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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-10-04 · 39-40 (4.10.1927) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
39-40 (4.10.1927)
Date
1927-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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unser Ohr leihen und erwarten, daß wir das rechte Gebet und die rechte Andacht fiitöeit werden. Die Synagoge hat sich nicht gescheut. Gott zuzuschreiben, daß er selbst die Zeiten bestimmt habe, in denen er angerufen sein wollte. ALM auch Fr. Heiter stimmt Girgensohn zu, wo er sagt (bei Heiler S. 226): „Das Gebet ist eine Tat Gottes in Unserer Durch das Gebet zieht Gott selbst in die Seelen ein, ihr seine Kräfte mitteilend nno sie nach seinem Willen gestaltend: das ist der letzte und tiekste Sinn des Gebiets." Neujahr und Versöhnungstag rufen uns wieder ins Gotteshaus. Was die Verfasserin über diese „furchtbaren Tage", von uns hohe Feste genannt, zu sagen hat, ist bei aller Kürze vielleicht das beste, was je über ihren tiefen Gchalt und ihre Bedeutung für die Glaubenphaltung des Judentums von nichtjüdischer Feder geschrieben worden ist. Der Kenner wird bemerken, daß bei der Schilderung und bei der Auswahl der Poesien der westdeutsche Ritus zugrunde gelegt ist. Aber das beeinträchtigt nirgends die große Linienführung. Treffend in ihrem Charakter gezeichnet sind die berühmten Mußafgebete von Rosch-Haschono mit den dreimaligen Schofarklängen, aus denen Mahnung der letzten und ewigen Dinge töstt, tief empfunden die eigentümliche Anziehungskraft des Jomkippur: „In dem Bom-eigenen-Wesen los--sein findet das Gefühl menschlicher Nichtigkeit, das Kreaturgeftihll beim Gebete einen starken Widerhall. Vor dem übermächtigen Sein Gottes findet sich dann das sonst so stolze Ich wertlos". Und wie klar gesehen ist die Richtung und das Ziel des Jomkippur: am Schlüsse des langen Tages geschieht nicht, was man erwarten sollte: kein Bevollmächtigter oder Mtttler tritt vor die Gemeinde und verkündet: es sei euch vergeben! Auch kein gemeinsames Bekenntnis sagt: uns ist vergeben. Das innere Erlebnis ist lebten Endes jedem Einzelnen überlassen. Daß es auch uns so zuteil werde, wie es hier erlauscht und erkannt ist, sollte das nicht uns allen das tiefste Sehnen und der schönste Ertrag der Feste sein?! Zu Zolas 25. Todestag Von 3. MeiselS. Nun sind fünfundzwanzig Jahre verflossen, seitdem der Mann, der uns in unzähligen Werken die sichtbaren und unsichtbaren Tragödien im Leben der Großstadtmenschen vor Augen geführt und der in eigener Person in dem größten, spannendsten Schauspiel des neunzehnten Jahrhunderts eine Heldenrolle gespielt hatte, plötzlich aus dem Leben schied. Ter Fall Zola lehrt uns, daß eine Tat des Menschen mitunter fünfzig Werke des Künstlers überwiegt. Edle Menschlichkeit und sittliche Größe haben von jeher in ihrer leuchtenden Kraft die glänzendsten Schöpfungen der Kunst in Schatten gestellt, in ihrer erziehlichen Wirksamkeit mehr Nutzen gestiftet als so manche von den edelsten Inspirationen erfüllte künstlerische Werke. Der Name Zola bringt nicht wie der Name irgendeines andern bedeutenden Schriftstellers in erster Linie Gedrucktes und Gelesenes in Erinnerung, er deutet nicht gleich auf so und so viel Bücher hin, Erzählungen und Romane, bit man mit Heißhunger verschlungen, die uns bald mit Begeisterung, bald mit Widerwillen erfüllten. Bei dem Klange dieses Namens taucht vielmehr wie aus der Versenkung jene „Affäre" empor, die am Ausgange des vorigen Jahrhunderts die ganze Welt in Atem hielt und die namentlich die Juden mit banger Sorge erfüllte. In diesem Schauspiel, das man