Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-10-14 · 41 (14.10.1927) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
41 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613935--2444-2619927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

9rt*I«n. (Landgerichtsrat Gellin iom A«te suspendiert.) Landgerichtsrat Gellin, der getaufte ^ude, der sich vor kurzem in einem hiesigen Weinlokal scharfer anttseinitischer Redeexzesse schuldig gemacht und anwesende Juden brschiMpst hatte, ist nunmehr vom Amte suspendiert worden. Lrefeld. (Vom Bintus.) Am 26. September fanden in Trefeld auf der herrlichen Grotenburg-Kampfbahn die diesjährigen leichtathletischen Meisterschaften des „Bintus" statte Bei schönstem Wetter wickelten sich die Kämpfe vor etwa 1000 Zuschauern ziemlich. flott und interessant ab. Esse». (60. Geburtstag.) Unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde feierte Rabbiner Dr. Samuel an diesem Jaum-Kippur seinen 60. Geburtstag. In dem Festakt, der am darauffolgenden Sonntag im Rabbinerhaus stattfand, kam der Dank der Gemeinde in würdigster Form zum Ausdruck. Vorstands- und Repräsentanten- Vertreter, geführt von den Herren Heinemann Frendenberg und Rektor Abraham, Übergaben ein wertvoUes Geschenk. Die Abordnungen aller jüdischen Vereine überbrachten den Dank ihrer Organisationen für die vielen Anregungen, die sie in ihrer Arbeit durch den Jubilar empfangen durften. Dr. Samuel erwiderte aus alle Ansprachen in einer humorvollen und geistreichen Rede, die er in das Gelöbnis ausklingen ließ, auch weiterhin seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde, der er selbst so vieles zu danken habe, stellen zu wollen. — Am Nachmittage hatten sich viele Mitglieder des, Rheinisch-Westfälischen Rabbinerverbandes unter Führung des derzeitigen Vorsitzenden- Dr. Steinthal-Münster, in Essen eingefunden, um dem Sechzigjährigen, der seit Gründung des Vereins als Schriftführer tätig ist, ihre Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Mögen dem unermüdlichen Arbeiter noch viele Jahre des Glücks im Kreise der Seinen vergönnt sein. Frankfurt a. M« (F r i e d h o f s s ch ä n d u n g.) Ende vergangener Woche wurde von unbekannten Tätern der alte israelitische Fried-, Hof in der Sofienstraße in gemeiner Weise geschändet und Unfug darauf verübt. Es wurden Grabsteine umgeworfen, demoliert und zerschlagen. Blumen wurden aus den Grabanlagen gerissen und aus Grabsteine Aufschriften, wie Judas Jschariot, geschrieben, und dieselben mit Hakenkreuzen bemalt. Weiter wurden die Wege verunreinigt. Die Ermittelungen nach den Tätern sind noch im Gange und haben bereits zur Entdeckung der Spuren geführt. Frankfurt a. M. (Termin der Neuwahlen.) Amtlich wird jetzt der Tag der Neuwahl für die Gemeindevertretung mit Sonntag, den 27. November, angezeigt. Die Wählerlisten liegen ab 1. Oktober im Gemeindebüro für alle Gemeindemitglieder über 20 Jahre aus. Vorbedingung der Wahlberechtigung ist die einjährige Mitgliedschaft zur Gemeinde ohne Unterschied des Geschlechtes. Frankfurt a. M. (Aus der Gemeindevertretung.) Die Schächtgebühren für Großvieh sind von Mk. 4,— auf Mk. 2,— herabgesetzt worden. — Ein Darlehen von 5000,— Mk. wurde der „Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden" vom Gemeindevorstand gewährt. — Dem israelitischen Hilfsverein, dem Verein „Ez Chajim" und der „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" wird ein Darlehen gewährt. Hamburg. (Synagogenneuweihung.) Am Vorabend des Neujahrsfestes, am Montag abend, wurde die neue Dammtor-Synagoge in der Beneckestraße, nach ihrem Umbau in festlichem Gottesdienst cingeweiht. Rabbiner Dr. Paul Holzer hielt eine Ansprache und zündete die ewige Lampe an. Dann wurden die .25 Thora-Rollen