Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 42 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sein." Das Gewissen hat Einspruch erhoben und das Verlangen verscheucht. Doch wie schlau ist der Mensch, ohne -aß er es weiß. Er kann sein Gewissen täuschen, indem er den Freund, den er mit Angst - gestaute Liebesbegierde verwandelt sich in Angst — und Freude herbeiwünscht, vermummt. Eine Schauergestalt der Freund, ein Gespenst. Nicht selten ist der religiöse Unglauben kein Ergebnis des Nachdenkens, wie so häufig angegeben wird, sondern eine Verdrängungswirkung. „Es wird dem tüchtigsten Religionspädagogen nicht gelingen, ihn durch vernünftige Lehren wiederherzustellen (S. 103)." Da erklärt ein fünfzehnjähriger, kräftiger, selbstbewußter Schüler vor Erwachsenen, er sei ein Atheist. Sie eilen aufgeregt zum Religionslehrer, ersuchen ihn, den „Atheisten" vorzunehmen, ihn aufzuklären und chm zu beweisen, daß der Atheismus Verbrechen und Unsinn sei. Hoffentlich gibt es keinen Lehrer, der aus diese Ratschläge eingeht. Er würde sich an dem jungen Menschen versündigen. Oskar Pfister berichtet in einer vorzüglich geschriebenen Arbeit^), die sehr anregend und lehrreich ist, daß vor Antritt seines Lehramtes ein Knabe auf dem Spielplatz neben der Kirche die Bibel verbrannt und die ganze Klasse johlend um das Feuer getanzt habe. „Ich wußte es, und dennoch beschloß ich, den jungen Leuten mit großem Zutrauen entgegenzukommen. Meine Erwartung ging vollauf in Erfüllung. Bald war auch mit der städtischen Jungmannschaft ein Freundschaftsverhältnis geknüpft und es hat nun über zwei Jahrzehnte angehalten." Im religiösen Unglauben drückt sich häufig nichts weiter als das jugendliche Selbstbewußtsein aus, das in der Reifezeit besonders stark ist. Oft ist er verborgener Baterhaß, oft eine Folge bitterer Enttäuschungen. Die Vernunftbeweise der „Ungläubigen" sind häufig leicht zu widerlegen, doch ist damit für die Wiederaufrichtung oder Entsachung des Glaubens wenig getan. Allerdings wie wichtig auch die analytische Seelsorge ist, wäre es dennoch verfehlt, in ihr ein Allheilmittel erblicken zu wollen. So gehen sie Laster, die angeborenem moralischen Schwachsinn entstammen, nichts an; da ist sie machtlos wie jedes andere Verfahren. Aber auch da, wo sie am Platze ist, bedarf sie der Ergänzung durch die positive Seelsorge. „Die analytische Seelsorge nimmt den Leidenden, die ihrer bedürfen, die Fesseln ab und öffnet chnen die Gefängnistürs, überläßt es aber dem Analysanden und der positiven Seelsorge, die neuen Heilsgüter zu verschaffen (S. 102)." Zum Schluß feines Buches legt Pfister noch einmal den Seelsorgern ans Herz, sich gründlich mit der Psychoanalyse zu befassen. Er warnt jedoch, sie lediglich aus Büchern erlernen zu wollen. Ohne mehrjährige praktische Ausbildung kann die Psychoanalyse nicht verstanden werden, geschweige denn, daß man die Fähigkeit erlangte, sie anzuwenden. Die dafür nötige Zeit muß während des Studiums an den Seminaren gefunden werden. Kein Theologe sollte ins Amt, gar in das Amt einer Großgemeinde gelassen werden, der nicht die Psychoanalyse praktisch und theoretisch ausgiebig kennen gelernt hat. Das wird ihm sicherlich nützlicher sein, als wenn er sich mit der arabischen Grammatik abgeplagt hat, die er meistens kurz nach bestandener Doktorprüfung auf Nimmerwiedersehen verabschiedet. Welch eine arge Zeitvertrödelung! Daß die Ausbildung der jüdischen Theologen dringend einer Neugestaltung bedarf, wird keiner, der die Verhältnisse