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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch- * liberaler Zugendvereine Deutschlands ★ Jlt Monatliche Beilage zur Jüdisch-liberalen Zeitung Verantwortlicher Schriftleiter: Ernst Heinrich Seligsohn. Berlin-Grunewald, Douglasstraße 30 Masse oder Auslese Bon Ern st Heinrich Seligsohn. Die Frage: sollen wir mit unserer Arbeit möglichst breite Massen oder nur eine kleine, aber wirklich durchaebildete Schar gewinnen? sollte immer wieder von jedem Jliführer gefragt werden. Referate und Aussprache auf der letzten Delegiertentagung der Jlis liefen auf diese Frage hinaus. Und geantwortet wurde vielfältig. Aber diese Vielfalt an sich ist noch nicht Zeichen eines reichen Jlilebens, wenn nicht die Fragenden und Antwortenden jederzeit bereit sind, ihre eigene Meinung zu revidieren, statt engstirnig auf ihr zu verharren. Um diese Bereitschaft zur Meinungsrevision zu fördern, seien diese Zeilen einer hoffentlich recht lebhaften Aussprache vorangestellt. Rein tatsächlich ist festzustellen: kein Jli hat in dem Sinne die Massen für sich gewonnen, noch gewinnen wollen, wie sie etwa der Centralverein und der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten vereinigen. Für den Kampf um's Recht der deutschen Juden ist die Sammlung aller nur in Betracht kommenden Menschen erforderlich und — ausreichend. Denn dies allein — der Abwehrkampf gegen den Antisemitismus — wird von jedem Juden einmal praktisch erfahren. Die Einsicht in seine Notwendigkeit erfordert keine großen geistigen Mühen. (Daß der Centralverein sich besonders seit einigen Jahren bemüht, auch zur Vertiefung der deutsch-jüdischen Kultur beizutragen, ist eine andere Frage.) In jedem Jli hingegen wird ein gewisses Mindestmaß an geistiger Regsamkeit gefordert, weil schon das Programm des Liberalismus: die selbständige Auseinandersetzung mit dem jüdischen Lehrgebäude — eine geistige Beschäftigung voraussetzt. Für junge Menschen, die es nur einigermaßen ernst mit den Forderungen nehmen, die eine religiöse Erneuerung des Judentums stellt, ist es unmöglich, daß sich die Tätigkeit im liberalen Verein auf die Vorbereitung und Durchführung von Revräsentantenwahlen, auf einmaligen Synagogenbesuch im Jahr und auf sonst irgend eilte schöne (aber so ungefährliche!) Kundgebung, daß wir doch „gute Juden" seien, beschränkt. Aber oberhalb dieser Grenze beginnt bereits unsere Frage. Die einen glauben, daß eine zahlenmäßig nicht unbedeutende Masse für den Liberalismus gewonnen werden muß und geschehe dies auch auf Kosten der Tiefe der Bildung. Selbst eine derartige Jlimasse würde sich — nach dieser Meinung — von den ganz Indifferenten, den lediglich Mitläufern noch vorteilhaft unterscheiden. Auf diese Weise aber würde die jüdische Oeffentlichkeit auf die Stimmen aus den Jlikreisen hören müssen, schon weil sie so zahlreich sind und so häufig erschallen. Es ist klar, daß hier das Jliprogramm den Hauptwert auf Vorträge von möglichst prominenten Persönlichkeiten, besondere Veranstaltungen, sei es geselliger Natur, sei es mehr politischen Charakters (etwa anläßlich eines Ereignisses im jüdischen Leben) legen muß. Denn hier erweckt die Art der Veranstaltung („da muß man hingehen") schon Interesse in weitesten Kreisen. Aber gewiß werden manche, die vielleicht nur persönliches Interesse oder Modetorheit (die auf geistigem Gebiet besonders schlimm) hinführte, durch die Worte des Redners, durch den Zusammenklang der Meinungen zum Nachdenken über jüdische Fragen angeregt. Und darin liegt der Gewinn: daß man Menschen, die in ihrem sonstigen Leben wenig vom Jüdischen verspüren, wenigstens für