Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gabriel Rießer und die jüdische Reformbeweguug fl, j Bon Dr. FritzFriedlLnder. * I Der Kampf der bürgerlich-demokratischen mit den feuda- U.i listisch-seigneuralen Mächten bildet den Inhalt der modernen *e Geschichte und eine Folgeerscheinung dieses Kampfes ist die rur. Emanzipation des modernen Judentums. Die Emanzipation «in des Bürgertums von der Welt der feudalen Stände erstreckte Di. sich, je mehr die Freiheitsidee Raum gewann, auch auf SP, jene nomadisierenden Elemente, die sich den bürgerlich-seßhaften Schichten allmählich eingliederten: die jüdischen Enffti Haben. Die staatsrechtliche Befreiung verlangte aber wechselst» weis eine Angleichung des historischen Judentums, wie es fei als Religion und Lebensform feststand, an die Erfordernisse w, und Ansprüche der modernen Welt, die von der Aufklärung de des 18. Jahrhunderts bestimmt waren: und diese innere f* Emanzipation vollzog sich in der jüdischen Reformbewegung. Der entscheidende Anstoß erfolgte bekanntlich von Deutsche land her; und sind wir bei den fluktuierenden Erscheinungen * der Geschichte nur selten in der Lage, eine Quelle ursprüng- ' lich zu ermitteln, so trifft es hier zu: es war Moses Mendels- | sohns Bibelübersetzung, jene noch keineswegs genug gewürr digte Verdeutschung des Pentateuchs und der Psalmen, an , die der bedeutsame Borgang anknüpft. Indem die Juden durch diese tiefeingreifende erzieherische Tat von dem Zwange der jüdisch-polnischen Mischsprache erlöst und dem Gebrauch der neuhochdeutschen Schriftsprache, die damals ihren jahrhundertelangen Entwicklungsprozeß durchlaufen hatte, befähigt wurden, siel die gewichtigste, sie und die christliche Umwelt trmnende Schranke, nun konnten sie, nicht zuletzt als Vertreter freihändlerischer Prinzipien, an der Ausbreitung und Befestigung des bürgerlich-liberalen Geistes teilnehmen und ihre Gleichsiellungstendenzen der Tendenz des sich entwickelnden Verfassungsstaats anheimgeben. Die Gemeinsamkeit der Sprache bildete somit die unerläßliche Voraussetzung der jüdischen Reform; hierdurch war aber die Vorherrschaft der hebrärschen Sprache durchbrochen, der Nimbus der „heiligen Sprache" und mit ihr das Medium des jüdischen Gottesdienstes bedroht, so war es nicht verwunderlich, daß die Wortführer der dogmatischen Orthodoxie sich mit ungewöhnlicher Heftigkeit gegen „Moses Dessaus deutschen Pentateuch" wandten und das gefährliche Buch auf den Index setzten. Eins der Häupter des gesetzestreuen Rabbinismus, die sich in aller Schärfe gegen Mendelssohns bahnbrechende Leistung erklärten, war der Rabbiner zu Altona, Raphael Cohen, ein talmudischer Schriftgelehrter, der mit imponierender Energie noch einmal den geistigen Besitz einer untergehenden Epoche in sich vereinigte; aber wie wenig jene zähe rabbinische Reaktion eine Erneuerungsbewegung, die aus dem unhaltbaren Ghettomilieu hinaus zu einem gleichberechtigten Staatsbürgertum strebte, aufhalten konnte, zeigt die Entwicklung, die sich in der nächsten Umgebung jenes Mannes vollzog. Sein Eidam Lazarus Jakob Rießer, der Vater des Vorkämpfers der Judenemanzipation, stand zwar völlig unter dem dominierenden Einfluß des selbstherrlichen Gottesgelehrten, jedoch der praktisch tätige Mann hatte in der harten Schule des Lebens Erfahrungen gesammelt, die ihm eine Anpassung des Judentums an die moderne Weltmoral unumgänglich erscheinen ließen. Gewiß teilte er diese Erkenntnis mit seiner Generation, die vor die Wahl einer ghettomäßigen Existenz und einer seelischen sowie sozialen Reform gestellt, sich unschwer für die letztere entschieden hatte; darum ließ er seinem 1806 geborenen Sohne Gabriel eine weltliche Erziehung zuteil werden, ja als in Hamburg eine Schar freiheitlicher und modern gesinnter Männer zu einem Reformtempelverein zusammentrat und 1818 mit