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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Auflösung zahlreicher jüdischer Gemeiudeu in Posen und Pomerellen Die Zeitungen bringen Mitteilungen aus den neuen polnischen Provinzen Posen und Pomerellen, aus denen hervorgeht, daß in diesen zwei Provinzen, seitdem sie von Deutschland abgetrennt worden sind- 127 jüdische Gemeinden infolge Abwanderung der Mitglieder der Auflösung verfielen. Der Posener Oberrabbiner Dr. Freimann «nd der Gemeindesekretär Jacobsohn bemühen sich, die Denkmäler der «ntergegangenen Gemeinden zu konservieren. Für die verbliebenen vereinzelten Familien werden Wanderlehrer und Wanderschächter ange- Kellt. In der Posener Synagoge wird bei der Seclenandacht der Toten von 41 nicht mehr existierenden Gemeinden gedacht. (Jta.) Versammlungskalender ★ Lerlin-Norde«. Liberale Synagoge Norden (im Auerdachsche» Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 11. November, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salvmvufki. Sonnabend, de» 12. November, vormittags 10 Ahr, Gottesdienst. Liberale Synagoge Norden uud Bezirk Norden des Liberale» Vereins für die Augelegenheite« der jüdische« Gemeinde zu Verlia. 1. Eem«tirbeave«d. Zur Kautorenfrage Mit der Veröffentlichung der nachstehenden drei Zuschriften schließen wir die Erörterungen über die Frage „Kantor oder Konzertsänger?" ab. Wir hoffen, daß unsere Veröffentlichungen dazu beitragen, daß in Zukunft von den Gemeinden offene Stellen nur durch sachlich und fachlich durchgebildete Kantoren besetzt werden. Daß hierzu auch die Ausbildung der Stimme gehört, ist selbstverständlich und unbestritten. Die Red. I. In den Nummern 39/40 dieses Blattes beschäftigte sich Herr Oberkantor Zivi mit einem von mir verfaßten Aufsatz, der in der Nr. 34 des „Israelitischen Familiendlatt"-Hamburg veröffentlicht wurde. In diesem Aussatz hatte ich mich bemüht, den Beweis zu erbringen, daß der Kantor nur dann imstande ist, einen „weihe- und andachtsvollen Gottesdienst" zu gestalten, wenn er eine gründlich ausgebildete Stimme, genügend musikalische Bildung besitzt und „die hebräische Sprache sowie vie gesamte kantorale Liturgie beherrscht". Wörtlich hieß es weiter: „toi najim, die wohlklingende Stimme eines Kantors, sein kunstvolles Borbeten, sein Eindringen in den Text und seine Deutung der Worte, sie sind es, die der Andacht den hohen Schwung in das Ueberirdische verleihen." Auch nicht andeutungsweise ist in meinem Aufsatz die Hypothese aufgestellt, „Konzertsänger- Kantoren" zu engagieren, sondern „Künstler mit jüdisch heißem Herzen und Wissen, getragen von Liebe zu ihrem Beruf". Soweit Herr Zivi dieselbe Argumentation wie Herr Oberkantor Kornitzer varbringt, di« ich durch meinen Aufsatz im „Israelitischen Familienblatt" widerlegt zu haben glaube, hätte ich gar keine Veranlassung, mich mit dem Artikel des Herrn Zivi weiter zu beschäftigen. Wohl aber habe ich über einen anderen Punkt des letzteren Artikels Aufklärung zu bringen: Herr Zivi schreibt: „Das Primäre bei den Erfordernissen für den jüdischen Gottesdienst ist der „Dibbur b'schir", es ist diejenige Fähigkeit des Kantors, die nicht der Kunst des schönen Gesanges unterworfenen Gebetstücke sinngemäß und stilgerecht vorzutragen. Die großen Chasonim erkennt man darum weniger an dem Volumen ihrer künstlerisch ausgebildeten Stimmen, als vielmehr daran, daß sie imstande sind, im „Sage n" den Kontakt mit der betenden