Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 43 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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schränkt, eine lange Lobhudelei; die ad hoc gefertigte Photographie mit der verwegen erscheinen sollenden kurzen Pfeife im Munde erübrigt die Angabe, daß die Wiege des Helden in Buczacz gestanden. Dagegen aber fehlt der Name Leo Cantors (nicht Kantor), des Begründers der hebräischen Tagespresse, eines der gebildetsten, gelehrtesten und fruchtbarsten Publizisten in der hebräischen und der jüdisch-russischen Literatur. Freilich wissen die Annalen des Zionismus über seine Meriten nichts zu berichten. Vom einzig und allein durch seine antisemitische Schrift Kahal bekannten B r afmann wird viel Unnötiges und Unwesentliches erzählt, vom Abbe C h i a r i n i aber, der, abgesehen von seiner antisemitischen Tendenzschrift Theorie du Judaisme, die Männer wie Zunz, Jost u. a. auf den Kampfplatz rief, auch Gelehrter von Bedeutung war, schweigt des Sängers Höflichkeit. Der in dieselbe Kerbe hauende Ahron Brimann hingegen soll unter „Justus" seine Verewigung finden, während doch dieser Name nur ein Pseudonym für eine einzige Schrift ist; Jean de Pavly nannte sich dieser Mann nach Ablegung seines jüdischen Namens. Der Romanh'eld B u o v o oder B o v o, den die gelehrte Redaktion in Baba wandelt (L a k - scheu heißt es hochdeutsch in Buczacz), findet seinen Platz, wohl wegen der Ueberfetzung des Romans ins Jiddische und der Verewigung des Namens in hebräischen Lettern; wo aber bleibt Amadis de Gaula, schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts in hebräischer Sprache erschienen, von dem keine Spur. Der Artikel „Barmatprozeß", über einen Prozeß noch in der Schwebe, soll wohl den Dreifusartikel in der jewicsi Encyclopedia ü&erbieten. Gehört ein derartiger Bericht in ein „enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens"? Auch der Dreifusprozeß gehörte nicht hinein, aber immerhin war der Held des Prozesses der Jude Dreifus, antisemitische Regungen gaben den Anstoß, und endlich ward er zur Sache der gesamten Kulturwelt. Was aber ist uns der Barmatprozeß? Nichts weiter als ein Schieber- oder Betrugsprozeß, wenn auch mit parteipolitischem Hintergründe, für das Judentum und seine Wissenschaft sonder Interesse. Zu bedauern ist, daß auch die Beiträge derjenigen Mitarbeiter, die wir aus anderen Arbeiten als ernste Gelehrte kennen, ganz im Fahrwasser des Gesamtwerkes schwimmen Die Artikel über die Karäer sind sämtlich I. Mn. signiert, wie aus dem Verzeichnis zu ersehen, aus der Feder eines gelehrten Fachmanns, der auf diesem Gebiete kundig. Freilich sind bei einer kärglichen Zeilenhonorierung Quellenstudien mit dem Ergebnisse weniger Zeilen ein unbilliges Verlangen, aber immerhin sollte mehr als dies der Fall mit dem Brauch der glatten Abschreiberei gebrochen werden. Welche Richtlinien sind bei der Aufnahme der karäischen Namen in das Lexikon gezogen? Ahron b. Elia, Ahron b. Josef dürfen ebensowenig wie An an b. David fehlen; warum aber fehlt der uns allen durch sein religionsphilosophischeD Werk Emuna Omen bekannte Abraham b. Joschijahu, während die sonst unbekannten und nur in vergilbten Manuskripten schlummernden Bali Aufnahme gefunden? Ueber die Biographien Zeitgenössischer Geistesgrößen zu sprechen, verbieten mir Wohlerzogenheit und Friedfertigkeit; ich müßte Namen nennen und sie dem Spotte preisgeben. Männer, oder auch Frauen, von denen der dem Zionismus Fernstehende nie gehört, find Größen in Israel. Wer einmal eine bedeutungslose Schrift veröffentlicht hat, wer seine Doktordissertation drucken ließ, zählt zu den Unsterblichen. Man kann sich kaum des Lachens erwehren, wenn unter den selbständigen „Werken" eines Schriftstellers eine Erzählung genannt wird, die in einer Zeitschrift ungefähr 2 Oktavseiten füllte, später aber von