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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-10-14 · 41 (14.10.1927) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
41 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ter Hiffsverem hat seine Popularität in der jüdischen Bevölkerung Rußlands nicht eingebüßt. Seine Bereitschaft, sich an der Arbeit für dieselbe wieder zu beteiligen, wird freudig begrüßt. Eine Reihe wichtiger Aufgaben ist bei dem Wiederausbauwerk noch zu erfüllen. In den Kolonien herrscht großer Mangel an Krankenhäusern, Ambulatorien, Badehäusern, Kindergärten und Kleinkinderbewahranstalten. Tie Lehrwerkstätten in den städtischen jüdischen Gewerbeschulen, bedürfen dringend weiterer Ausgestaltung. In der aufbauenden Arbeit aut diesen Gebieten wird die Leistung der deutschen Wirtschaft und Technik von großer Bedeutung werden tönnen. Ter tzilssverein richtet einen dringenden Appell an die Inden Teutschlands, die Mittel herbeischaffen zu helfen, die eL ihm ennöglrchen sollen, sein Programm zu verwirklichen. Zum Schluß schilderte Herr Willsried Israel plastisch und eindrucksvoll seine Erlebnisse auf einer Rußlandfahrt und den Kamps der russischen Judenheit um physische und wirtschaftliche Regeneration; ein Kampf, der von der Indenbeit rn allen Ländern unterstützt werden muß. * Ter Hitssvereni der Deutschen Juden beschlos;, peit folgenden Al'.frus an die Judenheit,in Deutschland zu richten: „Seit dem Ende des Weltkrieges ist der Hilfsverein der Deutschen Juden nicht an die Glaubensgenossen mit der Bitte herangetreten, größere Mitte', für seine Aktion zur Verfügung zn stellen. Jetzt glaubt der Hilssverern die Zeit gekommen, zur Fortführung seiner Arbeit in Deutschland auf dem Gebiete der Emigranten-, Pogromwaisen- und Studenlenfürsvrge, sowie zur Wiederaufnahme seiner Tätigte i t i n R u ß l a n d u n d i m O r i e n t d i e M i t w i r k :i n g der deutschen Juden wieder in stärkerem Maße in Anspruch nehmen zu dürfen. Unter dem Drucke wirtschaftlicher Notwendig! eit vollzieht sich gegenwärtig in Rußland der Ueüergang der Juden zum Ackerbau und zur industriellem Arbeit. Ti?' zuständigen russGchen Behörden fördern die ländliche Ansiedlung der Juden, die großen jüdischen Wohlfahrtsgesillschasten beteiligen sich an ihrer Durchführung. Ter Hilssverein, der als Vertreter der deutschen Judenheit für jüdisch? Auslandshilfe in Deutschland seit Anfang des Jahrhunderts den Juden in Osteuropa und im Orient in bewegtesten Zeiten zur Seite gestanden bat. rechnet auch jetzt aus in? tatkräftigste Unterstützung der deutschen Inden, die es ihm ermöglichen soll, an der Lösung der zurzeit im Vordergründe stehenden großen Aufgaben mitzuwirken. Am Io. März 1927 ist Tr. Paul Nathan, einer der Begründer und Führer unserer Organisation, nach kurzem Leiden tiesbetrauert aus dem Leben geschieden. Wir deutsche Juden ehren sein Andenken auf die würdigste Weise, wenn wir für das j ü d i sich e H i l f s - werk das Lebenswerk Paul Nathans, unsere ganze Kraft einfetzen. Unsere Sammelaktion beginnt im September 1927 in Berlin und im Reiche. Spendet und werbet für unsere Aktion." Die wirtschaftliche Emanzipation der Inden im östlichen Europa In Fortsetzung der im Sommer eingeleiteten „Ort"- Aktion veranstaltete Herr Alfred Tietz am 1. Oktober in seinem Hause einen Vortragsabend, an dem Herr Dr. A. Singalowsky über „Ort" und