Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 39-40 (4.10.1927)
- Date
- 1927-10-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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leidigungen: „Sie Jude! Sie sind wohl auch ein solcher Jude!" usw. abgelehnt. Herr G. setzte die Aeußerungen, laut über das Lokal schreiend, fort. Es war unvermeidbar, daß, eine ungeheure Erregung entstand. Es ist, was ich ebenfalls seststellcn will, von unserem Tische erwidert worden: „Das will ein deutscher Richter sein! Wir verbitten uns Ihre Beleidigungen! Es ist ein Skandal, daß solche Menschen als Richter amtieren können! Das Geld wird von der Republik genommen, aber gegen die Bevölkerung Beleidigungen ausgesprochen" usw. Da die Beleidigungen fortgesetzt wurden, entfernte ich mich, um zur Feststellung der Personalien einen Schupybeamten zu holen. Beim Eintreffen mit dem begleitenden Beamten verließ .Herr G. gerade das Lokal. Der Schupobeamte hat in höflicher und dienstlicher Form das Ersuchen um Angabe des Namens an Herrn G. gerichtet. .Herr G. lehnte zunächst die Angabe ab. Erst aus dringliches Zureden gab er an: Landgerichtsrat Gellin, Breslau, Äoethestraßc 35-37. Da ich dem Polizcibeamteu ebenfalls meine Personalien angeben mußte, rief er mir erneut zu, in der Absicht der Beleidigung: „Sie Jude! Schämen Sie sich. Sie Jude!" Sie wundern sich, daß ich so auf die Juden schimpfe: Ich bin aus einer jüdischen Familie." Ich bemerkte kurz: „An Ihnen hat ein preußischer Justizminister auch keine reine Freude!" Seine Antwort lautete: „Ich lege keinen Werl aus den Herrn Justizminister!" Mir erscheint es undenkbar, sehr geehrter Herr Justizminister, daß ein preußischer Richter, der in einer derart unerhörten Weise, ohne von irgend jemanden herausgefordert zu sein, sich im ösfentlichen Lokale benimmt und äußert, länger in der Ehrcnstcllung eines Richters stehen kann. .. Wie nun amtlich mitgeteilt wird, ist gegen Landgerichtsrat Gellin ein staatSanmaltschastliches Ermittlungsverfahren erngeleitet worden. Auch das „Berliner Tageblatt" teilt mit, es habe gegen „diesen eigenartigen Richter" das Erforderliche unternommen. Danzig. (S y n a g o g e n w e i h e.) Die Ausbreitung des Stadtbezirks hat in dem von vielen Juden bewohnten Villenvorort Langfuhr die Errichtung einer Synagoge notwendig gemacht, deren Grundsteinlegung am 5. August 1926 erfolgte. Die Einweihung fand am 25. September ds. Js. in Anwesenheit der Vorstände der Synagogengemeinde, -Abgeordneter der jüdischen Logen, Vereine und Nachbargemeindcn, Vertretern der städtischen und kirchlichen Behörden sowie zahlreicher Gemeindemitglieder statt. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. David Weiß, der neben seiner Wirksamkeit in der Neuen Synagoge >zu Danzig hauptsächlich in diesem Gotteshause amtieren wird. Als Kantor ist Herr Siegmund Tordai engagiert worden, der bisher in der Berliner Jüdischen Gemeinde (Synagoge Oranienburger Straße) tätig war. Der Einzug der Thorarollen und die Ansprachen der Herren Justizrat Fabian, Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde, Direktor .heibenfeld, Vorsitzender des Langfuhrer Synagogenvereins, Justizrat Zander, Dr. Segall und Justizrat Lewinsky wurden umrahmt von Gesängen der Herren Oberkantor Mcisel, Hauptkantor Alt, Kantor Tordai und des von biefein zusammengestellten Männer- und Knabenchors. - Das Gotteshaus ist nach den Entwürfen der Berliner Architekten Reg.-Baumeistcr Paul Jmberg und Leopold Friedman« unter der Bauleitung des einheimischen Reg.-Baumeisters Tr.