Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Jahrgang Nummer 45 Beilage 11. November 1927 MMÄemleZeitmg Wann kommt der Reichsverband? Auf dem Leidensweg des deutschen Reichsverbandes der jüdischen Gemeinden soll nun ein weiterer Schritt gegangen werden. Wir erinnern uns, daß am 22. Mai d. Js. in Dresden eine Zusammenkunft der jüdischen Landesverbände und des D.J.G.B. stattgesunden hatte. Ein unmittelbares Ergebnis war dieser Tagung nicht beschieden, sodaß mit Recht von einem „Fiasko" gesprochen werden konnte. Jetzt, nach fünf Monaten, hat der Preußische Landesverband die Angelegenheit wieder ausgenommen. Es bleibt ein Verdienst des Führers der liberalen Bereinigung, Heinrich Stern, in Dresden einen Antrag entworfen und vorgelegt zu haben, dem schon dort zugestimmt wurde, und der auch die Billigung des Großen Rates im Preußischen Landesverband fand. Auf dieser Grundlage wird und muß eine baldige Einigung möglich sein. Es soll hier nicht weiter ans die Schwierigkeiten eingegangen werden, die bislang ein Vorwärtsschreiten verhinderten. Dieses Rückwärtsschauen hat keinen Wert. Was not tut. ist eine Aufrüttlung der jüdischen öffentlichen Meinung, damit endlich einmal mit dem ewigen Verhandeln vor und hinter den Kulissen Schluß gemacht wird! Es ist doch geradezu ungeheuerlich, daß es seit etwa sechs Jahren nicht gelungen ist, einen Reichsverband ins Leben zu rufen. Ter gesunde Menschenverstand, der immer noch die Tinge schärfer sieht, als es alle diplomatische und juristische Gelehrsamkeit gestattet, der begreift dieses Spiel nicht. Wenn wirkliche alle jüdischen Parteien und Landesverbände im Ziel einig sind, dann muß einmal nach allen Reden auch die Tat folgen! Es ist 'null merkwürdig, daß die jüdische Öffentlichkeit diesem Zustande so teilnahmslos gegenübersteht. Die Presse, die dazu berufen ist, das Gewissen der Allgemeinheit und der Führer wach zu halten, schweigt gleichfalls. Seit dem Bericht über die Dresdner Tagung ist e.'ne vollkommene Stille auf der ganzen Linie eingetreten. Hätte jetzt nicht der.Preußische Landesverband die Führung ergriffen, so wäre auch diese Angelegenheit wie so manches andere dem Winterschlaf verfallen. Noch einmal soll, obwohl das schon früher oft genug ge^'- schchen ist, die Bedeutung eines Reichsverbandes in aller Kürze gewürdigt werden. Gesetzgebung und Verwaltung des Deutschen Reiches berühren nur allzuoft Gebiete, die mit den Belangen der Religionsgesellschaften gewisse Beziehungen aufweisen. Es braucht nur das Wort „Reichsschulgesetz" zu fallen, und jeder ist im Bilde. Welche jüdische Stelle soll hier mit den Reichsbehörden oder den Reichstagsfraktionen verhandeln? Wer vertritt die deutsche Judenheit? Niemand, denn der Preußische Landesverband, der sich dieser Sachen annimmt, spricht eben nur für Preußen. Ebenso verhält es sich bei den Beratungen eines Reichsstrafgesetzbuches. Hier war es sogar möglich, daß ganz verschiedene jüdische Wünsche vorgetragen wurden. Ter evangelische und katholische Volksteil besitzt selbstverständlich eine Spitzenvertretunb für das Reich und empfindet dies als unbedingt notwendrg und segensreich. Warum sollen wir, die wir doch, in anderer Hinsicht auf die Gleichberechtigung der drei großen Religionsgesellfchaften größten Wert legen, uns nicht selbst aus eigener Kraft gleichberechtigt machen? Tie Weimarer Verfassung