kennt, leugnen. Geht die Entwicklung weiter ihren Weg, dann wird der Seelsorger entbehrlich werden. Er wird durch den Seelenarzt ersetzt werden. Muß doch schon heute dieser Pflichten übernehmen, die jenem obliegen, denen er aber nicht gewachsen ist. Den Theologen (namentlich den studierenden) ist die Lektüre des Buches von Pfister anzuraten. Es öffnet ihnen die Augen über die Aufgaben, die ihrer in der neuen Zeit harren. Es ist nicht leicht, das Buch durchzuarbeiten. Trotzdem es nur 144 Seiten stark ist, erfordert es viel Zeit. Doch die Mühe wird durch die überaus schöne und anschauliche Schreibweise versüßt. Tiefe Gedanken werden in der schlichtesten Weise ausgesprochen. So manche Scheinphilofophcn, die, von ihrer Gedankentiefe angeschwellt, Tüfteleien niederschreiben, könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Wie versteht es Pfister, durch herrliche Gleichnisse einen Gedanken klar zu machen. „Die alte Praxis beobachtete nicht die unter der Schwelle des Bewußtseins befindlichen Mitregenten. Sie glich da der Landratte, die sich nicht erklären kann, warum ein Schiff trotz kräftigen Antriebs nicht ordentlich vom Fleck kommt, weil sie von Tang und Muscheln, die den Schiffsbauch beschweren, und von Meeresströmungen unter der Oberfläche nichts weiß (S. 13)." Pfister nennt sein Buch eine Einleitungsschrift. Wer sich entgegen seiner Warnung mit ihr begnügte, würde denken wie jener Heide, der sich einbildete, während der kurzen Zeit, da er auf einem Fuße stehen könne, die ganze jüdische Religion erlernen zu können. Hillel gab ihm zwar in einem Satz das Wesen der jüdischen Religion, fügte jedoch sofort hinzu: „Das Uebrige ist die Ausführung. Gehe und lerne." 6) Die Pädagogik in Selbstdarstellungen, Leipzig. Felir Meiner 1921. Versammlungskalender :: * :: Aus den Gemeinden Berkin-Norde«. Liberale Synagoge Norden (im Averbachfchen Waisenhaus, Schönhauser Aller 182s: Freitag, den 21. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst, Predigt Rabbiner Dr. Salomvnsti. Sonnabend, den 22. Oktober, Vormittags 18 Uhr. Berlin-Süden. Am Mittwoch, den 26. Oktober, abends L.38 Uhr, spricht in der Avgstkonditorei, Lindenstraße 188, Herr Louis Wolfs über „Aus dem Gemeinde leben". Gäste willkommen. Breslau. Jüdisch-liberaler Jugeudverein „Abraham Geiger". Lriefadresse: Alfred Berger, Breslau 13, Augustastraße 67. Fernfpr. Stephan 37 751. Eröffnungsversammlung dcs Wintersemesters: Montag, den 24. Oktober, abends 8.15 Uhr, im Saale der Loge „Gerhart Hauptmann", Schweidnitzer Stadtgraben 9. Begrüßung, Bortrag des Borsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Halpcrfohn: Warum jüdisch und liberal? Gaste sind herzlich willkommen. Wahlkompromitz in Frankfurt a. 71t. Die Wahlen zur Gemeindevertretung in Frankfurt a. M. werden, wie Iwir bei Redaktionsschluß erfahren, durch ein Wahlkompromiß sämtlicher Parteien erledigt werden. Die liberale Mehrheit wird wie bisher mit 19 von insgesamt 36 Sitzen gewahrt werden, während sich die anderen Parteien in die restlichen 17 Sitze teilen werden. Adelebsen. (Einweihung der Synagoge.) Kurz vor dem Bersöhnuugstag beging die hiesige kleine Gemeinde die Einweihung ihrer renovierten Synagoge. In seiner Festansprache, die Landrabbiner Dr. Lewinsky, Hildesheim, hielt, und einen Werdegang des Gemeindelebens darstellte, wurde auch des 80 Geburtstages des Reichspräsidenten gedacht. Berlin. (Eröffnung eines Altersheims.) Der Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes E. V. eröffnet am 1. November d. I. ein