Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 44 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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wie in Deutschland das Deutschjubentum. Das ist dar Wunsch! wohk irdes literalen Juden. Mer in Deutschland ist der Zionismus -eine kulturelle Lebensform. Auch die deutschen Zionisten leben in der Kukturform des Deumhjudentums. „Sind umere natiorialjüdischen Bürger, die Nationalisten ckauvö« Mischer Observanz, die Zionisten der Ortsgruppe, die jüdischnationalen Akademiker, die wandernden Juaendbünde, hervorgerusen vom Wandervogel, die Literaten deutscher Zunge mit jüdischem Stoff, Tendenzen, Werten vielleicht weniger affirNlliert als die Assimilanten? Wir sind alle assimiliert, und wir alle wissen es/") Aus dieser Erkenntnis haben die Zionisten auch, längst die politischen Konsequenzen gezogen, und so erklärte auf dem letzten Verbandstag des preußrschen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Dr. Sandler: „Nie »var es den Zionisten eingefallen, nationale Minderheitssorderungen für Deutschland zu erheben". t. , Tatsächlich ist der Zionismus unseres Landes lediglich eine Bewegung, die sich! wie Liberalismus, und Orthodoxie die Ausgabe gestellt hat, den Bestand des Judentums inmitten der zeitlichen Lebensmöglichkeiten und dem Denken und Fühlen sicher zn stellen, die ebenso wie diese von der^Existenz des Teutschjudentums ihren Ausgang nimmt, sich jedoch von ihnen unterscheidet: Einmal, indem sie diesen Ausgangspunkt rtegativ wertet, sodann darin, daß ihr Begriff des Judentums 'Pud damit ihre Zielsetzung eine grundsätzlich andere ist. Das Ziel des Zionismus sind nicht die Grundwahrheiten und sittlichen Ideale der jüdischen Religion, sondern es ist die Rationalisierung, die Säkularieierung des Judentums. Well dieses Ziel ein anderes ist wie das des Liberalismus, deshalb kann der Zionismus chm im Gegensatz zum Deutschjudentum deine Menschen und keine Einrichtungen zur Verfügung stellen. Das Deutschjudentum muß seine Menschen zum Judenimst als Religion hin führen — sonst ist es kein Teutschjuhentum, sondern lediglich Deutschtum. Der Zionismus aber muß' seine Menschen dem Judentum als Religion entzieh en — um sie zu seinem Ziel, dem Judentum als Nation ^m nimmt er die Menschen und Einrichtungen und Formen, die den ewigen Wahrheiten und sittlichen Grund- . geboten der jüdischen Religion dienen sollen, um /ie in de-r Dienst jüdischen Volkstums, jüdischer Nationalität zu stellen. Er nimmt die religiöse Schnsucht nach dem Lande, jn dem Me Lehren des Judentums zuerst gelebt wurden, tzas Ziel oder, Heimat seiner ersten Verkünder war, und stellt sie in den Dienst seines völkischen Ideals. Er nimmt die ungestlllte religiöse Sehnsucht der Jugend, und stellt sie in den Dienst seines nationalen Ziels. Er sucht die Schulen, die Anstalten zn nehmen, die bestimmt sind, den jüdischen Menschen zur jüdischen Religion zn erziehen, um sie in den Dienst der Erziehung zu jüdischem Volkstum zu stellen. Er sucht die Gexnernden zu nehmen, die zur Erfüllung der religiösen Bedürfnisse geschaffen sind, um sie nationalen Ansprüchen dienstbar zu machen. So macht er das Volkstum, die Nation zum Gotte und führt das Volk zum Götzen der Staatsvergottung, zum Götzen des Nationalismus statt zu dem einigeinzigen Gott unserer Religion. Aus diesem Grunde zicht auch das vom Zionismus unabhängige gesetzestreue Judentum den Trennungsstrich. Es ist keineswegs nur die intransingente Richtung der Trennungsmthodoxre, die mit dieser Motivierung immer und immer roiedch irren ablehnenden Standpunkt aegenüber dem Zionismus verkürzet, solchem ebenso betont die in der jüdisch? konservativen Bereinigung verkörperte Einheitsgemeindeorthodoxie