folgenschwerem Entschlüsse einen Tempel mit reformiertem Gottesdienst errichtete, da war es zur allgemeinen Ueberraschung der interessierten Kreise Lazarus Jakob Rießer, der sich ihnen offen und nachdrücklich anschloß. Inmitten dieser Problemlage ist Gabriel Rießer ausgewachsen. Bereits durch die Schicht einer Generation war er von der gesetzestreuen Opposition, die sich in der Gestalt seines Großvaters so leidenschaftlich verkörpert hatte, getrennt, während ihm in dem gesinnungsmäßigen Umschwung des eigenen Vaters die tiefeinschneidende Wandlung der jüdischen Situation ergreifend nahetrat; aber sein starker Verstand und Wille konnte sich nicht mit bereits getroffenen Entscheidungen und vorhandenen Lösungen begnügen, er drängte zur selbständigen Ansicht der Dinge. Dabei ist von vornherein zu beachten, daß in seiner Person nicht mehr wie bisher der jüdische Theologe, sondern der jüdische Politiker und ungünstige Profangelehrte an das strittige Problem herantritt; hierin zeigt sich u. a. die säkularisierende Tendenz der Zeit. In dieser Haltung war ihm ein Mann wie Israel Jacobson vorangegangen, der im Verfolg der Reformidee Mendelssohns für die Neuordnung des Schul- und Gottesdienstes und weiterhin für die deutsche Predigt eingetreten war; als ein Jünger seiner Ideen war Eduard Kley nach Hamburg gegangen und hatte hier die Gründung des Reformtempels angeregt. Die Gesinnung der Hamburger Reformer dokumentierte sich in der Schaffung eines Gebetbuches, in dem die deutsche Sprache vorherrschte, hierin sahen die strenggläubigen Kreise eine Gefährdung des legitimen Gottesdienstes und schritten daher ihrerseits zum Gegenangriff; wie sehr dieser Streit die jüdische Oeffentlichkeit Hamburgs erregte, geht aus gelegentlichen brieflichen Aeußerungen Heines hervor. Es ist nun bedeutsam, daß Gabriel Rießer die Streitfrage nicht bloß auf die rein jüdische Interessensphäre beschränkt, sondern unter realpolitisch-praktischem Gesichtswinkel erfaßt: im Mittelpunkte seiner Ueberlegungen steht das Verhältnis der Religion zu der Emanzipation, da die letztere eine Preisgabe des bisherigen jüdischen Lebenssystems notwendig macht, sind diejenigen Elemente des Kultus, die sich mit jener Neuorientierung nicht vertragen, gleichfalls preiszugeben, allein dies Opfer darf kein Jude bringen, falls dadurch die Herzader seiner Religion durchschnitten wird; da jedoch der ethisch-religiöse Kern der jüdischen Lehre sehr wohl von seinen talmudisch-kabbalistischen Schalen abgelöst werden kann, vermag keine noch so große Pietät vor traditionellen Gemütswerten die Forderung nach einer religiösen Reform zu bestreiten. Rießers erste Schrift „Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland" (1831) formulierte diesen Gedankengang folgendermaßen: „Wir glauben die mittelalterlichen Formen des Judentums in unwiederbringlichem Untergang begriffen: aber wir sehen nichts als die freieste Entwicklung der innersten Lebenskeime des Mosaismus.. was für uns an ihre Stelle treten könnte." Diese Anschauung wies ihn in jene Bahnen, die unter hervorragender Teilnahme seines Vaters geebnet worden waren: er trat der rasch anwachsenden Hamburger Reformpartei bei und betreute als Gemeindevorsteher lange Jahre hindurch ihren Neuen Israelitischen Tempel. Er war sich dabei stets bewußt, in der Angelegenheit der Reform nicht als theologischer Fachmann mitsprechen zu können, jedoch der Vorkämpfer der Emanzipation durfte das Recht in Anspruch nehmen, seine Ansicht öffentlich zu vertreten. Als daher im Jahre 1840 der einflußreiche Führer der strenggläubigen Partei, der Prediger Isaak Bernays, noch einmal das Gebetbuch der Tempelgemeinde zu ächten versuchte, da trat ihm Rießer entgegen. Bernays war ein in mancher Hinsicht ebenbürtiger Gegner; im übrigen war die Meinungsdisferenz, die zwischen beiden Parteien