Klein-Altersheim im Hause Großbeerenstraße 74. Es bietet in 8 Zimmern 8 Insassen Platz, hat Balkon und Garten. Im Sinne eines Familienheims soll es denen, die noch über Renten, aber nicht zureichende, verfügen, und denen, die von Angehörigen erhalten werden, einen ruhigen, angenehmen Lebensabend schassen. Die Aufzunehmenden müssen über 50 Jahre alt sein, Pension (volle rituelle Verpflegung, Licht, Heizung, Bedienung, Hauswäsche) monatlich 125 Mark. Anmeldungen süud in solcher Menge eingegangen, daß der Verband bald weitere Heime in anderen Stadtteilen folgen lassen möchte. Mittel, di« für diese dringendste Fürsorge in dankenswerter Weise uns zugewendet würden, würden diesen Plan schneller ver- Dortmund. Montag, den 31. Oktober 1927, abends 8.39 Uhr, spricht im kleinen Saale des Gewerbevereins, Kuhstraße 12, Herr Lehrer Siegmund Nußbaum, Vorstandsmitglied unserer Bereinigung, über: „Das Judentum am Scheidewege". Liegnitz. Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde. Sonntag, den 23. Oktober, 8.39 Uhr abends, in der Silefia-Loge: Vortrag von Frau Justizrat Paula Ollendorff-Breslau: Juden in Amerika. Allej Gemeinde-Mitglieder find herzlich willkommen. l wirtlichen helfen, würden vor allem aver dazu dienen, daß mehr als bisher alte Leute ausgenommen werden tonnten, die nur über geringe oder gar keine Mittel verfügen. Berlin. (Vortrag.) Im Verein ehemaliger Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums spricht am Montag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr, Dr. Scholem-Jcrusalem in der Aula der .Hochschule über „die Entwicklung des Kabbalistischen Schrifttums". Gäste willkommen. Breslau. (Sitzung der G e IN e i n d c v e r t r e t u n g.) Nach langer Sommerpause - am 80. Juni war der Etat beraten und verabschiedet worden — trat die Gemeindevertretung am 13. d. M. wieder zu einer Sitzung zusammen. Eine lange Tagesordnung war zu erledigen. Der Vorsitzende, Justizrat Peiser, eröfsnete die Versammlung mit einer Beglückwünschung zum neuen Jahre und mit einer Erinnerung an den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten. Er bat die zionistische Fraktion, sich doch recht zu überlegen, ob es geraten wäre, wegen einer ihr nicht genehmen Etatsposition den ganzen Etat abzulehnen. Die zionistischen Vertreter verteidigten mit Entschiedenheit ihr Recht der Etatsablehnung. Die Versammlung nimmt davon Kenntni-s, daß ein Bild des verstorbenen langjährigen Gemeindevorstehers Sanitätsrats Dr. Paul Jnngmann den Sitzungssaal schmückt. An Stelle des verstorbenen Gemeindevertreters Adolf Lewin ist Ingenieur Oskar Unikotver einberufen worden. In den Hauptausschuß des Wohlfahrtsamtes ist Schneidermeister Moritz Grünberg, in den Ausschuß für die Zweiggottesdienste Kaufmann Wittenberg gewählt worden. Dem Büro für Schächtschutz wird eine Beihilfe gewährt. Ueber die Erhöhung der Beerdigungsgebühren entspinnt sich ebne längere Aussprache. Dabei wird aus die Unstimmigkeiten hingewiesen, die dadurch entstehen, daß bei der Veranlagung sowohl der Beerdigungsausschuß der J.K.B.A. als auch das Büro der Gemeinde Mitwirken, ohne daß diese beiden Faktoren immer kn der rechten Verbindung miteinander stehen. Der Berwaltungsbericht erwähnt, daß der Gemeindeangestellte Weinstock zum Grundstücksverwalter bestellt worden ist, daß der Studentcnhilfe eine Beihilfe gewährt und der Umbau der Wochentagssynagoge am Anger mit einem Kostenaufwands von fast 2 500,— Mark vollendet worden ist. Mehrere Grabpflegestiftungen gelangten zur Annahme. Der Synagoge