Augenblicke zum Nachdenken geführt hat. Aber wird diese Wirkung weiterreichen? Ich glaube, daß die Jlis, in denen statt der Vorträge Arbeitsgemeinschaften stattfinden, nur eine veredelte Art der Tätigkeit wie die soeben geschilderte, keine grundsätzlich andere ausüben. Hier wird nur besonders an die Aktivität der Teilnehmer appelliert und der Kreis für die einzelne Arbeitsgemeinschaft ist rein zahlenmäßig begrenzt. Aber durch eine möglichst bunte Fülle von Themen, die in den Arbeitsgemeinschaften behandelt werden, durch die betont gesellschaftliche Form sollen, wenn man den ganzen Jli betrachtet, möglichst viele zum Jli gezogen werden, gleichgültig, welche menschlichenQualitätendie Teilnehmer besitzen. Und darin: in der Betonung der menschlichen Qualität unterscheidet sich der Jli, der „answählt" grundsätzlich von den übrigen. Die Form der Arbeit (Heimabend) ist äußerlich von einer Arbeitsgemeinschaft kaum verschieden. Aber die, die in einer Gruppe zusammen sind, sind zusammen g e w a ch - se n. Und es sind Menschen, die „liberal" sein wollen nicht an einigen Abenden ihres Lebens, sondern die durch ihre Haltung in ihrem — auch privaten! — Leben die „Jüdischkeit" in sich bewähren wollen. Darum kann die Gruppe doch „gesellig" sein, sich auch mit nichtjüdischen Dingen befassen, wie die Arbeitsgemeinschaften. Und so schiene sie denn, das Ideal einer Jlitätigkeit, wenn nicht — Ja, das große Aber muß deutlich gesagt werden: eine solche Gemeinschaft trägt nur ihr Leben in sich, strahlt es kaum nach außen. Und weiter: solche Gemeinschaft muß sich, wenn seine Glieder älter werden, allmählich auflösen. Von der Gruppenarbeit kann man dem Außenstehenden nichts zeigen, noch kann man gar durch sie — glücklicherweise! — die Jlimitglieder zu „prominenten" Gliedern der liberalen Bewegung machen. Das ist beides gut so. Aber es fragt sich einmal, ob die jüdische Oeffentlichkeit nicht auch ein Recht hat, gerade diejenigen, die sich vielleicht am intensivsten betätigt haben, in ihren Dienst zu stellen. Und umgekehrt: ob solche Gemeinschaft nicht Gefahr läuft, von der Oeffentlichkeit übergangen zu werden, obwohl gerade sie ihr am meisten zu bieten hätte. Zum andern aber: das Problem, was mit den älteren Gruppenmilgliedern des Jli werden solle, ist nur ein Teil des Problems der Zukunft der Jugendbewegung. Es soll hier nicht erörtert werden. Aber schon heute läßt sich feststellen: daß alle die Ideale der Jugendbewegung (im engeren und weiteren Sinne) nicht verwiMicht werden können, ja daß sogar sehr wenig verwirklicht worden ist. Auf den Jli angewendet, heißt das: auch die besten Absichten, möglichst viel jüdische Dinge zu lernen, auch das heißeste Bemühen um neue Formen des Gottesdienstes oder des sozialen Lebens werden nur zu einigen Taten führen. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir gestehen, daß noch sehr wenig von uns „verwirklicht" worden ist. Und uns bleibt nur die Hoffnung, daß diejenigen, die aus den Gruppen allmählich heranswachsen, in ihrer späteren Lebensführung die Jlivergangenheit erkennen lassen. Das Ili-Programm JN-Berlin. 1. Vorsitzender: Hans Rosenberger, Steglitz, Friedrichsruher Str. 56. Gruppe Reu-Charlottenburg. Fiihrerin: Hilde Bach, Schöneberg, Kuffteiner Str. 13. Sonnabend, den 17. September, abends U'7 Uhr, bei Eva Block. Sonnabend, den 24. September, abends y/I Uhr, bei Hilde Bach. Jli-Breslan „Abraham Geiger". 1. Borfitzender: Rabbiner Dr. Halprrfohn, Breslau 18, Moritzstraße 50. Unsere ailmöchentlichen Zusammenkünfte werden nach den Feiertagen — Ende Oktober — wieder ausgenommen. Ili-Frankftirt a. M. 1. Vorsitzender: Dr. Hugo Hvssmann, Niedeuau 3711. (Nähere Auskunft daselbst.) Telephon: Maingau 1878. Dienstag, den 20. September, Heimabend: Rabbiner Dr. Seligmann: Die kommenden Feiertage. Jli-Magdeburg „Heimat". 