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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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und ein Bild des Seesener Jugendeicholuirgsheims, das der Rerchsausschuß in diesem Sommer eröffnet hat. Dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände ist auch die Arbeitsgemeinschaft der jüdisch-liberalen Jugendvereine angeschlossen. Ihm gehören ferner an die Agudas- Jisroel-Jugendorganisation, die Deutsch-Jüdische Jugend (D.J.J.), die Deutsch-Jüdische Jugendgemeinschaft (D.J.J.G.), der Esra-Jugendgemeinschaft, der Hahaluz (Deutscher Landesverband), der Jung-Jüdische Wanderbund (I.J.W.B.), die Kadnnah, die Misrachi-Jugendgemeinschaft um» der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Mit ihnen allen verbindet uns Äer die Verschiedenheit der Standpunkte hinweg die „soziale Arbeit der Jugend für die Jugendi". N. Das Jugendtreffen in Brieselang Am Sonntag, 11. September, fand in Brieselang bei Berlin das Treffen aller dem Landesausschuß der jüdischen Jugendverbände Berlin - Brandenburg angeschlossenen Jugeräbünde statt. Ein Teil der Gruppen war schon am Sonnabend hinausgefahren und hatte in der Jugendherberge oder in Zelten übernachtet. Am Sonntag morgen um 1/210 Uhr versammelten sich sämtliche Gruppen auf einer der großen Spielwiesen zur Eröffnung durch den Vorsitzenden des Landesausschusses, Martin Sobotker. Nach Begrüßung der Gäste und Tank für die Stiftung von Preisen für die Sportwelt-' bewerbe deutete Sobotker das Treffen zu Spiel und Ssport als Stärkung der Gemeinsamkeit aller jüdischen Bünde über die religiösen und politischen Richtungen hinaus, die für die soziale Arbeit unentbehrlich ist. Die soziale Artbeit ist nicht Pflicht der Jugend, sie ist ein Teil ihres Kulturwillens. In diesem Sinne eröffnete er das Treffen, und die Gruppein trennten sich. Ein Teil von ihnen spielte, ein anderer bildete die Zuschauer, ein dritter streckte sich ins grüne Gras und sang, spielte oder tanzte. Viele schwammen, manche hüteten die Zelte und nicht wenige sorgten durch Kochen, die Kräfte der Ihren für die Strapazen der Wettkämpfe auf der Höhe zu. halten. Es war eine anschnliche Zahl Menschen zusammen fl eströmt; 1500 Jungen und Mädel aus allen Bünden. Eine Gruppe „Seesener", etwa 20 Mann stark, war auch vertreten; sie umfaßte alle die, die während des Sommers sich im Jugenderholungsheim des Reichsausschusses in Seesen erholt hatten. An öffentlichen Körperschaften waren u. a. die Zentralwohlfahrtsstelle, und die Repräsentanz her Berliner Gemeinde vertreten. Am Nachmittag versammelten sich die Bünde erneut zur Schlußfeier. Zunächst sängen verschiedene Bünde Chöre und Liürer; daraus feinte ein gemeinsamer Chor. Schließlich! nahm nach einer kurzen Begrüßung des Jugendtreffens namens des Reichsausschusses — Martin Sobotker die Preisverteilung vor, bei der z. B. die Deutsch-Jüdische Jugendgemeinschaft das Palästina-Werk von Landauer (Preis der Zionistischen Bereinigung Deutschlands), die Kadima einen Kiddusch-Becher (Preis ves Liberalen Vereins) bekamen. Auch hierdurch sollte wenn wir's rocht verstehen gezeigt werden, daß im gemeinsamen Leben der jüdischen Jugend nichts das Trennende betont wird, sondern das Einende. Damit war das Tressen beendet und in langen Zügen zogen wir singend zur Bahn. Der Jlr hatte bei dem Treffen einen schweren Stand. Klein an Zahl und mit den Führern anderer Bünde wenig bekannt, kam er bei dem Treffen, zumal es rein sportlich war (und der Jli