zum Tempel wurde die Jahresbeihilse erhöht, dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ein Beitrag zu den Kosten der Gedächtnisfeier bewilligt und die Dr. Günzburg-Bibliothek an das Rabbiner-Seminar geschenkt. Die geheime Sitzung nahm Gehaltsregelungen vor, setzte eine Wirtschastsbeihilse für die Leichenwärter fest, genehmigte eine Pensionierung und schloß sich der Vorlage des Vorstandes an, an die Gemeindebeamten und -Angestellten dieselben Vorschüsse auf die in Aussicht stehende Gehaltsresorm zu zahlen, die Reich und Staat betvilligt haben. Dresden. (Berufsjubiläum der Gemcindeschwe-- ster.) Am 15. Oktober waren es fünfundzwanzig Jahre, seitdem die hiesige Gemeindeschwester Lea Wittenberg im Dienste der jüdischen Krankenpflege tätig ist. Sie wurde 1919 von Berlin nach Dresden berufen, um die seinerzeit neugegründete Stelle einer Gemeindeschwester für die Dresdner Israelitische Religionsgemeinde, in der es einen Krankendienst dieser Art bisher noch nicht gegeben hatte, zu übernehmen. Zugleich obliegt es der hiesigen Gemeindeschwester, das Altersheim des Henriettenstistes und die im Verlauf ihrer Dresdner Tätigkeit gegründete Mittelstandsküche zu betreuen. Ferner wurde ihr die Leitung des Rochwitzer Sommerferienheims der Fraternitasloge anvertraut. Welche Verdienste sich Schwester Lea bei der Ausübung ihrer weitverzweigten Tätigkeit erworben hat, zeigte die freudige Anteilnahme, die ihr am Jubilänmstage aus fast allen Kreisen der Gemeinde entgegengebracht wurde. Der Vorstand ließ zugleich mit einem Glückwunschschreiben ein ansehnliches Geldgeschenk überreichen. Zu den zahlreichen Gratulanten, die ihre Glückwünsche persönlich überbrachten, gehörten n. a. Rabbiner Prof. Dr. Winter, Abordnungen des Israelitischen Frauenvcreins, des Frauenvereins Agudas Noschim, dem jüdischen Schwestcrnverein Berlin, des Hilssvereins der Ostjuden und Vorstandsmitglieder der Mittelstandsküche, die ein wertvolles Geschenk überreichten. Für die Gemeindebeamten, die eine kostbare Erinnerungsspende übergaben, sprach Rabbiner Dr. Wolf. Eydtkvhnen. (Grabschändung.) Spier wurde auf dem jüdischen Friedhof ein Grab in unerhörter Weise geschändet. Der Grabstein ist mittels mehrerer Feldsteine beschädigt und das Grab in nicht wiederzugebender Weise beschmutzt worden. Frankfurt a. M. (Jubiläum beim Verlag I. Kaufsmann.) Am 1. Oktober waren 25 Jahre vergangen, seit Herr Dr. Felir Kaufsmann in die bekannte Firma I. Kaufsmann, Frankfurt a. M., das väterliche Geschäft, eintrat. Aus kleinen Anfängen hatte Jsaac Kaussmann, aus dem Elsaß, ein „Talmid Chacham" besten alten Schlages, vor fast 100 Jahren in Frankfurt a. M. einen kleinen Buchladen gegründet, auf dem sein Sohn Ignatz, vor allem in verlegerischer Hinsicht, erfolgreich weiterbaute. Zahlreiche maßgebende Verlags-Editionen wurden, seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, in Zusammenarbeit mit bedeutenden Schriftkennern, Gelehrten und jüdischen Pädagogen, herausgebrocht. Unter der Leitung Dr. F. Kauffmanns, einer im jüdischen Leben wie in Fachkreisen gleich anerkannten Persönlichkeit, der seit 1909 Inhaber des Unternehmens ist und u. a. den bekannten Verlag M. Lehrbcrger dazu übernahm, hat die Firma maßgebende Bedeutung für das geistige Leben der deutschen, und nicht nur der deutschen Juden gewonnen. Gelnhausen. (Die Schlachthof-Affaire vor dem Reichsgericht.) Die vor längerer Zeit hier in Szene gesetzten völkischen Angriffe gegen den Schächter und jüdischen Metzgermeister, die dann sogar noch zu