damals Dreyfus-Affäre nannte, in diesem an verwickelten Sttuationen und tragischen Momenten selbst die kühnste dichterische Erfindung übertreffenden Schauspiel trat Emile Zola als Held auf, gerüstet mit Mut und Stärke, gewappnet mit Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe, und lenkte die Aufmerksamkeit der gesamten zivilisierten Welt auf sich. Worin bestand die Heldentat Zolas? Denken wir einmal zurück an jenes verworrene Trauerspiel, in dessen Mittelpunkt ein unschuldig Verurteilter stand. Die Wahrheit verkroch sich! damals gedemütigt in einen Winkel und die Gerechtigkeit band sich vor Scham die Binde noch fester um die Augen, Da taten sich die wahrheits- und gerechtigkeitsliebenden Männer Frankreichs zusammen zum gemeinsamen Kampf gegen das begangene Unrecht, oder wie sie damals sagten, gegen den Justizirrtum. Meister des Wortes, wie die Franzosen nun einmal sind, hielten sie der Unschuld die schönsten Verteidigungsreden. Alle diese wackeren Männer kämpften für die Unschuld, indem sie sie verteidigten. Nur Emile Zola hatte ein anderes, weit sicheres Verfahren angewandt, die Unschuld zu retten. Er verteidigte nicht, — er klagte an! Am 13. Januar 1896 rief er sein „J'accuse!" hinaus in die Welt. Das war der Tag, an dem der Schriftsteller zum Kämpfer, der Dichter zum Helden Iwurde. Dieses J'accuse war eine Tat, mit der sich Emile Zola in das Buch der Helden der Menschheit auf ewige Zeiten eingezeichnet hat. Der Verfasser der „Rougons Macquarts" wird vielleicht vergessen werden, der Emile Zola des 13. Januar 1896 wird unsterblich bleiben. Es ist immer ein erhebendes Ereignis, wenn der Mann der Feder über sich selbst hinauswächst und selbst die Wege wandelt, die er früher nur andern gezeigt, und in der Tat den Anregungen folgt, die er früher nur schriftlich gegeben. In der Judengasse war Emile Zola, der Schriftsteller nicht gerade unbekannt, aber Verehrung und Dankbarkeit genoß er dort nur als der Emile Zola des „J'accuse". Sein Schrei nach Gerechtigkett galt den Menschen im Ghetto als wirksame Kundgebung für die Juden. Sie sahen darin, daß er der Wahrheit zum Siege verhalf, einen unschätzbaren Dienst, den er den Juden leistete. Aller Menschlichkeit hohnsprechender Haß hatte ja damals aus dem Mittelpunkt der bekannten Affäre den einzelnen verdrängt und an dessen Stelle die gesamte Judercheit gesetzt. Die Drevfus-Affäre drohte ja zu einer Tragödie der gesamten Judenheit zu werden. In dieser Zett tat ein Mann der Gerechtigkeit not, da war ein Künder der Wahrheit vonnöten. In dieser Zeit trat Emile Zola auf und rief: La verite eft en marche! Dieses trostreiche Wort vergaßen die Menschen im Ghetto nicht. Dieses eine Wort bedeutete ihnen mehr als alle achzig Bände, die er geschrieben. Jene Werke hat ein bedeutender Schriftsteller geschrieben, dieses Wort jedoch hat ein edler Mensch gesprochen; und das gilt mehr! Dank dieser Verehrung für den Menschen Zola war auch der Schriftsteller im Ghetto populär geworden. Emile Zola besitzt auch im hebräischen Schrifttum sein Ruhmesblatt. Unzählig sind die in hebräischen Zeitungen und Zeitschriften erschienenen Artikel und Abheilungen, die Emile Zola, den großen Schriftsteller und den großen Menschen, eingehend und gebührend würdigen. Französische Schriftwerke sind in der hebräischen Uebersetzungs-Literatur im Einladung zur ordentlichen Hauptversammlung am 22. und 23. Oktober 1927 in Frankfurt a. AI. Sonnabend, 2 2. Oktober1927: Vormittags 9 Uhr: Festgottesdienste in der Hauptsynagoge Allerheiligenstraße 75 und in der Synagoge Königsteiner Straße 28. Nachmittags: Gesamtovrstandssihung; anschließend Hauptversammlung (geschäftliche Sitzung der Delegierten). Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht, erstattet durch den Generalsekretär der Vereinigung, Herrn George Goetz (Berlin). 2. Kassenbericht; Entlastung des Vorstandes. 3. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 4. Satzungsänderungen. 5. Verschiedenes. Sonntag, den 2 3. Oktober 1927: 2. Tag der Hauptversammlung. Individuum und Gemeinschaft. Vormittags Ille- Uhr: Referate. Generalreferat: „Gemeinschaft und Individuum in ihren gegenseitigen Rechten und Pflichten." Rabbiner Dr. D i e n e m a n n (Offenbach a. M.). Einzelreferate: „Der Kultus, die Gemeinschaft und der Einzelne." Erich Bayer (Breslau). „Das jüdische Heim — unser zweites G ottesha ns." Frau Bianca Hamburger (Berlin). „Die Gemeinde und der Einzeln e." Dr. Julius Blau (Frankfurt a. Main). Anschließend: Gemeinschaftliches Mittagesse n. Nachmittags: Aussprache über die Referate des Vormittags. Abends 8 Uhr: Große öffentliche Kundgebung des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben, Frankfurt a. Main. Sämtliche Veranstaltungen finden in der „Frankfurtloge", Eschersheimerlandstraße 27, statt. Soweit in dieser Bekanntmachung der genaue Zeitpunkt der Sitzungen noch nicht angegeben ist, wird dies in weiteren Veröffentlichungen nachgeholt werden. Teilnahmeberechtigt an der Hauptversammlung sind sämtliche Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum. Auswärtige Mitglieder können sich durch Abgeordnete vertreten lassen, die so viel Stimmen abgeben dürfen als der Zahl der von ihnen vertretenen Mitglieder entspricht. Die Anmeldungen zur Teilnahme an der Tagung und dem gemeinschaftlichen Mittagessen müssen bis zum 15. Oktober an die Geschäftsstelle der Vereinigung, Berlin SW. 48, Wilhelmstraße 147, erfolgen. Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Der Vorstand. I. A.: Heinrich Stern, Vorsitzender. großen und ganzen sehr wenig vertreten. Während die bedeutendsten Werke der deutschen Literatur ins Hebräische übersetzt worden sind, liegt von den bedeutendsten Werken der französischen Literatur nur eine verschwindend geringe Anzahl von hebräischen Uebersetzungen vor. Auch von den größeren Werken Zolas ist nur „La Debacle" ins Hebräische übersetzt worden. Außerdem sind drei kleinere Erzählungen aus der Anfangszeit seiner schriftstellerischen Tätigkeit in hebräischer Uebersetzung erschienen (Warschau 1899). Dafür ist aber eine ziemlich umfangreiche Zola-Biographie in hebräischer Sprache vorhanden. Der Verfasser dieser Biographie ist der bekannte hebräische Gelehrte Nahoum Slouschz, Professor an der Sorbonne. Slouschz ist auch der Uebersetzer der erwähnten Erzählungen. Beide Werke sind noch zu Lebzeiten Zolas erschienen und wurden dem Meister von dem Uebersetzer und Biographen in einer besonderen Prachtausgabe überreicht. Zola äußerte damals seine Genugtuung darüber, daß seine Lebensgeschichte in der altehrwürdigen Sprache der Propheten abgefaßt worden ist. Die gut geschriebene Biographie behandelt Zola den Schriftsteller, den Künstler, den Menschen und enthält zum Schluß eine Inhaltsangabe seiner sämtlichen Werke. Man findet in dieser Biographie auch ein ganz merkwürdiges Kapitel mit der Überschrift: Zola und die Propheten. Nahoum Slouschz bringt Emile Zola in irgendein Verhältnis zu den Propheten Israels. Zola der Prophet ist indes nicht Zola der Schriftsteller, der Künstler, der Verfasser von „Germinal", „La Terre" und aller jener großartigen Werke des Rougon-Macquart-Kreises; Zola der Prophet ist der Mann, der in die Welt hinausschrie: „Die Wahrheit ist im Anmarsch und niemand wird sie aufhalten!" Kantor oder Konzertsänger Von Oberkantor Hermann Zivi, Elberfeld. Man