besitzt keine Sportgruppen und konnte m Anbetracht der Ferien so schnell keine zusamrnenstellen) nicht so rocht zum Vorschein. Auch andern Gruppen von Bünden dürfte es so ergangen sein. Und doch - der Anfang ist verheißungsvoll: auch wir müssen und werden mit den anderen Bünden in engere Fühlung treten, werden uns an den Vorbereitungen intensiver beteiligen und aus diese Weise einen Einfluß auf die Programmgestaltung gewinnen. Das setzt voraus, daß wir uns auch an den sozialen Arbeiten des Landksausschusses intensiv beteiligen. Unsere BereitwiMigkeit dafür war stets vorhanden, und soweit es unser kleiner Kreis gestattete halfen wir mit. Hoffen wir, daß das zweite jüdische Jugendtreffen mehr noch als das erste die jöbifijje Jugend auf den Plan sieht! H. L. Seesen Die ersten, die das Heim des Rcichsausschusses besuchen sollten, versammelten sich am 12. 7. um V47 Uhr, noch recht verschlafen, aus dem Potsdamer Bahnhof und fuhren im bestellten Abteil nach Stesen. Wir lernten uns bald kennen und hatten uns schnell daran gewöhnt, einander zu duzen. Biele von uns kannten den Harz noch gar nicht. Und so erscholl bei jedem Hügel die Frage, ob das vielleicht schon der Harz sei, woraus eine empörte Zurechtweisung derer, die ihn schon kannten, erfolgte. Als wir in der Ferne höhere Berge sahen und uns freuten, da mitten hindurch zu fahren, waren wir auch schon in Seesen und sahen ein, daß Seesen nicht im, sondern am Harz liegt. In tüchtiger Sonnenhitze mußten wir 20 Minuten durch Seesen gehen. Denn das Heim liegt ganz am andern Ende der Stadt, in der Nähe der schönen Anlagen. Inzwischen war es Mittag geworden, und wir verspürten einen rechtschaffenen Hunger. Daher begaben wir uns möglichst schnell in das Speisezimmer. Dort fanden »vir eine ungeheure Menge Selterflaschcn vor, deren Inhalt unser erstes Mittagessen in Seesen wurde. Gläser wurden schnell herbeigeschasst. Aber —1 0 Entsetzen! — die Flaschen hatten einen Verschluß, der sich nicht öffnen ließ. Ein allgemeiner Andrang nach Taschenmessern, die auch nur sehr spärlich vorhanden waren, entstand. Endlich waren die Flaschen geöffnet, und wir konnten unfern Durst stillen, während wir den Rest unseres Reiseproviantes verzehrten. Am Abend wurden wir herrlich entschädigt. Es gab ein Essen, das Mittag- und Abendessen zugleich war, und trotz unseres Hungers, der inzwischen noch durch ein Völkerballspiel vergrößert worden war, nicht vollständig vertilgt werden konnte. Befriedigt legten wir uns am ersten Abend zu Bett, mit dem festen Borsatz, uns gut zu erholen und — ab und zu auch mal zu arbeiten. Das letztere blieb leider nur ein guter Borsatz. Wir hatten zwar fast alle Bücher zum Arbeiten mit. Aber mit scheuer Gebärde trat man an den Platz heran, an dem die Bücher, möglichst! versteckt, noch wohl eingepackt lagen, nahm dieses oder jenes Buch heraus, betrachtete es von allen Seiten, klappte es wohl mal auf, aber dann ganz schnell wieder zu, und legte es wieder an seinen Platz zurück. „Hast Du schon was gearbeitet?" „Ach wo, Du et»va?" Es war einfach nicht möglich, in Seesen zu arbeiten, dazu ist es da zu schön. Schlechtes Wetter war abbestellt. Rur in den ersten Tagen wagte sich etwas Regen nach Seesen, aber auch nur für ein paar Stunden. Und ein sonniger Garten ist zum Nichtstun so herrlich geeignet. Doch ab und zu mußten wir Mädels uns betätigen. Manchmal kam ganz schüchtern ein Junge: „Ach, möchtest Du — — —, ach, würdest Du so gut sein — — — —, ach, könntest Du mir vielleicht mal meine Jacke