Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 42 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte. Es hat die Starrheit der letzten Jahrtausende des Ghettos gebrochen. Es hat uns in einen lebendigen Zusammenhang hineingesteUt, der wächst und flutet.“ — „Auch unsere Bewegung hat wie jede nationale Bewegung ihre Grenzen, und wir sind weit entfernt von der Verirrung, jede andere jüdische Bewegung als feindlich zu betrachten.“ Vielleicht ist es schon viel, wenn wir so weit sind. Man kanivso all das, was die Verfasser nun trotzdem gegen den Liberalismus einwenden, ganz ruhig anhören und es von dem Gesichtspunkt aus beurteilen, daß letz lieh jeder nur seine Wahrheit lebt, nur von seiner Wahrheit aus den andern beurteilt und doch dazu gar nicht imstande ist — weil er diese Wahrheit der andern nie erlebt. Die Verfasser werfen uns „innere Knechtschaft“ vor, worunter sie Assimilation verstehen, sie verkünden uns, daß wir „keine jüdische Zukunft“ kennen und daß es für uns „kein Morgen“ gibt. Mit anderen Worten, wir sind Todgeweihte, wenn wir nicht das nationale Programm annehmen. Mir scheint es der liberalen Bewegung unwürdig, und es ist aus oben betontem ^^Gesichtspunkt einfach unmöglich und darum unnötig, sich %eute noch gegen jene Behauptungen zu wehren. Es genügt, daß wir den Glauben in uns selber tragen und selber ^wissen, was in uns glüht und nicht nur in uns, sondern in ",all denen, die mit uns an jüdischer Zukunft arbeiten, nicht «uletzt m unserer Jugend, die unser sicherster „Morgen“ «t. Wenn die Verfasser sich einmal „freuen“, von England ein Mandat erhalten zu haben, so könnten wir ihnen ganz ruhig sagen und ohne jede Gesinnung der „Feindschaft“, daß Ms diese Abhängigkeit von England, für das man Menschen Md Geld sammeln muß, das die Auswanderung erlaubt und die Einwanderung hindert —- wie moderner Frondienst unter dem modernen Pharao erscheint, wie moderne Kammerknechtschaft des Mittelalters und wie modernes Schutzjudentüm der Neuzeit. Und beinah wie Hohn kann es anmuten, wenn sich die Verfasser bei der Verquickung von Judentum mit Politik auf die Propheten berufen. Als wenn diese ein Judentum um jeden Preis jemals verkündet hätten, wie es die Mehrzahl der Zionisten doch tut, ja als wenn sie nicht Zerstörung des Staates gewünscht, damit die Religion aus der Asche entstehe. Freilich in Verbindung mit einem Staat. Aber, wie wir schon einmal gesagt, auch die Propheten haben für uns ihre Grenzen, und es ist unsere Sache und nicht die des Zionismus, wie weit wir ihnen noch folgen wollen. Und es ist unsere Sache, dafür zu sorgen, was den Verfassern unmöglich scheint, wie auch im Zusammenhang mit unserem Lande die „Einheit im Raum“ hergestellt wird, „der Zusammenhang mit dem ganzen Annahme von Bestellungen bei allen Postämtern Deulschond s lebendigen jüdischen Volk" (wir sagen lebendiger jüdischreligiöser Gemeinschaft) gewahrt wird, wie die »gegenseitige Befruchtung und Anregung durch alle lebendigen Keime, die ihm in einer bestimmten Zeit sprießen“, erfolgen kann. Glaubt es Freunde — oder glaubt es uns nicht, gerade darüber sinnen wir, „Tag und Nacht“. Rabb. Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Lord Byron von Georg Hirschfeld. Verlag Karl König, Wien und Leipzig. Band 14 der Sammlung „Menschen, Völker, Zeiten“, herausgeg. von M. Kemmerich. Eine Biographie zu lesen, fällt den meisten Menschen unserer Zeit schwer. Man lebt schon zu sehr nebeneinander, übereinander. Darum sucht man das Buch, welches verspricht, von dem Lehen der Menschen ineinander zu erzählen. U e b e r jemand zu schreiben, ist deswegen heute doppelt schwer und kann nur dann als eine gelöste Aufgabe betrachtet werden, wenn sich der Autor die Mühe nimmt, sich ganz in das vergangene Leben zu vertiefen und, von dieser vollkommenen Innerlichkeit aus, jenen fremden Menschen uns nahe bringt. Vielleicht könnte der Dichter Byron uns viel sein. Er — ein ewig Sichender, Er — ein Kämpfender, ein Liebender, Er — ein Wissender! Er könnte in seiner genialen Zeitlos igkeit auch unserer Zeit geben von seiner feinen und wehen Menschlichkeit, doch um uns dazu zu führen — und eine Biographie soll Führer sein —. müßte man tiefer dieses zerflossene Leben fassen, müßte ihn nicht nur aus der Perspektive „Zeiten, Völker“ anseben, sondern in seiner schönen, ewig jungen Menschlichkeit, welche sogar sein Werk überstrahlt! Immer wieder taucht eine leuchtende Frauengestalt in dem Kreis seines Werkes auf, manchmal nur, um mit einem Hinweis abgetan zu werden: „Von dieser Frau wird noch später die Rede sein ...