in der obenerwähnten Proarammrede: „Der Zionismus .acht in Gemeindebelangen vielfach mit uns und begegnet sich mit uns in den gleichen Bestrebungen, aber die Grundlage ist verschoben; es ch keine religiöse, sondern eine nationale Überlieferung, die im Zionismus lebt und sich auswirkt. Wessen der Zionist entraten kann an religiösem Tun und religiöser Ueberzengung, ohne aufzuhören, der Jude zu sein, ist ganz erheblich mehr, als was der Liberale abrogieren darf, ohne aufzuhören, ein Jude, ein guter Jude zu sein. (Bewes natürlich im Sinne des Zionisten bzw. des Liberalen.) Ein Einwand könnte echoben werden: Betrachtet etwa der Zionismus sein nationales Ziel als ein vorläufiges, dem er das letzte der jüdischen Religion überordnet? Erkennt vielleicht der Zionismus oder auch nur ein Tell in ihm das Prnnat der Religion an? Es gibt wohl eine Strömung innerhalb des Zionismus, die sich rn ihrer Weise darum bemüht — der Misrachi. Er kümmert sich um den Zionismus als Zustand, um das zionistische Palästina und bemüht sich darum, daß das Leben dort in gesetzestreuem Sinne geführt wird. Wann aber wäre eS dem Misrachi, der in Deutschland etwa «in Drittel aller . Zionisten repräsentiert, gelungen, einen Einfluß auf die ideologische Zielsetzung des Zionismus zu gewinnen? Wann wäre es ihm gelungen, bei dem Zionismus als Bewegung, bei den deutschen Zionisten das Primat der Lehren, der religiösen Mission des Judentums als Sinn, als Ziel etwa der natrorralen aufzurichten? Er hat nie etwas anderes erreicht als äußerliche Konzessionen, nichts, was über die Erklärung Herzls aus dem 1. Zionistenkongreß, daß er niemals etwas untrrnchmen würde, was die religiösen Gefühle der traditionell Gesetzestreuen verletzen würde, hinrusging. Er konnte quittieren, daß „die Leitung es für selbstverständlich hält, daß! die zionistische Organisation bei solchen Unternehmungen, bei denen religiöse Interessen berührt werden, den Anforderungen des religiös-traditionellen Judentums Rechnung trage." Das aber bedeutet, daß der Zionismus ein Primat der Religion nicht anerkennt, und daß der Misrachi sich damit abfindet. Abgesehen von Misrachi gibt es unter der gewiß nicht Keinen Zahl von Parteien innerhalb des Zionismus keine einzige, die eine religiöse Zielsetzung hätte, keine einzige, diä sich für die Forderung des Primats der Religion vor der Nation innerhalb des Zionismus einsetzt, die auch nur den Versuch dazu macht. Wohl sind Menschen in chm, die sich mit dem liberalen Judentum in den Punkten identifizieren, in denen es sich, vom orthodoxen Judentum unterscheidet, die die Herrschaft der Formen ablchnen, welche das religiöse Leben nicht mehr auszudrücken vermögen, und die zum Teil wenigstens dafür neue suchen, welche es zu erwecken, zu fördern, zu gestalten iöeife mögen. Diese Menschen kennenzülernen bietet eine Artikelserie Gelegenheit, die v^eichnenderweise den Titel führt: „Kulturpolitische Diskussion. Unser Bruch mit der Tradition"/) Vielleicht kann der religiöse Liberalismus, auch wenn er keine Kräfte aus dem Zionismus oder auch nur einer seiner Gruppen schöpfen kann, es aus diesen zionistischen Menschen? Es ist bezeichnend für die Zionisten dieser Einstellung, daß ihr Zionismus am wenigsten von allen Mllieu ist. In all chren Ausführungen ist die deutsche Verwurzelung deutlich spürbar, und sie selbst, in Zerrissenheit zwffchen deuffch- Mischer Herkunft und zionistischer Schnsucht, klammern sich au die Krücke des „Zweiheimatgedankens". Denn Sehn - su cht ist das letzte ihres Zionismus, nicht praktische Tat, nicht Aufbau eines nationalen Heims. Die Erfüllung ihres Palästinatraums soll die Lösung Hrer inneren Zerrissenheit bringen. Sie kann es niemals — dmn nie Lann der Berfolg