flicken oder mir einen Knopf annähen oder mir mein Hemd waschen und plätten?" Was sollte mau denn da anders tun, als helfen. Noch eine andere Beschäftigung gab es: Tischdecken und Tischabdecken, wobei es recht friedlich und geregelt zuging, und Essen austeilen, was manchmal weniger geregelt geschah. Wenn der große Eßtopf hereinkam, sprangen alle Mädels auf, um auszuteilen. Keine »vollte zurückstehen. Je mehr Teller man verteilt hatte, um so stolzer fühlte man sich. Ob sich all die Madels zu Hause auch so »virtschastlich betätigen? Bei Tisch setzten sich alle, die sich ein iventg angesreundet hatten, zusammen. So entstand an einem Tischende eine recht sidelc Ecke, die immer etwas zu erzählen und zu lachen hatte, und das nicht immer ganz leise. Schlagworte wurden hin und her geworfen, und ein Junge fühlte sich verpflichtet, als das Wort „durch den Kakao ziehen" fiel, dies auch gleich in die Tat umzusetzen. Ein Mädel fühlte sich plötzlich von hinten etwas unsanft am Kopfe gepackt und mit dem Haar in eine Untertasse mit Kakao getaucht. Alles lachte, und was blieb dem armen Mädel weiter übrig, als auch zu lachen! Jedenfalls >var sie gezivungcn, am Abend große Haarwäsche zu veranstalten. An demselben Abend ivollte die lustige Ecke noch irgend einen Unsinn anstellen. Schließlich kamen ivir überein, einen Göttertrank aus sämtlichen Bestandteilen des Abendbrotes (hauptsächlich Kakao, Rollmops, saure Gurke und Himbeerwasser) herzustellen unnd ihn denjenigen, die erst später von einem Ausflug kommen sollten, vorzusctzen. Doch als einer ihn gekostet hatte, schüttelte er sich vor Grausen, und niemand von den andern tat uns den Gefallen, unseren Trank auch nur noch einmal anzurühren. Und er >oar doch so gut zusammcngemischt! Bei dem herrlichen Wetter unternahmen wir viele Ausflüge, besonders gern gingen wir noch nach dem Abendessen spazieren. Wenn es dann im Wald schon etwas dämmerig »var, und man die Wege nicht mehr so ganz genau unterscheiden konnte, dann saß sicher irgend einer mit den Füßen oder gar noch weiter in einem Bach und nahm ein unfreiwilliges Bad. Jeder, der von einem Spaziergang zurückkehrte, wurde erst kritisch von hinten und vorn betrachtet, ob er auch nicht die Spuren eines solchen Bades an sich trüge. Nach und nach schafften wir uns alle Bergstöcke an, die leider den großen Fehler hatten, einander sehr ähnlich zu sein. Und so war und blieb man aus einer ewigen Suche nach seinem Stock, der ein ganz bestimmtes Merkmal haben sollte, das man aber beim Suchen mindestens an 3 anderen auch fcststellte. Jeder behauptete aber bestimmt, seinen eigenen zu haben. Schließlich fand sich dann irgendwo ein herrenloser Stock, der einem sicher nicht gehörte. Ans diese Weise habe ich 4 verschiedene Stöcke im Pesitz gehabt. Das größte, allgemein aufregende Ereignis war eine 2»/2-Tagcssahrt, bei der das ganze Seesener Heim auswanderte. Sie begann mit einer Rachttour auf den Brocken, bei der man von den Gesichtern ablesen konnte, daß die Nacht eigentlich zum Schlafen und nicht zum Wandern da ist. Daher verpaßten wir auch den Sonnenaufgang, der sicherlich sehr schön klar »var. Kaum waren »vir aber auf dem Brocke«, als der Aolkenvorhang zu ging, und die Aussicht verdeckt »var. Nach einer Ruhepause von 2 Stunden, die der größte Teil zum Schlafen benutzte, ging's »veitcr, den ganzen Tag durch wundervolle Gegenden. Am Abend hielten »vir große Mahlzeit: Apfelmus und Sardinenschnitten. Wir stellten mit Betrübnis fest, daß unser Brotvorrat nicht mehr groß