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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-12-09 · 49 (9.12.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
49 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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' gewicht starker ideologischer Triebkräfte hat der zionistischen Organisation in einer Zeit, die einzig aus das Äeldsamm«lu (und dies, wie es an einer anderen Stelle heißt, „auch bei nicht national gesinnten Juden") eingestellt gewesen ist, gefehlt und die Folge war ein arger Rückgang der Organisation." Direktor Dr. Viktor Kellner sprach über das gleiche Thema besonders hoffnungSfreudig: „Wir befinden uns zwar in einer Krise der Idee, die nicht di« erste ist..., die zionistische Idee hat aber den Vergleich mit keinem Sozialismus der Welt zu scheuen und wir werden die Kris« überwinden, wenn die Jugend wieder die Erkenntnis gewinnt, daß eine Arbeit für die Ideale der Menschheit nur im Judentum und durch das Judentum möglich ist." Wir glauben doch, daß diese Ausführungen, die übrigens, wie so oft, in irreführender Weise eine Gleichstellung von Zionismus und Judentum enthalten, allzu optimistisch gefärbt sind, sind auch nicht der Ansicht, daß die verschiedenen vorgeschlagenen Allheilmittel zur Gewinnung der verloren gegangenen jüdischen Jugend für den Zionismus, wie zum Beispiel die wiederholt beantragte Reaktivierung der hebräischen Sprache, auf sehr fruchtbaren Boden fallen werden, aber dies sind schließlich Sorgen, die unsere Jüdischnationalen, die deren auch sonst nicht wenige haben, mit sich selbst bereinigen müssen. Was »ns jedoch mehr angcht, sind die Divergenzen der Meinungen über die Notwendigkeit oder Entbehrlichkeit der Heranziehung d«r Nichtzionisten zum palästinensischen Ausbauwerte. Hier kam tatsächlich ein wahrer Widerstreit der Ansichten zum Ausdruck. Der Referent Adolf Böhm bekannte sich z. B. als Anhänger der erweiterten Jewish Agency. „Die Tatsache, daß man große Geldmittel benötigt, zwingt uns, nichts unversucht zu lassen, die Nichtzionisten zur Mitarbeit unter nationalen Bedingungen (?) zu bewegen. Die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten in der Jewish Agency ist auch erziehlich, weil wir von Block zu Block werden arbeiten und verhandeln müssen." Der Präsident Dr. Goldhammer machte gar die Mitteilung, daß nunmehr auch in Oesterreich ein Pro-Palästina-Komitee zur Förderung der Interessen Palästinas entstehen wird, dessen Konstituierung in den nächsten Wochen stattfinden wird. Auch in Oefterreich sei es gelungen, hervorragende Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern, zumeist auch die Parteiführer zur Mitarbeit zu gewinnen. Zur Gründungsversammlung wird voraussichtlich der Präsident der zionistischen Organisation, Prof. Dr. Weiznrann, nach Wien kommen und hier die Ziele der Bewegung und die Notwendigkeit der Mithilfe von Nichtzionisten darlegen. Auf der anderen Seite forderte Robert Stricker als Wortführer der radikalen Gruppe eine schärfere Betonung der Idee des Juden st aates und den Ausschluß der Nichtzionisten aus der dem Mandate vorgesehenen Jewish Agency. Er sagte wörtlich: „Die bedauernswert schlechten Zustände in der zionistischen Partei sind keine Wiener Lokalangelegenheit. Man kann die Jugend und das Volk nur gewinnen, wenn man sie vor eine Entscheidung stellt und diese Entscheidung heißt: der Judenst a a