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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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7. Jahrgang Nummer 44 ' 4 1 I! I i 1. Beilage 4. November 1927 Schwarzbark freigesprochen Im Prozeß gegen den MöÄer des Hetmans Petljura fällte das Gericht in der vorigen Woche das Urteil. Die Geschworenen verneinten die Schnldstage. Darauf sprach der Gerichtshof dm Angeklagten Schwarzbart frei. Der Rechtsbeistand der Familie Petljura, Wilm, behauptete in seinem Plaidoyer, daß Schwarzbart auf Befehl Moskaus gehandelt habe, und daß Petljura ein unschuldiges Opfer gewesen sei. Ter Held der Ukraine sei gemordet wordm, und nach seinem Tode versuche mjrn jetzt, das Andenken des edlen Märtyrers zu beschmutzen. Seit Monaten lassen — wie Wilm behauptet — die jüdischen Gemeindm Listen zirkulieren, um die Mittel für die Verteidigung Schwarzbarts und für eine jüdische Propaganda zusammenzubringen, — zum Verteidiger seiner Sache habe Israel den Mörder Schwarzbart gewählt! Nach diesem unglaublichen Satz versucht Wilm die Zeugen zu verdächtigen. Alle, die gegen Petljura ausgesagt hätten, seien Juden oder Russen. Auch wenn Me Ehrluhkeit nicht angezweifelt werden soll, werde doch zu erwägen sein, daß diese Zeugen in ihrer Auffassung nicht unparteiisch seien. Der Freispruch erfolgte nach einer glänzenden Verteidigungsrede des Rechtsanwalts Torres. Der Spruch! der Geschworenen war allerdings kaum noch zweifelhaft, nachdem selbst der Staatsanwalt die Möglichkeit einer nur prinzipiellen Verurteilung offen gelassen hatte. Der zweite Vertreter der Familie Petljura, Campinchi, verlangte die Verurteilung, weil Schwarzbart nach, seinem eigenen Geständnis ein Mörder sei. Tann sprach Torres. Er erinnerte daran, daß alle französischen Parteien von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken die Pogrome verurteilt hätten. Schwarzbart habe die furchtbaren Greuel dieser blutigen Judenverfolgungen durch seine Tat brandmarken wollen. Frankreich, das dm vom Fanatismus der Völker gehetzten Juden Asylrecht gegeben habe, könne diese Tat nicht verdammen. Nach kurzer Beratung der Geschworenen erfolgte der Freispruch. Das Publikum im Saal applaudierte. In unserer Zeitung vom 14. Oktober haben wir bereits ausführlich über den Prozeß und über die ihm zugrunde liegenden Pogrome in der Ukraine berichtet. Man muß es dem Comilee des .delegations juives danken, daß es den Prozeß, Schwarzbart zum Anlaß genommen hat, die furchtbarm Judenmetzeleien vor den Schranken des Gerichts aufzuzeigen und so an das Gewissen der Menschheit zu appellieren. Ter Wahrspruch der Geschworenen ist der Ausdruck des Empfindens, daß hier sterbliche Menschen nicht Richter sein können Er kann nicht den juristischen Sinn haben, daß Schwarzbart unschuldig sei. Das Bild, das der Prozeß bot, enthüllte einen der gräßlichsten Schandflecke des 20. Jahrhunderts. Sie werden aber, das sei auch nach! dem Urteil offen ausgesprochen, nicht beseitigt durch Tötung. Jeder politische Mord und also auch, die Tat Schwarzbarls ist nach! unserer Ueberzeugung ein Verbrechen. Nicht durch Gewalt wird der Vernunft und dem Recht zum Sieg verholsen, und nicht durch Revolverschüsse werden Menschen und ih>re Gesinnungen geändert. Wenn sich das Gewissen der Menschhiett nicht selbst regt und sich dazu aufrafst, Geschehnisse wie in der Ukraine für alle Zeitm unmöglich zu machen — Taten wie die Schwarzbatts werden es bestimmt nicht tun. Wir verstchen den Mann, der Pettjura erschießen zu müssen glaubte, aber wir billigen sein Verhalten nicht. Wir verstehen die Richter, die hier nicht urteilen