Führer, dem Monde! Am Neumonde ist unser Neujahrsfest, und wenn das Licht des nächtlichen Gestirns zunimmt, ist meist der Tag klar und schön. So fallen unsere Herbstfeiertage selten aus unschönes Wetter! Auch das Pesachfest fallt in das wachsende Mondlicht; außerdem ist es in der Zeit des Frühlings, der oft im Anfänge warm, später wieder kalt und unfreundlich sich erweist. Pünktlich mit dem Eintritt der herbstlichen Witterung beten die Juden: „Der dem Winde zu wehen und dem Regen zu fallm gebeut." Siehe, gerade in jenen. Tagen fallt Regm aus das entfärbte Laub — um diese Zeit ändert sich die Sommerszeit ins Herbstliche. Fein ist der Beginn der Dämmerung berechnet; che noch Dunkel die Erde umspinnt, begrüßen wir den Freitagabend — den Beginn des Sabbats, denn unsere Volksweisen wußten: eine Nacht und ein Tag, ist erst ein rechter Tag! Und alle unsere Feste beginnen mit dem Feiern de- Abends und der Nacht, einer Art Vorbereitung auf de» schönen Festtag, der da kommen wird. Mit dem Beginn de- Pesachfestes war die Regen- und Windzeit im heftigen Lande vorüber, man konnte den „Tal" abbeten. Tie gefährlichen Krankheiten und Unannehmlichkeiten, die der Winter mit sich bringt, ereilen chr glückliches Ende! Tie Juden wissen, warum sie beim Scheine des Vollmondes vor die Türen ihres Hauses eften, - die Händq zu dem klaren, freundlichen Lichte ihres Freundes erheben und die „Lewone Mehadesch" sind! Wie sehr groß die Rolle ist, die der Mond zu spielen hat und wie wunderbar berechtigt die Berechnung nach ihm, sehen wir aus den jüdischen Schaltjahren. Das vergangene Jahr 5687 war ein Mondschaltjahr. Man kann fest darauf gehen, daß diese Zeit eine Abnormität sowohl inbezug auf Witterung wie Naturkatastrophen bringt. Man bedenke, daß, wenn das Schaltjahr, wie das jüdische, einen ganzen Monat mehr zählt, die Natur immer mm einen Monat zurückbleibt, um dieselbe Menge Sonnen wärme und Kühle zu spenden, wie das normale Jahr. Die Katastrophen stelle» sich dann von selbst ein. Wir haben wieder in diesem vergangenen Schaltjahr genau und allzu gut die Probe auf diese Beobachtungen machen können und gesehen, daß Schaltjahre mit Recht bei uns gefürchtet sind. * Aus den Gemeinden * BerU«. (Liberaler Gottesdienst.) Auf Veranlassung der Ortsgruppe Wilmersdorf des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltet die Liberale Synagoge Berlin am Freitag, den 2. Dezember, abends 7i/4 Uhr, in der Aula der Cäcilien-Schulc, Nikolsburger Platz (Untergrundbahnhof Hohcnzollcrnplatz), einen tiberalen Gottesdienst nach dem Ritus der Liberalen Synagoge Norden mit Chor und Orgel. Predigt Herr Rabbiner Dr. Salomonski. — Wir hoffen, daß dieser Gottesdienst, der in Gemeinschaft mit dem Liberalen Synagogenverein Norden veranstaltet wird, von unseren Gesinnungsgenossen recht zahlreich besucht werden wird. Berlin. (Dozentcn-Jubiläum von Professor I. El bogen.) Am 8V. November d. I. inerden 2ö Jahre verflossen sein, seitdem Herr Pros. Dr. I. Elbogen an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin lehrt. Prof. Elbogen ist als Sohn eines Lehrers in der Stadt Schildbcrg, in der früheren Provinz Posen, geboren, absolvierte das Gymnasium und das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau und war dann zunächst Dozent am Collegio Rabbinico Jtaliano in Florenz, das damals unter der Leitung von Pros. Dr. Margulies aus dem Höhepunkt seiner Blüte stand. Bon dort wurde er nach Berlin an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums berufen, an der er seitdem ununterbrochen wirkt. Pros. Elbogen ist als Historiker des Judentums Spezialist auf dem Gebiete der Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, ist aber auch auf anderen Gebieten mit wertvollen wissenschaftlichen, insbe ■ sondere historischen Arbeiten vielfach hcrvorgetrcten. Neben seiner wissenschaftlichen und unterrichtlichcn Tätigkeit wirkt er in fast allen großen jüdischen Organisationen wissenschaftlicher, humanitärer und politischer Art, von denen er mehrere begründen hals. In einer Reihe dieser Organisationen ist er, wenigstens so weit es sich um pic Pflege der jüdischen Wissenschaft handelt, die eigentlich treibende Ärast. Pros. Dr. Elbogen ist auch an dem Stephen Wise Jewish Institute os Religion in New Bork Gastprofessor gewesen. In Prof. Elbogen, der erst vor wenigen Jahren seinen 50. Geburtstag begehen konnte, verehren