t." Die Aufstellung dieses Programmpunktes stellt wohl eine vollständige Verkennung der Lage der Juden in Palästina dar. Wenn auch führende österreichische Zionisten noch immer an diesen politischen Schlagworten — denn es sind nichts anderes als Schlagworte — festhalten und, eingesponnen in ihrer nationalen Ideologie, die Wirllichkeit nicht sehen können oder wollen, so bricht sich dennoch die Erkenntnis in immer weiteren Kreisen Bahn, daß man auf diesem Wege nicht zum Ziele gelangen kann. Zur gleichen Zeit, wo die Auswanderung die Einwanderung um mehr als das Doppelte übertrisft und das Wiener „P a l ä st i n a a m t" nach einer Mitteilung auf dem Delegiertentag hauptsächlich der Fürsorge für diese Rückwanderer aus Palästina obliegen muß, noch vom „Judenstaat" zu faseln, das ist die gleiche Absurdität, wie sie in der auch von Stricker insugurierten „Landespolitik" zum Ausdruck kam. Diese Landespolitik war die Ursache dafür, daß die auf dem Delegiertentag einmütig konstatierte Unzusriedenheit in allen zionistischen Kreisen im Zunehmen und das Interesse im Abnehmen begriffen ist; die Propaganda für den Judenstaat kann noch zu viel gefährlicheren Erscheinungen führen. Ein bemerkenswertes Detail war, daß, wie auf allen bisherigen zionistischen Parteitagen, auch ein großer Teil der Debatte, die auf dem diesjährigen Delegiertentag abgesührt wurde, sich mit nichts anderem zu beschäftigen wußte, als mit dem Kampf gegen die „Assimilanten", die man andererseits heranlocken will. Besonders tat sich da natürlich Herr Dr. Plaschkes hervor, der sich mit diesem Gegenstände sehr ausführlich beschäftigte. Nach ihm sind „gegenwärtig all« Kräfte gegen die Assimilation zu vereinigen, die unser Werk wert ernster bedroht, als man es sich eingestehcn will". Denselben Standpunkt nahm auch Direktor Dr. Viktor Kellner ein, der da sagte: „Es ist schärfster Kampf gegen di« Assimilation erford«rlich." Er dehnte diese Forderung namentlich auf di« Sozialdemokraten aus, welchen Kampf er vom Standpunkt der jüdischen Kulturarbeit begründete: „Im Kampf gegen die organisierte Assimilation, die heute in ihrer Gefühllosigkeit und in ihrem Mangel an Verständnis für jüdische Aufgaben nicht minder gefährlich ist als je zuvor, müssen sich di« Zionisten vereinigen." Aus der anderen Seite verriet Präsident Dr. Goldhammer eine bisher unbekannt gebliebene Pikanterie bei der Ausstellung der schmählich durchgesallenen „Jüdischen Partei" gelegentlich der letzten Wahlen: „Die liberalen Tendenzen waren wirtschaftlich und sozial auf der nichtbürgerlichen Seite vertreten. Es mußte daher ein Weg gefunden werden, um mit dieser großen Partei irgendwie konform zu gehen." So war diese ganz von Phrasen und Schlagworten erfüllte Debatte des Delegiertentages ein fortwährendes Hin und Her der widersprechendsten Ansichten und auch in einer der wichtigsten Fragen gelangte man zu keiner Einheitlichkeit. Denn es ergab sich die Unmöglichkeit, ein« neue Leitung zu wählen und die Tagung mußte resultatlos auseinandergehen. Sie wird anfangs Dezember wieder zusammentreten, «m das Provisorium zu beendigen. Es scheint fast, als ob die zionistische Politik in Oesterreich überhaupt ein ewiges Provisorium bildet. O. H. Annahme von Bestellungen auf die Jüdischliberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands Wort: „Am Schicksal der Alten erkennt »a.n. den Kulturstand der Jungen!" — Ter m jeder Weise glänzend organisierte Abend wird noch lange in der Erinnerung alter Teilnehmer nachklingen und hat auch sicherlich zur ErfMung seines hohen, idealen Zieles beigetragen, weiteste Kreise für das Werk der Altershilfe zu gewinnen. tz. ★ BÜCHERSCHAU * Aron Friedtnatm: Aus dem „Gebet König Salomos“, eine Komposition in drei Teilen für eine Singstimme und Klavier. 