zu dürfen glaubten. Aber gerade als Judm halten wir es für unsere Pflicht, zu sagm, daß wir Ueberbrückung der zahlreichen Gegensätze in der Menschheit der Gegenwatt durch Recht und nicht durch Macht herbeihoffen Schändung des Frankfurter jüdischen Friedhofs durch Schulkinder Wie wir schon früher mitteilten, wurde in dem Franksutter Borort Bockenheim auf dem jüdischen Friedhof eine große Reihe von Grabsteinen umgeworfen und der übrige Teil mtt Hakmkreuzen und Inschriften bemalt. Ter politischen Polizei ist es gelungen, die Täter festzustellen. Es handelt sich um eine ganze Reih« von noch schulpflichtigen Bolksschülern, Mittelschülern und Gymnasiasten, die teilweise noch sehr jugendlich und noch, nicht strasmündig, teilweise aber auch gewußt habm, was sie taten. Sie bestreiten die Schandtaten ans dem Friedhof nicht, betonen aber, daß sie aus eigener Initiative gehandelt und nicht irgendwelchen Anweisungen gefolgt wärm. (Jta.) Ein Erlaß gegen die Friedhofsschänder Da sich die Fälle gehäuft haben, in denen auf Friedhöfm Beschädigungen und Zerstörungen vorgekommen sind, hat der Preußische Innenminister Grzesinski die Polizei zu verschärftem Einschreiten veranlaßt. Sämtliche Fälle von Friedhossschändung müssen sofort der zuständigen Landeskriminalpolizei mitgeteilt werden. Falls sich aus dem Tatbestand kein hinreichender Anhalt für polizeiliche Nachforschungen ergibt, so ist unverzüglich durch eine öffentliche Bekanntmachung eine angemessene Belohnung für die Namhaftmachung der Täter auszusetzen. Resolution des R.j.F. gegen die Friedhofsschändungen Die Delegierten-Bersammlung des R.J.F. hat einstimmig die fönende Resolution gefaßt, die an die Reichsregierung, an die Regierungm der Länder und an die Kirchen- Lchöttlm geleitet werden soll: „Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldalm erhebt in seiner Bundeshauptversammlung in Breslau feierlichst und einmütig Protest gegen die Flut der ungeheuerlichen Verwüstungen auf jüdischm Friedhöfen und Grabschändungen, die das Anschen Deutschlands schädigen. Der R.J.F. steht erschüttert vor diesm Roheitsakten und und gibt seinem berechtigten Erstaunen darüber Ausdruck, daß diese Schandtaten von dm maßgebmdm Stellm in Deutschland nie in ausreichendem Maße gebrandmarkt wurden." Vom liberalen Kullusausschuß des Preußischen Landesverbandes Amtlich. Unter Vorsitz des Rabbiners Tr. Cäsar Seligmann-Franrfurt a. M. fand am Montag, den 31. Oktober 1927 eine Sitzung des liberalen Kultus-Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt, die in fast siebmstündiger ununterbrochener Verhandlung wichtige Fragen des Kultus, insbesondere die Schaffung eines liberalen Einheitsgebetbuches, zu erledigen hatte. Tr. Seligmann, der Hauptberichterstatter der Versammlung. behandelte zuerst Punkt 1 der Tagesordnung: Das Bikariatsjahr der von den Rabbinerseminaren zu entlassendm Rabbiner. Alle Anwesenden sprachen sich dafür aus, oaß es für die Ausbildung des Rabbiners unbedingt notwendig sei, vor dem Antritt oes Amtes unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen ein Jahr lang in das Amt eingeführt und zu Rabbinatshandlungen zugezogen zu werden. Man beschäftigte sich dann mit dem Antrag einer Landgemeinde, betreffend Uebertragung des Sabbath- Gottesdienstes durch Rundfunk, und gelangte nach! eingchenden Beratungen, an denm sich besonders die anwesendm Rabbiner beteiligten, zu dem Ergebnis, daß vom liberalm Standpunkt aus religionsgesetzliche Bedenken hinter der Tatsache zurückstehen müßten, daß der religiösen Sehnsucht auch nur eines einzigen Juden, der keine Gelegenheit hat, einm Gottesdienst zu hören, Rechnung getragen