viele jüngere jüdische Gelehrte in Deutschland und auswärts ihren Lehrer und Anreger. Berlill. (Bon der Subventions-Kommission des Preußischen Landesverbandes.) Tie vom Preußischen Landesverbarid jüdischer Gemeinden gebildete Subventions-Kommission hat in dem Zeitraum vom 1. Oktober 1926 bis zum 30. September 1927 eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet. Sie hat in dieser Zeit unter dem Vorsitz des Herrn Bruno Galewski acht Sitzungen abgehalten und in ihnen zu 372 Angelegenheiten Stellung genommen. Bon Beschlüssen allgemeinerer Bedeutung ist hervorzuhcben, daß die laufenden Beihilfen an Gemeinden, Lehrer und Kantoren a. D., sowie deren Hinterbliebene, soweit sie im Rechnungsjahr 1926/27 bewilligt waren, auch für 1927/28 weiter gezahlt werden; die betreffenden Beträge sind bisher regelmäßig überwiesen ivorden. lieber jedes Gesuch sind vor endgültiger Beschlußfassung der zuständige Provinzialverband oder andere maßgebende Stellen gehört worden. Die Erhöhung der Lehrergrhälter aus die volle Gruppe VII der Reichsbesoldungsordnung, und zwar einschließlich der vollen Familien- und Kinderzulagen, die vorgesehen lvar, ist mit Rücksicht auf die erst kürzlich zum Teil erfolgte Auszahlung der vom Preußischen Landtag bewilligte'.'. Staatsdeihilfen für l027/28 nunmehr in Angriff genommen ivorden; die notwendigen Erhebungen sind säst abgeschlossen. In der nächsten Sitzung der Subventions-Kommission wird über die Angelegenheit Bericht erstattet werden. Für neu eingerichtete Bezirkslehrerstellen sind beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt worden; auch hat eine Reihe junger Leute, die sich dem Lehrerberus widmen wollen, Unterhaltszuschüsse erhalten. Nachstehend seien einige Zahlen aus dem Jahresbericht der Subventions-Kommission mitgeteilt: Es wurden in dem einen Jahre fünf einmalige größere Beihilfen an Gemeinden gegeben, die sich in wirtschaftlicher Notlage befanden; sechs neue laufende Beihilfen, die zum großen Teile für Gehälter und Ruhegehaltsaufbesserungen der Kultusbeamten verwandt wurden, kamen zur Ausschüttung. 48 Baubeihilfen für Jnstandsetzungsarbeiten an Synagogen, Schulen, Friedhöfen usw. und 19 zinslose Darlehen wurden gewährt. Fünf weiteren Flüchtlingsrabbinern und achtzehn weiteren Lehrern wurden laufend Gehälter gezahlt, und in dreizehn neuen Fällen wurden Hinterbliebene von Lehrern durch monatlich zahlbare Beträge vor Not geschützt. Neun Kantoren und vierzehn Hinterbliebene dieser Bcrufsgruppe bekamen wiederum monatliche Zuwendungen, elf neue Stipendien gelangten zur Verteilung, 29 Anstalten wie Rabbiner-Seminare, Lehranstalten, gemeinnützige Organisationen usw. erhielten zum Teil sehr beträchtliche Unterstützungen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß der vom Staat für das Rechnungsjahr 1926/27 zur Verfügung gestellte Betrag als Beihilfe zu den Kosten für den Religionsunterricht, insbesondere zur Ausbesserung der Lehrergehälter an 214 Mitgliedsgemeinden zur Verteilung' gelaugte. Aus alledem ist zu ersehen, daß der Landesverband seiner vornehmsten Aufgabe, die Neincn Gemeinden mit all ihren Lasten zu unterstützen, in jeder Weise gerecht zu tverden sich bemüht. Würde die Hilfe des Landesverbandes schien, so wäre der Verfall zahlreicher kleiner Gemeinden nicht mehr auszuhalten. Religionsunterricht und Gottesdienst würden eingestellt werden müssen, Friedhöfe und Gotteshäuser verfallen, das jüdische Leben käme zum Absterben. Noch besser wäre es um die Zukunft des deutschen Judentums bestellt, »venn der langersehnte Reichsverband der deutschen Juden endlich zur Wirklichkeit würde. Dann könnte mit vereinten Kräften an der Erhaltung und dem Ausbau zahlreicher lebensnotwendiger Einrichtungen, Anstalten und Organisationen gearbeitet werden. ' Berlin. (Konzert d e r Bereinigten Synagogench ö r«.) Die Bereinigten Synagogenchörc Berlins veranstalten am Sonntag, den 4. Dezember, abends Uhr, in der Philharmonie unter Leitung von Alexander Weinbaum ein Konzert, in welchem hebräische sowie deutsche geistliche Gesänge zum Vortrag gebracht werden. Konzertmeister Professor Joseph Wolfsthal wird chassidische Weisen von Ernest Bloch, die Oberkantoren Asch und Gollanin werden liturgische Gesänge vortragen. Außerdem wirkt der Organist der Neuen Synagoge Arthur Jepke mit. Das Konzert findet zum

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