1. Vorsitzender: Hans Franlenftein, Haselbachstratze 8. Dienstag, 20. September, abends 8y2 Uhr, in der „Freundschaft", Prälatenstraße: Bortrag George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum E. B.: „Warum liberales Judentum?" Anschließend Diskussion. Der Jüdisch-liberale Jugendbund „Heimat" veranstaltet im Monat September eine Radtour in die blühende Lehlinger Heide, ferner ein gemütliches Beisammensein beider Gruppen. Näheres wird noch belakint gegeben. Wenn man sich diese geringen „Erfolge" der Gruppenarbeit eingesteht, wird man auch die Notwendigkeit der „Massenarbeit" einsehen. Sie soll sich nicht in den üblichen Bahnen vollziehen und beileibe nicht die Gruppenarbeit untere bindert. Mer es wäre wohl gut, wenn ein solcher auf> Gruppenarbeit eingestellter Jli von Zeit zu Zeit Veranstaltungen stattfinden läßt, an denen eine größere Oeffentlichkeit von Aelteren und Jüngeren teilnehmen kann. Ich denke dabei nicht an Vorträge, sondern etwa an Gedächtnisfeiern, wie sie zurzeit in Frankfurt versucht worden sind. In diesen Kundgebungen sollten neben „Prominenten" auch Führer aus dem Jlikreise sprechen und die musikalische und gar theatralische Ausschmückung könnte der Jli übernehmen. Dies letzte sei nur als Anregung angedeutet. Es wäre gut, wenn auch andere Vorschläge gemacht würden. Der Segen der Minderheit Von Rabbiner Dr. Halpersohn (Jli-Breslau). In den Augen der zum Urteil leicht geneigten und zum Vorurteil noch leichter geneigten Menge wird für die Wertung einer Idee die Zahl der Anhänger, die sie um ihr Banner zu scharen vermag, als untrüglicher Maßstab angesehen: die „großen", „weltbeherrschenden" oder gar die „richtigen" Ideen finden eine nach Millionen zählende Gefolgschaft — man spricht ja wohl in diesem Zusammenhänge von „imponierenden Zahlen" —, während die geringfügigen oder geradezu die „falschen" Ideen nur von wenigen geteilt werden. Nicht nur bei neuen — politischen, religiösen oder sozialen — Bewegungen sucht man an Hand der Mitgliederzahlen den Wert der sie tragenden und führenden Gedanken zu „ermitteln" — das wäre allenfalls noch zu begreifen, da schließlich alles Neue, das sich ins Dasein ringt, eben seine Daseinsberechtigung zu erweisen hat —, auch bei längst bestehenden Gemeinschaften nationaler oder religiöser Art wird die Zahl der Glieder sozusagen als Prüfstein für die Bedeutsamkeit der Gemeinschaft hingestellt. Einen Niederschlag dieser — zweifelsohne doch etwas nüchternen — Auffassung gewahrt man sogar in dem neuen Reichsschulgesetz, das, bei allem Entgegenkommen den religiösen Minderheiten gegenüber, doch eine gewisse Zahl zur Vorbedingung macht für die Gewährung von Sonderrechten. Nicht anders verhält es sich in anderen Fragen der nationalen oder religiösen Minderheiten, selbst da, wo sie staatsgesetzlich oder gar völkerrechtlich anerkannt und ihre Rechte verbrieft sind. Soweit es sich dabei um Verwaltungsmaßnahmen handelt, wird man im Hinblick auf die Kostenfrage in die Anerkennung des Zahlenprinzips als eines Machtfaktors willigen müssen. So wird man für zwei oder drei Kinder irgend einer Konfession oder Weltanschauung nicht die Einrichtung einer eigenen Schule fordern dürfen. Aber was man fordern darf und fordern muß, ist, daß man sich endlich und gründlich davon frei mache, in der Zahl einen Fetisch anzubeten und von ihr einen Rückschluß zu ziehen auf die Güte und Bedeutung einer Idee oder einer Religion bezw. einer Weltanschauung. Dies ist wenigstens die Ansicht des