-Ing. Abraham ausgesührr; es bietet Platz für 500 Personen und ist von beiden Fronten, vom Mirchaiierwcg und Hauptstraße, ans zugängig. Der Bausands konnte zum großen Teil aus Spenden bestritten werden. Bon der Ausstellung einer Orgel ist aus räumlichen und pekuniären Gründen abgesehen worden. Die Architekten haben einen Bau errichtet, der, abweichend vom Schema sonstiger Synagogen, doch einen würdigen zweckentsprechenden Eindruck macht. Ter Gottesdienst, der in Langfuhr bisher in Mietsrärmien verrichtet werden wußte, tonnte mit den Festandachten an den hohen Feiertagen im eigenen Heim beginnen. Die Verwaltung ressortiert von der Synagogengemcinde Danzig. Dresden. {<£ t i \ t u n g.) Um das Andenken an seine beiden verstorbenen Söhne lebendig zu halten, hat der in Meißen ausäßige Kaufmann .Hermann Sachs der Dresdener Israelitischen Religionsgemeinde 2090 Mark zwecks Errichtung einer Martin- und Richard- Sachs-Stiftung übereignet. Alljährlich am 15. Jjar und 18. Tischri, den Tagen, an denen für die verstorbenen Söhne der Familie Sachs in der Dresdener Synagoge Kaddisch zu sagen ist, soll aus dem Erträgnis der Stiftung unter Mitwirkung des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, feines Amtsnachfolgers, einem Dresdener jüdischen Studenten oder einem Waisenkind geldliche Unterstützung zuteil werden. Das Gemeinderatskollegium erklärte sich mit diesen Bedingungen einverstanden und ließ dem Stifter ein Dankschreiben zugehen. Dresden. (7 0. Geburtstag.) Am 25. September beging Kaufmann Alexander Buckwitz, langjähriges Mitglied des Synagogenausschusses, die Feier des 70. Geburtstages. Aus diesem Anlaß übkrbrachte namens der Gemeinde Vorsteher Max Levi die herzlichsten Glückwünsche. Frankfurt a. M. (Jüdische Kunstdtnsmül e r.) In den Räumen des Kunstvereins, Junghofstraße, hat die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer K u n st d e n k m ä l e r eine Ausstellung von jüdischen Kultusgegenständen eröffnet. Bewußt hat die Gesellschaft alles Profane von der Ausstellung ausgeschlossen, sich allein aus das Religionskundliche beschränkt. Der Hauptton ist aus die Darstellung der Entwicklung der Synagogen in den verschiedenen europäischen Ländern gelegt. Wo sich die Juden schon früh frei entfalten konnten, wie in Holland und England, prägt sich dies in den Synagogenbanten aus, namentlich in ihrem fast üppigen Innenausbau. Die Amsterdamer und Londoner Synagogen sind Beispiele dafür. Architektonisch am schönsten dürfte die Synagoge sein, die Herzog Leopold Friedrich Franz von Anhalt sich in seinem weltberühmten Park von Wörlitz erbauen ließ. Die Ausstellung vermeidet allzu breite Ausführlichkeit, gibt nur einen Ausschnitt aus den reichen Schätzen des Bildmaterials der Gesellschaft. Dadurch gerade wird der gewollte Zweck erreicht, einen knappen äußerst anschaulichen Uebcrblick zu geben über ein Forschungsgebiet, das bisher fast so gut wie vernachlässigt worden ist. Mtzgxrr den Beschauer die antiken, spanischen, italienischen Synagogen noch so sehr anziehen, höchsten Anreiz zum Versenken in ihre Schönheit bieten erst die im Borraum ausgestellten .Holzsynagogen des europäischen Ostens. Sie zeigen deutlichst, was Anmut und Kunstsinn an schlichter, doch großartiger Schönheit gerade in den Gebieten leisteten, in denen die Jaden bis iji die neueste Zeit hinein grausamsten Verfolgungen ausgesetzt waren. Von einigen dieser Synagogen dürste heute kaum noch mehr vorhanden sein als diese Aufnahmen -- sie wurden ein Opfer des Krieges. Und selbst nur einem Zufall ist zu verdanken, daß die Ausnahmen erhalten sind. Nur mit größter Mühe, gelang es, aus vergilbten Photographien die gezeigten Schätze zu heben und bergen. Die photographischen Darstellungen legen