eines materiellen Ziels irrationale Sehnsucht stillen; und sie empfinden 'es selbst, das ist ja die Ursache ihrer ganzen Diskussion. Sie fühlen die Dissonanz, die darin liegt, daß sie eine Materialisierung des Judentums letzten Endes ablchnen müssen, und doch von ihr die Erfüllung ihrer Schnsucht erwarten. Jn dieser Zerrissenheit klammern sich die einen umso krampfhafter an ihr Ziel, je mchr es ihnen zu entschwinden droht, und suchen sich mit der Illusion zu trösten, daß erst viel spatere Generatwnen sie Überwinden können, der sie selbst „in der Galuth" bis an ihr Lebensende nicht entrinnen. Tie anderen halten Umschau. Sie suchen den Weg des Liberalismus zu kreuzen und sich mit chm zu treffen. Zu ihrer Kompromißlösung der zwei Vaterländer kommt noch eine von zwei Judentümern, eines nationalen und eines religiösen. Glauben unsere jungen liberalen Rabbiner wirklich, daß ein Liberalismus auf einer derartig zerrissenen Grundlage beruhen kann? Glauben sie wirklich, hier Kräfte zu sehen, die es rechtfertigen, daß der Liberalismus, wie sie esj zu wollen scheinen und wie durch chren Einfluß es die letzte Resolution der liberalen Rabbiner zum Ausdruck brachte, auf die Forderung des Primats der Religion verzichtet, und damit sein Wesen selbst aufgibt? Der Gang dieser Untersuchungen ergibt eine andere Folgerung, der Wllle der großen Massen des liberalen Judentums, die dem Deutschjudentum entstammen, der Wllle insbesondere der religiös-liberalen Jugend fordert ein anderes Ziel. Er fordert Klarheit, er fordert Entscheidung. Soll auch heute noch das liberale Judentum das Wesen der jüdischen Religion in ihren ewigen Wahr>- heiten und sitllichen Grundgeboten erblicken, dann kann es auf die uneingeschränkte und unverwischbare Anerkennung des Primats der Religion im Judentum nicht verzichten. Sott es auch heute noch Aufgabe des Liberalismus^ sein, die überlieferte Religion mit Aem Denken und Fühlen und mit den Lebensmüglich keilen unserer Zeit auszugleichen, so bedeutet dies eine Bejahung, eine Anerkennung der einzigen Möglich? keü des Denkens und Fühlens und Lebens der deutschen Juden, des Teutschjudentums. Damit ist auch heute noch, wie seit der Zeit von Moses Mendelssohn das Deutschjudentum allein Voraussetzung des jüdischen Liberalismus in Deutschland. Auch heute noch weist allein das Teutschjudentum dem religiösere Liberalismus unseres Landes die Zukunft. Auch heute noch ist das Teutschjudentum das einzige, das ihm Kräfte, Einrichtungen und Menschen in unserem Lande geben kann, die rückhaltlos und ungebrochen für seine Ideale eintreten. Auch heute noch kann der Liberalismus nur dann seine hohe Mission erfüllen, wenn er jede innere Zerrissenheit ablchnt: die Theorie von zwei Vaterländern, die Theorie von zwei Weltanschauungen und die Theorie von zwei Judentümern. Um des Judentums willen können die liberalen Juden des heutigen Tages keinen anderen Weg gehen wie ihre Väter: den der Synthese von Deutschtum und Judentum. ]) Seligmann. Geschichte der jüdischen Reformbewegung. I. Kaufsmann, Verlag, Frankfurt a/M 1922 9. 87 n. f. -) Der Morgen, Jahrgang 2 Heft 5, Philo-Verlag, Berlin, 1926 3) Jüdisches Wochenblatt, Frankfurt a/M, 4. Jahrgang Nr. 14 vom 8. April 1927 <0 Arnold fZweig, Caliban oder Politik und Leidenschaft 1927, Gustav Kiepenheuer, Verlag Potsdam, @.Uö7 5) Jüdische Rundschau Berlin, Jahrgang 1927 Nr. 13, 14, 18, 23, 25, 38, 40, 45/46. Zainab’s Tat Novelle von Hedwig Ries. Zu einer Zeit großer Not in Israel — wann war Israel nicht in Not? — spielte sich ab, was ich hier niederschreibe. Dem Schoße der erhabenen Mutter, der Lehre Israels, waren zwei Kinder entsprossen: Das Christentum und der Islam. Undankbaren Kindern gleich, vergaßen sie nicht nur der