Judentums, das, dem Zahlenkultus abhold, den Satz geprägt hat: Jeder, der eine Seele erhält in Israel, hat gleichsam eine ganze Welt erhalten; und umgekehrt, wer eine Seele in Israel vernichtet, hat gleichsam eine ganze Welt zerstört. Und nicht ohne Grund hat die jüdische Lehre die Anerkennung der Zahl als eines Gradmessers für den inneren Wert einer Lehre weit von sich gewiesen. Ist es doch jüdisches Schicksal, allüberall eine Minderheit zu bilden. Schon Mose hat dies seinem Volke in der Wüste gekündet. „Nicht, weil Ihr mehr seid als alle Völker, hat der Ewige Euch begehrt und Euch erkoren, denn Ihr seid die wenigsten von allen Völkern" (Deut. 7, 7). Aber die Juden haben es verstanden, dieses Minderheitsschicksal zu einem Segen, zu einem inneren Segen für ihre Gemeinschaft zu gestalten. Was ihr nämlich an Zahl- und Machtentfaltung abging, das suchte sie durch Treue und Festigkeit, durch Verbunden- und Verschlungensein aller ihrer Glieder im gleichen Geiste und zum gleichen End- und Hochziele zu ersetzen. Nach jüdischer Auffassung ist Gott nicht dort, wo die stärkeren — oder sinngemäß angewendet — die zahlreicheren Bataillone sind (im Gegenteil, „es gibt für den Ewigen kein Hindernis zu helfen mit vielen oder wenigen"), sondern da, wo die Wahrheit ist, die Lauterkeit der Gesinnung, die Wärme und Glut der Herzensüberzeugung. Um nur einen Beweis aus der Bibel zu erbringen: Von den 12 Kundschaftern, die Mose vorausgesandt hatte, gaben nur zwei der Wahrheit die Ehre, während die große Mehrzahl in lügnerischen Uebertreibungen schwelgten. Und recht behielten die zwei, die winzige Minderheit, mit ihrem Wahrheitsmut, und ihr Losungswort „Wir werden hinaufziehen und das Land in Besitz nehmen" ging herrlich in Erfüllung. Wie extra muros, so gilt das Wort vom Segen der Minderheit nicht minder auch intra muros, gilt insbesondere von unserer Jugendbewegung, den Jlis. Auch wird sind innerhalb der jüdischen Jugendgemeinschaft zu einer Minderheit verurteilt. Rein zahlenmäßig bleiben wir, ohne daß mir genaue Ziffern bekannt wären, sicherlich hinter der Mitgliederschaft des großen neutralen Verbandes und wahrscheinlich auch anderer Verbände, etwa orthodoxer Prägung, zurück. Dieser Umstand, weit entfernt davon, uns irgendwie zu entmutigen, gibt uns vielmehr Anlaß und Ansporn, diese Minderheit als ein Schicksal, als jüdisches Schicksal im besten Sinne des Wortes, zu tragen und es in uns und an uns zu einem Segen zu gestalten. Dadurch, daß wir es den anderen gleichtun und nach Möglichkeit sie überbieten suchen an Glut der Begeisterung für das Judentum, wie wir es auffassen, an Wucht der Glaubens- und Ueberzeugungstreue, eben aus dem Bewußtsein heraus, daß wir, um mit Mose'n zu reden, auch innerhalb unserer organisierten Jugendgemeinschaft, die wenigsten unter den Verbänden. Wir wollen nicht so sehr gezählt, als vielmehr gewogen werden, und wir wollen uns mühen mit aller Kraft, nicht zu leicht befunden zu werden. Und wer da glaubt, uns Ideale, jüdische Ideale zum mindesten absprechen zu dürfen, den möchte ich auf das eben in neuer Auflage erschienene Büchlein unseres alten Freundes Norden verweisen, das kurz vor der Niederschrift dieser Zeilen auf meinen Schreibtisch geflattert kam, das in knappen, aber beredten Worten die Grundlagen und Ziele des religiösliberalen Judentums darstellt. „Forsche darin und forsche darin, denn alles ist darin", möchten wir von ihm mit unseren Mischnaweisen sagen. So wollen wir unseren Idealen in unentwegter Treue anhangen und mit allen Fasern des Herzens ihnen dienen, und über unsere relativ geringe Zahl wollen wir uns mit dem Bewußtsein trösten, daß in der Minderheit