herrschte, keineswegs so beträchtlich, denn er setzte sich für einen Ausgleich der widerstrebenden Richtungen ein und kämpfte für eine Vertiefung der Reform, die er in der radikalen Reform der Neuerer vermißte. Weil nun deren Vorgehen seine eigenen Kreise störte, verlangte er kurzerhand das Verbot des Tempelgebetbuches; da war es Rießer, der als juristischer Berater der Gemeinde an den Senat eine Denkschrift richtete und dadurch jenes Verbot vereitelte. Der Hamburger Neue Israelitische Tempel behauptete sich in dem hartnäckigen Kampfe und blieb ein Markstein in der religionsgeschichtlichen Entwicklung des deutschen Judentums. Rießers moralisches Ansehen war durch seinen Schriftenkampf für die Emanzipation und nicht zuletzt durch seine Haltung in dem hamburgischen Tempelstreite schon damals derart groß, daß die darauffolgende mächtigste Strömung der jüdischen Reformbewegung ihn für sich zu gewinnen suchte. Es waren zum großen Teil liebe Freunde Rießers, von denen jene Strömung zu Frankfurt a. M. ausging, Mitstreiter der von ihm geleiteten Emanzipationsbestrebungen sowie Mitglieder derselben Frankfurter Freimaurerloge. Besonders ihr eigentlicher Führer Michael Creizenach war einer der ersten gewesen, die den Abwehrkampf Rießers wirksam unterstützt hatten; so durften die Frankfurter Reformfreunde, die sich 1812 zu einem Verein zusammentaten, auf seinen Beistand zählen. Sie entwarfen ein überaus «Ich sah den Ewigen..Gef. 6.) Von Rabbiner Dr. G o t t s ch a l k, Frankfurt a. M. Und eine Stunde kam . . . Und alle Glut und alles Sehnen, Aus Herzens-Gotteskrast entsprossen, Schier riesengroß in meiner Seele, Sie formten wunderbares Bild: Millionen Sterne geuchten aus, Wetteifernd mit der Sonne Glühn. Und war Natur jemals geboren. An Pracht, an Schönheit, Majestät, Im fernsten Weltenwinkel noch: Beeiste Gipfel, scheue Täler, Des Mee.es Rauschen, Baches Rieseln, Ein weltenwelter B.ütenteppich, Aus Pracht gewoben und aus Duft — Dehnt endlos vor dem Auge sich. Doch plötzlich wird das Bild belebt. Und Menscheuheere ziehn vorbei. Und Lächeln alles, alles Freude! Und ein Rus tönt aus aller Mund: „Wir sind die Güte, sind die Liebe, Der Friede sind wir, sind der Segen." Und Rosenkränze um ihr Haupt, Aus Dank geflochten und aus Freuen Und aus den Tränen aller Armen, Die aufgeblüht durch jenes Tun. — Doch weiter, weiter schritt der Zug: Das Kind, an Mutterbrust genährt. Die Liebenden, im Kuß beseligt, Die Gatten, glück- und treu-umschlungen, Der Greise Hand, die Enkel segnend. — Doch weiter, weiter sch ilt der Zug: Der Dichter Scharen und der Künstler, Der frommen Beter Demutsfinn, Der Denker, Fü sten nnd Propheten, Der Arbeit krastgestählte Fäuste, Der Staaten Lenker, wcisheitsvoll. Der Kinder Reihen, smeldurch sonnt. Und um sie alle Himmelssang, Der Himmelssang der Ewigkeit. Nur einer schritt nicht mit im Zug, Der Krieger nicht und nicht der Böse. Und zagem Staunen folgt ein Flüstern: „Sie sind nicht mehr.. In dieser Stunde sah ich Gott. Zur Aufführung des Christus-Films «König der Könige" Der amerikanische Filmregisseur Ce.il B. de Mille h-at schon vor Jahren oas alle Testament uns die Moses-Legende in dem Monstre-Film „Tie zehn Gebote" darzustelleu versucht. Jetzt bringt er das neue Testament und die Evangelien- Erzählungen unter dem Titel „König der Könige" auf die Leinwand. Tie Herstellung des Films hat ein Jahr gedauert und drei Millionen Dollars gekostet; mehrere tausend Abzüge sind gemacht worden und werden in allen fünf Erdteilen gezeigt. Jetzt findet er in Berlin ausverkauste Häuser. Phototechnisch — was Aufwand und Tr-cks anbetrifst — ist ex ganz ausgezeichnet! Ge'stig aber sind diese süßlicher: und opernhasten Illustrationen zu e^ner der folgenschwersten Zeitepochen — um mit Nietzsche zu reden — eine schmerzliche Scham und ein unfreiwilliger Spott. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Heer von vor allen: christlichen Gelehrten bemüht, ein historisches Bild von der Zeit, in der das Christentum entstand, zu zeichnen. Nach den Tendenzbüchern von Strauß und Renan folgten Standardwerke wie die von Schürer, Eouard Meyer, Trews, Wcllhausen u. a. — Viele Fragen werden für immer ungelöst bleiben! Sicher und gewiß aber ist es, daß jene Ereisnijsse sich sehr anders abgespielt haben, als sie sich in den Köpfen der Turchschnittspastoren und historisch eingestellten Schulcheologen ausmalen. Tie Photos jedoch sind nur Posen darstellende Bilderbogen der Art, „wie sich einfältige Gemüter die Weltgeschichte vorstellen". Natürlich fallt alles Licht auf die Gründer und Verfechter des Christentmus und die bösen Teufel sind wieder einmal die Juden, vor allem der Hohepriester Kaiphas und der Apostel Judas, die ausgerechnet noch dazu von den jüdischen Schauspielern. Schildkraut Vater und radikales Reformproaramm, indem sie im Bewußtsein einer progressiven Entwicklung der jüdischen Religion nickt nur den Talmud und die politisch-messianische Hoffnung, sondern auch die Speisegesetze und den Beschneidungsritus verwarfen; begreiflicherweise mißbilligten die Anhänger der gemäßigten Reform diese allzu weitgreisende Entscheidung, so daß die in der Minderzahl befindlichen Urheber des Entwurfs die beiden letzten Punkte fallen lassen mußten. Sie bemühten sich nun für die gemilderte Erklärung die Unterschrift Gabriel Rießers zu erhalten, um seine sittliche Autorität in den Dienst ihrer Bewegung zu stellen, jedoch überraschenderweise wurde dieselbe unter Geltendmachung von Gründen verweigert, über die ein Briefwechsel zwischen Rießer und M. A. Stern (abgedr. in Geigers Zeitschr. f. d. Gesch. d. Jud. in Deutschl. Bd. II) Auskunft gibt. Rießer motiviert seine Ablehnung folgendermaßen: Er hqlt sich nicht für kompetent, weil er als Politiker und nicht als Theologe an die Sache herantritt. Da die Orthodoxie geistig verengt ist, kann nur eine entschiedene Reform, die weder vor der Beschneidungsregel noch vor der kanonischen Geltung der Bibel haltmacht, in Betracht kommen. Die judenfeindliche Richtung hat zuerst unter der Maske der Aufklärung den deutschen Juden wegen ihrer religiösen und kulturellen Rückständigkeit das Recht auf Gleichstellung bestritten, nunmehr bekämpft sie im Bündnis mit der Orthodoxie aus angeblich staatserhaltendem Interesse die jüdische Emanzipation als eine Bestrebung des verhaßten destruktiven Liberalismus. Aus verächtlicher Angst vor dieser Gesinnungstyrannei des Staates haben die Frankfurter Reformer ihr durchgreifendes Programm fallen gelassen; bei dieser innerlich unfreien Rücksichtnahme auf die christliche Umwelt haben sie gar nicht bedacht, daß eine jüdische Radikalreform erst das Vorhandensein einer entsprechenden christlichen voraussetzt, allein die Mehrzahl jener Radikalreformer vertritt ihre Maßnahmen nicht aus selbstlosem Wahrheitstriebe und aus Liebe zum Judentume, sondern aus persönlicher Verärgerung und aus Verdruß am Judentume. In praktischer Hinsicht besteht für die Reformfreunde außerdem die Gefahr eines Zerwürfnisses mit der übrigen Frankfurter Gemeinde. Der Grundgedanke dieses ausführlichen Briefes vom 28. November 1842 ist klar: Rießer verabscheut sowohl die Lossage als auch die Beibehaltung von biblischen Vorschriften, sofern dieselbe aus bloßer Menschenfurcht und nicht aus reinen, d. h. zweckfreien moralischen Motiven erfolgt; im übrigen zeigt er doch nur mit dialektischer Gewandtheit die Verwickeltheit des Problems auf, ohne jedoch zu einer systematischen Lösung vorzustoßen, weshalb sein Adressat M. A. Stern in seinem Antwortschreiben berechtigte Gegengründe Vorbringen kann. Rießers Brief, so meint er, ist der Ausdruck einer tiefgreifenden Sinnesänderung, denn sein Schreiber ist durch seine