besonderen Wert aus die Veranschaulichung der Wirkung der Kultgegenstände im Synagogenraum. Doch erst die Ausstellung der K u l t g e g c n - st ä n d e selber vermittelt einen lebendigen Begriff. So läßt sich zum Beispiel, in Verbindung mit den Photographien sehr schön die Entwicklung der Ricchnarden (Bcsomiinbüchsen) von den einfachsten Nardcnsormcn bis zu den sonderbarsten Turmnachbildungen (darunter herrliche Sederschüssel, Silber, 18. Jahrhundert. Gezeigt werden der Mäusetnrm) verfolgen. Besondere Erwähnung verdient eine ganz außerdem eine Thorakrone, verschiedene prachtvolle Chanukaleuchter, gestickte Thoravorhänge, Seüerschüsseln, Esterrollen, Beschneidegeräte, illuminierte Traubriese, Gebetbücher in Silberbcschlä§cu, hebräische Inkunabeln und als besonderes Prunkstück die Sammlung jüdischer Trauringe aus dem Besitz des Juweliers Louis Koch, die schon ln Köln auf der Jahrtausendausstellung zu sehen war. Zweck der Ausstellung ist Werbung für die Ziele der Gesellschaft, Hinweis aus kunsthistorisch bisher vernachlässigtes Kulturgut, Ansporn zur Sammlung der zerstreuten jüdischen Kvnstdenkmäler. Der Gesellschaft fehlt es, wie den meisten wissenschaftlichen„Vereinigungcn, an einem starken Fonds für Forschungs- und Publikgtiöyszwecke. Diesen zu schassen, soll die Ausstellung mithelscn. 1 Fürth. (Kantor Lübeck gestorben.) Arii 15. Sepiember ist Kantor Lübeck nach langem Leiden im 59. Lebensjahr sanft entschlafen. Die Gemeinde beklagt den Heimgang eines ausgezeichneten Beamten, Mitarbeiter und Freunde einen bewährte»! Amtsgenossen, seine Schüler einen geliebten und verehrten Lehrer^ seine Familie dep überaus geliebten Vater. Mit unierer Gemeinde war er durch seine langen Dienstjahre aufs engste verwachsen, mit ihrer Geschichte und Entwickelung aus eigener Kenntnis innig verbunden. Jsidoe Lübeck wurde am 21. März 1869 in Ezarnikau (Provinz Posen) geboren, besuchte die Jüdische Lehrerbildungsanstalt in Berlin und wurde nach Beendigung seiner Studien als Kantor und Religionslchrer nach Liegnitz i. Schlcs. berufen. Im Jahre 1895 folgte er dem Rufe der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth als Nachfolger des Kantors und Religionslehrers E b e r t. Durch 31 Jahre hat er in Fürth mit nie ermüdender Treue seines hohen Amtes gewaltet, bis er infolge seiner Krankheit im Frühjahr 1926 beurlaubt wurde. Die Hoffnung, daß er im Herbst des Mrigen Jahres seine Arbeit wieder ausnehmen könne, hat sich Icibcrntidjt erfüllt. Am 30. September 1926 trat er in den Ruhestand. Eine längere Muße hat ihm das Schicksal nicht mehr gewährt, sein letztes Lebensjahr war mit wenig Unterbrechungen ausgesülll durch die schweren Leiden, denen er am Abend des 15. Septembers erlag. Die Trauerfeier, die am 18. September auf dem Neuen Israelitischen Friedhos stattsand, vereinigte eine stattliche Trauergemeinde. Rabbiner Dr. Behrens würdigte eingehend die Persönlichkeit des Verewigten, seine Verdienste um die Gemeinde in Schule und Gotteshaus, seine glücklichen menschlichen Gaben, die er im Kreise seines Hauses, an der Seite der Gattin als Führer und Berater seiner Tochter und seines Sohnes und seiner Schwiegertochter als Mittelpunkt seiner Freunde entfaltet hatte, er wies auf die Schlichtheit seines Wesens hin, aus die Freundschaft und Treue, die er in der beruflichen gemeinsamen Arbeit seinen Mitarbeitern und Amtsgenossen bciviesen und aus die vorbildliche Frömmigkeit, die auch im Leid ihn 'gestärkt hat. Für die Gemeindeverwaltung sprach J.