zu sein jüdisches Schicksal ist, ein Schicksal, das uns zum Segen werden soll. Die Ausstellung „Das junge Deutschland" Der „Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände", dem säst 100 Bünde mit mchr als 4 Millionen Jugendlichen angehören, veranstaltet vom 12. Attgust bis 25. September im Schloß Bellevue in Berlin eine 'Ausstellung: „Das junge Deutschland", die dann als Wanderausstellung durch Deutschland weit ergehen soll. Die Ausstellung gliedert sich in drei Abteilungen: 1. Die bevölkerungspolitische, soziale und gesundheitliche Lage der Jugend. Die freie und öffentliche Jugendpflege. 2. Die Freizeit der Jugend. 3. Tie Kulturbewegung der deutschen Jugetw. Am bedeutungsvollsten ist entschieden die Frage der Freizeit, die unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden kann. Zunächst ist die Frage, ob genügend Freizeit für die Weiterentwicklung des Jugendlichen vorhanden ist. Diese Frage muß verneint werden. Wieoiele Jugendliche haben im Jahre 14 Tage Ferien? Wieviele Jugendliche haben die ihren Kräften angepaßte Arbeitszeit? Daß der Weg zur Arbeitsstätte meist recht viel Zeit erfordert, wird selten bedacht. Die Ausstellung macht darauf in einem guten Modell aufmerksam. Eine weitere Frage ist, wo die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen. Wie ans Modellen' und Statistiken hervorgeht, ist es in Anbetracht der Wohnungsnot und des dadurch bedingten engen Zusammenwohnens weder möglich, noch wünschenswert, daß sie sich in der Freizeit in ihren Wohnungen aufhalten. Darum sind Jugendheime notwendig in der Stadt und auf dem Lande. Eine Reihe von Landjugendheimen habett ihre Modelle ausgestellt. Besonders dringlich sind diese Landjugendheime notwendig infolge des schlechten Gesundheitszustandes sehr vieler Jugendlicher, der in Statistiken dargestellt wird. - In welcher Gesellschaft verbringen die Jugendlichen ihre Freizeit? Tie Jugendbünde, in denen die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen, nchmen mit ihrer Selbstdarstellung einen guten Teil der Ausstellung ein. In Symbolen, Bildern und Statistiken zeigen die Bünde, was sie erstreben, lieber die Srlbstdarstellung der jüdischen Jugendverbände wird weiter unten die Rede sein. — Womit verbringen die Jugendlichen ihre Freizit? Darüber geben die Erzeugnisse der Jugendlichen oder das Material, mit dem sie sich beschäftigten, Auskunft: Kunstvolle Handfertigkeiten und Werkstücke, Zeichnungen; Bücher. Ferner mit Körperpflege und Sport und Wandern. Ergänzt wird dieser Teil der Ausstellung durch Tanz- und Singeabende, die im Park Bellevue veranstaltet werden. Leider ist die Ausstellung bei aller Vielseitigkeit teilweise schr im Statistischen stecken geblieben. Sie gibt viele Anregungen und ist ein schr verheißungsvoller Anfang für die Zusammenarbeit der Jugend ohne Unterschied der Partei und Konfession. Auch der Retchsausschuß der jüdischen Jugendverbände hat eine Koje innerhalb der Ausstellungen. Eine Plastik soll im Symbol den Gedanken der sozialen Arbeit der Jugend für die Jugend als Leitgedanken des Reichsausschlusses ausdrücken. Die Ziele der ihm angeschlossenen 11 Verbände werden durch Wandbilder (mit dem Motto: „Freude am Gesetz", „Lernen der Schrift", „Pflege von Vollslied und Literatur", „Berufsumschichtung", „Wandern und Körperkultur") dargestellt. Aus zwei Tischen wird dann nach gezeigt, in welcher Weise die Jugendpflege und die Jugendbewegung durch die jüdischen Institutionen unterstützt werden. Ferner liegt aus eine Statistik über den Reichsausschuß, eine Photographie der Zeitschriften der jüdischen Jugendverbände

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