die jüdischen Aufbauprobleme im östlichen Europa" sprach. Nach den einleitenden Ansprachen von Herrn Tietz und Rechtsanwalt Dr. Frank entwarf Herr Dr. Singalowsky ein eindrucksvolles Bild jüdischen Wirtschaftslebens während der letzten Jahrzehnte. Der wirtschaftliche Emanzipationsprozeß des osteuropäischen Judentums ist durch den Krieg und die Zerstörungen der ersten Nachkriegsjahre plötzlich unterbrochen worden. Die seit Beginn dieses Jahrhunderts im Abnehmen begriffene Schar jüdischer Luftmenschen hat sich binnen weniger Jahre um Hunderttausende vermehrt. Mit der fortschreitenden Liquidierung der unnötigen Vermittlungsinstanzen zwischen Produzenten und Konsumenten und der Ausdehnung der Geuossenschaftsbewegung hat der jüdische Kleinhändler jede Existenzmöglichkeit verloren. Es galt und gilt nun diese überaus zahlreiche Schicht der jüdischen Bevölkerung Osteuropas einem produktiven Berufe zuzuführen und sie in den Wirtschastsorganismus der umgebenden Bevölkerung einzugliedern. Die Förderung und Organisierung dieses nunmehr sich vollziehenden Umbauprozesses ist die vornehmste Aufgabe des auf demokratischer Grundlage aufgebauten „Ort"- Berbandes. Indem der „Ort" diese seine Aufgabe verwirklicht, schasst er ein Werk von allgemein menschlicher Bedeutung. Denn die Normalisierung des jüdischen Wirtschaftslebens in Osteuropa ist ein aktuelles Problem allgemeineuropäischer Wirtschaftspolitik. Die anschließende Diskussion gab Dr. Singalowsky die Möglichkeit, auch die gegenwärtige Lage der jüdischen Kolonisationsbewegung in Rußland eingehend ’ zu erörtern. Der Beifall, den die Worte des Redners fanden, zeugte vom Interesse, welches man auch in den Kreisen der Rheinländischen indischen Bevölkerung den aktuellen Problemen des jüdischen Wiederaufbaues entgegenbringt. D.m Kölner Aktionsausschuß des „Ort" sind die Herren A l s r e d T i e tz und Landtagsabgeordneter JustizratFalk beigctreten. Das Präsidium setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender: Geheimrat Auerbach; Beisitzer: die Herren Emil Blumenau, Rechtsanwalt Tr. Heinrich Frank, Rechtsanwalt Jonas und Alfttt) L. Tietz; Schriftführerin: Frl. Minni Cahcn. Gründung einer Arbeiterkolonie für jüdische Durchwanderer Am Sonntag, den 25. September, trat der gesamte Vorstand der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, der sich aus Vertretern der Landes- und Provinzialverbände zusammenscht, aus Einladung der Leipzig-Loge, Arndtstraße 1, zusammen. Tie Tagung wurde Namens des Gemeindeoori< andes durch Herrn 2. Gottlieb begrüßt, den Vorsitz führte Herr Eugen Caspary-Berlin. Ter Hauptpunkt der Tagesordnung war der Tiskussiou über die praktische Turchführung der seinerzeit von der Generalversammlung der Hauptstelle beschlossenen Gründung einer Mischen Arbeitsstätte für Tuvchwanderer auf lmrdwirffchaftlich-gärtnerischer Basis gewidmet. Tie Aussprache wurde durch ein einführendes Referat von Tr. Mar Kreutzberger- Berlin eröffnet, der noch einmal die Erfordernisse und die Notwendigkeit einer derartigen Gründung darlegte und weiterhin dre vorhandenen sachlichen Gutachten erörterte. Tie Bor- * | Versammlungskalender Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Aurrbachschen Waisenhaus, Schön- Hauser Allee 162): Freitag, den 14. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 15. Oktober, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Sonntag, den 16. Oktober, nachmittags 4 Uhr, Sukkausfeier für die Jugend in der Hütte der neuen Synagoge, Oranienburger Straße 30. Ansprache: Rabbiner Dr. Salomonski. Montag, den 17. Oktober, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Dienstag, den 18. Oktober, vormittags 10 Uhr, Seelenfeier und Predigt Dr. Salomonski. Abends 6 Uhr. Mittwoch, den 19. Oktober, 10 Uhr vormittags. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Breslau. Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger". Vorsitzender: Rabbiner Dr. Halpersohn, Breslau 13, Moritzstraße 50. Briefadresse: Alfred Berger, Breslau 13, Augustastraße 67. Fernsprecher: Stephan 37754. Unsere Vereinsabende finden allwöchentlich Montag abends 8.15 Uhr im Saale der „Gerhart Hauptmann"-Loge, Schweidniher Stadtgraben statt. Liegnitz. Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde: Sonntag, den 23. Oktober, 8.30 Uhr abends, in der Silrsia-Loge: Bortrag von Frau Justizrat Paula Ollendorsf-Breslau „Juden in Amerika". Sämtliche Gemeinde-Mitglieder sind herzlich willkommen. schlägt des engeren Vorstandes basierten insbesondere auf eiirem Gutachten, das der Berliner Güterdirektor Dyk seinerzeit erstattet hatte, und das durch Ausführungen von Pastor Braune, dem Geschäjtssührer der Arbeitercolouieu der Inneren Mission, ergänzt worden war. Aus 'Grund dieser Gutachten war in Aussicht genommen der Ankauf eines Gutes von ca. 2000 Morgen, das Beschäftigung der Wanderer in Landwirtschaft und Gärtnerei und die Anlage einer Reihe von gewerblichen Nebenbetrieben gewährleisten würde. Tie zum Ankauf notwendige Summe würde sich auf 200 000 Mk. belaufen, wobei noch» 100000 Mk. notwendiges Betriebskapital hinzutämen. An der Aussprache über dieses Projekt beteiligten sich alle anwesenden Vertreter des Reich svorstande?. Tr. Strauß-München, Dr. Oppenheim-Mannheim, Dr. O l l e n d o r f f - Berlin, Tr. Stein - Königsberg sp rachen sich für die Ergänzung des vorliegenden Projektes durch Anregung und Unterstützung von gewerblichen produktiven Fürsorgemaßnahmen innerhalb der Gemeinde selbst aus. Tie Schwierigkeiten gewerblicher produktiver Fürsorgemaßuahmen wurden durch S. Adler-Rudel -Berlin dargelegt, der insbesondere darauf hinwies, daß gewerbliche Gründungen der Gemeinde nie einen solchen Umfang annehmen könnten, wie ihn der Bedarf und der Notstand der Wanderfürsorge Deutschlands erforderlich machte. Er wies des weiteren auf die mannigfachen Schwierigkeiten hin, denen derartige Gründungen innerhalb der Gemeinde selbst begegnen müßten. Auf Vorschlag von Tr. Strauß-München wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: I. Ter Hauptvorstand beauftragt den engeren Vorstand, das Projekt der Schaffung einer landwirtschaftlichen Arbeitsstätte zur produktiven Beschäftigung jüdischer Tuvchwarcherer der Verwirklichung zuzuführen. Zu diesem Zweck soll im Zusammenwirken mit geeigneten Sachverstäirdrgen ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet und der nächsten Sitzung des Hauptdorftrndes zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden. Es soll ferner die Aufbringung der Mittel zur finanziellen Turchführung des Projektes rm Wege der freiwilligen Beiträge vou Einzelnen, den Gemeinden, Landesverbänden und Wohlfahrtsorganisationen sowie durch Aufnahme von Krediten sofort in die Wege geleitet werden. Tie Mitglieder des Hanptvorstandes werden in ihren