einem Verwandten als Druckreklame in einem winzigen Westentaschenformat separat gedruckt und gratis verteilt wurde. Ein Pinsler, der noch nie die Bilderrahmenindustrie fördern geholfen, ist Meister der Palette. Eine auf eigene Kosten veranstaltete Kollektivausstellung ebnet den Weg zum Pantheon. Dazu eine merkwürdige Schar von Bühnenttinstlern. Dabei trotzdem lückenhaft und unvollständig: wem der Zionismus abhold, dein bleiben die Pforten der Verewigung verschlossen. Vergeblich sucht man den Namen des Künstlers I u s s u f Abbo, über dessen künstlerisches Schaffen die Kunstpresse oft berichtet; ungenannt bleibt der Name des in Palästina von Groß und Klein gekannten, um das Schulwesen daselbst hochverdienten Ephrajim Cohn-Reiß, den der Zionismus aus seiner segensreichen Tätigkeit gedrängt. Um die Artikel auf dem Gebiete des Talmudischen, Rabbinischen und Literarhistorischen zu besprechen, muß schon zum eisernen Besen gegriffen werden. Das Niveau charakterisieren will ich nur durch den Hinweis — ri8um teneati'3 arnid! —, daß in der Literaturangabe Strack und Schlögl für Talmud, Bischofs und Ehrenpreis für Kabbala als Quellen und Gewährsmänner genannt werden. Der für diesen Aufsatz zur Verfügung gestellte Raum gestattet nur eine Veranschaulichung des Aufbaues dieses Werkes, die die vollständige Unbrauchbarkeit desselben als Nachschlagewerk vor Augen führt; ein zweiter Aufsatz soll auf die groben Fehler in den einzelnen Artikeln Hinweisen und sie beleuchten. Lazarus Goldschmidt. Die Jli-Beilage erscheint wegen der Frankfurter Tagung erst in nächster Nummer Aus dm Gemeinden Berlin. (Ein jüdisches Volksbildung s> und UnterhaltungSheim.) Da« jüdische Volksbildung-» und Unterhaltungsheim (Toynbee-Halle) der Berliner Logen U.O.B.B.. Gipsstratze 12 o. eröffnet am Sonnabend, den 28. Oktober 1627 das Wintersemester. Die Institution, die seit fast 25 Jahren segens» reich gewirkt hat, sieht ihre Aufgabe in der Verbreitung von Volks« bildung. Sie sammelt an jedem Mittwoch und Sonnabend die arme jüdische Bevölkerung deS Zentrums zu gemütlichen Abenden, an denen außer geistigen Genüssen in Form biloender Vorträge und guter Musi! auch Erfiischungen gereicht werden. Die Vorträge beginnen um 8 Uhr. das Heim wird um 7 Uhr geöffnet. Berlin. (Amtsjubiläum.) Der in der Gemeindesyriagoge Kaiserstraße amtierende Oberkantor Ludwig K a l i s ch e r begeht am 1. November ds. Js. die Wiederlehr des Tages, an dem er vor 25 Jahren sein Amt bei der Jüdischen Gemeinde Berlin antrat. Ueber den Kreis dieser Synagoge hinaus hat Herr Kalischer sich, nicht zumindest durch häusige Mitwirkung in jüdischen Vereinen, große Beliebtheit erworben, er ist auch als Religionslehrer tätig. In der Berussvereinigung der Kantoren steht er seit langem in erster Reihe. Herr Kalischcr, der hoch auf der Höhe der Leistungsfähigkeit steht, erfreut die Synagogenbesucher durch den weihevollen Ernst seines Vortrages, wobei er durch ein modulationssähiges ausdrucksvolles Organ unterstützt wird. Berlin. (Vom Jüdischen Frauenbund.) Das Freizeit- und Wochenendheim des Jüdischen Frauenbundes ist auch während des ganzen Winters geöffnet. Das Heim bietet berufstätigen Frauen und Mädchen Erholung und Gelegenheit zu jeder Art von Wintersport. Pensionspreis für nur rituelle Verpflegung 3.75 Mk. pro Tag incl. Heizung. Schriftliche Anmeldungen erbeten an: Frau Fanny Elkan, W. 15, Sächsische Straße 2. Berlin. (Bon der Freien jüdischen Volkshochschul e.) Anläßlich der Eröffnung des Herbsttrimesters 1927 der Freien jüdischen Volkshochschule findet am Dienstag, den 1. November, abends 8 Uhr, im Vortragssaal der Synagoge Fasanenstraße eine -aoqsiF ZvM" rogn rsuoiW-uhaZ tzuaZ -i£ qaioi 'umnuBaafö I -iE Eröffnungsfeier statt. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, Rabb. mann" einen Vortrag halten. Vorlesungen im Herbsttrimester 1927: Dr. Fritz Baer: Die Juden im christlichen Spanien, nach neueren Forschungen. Dr. E r n st Cohn-Wiener: Jüdische Künstler im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart. Dr. Fritz Goldberg: Jüdische Gestalten in den Werken der neueren deutschen Literatur. Dr. Leo Rosenzweig: Die Weltanschauung des Judentums (nach Hermann Cohen). Dr. Max Soloweitschik: Einführung in die Bibel. Dr. M. Warschauer: Ein Gang durch die jüdische Geschichte. Dr. Max Wiener: Jüdische Geistesströmungen im letzten Jahrhundert. Die Berliner Jüdische Gemeinde, freund, Silbergleit, Ellenbogen, Benas Levy, Ollendorff.) Reiseeindrücke aus dem neuen Palästina. (Wiener, Bergmann, Turnowsky-Pinner.) Für jeden Zyklus ist eine Hörergebühr von 1,— Mk. zu entrichten. Sonderveranstaltungen: Edith Herrnstadt-Oettingen: Bibelrezitation für Schüler. Gab Shelaso: Bibelrezitation (Hebräisch). Das Vorlesungsverzeichnis ist in allen jüdischen Buchhandlungen und bei den Theaterkassen Hermann Tietz und Kaufhaus des Westens erhältlich. Kartenverkauf an dsn Theaterkassen Hermann Tietz und Kaufhaus des Westens. Nähere Auskünfte erteilt das Sekretariat bei Goldmann, Berlin SW. 61, Porckstraße 88, Borke« i. W. (T o d e s f a l l.) In Herrn Josef Feith, der dieser Tage das Zeitliche segnete, verliert die hiesige Gemeinde ihren bewährten Führer, der dreißig Jahre an der Spitze der jüdischen Institutionen stand und mit seltenem Eiser und beispielloser Energie die ihm anvertrauten Interessen vertrat. Die Gemeinde schuldet ihm für seine selbstlose urw warmherzige Tätigkeit, die der Förderung des Gemeindewesens galt, herzlichsten Dank, der dem verdienten Führer über das Grab hinaus erhalten bleiben wird. Hannover. (Tempelbesichtigung.) Am Sonntag, den 16. Oktober, unternahm der Altstädter Bürgecverein eine Besichtigung der Synagoge. An dieser Besichtigung beteiligten sich mehr als 200 Mitglieder mit ihren Angehörigen. Der Tempel erstrahlte im Glanz sämtlicher Lichter, als Landrrbbiner Dr. Freund das Wort zu einem etwa einstündigen, tiefdurchdachten Vortrag über die Geschichte des jüdischen Tempels im allgemeinen und der hannoverschen Synagoge im besonderen nahm. Nach dem Vortrag, folgte eine eingehende Besichtigung der reichen Kunstschätze des Tempels, unter denen sich kostbare Thorarollen und ein 250 Jahre alter neunarmiger Leuchter befinden. Dr. Freund wurde nicht müde, immer erneut auf Fragen in liebenswürdigster Weise Antwort zu geben. Hannover. (Aus dem Gemeindeleben.) Zum ersten Male seit Menschengedenken wurde aus Veranlassung des Jugendsührcrs Rabbiner Dr. Schorsch am Simchas tauro-Nachmittag ein großer Jugendgottcsdienst veranstaltet, der in seinem Zuspruch die kühnsten Erwartungen übertraf. Schätzungsweise mehr als 600 Kinder und deren Begleiter füllten die festlich erleuchtete Synagoge. Es wurden von Jugendlichen 12 Ssorim ausgehoben, denen bei den Umzügen die Knaben und Mädchen mit Fähnchen folgten. Auch das Lainen halten Knaben übernommen. Rabbiner Dr. Schorsch hielt eine rechte Kindcrpredigt, während Oberkantor Alter und der Chor ihr Bestes gaben. Nach Schluß erhielten die Kinder Zuckertüten. Die ganze Veranstaltung hat soviel Freude und Genugtuung ausgelöst, das sie wohl zur ständigen Einrichtung in der Gemeinde werden wird. Königsberg. (7 5-jähriges Jubiläum des Israelitischen Stifts.) Das hiesige Israelitische Stift, ein Altersheim für die Angehörigen der Königsberger Synagogengemeinde, konnte in diesen Tagen die Feier seines 75 jährigen Bestehens begehen. Der Vorsitzende des Stifts, Fabrikbesitzer Louis Grumach, begrüßte die zur Jubelfeier zahlreich Erschienenen und» gedachte der wichtigen sozialen Aufgaben, die das Stift zu erfüllen habe. Gemeinderabbiner Dr. Lewin übermittelte seine Glückwünsche als erster Geistlicher der Gemeinde. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Justizrat Holz, überbrachte die Glückwünsche der Gemeindekörperschaften. Er teilte mit, daß die Gemeinde dem Stift eine Spende von Mk. 500,— überwiesen habe. Für die Kantloge im Orden U.O.B.B. sprach deren Präsident Sanitätsrat Dr. Pollnow, die Log-e habe einen Betrag von Mk. 100,— gespendet. Für die jüdische Volks'- und Mittelstandsküchc Hachnossas Orchim sprach deren Vorsitzender, Bankdirektor Hermann Marx. Als früherer Vorsitzender des Stifts gratulierte Kaufmann Heinrich Block. Kaufmann Elias Hirsch gab einen Ausblick über die künftige Gestaltung des Stifts, von dem geplant sei, daß es in größerer Form zusammen mit einem Krankenhaus vereinigt werden solle; er gratulierte gleichzeitig für die Chewra Kadischa Die Stiftsdame Fräulein Elkan dankte allen Gratulanten namens der Stiftsinsassen auf das herzlichste für ihre Glückwünsche und Spenden. Seitens der Stadtverwaltung gratulierte Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer in einem sehr herzlich gehaltenen Schreiben. Ebenso gratulierte der frühere Königsberger Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein- Breslau in recht herzlicher Weise und übertvies eine Stiftung. Die Feier wurde würdig umrahmt durch musikalische Vorträge. Erster Kantor Dr. Pick sang einige Lieder, während Fräulein Hetti Cohn Geigensoli vortrug; die Begleitung lag in Händen von Prof. Dr. Rudolf Cohn. Königsberg. (Repräsentantenversammlung.) Dahiesige Repräsentanten-Kollegium trat Donnerstag, den 20. Oktober, zu der ersten Sitzung nach den durch die Feiertage «bedingten Ferien zusammen. Nach geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden, Universitätsprosessor Dr. Rudolf Cohn, erfolgte die Bewilligung eines Betrages für die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M. Weiterhin wurde dem ostpreußischen Blindenheim ein Beitrag bewilligt. Das Israelitische Stift'' erhielt anläßlich seines 75 jährigen Jubiläums eine Spende von Mk. 5Y0,-—. Für eine Angestellte der Gemeinde wurde eine Gehaltserhöhung bewilligt, während ein Chorsänger eine Wirtschastsbeihilse erhielt. Die Versammlung beschloß, für ein auswärts wohnendes Kind die Reisekosten zur Teilnahme am Religionsunterricht in Königsberg zu übernehmen. Der Umbau des Trau- und Bibliothekzimmers in der Synagoge hatte einen Mehraufwand von Mk. 4000,— erfordert. Dem Vorstand der Gemeinde wurde hierfür Indemnität erteilt. Es erfolgte die lebenslängliche Anstellung des Sekretärs der Synagogengemeinde Säbel. Dann fand eine Geheimsitzung statt, in der einer Lehrerwitwe eine Koscher-Zulage bewilligt wurde, sodann wurde die , Pensionierung des Synagogenkastellans beschlossen. Für die Hauptstelle für Wandersürsorge und den Arbeitsnachweis in Berlin wurde ein erhöhter Beitrag bewilligt. Lübbecke. (I u b i l ä u m.) Während des Laubhüttenfestes stand die hiesige Gemeinde im Zeichen einer Jubiläumsfeier. Herr Alfred Löwenstein blickte auf eine 25 jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied und Vorsteher zurück. Die Gemeinde gestaltete den Tag des Jubiläums zu einer Festseier in doppeltem Sinne, da sie dem Jubilar und der Gemeinde zugleich galt. Das Gotteshaus war durch Blumenschmuck würdig ausgestattet, und Lehrer Lazarus hob in einer der Festpredigt folgenden Ansprache die mannigfachen Verdienste des Gemeindeoberhauptes hervor. Dem Jubilar »ourde später in seinem Hause durch den Vertreter der Gemeinde, Max Rosenberg, als äußeres Zeichen des Dankes eine silberne Menorah überreicht. Der Gefeierte dankte mit bewegten Worten und versprach, seine Kraft iveiter in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Nidda. (Synagogenjubiläum) Anläßlich des 50 jährigen Bestebcus der diesigen Synagoge fand eine Feier in dem Gotteshaus strtt, der auch Kreisdirektor Dr. Gatzner (Büdingen) im Auftiage der Regierung, sowie die Vertreter der evangelischen und katdo, scheu Kircher gemeinden beiwohnten. Die Festpredigl hielt Rubbiner Dr. Hirschstlo (G:eßen). Magister Johann Wolfgang Brenk Tie Geschichte eines merkwürdigen Proselylen. * | In den bekannten Monographien, die sich mit solchen zum Judentum übergetvetenen Persönlichkeiten befassen, die auch sonst im Leben eine bemerkenswerte gesellschaftliche Rolle gespielt haben, fehlt der Name Johann Wolfgang Brenk. Das ist begreiflich, weil von seinem Uebertritt nur wenige seiner intimsten Freunde Kenntnis hatten. Brenk galt dem Bekenntnis.nach auch dann noch immer als Christ, als er längst die Beschneidung an sich hatte vollziehen lassen. Er heiratete in der Kirche und wurde nach christlichem Ritus bestattet. Er war aber dennoch ein Jude geworden, allerdings ein Jude eigener Art, wie er sein ganzes Leben lang exn Mensch ganz eigener Att gewesen ist. Ein Brausekopf, ein. Dickschädel, wie die Süddeutschen sagen würden, rechthaberisch, aber nur, wenn es sich wirklich um das oder die Rechte handelte — da Brenk hauptsächlich und hauptberuflich Jurist war. Seines Wesens Inhalt war Gerechtigkeit und Güte. Ein hervorragender Gelehrter, der Ordinarius der Universität Altdorf, Prof. Dr. Georg Andreas Will, hat es sich, zur Aufgabe gemacht, das LÄen Brenks zu skizzieren. Ueber diese Arbeit sagt Will selbst: „Mir ist das Geschäft, das ich unternchme, eine Unterhaltung in trüben Tagen der Krankheit, von welcher ich gleich nach dem Tode meiner Freunde befallen wurde. Die Leser werden daher auch Gchuld und Nachsicht haben, wenn ich diese Biographie nicht so unterhaltend und lehrreich abfasse, als ich es in gesunden Taaeinj vielleicht würde getan haben. Ich diktiere sie in erträglichen Stunden, in welchen ich gleichwohl den Geist, der' an di» Bande des geschwächten und gepreßten Körpers gefesselt ist, nicht so anstrengen kann, als ich bei Frecheit und Heiterkeit würde getan haben. Genug, ich liefere, was ich kann, und setze dem Manne ein Denkmal, den ich bei allein seinen' Eigenheiten und Fehlern geachtet und geliebt habe.." Geachtet und geliebt, das haben viele diesen Mann, den seine Ueberzeugung zum Judentum trieb, der aber schließlich doch nicht wagte, in seiner Heimat alle Folgen dieses in jener Zeit noch als Wahnsinn und Verbrechen geltenden Uebertritts am sich zu nehmen; und der gelehrte WA kann sich bei aller Achtung und Liebe von den Borutteil-en seiner — nur seiner? — Zeit nicht freimachen und kann demgemäß scharfe Worte nicht unterdrücken, die aus dem Abscheu entspringen, die er über Brenks Abfall empfindet. DeshM sagt er in seiner Einleitung: „Ein Mann, bei dem Frömmigkeit, Rechtschaffenheit, alte deutsche Treue und warme Freundschaft mit allerlei Ausschweifungen und besonders dem Renommisten-Geist noch in höherem männlichen Alter kontrastierte; ein Gelehrter, von den mannigfaltigsten Kenntnissen in Sprachen und Wissenschaften, der sich zu allerlei Schwachheiten und öfters zu grobem Aberglauben neigte; ein Christ, der von einem geistlichen Geschlecht abstammte und erst bei ziemlichen Jahren zur jüdischen Religion übettrat und sich beschneiden ließ, ein solcher Mensch ist für den Psychologen eine wichtige Erscheinung und verdient, daß sein Leben genau beschrieben wird." Trotz der angegebenen Fehler verband eine mehr als vierzigjährige innige Freundschaft Prof. Will mit dem fast um zwanzig Jahre älteren Brenk; eine Freundschaft, die erst mit dem Tode Brenks endete. Deshalb darf man WillS Tadel nicht zu scharf auffassen, seinem günstigen Urteil über Brenk Glauben schenken, denn dieser hat dem viel jüngeren Freunde fast uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht. AUFALIE FALLE HARTWIG-QU EUE Halb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. Ärztlich empfohlen bei Zucken» Nieren.-Magen.- Darm-und Stoffwechsel» Krankheiten DEUTSCHE MINERALQUELLEN Ar<* JÄGERSTR,6 MERKUR* 4664/4666 Ausserdem vorrätig in allen einschlägigen Geschäften Italien Verkaufsstellen dKPechAÄ *iat i