1. Teil: Könige I, Kap. VIII, Vers 12-21. 2. Teil: Könige I, Kap. VIII, Vers 38—43. 3. Teil: Könige I, Kap. VIII, Vers 51—60. Es ist meines Wissens zum erstenmal, daß ein jüdischer Kompotiist es unternimmt, die ihm wesentlich erscheinenden Teile des salomonischen Gebetes bei der Einweihung des Tempels musikalisch, zu illustrieren. Die in epischer Breite das Gebet einleitende „Begründung des Tempelbaues“ hat in thematischer Durchführung voif Friedtnann eine analoge Vertonung erfahren, so daß dieser erste Teil der Trilogie in hohem Maße interessant und wirkungsvoll ist. Die eigentliche Gebetsstimmung kommt Ln dem B-moll- Satz des zweiten Teiles zum Ausdruck. Ueberzeugende Töne der Inbrunst und der völkerversöhnenden Menachheitsidee dringen ans Ohr, und mit liebevoller Behandlung der aus dem Text sprechenden „Zuneigung des Gotteshauses“ schließt der Komponist diesen erhebenden zweiten Teil in Des-dur. Sehr schön ist auch der dritte Teil des interessanten Werkes, der den „Segen des Königs“ über das Volk enthält, und der, wie auch die beiden ersten Teile, mit konsequenter Thematisierung behandelt ist. Dem ganzen Werke kann man das Zeugnis ausstellen, daß es melodisch gefühlvoll und warm und daß es kontrapunktisch gut durchgearbeitet ist. H e r m ann Zi v i, E1 be r f e 1 d. iiiuiHiiiiHiiuiaiuiiiuiiuiinimimuimiiuiiuimtuiimiUHiiHiiiuiuiiuiiiiiiuuiiiiiuHiiiiiiiii Konzert- und Gesellschaftsabend der Jüdischen Altershilfe Groß-Verlin Ein künstlerisches und gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges vereinigte am Dienstag dieser Woche über 500 unserer Glaubensgenossen in den Räumen des Hotels „Der Kaiserhof". Tie Herren Prof. Dr. Albert Einstein, Jacob Goldschmidt und Generalkonsul Eugen Landau hatten die Einladungen ergehen lassen, und Herr Professor Einstein stellte sich auch durch künstlerische Mitwirkung in den Dienst der Sache. Er spielte den ersten Satz der Sonatine A-moll von Schubert mit bewundernswerter Feinheit; man fühlte auss einem Geigenspiel förmlich heraus, was diesem Manne der Wissenschaft die Kunst bedeutet. Den Klavierpart hatte Bruno Eisner übernommen, der mit bekannter Künstlerschaft auch drei Klaviervortrüge von Chopin zum Vortrag brachte. Sigrid Onegin, von stürmischem Beifall begrüßt, sang mü ihrer hinreißenden Kunst, von Franz Rupp verständnisinnig und geschickt begleitet, Arien und Lieder von Gluck, Schubert, Hugo W-olf, Jsonard. Ter Jubel des Publikums veranlaßt« die liebenswürdige Künstlerin zu einer Zugabe (Brahms). Ein seelenvoller Cellovortrag von Francesco von Mendelssohn folgte, und den Beschluß bildete ein Trio der Herren Einstein, Eisner und Mendelssohn. — Das Publikum folgte allen Darbietungen mit warmer Beae'sterung und blieb nachher noch lange bei einem. Tee-Imbiß versammelt. Es fehlte kaum eine der in der jüdischen Öffentlichkeit bekannten Persönlichkeiten. Tr. Fritz Kahn wies am Schluß mü eindringlichen Worten die Versammelten auf den Zweck der Veranstaltung hin: Ein jüdisches Altersheim soll gebaut werden, und wir alle bauen mit. Die einst selbst in der Gesellschaft und bei der Wohlfahrt-Tätigleü führend, fördenü» und tonangebend waren, dürfen wir nicht im Stiche lassen, und die heute gesichert dastchen, sollen selber auch an ihr zukünftiges Schicksal denken. Tr. Kahn schloß mit dem von Professor Einstein geprägten 44444 >♦♦♦♦»+♦♦4 »44 444444 4444 »4444444444444444 444444 4444 ►44444 i: * : MlselEcke '444*44444444 44444444444444444444444444 4 »4 »44444 »' 4 4 > W f r >44444 Auflösungen aus voriger Rümmer: Diagonalenrölsel. 