Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 38 (24.9.1927)
- Date
- 1927-09-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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zusammen, die zwischen Churchill und der mohammedanische ihristlichen Delegation, die sich damals in London anfgehalten halte, geführt worden war. Ln dem Weißbuch werden u. a. auch auf übertriebener Auslegung der Balsour-Deklaratioit beruhende Befürchtungen zerstreut, und es heißt: „Unautorofierte Erklärungen wurden abgegeben in dem Sinne, daß das beabsichtigte Ziel die Schaffung eines vollkommen jüdischen Palästina sei. Wendungen wurden gebraucht, wie die, daß Palästina so jüdisch werden soll, wie England englisch ist!" Sr. Majestät Regierung erklärt jedoch solche Erwartungen für undurchführbar und hat keine solchen Ziele im Auge. Sie hat auch niemals, wie ,dies die arabische Delegation zu befürchten scheint, das Verschwinden oder die Unterordnung der arabischen Bevölkerung, Sprache oder Kultur in Palästina beabsichtigt. Sie möchte die Aufmerksamkeit a^s die Tatsache lenken, die die bezüglichen Stellen der Deklaration nicht besagen, daß Palästina als Ganzes in eine jüdisch-nationale Heimstätte verwandelt werden soll, sondern daß eine solche Heimstätte in Palästina begründet werden soll." Man wird der Wiener Morgenzeitung (Nr. 3061 vom 7. 9. 27) zustimmen müssen, wenn sie diese Auslegung als den Beginn eines folgenschweren Abirrens vom Mandat bezeichnet und meint: „Das jüdische nationale Heim in Palästina, diese ganz_ unmißverständliche Umschreibung des Wortes vom Judeustaat. wird in diesem Weißbuch zur Weiterentwicklung der bestehenden jüdischen Gemeinschaft; es ist nicht mehr Palästina als ein Terminus der politischen Geographie aufgefaßt, sondern als ein Land, in dem den Juden gestattet wird, sich zu organisieren. Also eine Art höheren Synagogengemeinden- Verbandes mit dem Rechte, sich autonom-rituelle Badehäuser und auch Schulen zu errichten." Ter Zionistenkongreß hat am Schluß seiner Beratungen eine Entschließung angenommen, die eine entschiedene Mißtrauenskundgebung gegen vie englische Mandatarmacht bedeutet. Sie lautet in ihrem wesentlichsten Teil: „Die in Palästina seit Jahrzehnten, insbesondere seit der Balfour-Deklaration unter zionistischen Auspizien geleitete Aufbauarbeit hat die Grundlage des jüdischen Nationalheims geschaffen. Damit wurde der Mandatarmacht sowie der öffentlichen Meinung der Welt bewiesen, daß das jüdische Volk fähig und entschlossen ist, der ihm durch das Mandat auferlegten schweren Verantwortung gerecht zu werden. Die Mandatarmacht hat sich während dieser Anfangsperiode im wesentlichen auf die Einrichtung einer ordnungsmäßig arbeitenden Verwaltung und die Wahrung der öffentlichen Sicherheit beschränkt und damit zwei der fundamentalen Vorbedingungen für die gesunde Entwicklung Palästinas geschaffen. Der Kongreß hält es jedoch für nötig zu betonen, daß die Tätigkeit der Palästina-Verwaltung in ihrem passiven Verhalten zum Jischuw und zu den Leistungen des jüdischen Volkes weder dem Geiste noch den besonderen Bestimmungen des Mandates entspricht. Den großen Wert des jüdischen Ausbauwerkes in Palästina, das dem ganzen Lande in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung zum Vorteil dient, wird diesem Verhalten keineswegs in genügendem Maße gerecht. Die Mandatsregierung hat weder der Siedlungsarbeit noch dem Kulturwerk der Juden genügend Hilfe geleistet. Elementare staatsbürgerliche Bedürfnisse (Volksbildung, Gesundheitspflege usw.) des jüdischen Jischuw werden von ihr nicht in gleichem Maße befriedigt, wie gegenüber den anderen Teilen der Landesbevölkerung. Mit Anerkennung stellt der Kongreß fest, daß die Palästinaregierung in der letzten Zeit sich für die Angelegenheiten des jüdischen Jischuw in stärkerem Maße