“ Warum führt uns ein Dichter wie Hirschfeld nicht tiefer in das Mysterium des dichterischen Umgestaltens und Werdens ein? Wohl folgt noch ein Kapitel über die Frauen, eine nach der andern wird begutachtet: über die ungeliebte Gattin zur verstehenden und verstandenen Geliebten! So herausgerissen aus dem Lebensfaden Byrons bietet es keinen weiteren Einblick in des Dichters Wandlungen. Und doch müßte es interessant sein, an Hand dieser Stationen das Leben eines Schöpfers des „DON JUAN“ verstehen zu wollen. Hier fände man vielleicht den Schlüssel zu seiner Leidenschaft und Satyre, dieser wesentliche Teil eines Menschen, der so sehr an seiner Zeit litt, daß er über jene Enge hinaus ins Ewige wanderte! Dieser Mensch, welcher im stürmischsten Leben sich nicht selbst verlor, welcher in allen Lieben sich nicht zersplitterte, welcher um seines Ideals willen sein Leben opferte, dessen Mannes Werk ist nicht nur seine Dichtung, sondern auch seine Persönlichkeit! Und das hat uns Georg Hirschfeld übermittelt, daß er uns wenigstens den Menschen ahnen läßt. In wundervoll kurzen Sätzen, welche genügen würden, um eine Seite zu füllen, glimmt jenes Erfassen eines „Nächsten“ auf, das so wertvoll ist! Stückweise sind weise, kleine Gedicht-Abschnitte eingestreut, welche zum Lesen Byrons locken. Urn jener Zeilen jedoch mag das Buch gelesen werden, sie zeugen zumindest von einem starken Willen des Autors zum Mit-Leben und zum Deuten eines Menschen, der Byron hieß: nicht irgend einer, sondern dieser Besondere, der Engländer und Grieche, Krüppel und Adonis, Held und Zärtling war. Hirschfeld schreibt: „Byrons Mysterium ist die Legende vom Menschen: Geburt, Leiden, Schuld und Tod. Der Zweifler, der sich treu bleibt, ist der tragischste Held, denn nur Glaube gibt Seligkeit, und Seligkeit ist Nichtsuchen, Nichtwissen.“ Rabb. Dr. F. Straßburger, Ulm. Aus dem jüdischen Rußland vor vierzig Jahren. Skizzen von Dr. J. H. Bondi. 1927 Hermons Verlags-Aktiengesellschaft Frankfurt a. M. Diese Skizzen, die teilweise schon früher in einigen Zeitschriften veröffentlicht sind, umfassen folgenden Inhalt: Jüdisches Volksleben, Der Maggid, Lejschke, Reb Hirsch. Eine Hochzeit, der Teitsch, Eljokim Zunser und von dem letztgenannten Proben aus seinen Gedichten. Es ist dankenswert, daß der „iddische“ Text dieser Volkslieder in „Teitsch“ übertragen ist. Wir möchten wiederholt darauf Hinweisen, daß diese jüdisch-deutsche Mundart nicht ignoriert oder ironisiert werden darf, denn sie enthält viel altdeutsches Sprachgut und hat somit einen großen philologischen Wert. Dr. Spanier (Magdeburg). Kalendarium f.bie Zeit v.22.10. b. 2S.10.1S27 ONoter 1927 Tischri 5688 Sonnabend 22 26. Neumondweihe Haftarah: Jesaia 42,5—42,25; 43,1—43,10 Wochenabschnitt: B'reschith Sabbat-Ausgang: 5.41 Uhr Sonntag 23 27. Montag 24 28. Dienstag 25 29. Mittwoch 26 30. 1. Tag Rosch Chodesch Chrschwan 5688 Donnerstag 27 1. 2. Tag Rosch Chodesch Freitag 28 Sonnabend 29 3. Wochenabschnitt: Noah tzaslarah: Jesaia, Kap. 64,1—64,17; 65,1—65,5 Sabbat-Ausgang: 5.28 Uhr Israelitischer Gottesdienst in Irankfurt/M. Liberaler Ritus: HauPtsynagoge. Samstag, d. 22. Oktober 1627, Festgottesdienst anläßlich der Hautoersammlung der Vereinigung für das liberale Judentum e V, Berlin, morgens 9 Uhr Festpredigt: Gemeinderabbiner Dr. Salzberger. Freitag, d. 28. 10., abds. 5 Uhr, Lehrvortrag Dr. Seligmann- Sonnabend, d.29.10., morg 9. nachm. 4 Sabb.-Ausg. 5.55. Wochengottesdie.nst: morg. 7.80, nachm. 4 Synagoge an der Königsteiner Straße. Samstag, d. 22. Oktober 1827, Festgoltesdienst anläßlich der Hauptversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin, morgens 9 Uhr Festpredigt, Gemeinderabbiner Dr. Seligmann. Freitag den 28. 10., abends 6.30 Predigt Rabb. Dr. Salzberger. Sonnabend, d. 29. 10., morg. 9.30. Sabb.