hereingebracht und in dreimaligem, feierlichem Rundgang durch den Raum ins Allerheiligste getragen. Dr. Holzer sprach die Weihcpredigt und stattete den Dank der Gemeinde an alle diejenigen ab, die den Umbau des Gotteshauses in künstlerischer und technischer Vollendung hergerichtet haben. Heilbronn. (Ein Lehrerveteran.) Dieser Tage beging Lehrer Forchheimer in körperlicher und geistiger Frisch« seinen 85. Geburtstag. Während seiner vierzigjährigen Amtstätigkeit, die er in verschiedenen Orten ausübte, hat. sich Lehrer Forchheimer bei den Schülern, Eltern und Amtsgenossen großer Wertschätzung erfreut. So hat es ihm an seinem seltenen Familienfeste an mancherlei Ehrungen und Aufmerksamkeiten nicht gefehlt. Kassel. (Neuerungen im Jüdischen Museum.) Wegen airderweitiger Verwendung der Räume des Hessischen Landesmuseums, die bisher der Unterbringung jüdischer Ausstellungsgegenstände gedient hatten, war das Jüdische Museum kurze Zeit geschlossen geblieben. Die Sammlungen sind neuerdings wieder zugänglich geworden, nachdem nicht nur die Räume vergrößert, sondern auch das Material um manches wertvolle Stück aus Privat- oder Allgemeinbesitz vermehrt werden konnten. Auch das Landesmuseum lieferte einen vollständigen Thoraschmuck, der eine Augsburger Goldschmiedearbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts darstellt und künstlerisch wirkungsvoll erscheint. In seiner neuen Aufmachung übt das Jüdische Museum auch weiter auf interessierte Kreise seine Anziehungskraft aus. So statteten ihm kurz nach seiner Wiedereröffnung 40 mit dem Leipziger Institut Delitzschianum in Kassel tagende Geistliche ihren Besuch ab; unter den Gästen befanden sich auch der Generalsuperintendent von Berlin, Debelius, der Kirchenhistoriker Professor Jeremias aus Leipzig u. a. Wie die Leitung des Museums bekannt gibt, hat der Reichskunstwart, der seinen Vertreter in die Ausstellung entsandte, unter dem starken Ausdruck der Geschlossenheit und Feierlichkeit dieses bedeutenden heimischen Kulturgutes beschlossen, auf der Deutschen Volkskunstausstellung in Dresden 1929 auch Raum für eine jüdische Abteilung zu schaffen und um Beteiligung des Jüdischen Museums in Kassel an dieser gebeten. Die Museumsleitung benutzt diese erfreulichen Resultate, um immer größere Kreise „zur tätigen Beteiligung an dem Kulturwerk" anzuregen. Köln a. Rh. (Synagogenweihe in Ehrenfeld.) Am ersten Selichaustage wurde die neue Synagoge in Ehrenfeld durch eine Feierstunde cingeweiht. Die Feier, an der fast alle Mitglieder der Ortsgemeinde und eine stattliche Anzahl geladener Gäste teilnahmcn, wurde durch Orgclspiel und Chorgesang eingeleitet. Der 1. Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Emil Blumenau, sprach Worte des Dankes allen werktätigen Mitarbeitern aus, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. Es folgten Ansprachen der Gemeinderabbiner; der Vortrag von religiösen Gesängen gab der Feier eine künstlerische Weihe. In dem Wau der neuen Synagoge in Ehrenfcld hat der Architekt B. D. A. Robert Stern ein Werk geschaffen, das ein dauerndes Denkmal moderner Baukunst und jüdischen Gemeinsinns bleiben wird. Der Bau wurde in weniger als Jahresfrist vollendet und in der Hauptsache von jüdischen Handwerkern. Alles ist durchdrungen von neuzeitlicher klarer Baugesinnung, in deren Formen Herr Stern der religiösen Stimmung des jüdischen Glaubens einen weihevollen Ausdruck gegeben hat. Köln a. Rh. (Gcheimrat Apfel 75 Jahre alt.) Am 19. Oktober vollendet der Geheime San.