Anzeigen wegen Beleidigung seitens des Tierarztes und zur Verurteilung der Erstgenannten durch die Strafkammer führte, beschäftigte auch den Strafsenat des Reichsgerichts, der das von der Strafkammer in Hanau gegen den Schächter Marx und den Metzgermeister Reis auf 150 Mark Geldstrafe lautende Urteil wegen Verleumdung aufhob und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die frühere Instanz zurückverwies. Der Prozeß wird also demnächst in neuer Auflage durchgeführt werden. Gerolzhosea. (Ermittlung von Friedhofsschändern.) Der jüdische Friedhof in Gerolzhofen (Bayern), der etwa 10 Minuten von der Stadt entfernt liegt, ist in der Nacht vom 4zum 5. September durch Umwersen von Grabsteinen sowie Beschmieren des Leichenhauses mit Hakenkreuzen besudelt worden. In derselben Nacht wurden Zettel „Kauft den Stürmer" (das berüchtigte Nürnberger Organ des 'Nationalsozialisten Streicher) an die jüdischen Häuser geklebt. Für die Ermittlung der Täter hat die jüdische Gemeinde eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. Den Bemühungen der Gendarmerie ist es gelungen, die Täter zu ermitteln: Es sind ein wegen Diebstahls bereits vorbestrafter 17 Jahre alter Friseurgehilfe, der von seinem Arbeitgeber sofort entlassen wurde, und ein im gleichen Geschäft tätiger Lehrling von 16 Jahren, der von dem Gehilfen zu der Schandtat verleitet wurde. (Jta.) Hersfeld. (I u b i l ä u m.) Bankier Jakob Hahn konnte kürzlich fein 25 jähriges Dienstjubiläum als Kreisvorstcher begehen. Die lebhafte Anteilnahme der israelitischen Gemeinde des Kreises Hersfeld bewies am deutlichsten, wie sehr der Jubilar es verstanden hat, die Sympathien weiter Kreise zu erwerben. Seinem geschickten und verständnisvollen Wirken verdanken viele Gemeinden die Erhaltung bezw. die zeitgemäße Umgestaltung ihrer religiösen Einrichtungen; im Verkehr mit den behördlichen Instanzen entfaltete Herr Hahn eine anerkennenswerte Gewandtheit, der mancher Erfolg der von ihm betreuten Gemeinden zuzuschreiben war. In mancherlei Aufmerksamkeiten brachten die jüdischen Kreisangehörigen und staatlichen Behörden die wohlverdiente Anerkennung für die im Interesse der jüdischen Gesamtheit geleistete Arbeit zum Ausdruck. Königsberg. (Ein neuer S y n ag o g e n b a u.) Die hiesige Synagogengcmeinde hat den bekannten Berliner Architekten Erich Mendelsohn, der in Palästina die Ruthenberg-Station und einige andere moderne Gebäude erbaut hat, mit der Gestaltung einer umfangreichen Friedhofsanlage beauftragt. In seinem Stil führt Mendelsohn eine kleine Synagoge auf, ein modernes religiöses Gebäude. Königsberg. (G e s ch ä st s j u b i l ä u m.) Das 35 jährige Geschästsjubiläum feierte der Inhaber der Firma Abramowsky 6c Fabian. Ihm wurden aus diesem Anlaß zahlreiche Glückwünsche zuteil. Herr Fabian steht seit vielen Jahren aktiv im jüdischen Leben der Stadt Königsberg, um das er hervorragende Verdienste hat. So gehörte er seit langer Zeit der Repräsentantenversammlung an, in der er der Führer der liberalen Fraktion ist. Gleichzeitig steht .Herr Fabian auch an der Spitze der hiesigen Vereinigung für liberales Judentum. Mergentheim. (Tödlicher Unglücksfall.) Der israelitische Lehrer S. O t t e n l o s e r von Markelsheim verunglückte mit seinem Motorrad an der Edelfinger Straße tödlich. Er fuhr inmitten der Straße, als ein Auto um die Ecke bog. In der Bestürzung hierüber verlor Ottenloser die Beherrschung seines Fahrzeugs, fuhr mit diesem au einen Baum und erlitt dabei einen schweren