Teilnahme an dem Hamburger Tempelvereine, den er merkwürdigerweise den einzigen religiösen Verein, an dem keine Schuld des Zwanges und des Unrechts hafte, nennt, in einen scharfen Gegensatz zu der Orthodoxie geraten. Wenn er ein geheimes Bündnis zwischen der Orthodoxie und den regierenden Mächten vermutet, so ist dies ebenso unrichtig wie seine Verurteilung des angeblick singulären Charakters der Reform, denn die ihm anschei nend unbekannte antichristlich-junghegelsche Schule benehn^ sich weit radikaler als die entsprechende jüdische Reform« Was aber das Verbundensein mit dem Judentume anbetrifft, so besteht es bei Rießer in dem Glauben an den reinen Monotheismus, bei ihm dagegen in einem reinen Pflichtgefühl der Pietät. Wir haben Rießers Verhältnis zur jüdischen Reformbewegung einfach dargestellt und verzichten für diesmal darauf, die Schlußfolgerungen zu ziehen. Er stand inmitten einer Bewegung, die mit Mendelssohn anhebt und auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Unbillig wäre es daher, von seinem Hellen und scharfen Instinkte jene tiefgründige Logik des Begriffs, durch die Hermann Cohens Religionsphilosophie sich des Problems bemächtigte, oder gar ein Produkt fortgeschrittener Entwicklungen wie Eugen Fuch's Idee der inneren Mission zu verlangen. Darum hätten wir keinen Grund, von diesem Manne zu reden, wenn nicht seine Erkenntnis, daß nur der ethisch reine Wille bei der Gestaltung der jüdischen Religiosität und Theologie den Ausschlag geben darf, auch in der religiösen Krisis der Gegenwart richtungweisend sein könnte. Sohn gespielt werden. Alle Juden erscheinen in diesem Film als zu jeder Gemeinheit fähige, schwarzhaarige Scheusäler und Satansbraten, als Karikaturen aus antisemitisch::: Hetzschriften; die anderen aber find blondhaarige, edelgesinnte und milde Lichtalben, die von d-en „Schwarzen" in fürchterlichster Weise mißhandelt und getötet werden. — Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! In Wirklichkeit hat schon vor Jahrtausenden, als in Amerika unkultivierte Indianer Büffel jaglen, und di: „alten Germanen" noch auf den Bärenhäuten lagen, Meth soffen und wie die Auerochsen brüllten, der ethische Vulkan „Judentum" sittliches Feuer über die Welt gespieen, und in der Zeit der Entstehung des Christentums hat gerade ein neuer Ausbruch dieses hoffentlich heute noch nicht erloschenen ethischen Vulkanes stattgesunden. Alle Apostel und erste Verkünder des Christentums waren Juden, sehr jüdische Juden, die nur uralte, sehr jüdische Sittlichk:it lebten und verbreiteten. Die Juden, schreibt der durchaus nicht philo semitische Kulturhiswriker Henne am Rhyn, waren das einzige Volk aus Erden, das seit den ältesten Zeiten niemals Folter und Grausamkeiten kannten und anwandten. Chinesen, Inder, Romanen und Germanen, kurz, alle anderen haben von jeher die entsetzlichsten, sadistischen Todesstrafe: gebraucht. Tie martervo le Todesart der Pfählung oder Kreuzigung war dem Judentum ganz und gar unbekannt; es war eine römische Todesart uu ist damals unter Ausschaltung der jüdischen Gerichtsbarke durch die Römer nach Palästina gekommen. Tie Ethik, die jene von einem ungeheuren sittlicher Pachos ergriffenen Jud-en — erst sehr viel später „Christen" genannt — damals so laut predigten, daß ihre Worte durch die Jahrtausende dröhnten, ist von „den anderen"" sehr mißverstanden, zum mindesten „in der Praxis" in ihr Gegenteil verkehrt worden. Tie Scheiterhaufen " haben „im Namen Christi"" lange genug geraucht, und die Folterkammern des Mittelalters, von christlichen Theologen mit Opfern besckitkt, haben furch eräche Schr.ie und Seufzer zu Tode Gequälter ausgefangen. Das Christentum ist nicht dazu da, daß es verfilmt wird, sondern daß seine Lehren wahchaft befolgt werden! Tann würde es auf Erden etwas anders aussehen! Dr. Ludwig Davidsohn, Berlin.