Mutter, die ihnen ihr Blut, ihre Kraft, ihr Licht gab, sondern wandten sich gegen sie mit Haß und Wut, mit Feuer und Schwert. Mohammed, Allahs’ Prophet, getränkt und genährt vom Judentum, geführt und belehrt durch weise Männer Juda’s, ward zum glühendsten Verfolger der Juden Arabiens. Nicht ein Stamm, der unverschont blieb, nicht eine Stadt, die nicht im Blute ihrer Einwohner ertrank, nicht ein jüdischer Mund, der ihm nicht fluchte. Und so begab sich Zainab’s Tat. So ward ein jüdisch Weib zur Mörderin, um ihr Volk zu rächen. Im hell-dunkeln Gemach lagen auf schwellenden Kissen zwei Frauen, bleichen Antlitzes und tränenheißen Auges. In Mohammeds Harem lagen sie, die stolzen Frauen freier Männer Juda’s, als Beute heimgeschleppt von ihm, dem großen Propheten, dem gewaltigen Kriegsherrn, dem Manne, dessen Gier nach Frauenschönheit und Frauenliebe unersättlich war. Der Duft auserlesener Blumen füllte das Gemach, alle Früchte des Landes standen zum Genuß bereit, denn sie sollten genießen, die Schönen, und nichts entbehren, und sollten sein werden, wenn ihre Trauer vorbei und ihre Tränen versiegt sein würden. — Zainab stand auf, reckte ihre stattliche Gestalt und hob die Arme empor. „Laß ab vom Weinen, Safia. Er lebt, der Gott Israels! Uns liegt es ob, stark zu sein und nicht zu vergessen.“ „Zainab, was hilft es, stark zu sein? Er wird uns zur Liebe zwingen, wie er unsere Helden in den Tod zwang.“ „Safia, gelobe mir, daß Du ihm nie, nie Deinen Leib und Deine Seele gibst. Der Tod muß uns süßer sein als Liebesschmach.“ „Aber Mohammed ist unser Herr. Können wir ihm Widerstand leisten, wenn er mit Schmeichelei und süßer Betäubung naht, oder mit Gewalt und Kraft? Sieh meine weißen, matten Hände, meinen leichten Leib, klein wie eine Puppe? Und wenn meine tränenstarren Augen ihn voll Entsetzen anblicken werden, so werden sie seine Leidenschaft entflammen, und er wird mich nehmen. Oh Zainab! Du bist stolz und stark. Wo ist meine Hilfe?“ „Zag bist Du und würdelos! Hast Du vergessen* wie er Deinen Vater hinschlachten ließ auf dem Markt zu Medina? Daß sein edles Judenblut die Steine färbte? Hast Du die Todesschreie der Tausende vergessen, das Flehen der Weiber, das Hungergeschrei der Kinder, als er zu Nadhir, unserer Heimat, Blutbad hielt und uns vertrieb aus unsern friedlichen Wohnstätten? Hast Du vergessen, wie Harith, mein Bruder, fiel, der junge, süße Knabe? Und Marab, mein Bruder, der riesenstarke, der Held zu Chaibar? Und Sallam, mein Gatte, Freund meiner Seele und Erwecker meines Leibes? Und sie alle aus Judas Volk! Für mich ist die Zeit des Weinens und Klagens vorbei! Ich will rächen, rächen!“ Furchtbar stand sie im verdämmernden Tage, im stillen Raum. Ihre Stimme und ihr Blick waren nicht mehr eines Menschen Blick und Stimme: Wie Orkan in der Wüste klang die Stimme, wie Blitz in tiefdunkler Nacht zuckte ihr Augenstrahl. Erschrocken bis ins Tiefste ihrer Seele, sprang Saifa auf: „Was willst Du tun, Zainab? Ich zittre, ich fürchte mich!“ „Schweig, und laß mich!" „Du bist eine Tochter Judas. Im Zehnwort steht: Du sollst nicht morden!“ „Nahm er nicht die Herrlichkeit unserer Lehre, um sie zu verkünden unter seinen Gläubigen? Er nahm sie, und unser Volk zertritt er! Glaube ist stark, aber Haß ist stärker!“ „Haß ist nicht vom Gotte Israels, Zainab. Wir müssen uns ergeben.“ „Nicht ihm, nicht ihm, dem Würger Judas!“ Nieder warf sie sich mit einem Schrei, der ihre heiße Seele befreite. Leises Weinen klang vom Pfühl neben ihr, darauf die weiche, weiße Saifa zu Tode ermattet lag. Die Nacht brach herein. Tiefe Nacht! Und nachtgeboren war der Plan in Zainabs schmerzzermartertem Hirn. — Der Morgen dämmerte. Zainab erhob sich, rief die Dienerin und befahl, alles herbeizubringen, damit sie sich reinige, salbe und schmücke für den Herrn und Gebieter. „Spare nicht mit Wohlgerüchen und Gold und blitzenden Steinen. Schön will ich sein, schön wie der Tag, leuchtend wie die Sonne, daß sein Auge geblendet werde und er vor Lust taumele!