Gemeinden und Verbänden sich nachdrücklichst für die Förderung des Werkes einsetzen. II. Ter Hauptvorstand ersucht den engeren Vorstand, die Frage der Produktivierung der Durchwanderer in zentralisierten Arbeitsstätten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, die Erfahrungen, die in verschiedenen Gemeinden gemacht wurden, zu sammeln, aus' Grund derselben Richtlinien für die Schaffung, den Betrieb und die Finanzierung solcher Einrichtungen für örtlich oder provinzial begrenzte Gebiete aufzustelleu und für deren Verwirklichung durch die Zeitschrift der .Hauptstelle sowie die sonstige jüdisch? Presse und durch aufklärende Vorträge einzntreten. Ter Vorstand beschäftigte sich des weiteren mit dem Etat der Hanptstelle sowie mit einer Fülle technischer Fragen. Schließlich wurde noch eine Wanderordnung für jüdische Turchwandercr beraten, die eine einheitliche Fürsorge für alle Turchwanderer innerhalb Teutschlands garantieren soll. Die Emanzipation der türkischen Juden Mehrere prominente Inden der Türkei haben sich zu einer Gesellschaft vereinigt, die das Ziel verfolgt, die türkische Sprache allmählich zur Muttersprache der Inden in der Türkei werden zu lassen. Sie wird dafür Propaganda machen, daß in den jüdischen Schulen türkisch als Unterrichtssprache eingesührt werde nnd daß Abendkurse für erwachsene Juden zur Erlernung der türkischen Sprache eingerichtet werden. Die türkische Presse drückt ihre Genugtuung über die Arbeit dieser Gesellschaft aus und nennt ihre Ziele im höchsten Maße patriotisch. Die im Zusammenhang mit dem Konfiantinopeler Judenprozeß in Smyrna stattgefundenen antijüdischen Demonstrationen und Ausschreitungen haben auch in jüdischen Kreisen peinlich berührt. Eine Abordnung türkischer Notabeln, Aerzte, Advokaten und Geschäftsleute, drückte den jüdischen Notabeln in Smyrna ihr Bedauern und ihre Empörung darüber aus, daß türkische junge Leute, aufgestachelt durch die unverantwortliche Pressehetze, gegen ein so ehrenhaftes und friedliches Element, wie es die jüdische Bevölkerung der Türkei ist, so schnöde sich benehmen könnten. Es fand auch eine Zusammenkunft türkischer und jüdischer Notabeln statt, in der über Mittel beraten wurde, ein festes Band zwischen dem türkischen und dem jüdffchen Element zu schmieden. Die jüdischen Notabeln erklärten, die Juden der Türkei wären stets loyale Söhne des türkischen Vaterlandes und sind gegenwärtig treue Anhänger des republikanischen Regimes. Es wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt, so u. a. für die Einwurzelung der türkischen Sprache unter den Juden zu wirken. (Jta.) Aus den Gemeinden Aachen. (Erfreuliches Ergebnis der Repräsentant e n w a hl e n.) Die Wahlen zur Repräsentanz verliefen sehr friedlich, da die maßgebenden Verbände eine Einheitsliste eingereicht hatten. Die Wahlbeteiligung war sehr gering. Nur 28 o/o der Stimmberechtigten machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Einheitsliste wurde vollständig gewählt. Nach der Anzahl der auf sie entfallenen Stimmen geordnet, wurden zu ordentlichen Repräsentanten die Herren Paul Königsberger, Otto Lippmann, Alfred Stern, Karl Löwcnstein, Julius Holländer und Dr. Otto Wallerstein, alle liberal, zu Repräscntanten-Stellvertretern die Herren Hermann Franken, Karl Baer, Alex Meyer, Paul Servos, Paul Stiel und Eduard Levano, cbcusalts bis auf einen Zionisten ausschließlich