interessiert und ihm in mehreren Fällen Hilfe geleistet hat. Der Kongreß sieht sich jedoch gezwungen, gleichzeitig mit Bedauern festzustellen, daß in all diesem noch keine grundlegende Veränderung des Systems der Mandatarmacht im Sinne einer aktiven Unterstützung des Aufbaues der nationalen Heimstätte zu finden ist. Dies beweisen verschiedene Maßnahmen und Verordnungen der letzten Zeit, die die Entwicklung des Jischuw zu stören geeignet sind. Mit tiefem Bedauern konstatiert der Kongreß Fälle der Berwaltungspraxis der letzten Zeit, durch welche Grundrechte, Lebensinteressen und sogar die Würde des Jischuw verletzt worden sind. (Die Angelegenheit des Grenzcorps, das Verhalten der Mandatsregierung inbezug auf die heilige Stätte der Juden.) Die Entwicklung des gesamten Ausbauwerkes des jüdischen Volkes in Palästina verlangt aktive Unterstützung und Beteiligung der palästinensischen Regierung im Geiste des Mandates durch Schaffung von besonderen Bedingungen und Erleichterungen für die Siedler in der ersten Periode der Aufbauarbeit." Vergeblich hatte Weizmann die Versammlung zu einer anderen Auffassung zu bekehren versucht: „Es wäre nur gerecht, von der Tribüne des Kongresses zu unterstreichen, daß die Palästinaregierung einen aktiveren Anteil am Aufbau des jüdischen Nationalheims genommen hat." Alles, was in dieser Richtung angeführt worden ist, hat nicht ausgereicht, den berechtigten Zweifel über die Ehrlichkeit der Mandatarmacht zu beseitigen. Dieses Mißtrauen ist die eigentliche Ursache der politischen Krise, die den Zionismus jetzt in seinen Grundfesten erschüttert. Stephan Wise versuchte, den Stier bei den Hörnern zu packen; er stellte einen Antrag, der darauf hinauslief, den amerikanischen Juden selbst eine Klärung der Absichten der englischen Regierung zu ermöglichen. Amerikaner könnten, meinte Wise, unbefangener mit der englischen Regierung verhandeln als englische Untertanen. Trotz dieser Kontenance zeigte sich Weizmann über den Antrag sehr bestürzt, und da dieser Mann ganz gewiß über den Verdacht kleinlicher Eitelkeit erhaben ist, hat er durch seine Haltung nur allzudeutlich verraten, für wie gefährlich er die von Wise erstrebte offene Aussprache hielt; wobei es jedem überlassen bleibt, darüber nachzudenken, was Weizmann mehr fürchtete: die Unbefangenheit der Amerikaner oder die Offenheit der englischen Regierung. Wise wollte das politische Grundproblem des jüdischen Palästinaausbaus klären. Sein Antrag aber wurde abgelehnt — und er verließ den Kongreß. Kann es nach alledem noch zweifelhaft sein, wie die Verhältnisse liegen? Wenn wir Nichtzionisten immer wieder behaupteten, England treibe in Palästina englische Politik, dann kamen von Moral triefende Phrasendrescher und er? zählten uns von der nur an Recht und Gerechtigkeit denkenden Psyche des englischen Volkes. Jetzt aber reibt man sich in zionistischen Kreisen, etwas ängstlich noch, die Augen beim Erwachen nach all den schönen Träumen. Und man hat wahrlich Grund. Führte doch selbst Colonel Josian Wedgwood, Mitgliü» des -Unterhauses, der von den Zionisten so eifrig als Reklametrommler protegiert wurde, vor einigen Tagen \ im „Jewish Chronicle" nach einem Bericht der Jta aus: „Die Zionisten müssen sich vor allem darüber klar werden, daß in der gegenwärtigen Epoche das Regime einer Kronkolonie den Verhältnissen am besten angepayt ist. Es würde, glaube ich, für die zionistische Bewegung nicht verletzend sein, wenn man ihr klar machte, daß das letzte Ziel des Zionismus dies wäre: Palästina ein sich selbst regierendes Dominion innerhalb des British Empire. Würden sich die Zionisten dazu bekennen, so würden sie in einem weit höheren Maße als jetzt die britischen Sympathien besitzen und auch eine bessere Atmosphäre in Jerusalem schassen." Bei dieser Sachlage wird die Frage nach der politischen