war. Aber erst in Altcnbrak, »vo »vir übernachten wollten, sollte frisch eingekauft »verden. Doch plötzlich in Wendesurth erklärten ein paar Mädels, sie könnten keinen Schritt mehr »veiter. Wir nahmen ihnen ein Hotclziinmer und krochen selbst aus einer engen Leiter auf einen Boden, in den uus der großmütige Wirt für 13 Leute 6 so schmale Ttrohsäckc hingelcgt hatte, daß knapp ein einziger darauf Platz hatte. Obgleich wir so dich: gedrängt schliefen, wachten »vir alle nach ein paar Stunden vor Kälte zitternd und bibbernd wieder aus. Alle Wollsachcn »värmtcn nicht. Wir ringelten uns um unsere Rucksäcke, es hals nicht. Schließlich fanden »vir den Grund: das Stroh war naß. Um 1/24 Uhr erhoben wir uns von unsercin gemütlichen Lager und setzten unseren Marsch in schncllcin Tempo fort. Um ^9 Uhr mußten »vir in Thale sein, doch nach einiger Zeit mußten wir uns eingestehen, daß wir alle ein wenig Hunger hatten. Aber da stellte sich heraus, daß »vir nichts mehr zu essen hatten und nur noch so viel Geld, um unser- Heimreise zu bezahlen. Der unverschämte Gastwirt hatte uns alles für das Zimmer abgcnommen.^ So mußten »vir unfern Weg eben mit hungrigem Magen sortsetzen. Zuerst sangen »vir, um unsere Müdigkeit und unseren Hünger zu vergessen, mit Todesverachtung, was uns gerade einsiel, nicht nur Wanderlieder, sondern alles, außer Schlasliedern. Aber dann verließ uns auch dazu die Energie, und nur ab und zu begann einer ein Liedchen zu pfeifen. Aber vergebens! Keiner stimmte ein, und so ließen wir auch das bleiben und sahen nur verzweifelt nach der Uhr. Endlich langten wir auf dem Bahnhof in Thale an und kamen gerade noch zum Zuge zurecht. Sitzplätze? Nicht im entferntesten daran zu denken! Erst im zweiten Zug, in den wir umsteigen mußten, bekamen wir Platz. Da erinnerten wir uns einer Büchse Apfelmus, einer Büchse marinierter Heringe und eines Kanten Brotes, aus dem sich 2 Schnitten schneiden ließen. Das war die Mahlzeit für 15 Personen. In aller Eile hatten wir noch eine ganze Tafel Schokolade erstanden. Die Mahlzeit bestand für jeden einzelnen: 1. aus 3 Stückchen Schokolade, 2. aus einer Handvoll saurer Heringe, aber wirklich aus der Hand gegessen, da unsere Becher noch anderweitig gebraucht wurden, 3. aus Vs Schnitte Brot, 4. aus 1/4 Becher Apfelmus, das aus dem Becher aus irgend eine Weise getrunken werden mußte, 5. aus V10 Becher Apfelmus mit Himbeerwasser, das sich in unserer Phantasie wie herrlichste, wohlschmeckendste rote Grütze ausnahm, 6. aus beliebig viel Bechern Wasser, das es ja bekanntlich kostenlos auf Bahnhöfen gibt und nur aus diesem Grund für uns erschwinglich war. Ein Mädel hatte den Mut, mit dieser Mahlzeit und vier, für plötzlich noch zum Vorschein gekommene 10 Pfg. erstandenen Knüppeln noch den ganzen Tag in Goslar zu bleiben. In Seesen stürzten wir uns auf das für uns übrig gelassene Mittagessen. Unsere Betätigung für den Nachmittag und den folgenden Tag war Schlafen, Essen, Schlafen, Essen, Schlafen. Die Ferienzeit ging für alle zu schnell zu Ende, und der Tag der Abfahrt nahte. Aber so ganz sang- und klanglos wollten wir Seesen doch nicht verlassen, und so beschlossen wir denn, uns ain letzten Tage mit Spottgedichten und -Liedern und Reden noch tüchtig zu necken. Das haben wir auch redlich getan. In der Bahn bedauerten wir immer »vicder, daß die Seesener Zeit schon zu Ende war. Aus der Ili-Arbeit * 3li-2ttag&efmrg Am 4. September fand die ordentliche Generalversammlung des Jüdisch-liberalen Jugendbundes „Heimat" zu Magdeburg