mag sich drehen und wenden, wie man will, man wird nicht daran vvrbeikommen, daß die beiden Berufe grundverschiedene Voraussetzung haben, sodaß sie in ihrer ganzen Art und Auswirkung grundverschieden voneinander sind. Der Kantor ist nun einmal der Träger des jüdischen Gottesdienstes, ob man das einsieht, oder nicht. Er ist im Namen seiner Gemeinde berufen, von bevorzugter Stelle aus die Gebete vorzutragen, so wie es von jeher üblich und Sitte war. Ich will damit nicht sagen, daß Unsitten auch Sitten sind, und daß wir uns in Bezug auf die Art des Vortrages unabänderlich auf Altes und Veraltetes einzustellen haben. Aber daß es sich lediglich um den Vortrag von Gebeten handelt in einem Haus, das man „ves l'killok" Gebethaus nennt, das dürfte schließlich jedem einlenchten, der mit den Begriffen vom jüdischen Gottesdienst einigermaßen vertraut ist. Das Primäre bei den Erfordernissen für den jüdischen Gottesdienst ist der.,l)ibbur b'scbir", es ist diejenige Fähigkeit des Kantors, die nicht der Kunst des schönen Gesanges unterworfenen Gebetftücke sinngemäß und stilgerecht vorzutragen. Die großen Chasonim erkennt man darum weniger an dem Volumen ihrer künstlerisch ausgebildeten Stimmen, als vielmehr daran, daß sie imstande sind, im „Sage n" den Kontakt mit der betenden Gemeinde herzustellen. Es ergibt sich daraus von selbst, daß der Kantor erst in zweiter Linie als „Sänger" in Betracht kommt, und zwar immer nur dann, wenn es sich darum handelt, die betende Gemeinde zu neuer Kraft und Sammlung zu inspirieren, nie aber zu konzertmäßiger Ausgestaltung des Gottesdienstes. Dasselbe gilt auch für den Chorgesang, hinsichtlich dessen ich von jeher überzeugt gewesen bin, daß der geregelte „Gemeindegesang" das wirkungsvollste Mittel ist, um durch den Kontakt zwischen Kantor und Genleinde eine Stabilität der gesanglichen Verhältnisse zeu schaffen. Aus diesem Grunde sei im jüdischen Gottesdienst der „Gemeindegesang" die Regel, der mehrstimmige „Chorgesang" die Ausnahme. Es ergibt sich aus dieser Betrachtung ferner, daß nicht die ).,Köl noim“, wie der Berliner Chordirigent Leo Kopf meint, daß nicht die „schöne Stimme" allein es ist, die den „Kantor" als solchen ausmacht, sondern das mindestens in demselben Maße der G e b e t s v o r t r a g im dibbur b'scbir als integrierender Bestandteil seines Wesens anzusprechen ist. Dazu gehört sicherlich ein gründliches musikalisches Studium, je gründlicher, desto besser. Dazu gehört aber noch viel, viel mehr. Dazu gehört die Kenntnis alles dessen, was der jüdische Gottesdienst an „Wisse n" in sich schließt, textlich und minhagisch, sodaß unsinnige Les- und Vortragsarten unterbleiben. Das alles muß der stimmbegabte junge Mann lernen, wenn er sich anschickt, „Kantor" zu werden. Wie aber könnte er das besser lernen, als auf dem Wege, den auch der angehende „Lehrer" zu gehen hat. Nur auf diesem Wege besteht die Gewähr, daß eine zielbewußte, systematische Ausbildung des Kantors herbeizuführen ist, auf dem Wege, der jetzt vom preußischen Landesverband versuchsweise beschritten wird, indem er Religionslehrer und Kantoren in ein und derselben Anstalt heranbildet. Wenn das für uns Berufskantoren auch noch nicht die Erfüllung eines Ideals bedeutet, so bin ich doch der Meinung, daß es ein v'ielvecheißender Anfang ist, der in der „K a nt o r e nh o ch s ch u l e" mit Ausbildungsmöglichkeit für Religionslehrer vielleicht in naher Zukunft schon seine Krönung findet. Aber selbst auch dann, wenn Herr Kopf theoretisch recht hätte, indem er den „Konzertsänger-Kantor" verlangt, dann würde er praktisch kaum etwas damit erreicht haben. Praktisch nämlich, d. h. für die