-Ausg 5.55 Wochengottesdienst: morg. 7.30 nachm. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Frettag, den 38. 10., abends 4.40, Sonnabend, den 29. 10., Frühgottesdienst 6.45, morg. 8.15, nachm. 4. Sabbat- Ausg. 6.56. Wochengottesdienst morg. 6.45, nachm 4.80, Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 28. iv.» abds. 4.40. Sonnabend, d. 29.10.. mrg. 8.45. Sabbat-Ausgang 6.55 Wochengottesdienst mrg. 6.45. Israel. Krankenhaus Gagrrnstr. 36. Freitag, den 28. 10., abends 4 40, Sonnabend, den 29. 10., morg. 8, nachm. 4 Uhr. Die Erste Weltkonferenz liberaler Juden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.-12. Juli 1926 Preis; Im Buchhandel Mk. 1.80 für Mitglieder der Vereinigung, die bei uns direkt bestellen Mk. 1.- vereioisuno lllr das liheraie. .u. Berlin SW 48, Wilhelmstraße 147 Bekanntmachung. In den Beerdigungsfeldern der ersten und ziveiten Abteilung unseres Friedhofes Weißensee befinden sich noch eine große Anzahl Nebenstellen, die für den überlebenden Gatten freigehalten werden. Wir fordern hiermit diejenigen Gemeindemitglieder, die aus diese Nebenstellen reflektieren, auf, sich bis zum 31. Dezember d. I. mit dem Bureau der Unterzeichneten Kommission, Rosenstraße 2—11, schriftlich in Verbindung setzen zu »vollen. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach Ablauf dieses Termins über die restlichen Stellen sofort anderweitig verfügt »verden wird. Berlin, im Oktober 1927. Friedhofs-Kommission der jüdischen Gemeinde zn Berlin. Winterkur auf Norderney im Kinder-Erholungsheim der Zion-Loge U. O. B. B, (rituelle Küche) Warme Seebäder, künstliche Höhensonne und Schulunterricht durch staatl. geprüfte Lehrerin im Hause. Kurbeginn nach Vereinbarung. Vorbildungskursus für Kindergärtnerinnen wie im Sommer. Leitung: Gertrud Feiertag. Anfragen an das Büro: Hannover, Körnerstr. 5. Itter inseriert vergrößert seinen Umsatz? lllllllllllllUIllllllllllllllllllllllllllllHllllllllltltll Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Breslau Anläßlich der diesjährigen Bundes-Hauptversammlimg in Breslau vom 22.-24 Oktober 1927 am Sonntag, den 23. Oktober 1927, 10 Uhr pünktlichst Gedenk- Gottesdienst in der „Neuen Synagoge“ 111i2 Uhr pünktlichst, Kundgebung: ,Für die deutsche Scholle“ im großen Saal des Konzerthauses Redner: Staatsrat a. D. Dr. Ludwig Haas, M. d. R. Universitätsprofessor Dr. Franz Oppenheimer, Frankfurt a. M. Hierzu laden wir die Mitglieder der Synagogen-Gemeinde ergebenst ein. Der Vorstand. Zu beiden Veranstaltungen sind Orden und Ehrenzeichen im Original und unsere Bundesnadel anzulegen. Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lütiowstraße 44, Telephon: Liltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke PasanenstraQe, Telephon: Steinplatz 1835 israelitlsclier Uindes-Asvl- und Unterstützungs-Verein für LU. Zur Wartung und Pflege von Insassen unseres Altersheims in Sontheim bei Heilbronn suchen wir eine erfahrene sebuesisr Angebote für diese Dauerstellung erbeten an den Vorstand Dr.Ii.Ottenheimer,Stuttgart, Kanzleistraße 35 literaler Herein lür Cie itogeieaealieiten «er jatusciien aemelnde m Berlin E. u. ERSTER GESELLSCHAFTSABEND am Sonntag, den 6. November 1927 in den Festsälen des Logenhauses Kleiststr. 10 Künstlerische Leitung: Harry Hauptmann Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Henriette Gottlie b von der Städtischen Opei / Dr Peter Bach, eigene Lieder zur TOMBOLA Laute Tilli Feiner, Heitere Lieder Willy Rosen, der beliebteste Klavier- Humorist Berlins. BALLMUSIEC das bekannte J a z z - S i n - fonie-Orchest er G a rü Am Flügel: Kapellmeister Landecker von der Städtischen Oper Berlin und Harry Hauptmann. Stammkarte Mk. 3.—, jedes weitere Familienmitglied Mb. 2.—. Vorverkauf im Büro Wilhetmstr. 147, I, sämtl. Theaterkassen von Tietz, Kadewe. Schneiders Hotel, Klosterstr. 79. Beginn des künstlerischen Teiles pünktlich 81,2 Uhr. Verlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. B., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Ing. Bruno Wo yd a, Berlin ÄW. 23. — Druck: Hermann Wegner & Co., Berlin-Martendorf. 11303^ 8^679823548189333104864612598^12419190^ ^84168078205820^220866485^03559^50402740