ebnet ja im Artikel 137 den Weg aufs beste! Liegt so im Hinblick auf die Reichsgesetzgebung ein außerordentlich wichtiges Feld der Betätigung vor, so gibt auch die Reichsverwaltung oft genug Anlaß zur Wahrung der jüdischen Interessen, ebenso wie die evangelische und katholische Kirche stets auf dem Posten sind. Hier ist eine Kleinarbeit zu leisten, die im Einzelnen darzustellen nicht der Ort ist, von der aber der Außenstehende sich kaum einen rechten Begriff machen kann. Schließlich sei darauf hingewiesen, daß nicht minder für eine jüdische Vertretung im öffentlichen gesellschaftlichen Leben des Reiches gesorgt werden muß. Zur Verfassungsfeier der Reichsregierung, zum Bierabend beim Reichspräsidenten, bei Glückwünschen oder Trauerkundgebungen tritt heute nur der Preußische Landesverband in die Erscheinung, während die evangelische und katholische Kirche natürlich, durch eine Reichsorganisation vertreten wird. So dankbar man dem Preußischen Landesverband für seine „Geschäftsführung ohne Auftrag" sein wird, so ist es doch nur ein Notbehelf. Diese allerdings ganz knapp gehaltenen Ausführungen mögen genügen, um die Arbeit des Reichsverbandes nach außen zu kennzeichnen. Eins aber muß ganz offen betont werden: Tie neue Reichsorganisation wird sich hüten müssen, in den Fehler mancher Berliner Zentralstellen zu verfallen, nämlich ihre Zuständigkeit werter als erforderlich auszudehnen. Insbesondere darf nicht vergessen werden, daß die süddeutschen Landesverbände nicht nur eine lange Erfahrung, sondern auch hervorragend gute Verwaltungsorgane besitzen. Ferner muß nachdrücklichst darauf aufmerksam gemacht werden, daß in rein politischen Trugen der C.V. die alleinige und beste Spitzenvertretung der jüdischen Deutschen bildet. Der politische Kamps und die politische Aufklärungsarbeit, Arbeitsgebiete von ungeheurer Wichtigkeit für das Wohl und Wehe des gesamten deutschen Judentums, bleiben natürlich uneingeschränkt dem C.V. und können nie Sache einer Kirchenbehörde sein. Ferner fällt ja dem C.V. die hohe und verantwortungsvolle Lebensaufgabe zu, die Ausprägung und Vertiefung deutschvaterländischer Anschauung im Sinne seines Führers Eugen Fuchs mit aller Kraft weiterzuführen. Dagegen wird zu erwägen sein, ob nicht der Reichsverband andere jüdische Reichsorganisationen in sich aufnehmen soll, so z. B. die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden; beides Einrichtungen, die im Rahmen einer öffentlichrechtlichen Körperschaft nur gewinnen können. Ferner drängt die Erhaltung lebenswichtiger jüdischer Anstalten wie z. B. der Rabbtnerseminare zur Bildung d.es Reichsverbandes. Heute hängt deren Unterstützung von den ganz willkürlich bemessenen Zuschüssen der Landesverbände und Gemeinden ab. Ter Preußische Landesverband gibt z. B. für jedes Rabbinerseminar jährlich 50 000 Rm., der bayerische nur 1000 Rm. Ueberyaupr fchlt es an einer planmäßigen und einheitlichen Finanzwirtschaft, sehr zum Schaden des ganzen deutschen Judentums. Schließlich wird der Reichsverband sein Augenmerk daraus zu richten haben, daß zwischen den einzelnen Landesverbänden eine möglichst weitgehende Rechtsangleichung sich vollzieht. Es ist nicht nötig, daß die jüdischen Kultusbeamten in Preußen nach anderen Grundsätzen angestellt und besoldet werden als in irgendeinem anderen Land. Es kann vermieden werden, daß die