1. ESSE .2. ASNA 3. SANA 4. 'AREA „Esra". ErgÄMugsrätsel. David Urne Reinheit Eeremonie Herold Witwe Esther Japheth Sonne Durch Weisheit gründete der Herr die Erde. Hagar Eleasar Island Tischri Gelübde Rasche Ulster Elend Ninive AUF ALLE FALLE HARTWIG-QUELLE Halb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. 'Ärztlich empfohlen bei Zucken* Nieren,-Magen.-Darm*und Stoffwechsel- Krankheiten DEUTSCHE MINERALQUELLEN ArG, JÄGER STR, 6 MERKUR'* 4664/4(566 Ausserdem vorrätig in allen einschlägigen Geschäften u.allen verkauftstellen dJtPech a& Die Erste Weltkonferenz liberaler Juden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.-12. Juli 1926 i Preis: Im Buchhandei Mk. 1.80 für Mitglieder der Vereinigung, die bei uns direkt bestellen Mk. 1.- Vereinigung lllr das libersle Judenium tu. Berlin SW 48, Wilhelmstr&ße 147 r k Sch; iftenpeihe d. Vereinigung 1.1). üb. Judenlii E, V. den HM Die Grundsätze des jüdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0 50 Mk. ' üen nr. 2 Religionen (vergriffen) Hell Nr. 3 in zweiter Auflage die seit Jahren vergriffene Broschüre GrundBaaen und Zi&le d*s religiös-liberalen Judentums von Dr. Joseoti nonten-Eitiortoid preis 0.75 INK. Bestellungen beim Verlag der „Jüdisch-liberale Zeitung“ Berlin SW 48, Wiltielmslraße 147 Verein für Feuerbestattung; in Berlin von 1874, e. V. KestMlosr FeueTbpatattung Annahme W 35, Lützow traße 44, Tel phon: Lfltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantsti. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Sfeim latz 1835 (na* Israelitischer Gottesdienst in Irankfurt/M. Liberaler Ritus: Hauptsynagoge. Freitag, d. 8. 12., abd§. 4.30, Lchrvortrag Rabb. Dr. Salzbcrg-cr. Sonnabend, d. 10. 12., morg. 9, nachm. 4, Sabd.-Ausg. 5.15,. Wochengottcsdiensl: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Köuigsteiner Straße. Freitag, d. 9. 12., abds. 6.30, Predigt Rabb. Dr. Gottschalk. Sonnabend, d. 10. 12., morg. 9.30, Sabb.-Ausg.?V15. Wochen gottesdienst: morg. 7.30, abds. 7. Ävirservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, d. 0. 12., abds. 4, Bortrag des Herrn Dr. Ephraim. Sonnabend, b. 10. 12., Frühgottcsdienst 7.05, morg. 8.1-5, nachm. 4, Sabb.-Arrsg. 5.15. Sonntag, d. 11. 12., abds. 6, ThilUnr-V ortrag von Herrn Rabb. Dr. Hofsmann. Wochengottesdicnst: morg. 7.05, nachin. 4. Synagoge Bockenhnm. Freitag, d. 9. 12., abds. 4, Bortrag Rabb. Dr. May. Sonnabend, d. 10. 12., morg. 8.4», nachm. 4, Sabb.-Ausg. 5.15. Wochengottesdienst: morg. 7.1». Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Freitag, d. 9. 12., abds. 4. Sonnabend, d. 10. 12., morg. nachm. 4. jSndog: Vereinigung für daliberale Judentum e. B., Berlin SW. 46. — Verantwortlicher Redakteur: Dtpl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin NB. 88. — Druck: tzermaun Wegner 0 Co., Berlin-Marieudorf. 99882999815768^^^12029159367444785^81641471^97 ^+.:^3+..:/+./+:65:$:/^$4./.6B

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