Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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wvü 'vp*r" nicht liberale oder orthodoxe, nicht westliche oder östliche, nicht gläubig^ oder irreligiöse -wir kennen nur den notleidenden Juden. So wenig aber ein Wohlfahrt-- und Jugendamt selbst seiner ungeheuren und verantwortungsvollen Ausgabe auch nur einigermaßen gewachsen sein könnte, wenn es sich von parteipolitischen oder religiös-politischen Gesichtspunkten leiten ließe — — das hieße alsbald: beirren ließe, so ',wen5g' kann es des Vertrauens und der Anteilnahme aller Juden jeder politischen und religiösen Richtung entraten. Die Gelegenheit, einen Parteistandpunkt überhaupt' oder allzusehr in den Vordergrund gedrängt zu sehen, wenn in dem Falle der Ablehnung eines von politisch interessierter Seite kommenden Gesuchs alsbald politische Motive vermutet werden, ist unter, allen Umständen als abwegig anzuseheu. Ist die an sich bedauerliche Ablehnung eines Bittgesuches geboten, so bestehen sachliche Gründe. Wo soll es auch hinführen, wenn sich nach jeder Ablchnung oder bei jedem Stattgeben eines Gesuches das Wohlfahrtsamt vor dem Forum der Parteipolitiker rechtfertigen sollte? Schließlich wäre das Wohlfahrtsamt sonst genötigt, in einem bestimmten Prozentsatz liberale und konservative Gesuche zu bewilligen oder abzulehnen. Nein, ganz Israel steht füreinander ein. Wenn überhaupt noch irgendwo, dann gilt dieser Grundsatz in der Wohlfahrtspflege. Tie Wohlfahrtspflege ist das Gebiet, wo die Juden aller Richtnugen und Parteiungen in Frieden zusammenarbeiten können und müssen. Eines das Ziel — einer der Weg — eine die Gesinnung. Nur mit gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Hilfe ist das Ziel zu bestehen., die Ausgabe zu erfüllen — Aber so werden wir sie aucy mit Sicherheit erfüllen — denn das ist unsere Bestimmung als Menschen und als Juden. — Aufruf! Ein ernstes Wort an die jüdische Gemeinschaft, Männer und Frauen. Seid Ihr Euch bewußt, daß die Juden in Deutschland in ernster Gefahr stehen, an Zahl abzunehmen und an Kraft und Gesundheit zu verkümmern? Nein? Nun, dann werft einen Blick auf die einstmals blühenden jüdischen Gemeinden der Kleinstädte und seht, wie sie, selbst da, wo eine nennenswerte Abwanderung nicht stattgefunden hat, von Jahr zu Jahr mehr zusammenschrumpsen, so daß viele von ihnen Rabbiner oder Lehrer nicht mehr besolden können und ihre Gotteshäuser selbst an hohen Feiertagen geschlossen bleiben müssen. Blickt aus die Veröffentlichungen der großstädtischen jüdischen Gemeinden, und ihr werdet erkennen, wie zahlreich die jährlichen Absplitterungen durch Austritt und Taufe sind. Unterrichtet Euch darüber, daß eine blühende und große Kinderzahl, einstmals Stolz und Stütze der jüdischen Familie, nur noch selten anzutreffen, daß die Geburtenzahl in langsamem und stetigem Abnehmen begriffen ist. Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Preußen zeigt nach Angabe des Preußischen Statistischen Landesamtes folgende Aufstellung: eheliche Geburten in %> Sterblichkeit 1875—80 im Durchschnitt 11151 31 ca. 6000 1924 5 381 12,8 5685 1925 4 792 11,8 5554 Bevölkerungsbilanz für Berlin für das Jrhr1926: (Nach Angabe des Statistischen Amts der Stadt Berlin.) Geburten in jüd. Ehen 1581 Jüdische Sterbefälle . 2 389 Jüdische Kinder aus Austritte aus dem Mischehen . . . 298 Judentum ca. . . 