Gemeindeverfassungen in den einzelnen Ländern grundlegende Unterschiede aufweisen. Wer die Zeichen der Zeit richtig versteht, der weiß, daß die politische Entwicklung im Deutschen Reich mit Macht zum Einheitsstaat führt. Schneller, als wir glauben, wird die Teilung des Reiches in 18 Länder der Geschichte angehören. Schaffen auch wir eine gesunde Reichseinheit auf dem uns berührenden Gebiet! Möge die bevorstehende Tagung dem Leidensweg eines Reichsverbandes ein Ende bereiten. Diesmal muß unter allen Umstanden ein brauchbares Ergebnis erzielt werden. Sonst wird es Aufgabe aller verantwortungsbewußten Führer sein, mit allen parlamentarischen Mitteln eine gründliche Besserung zu schaffen. Krieg. Aus den Gemeinden Bamberg. (Todesfall.) Am 9. Oktober starb im Alter von 85 Jahren eine in Bamberg seit Menschcngedenken bekannte und in allen Kreisen der Bürgerschaft beliebte Persönlichkeit, Herr Max Strauß, Mitbegründer der seit 1870 bestehenden Firma Reichmann & Strauß, Hopfengroßhandlung. Die Chewra Kadischa, der er zeitlebens angehörte, war vollzählig an seiner Bahre erschienen. Der Turnverein widmete in einer Tageszeitung einen Nachruf „dem Jubilar, der 63 Jahre treu zu uns gehalten hat. Wir bitten, ihn in ehrendem Andenken zu behalten." Auch der jüdisch-liberalen Sache stand er stets wohlwollend gegenüber. Berlin. (Sitzung der R e prüfe ntantenversa mmlung.) In der letzten Sitzung der Repräscntantcnversammlung wurde eine sehr große Anzahl einzelner Vorlagen erledigt, die kein allgemeines Interesse haben. Es handelt sich hier 8m die Rückstände aus der langen Zeit, in der eine aktionsfähige Repräsentantenversammlung nicht bestand. Bon allgemeinem Interesse dürfte die Schaffung des „Hindeuburgsonds" für Kriegsbeschädigte sein, welcher zur Auswertung der. entwerteten Stiftungen verwandt werden soll. Es wurde beim Vorstand der Antrag gestellt, gleichfalls einen „Friedrich Ebert-Fonds" für soziale Zwecke ins Leben zu rufen. Bewilligt wurde auch die Vorstandsvorlage zum Ankauf von 150 Exemplaren des jüdischen Lexikons. Es gelangte jedoch ein Antrag der liberalen Fraktion zur Annahme, der an die Redaktion das Ersuchen richtet, die Wahl der Stichworte einer sorgfältigen Nachprüfung zu unterziehen. Hiermit soll insbesondere bezweckt werden, daß die von verschiedenen Seiten nicht mit Unrecht beklagte einseitige Berücksichtigung der gerade um den Zionismus verdienten Männer und Frauen abgestellt wird. Bei Beginn der Sitzung, die der Vorsitzende mit einem warm gehaltenen Nachruf für das verstorbene frühere Mitglied Sanitätsrat Dr. Steinthal eröffnete, wurde von liberaler Seite unter Zustimmung aller anderen Fraktionen die Raumnot im Verwaltungsgebäude zur Sprache gebracht und energisch darauf bestanden, daß den Repräsentanten würdigere Räume zur Verfügung gestellt werden. Nicht mit Unrecht wurde darauf, hingewiesen, daß der Gemeindevorstand einen bequemen und behaglichen Arbeitsraum hat, daß aber die Verwaltungskommissionen der Repräsentanten von Zimmer zu Zimmer, ja sogar in die Vorzimmer verlegt würden, in denen zu arbeiten ihnen nicht zugemutet werden könne. Trotzdem vom Gemeindevorstand Berücksichtigung zugesichert wurde, entspann sich noch eine nicht uninteressante Debatte über die Möglichkeit, weitere Räume zu schaffen, insbesondere durch Verlegung des Hospitals aus seinen neben der Synagoge