-R. Wertheimer herzliche Dankes- und Abschiedsworte mit der Versicherung dauernden Gedenkens. Für die Beamten und für den bayerischen Israelitischen Lehrcrverein nahm in freundschaftlichen Worten Kantor Gutmann, sein langjähriger Fürther Amtsgcnosse, von ihm Abschied Herr Obcrstudiendircktor Pfirsch vom .Humanistischen Gymnasium sprach noch einmal den Dank der Anstalt und des Lehrerkollegiums für die treuen Dienste ans, die Herr Kantor Lübeck der Schule in langjähriger Arbeit geleistet, für die Freundschaft und die Berusssreudigkeit, die ihn aufs engste mit dem Kollegium verband. Mit dem Hinweis aus den von der Schule gewidmete« Kranz^schloß er seine warmherzigen Ausführungen. Für die israelitischen Schüler sprach Joachim Dispekcr Worte des Dankes und der Treue. Dann widmete Oberkantor Theodor F r a e n ke l - N ü r n - b c r g dem langjährigen Freunde und dem trefflichen Berufsgenossen im eigenen Namen und im Namen des A l l g. Deutsche u K a n - toren Verbandes innige Worte des Tankes, der Verehrung und der Ancrtannung und beschloß damit wirksam die eindrucksvolle Feier. Mit der Liturgie, vorgetragen von Kantor Adler-Fürth, nahmen wir Abschied von dem unvergeßlichen Toten. Gießen. (6 0. Geburtstag.) Rabbiner Tr. T. Sander beging in voriger Woche unter lebhafter Anteilnahme der Gemeindemitglieder feinen 60. Geburtstag. In zahlreichen Glückwunschschreiben und anderen Aufmerksamkeiten, die dem beliebten Prediger zugedacht ivaren, dokumentierten sich auch der Dank und die Anerkennung der Verdienste, die sich Dr. Sander um die jüdische Allgemeinheit und insbesondere um den von ihm geistlich betreuten Teil der Gemeinde crtvorben hat. Hannover, (Sitzung des R e p r ä s e n taut e n tollegi - n m s.) In seiner Sitzung vom 20. September beschäftigte sich das Kollegium eingehend mit der eventuellen Einführung eines neuen Wahlverfahrens für die Mitglieder des Rcpräfentantcnkollegiums. Das Vorstandsmitglied Herr Dr. Schleisner hat eine Denkschrift über die Frage versaßt, die den Mitgliedern des Repräsentantenkollegiums vor einigen Wochen zugestellt tvorden ist. Der Vorstand har sich bereits vor einiger Zeit eingehend mit der Frage beschäftigt und seinen Beschluß abschriftlich den Repräsentanten zur Kenntnis gebracht. Die Verhandlungen drehen sich um folgende Fragen: 1. Soll da» Proportionalwahlrecht eingesührt werden? 2. Soll das Frauenwahlrecht cingeführt 'werden? 3. Wie weil geht der Kreis der Gemcindeangehörigkeit? In der lebhaften Debatte fehlt cs natürlich auch nicht an ablehnenden Stimmen. Tic meisten Redner aber betonen übereinstimmend, bei den letzten Wahlen zum Repräjentantenkollegiuw sei keine große Beteiligung gewesen, weil keine Gegenkandidaten ausgestellt gewesen seien. Das Interesse der Gemerndemitglieder müsse geweckt iverden. Auch könne man sich den diesbezüglichen Anregungen von seiten des Vereins zur Pflege der Interessen der Synagogengemeinde, in dessen Versammlungen das bisherige Wahlsystem wiederholt Gegenstand eingehender Aussprachen war, nicht länger verschließen. Man solle das freie Listensystem einführen. Dann habe man begründete Aussicht, Persönlichkeiten in die Gemeindevertretung wählen zu können. Auch in der evangelischen und katholischen Kirche genössen die Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Aus die Dauer könne sich auch die Judcnheit nicht gegen diese Zeitströmung (Gleichberechtigung der Frau) wehren. Die Gemeindevertretung dürfte keinesfalls tvarten, bis gesetzliche Vorschriften kämen, die das erzwingen würden, was heute noch im freien Entschluß der Verwaltung stände. Die Abstimmung ergibt gegen nur drei Stimmen den Beschluß, das bisherige Wahlsystem z» ändern. Vorerst wird sich mit den Abänderungsvorschlägen, der Ausarbeitung des neuen Wahlstatuts usw. eine