Realisierbarkeit des Zionismus zu einer Frage des Glaubens, dem ja bekanntlich mit Vernunftargumenten nicht beizukommen ist. Selbst am Grabe der Wirklichkeit kann noch die Hoffnung stehen. Doch die Hoffnung, in die der 15. Zionistenkongreß ausklingt, ist eine wesentlich andere als die, die die Borkriegskongresse beseelte. Damals rief sie feurig: „Es wird gehen!" Heute, zehn Jahre nach der Balfour-Deklaration, flüstert sie schüchtern: „Vielleicht geht es doch noch!" Trotz aller gemachten Erfahrungen glauben noch immer Einzelne an die politische Realisierbarkeit des Zionismus. Sie halten das angebliche historische Recht der Juden für stärker als die Macht Englands. Diese lieben, netten Leute verstehen nichts von Politik, und sie begehen nur den einen Fehler: in politischen Fragen, und dazu gehört die Verwirklichung des Zionismus, mitzureden. Daß England trotz der sanften Töne von Weizmann den Aufbau der nationalen Heimstätte nicht aktiv unterstützt, stellt die Resolution ausdrücklich fest. Wie aber weniger sanfte Töne wirken würden, nsranniniitiiimtiiinititiiiiniiiiiitiiiiiiiiuiHiiiiiiiitiiiiiiiHiiiitiiiiiiiiiiiiiitniiiiiiiinmimuiii Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands mtiitmiiiiiiiiiiiiuuuiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiitiiitiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiii das stellte auf dem Kongreß jemand fest, der es wohl wissen muß, nämlich der Führer der englischen Zionisten, Philipp Gnedallas, der meinte: „Wenn wir dem Engländer einmal über das andere sagen, er habe sein Wort gebrochen, dann kann ein Augenblick kommen, wo er vielleicht wirklich sein Wort bricht." Das Protokoll verzeichnet an dieser Stelle Zwischenrufe wie: „Sie halten da eine antizionistische Rede" und „Das ist Politik niederer Art". . . Im Schlaf kann man Traumschlösser bauen. Auf der Erde aber gibt es kein Land, das nicht schon von Menschen bewohnt ist, gibt es kein Land, das für sich besteht, ohne in der Politik anderer Länder eine Rolle zu spielen. England weiß, warum es sich zur Mandatsmacht Palästinas machte. Da aber England stärker ist als die Nationaljudenheit, da Englands Interessen nicht die Interessen der Nationaljuden sind, darum ist heute dem Zionismus die politische Grundlage entzogen. Das ist die Situation, die der Kongreß feststellen mußte. Und vielleicht gab es auch unter den Delegierten manchen, der im stillen Kämmerlein schon aus politischen Gründen den Zionismus als gescheitert betrachtete. Die trostlose finanzielle Lage und das Verhalten der Nichtzioniften zum Zionismus hätte ihn darin bestärken müssen. Doch darüber in einem zweiten Artikel. Bruno Woyda. „Tätigkeit" völkischer Aerzke Der Land rat des schlesischen Kreises Waldenburg hat zwei völkischen Aerzten ihre Stellung im Kreiskrankenhause gekündigt, die von Rechts wegen auch noch vor ein ärztliches Ehrengericht gehören. Die beiden, ein Dr. Führst und ein Dr. Schneider, hatten sich herausgenommen, in einem Gast- Hause einen jüdischen Kaufmann zu beschimpfen und tätlich anzugreifen. Und während der eine dafür eine wohlverdiente Ohrfeige bezog, schrie der andere: „Wenn solch ein Judenaas ins Kreiskrankenhaus kommt, dann laß ich den Kerl verrecken!" Zunächst wurden beide Ehrenmänner an die frische Luft gesetzt. Dann erfolgte ihre Kündigung als Krankenhausärzte. Es wäre auch ein gefährlicher Unfug gewesen, solche Aerzte noch weiter auf Krankenhauspatienten loszulassen. Man wird im Auge behalten müssen, ob sie nicht anderswo wieder in einer öffentlichen Krankenanstalt auftanchen. (Jta.) Dr. Mschniher über das Aufbauwerk in Rußland Dr. Mark Wischnitzer, der jüdische Historiker, Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden, der einige Wochen in Rußland geweilt und das jüdische Ausbau- und soziale Hilfswerk aus dem Lande und in den Städten studiert hat, äußerte sich vor seiner Abreise gegenüber dem J.T.A.