300 noch viel Zeit und Arbeit erfordern wird. Unlösbar aber müssen sie bleiben, wenn die Juden Deutschlands ihnen nicht das nötige Verständnis entgegenbringen. Darum, Glaubensgenossen, achtet von nun an mit erhöhter Aufmerksamkeit auf alle Fragen der jüdischen Bevölkerunaspolitik, arbeitet in Euren Gemeinden an ihnen mit und benutzt im Kreise Eurer Familien und Eurer Bekanntschaft jede Gelegenheit, um Gleichgültige und Ununterrichtete mit Hilfe des von uns zur Verfügung gestellten Materials darüber aufzuklären, daß es augenblicklich keine wichtigere Frage für uns geben kann, als einen ausreichenden Nachwuchs in körperlicher Kraft und geistiger Frische heranzuziehen! An die Rabbiner und Lehrer ergeht der Ruf, in gottesdienstlichen Veranstaltungen und öffentlichen Versammlungen im Sinne unseres Aufrufes zu wirken, den Gemeindevorständen erwächst die Pflicht, ihre Kraft einzusetzen für die Erneuerung eines gesunden Familienlebens. Der Wohlfahrts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. 1879 2 689 Der Bevölkerungsverlust der Berliner Juden betrug für 1926 also ca. 800! Die Berliner jüdische Gemeind«, die 1914 zum Beginn des Krieges ca. 155000 Juden zählte, hatte 1925 trotz starken Zustromes aus den besetzten Gebieten, dem Reich und dem Osten 172000 Juden, was nur aus den starken inneren Verlusten zu erklären ist. Aus 1000 Berliner Juden kommen neuerdings nur noch ca. 10 Geburten jährlich gegenüber 17 bis 18 bei den Franzosen. Ein Teil des Nachwuchses geht durch die Mischehen verloren, die an sich gering an Minderzahl sind. Die Ehelosigkeit hindert zahlreiche jüdische Mädchen, zur Mutterschaft zu gelangen. Eine der Ursachen des Geburtenrückganges ist ferner die Spätehe; sie trägt erfahrungsgemäß auch einen großen Teil der Schuld an der traurigen Tatsache, daß Nervosität unter den deutschen Juden stärker verbreitet ist als unter anderen Bevölkerungsschichten, daß die Zahl der Selbstmorde erschreckend zugenommen hat und Mißstände auf geschlechtlichem Gebiete mit ihren schweren gesundheitlichen Folgen sich ausbreiten. Die Selbstmorde betrugen in Preußen auf 100 000 Lebende der Bevölkerung im Jahre 1925 bei der evangelischen Bevölkerung 27,9, der katholischen 13,5, der jüdischen 53,2! Wollt Ihr solchem Niedergang mit verschränkten Armen zuschauen? Nein und abermals nein! Der Bestand des Judentums muß gesichert werden, und er kann gesichert werden, wenn man die drohenden Gefahren erkennt und ihnen zu begegnen sucht. Was aber kann geschehen? Wirksame Maßrmhmen müssen einsetzen. Von diesen sind zunächst ins Auge zu fassen: die Ermöglichung der Früh ehe durch Ausgestaltung der Ehekassen von Seiten der jüdischen Gemeinden, die Einrichtung von Eheberatungsstellen, Wochenhilse, Förderung der Stillpropaganda durch Wort und Tat, die Unterstützung aller Bewegungen, die auf körperliche Kräftigung unserer Jugend abzielen. Daneben muß an einer Berufsumleitung gearbeitet werden, die allen äußeren Schwierigkeiten zum Trotz berufstätige Juden da einreiht, wohin sie nach Anlagen und Neigungen gehören, und sie nicht sinnlos in wenigen Bernsen anhäuft, weil man sie bisher nur in diesen dulden wollte. Ebenso müssen die Siedlungsbestrebungen mit allen Kräften gefördert werden. So muß endlich eine vernünftige Verteilung von Juden auf Stadt und Land zustande kommen und nicht allmählich die licht- und lustlose Großstadt zum einzigen Asyl eines verkümmernden Geschlechts werden. Und vor allem: Mütter! An Euch ist es, in Euren Kindern das Verantwortungsgefühl für das eigene Geschlecht und für die künftigen jüdischen Generationen zu erwecken und zu stärken. Der Wohlfahrts-Ausschuß des Preußisches Landesverbandes jüdischer Gemeinden geht in Gemeinschaft mit gleichstrebenden großen-Organisationen voll Ernst an die Bearbeitung dieser Aufgaben. Er ist sich bewußt, daß ihre Lösung lieber die Notwendigkeit der Errichtung einer Tuberkuloseheilstätte für jüdische Männer r> Ter Krieg hat neben den schädigenden Einflüssen auf die Bolksgesundheit und das Familienleben und neben der Beeinträchtigung des Sinnes für innere Menschenkultnr zu Gunsten einer Verflachung und Zerstörung der sittlichen Weltanschauung, insbesondere eine Infektionskrankheit in erschreckendem Maße in ihrer Ausbreitung gefördert — die Tuberkulose. Während von 1870 bis 1914 die Tuberkulosesterblichkeit von 25,1 «o St erbe fällen auf 10000 Einwohner in Deutschland auf etwa 15 zurückgegangen war, ist diese Ziffer jetzt: wieder auf etwa 20 augestiegen. (In der letzten Zeit ist allerdings wieder eine Besserung wahrnehmbar.) Die schlechteren Ernährungsverhältnisse und die allgemeine wirtschaftliche Not haben diese Rückentwicklung bedingt. Schlimmer in ihrer Auswirkung ist die Wohnungsnot, die eine gefährliche Wohndichte und damit wirksame Vorbereitung für Ansteckungsmöglichkeit darstellt. Die allgemeine Sterbestatistik lehrt, daß in Deutschland aus 10000 Einwohner 19,4 an Lungentuberkulose und darüber hinaus 2,0 an Tuberkulose anderer Organe zugrundegehen, also 21,4 Sterbefälle an Tuberkulose. Von den 600 000 Juden in Deutschland gehen nach obigen Ziffern pro Jahr 1284 an Tuberkulose zugrunde. Bei dem etwa siebenjährigen Turnus (Strauß nimmt 62/3 Jahre an) der Krankheit ist mit der siebenfachen Zahl von Tuberkulosekranken zu rechnen. Es gibt also in Deutschland statistisch 7 x 1284 — etwa 9000 tuberkulöse Juden. Diese Zahl bedarf jedoch einer Einschränkung. Zwar kann nicht angenommen werden, daß die Berufsgliederung der Juden ihnen einen besonderen Schutz gegen diese Krankheit verleiht. Wir wissen im Gegenteil, daß die von den. Juden bevorzugten Gewerbe, insbesondere das Handelsgewerüe, einen erheblichen Anteil, etwa 2,65 «/« ans tausend Erwerbstätige, tuberkulöse Todesfälle stellt, während beispielsweise in ,der Landwirtschaft nur 1,06 im Bergbau , 1,54 dagegen im Bekleidungsgewerbe 3,05 im Gast- und Schankgewerbe 3,01 an Tuberkulose-Sterbefällen (immer auf tausend Erwerbstätige errechnet", fallen. Günstiger ist die Statistik für die Juden auf dem Lande, wo ersahrnngsgemäß wegen der geringeren Wohndichte und der besseren Ernährungsverhältnisse etwa nnr mit der halben Sterblichkeitsziffer zu. rechnen ist. Zu beachten ist hierbei allerdings, daß infolge der ungenügenden ärztlichen Versorgung, Diagnose und Behandlung mehr zu wünschen übrig läßt, als in den Städten. Bei der erfahrungsgemäß hingebenden Fürsorge, die die Juden im allgemeinen chren Erkrankten und Krankheitsgefährdeten angedeihen lassen, kann somit angenommen werden, daß etwa die Hälfte der statistisch errechneten Zahl, d. h. also etwa 4500 Tuberkulose dauernd in der deutschen Judenheit sich befinden. Eine besondere Begründung für diese Einschränkung liegt in den Untersuchungen von Geheimrat Strauß, Berlin. In der Zeitschrift für Demographie und Statistik für Juden weist derselbe ausdrücklich darauf hin, daß die Tuberkulose bei den Juden nicht nur seltener vorkommt, sondern auch, einen gutartigeren Verlauf nimmt, als bei Nichtjuden. Nach dmn Kriege ist dieses Verhältnis ungünstiger geworden, da die Zahl der Erkrankten auch bei den Juden Erhöhungen erfahren und absolut erheblich gestiegen ist und der Krankheits- Verlauf schlechter wurde, als vor dem Kriege. Trotzdem ergibt ein Vergleich, daß die Widerstandskraft der Juden gegen die Tuberkulose auch in der Nachkriegszeit noch größer war, als bei Nichtjuden. Ursache für diese Erscheinung ist wahr^- scheinlich die in der vieltansendjährigen Geschichte der Juden vollzogene Durchseuchung mit Ausschaltung der Widerstandsunfähigen und Immunisierung der Ueberlebenden. Wir können somit mit guten Gründen die Zahl von etwa 4500 tuberkulösen Juden zugrundelegen. Diese Zahl soll zum Ausgangspunkt der Bekämpfung gemacht werden, denn während bei allen anderen Krankheiten kaum Unterschiede bezüglich Reichtum ans die Verbreitung der Krankheit sestzustellen sind — nur der Krebs bei Wohlhabenden etwas häufiger ist, als bei Armen — ist das Verhältnis bei Tuberkulose so, daß von 10000 Lebenden zwischen 30 und 60 Jahren unter den an Tuberkulose Zugrundegehenden sich seststellen