Oranienstraße liegenden Räumen in eine ruhigere Gegend und durch Ausnutzung des Hauses in der Auguststraße. In der geheimen Sitzung wurden lediglich Pcrsonalsragen behandelt. Berlin. (Vergrößerung der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde.) Die Kunstsammlung hat im Berichtsjahre ihren Bestand an Bildwerken und graphischen Arbeiten bedeutend vermehrt. Unter anderem wurde eine Sammlung von fast 2000 großen Photographien, Lichtdrucken, Radierungen, Zeichnungen usw. erworben, welche mit dem bisherigen bereits großen Bestände vereinigt die Kunstsammlung an die erste Stelle in der Reihe der jüdischen Museen aufrücken lassen. Bei dem neuen Zuwachs handelt es sich um Abbildungen von namhaften Persönlichkeiten des Judentums, von Synagogen, jüdischen Friedhöfen, Gcmeindegebäuden und Instituten, historischen Ereignissen (Pogromen in Rußland usw.) und ganz besonders von Werken jüdischer Künstler. Einige hervorragende Stücke werden bereits in der vierten Ausstellung, die demnächst eröffnet wird, zu besichtigen sein. I Creglingen. (Lehrcrjubiläum.) In diesen Tagen begeht Oberlehrer Preßburger sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum als Lehrer an der hiesigen israelitischen Gemeinde. Der Jubilar genießt allgemeine Hochachtung und Verehrung. Weil er eine Feier zu seiner Ehrung ablehnte, widmet ihm die Gemeinde in der Ortszcitung eine große öffentliche Danksagung. Frankfurt a. M- (B a u st e i n s a m m l u n g des Jüdischen Frauenbundes.) In diesem Monat begeht das Heim des Jüdischen Frauenbundes die Feier seines 20 jährigen Bestehens. Die .Heimkommission hat beschlossen, diesen Teilabschnitt stillen Wachsens und Wirkens dadurch zu feiern, daß eine unabweislich nötige Erweiterung der Säuglings- und Kleinkiuderabteilung errichtet wird. Die Mittel dazu müssen auf dem Wege einer sogenannten „Baustein-Sammlung" bcigebracht werden. Es ist durch diese die Möglichkeit geboten, daß weite Kreise der Judenschaft diesem einzigartigen Erziehungs- und Schutzheim für Jugendliche und Kinder jeden Alters ihr Interesse und viele auch ihre Anerkennung und Dankbarkeit dadurch bezeigen, daß sic großzügig helfen, unter Ausschaltung jeden Luxus, eine den Anforderungen der Hygiene genügende Station bauen. Das Heim, das in jeder Hinsicht den streng rituellen Forderungen gerecht wird, hat Frauen aus allen religiösen Richtungen bei der Mitarbeit vertreten. Spenden für die Baustein-Sammlung sind zu richten an: Frau Recha Rothschild, Frankfurt a. Main, Eschenheimer Anlage 28, Postscheck-Konto Frankfurt a. Main Nr. 8147. Geisa (Rhön). (Jubiläum des F r a u e n v er e i n s.) Der hiesige israelitische Frauenverein beging kürzlich die Feier seines 50jährigm Bestehens; eine Mitbegründerin konnte noch Zeugin dieses bedeutsamen Tages sein, der dadurch noch festlich gestaltet blieb, daß eine Stiftung für Kultusziveckc durch Ueberrcichung eines Thoramantels veranstaltet worden war. Gelnhausen. (Persönliches.) Als ehrenamtlicher Leiter der über 200 Jahre bestehenden Chewra Gcmilus Chassodim oeging Kaufmann A. Meyer kürzlich das 25 jährige Jubiläum seiner Betätigung auf religiösem Gebiete, die seitens des Provinzialrabbinats in Hanau vor vielen Jahren bereits durch Verleihung des Chowertitels Anerkennung gesunden hatte. Durch Ueberrcichung eines silbernen Bechers mit Widmung und durch Veranstaltung eines