- Vertreter auf Befragen über die Aussichten der jüdischen Kolonisation in Sowjetrußland u. a. wie folgt: Schon vor längerer Zeit wandte ich mein Interesse der jüdischen Kolonisation in Rußland zu; seit ich aber neben dem verstorbenen Dr. Paul Nathan der vorjährigen allrussischen Ozet-Konserenz in Moskau beigewohnt habe, verfolge ich alle Phasen der Bewegung und wende der Sache ein ernstes Studium an Hand der mir zugänglichen Materialien zu. Jetzt erst, da ich mit eigenen Augen die Entwickelung des Werkes beobachtet habe, erhielt ich einen umfassenderen Begriff von dessen Bedeutung. Dr. Wischnitzer schilderte die Eindrücke bei seinem Besuch der Kolonien der drei Zentren Cherson, Krivojrog und Krim. Die Kolonisten machen einen in jeder Hinsicht vorzüglichen Eindruck. Man kann einen Tag, zwei Tage, ja drei Tage reisen und noch immer sich auf jüdischem Boden befinden. Die Kolonisten betrachten ihre gegenwärtige Tätigkeit als ihre Lebensarbeit. „Wir haben hinter uns alle Brücken verbrannt", sagte ihm ein gewesener Krämer; „bas jetzige Leben ist schwer, aber ruhig". Die Wirtschaftslage jener Kolonisten, die schon ein oder zwei Jahre auf ihrem Boden leben, befestigt sich immer mehr, wenn auch manche dieser Kolonisten noch der Stütze bedürfen, bis sie ganz auf eigenen Füßen werden stehen können. Mehr der Stütze bedürfen natürlich die Neukolonisten, deren Lebensbedingungen größtenteils schwere sind und die sich erst allmählich auf ihrem Boden verwurzeln. Was die Kultur- und Gesundheitslage in den Kolonien betrifft, so haben zwar Joint, Jca, Ozet und andere Organisationen ein großes Stück Arbeit auf diesen Gebieten geleistet; den tatsächlichen Erfordernissen ist aber noch nicht Genüge getan. Noch fehlt es an Schulen, Bibliotheken, öffentlichen Bädern, Ambulatorien usw. Dr. Wischnitzer gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß im Zusammenhang mit seinem Besuche in den Kolonien der Hilfsverein bald an die Verwirklichung seines Planes einer umfassenden medizinischen Hilfe und Kinderfürsorge in den jüdischen Kolonien Herangehen wird. Welche Formen diese Hilfe in der nächsten Zukunft annehmen wird-, laßt sich heute noch nicht sagen. (Jta.) Ein Gebet in jüdisch-deutscher Sprache Von Rabbi Dr. Heilbro n.n - Nürnberg. Eine der Forderungen der religiösen Reform, wie sie schon in den ersten inneren jüdischen Kämpfen des 19. Jahrhunderts erhoben wurde, ging dahin, daß die Sprache des Gebetes vom Beter ctllgemein verstanden werden müßte. Besonders störend wurde es empfunden, daß, gerade die heiligsten Momente des Gottesdienstes bei den Andächtigen keine tiefere Empfindung auslösten, weil ihnen aus Mangel an Verständnis der hebräischen Sprache die heiligen Handlungen gar nicht zum Bewußtsein kamen. Man hat daher in den Gottesdiensten mit reformiertem Ritus durch das Gebet in der Muttersprache, das gelegentlich eingefügt wird, das Verständnis für gottesdienstliche Symbole zu heben und zn wecken gesucht. Auch unsere Vorfahren haben schon das gleiche Bedürfnis empfunden, an geeigneter Stelle in der Muttersprache den tiefsten Empfindungen ihres Herzens Ausdruck zu geben, wie das folgende Gebet beweist, das ich handschriftlich auf einem Zettel fand, der in einem Machsor (Druckort Sulzbach) lag. Ich gebe das Gebet in seinem ursprünglichen Wortlaut wieder, es lautet wie folgt: . Die T'chinne') sagt man ccm Rösch haschono und Jaum Kippur eh' man K'aurim umischtachawim2) Ribono schel olom3) ich bitt Dein Namen ich tue itzund Tschuwo4) und Hab Charodo^) auf meine Aweros8) und schrei und wein vor Dein heiligen Namen mit bittere Trähnen und bitt Dich derbarmiger Vater: Sieh an mein Jammer und mein Klagen. Ich fall vor Dein heiligen Namen zur Erd mit mein Angesicht. Lieber Herr Gott, tu Du Dich derbarmen