werden muß. Zu der Frage der Unterstützung einer zu schaffmdm jüdisch-theologischen Zeitschrift äußerten sich! mehrere Redner sehr ausführlich; die Bedürfnis frage wurd« bejaht, aber die Zuständigkeit des Landesverbandes in Frage gestellt. Zu dem Hauptpunkt der Tagesordnung legte nun der Vorsitzende den ersten Band des von ihm im Manuskript fertiggestellten Einheitsgebetbuches im hebräischen Text der Versammlung vor. Er wünschte die Ansicht des Ausschusses über mehrere wichtige Einzelpunkte zu hören, deren endgültige Festsetzung die bisherigen Bearbeiter in die Hände des Ausschusses legen wollen. Dazu gehört die Wiederherstellung der Zionsgebete, soweit sie messianische Deutung zulassen. Sehr eingehend wurden sodann die Frage der doppelten Tephilla während ein und desselben Gottesdienstes, die verschiedenen Kaddisch-Gebete, die Einfügung neuer Psalmen u. a. behandelt. Wegen der Dringlichkeit der Fertigstellung des Einheitsgebetbuches wurde einstimmig beschlossen, daß Tr. Seligmann mit der Uebersetzung betraut werde, die von einer Kommission von Sachverständigen überprüft werden soll. Aus diese Weise ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der erste Band des Gebetbuches bis zum Frühjahr nächsten Jahres vorliegen wird. Für die Vorbereitung und schleunige Inangriffnahme des Druckes soll ein zu diesem Zweck gewählter Unterausschuß mit Sachverständigen und Druckereien in Verbindung treten. Während der Fertigstellung des ersten Bandes soll gleichzeitig der zweite Band für die hohen Festtage in Angriff genommen werden. Oberkantor Zivi-Elberfeld als Berichterstatter für die m u - sikalische Ausgestaltung dies Gottesdienstes gab einen Ueberblick über die Vorbereitungen, die hier bereits getroffen worden sind. Er habe sich mit einigen hervorragenden Komponisten und Kantoren in Verbindung gesetzt. Er vertrat die auch von den übrigen Mitgliedern geteilte Ansicht, daß die Gemeinde in wett größerem Maße als bisher znm Gesang heranzuzichen und die tradttionellen Melodien der alten jüdischen Gesänge beizubehalten seien. Zum Schluß wurden noch zwei von Tr. Wachsner dem liberalen Unterrichtsausschuß unterbreüete Anträge, die das Gebetbuch betreffen, und darum dem liberalen Kultus-Ausschuß überwiesen worden waren, angenommen. Ratstagung des Preußischen Laudesverbaudes jüdischer Gemeinden Amtlich. Am 30. Oktober d. Js. fand unter dem Vorsitz des Kammergerichtsrats Wolfs eine Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Herr Tr. Jsmar Freund berichtete über die Gewährung und die Verteilung der Staatsbeihilfen für den Religionsunterricht und die Rabbinerstaatsbeihilsen im Jahre 1927. Er wies daraus hin, daß im vergangenen Jahre trotz eingehender Bemühungen von den im Staatshaushalt vorgeschenen Rabbinerstaatsbeihilfen nur ein Teilbetrag settens des Ministeriums ausgezahlt worden sei. Trotzdem der Minister selbst bei den christlichen Kirchen eine Höchftbesteuerung von 10 Prozent der Reichseinkommensteuer als wünsch enswett bezeichnet hat, gäbe es Rabbinergemeinden, die bis 60 Prozent des Reichseinkommensteuersolls erheben, ohne daß ihnen ein staatlicher Zuschuß zum Rabbinergehalt gewährt worden sei. Gegen diese ungerechte Verteilung sei nachdrücklichste Einspruch erhoben worden. Es werde mit allen Mitteln erstrebt, daß das Ministerium bei der diesjährigen Verteilung gerechtere Grundsätze anwendet. Ersten! ich er stehe es mtt den durch den Landesverband zu verteilenden Staatsbeihilfen für den Religionsunterricht. Hier sei von den im Staatshaushalt eingesetzten 400000 Rm. bereits ein Teilbetrag von 225000 Rm. am 1. Oktober dem Landesverband überwiesen worden. Aus