Gemeinde herzustellen." Zu meinem Bedauern muß ich feststellen, daß sowohl das „Dibbur b'schir" wie das aus dem Osten stammende weltbekannte Wort „Sagen" eine geradezu entstellende Auslegung durch Herrn Zivi erfahren haben. „Schir" kann nur eindeutig mit „Gesang" übersetzt werden. Da aber die Synagoge nicht der Ort ist, wo jeder Dilettant seine Kunst der Gemeinde zeigen kann, sondern vielmehr die Gemeinde einen „Schiluach Zibbur" beruft, einen Gesandten der Gemeinde, der „von bevorzugter Stelle aus die Gebete vorzutragen hat", ist es selbstverständlich, daß dieser „schiluach Zibbur" mit allen dazu erforderlichen Begabungen ausgestattet sein muß, um den „Dibbur b'schir" mit Wärme und Nachdruck auszudeuten. Schon im „Bejs hamildosch" dürsten nur die „l'urijim b'schirom uw'simrom" durch ihren künstlerischen Gesang von bevorzugter Stelle aus die Gebete vortragen. Beim Wort „Dibbur b'schir" hat man sich bereits auf «in künstlerisches Niveau festgelegt. Soweit also Herr Zivi in seinem Satz „die nicht der Kunst des schönen Gesanges unterworfenen Gebete" im allgemeinen den ganzen Gottesdienst gemeint hat, hat er sich durch die Worte „Dibbur b'schir" selbst widerlegt. Sollte aber Herr Zivi sich noch eine offene Tür gelassen haben, um seine bescheidenen Ansprüche nur auf „G e b e t ft ü ck e, die nicht der Kunst des schönen Gesanges unterworfen sind", zu beschränken, so würde das Kuriosum eintreten, daß zwei Kantoren während des Gottesdienstes dauernd abwechseln, der eine für die Gebetstücke, die der Kunst des schönen Gesanges unterworfen sind, und der andere für solche Gebetstücke, die das nicht sind. Und nun zum geflügelten Wort „Sagen". Wir haben in Deutschland einen geregelten Gottesdienst. Kantoren und Chordirigenteu machen keine Seitensprünge, alles, auch die kleinsten Gebete, werden nach sestgelegten Kompositionen gesungen. Die großen Chasonim aber früherer Zeit, die doch Herr Zivi wohl auch gemeint hat und die es im Osten heute noch gibt, sind Improvisatoren ersten Ranges mit unerhört schönen Stimmen und großem jüdischen Wissen. Diese Chasonim haben mit Ausnahme der Kompositionen, die dom Chor gesungen wurden, ihre Gebete improvisiert und diese Improvisationen wurden im Osten „Sagen" genannt. Bei diesen Kantoren, die im Sagen Meister waren, hat man die größten Ansprüche an das stimmliche Material gestellt. Denn damals wie heute ist dies eine selbstverständliche Forderung, denn was nützte das beste Wissen um die hebräische Sprache und um die richtige Deutung allein, wenn das stimmliche Nichtkönnen des Sägers jede mögliche Wirkung, noch mehr für den Geschmack unserer Zeit, von vornherein ausschließt. Und man bedenke: Während der Säger eine künstlerische Stimme nie erlernen kann, kann doch der Sänger das Sagen sehr wohl erlernen, wenn man die Anforderungen, die ich stets als notwendig betont habe, nämlich die Beherrschung der hebräischen Sprache und der gesamten kantoralen Liturgie, an ihn stellt. Ich resümiere, daß sowohl der „Dibbur b'schir" wie das „Sagen" ohne ausgezeichnete stimmliche Mittel, gediegene musikalische Bildung, vollkommene Beherrschung der hebräischen Sprache und der gesamten kantoralen Liturgie ein Ding der Unmöglichkeit sind. Wenn alle diese Forderungen von einem Kantor in meinem Sinne erfüllt werden sollen, dann werden diese Kantoren die ganze Woche reichlich mit sich zu tun haben, um für dieses verantwortungsvolle Amt zu jedem Gottesdienst vorbereitet zu