Bedürfnisse der großen Allgemeinheit, ist die von Herrn Kopf propagierte Meinung bedeutungslos, weil undurchführbar. Wenn auch einige Großgemeinden in totaler Verkennung der für einen Kantor bestehenden Notwendigkeiten dazu übergegangen sind, sich den Luxus eines „Konzertsänger-Kantors" zu leisten, und das hat zuletzt noch in ganz unbegreiflicher Weise eine badische Oberrats-Gemeinde getan, so muß es doch einmal ausgesprochen werden, daß derartige Methoden der Stellenbesetzung nicht geeignet sind, einen berufsfreudigen und berufstüchtigen Kantocenstand zu schaffen, wenn man von Zeit zu Zeit immer wieder es erleben muß, daß die besten Stellen von Outsiders weggeschnappt werden. Was wohl die Rabbiner dazu sagen würden, wenn in frivoler Weise auch nur eine einzige ihrer Stellen mit einem für den Beruf nicht ordnungsmäßig vorgebildeten Manne besetzt würde! — Wie dem aber auch sei, der von Herrn Kopf verlangte „Konzertsänger-Kantor" ist und bleibt praktisch eine Utopie, weil sich die deutschen Gemeinden in ihrer überwiegenden Mehrheit den Luxus eines solchen nicht gestatten können. Aus diesem und aus jenem Grunde hat der Kollege K o r n i tz e r ein dowor b’ittö gesprochen, als er die Methode, Konzertsänger an das Borbeterpult zu stellen, „eine Gefahr für das deutsche Judentum" bezeichnte. Und was will ein solcher Mann, der Sänger und nur Sänger ist, von einem Sabbat bis zum andern, in der Zwischenzeit treiben? — Ich meine, indem diese Frage gestellt wird, ist sie auch schon beantwortet. Es gibt doch nichts schlimmeres auf der Welt, als unbeschäftigte Intelligenzen, und wenn die Gemeinden in ihrer Fürsorglichkeit weiter nichts täten, als rationelle und gesunde Beamtenwirtschaft zu treiben, es wäre wahrlich in den meisten Fällen um beide Teile besser bestellt. Den Gemeinden möchte ich aber doch zu bedenken geben, ob sie es vor dem deutschen Judentum verantworten können, wenn sie einen kulturell aufstrebenden und auch sachlich gut vorgebildeten Stand, wie den der deutschen Kantoren, auf eine so harte Probe stellen, wie das in den letzten Jahren durch Berufung von Konzert- und Opern-Sängern vielfach geschehen ist. Ihnen möchte ich allen Ernstes zurufen: Videant consules, ne res publica capiat quid detrimenti mögen die Sachwalter der jüdischen Gemeinden für die Folge daraus achten, daß die Gemeinschaft des deutschen Judentums keinen Schaden mehr erleide! — Jüdische Selbslmordslatistik. Die wittschastsstatistische Sektion des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts in Berlin hat Untersuchungen über die Zahl der Selbstmörder -unter den Juden angestellt und kam zu den folgenden Resultaten: Im Jahre 1925 haben von 100 000 jüdischen Seelen Selbstmord begangen: in Berlin 68, in Budapest 48, in Wien 45, in Warschau, wo die Wirtschaftskrise eine Steigerung der Zahl jüdischer Selbstmörder verursachte, nur 17, in Lodz nur 7. Unter der Berlirier jüdischen Bevölkerung ist die Zahl der Selbstmörder größer als unter den Nichtjuden. So kamen im Jahre 1925 aus 100000 Evangelisten 45, auf 100 000 Katholiken 32 Selbstmörder. Seit 1922 ist die Zahl der Selbstmörder unter den Juden Berlins im Steigen begriffen. 1922 zählte man noch 61, 1923 schon 72, 1924 96 und 1925 117 jüdische Selbstmörder. Auf Berlin, wo 43 Prozent aller preußischen Juden wohnen, entfielen mehr als die Hälfte aller jüdischen Selbstmorde in Preußen (117 von insgesamt 215). /TBAHL OTALCKE: ®BLUMEN'AU//TELLUNQ E BERLIN Wöö LL MAUERSTR.7Q FERNRUF: ZENTRUM 5023 u. 5024 BLUMENSPENDEN — TRAUERSPENDEN - TAFEL¬ SCHMUCK - INNENDEKORATION IN KÜNSTLE¬ RISCHER AUSFÜHRUNG - 12 erste Preise

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