über den sündigen Mensch. Ich N. N. laß mich nit zu7) vor Dich kommen zu Mischpot8), und ob meine Aweros8) sollten so groß sein als die Mekatregim9) vor Dir schreien: „Du sollst mich chaso w'ocholomu>) strafen", da bitt ich Dich mein Herr Gott nehm mich unter Dein Flügel als der Possnk geht") uwzel K'nofecho tastirenu.12) den längst Dein Zorn scheneemar el erech appajim w'raw chesed weemes und tust Gnad-13) gebührt und laßt ledig die Tschnwo4) tun vor Dir, auch tust vergeben und bist manchal") die Sünd. Drum bitt ich Dich lieber Herr Gott, da bin ich misswatte") mit mein zerbrochenen Herzen und mit schwerem Gemüt auf alle meine Sünd, was ich Hab getan von Jugend auf. Drum bitt ich Dein heiligen Namen Du sollst mich sündiger Mensch N. N. mochel") sein wie Dein heiliger Name ist. Du bist voll Derbarmigkeit wiewohl ich steh im schlechten Mischpot"), aber unsere Chachomim48) sagen: Wenn schon das Schächtrnesser liegt dem Menschen auf dem Hals, soll er hoffen zu Haschem jisborach") und soll zu ihm Tschuwo29) tun, wird ihm haschem jisborach^) mazzil-*) sein. Auch übergib mich zu Dein heiligen Namen. Was Du tust ist als Recht und tu Dein Zorn ab von mir und den Meinen ad olom2-) Omen. l) Gebet. 2) Das Niederfallen im Muffafgebet dieser Tage 3) Herr der Welt. 4) Buße. 5) Reue. s) Sünden 0 - so. 8) Gericht. 9) Ankläger Dos sei ferne. ") wie das Schristwort sagt. l2) unleserl. Wort. l3) wie es beißt: Gott lanamiitig und reich an Huld und Gnade. w) vergibst. 15) ich bekenne. 16) vergib. 17) Rechtsstreit. 18) W-äsen. 19J Gott sein Name sei gepriesen. 20) Buße. l) erretten. ~) bis in alle Ewigke't. Im Circulus vitiosus des Antisemitismus Auch im Fernen Osten hat der Antisemitismus eine Rolle im politischen Kampf zu spielen begonnen. Die nationalistische Bewegung in China richtet sich bekanntlich auch in ausgesprochener Weise gegen die Tätigkeit der christlichen Missionen in China, weil das überreizte' Nationalgefühl der Chinesen jetzt in der Verbreitung des Christentums ein Mittel Europas und Amerikas sieht, die politische und wirtschaftliche Eroberung Chinas auf geistig-religiösem Gebiet vorzuöereiten. Die christlichen Missionare werden in China von den Nationalisten daher, wie es in der politisch-radikalen Terminologie heißt, als „Agenten des Imperialismus" angesehen, und infolgedessen bekämpft. Es wird ein Feldzug gegen die Missionsschulen geführt, in welchen die chinesischen Schüler angeblich „eninationalisiert", mit fremden europäischen Ideen durchtränkt werden, usw. Dieser Kampf gegen die Missionare ist an sich objektiv unberechtigt, es ist gar kein Grund die Predigt des christlichen Evangeliums dem politischen wirtschaftlichen Vordringen der kapitalistischen Staaten in China gleichzusetzen. Das wird schon dadurch bewiesen, daß gerade die Missionare sich unter allen in China wohnenden Europäern am entschiedensten für die Erfüllung der nationalen Forderungen Chinas auszusprechen haben. Da aber hinter allem, was überhaupt in der Welt geschicht, die Juden stecken müssen, so hat man auch hier den Juden herbeigcholt, der die Verantwortung zu tragen hat. Es wird nämlich die Behauptung aufgestellt, daß die nationalistische Bewegung in China, die sich besonders stark im Süden Chinas äußert, und die bekanntlich lange Zeit sich aus die Hilfe der Moskauer Sowjetregierung gestützt hat, pen antichristlichen Charakter deswegen angenommen hat, weil die Moskauer bolschewistische Regierung im wesentlichen eine jüdische Regierung sei, wodurch sich natürlich alles erklärt. Daß die Behauptung von der Identität der Moskauer Sowjetregierung mit den Juden oder von einer Vorherrschaft der Juden in chr schon unendlich oft erschöpfend widerlegt worden ist, wird, wie gewöhnlich in diesen Fällen, vollkommen außer acht gelassen und diese falsche Behauptung fortwährend wiederholt.