sein. Und schließlich werden die Kantoren (ebenso wie die Rabbiner) nicht nach Quantum, sondern mach Qualität bezahlt. Zur Illustrierung meines Gedankenganges sei folgende wahre Begebenheit erzählt: Als der Senior der russischen Cha'onim, der Meister der Improvisation und der Schöpfer des Chorgesangs, unter dem Namen Nissi Belsec bekannt, in seinen alten Tagen seinen regelmäßigen Besuch dem Talnauer Wunderrabbi, seinem Rabbi, abstattete, klagte er über sein schlechtes finanzielles Auskommen. Auf eine Frage des Rabbi, wie hoch denn sein Gehalt wäre, antwortete er: 5000 Rubel im Jahre (für damalige Zeit eine unerhörte Summe), die aber fast vollständig für den Chor verbraucht werden. Da gab ihm sein eigener Rabbi diese Antwort: „Wenn man 5000 Rubel dein Chor bezahlt, dann gibt man auch schon noch 1000 Rubel dazu und nimmt sich auch «inen guten Chassen." Man mag sich also „drehen und wenden wie man will, man wird nicht daran vorbeikommen", daß eine Verkoppelung der beiden Berufe „Kantor" und „Lehrer" die Synagogenslucht nur fördert, weil eben „diese beiden Berufe grundverschiedene Voraussetzungen haben." Leo Kopf, Chordirigent der Berliner Jüdischen Gemeinde. II. Ich danke zunächst der Schriftleitung der Jüdisch-liberalen Zeitung für das Verständnis, das sie uns Kantoren durch Bereitstellung von Raum in dem Kampfe entgegenbringt, den wir gegen „das konzertierende Banausentum" im jüdischen Gottesdienst zu führen haben. Man könnt« säst meinen, daß die Wortführer jener exotischen Richtung in Wirklichkeit glauben, die Gemeinden seien ihretwegen da, um die von ihnen für den Gottesdienst importierten gesanglichen Akrobaten- Dienstag, dev 15. November, 7.45 Uhr pünktlich, Schönhauser Allee 162 pt. Grsönge: Herr Oberkavtor Wilhelm Friedman». Bortrag: Herr Radd. Dr. Löwenstamm-Spaodau: War gibt und empfängt der moderne Mensch im Gottesdienst. Bericht Über die hochbedeutsame Franlsurler Tagung der Liberalen Bereinigung für Deutschland und Aussprache. Ernste und heitere Rezitationen: Herr Paul Fallenberg. Wir würden uns freuen, alle unsere Freunde und Angehörigen an diesem Abend, mit dem wir unsere Winterarbeit einleiten, vollzählig zu begrüßen. Der Vorstand. H. Falkrndrrg, Vorsitzender. Breslau. Jli „Abraham Geiger". Vorsitzender: Rabb. Dr. Halpersohu, Breslau 13, Mvritzstrahe 5V. Montag, de« 14. November, abends 8.15 Uhr, im Beremslokal Loge „Gerhart Haupttnann", Schweidnitzer Stadtgraben S, Borttag des Herrn Dr. Loewisohu-Breslan: „Seeleuwanderung". Freitag» den 18. November, abends 8.15 Uhr, bei Herr« Erich Kölligsberger, Kaiser Wilhelmstraßr 27: Gemeinsame Freitag-Abend- Feier. Ansprache: Herr Rabbiner Dr. Halpersohn. Gesang: Herr Kantor Wartenberger. Wir bitten um rege Beteiligung und um Einführung von Gäste«. Dortmund. Ju unserer Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum spricht am 28. ds. Mts. Herr Prof. Dr. I. Elbogen-Berliu über: „Was ist liberales Judentum?" Llegultz. Am 16. November, 26.36 Uhr: Freitagabendfeier in de« Räumen der Silefia-Loge. An diesem Abend wird Herr Ludwig Lewin-BerU» über „Gabriel Riester" sprechen. Gäste willkommen. künste zu bewundern, während es in der Tat doch wohl so ist, daß der „Scholiach zibbur" in vornehmer — selbstverständlich auch in künstlerischer — Einfachheit und Schlichtheit seines hohen Amtes als Vertreter seiner Gemeinde zu walten hat. Das traurige Kapitel von der bevorzugten Wertung des stimmlichen Krösus am Borbeterpult scheint aber