“ Als alles nach ihrem Befehl geschehen war, ließ sie sich dem Gebieter melden. Mohammed sprang auf: „Zainab, die Stolze zuerst? Nicht Saifa, die Sanfte, Schmiegsame, die schon gestern wie Wachs schien in meiner kosenden Hand? Zainab, die Harte, die mich von sich stieß, als ich ihr nur tröstend, nicht begehrend nahte?“ Er glühte vor Erwartung und ging siegerstark, trohlockend der Eintretenden entgegen. „Sei gegrüßt, Du Schöne in Juda. Der Segen Allah’s über Dir! Zainab, die ich vor allen Schönen Judas und Arabiens erwählte. Was begehrst Du?“ „Ich begehre Deine Liebe, Mohammed. Sieger bist Du über unsere Helden, Sieger über das Blut der Männer. So sei auch Sieger über mein Blut!“ Berauscht, beseligt wollte er sie in seine Arme schließen. Sie aber wehrte ihm mit stolzer Geberde. „Nicht also, Herr! Wenn die Schleier des Abends sinken, dann werde ich Dein. Zuvor aber lasse meine Gemächer schmücken, und sei mit Deinen Freunden mein Gast zu erlesenem Mahle. So empfängt Judas Tochter ihren Herrn und Gebieter.“ Mohammed gewährte, was sie verlangte. Das Mahl ward gerüstet, die Gemächer geschmückt. Zainab, schön wie die Morgensonne tind stolz wie die Cedern des Libanon, speiste mit Mohäfhmed und seinen Freunden. Ein saftiger Braten wurde aufgetragen. Die Genossen des Mahles aßen davon. Mohammed, in den Anblick Zainabs versunken, hatte seinen Teller noch nicht berührt. Mit ermunterndem Blick und einladender Geberde bedeutete ihn Zainab zu essen. Er begann, sprang auf und spie den Bissen aus. Im gleichen Augenblick wurde einer der Freunde bleich, fiel von Krämpfen geschüttelt nieder und starb unter heftigen Schmerzen. Auch Mohammed litt Schmerzen. Wütender aber als diese tobten Grimm und Empörung in ihm. „Weib, was ist geschehen? Wer tat das?“ Die Diener wurden hereingerufen, der ganze Palast geriet in Aufruhr, Angst und Schrecken. Zainab stand aufrecht, bleich, gefaßt. „Weib, tritt zu mir. Wer tat das?“ „Das tat eine, die Dich haßt, mehr als die Sünde, mehr als Tod und Hölle! Das tat eine, die das Blut ihrer Stammesbrüder fließen sah, einen Strom von Blut, — eine, die Dir flucht, tausendmal flucht!“ „So also sieht die Liebe aus, die Du mir lockend verhießest. So der Sieg des Siegers über Dein Blut! Weib, weißt Du, was Du getan hast? Allah’s großen Propheten hast Du ermorden wollen!“ „Wohl weiß ich das. Mein Sinn gab mir ein: „Ist er ein Mensch wie wir, und nichts weiter als ein Mensch enmörder und Unterdrücker, so wird er sterben. Ist er aber wirklich ein Prophet des großen Gottes, dann wird dieser Gott ihn retten.“ „Gut gedacht, Tochter Judas. Gut gedacht. Allah hat mich gerettet. Ich lebe. Aber mein Freund ist tot!“ Triumph und Trauer kämpften in seinen Zügen. Ein langes Schweigen entstand. Dann stand er auf und sa^e blitzenden Auges: „Weißt Du, Zainab, was Deiner harrt?“ „Ich weiß es.“ „Weißt Du, was es heißt, in der Blüte zu sterben? Deine Schönheit wird zu Moder. Die Würmer der Erde werden Deinen stolzen Leib zernagen, und draußen leuchtet Sonne, Liebe, Genuß.“ Und plötzlich, von heißer Liebeswallung überwältigt, von ihrer edlen Würde und Schönheit berauscht, wollte er sie umfangen. Sie wich zurück, beide Hände zur Abwehr ausgestreckt. „Zainab, Allah hat mich beschützt. Ich lebe. Der Prophet will einem armen, irregeführten Weibe verzeihen. Alle Wunder und Würden der Erde sollen Dein sein. Wähle: meine Liebe oder den Tod!“ „Ich wähle den Tod.“ Und Zainab starb unter den Händen des Henkers.