liberal, gewählt. Es ist zu hoffen, daß die Arbeit der neuen Repräsentantenversammlung, von liberalem Geiste getragen, für die gesamte Gemeinde zum Segen tvird. Allenstcin. (S y n a g og e n j u b i l ä u NI.) Tic hiesige jüdische Gemeinde feierte am Vorabend ihres Neujahrsfestes das 50jährige Bestehen d e v S h n a g o g e durch einen Festgottcsdienst, der von Psalmgcsängen des Kantors Silbcrpfennig und Gcmeindegesang umrahmt tvar. Rabbiner Dr. A p t hielt die Festpredigt über die Bedeutung des Gotteshauses, das er als den Sammelpunkt aller bezeichnctc, und schloß mit Gebet für das Vaterland, wobei er des 80. Geburtstages unseres verehrten Reichspräsidenten gedachte, und der Gemeinde. Rechtsanwalt N e u m a n n als Vorsitzender der Gemeinde würdigte in einer Ansprache den Wert des Gotteshauses als Mittelpunkt des Gemeindelebens. Augsburg. (I u st i z r a t Bauer ge st orte n.) Aus dem israelitischen Fricdhos wurde Justizrat Ludwig Bauer, Ehrenvorsitzender der israelitischen Knltusgemcinde Augsburg und Mitglied unserer Bereinigung, beerdigt. Tistriktsrabbincr Dr. Grünfeld, Rechtsanwalt Dr. Strauß, der Vorsitzende der israelitischen Kultusgemcinde Augsburg, Tr. 9k e u m e i e r , Rat am Obersten Landesgericht in München, Vorsitzender des Landesverbandes israelitischer Kultusgcmcnldcn, hoben die hervorragenden Verdienste Bauers als Führer seiner Glaubensgenossen hervor. Geh. Justizrat Weigl- Augsburg legte mit einem herzlichen Nachruf einen vom Akademischen Gesangverein München gestistelen Kranz nieder. Kränze hatten auch Verwaltung und Ausschuß der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg und der Landesverband israelitischer Änltusgemeinden Bayerns zusammen mit der israelitischen Knltusgemcinde München gegeben. Berlin. (7 0. G e b u r t s t a g.) Eines unserer tüchtigsten Mitglieder, Herr Philipp Locvy, Wilmersdorf, Konstanzer Straße 59, feierte am 10. Oktober seinen 70. Geburtstag. Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat es sich nicht nehmen lassen, durch eine Deputation dem verehrten Jubilar seine herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Philipp Loevh ist seit langem ein rühriger und eifriger Vorkämpfer der liberalen Sache. Wir hoffen, daß er uns und dem Judentirm noch recht lange erhalten bleibt. Sttlitt. (F a h n c n w c i h e des R e i ch s b u n d e s jüdischer Frontsoldaten.) Tic Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten veranstaltete am Sonntag, den 9. Oktober, im überfüllten Saal des Logenhauses Kleiststraße die Weihe ihrer neuen Fahne. Unter den zahlreich vertretenen Organisationen bemerkte man den Gau-Vorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold mit Senatspräsident Dr. Großmann an der Spitze, den Militärverband „Deutsches Vaterland", den Central-Verein, die studentischen Korporationen des K.C., des K.J.V. und des A.J.G.B., die in Wichs und mit Fahnen erschienen waren, Vertreter der Jüdischen Rcformgemcinde, des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin u. a. Nach Chorgefang und einem Solo von Obcrkantor Davidsohn hielt Prediger Dr. Karl Rosenthal die Aeiherede. Er weihte die Fahne als ein Symbol der Treue, des Idealismus und des Friedens. Dr. S. London nahm die Fahne in die Obhut des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und dankte allen, die zum Gelingen der Feier beigetragen. Bon den zahlreichen nun folgenden kurzen