immer noch nicht zu verstummen, denn immer noch gibt es Wortführer derer, die uns eine Sorte von Kantoren bescheren wollen, für die wir nun einmal allen Ernstes keinerlei Verständnis haben. Wir, die wir, um es auf eine Formel zu bringen, den sachlich und sachlich d u r chg eb i l d e te n Kantor verlangen, wir können es nicht dulden, daß jeder x-beliebige, dem Mutter Natur zufällig eine schöne Stimme mit auf den Lebensweg gegeben hat, in Ermanglung von einem Bühnenbezw. Konzertpodium hingeht und sich als „Kantor" niederläßt. Wir können es für die Folge nicht dulden, daß die Amtsbezeichnung „Kantor" vogelfrei in der Luft umhcrschwirrt, und wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um sie vor Mißbrauch zu schützen. Der erste Schritt nach dieser Richtung hin ist getan durch die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden aus Veranlassung vom Allgemeinen Deutschen Kantorenverband ins Leben gerufene „Prüfungs-Kommission für Kantoren". Und wenn dann diese und jene Gemeinde es immer noch vorzieht, ihr Gotteshaus zu einem Konzertsaal zu machen, in dem sie sich amüsiert, anstatt sich zu erbauen, nun dann mögen jene Pseudo-Kantoren sich freuen, daß es immer noch Gameinden gibt, deren verantwortliche Leiter mit Scheuklappen in der Welt umhergehen, weil sie nicht wissen, daß auch im Gottesdienst vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist. Ern groß Teil der Schuld tragen aber auch jene Chordirigentcn, die da von sich glauben, so «ine Art verbesserter Auflage von Lewandowski zu sein. Mit Verlaub, Lewandowski war eine überragende, eine säkulare Persönlichkeit, der man, wie vielleicht einem Bismarck, im gegebenen Moment nicht immer Herr werden konnte. Seine Fehler sind hinreichend bekannt; man hat sie nicht vergessen, aber man hat sie ihm verziehen, eben weil er „Lewandowski" war. Der Berliner Gemeinde liegt sein System heule noch im Magen. Davon aber ganz abgesehen, ist und bleibt es dabei: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Aber auch Lewandowski wußte ganz genau, was dem Kantor vonnöten ist, sonst wäre er umsonst am Seminar Musik- und Kantoratslehrer gewesen. Und er hat ganz bedeutende Schüler als gebildete Kantoren in die Welt hinausgeschrckt; von den Lebenden denke ich im Augenblick an .Aron Fricdmann, Berlin, und an Emanuel Kirschncr, München. Was es aber heißen sott, wenn der Berliner Chordirigent, Herr Leo Kopf, mit seiner fanatischen Beharrlichkeit dem Sänger, und nur dem Sänger als dem künstlerisch befähigten Solisten das Wort redet, das vermag ich ebensowenig zu verstehen, wie ich für die mir von ihm zuteil gewordene Belehrung über das Wesen des „Dibbur b'schir" kein Verständnis habe. Es müßte denn sein, daß Herr Kopf in einer Variante der Anschauung im Kantor den Solisten erblickt, den er im Rahmen seiner chorijchen „Kunstleistung" nötig zu haben glaubt. Obcrkantor Hermann Zivi. Elberfeld, * Zur Eröffnung der Vorbereitungsaustatt für jüdisch: Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin am 24. Oktober 1927. An der Stelle, wo vor 60 Jahren Aron Horwitz eine „Jüdische Lehrerbildungs-Anstalt" errichtet hatte, wurde am 24. Oktober 1927 vom Rate des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden eine Vorbereitungsanstalt für jüdische Lehrer und Lehrerinnen neu eröffnet. In dieser Anstalt sollen, wie aus den Eröffnungsreden zu entnehmen war, junge Leute und Mädchen außer mit allgemeinem Wissen mit demjenigen Maße