Festmals zu Ehren der Jubiläumsfeier brachten die Mitglieder ihrem verdienten Führer und Lehrer die Sympathien zum Ausdruck. Hannover. (Ein bedeutsamer Vortrag.) Vor etwa 400 Gebildeten aller Konfessionen sprach am 5. November Pros. Tr. Hans Driesch-Leipzig über „Die Menschheit als geistige Einheit unter Berücksichtigung des Rassenproblems". Antisemitismus habe es schon in frühesten Zeiten gegeben. Das jüdische Volt habe bereits in Palästina eine Religion gehabt, die höher stand als die der anderen Völker« Man liebe nicht das, was sich absondere. So etwas rege zum Nachdenken an, und man denke nicht gerne nach. Ein groß Teil Antisemitismus beruhe auf geistiger Bequemlichkeit. Weder der religiöse Jude, noch die christliche Religion könne tolerant sein. In der Zeit der Kceuzzüge hätten sich die Gegensätze verschärft. Erst in der Renaissancezeit »wäre das religiöse Interesse abgeslant. Das logische Schema des Andcrs-Seins wäre geblieben. Später sei das alte Schema mit einem neuen Inhalt gefüllt worden, der nicht religiöser Natur war. Nach Auffassung des Redners ist der Rasscgedankc die verspätete Auswirkung des Darwinismus im engsten Sinne. Rassen bedeuten das Ergebnis gemeinsamer Abstammung. Haeckel habe der Stammesgeschichte den Namen Phylogenie gegeben. Wir wissen uur sehr wenig über die Phylogenie. Wir können den Stammbaum der Organismen nicht überschauen, wir wissen nichts darüber, wie die einzelnen Arten entstanden sind. Weder die Rassen der Hunde, noch die der Insekten, noch die der Menschen hätten wir als wesentlich anzusehen. Es gäbe sechs Rassen ersten Grades, die aber nirgends rein vorhanden seien. Germanen, Romanen, Semiten seien bereits Rassen zweiten Grades, aus denen sich die Rassen dritten Grades bildeten, die wir Völker nennen können. (Inden seien Rassen dritten Grades.) Aber auch die Rassen ersten Grades seien schon durch Ucbergänge verbunden. Alle Klassifizierungen seien Kunstprodukte, die Bewertungen willkürliche. In die nordische Rasse, deren Vorzüglichkeit die Antisemiten betonen, paßten z. B. die drei großen Deutschen: Goethe, Kant und Beethoven nicht hinein. Es sei unsinnig, von der Minderwertigkeit der Juden zu sprechen. Ans der Fülle der großen Juden sei nur Spinoza genannt, einer der größten Philosophen aller Zeiten, der einen ungeheuer großen Einfluß ausgeübt habe aus Deutsche wie Goethe, Schclting und Hegel. Die Juden tvirkcn zersetzend? Ernst .Haeckel und Karl Bogt seien zersetzend gewesen, ebenso auf moralischem Gebiet Strindbcrg und Ibsen, alles keine Juden. Die großen Gemeinschaften, die cs in der Welt gibt, seien nicht auf Gemeinsamkeit der Rasse, sondern der Religion begründet. Das lehren auch die Verhältnisse in Indien und China. China verdanke seine Einheit ausschließlich der Ethik des Kungsutsc. Im Mittelalter habe der Katholizismus die geistige Einheit in Europa dargestellt. Dagegen lebten wir heute wie in einem zoologischen Garten in verschiedenen Käsigen. Nur geistige Einheit könne verschiedene Russen zusammcnschlreßen. Wir seien alle Kinder eines Vaters, insofern wir geistige Wesen seien. Wodurch wird Wesen geschaffen? Das deutsche Wesen sei der Durchschnitt der Deutschen von heute. Es werde gebildet durch den Einfluß des Klimas und durch ein paar begnadete Menschen. Angeboren sei das Wesen nicht-. Es gäbe allerdings verschiedene seelische