-Rat Dr. Simon Apfel sein 75. Lebensjahr. Geheimrat Apfel hat stets das Erbgut gepflegt, das ihm ein gut jüdisches Elternhaus ins Leben mitgab. Der beruflich sehr in Anspruch genommene Arzt fand immer Zeit, wenn im Dienste seiner Glaubensgemeinschaft Arbeit zu leisten war. Und er hat sie redlich und in großem Ausmaße getan. Lange Jahre betreute Geheimrat Apfel als Vorstandsmitglied und als Vorsitzender der Schulkommission den Religionsunterricht der Kölner Synagogengcmeinde. Die klare Erkenntnis der Bedeutung der religiösen Erziehung ließen ihn vor vielen Jahren den Rheinischen Provinzialverband gründen, an dessen Spitze er heute noch steht. Seine Arbeit im Dienste des Lehrerstandes fand lebhafte Anerkennung, der man dadurch Ausdruck gab, daß man ihn zum Ehrenmitglied des Vereins jüdischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens ernannte. An der Entwicklung der Rheinlandloge hat Geheimrat Apfel immer regen Anteil genommen. Seine schätzenswerte Kraft kam auch dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund zugute, dem er als eifriges Ausschuß- Mitglied angehört. Rngdetnrg. (Panik in der Synagoge.) Am Vorabend des Bersöhnungsfestes entstand durch eine umgefallene Kerze in der hiesigen Synagoge und in der Wohnung des Kastellans ein Brand, während in der Synagoge Hunderte von Menschen versammelt waren. Da die Wohnung und der Raum, in dem die Leute versammelt waren, über dieselbe Treppe zu erreichen sind, so entstand eine Panik. Doch wurde durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr ein größeres Unglück verhütet. Der Brand konnte bald gelöscht werden. Schneidemühl. (Friedhofskunstausstellung.) Rach 4* wöchentlicher Dauer wurde hier die Friedhofskunstausstellung für die Grenzmark am 2. Oktober geschlossen. Di? Ausstellung bot ein anmutiges und interessantes Bild der Bestrebungen, von den Friedhöfen der Gegenwart mancherlei Geschmacklosigkeiten fernzuhalten und sie zu würdigen Stätten der Ruhe und des wahren Friedens zu gestalten. Unter den Bildern alter und neuer Friedhöfe ragte die jüdische Abteilung an Zahl und Auswahl hervor. Den Bemühungen des Bezirksrabbiners Dr. Rosenzweig war es gelungen, Ausnahmen der Friedhöfe der jüdischen Gemeinden in Schneidemühl, Dt.-Krone, Jastrow und Schlochau in trefflicher Auswahl zu zeigen. Dank dem Entgegenkommen des Oberrates der badischen Israeliten in Karlsruhe, kamen auch zahlreich« Bilder der jüdischen Friedhöfe Badens zur Ausstellung, deren Jahrhunderte alte Grabmalkunst im Osten zum ersten Mal gezeigt wurde und auch bei den nichtjüdischen Besuchern der Ausstellung viel Beachtung fand. Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schristleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung. Jüdische Offiziere in Amerika An die Schristleitung der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Berlin. Sehr geehrte Schristleitung! In den Nummern 36/38 Ihres geschätzten Blattes zeigen Sie an zwei Beispielen Ihren Lesern, daß es in Amerika auch höhere Offiziere gegeben hat, die sich zum jüdischen Glauben bekannt haben. Auf den ersten Blick scheint es, als ob Sie die dort aufgesührten Persönlichkeiten ansühren, weil es die einzigen sind, die, zumindest ihrem Namen nach, bekannt wurden. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Der verstorbene Vorkämpfer des Centralvereins, Herr Dr. Paul Nathan, hat schon im Jahre 1896 in seinem Werke folgende Feststellungen getroffen (Die Juden als Soldaten. S. 159 ff.), die beweisen, wie viele jüdische Offiziere in den „Vereinigten Staaten" das antisemitische Märchen von der Kriegsuntauglichkeit der Juden zunichte gemacht haben. Ich führe im Nachfolgenden nur die höheren Ränge an und lasse für die Armeen Majore und Lieutnants usw., von denen zahlreiche (für 1861/64 allein 40 Majore und 205 Capitainsl!) namentlich angeführt sind, fort. Der Titel eines Colonel entspricht bekanntlich dem des deutschen Obersten, ebenso wie Colonel- Lieutnant die Dienstbezeichnung eines Oberstleutnants