von hebräischen und religionswissenschaftlichen Kenntnissen ausgestattet werden, deren sie als einer Grundlage für ihren künftigen Beruf als Volksschul- und Religionslehrer bedürfen. Aber auch die Ausbildung des künftigen Kantors soll hier schon Berücksichtigung finden, und zwar in höherem Grade als das im alten Seminar der Fall war, wenn auch die eigentliche Berufsbildung von dieser Anstalt nicht übernommen werden soll. Nicht allein ans Stimmbildung wird Gewicht gelegt werden, sondern auch aus das ganze gottesdienstliche Gebiet, literarisch wie musikalisch. Deshalb sei mir als Fachmann einige Wünsche auszusprechen gestattet. Dieser Ztoeig des Unterrichts muß vornehmlich in den Händen eines Kantors liegen. Trotz meiner hohen Verehrung und tiefsten Dankbarkeit -- als ehemaliger Seminarzögling — für den unsterblichen Meister L. Lewandowski, muß ich sagen, daß er beim Unterricht im Seminar den Chasan nicht ersetzt hat. Vom Schaobos-Mincha, vom Leinen an Schabbos und Rosch haschono, Echo, Kinos, Jom Kippur Koton, Sesira-Janzeros, Selichoth und Hauschanoth hat man im Lewandowskischen Unterricht nichts gehört. Der Nachsolger von Dr. Horwitz, Herr Direktor Dr. Holzmann, hat die praktische Ausbildung des B-irbeters insofern mehr berücksichtigt, als er alle 4 Wochen einen Sabbatgottesdienst von den Seminaristen abhalten ließ, bei dem sie leinen mußten, während unter Horwitz nur nach dem Religionsexamen ein Gottesdienst im Seminar stittsand. Der Nachsolger von Herrn Direktor Dr. Holzmann, Herr Studiendirektor Dr. Gutmann, der jetzt auch mit der Leitung der neuerösfneten Borbereitungsanstalt betraut wurde, hat «ach dem Tode von Professor William Wolfs den Unterricht im Kantorat einem Kantor übertragen. So ist vis schdnsten Schuh« Pie billigsten Preis« Pie grösste Auswahl 1! : 1 v»^ * zu hoffen und zu wünschen, daß in der neuen Anstalt dieser Weg weiter beschritten werden wird. Es beginnt also mit der Eröffnung der Vorbereitungsanstalt für den Religionslehrer, sowie für den Kantor im gleichen Maße «ine neue Aera. Der angehende Borbeter wird in dieser Anstalt noch mehr als früher Gelegenheit haben, sich für sein Fach reiche Kenntnisse zu erwerben. Und wie man jetzt auf die aus dem Lehrer-Seminar hervorgegangenen Kantoren hmweist, so wird man hoffentlich später «mmal aus die Kantoren Hinweisen, die ihre Bildung in der neuen Anstalt empfangen haben. Allerdings müssen die Schüler, die die Fähigkeiten für das Kantorfach besitzen, ernstes Streben zeigen. Die religronswissenschaftliche Ausbildung, die sie hier genießen, wird ihren Charakter festigen und in ihnen das Verlangen wecken, auch das Kantorfach musikwissenschaftlich zu studieren. Ein so vorgebildetey Kantor wird sich bei seiner Gemeinde der ihm gebührenden Achtung erfreuen. Z'lach r'chaw al d'war emeth. Aron Friedmann. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B.) Am 6. November fand der erste Gesellschastsabend des Liberalen Vereins statt. Der Abend wurde mit künstlerischen Borträgen unter Leitung von Herrn Harry Hauptmann eröffnet. Zahlreiches Publikum aus Berlin und den Vororten lauschte den Darbietungen teils heiteren, teils ernsten Inhalts. Nach einer Ansprache von Herrn Moritz Rosenthal trat der Tanz in seine Rechte, der die Teilnehmer bis in die frühen Morgenstunden zusammen hielt. Die durch die Gebesreudigkeit unserer Freunde reich ausgestattete Tombola trug zu der Ausgestaltung des Festes bei. Außer dem Vorstand des