Typen, aber die passen nicht zusammen mit den Rassen, sondern mit den Nationen. Erblichkeit spiele keine Rolle, nur geistig sei die Wirkung. Das eigentlich Rassenhafte sei zufällig, nicht gottgewollt. Die Unterschiede im Wesen seien geworden, nicht geschaffen. Redner schloß mit den Worten: „Lassen Sie uns vereint sein durch die von Deutschen geschaffene Kultur! Lassen Sie uns den gemeinsamen deutschen Gedanken als gemeinsamen Boden nehmen!... Es ist möglich, daß sich die verschiedenen Konfessionen und Rassen in Deutschland vertragen, und darum wollen ioir alle daran Mitarbeiten. Seien Sie versichert, daß ich in diesem Sinne immer Ihr Mitarbeiter sein werde." Hannover. (Repräsentantenwahlen.) Für die turnusgemäß ausscheidenden Herren Fuerst (zweiter Vorsteher), Frankenberg (Vorstandsmitglied), Sternhcim, Dammann und Seligmann (Repräsentanten) sowie die verstorbenen Herren Repräsentanten Siegmund Katzmann und Dr. Erwin Friede sind die Neubeziv. Ersatzwahlen auf Sonntag, den 4. Dezember, festgesetzt. Köln. (Emil B l u m c n a u 70 I a h r c a l t.) Am 14. November begeht der langjährige Führer der Synagogengemeinde, der 1. Vorsitzende des Vorstandes, Herr Emil Blumenau, seinen 70. Geburtstag in bewundernswerter geistiger und körperlicher Frische. Herr Blumenau gehört zu den sehr selten anzuiressenden Persönlichkeiten, von denen man sagen kann, er hat nicht einen einzigen persönlichen Gegner, ja man geht nicht zu weit, wenn inan sagt, er habe nur Freunde und Verehrer. Emil Blumenau ist der Sohn des in der Lehrcrwelt bekannten Predigers Blumenau in Bielefeld. Ausgestattet mit einer abgeschlossenen humanistischen Bildung trat er hinaus in die Welt, begann sein Werdegang als Kaufmann. Er gründete in Köln mit Max Lobbenbcrg zusammen die Firma Lobbenberg & Blumenau, die sich schnell Achtung und Ansel)en in der Kölner Kaufmannswelt errang. So konnte cs nicht ausblcibcn, daß auch die Aufmerksamkeit der damals ausblühendcn Gemeinde sich ihm zuwandte, als cs galt, neue Vertreter in das Gcmcindcparlamcnt zu berufen. Er wurde in das Repräsentanteukollegium gewählt und später als Nachfolger von Ludwig Eliel zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung ernannt. Emil Blumenau ist durch seinen Gerechtigkeitssinn, durch seine unbeirrbare Objektivität, durch sein ausgleicheudes und versöhnliches Wesen der allseits verehrte Führer der Gemeinde geworden. Dem Lehrerstand hat er zu allen Zeiten seine ganz besondere Liebe zugcwandt und der Verein „Israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens" ehrte ihn für sein stets bewiesenes Interesse, daß er ihn zum Ehrenmitglied ernannte. Den Wohlfahrtseinrichtungcn gilt sein regstes Interesse. Er ist wie selten einer berufen, dort mitzuraten und mitzuhelfen, wo es gilt, Not zu lindern, das beweist die Tatsache, daß er in zahlreichen Wohlfahrtsinstitutioncn Sitz und Stimme hat. Möge dem Jubilar noch viele Jahre geistige nmd körperliche Frische beschieden sein, möge er noch viele Jahre segensreich in seiner Gemeinde wirken. AUFAUE FÄLLE HARTWIG-QUELLE Halb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. Ärztlich empfohlen bei Zucken- Nieren,-Maaea-Darm-und Stoffwechsel« Krankheiten DEUTSCHE MINERALQUELLEN ArG, JAG ER STR, 6 MERKUR«4664/4666 Ausserdem vorrätig in allen einschlägigen Geschäften u.a|len Verkaufsstellen d*M.PechA& *trl ria«