lassen: Arnie 43,0 Mittelstand 15,0 Wohlstand 5,8 In Berlin wurde seftgestellt, daß von hundert an Tuberkulose Erlegenen 40,6o/o in 1-Zimmerwohnungen 41,7 a/o in 2-Zimmerwohnungen 11,3 0/0 in 3-Zimmerwohnnngen nnd gyr nnr 6,4 «o in 4- und Mchrzimmerwohnungen lebten. Tie Tuberkulose ist somit eine ausgesprochene Wohnungskrankheit, die die wirtschaftlich- Schwachen fast 16 mal so häufig zum Tode führt, als die Reichen. Bezüglich der Verteilung der Geschlechter ist bis zum 40. Lebensjahr das weibliche Geschlecht ungünstiger gestellt, als das männliche. Es hängt dies in erster Lrnie mit den Gefahren der weiblichen Geschlechtsentwicklung, der monatlichen Schwächeperiode und eventuellen Schwangerschaften zusammen. Andererseits kommt die Gebundenheit der Hausfrau als Infektionsquelle in Betracht. Durch die dauernde Berührung mit dem Kranken, durch die Beschäftigung mir seiner Wäsche> den Entleerungen und dem Auswurf des Erkrankten schwebt sie in ständiger Gefahr. Nach dem 40. Lebensjahr sind es allerdings die Männer, die häufiger erkranken. Das Verhältnis ist so, daß die Sterblichkeit der Frauen im Entwicklungsalter fast die doppelte Höhe hat, wie die der Männer. Wenn wir von den 4 500 Juden diejenigen des letzten Stadiums ausschalten, da für sie eine allgemeine tuberkulöse Fürsorge nickt mehr, sondern höchstens KrankenhausbehaUdlung in Betracht kommen, bleiben etwa 3500 tuberkulöse Kranke, für die die jüdische Oefsentlichkeit sorgen muß. Von diesen scheide ich nochmals 1500 aus, die infolge ihrer wirtschaftlichen Lage keinen Anspruch auf öffentliche Fürsorge erheben oder mü den allgemeinen TuberkulosesürlorgeeinrichtunLen des Staates und der Städte vorlieb nehmen. — Wir müßten, um die errechneten 2000 Tuberkulosen ordnungsgemäß zu versorgen — wenn wir annehmen, daß im D urchschnitt der Einzelerkrankte ein Vierteljahr in Dauerbchandkung zu nchmen ist — somit ständig 500 Betten für jüdische Tuberkulose zur Verfügung haben. Die relative Resistenz gegen die Tuberkulose rst jedoch auch nach den Untersuchungen von Strauß bei den Juden nicht groß genug, daß sie den schädigenden Wirkungen standgchalten hätte, wenn sie aus der Verschlechterung der allgemeinen Lebenslage in den Kriegs- und Nachkriegsjahren resultierte; Strauß tritt deshalb folgerichtig mü Wärme dafür ein, daß zur Verhütung und Behandlung der Tuberkulose auch bei den Juden organisatorisch alle die Erfahrungen verwertet werden müssen, die in den letzten Jahrzehnten durch den groß angelegten Feldzug gegen die Tuberkulose gemacht worden sind. — Eine Anstalt für Frauen besteht in Nordrach. Kinder können zum Teil an der See in Wyk schon jetzt versorgt werden. Es fehlt im wesentlichen eine Anstalt für tuberkulöse Männer mit zunächst 100 Bäten. Zwar besitzen wir in Soden am Taunus in der Israelitischen Kuranstalt 50 Betten, die leicht Erkrankte (nicht offene, d. h. keine Tnberkelbazülen an die Umgebung abgebende Kranke) ausnehmen können. Dagegen fehlt es vollständig an einer fachnnd sachgemäß geführten Heilstätte für tuberkulöse Männer, die Bazillen ausstreuen und somit nur in den hygienisch einwandfreien Verhältnissen eines Sanatoriums die Vorbedingung für eine kunstgerechte Heilkur finden. Die Frage, warum nicht alle solche Kranken in den bestehenden öffentlichen Anstalten Unterkunft unö Heilung suchen können oder wollen, könnte hier uneröriert bleiben Immerhin muß vom ärztlichen Standpunkt darauf hingewiesen werden, daß die Rücksicht auf die religiöse Einstellung vieler Kranker unbedingte Richtlinie für unser Vorgehen sein muß. Ein Kranker, der mit Widerwillen die Vorgesetzte Kost, uns mag sie doppelt soviel Kalorien enthalten, wie die kümmerlichen Portionen im engen Heimathältschen, zu sich nimmt, kann erfahrungsgemäß nicht gedeihen. Die Luft am Essen ist Voraussetzung für die Bekömmlichkeit der