unter einer Beteiligung von 35 Mitgliedern statt. Der 1. Vorsitzende eröffnete die Versammlung und gab dünn den Halbjahrsbericht, aus dem sich ergab, daß die Sommerveranstaltungen des Magdeburger „Jli" im allgemeinen unter mangelhafter Beteiligung gelitten, aber denen, die an ihnen teilgenommen haben, manche Anregung und manche nette Stunde gebracht haben. Nach Entlastung des Kassierers schritt man sodann zur Vorstandswahl. Diese ergab eine Wiederwahl des alten Vorstandes. Als Punkt Verschiedenes der Tagesordnung kam ein Antrag zwecks Beitragserhöhung zur Debatte, der einstimmig angenommen wurde, um 12.30 Uhr schloß die ruhig verlaufene Versammlung. Breslau. (Jli „Abraham Geiger".) In den Sommermonaten ruhte unsere im letzten Winterhalbjahr regelmäßig durchgesührte Bereinsarbeit. Wir wanderten einige Male in den Bergen und Tälern der schlesischen Heimat, leider nur im kleinen Ksieise. Die Bereinsmitglieder, die sich bei diesen Ausflügen um Ludivig Freund scharten, hatten immer den Genuß und die Freude, bisher unbekannle^Naturschönheiten kennen zu lernen und bei den Wanderungen über Sinn und Bedeutung vieler Fragen, die uns als Gemeinschaft interessieren, zu plaudern. Allwöchentlich trafen wir uns am Mittwoch abends in einem Gartenrestaurant. Auch hier bot sich ein ähnliches Bild wie bei den Wanderungen. Ein kleiner Kreis unterhält sich über Reiseeindrücke, streift seine persönlichen Sorgen ab und doch dringt auch hier die Frage durch: wie wird unsere Arbeit im Winter, wie ziehen wir neue Kräfte heran. Hoffentlich behält die optimistische Richtung Recht: durch Zusammenfassung aller Kräfte muß cs vor»oärts gehen. Wenn jeder mit Ausdauer und Liebe an seinem Platze siebt, dann müßte unser Kreis größer und die Lauen und Abseitsstehenven endlich ausgerüttelt werden. Am Sonntag, den 28. August, besuchten wir mit unseren lieben Liegniyer Freunden die Gugali-Ausstellung. Zu rasch vergingen die Stunden dieser uns. allen unvergeßlichen Zusammenkunft. Was Liegnitz an Gastfreundschaft bot, ist schwer in Worte zusammenzusassen. Wir danken auch an dieser Stelle der ausgezeichneten Liegnitzer Führung für alle Mühen. ★ BÜCHERSCHAU „Jüdischer Kunstkalender für das Jahr 5688“, Verlag 8. Müller, Heidelberg, Klingenteichstr. 2. Die ganz vorzügliche Neuerscheinung verdient Beachtung in weitesten Kreisen. An Stelle der sonst hier üblichen Buchbesprechung mag hier ein Aufruf folgen, den auch unsere Redaktion sich restlos zu eigen macht: Kollegen! Ein hervorragendes jüdisches KuJfurwerk, das in unserer zerklüfteten Zeit Seele und Leben jedes jüdischen Menschen zu durchdrimgen geeignet ist, ist im Werden begriffen: ein „Jüdischer Kunstkalender“. Die Herausgeber — unser unermüdlicher Kollege 5. Müller in Heidelberg und Dr. M. Eisler, Professor der Kunstgeschichte an der Universität in Wien — wollen auserlesenen Kunstwerken jüdischen Inhalts, ganz besonders solchen von jüdischer Künstlerhand, eine Stätte im jüdischen Haus bereiten. Das Edelste aus allen Gebieten der Kunst und des Kunsthandwerks aus allen Zeiten und Ländern soll in künstlerisch ausgezeichneten Reproduktionen (hergestellt von F. Bruckmann in München) aufgezeigt werden. Auf ihre neue, festliche Art wollen sie in die jüdische Welt Samenkörner streuen, die durch Jahrtausende ihre Keimkraft bewahrt und bewährt haben. Die Kunst als Werkzeug, als mitbestimmende Kraft im Leben des modernen Juden! Eine wahrhaft große Aufgabe! Sich in den Dienst dieser Aufgabe zu stellen, ist Pflicht jedes Einzelnen, der