ist: Am Unabhängigkeitskriege 1777 haben teilgenommen: Salomon Busch (Colonel), Jsaac Franks (Colonel, Adjutant von Washington), David S. Franks (Colonel, Adjutant von Arnold), Jsaacs (Colonel, verwundet 16. VIII. bei Camden). Am Kriege gegen England 1812 haben teilgenommen: Joses Bloomsield (Brigadegeneral), Nathan Myers (Colonel), Aaron Benjamin (Colonel-Lieutnant). An den Kriegen gegen Teras 1836 und Merico 1846 haben teilgenommen: David de Leon (General), Leon Dycr (Colonel), S. M. Hyams (Colpnel), Israel Moses (Colonel-Lieutnant). An dem Sezessionskriege 1861—1864 haben teilgenommen: Generale: Leopold Blumenberg (Brigadier), 5. Maryland Jnfantry, Jonas Frankle (Brigadier), 17. Jnfantry, Benjamin Jacobs, Philipp I. Joachimsen (Brigadier), 59. Jnfantry, Frederio Kaefler (Brigadier), 79. Jnfantry, Adolf Mayer (Inspektor), 4. Jnfantry, Edward Salomon, 82. Jnfantry, Adolph Mayer, (Hon), William Mayer. Colonel: Adams, 2. Cavalry, Max Einstein, 27. Jnfantry, Max Friedmann, 5. Cavalry, Ansel Hamburg, 12. Jnfantry, Samuel Haymann, 37. Jnfantry, Theodore Keller, 2. Jnfantry, Lconareande Lyon, Simon Levy, 1. Independent, William Levy, 2. Jnfantry, David Manheim, 1. Cavalry, Leon R. Marks, 27. Jnfantry, Seraphim Meyer, 107. Jnfantry, H. Newbold, 14. Jnsantry, Elias Pcisncr, 119. Jnsantry, David Solomon, H. A. Seligson, Charles E. Solomon, 5. Jnfantry, Markus M. Spiegel, 120. Jnfantry, Licutnant -Colonel: Albert Anselm, 3. Jnfantry, Josef Epstein, 5. Cavalry, S. M. Hyams, 3. Jnfantry, Henry M. Karpeles, 52. Jnsantry, Philipp E. Lichtcnstein, 72. Jnfantry, Leopold C. Newman, 31. Jnsantry, Joel Wolf, 16. Jnsantry. Auch für die Marine sind zahlreiche höhere jüdische Offiziere genannt, so z. B.: Miah Philipps Levy, Commodore, bei seinem Tode höchster Offizier der amerikanischen Marine, David M. Cohen, Major im Marine Corps, Henry Etting, Capitain, Levy Myers Harty, Commodore bei den Konsödericrten, James P. Levy, Capitain, Henry Benjamin Noncs, Capitain u. a. m. In der Annahme, daß Sie für obige Angaben evtl, in Ihrem „Eingesandt" Verwendung haben, zeichne ich mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung L u d lv i <) Kaempfer. Die Jerichorose Von Max Rosenfeld. An der Straße, die von Jerusalem bis an den Jordan führt, lag einst die uralte Stadt Jericho, die für die Israeliten den Eingang in das heilige Land bildete. Heute findet man dort nur noch das kleine Dorf Riha, das meist ärmliche Lehmhütten aufweist. ln dem Dorfe Riha lebte vor Zeiten eine arme jüdische Witwe mit ihrem zwölfjährigen Töchterchen Ruth. Die Frau flocht Bastkorbe, die sie in Jerusalem verkaufte, woselbst sie auch Verwandte hatte, die zwar keine reichen, aber etwas besser gestellte Juden waren. Vor ihrer kleinen Hütte besaß die arme Jüdin einen ganz bescheidenen Garten, eigentlich nur ein Gärtchen, worin sie besonders eine Jerichorose pflegte, die ihr Mann einst vom Toten Meer mitgebracht hatte. Nach dem Tode ihres Mannes war ihr diese eigenartige Pflanze mit ihren ausgebreiteten Stengeln ein teures Andenken. Und wenn die Jerichorose ihre kleinen rosa Blüten trug, sog die Frau den zarten Duft davon ein und fand Trost über den so schmerzlichen Verlust ihres Gatten. Aber die Mutter der kleinen Ruth wurde krank, sie mußte zu Bette liegen. Wenn sie nun in der Hütte so ruhig lag, sagte sie oft zu ihrer Tochter: „Ruth, mein liebes Kind, öffne das Fenster, damit der Duft der Jerichorose, die dein Vater einst mitbrachte, zu mir dringe!" Und wenn die kleine Ruth das Fenster aufgetan hatte, dann atmete die Mutter tief, und es tat ihr wohl. „Siehe, mein Kind",«, sagte die Mutter, „Blumen haben in ihrem Duft eine eigene Sprache, die aber nur Liebende, Unglückliche und Trauernde verstehen." Ruth sog ebenfalls den Duft der Jerichorose ein und dachte: „Ich habe mein Mütterlein recht innig lieb, so muß ich auch die Blumensprache verstehen.