Kommission zu befassen haben, die sich aus zwei Vorstandsmitgliedern und drei Repräsentanten zusammensetzt. Das Kolleg gibt der Kommission folgende Richtlinien: Freies Listen-Wahlrecht. Aktives und passives Frauenwahlrecht. Wahlallcr 25 Jahre aktiv, 30 Jahre passiv. (Doch sollen besonders über diesen Punkt erst Unterlagen von anderen Gemeinden eingezogcn werden.) Ucber die künftige Größe des Repräscntantenkollcgiums iverden bestimmte Richtlinien nicht ausgestellt. Es folgt Genehmigung des Nachtrags zum Stellenregulativ. In Zukunft hat der Sohn eines Verstorbenen das Recht, während des ganzen Trauerjahres den Platz seines Vaters in der Synagoge zu behalten, ohne daß hierfür eine Sondergebühr zu zahlen ist. Einstimmig bewilligt werden 2000 Mark für dir Zentralstelle für Wohlfahrtspflege als Sondcrznschuß zu den Hohen Feiertagen, 1500 Mark für die Armcnkommission. Dem Schächtschutzvcrein tvurde ein einmaliger Zuschuß bewilligt. - Seit längerer Zeit ist der Gemeinde- Vorstand bemüht, Altertümer, die in der Provinz verstreut sind und die jüdischen Kulturwcrt besitzen, zu sammeln uud sic der jüdischen Welt zu erhalten. Ein in dieser Angelegenheit vor einiger Zeit an die Gemeinden der Provinz versandtes Rundschreiben hatte guten Erfolg. Ein« ganze Anzahl dieser Gemeinden stehen dem Gedankci, durchaus sympathisch gegenüber. Evtl, sollen diese Altertümer später der Oesfentlichkcit auf dem Wege der ständigen oder vorübergehenden Ausstellung zugänglich gemacht werden. Herr Dr. Schleisner, der sich besonders für das Zustandekommen dieser Sammlung eingesetzt hat, beantragt, dem Vorstand eine bestimmte Summe zum Ankauf jüdischer Altertümer zu bewilligen, was einstimmig angenommen wird. - Nach zweistündigen Beratungen wird die össentlichc Sitzung geschlossen. Hannover. (Todesfall.) Wenige Stunden vor Beginn des neuen Jahres hat nufere Gemeinde einen ihrer Besten zu Grabe getragen. Rechtsanwalt Tr. Erwin Friede ist nach monatelanger schwerer Krankheit im Alter von nur 33 Jahren, nach cinhalbjähriger Ehe gestorben. Mit ihm ist ein ganzer Mann, ein stolzer Jude, ein großer Mensch dahingegangen. Ueberragende Klugheit und eine bestechende Rednergabe paarten sich in ihm mit gewinnendem Wesen und steter Hilfsbereitschaft. Seine hohen Gaben bahnren ihm den Weg ins Rcvräsentantenkoliegium der Snnagogengemeindc, trugen ihn an die Spitze der Ortsgruppe de» Eentralvereins, sicherten ihm eine führende Rotte im K.E. Hunderte von Männern und Frauen gaben ihm das letzte Geleit. Tie Fahne der Verbindung Sneoia int K. C., das Banner der Ortsgruppe Hannover des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten standen an seiner Bahre. Oberkanror Alter und der Synagogenchor nahmen in ergreifenden Tranergcsängen von ihm Abschied. Es sprachen Landrabbiner Tr. Freund, für die Synagogengemeiiide deren 1. Vorsteher Kommerzienrat Berliner, für den Reichs- und Landesverband sowie die Orlsgruvpe des Central-' Vereins Rechtsanwalt Alfred Lrchlenberg, 'uv den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Walter Fuerst. Dr. Hans Wolfes widmete ihm im Namen des K. C. ergreifende Worre und legre ihm zum Zeichen der ewigen Verbundenheit die beiden Bänder ins Grab, die er einst mit Stolz getragen, für deren Symbole er gearbeitet und gekämpft Heidelters. (Jubiläen.) Die hiesige Gemeinde konnte am ersten Tag des Neujahrsfestes zwei Jubilaren ihre Glückwünsche übermitteln. Rabbiner Dr. Pinkuß, der als Seelsorger mit großer Hingabe seines Amtes waltet und auch aus sozialem Gebiet segensreich wirkt, beging seinen 60. Geburtstag. Außerdem blickte Oberkantor Krämer aus eine 25 jährige kantorale Tätigkeit