Grund dieser Bewilligung werde nunmehr den seminaristisch gebildeten voll beschäftigten jüdischen Religionslehrern in Preußen eine Mindestbesoldung nach Gruppe 7 der Reichsbesoldungsordnung gesichert werden können. Tann berichtete Herr Dr. Jsmar Freund von seinen Bemühungen, die Befreiung von der Hanszinssteuer und Grundvermögenssteuer auch für die Dienstwohnungen der jüdischen hauptamtlichen Kultusbeamten zu erwirken und teilte mtt, daß ein entsprechender Erlaß des Preußischen Finanzministers wenigstens in bezug auf die Hauszinssteuer bereits ergangen sei. Danach erstattete der Redner Bericht über den Stand der Verhandlungen betr. Dienstfreiheit der jüdischen Reichsbeamten an den hohen Feiertagen. Auch bei der Schaffung eines Arbeitsschutzaesetzes bemühe sich der Landesverband um die gesetzliche Zulässigkeit der begrenzten Sonntagsarbeit bei jüdischen Organisationen. Sodann wurde eingehend die Schächt frage besprochen und der Beschluß des landwirtschaftlichen Ausschusses im preußischen Landtag gewürdigt. Um 11 Vs Uhr wurden die Verhandlungen unterbrochen, weck der Große Rat an der Trauerfeier tettnahn, die die Jüdische Gemeinde Berlin in dem gleichen Hause für den verstorbenen Justizrat Leo Lilienthal abh«lt. Sodann beschäftigte sich der Rat eingehend mit der in Berlin nm eröfsneten Borbereitungsanstalt für jßd i s ch e Lehrer und Lehrerinnen In der Erörterung kam zum Ausdruck, daß neben der kürzlich ins Leben gerufenen Anstalt später eine Tettung in liberale und konservative Lchrervorbildung ins Auge gefaßt werden würde. Es folgten sodann die Beratungen über die Angeleg enhett „Reichsverband der deutschen Juden". Man war allgemein der Ansicht, daß ein baldiges Zustandekommen der Reichsorganisation durchaus notwendig sei; unüberbrückbare Schwierigketten ständen nicht mehr im Wege. Der von den Landesverbänden und dem Deutsch-Israelitischen Gemrindebund bei der Dresdener Besprechung vom 22. Mai 1927 einmütig gefaßte Beschluß, daß unter Zugrundelegung bestimmter Richtlinien neue Verhandlungen zur Begrüttdrürg der Reichsorganisation ausgenommen werden sollen, wurde vom Rat gutacheißen. Es wurde ein neunköpfiger Ausschuß gewählt, der sich sofort mtt den anderen Verbänden in Verbindung setzen soll. In das Kuratorium des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin soll im Einverständnis mtt dem Archiv Herr Professor Tr. Türk abgeordnet werden. Für die Prüfung von Neuerscheinungen jüdischer Mk aionslehrbücher, wie sie der konservative Kultus-Ausschuß in seiner letzten Sitzung angeregt hatte, wurde ein Betrag bewilligt. Vom Rechnungsabschluß für das Jahr 1926/27 wurde Kenntnis genommen. s Zum Schluß erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Klee über die Presse-Ausstellung in Köln und die dabei geplante jüdische Abtellnng Bericht. Der Landesverband wird sich an diesem Unternehmen unterstützend beteiligen. Dem Bericht der Jüdischen Telegraphen-Agentur entnchmen wir noch: Den Larü>esv«rband beschäftigte auch die bevorstehende Abfindung der Standesherren wegen der Judenschutzrenten. Obwohl der Ständige Ausschuß der Landesversammlung aus Gründen jüdischer Würde einen Protest gegen diese Abfindungen gewünscht hatte, beschloß der Rat, kerne wetteren Schritte zu unternehmen, da feststünde, daß die betettigten Parlamentsparteien nicht nur wegen der „Judenschutzrenten", sondern auch wegen sonstiger aus mittelalterlichem Feudalismus stammenden angeblichen Rechte eine Ablösung verweis gerten. Von allgemeinem Interesse ist, daß der Landesverband beschlossen hat, die beabsichtigte Abteilung auf der im nächsten Jahre in Köln stattfindenden internationalen