“ Aber das Kind verstand sie noch nicht. Es pflegte aber sein Mütterlein und war sehr fleißig, denn Ruth hatte längst das Korbflechten gelernt. Doch die Mutter wurde immer schwächer. Eines Tages, als sie ihr Ende herannahen fühlte, rief sie ihr Töchterlein wieder zu sich. „Ruth, mein teures Kind, höre mich aufmerksam an: Wenn mich Gott von dieser Erde fortnehmen sollte, dann wirst du zu unseren Verwandten nach Jerusalem kommen. Weine nicht, denn ich lasse dir einen Trost zurück — unsere Jerichorose. Bevor du zu den Verwandten nach Jerusalem gehst, grabe die Pflanze mit den Wurzeln aus und nimm sie mit. Erschrick nicht, wenn die Jerichorose vertrocknet und völlig einschrumpft. Setze sie, wenn du in Jerusalem bist, in eine Schüssel voll Wasser, und du wirst sehen, daß die Pflanze sich wieder ausbreitet, grünt und blüht. Die Jerichorose wird dein Trost sein!" Als die Mutter so gesprochen, schlief sie selig ein, um nicht mehr zu erwachen. Das Mägdlein weinte nun doch sehr um sein verstorbenes Mütterlein, es riet und schrie sogar, so daß die jüdischen Nachbarn kamen und ebenfalls ein Wehklagen um die gute Frau begannen. Sie wuschen aber endlich den Leichnam der Frau, kleideten sie in das bereitliegende Sterbehemd und legten sie in einen einfachen Sarg. Da lag nun die tote Frau die ganze Nacht bei offenem Fenster. Doch der Leib war ja nur tot, die Seele schwebte noch über dem leblosen Körper. Da drang der Duft der Jerichorose so wundersam und mächtig zum Fenster herein und zog die Seele der Frau in den unendlichen Weltenraum. Nachdem die Mutter bestattet war, brachte man die kleine Ruth zu den Verwandten, die in Jerusalem wohnten. Das Mägdlein hatte sorgfältig die Jerichorose mit allen Wurzeln ausgegraben und in ihren Reisesack gesteckt. In Jerusalem wurde das Kind sehr gut bei den Verwandten aufgenommen, doch sie konnten ihr ja doch nicht das geliebte Mütterlein ersetzen. Tag und Nacht trauerte das Kind, ja, es wünschte sich sehnlichst, nun auch zu sterben und bat den lieben Gott, es zu seinem Mütterlein zu bringen. Ruth hatte aber die völlig verwelkte Jerichorose, wie es ihr die Mutter geheißen, in eine Schüssel voll Wasser gesetzt und in ihrem Kämmerchen neben ihr Lager gestellt. Als sie nun morgens erwachte — o Wunder! — da hatten sich die vertrockneten Stengel gereckt, gestreckt, die Blätter waren wieder grün geworden, und kleine rosa Blüten guckten schon daraus hervor. Das Mägdlein faltete vor diesem Wunder die Hände und ließ sich von dem süßen Duft umschmeicheln. Und aus dem Blütenduft glaubte sie eine Stimme zu vernehmen, die zu ihr sprach: „Geliebtes Kind, sei nicht länger traurig, denn mir geht es unbeschreiblich wohl. Gott nahm mich zu sich in sein Himmelreich. Sei getrost und bleibe ein braves jüdisches Mädchen! Harre fröhlich auf Erden aus, erfülle getreulich deine Pflicht und halte die Gesetze! Dann wirst du dort glücklich sein und einst, wenn dein seliges Ende gekommen, zum ewigen Gott und zu mir gelangen. Pflanze die Jerichorose in einen Blumentopf und stelle sie auf dein Fenster! Und damit du stets ein Zeichen habest und getröstet seiest, will ich jeden Abend durch den Duft der Blüten zu dir sprechen." Und die kleine Ruth sog den Duft der Blüten ein und wurde froh und glücklich; denn sie wußte ja, daß zu ihr das geliebte Mütterlein sprach. >♦♦♦♦♦♦ »»M*» ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ »♦♦♦44»»»4»4»4 4-» »»♦»♦♦♦»♦»< >44444 :: * : Rätsel-Ecke > ♦444> Auflösung: 1437 1409 1411 1431 1415 1427 1425 1421 1423 1419 1417 1429 1413 1433 1435 1407 Werbt neue Mitglieder!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.