zurück, die während der letzten 17 Jahre der Heidelberger Gemeinde gewidmet war. Als erfahrener Vertreter seines Fachs und als tüchtiger Musiker erfreut sich der Jubilar hoher Wertschätzung. Hoof (Hessen). (G e d e n k t a f e l w e i h e.) Die hiesige Gemeinde hat ihren Kriegsteilnehmern eine Gedenktafel gewidmet und in schlichter Feier ihrer Bestimmung übergeben. Der Gemeindeälteste übernahm die aus Granit hcrgestellte Tafel und dankte den bei der Ehrung Beteiligten für ihre Gebefreudigkeit. Lehrer Schirling hielt nach einleitendem Gesang und Vorspruch die Gedenkrede und sprach ein ergreifendes Gebot für die Gefallenen. Mit dem Kaddischgebet ivurdc die Feier, an der alle Äemcindemitglieder teilnahmen, beschlossen. Kassel. (Beratungen über das lurhessischc Judengesctz.) Seit einigen Monaten sind Verhandlungen im Gange, das kurhessische Judengesetz, dessen Reformbcdürftigkeit auch an dieser Stelle schon wiederholt betont wurde, durch Uebcrgangsbestimmnngen auszubauen und dem allgemeinen preußischen Judengesetz anzugleichen. Die Eigenart der Verhältnisse und die Absicht, das Bestehende möglichst zu erhalten oder nur zu modernisieren, verlangsamt die Verhandlungen, die nach manchen Vorbesprechungen der Vorsteherämter unter sich und mit Delegierten anderer Organisationen kürzlich wieder ausgenommen lvurden. Zu dieser letzten Aussprache waren Dr. Jsmar Freund vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und Tr. Auerbach, Halberstadt, sowie Rechtsanwalt Birnbaum, Berlin, vom Bund gesetzestreuer Gemeinden als auswärtige Teilnehmer erschienen, während Hessen selbst durch die Rabbiner des Bezirks, Mitglieder der Vorsteherämter, des Kasseler Gemeindevereins und der Lehrerschaft vertreten wurde. Als Spezialreferenten tvaren natürlich auch das Ratsmitglied und die kurhessischen Vertreter des Landesvcrbandcs an der Aussprache beteiligt. Drei Gesctzesentwürfe sollten zur Debatte gestellt werden, die entweder von den Vorsteherämtern, bczw. vom Ratsmitglicd, den Landesverbandsdelegierten und dem Gemeindeverein gemeinsam eingereicht ivaren, während der dritte Entwurf vom Landesverbands-Vertreter Löwenthal, Eschwege, im Auftrag seiner Gemeinde präsentiert wurde. Rechtsanivalt Dr. Katze,istcin, der Vorsitzende des Gemcindeältesten-Kollegiums, richtete Bcgrüßungslvorle an die Konferenzteilnehmer und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das allgemeine preußische Judengesetz auch bei seinem Inkrafttreten die neupreußischen Gebiete umfasse, weit dann Spezialgesetzc sich erübrigen würden. Bei der Aussprache, die sich mit kurzer Pause bis in die Abendstunden erstreckte, handelte es sich zunächst um die Festsetzung der Aufgaben der Vorsteherämter, die Gestaltung der Wahlen zu denselben und ähnliche Fragen. Positive Ergebnisse lvurden nicht erzielt; es soll innerhalb der Organisationen zu den schwebenden Fragen weiter Stellung genommen und dann in einer gemeinsamen iicuen Aussprache eine Entscheidung herbcigesührt werden. Erschwert wurden die Verhandlungen durch prinzipielle Meinungsverschiedenheilen, ob cs sich um Sonderbeslimntnngen handeln sollte, die dauernd Gültigkeit behielten, oder Uebergangsbestimmungen, die nur für die Zeit bis zur endgültigen Verabschiedung beziv. Einführung des preußijdu'ii Judengesetzes als Zwischenlösung aufzuiafscn seien. Nach der Lage der Dinge wird also nach langwierigen Debatten über diese Probleme zu rechnen sein. Königsberg Pr. 