Schädelbruch, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Er stürzte über eine hohe Böschung hinab bis dicht an die Tauber, wo er leblos aufgesunden wurde. Das inzwischen weitergefahrene Auto scheint bei dem bedauerlichen Vorfall keine Schuld zu treffen. Eine Gerichtskommission war zwecks näheren Erhebungen alsbald an Ort und Stelle. Die Leiche ivurde beschlagnahmt. fc4-444»4»+44 4»44»»»4444 4 4 444»+44444-»4'4++44-444444»+»44 44^»»< Aus der Bewegung Dortmund. (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum.) In Erkenntnis der Bedeutung des kommenden Reichsschulgesetzes für die Entwicklung des jüdischen Schulwesens eröfsnete unsere Ortsgruppe ihre Wintertätigkeit mit dem Vortrage des Herrn Konrektor Andorn, Dortmund, über: „Das kommende Reichsschulgesetz und seine Auswirkung auf das jüdische Schulwesen". In 1 i/i stündigem, sehr anregenden Vortrage behandelte der Redner in anschaulichster Weise die allgemeinen kulturellen Nachteile dieses Entwurfes und zugleich die zum Teil günstigen Auswirkungen, die er unserem jüdischen Schulwesen bringen kann. Ein umfangreiches statistisches Material belegte die Ausführungen, denen reicher Beifall zuteil wurde. Die lebhafte Aussprache mußte wegen der herannahenden Mitternachtsstundc abgebrochen werden, doch wurde allgemein der Wunsch ausgesprochen, derartige Abende des öfteren zu veranstalten. Vom Vorstande wurde dieses zugesagt, dabei aber der Bitte Ausdruck gegeben, daß die Beteiligung bei solchen Fragen, die jeden aufs lebhafteste berühren und aufs höchste interessieren müssen, eine weit größere sein müßte, als sie es an diesem Abend gewesen sei. BÜCHERSCHAU : * Zionistische Politik von Kohn-Weltsch. 291 S. Die vorliegende Schrift faßt Aufsätze zusammen, die ira Laufe von 7 Jahren veröffentlicht wurden. Der letzte Kongreß ist noch nicht berücksichtigt. Die Verfasser sind aufrichtig und erstreben durchaus Verinnerlichung des Zionismus. „Infolge mancher Enttäuschungen übermäßig gespannter Hoffnungen ist eine Desorientierung des zionistischen Bewußtseins eingetreten." — „Das ausziehende Volk wird ein regelloser Haute sein, wenn es nicht von der Idee ergriffen.. wenn es nicht durch die Donner des Sinai geht.. Die Befreiung ist noch nicht da. Sie kann nicht von San Remo kommen und von keiner Macht der Welt, sondern nur von der sittlichen Entscheidung, die das Volk sprechen läßt: „Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun." Also immerhin religiöse Anklänge. Aber auch nicht mehr. Und auch diesen Verfassern ist das nationale Moment unverrückbare Grundlage. Und man müßte alles wiederholen, was vom Gegensatz zwischen rein religiös aufgefaßtem Judentum und rein nationalem oder sogar religiös-nationalem gesagt worden ist, um den Verfassern entgegenzutreten. Ob es zur Verständigung führen könnte und ungestörtem Nebeneinanderarbeiten? Man muß stark daran zweifeln, wenn man die beiden Aufsätze liest, die sich mit unserer Bewegung befassen: „Liberales Judentum" und „Zur liberalen Weltkonferenz". Auch hier einige sympathische Sätze: der „Eklektizismus" des Liberalismus und die Erkenntnis, daß „das Judentum ein geistiger Prozeß ist, der seine Einheit durch die Jahrtausende bewahrt", sind „Grundanschauungen", denen die Verfasser „nahe stehen". — „dennoch hat das liberale Judentum seine große Bedeutung in unserer /TBAHL CrFALCKE BLUMEN -vOtU/STELLUNG BERLIN Wöö 222 MAUERSTR.7Q FERNRUF: ZENTRUM 5CÄ3 u. 502/3 BLUMENSPENDEN - TRAUERSPENDEN - TAFEL- SCHMUCK - INNENDEKORATION IN KÜNSTLE¬ RISCHER AUSFÜHRUNG - 12 erste Preise