Ansprachen war besonders beachtlich der Gruß, den Staatspräsident Dr. Großmanu überreichte. Mit begeisterten Worten schilderte ec die Beteiligung jüdischer Persönlichkeiten für Volk und Vaterland. Für den Liberalen Verein überreichte Herr Alfred Jaulus einen Fahnennagel und wünschte dem Frontbund besonders für die Siedlungsaktion gutes Gedeihen. Chorgesang schloß die würdige und eindrucksvolle Feier. Berlin. (Sport erfolg des R.j. F.) Die Jiu-Jitsugruppe des Reichsbundcs jüdischer Frontsoldaten war bei einem vom Reichsverband für Jiu-Jitsu veranstalteten Erstlings- und Anfängerturnier äußerst erfolgreich. Bei den Schlußkämpfen ergab es sich, daß der R. j.F. mit 61/2 Punkten den ersten Platz belegen konnte vor dem Ersten Berliner Jin-Jitsu-Club mit 8, dem Postsportverein mit lOO und der Jiu-Jitsu-Gruppe der Justizverwaltung mrt 1 Punkt. Berlin. (Ausbildung von W 0 h l f a h r t s p f l e g e r i n - n c n.) Das jüdische Säuglingsheim in Niederschönhausen bei Berlin, Moltkestraße 8-9, ist durch Verfügung des preußischen Ministeriums für Volkswohlsahrt als Ausbildungsstätte zur fachlichen Berufsschulung der Wohlfahrtspflegerinnen für das Hauptfach „Gesundheitsfürsorge" anerkannt worden. Berlin. (Rcligionspädagogische Tagung.) Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht veranstaltet in diesen Tagen zusammen mit der Gesellschaft für evangelische Pädagogik eine rcligionspädagogische Tagung. Als erster Vortragender gab Prof. Sellin einen Durchblick durch die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse über das alte Testament. Man ist sich über die Bierschichtung im Pentateuch völlig einig. Aber man hat begriffen, daß eigentlich erst hinter diesen Quellen die eigentlichen Probleme austauchcn, die Fragen nämlich, welche älteren Schriften von dem Jehowisten, dem Elohistcn, dem Deuteronomisten und dem Priesterkodex benutzt ivorden sind. Dieselben Quellenschichtungen liegen auch in den historischen Büchern im allgemeinen vor. Kein wissenschaftlicher Theologe wird heute mehr an der Person des Moses zweifeln. Auch steht wohl fest, daß Abraham eine hi st arisch faßbare Persönlichkeit gewesen i st. Anders ist es um die andern Patriarchen bestellt, die in nebelgrauer Ferne uns entschwinden. Sellin machte dann daran? aufmerksam, daß endlich auch die Theologie sich der Pflicht bewußt geworden sei, Ausgrabungen zu veranstalten. Was den Religionsunterricht anbetrifst, so vertrat Sellin die These, daß die Propheten viel mehr in den Vordergrund geschoben werden müßten als früher« Beverungen. (Jubiläum.) Die hiesige Synagogen-Gemeinde konnte im vorigen Monat das 75 jährige Bestehen ihrer Synagoge festlich begehen. Der Festsabbat, an dem unter Anwesenheit zahlreicher Gäste dieses Ereignisses gedacht wurde, erhielt durch Blumenschmuck, Dankgebet und Predigt des Kehrers Buxbaum seine besoiürere Weihe; zur Feier des Tages waren auch sechs neue silberne Leuchter gestiftet worden, die Almemor und Kanzeln zierten. In besonderer Gedenkfeier wurden die verstorbenen Gründer und Förderer des Synagogenbaues sowie verdiente Vorsteher und Mitglieder der Gemeinde geehrt. Am Abend fand eine gemütliche Zusammenkunft der Gemeindemitglieder und ihrer Gäste statt. Lehrer Buxbaum verbreitete sich über die Geschichte der Gemeinde; den Abschluß der gelungenem Feier bildete ein Festball.

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