'Verleihung der K a n l p l a k e 11 e.) Gelegentlich der Einweihung des neuen Theatergebäudes des Königsbcrger Neuen Schauspielhauses wurde dem Architekten K a u fmann - Berlin und dein Kaufmann Artur Cohn-Königsberg die Kant-Plakette der Sladt Königsberg verliehen. Oberbürgermeister Tr. L o h m e y e r überreichte beim Festmahl des Neuen Schauspielhauses beiden Herren die Plakette. Er erwähnte die Verdienste Kausmanns als de» Architekten und Artur Cohns als des Vorsitzenden der Baukommission. Der Letztere habe in den vergangenen Monaten in fast übermenschlichem Maße an der Erstehung des Baues gewirkt. Kaufmann Artur Cohn spielt innerhalb des jüdischen Gemeindelebens eine hervorragende Rolle. Er ist nicht nur Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde und Vorsitzender des Jüdftchen Ferienheims Neuhäuser, sondern gehört auch einer Reihe von andern Gremien in führender Stellung an. Jahrelang präsidierte er der Kantloge im Orden Bne Briß. Weiterhin »vurdc von Stadtrat Lohmann mitgeteilt, daß eine Stiftung des Neuen Schauspielhauses den Namen Artur Cohns tragen solle. Mannheim. (Todesfall.) Im hohen Aller von 71 Jahren verschied hier Rabbiner Joses B n t t e r tu i c s e r. Der Verstorbene hat in Straßburg gewirkt und kam nach dem Kriege nach Mannheim, ivo er im Ruhestand seinen Lebenseibend verbrachte'. Würzburg. (Einweihung der Synagoge in der Lehrerbildungsanstalt.) Zu einer lvürdigen und eindrucksvollen Einweihungsseier seines neuen Betsaales hatte daS israelitische Lehrerseminar geladen. Direktor St oll gab nach einer kurzen Begrüßung der Gäste und der Vertreter zahlreicher Körperschaften einen Rückblick über die Geschichte der Lehrerbildungsanstalt und über die Notwendigkeit der Erstellung eines neuen Betsaales insbesondere. Infolge des seit zwei Jahren verstärkten Zuzuges reichten die Juternatsräume bald nicht mehr aus und es mußte deshalb der vorhandene Betsaal zu diesen hinzugenommen werden. Durch Regicrungsbaumeister Lchrritter wurde ein bisher unbenutzter, unbelichteter Gebäudeteil im Parterre in einen neuen, licht- und lustdurchsluteten Betsaal nnigcwandelt, dessen innere Ausstattung nach den künstlerischen Entwürfen des Regierungsbaumcisters Kleinsteuber erfolgte. Eigenartig wirkt die gut stilisierte, farbig ornamentierte Holzdecke, die die Raumwirkung entscheidend und glücklich beherrscht. Die geschmackvolle Farbengebung gelang deni bekannten Maler Menna meisterhaft. Auch die übrige Einrichtung, die schmiedeeisernen Beleuchtungskörper, Almemor, Kanzel und Gestühl sind in ihrer Stilisierung geschickt und geschmackvoll dem Ganzen angepaßt. - Nach den Worten des Schutleitcrs begrüßten und beglückwünschten Rabbiner Dr. Stein-Schweinsurt und Oberlandcsgerichtsral Prof. Dr. Silberschmidt Schüler uiid Leiter der Anstalt, die lveit über Würzburgs Grenzen hinaus segensreich ivirke, zu dem wertvollen Ausbau, den der neue Betsaal darstcllc. Justizrat Tr. Haas brachte die.Wünsche der Israelitischen lüultusgemeinde Würzburg, die den Aufschwung des Seminars mit Interesse verfolge, Oberlehrer Tingfelder die Wünsche der bayerischen jüdischen Lehrerschaft. Unter Gesang des Seminarchors wurden die Thorarollen in das neue Gotteshaus gebracht. Seminarrabbincr Tr. N e u b a u e r entzündete das ewige Licht. Es folgte darauf eine weihevolle Seelengedächtnisfeier für die vercivigten Gründer und Leiter der Anstalt. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. H a n o v e r. Mir einem stimmungsvollen Chor schloß die harmonisch und. würdig verlaufene Feier,'die aus die sehr zahlreich erschienenen Besucher einen nachteiligen Eindruck machte. Rätsel-Ecke Zahreszahlen-Rätsel Die Zahle» von 1407 bis einschließlich 1437 setze man in die Felder des Quadrates, so daß die wagerechten, senkrechten und die diagonalen Reihen als^Summe je die Jahreszahl 5688 ergeben.