Liberalen Vereins und der Vereinigung für das liberale Judentum waren die liberalen Mitglieder des Ge-- meindevorstandes und die liberale Fraktion der Repräsentanten-Bersammlung fast vollzählig erschienen. Man sah ferner alle führenden Köpfe der liberalen Bewegung. Nicht nur die zahlreich erschienene Jugend, sondern auch die älteren Herrschaften äußerten allgemein den Wunsch, die durchaus wohlgelungene Veranstaltung recht bald zu wiederholen. Dortmund. (Ortsgruppe der Bereinigung für daliberale Judentum.) Am Montag, den 7. November, sprach Herr Lehrer Nußbaum über „Israel am Scheidewege". Der Redner verstand es in 11/4 ständigem Vorträge vor einer lauschenden zahlreichen Menge die Kernsragen des religiösen Liberalismus klar zu legen und zu einer wertvollen Aussprache, die erst um die Mitternachtsstunde ihr Ende erreichte, anzuregen. Er erntete allseitige» Dank. Frankfurt a. M. (Freisinniger Verein für jüdische- Gemeinde leben c. V.) Im Anschluß an die glänzend verlaufene Generalversammlung der Bereinigung für das liberale Judentum veranstaltete am Sonntag, den 23. Oktober, der Freisinnige Verein eine öffentliche Kundgebung in der Frankfurt-Loge, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Sanitätsrat Dr. Ettlinger begrüßte die zahlreich Erschienenen und führte aus, daß, obwohl der Strom der Beredsamkeit heute reichlich geflossen sei, man es trotzdem wage, zu so später Stunde nochmals einen Leckerbissen der gewaltigen Versammlung z» bieten. Es sei sicher, daß die folgenden Reden kein Wagnis, sondern den würdigen Abschluß der großartig verlaufenen Tagung bilden würden. Dann ergriff Rabbiner Dr. Wilde (Magdeburg), mit Beifall begrüßt, das Wort: Im Himmel herrschte eines Tages große Freude, als es hieß, daß Gott jedermann erlauben werde, auf Erden zu gehen, um zu sehen, was aus den Nachfolgern, den Kindern der Verstorbenen, geworden wäre. Zuerst ging Abraham hinunter und er sah ein Gotteshaus, das ihm fremd schien und darinnen schaute er Männer, die eine Thorarolle aushoben, und er fragte einen, was d-as solle. Der Nachbar meinte, ein so alter Herr täte doch besser daran, nicht so modern zu tun, aber wenn er sich schon so stelle« dann wolle er es ihm sagen, man lese die Geschichte Abrahams. Abraham freut« sich, daß man seiner gedachte und das Herz wurde ihm warm. Als der Gottesdienst vorbei war, ging Abraham in eiu Restaurant und er verlangte, wie er cs gewohnt war, ein Stück gebratenen Fleisches und einen Becher Milch dazu- Aber der Manu im jüdischen Restaurant schrie ihn an, und sagte, er solle seine Späße lassen uno wenn er schon liberal sei, dann solle er lieber wieder hinausgehen. Und Abraham erschrak, als er dieses Schimpfwort „Liberal" hörte. Nachdenkend über den Wandel der Zeiten kehrte er in die ewige Seligkeit zurück. Nach Abraham bat Moses um die Erlaubnis zum Pessach- Feste auf Erde« zu gehen. Als Moses auch in die Synagoge wollte, da zog er zuerst seine Schuhe aus, aber mürrischen Tones verbot ihm ein Synagogendiener das. Und als er daun schließlich doch in das Gotteshaus kam, da sah er ein« seltsame Feier, man las aus einem Buch, das er nicht kannte, seltsame Gebräuche pflegte man, und auch MoseS kehrt« so nachdenklich in den Himmel zurück. Der weise König Ealomon suchte sich das Laubhilttenfest aus. Als nun er in die Synagoge kam, da fragte er, was heute r^r :: * , »♦»♦»■»»»♦» ♦»»♦»♦♦»♦»»♦»♦♦♦ »»♦♦»♦♦♦♦+

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