für die Lebenserhöhung unserer jüdischen Gemeinschaft verantwortlich ist. Was den Herausgebern vorleuchtet, ist darum uns Berufserziehern eine besondere Herzenssache. Für unsere Jugend mit ihrer Sehnsucht nach lebendigem Anschauen und Empfinden alles Schönen und Erhabenen tauchen in den Kunstblättern jüdische Werke und Werte in jungem Lichte auf. Schlummernde Welten erwachen zu neuem, frohsinnigem, frischem Leben. Die Leistung verdient vom allgemein-jüdischen wie vom pädagogischdidaktischen und künstlerisch-ästhetischen Standpunkt aus die höchste Anerkennung. Tue darum jeder Kollege das seinige zum Gelingen dieses großzügigen Werkes! Der ungewöhnlich billige Preis von ca. Mk. 1,60 macht es möglich, daß der Kunstkalender auch in das letzte Haus kommt. Gleichzeitig mit der Ausgabe für das deutsche Sprachgebiet wird der Kunstkalender in mehreren Fremdsprachen erscheinen. Als ein Besonderes zu werten ist es, daß den großen zentralen Verbänden für die ihnen angeschlossenen Vereine und Ortsgruppen der unmittelbare Bezug zu wesentlich ermäßigtem Preis ermöglicht ist. Auf diese Weise werden, bei entsprechenden Sammelbestellungen durch die Verbände nicht unerhebliche Beträge für deren Wohlfahrtszwecke gewonnen werden können. Mit kollegialem Gruß! Für den Verband jüd. Lehrervereine im Deutschen Reich: M. Steinhardt (Magdeburg). Für den Jüd. Schulverein „Talmud Thora“ in Wien: Dr. Joel Pollak (Wien). Für den Verband isr. Religionslehrer und Kantoren in der Schweiz: M. Rosenthal (St. Gallen). | Wir schließen uns diesem Aufruf freudig an: Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands: Rabbiner Dr. S. Klein, Düsseldorf. Der Chassidismus. Eine kulturgeschichtliche Studie von Ahron Marcus s. A. Dritte Auflage. Heft 1, 32 Seiten. 1927. Verlag von Salomon Marcus, Harburg a. E., Bremer- Straße 58. preis M. 1,50. Der gelehrte Verfasser ist 1816 in Frankfurt a. M. im 74. Lebensjahr verschieden; geboren in Hamburg, hat er den größten Teil seines arbeitsreichen Lebens in Krakau verbracht und konnte also an der Quelle den Chassidismus studieren. Da das von ihm herausgegebene Werk vergriffen ist, bemüht sich der Sohn, es von neuem zu edieren. Es erscheint heftweise, denn die Geldmittel reichen nicht aus, um das ungefähr 200 Seiten umfassende Buch mit einem Male herauszubringen. Schon das erste Heft bringt den Beweis, daß es äußerst interessant und belehrend ist. Ein erschöpfendes Urteil läßt sich jetzt noch nicht abgeben. Wir knüpfen hieran den Wunsch, daß unsere Glaubensgenossen dem Herausgeber ermöglichen, die Fortsetzungen bald erscheinen zu lassen. (Die chassidistische und mystische Bewegung hat vorzugsweise bei den slawischen Juden Wurzel gefaßt; es wird allgemein angenommen, daß Jsrael aus Miedziborz, genannt Baal-Schern, ihr Stifter ist (1700—1760); sein Nachfolger war Dob Beer aus Meseritz. Martin Buber verschafft uns durch seine Schriften „Geschichten des Rabbi Nachman“ und „Legenden des Baal-Scham“ einen Einblick in den Chassidismus.) Dr. Spanier (Magdeburg). Kalendarium für die Zeit v.17.9.b. 24.9.1927 September 1927 Elvl 5687 Sonnabend 17 20. Wochenabschnitt: Ki ßowau HastaraH: Jesaia 60,1—60,22 Sabbat-Ausgang: 7.01 Uhr Sonntag 18 21. 1. Tag Selichauß Montag 19 22. 2. „ „ Dienstag 20 23. 3. „ Mittwoch 21 2*. 4. „ », Donnerstag 2S 25. 5. „ „ Freitag 23 26. 6. Sonnabend 24 27. Wochenabschnitt; Nizzowim HastaraH: Jesaia 61,10—61,11; 62,1 bis 62,12; 63,1—63,9 Sabbat-Ausgang: 6.44 Uhr

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