Nahrung. Dazu kommt, daß leider die Verhetzung und Vergröberung der innerpolitischen Gegensätze vielfach einen, vielleicht durch sein Aeußeres nicht gerade angenehm empfundenen jüdischen Kurgast, in den allgemeinen Anstalten Verunglimpfungen uno Hänseleien aussetzt, die ihn zu keinem wahren Kurgenuß kommen lassen. Selbst die Einstellung mancher Anstallsleitungen und dort beschäftigter Aerzte ist dem seelischen Wohlbefinden solcher Erkrankter nicht immer förderlich. Wir müssen vom Menschlichkeitsstandpunkt verlangen, daß die in körperlicher und seelischer Not Befindlichen, vor allem in Zeiten des Kurgebranchs, von allen Störungen materieller und ideeller Art befreit bleiben, die ihrer raschen Gesundung hinderlich sein könnten. Wir müssen auch verlangen, daß den Erfahrungen der Allgemeinheit entsprechend der Hauptteil der Erkrankten in Deutschland selbst untergebracht wird. Wir dürfen nicht mit einem Auge nach dem Hochgebirge schauen, während als sicher angenommen werden kann, daß die Erkrankten im allgemeinen in dem Klima ans die Dauer am besten geheilt werden, in dem.sie chr Leben später sozial zu gestalten gezwungen sind. Was nutzt das „Höhenmenschentum" in künstlich anerzogener Anpassung an eine Lust und an eine Sonne, die doch nur vorübergehend den dort Heilung Suchenden znr Verfügung stchä, wenn mit der Rückkehr in das Tiefland andere Voraussetzungen und Lebensbedingungen andere Erfordernisse an die Leistungsfähigkeit des Menschen stellen. Es bleibt somit die Forderung, für die im werktätigen Alter erkrankten jüdischen Männer eine jüdische Heilstätte in Deutschland an geeignetem Ort zu errichten, die die Lücke schließt, die in unseren jüdischen Fürsorgeeinrichtnngen klafft. Jüdischer Wohlfahrtsfilm ,Lreitag-Abend" Tic Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen. D. Red. Wie bekannt ist, hat die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden aus Anlaß der Düsseldorfer Ausstellung Gesolei einen Fllm aus der jüdischen Wohlfahrtspflege mit dem Titel: „Ein Freitag-Abend" Herstellen lassen. Dieser Film wurde im Lause des vorigen Jahres in 00 Gemeinden im Reich und 21 mal in Berlin aufgeführt und hatte allenthalben den größten Beifall und stärksten Erfolg. In Berlin allein wurde die Aufführung von 15 383 Personen besucht. Der Film zeigt in einer gefälligen, spannenden Rahmenhandlung dre Organisation des jüdischen Wohlfahrtswefens in Deutschland und bringt sehr schöne und ansprechende Bilder aus einer großen Reihe unserer Krankenanstalten, Altersheime, Erziehungs- und Erholungsheime. Der Film ist sowohl für die jüdische Bevölkerung, als auch für interessierte christliche Kreise, vor allem die Wohlfahrtsbehörden, außerordentlich geeignet, gibt er doch einen guten Einblick in die Formen, in denen Wohlfahrtspflege nach modernen Anschauungen geübt werden soll, desgleichen ern Bild über das verzweigte jüdische Wohlfahrtswesen und deutet auf vieles hin, was noch des Ausbaus bedarf. Der Film soll in den einzelnen Gemeinden neue Helfer, Mitarbeiter und Spender werben, Anregungen für die Weiteradbeit vermitteln und ist somit als wirksamstes Propagandamittel anzusehen. Da die Herstellung des Films mit beträchtlichen, von der Zentralwohlfahrtsstelle verauslagten Unkosten verknüpft war, muß der Verleih von der Erhebung einer Verleihgebühr abhängig gemacht werden, die sich nach: der Größe der betreffenden Gemeinde richtet. Diese Beträge sind jedoch so medrig angesetzt, daß den Veranstaltern neben dem ideellen Erfolg ein beträchtlicher finanzieller Nutzen verbleiben dürste. Als Veranstalter kommen in Frage: jüdische Wohlfahrtsorganisationen, jüdische Gemeinden, Logen, Frauenveteine usw. Anfragen wegen BerleMedingungen und Termin sind zu richten an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Jacken, Berlin C. 2, Rosenstraße 2/4.