Presse-Ausstellung organisieren zu helfen. Nach einem Referat von Rechtsanwalt Dr. Klee wurde dem beim Vorstand der Kölner jüdischen Gemeinde bestehenden vorbereitenden Komitee vorerst ein Betrag von 5000 Mark für die Arbeiten Überwiesen^ Die Kölner Gemeinde hat 3000 Mark zur Verfügung gestellt, wettere Beiträge für Vorarbeiten von anderen Gemeinden werden erwartet. Ter Preußische Landesverband delegierte in das bei der Kölner Gemeinde eingesetzte Komitee die Herren Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin und Rechtsanwalt Dr. H e r z s e l d - Essen, als Stellvertreter Herrn Rechtsanwalt Dr. Katzenftein-Bielefeld. Besonders intensiv wurde die Frage neuer Verhandlungen wegen der Begründung des Re ichsv er bände s behandelt. Rechtsanwalt Tr. Köllens che r befürwortete noch einmal, wie schon auf der Dresdener Tagung, den Standpunkt der jüdischen Volkspartei, den Weg über den Deutsch- Israelitisch m Gemeindebund zu wählen. In gleichem Sinne sprachen sich die Herren Ministerialdirektor Dr. Badt und Dr. Freund aus. Bedenken, daß dieser Weg schnell zum definitiven Ziel führe, äußerten die Herren Moritz A. Loeb und H e r z f e l d. Es wurde schließlich in bezug aus die Frage des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes kein endgültiger Beschluß gefaßt, dagegen bestimmt, daß noch einmal und zwar mtt tunlichster Beschleunigung, sodaß spätestens Ende des Jahres die Resultate vorliegen, mtt den übrigen Landesverbänden in Verhandlungen wegen der Begründung des Reichsverbarches getreten werden soll. Diesen Verhandlungen sollen die auf der Dresdener Tagung einstimmig angenommenen Vorschläge Stern zugrunde gel^t werden. In das Komttee wurden delegiert die Herren Kammergerichtsrat Wolfs, Rechtsanwalt Tr. Klee, Dr. Freund, Justizrat Blau, Ministerialdirektor Tr. Badt, Landgerichtsdirektor Goldfeld, Rechtsanwalt Dr. Herzseld, Professor Türk und Bankier Galewski. An der Sitzung soll auch je ein Vertreter des Rabbiner-Verbandes und Lehrer-Verbandes mit beratender Stimme tettnehmen. Zum Ableben von Maximilian Harden Bon Toris Wittner. Tie überraschende Nachricht vom Tode des eben erst 66 Jahre gewordenen Maximllian Harden bedeutet für die deutsche Publizistik nicht etwa nur eine „verlorene Bataille"; — sie bedeutet vielmehr den Verlust des größten, genialsten und eigenartigsten geistigen Heerführers einer großen und glanzvollen Epoche. Eines Heerführers allerdings, der — man soll ruhig aussprechen, was ist — längst überwunden und unzeitgemäß geworden war, genau so wie die Aera, der sein rühmlichstes Wirken angehört hatte, und als deren integrierender Bestandteil Maximilian Harden's Name fortdauern wird . Maximilian Haroen war eine „problematische Natur" im buchstäblichen Sinne des Wortes. Der intensiv ausgeprägte Individualismus, der seiner Natur die reizvollsten Noten verlich, vermochte doch niemals die starken Einflüsse von Rasse, Stammeseigentümlichkeit und lokaler Herkunft zu tilgen, die aus diesem eigenbrötlerischen Menschenkinds ein „Sujet mixte" von bestechenden, betörenden Eigenschaften, einen Rattenfänger mit Zauberweisen in der Kehle, geschaffen hatten. Maximilian Harden, des staatlichen Namens .Felix Witkowski, erwuchs, ähnlich wie der Feuerkopf Ferdinand Lassalk, im Milieu einer kleinbürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie der Berliner City. In einem Bortraae, den Harden im Jahre 1922, nach dem ruchlosen Attentat gedungener Bravi aus ihn, in dev» . überfüllten Großen Schauspielhaus hielt, erzählte er selbst, um den ständigen Borwürfen ferner völkischen Gegner

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