Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Völkerbund und die jüdischen Flüchtlinge T«s Internationale Komitee der Gesellschaften zum -Schutze der Auswanderer und Einwanderer begann unter dem Vorsitz von Wett Thomas, Direktor des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, seine Tagung. Zunächst wurde die Lage der armenischen und der jüdischen Flüchtlinge erörtert. Hierauf behandelt« das Komitee die Frage der Ausdehnung des Völkerbundsschutzes auf die Staatenlosen in allen Landern Europas. Bon jüdischer Seite wohnen der Tagung u. a. Herr Lucien Wolf im Namen der Anglo-Jewish Association und der Alliance Israelit« Universelle und Herr Z. Aberson im Namen des Council on the Rights of the Jewish Minvnties und der Vereinigten Emigrationsgesellschaften bei. Herr Aberson erstattete aus der Tagung Bericht über die Rechtslage der Staatenlosen. Völkische Schächtverbokspropagcmda Die völkische Presse teilt mit, daß Listen nachstehenden Inhalts kursieren; die Leser werden aufgesordert, Unterschriften für sie zu sammeln: An den Deutschen R ei ch s t a g. Der Deutsche Reichstag wolle folgendes Gesetz beschließen: § 1. Im deutschen Reichsgebiet rst das Schachten der Schlachttiere verboten. § 2. Zuwiderhandlungen werden mit 10 OM Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle tritt an Stelle der Geldstrafe Gefängnis nicht unter drei Jahre, geahndet; im Wiederholungsfälle nur mit Gefängnis nicht unter fünf Jahre. § 3. Dieses Gesetz tritt sofort in Kraft. Verfammlungskalender Aus den Gemeinden Berlin-Norden. Liberal« Synagog« Rvrdtv, Tchönhaufrr Alle« 182 (Auerbachsches Waisenhaus», Gottesdienst am Freitag, den 16. September, abends 7.15 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsli. Sonnabend, den 17. September, früh 10 Uhr. Sonntag, den 18. September, 10 Uhr vormittags, Selichavs- Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsli. Die Liberale Synagoge Norden richtet dieses Jahr zum ersten Male einen Jugend-Gottesdienst (für Kinder über IO Jahren und Jugendliche) ein, der nicht bloß an den Tagen, sondern auch an den Vorabenden stattjindet. Karten werden unentgeltlich abgegeben Schönhauser Allee 162 (Büro). — Ebendaselbst sind auch noch einige »venige Karten sür den großen Gottesdienst zu haben. Magdeburg. Dienstag, 20. September, abends 8n. Uhr, in der „Freundschaft", Prälattnstratze: Vortrag George Eoetz Generalsekretär der Vereinigung sür dar liberale Judentum E. B.. „Warum liberales Judentum?" Berlin. (Oberkantor Siegfrieo Neustadt geftorb e n.) Am 13. September wurde .Herr Oberkantor Siegfried Neustadt auf dem Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Die Herren Rabbiner Tr. Warschauer und Blumenthal, die mit dem Verblichenen über 25 Jahre an der Synagoge Lindenstraße gemeinsam gewirkt haben, widmeten ihm warme Worte des Gedenkens. Herr Dannhäuser, der Vorsitzende des Synagogen-Bereins Lindenstraße, gedachte des Mitbegründers dieses Vereins und des eifrigen Arbeiters am sozialen Hilsswer! des Synagogenbezirks Kreuzberg. Herr Kanlor Berthold Friedmann hob die Verdienste des Herrn Neustadt um die Berufs-Organisationen der Kantoren sür ~ ■ .. v,r, . „ _ B-rli" und l,erJ. Gvgreiienk G«ng° b«„fern, tÜTJ&JS i!5!Ä25LKS!Ä“Si1l,eL Oberkantor Gollanin und die Gesänge des Synagogen-Chors Lindenstraße umrahmten die Feier. Die große Trauergemeinde bewies. Lieder von Fleck, Brahms und Franck eindrucksvoll vortrug, erweckten den Beifall der Zuhörer. Nach einer Pause, in welcher der Tee eingenommen wurde, spielte Georg Bertram mit großer Technik und musikalischem Ausdruck Chopin und Liszt. Zum Schluß der Darbietungen sang Alexander Kipnis in jeder Beziehung vollendet Lieder vonn Schubert, deren Portrag auf die Anwesenden begeisternd wirkte. Die Jüdische Altershilfe, deren Ziele allgemeines Interesse verdienen, hat sicherlich auch einen schönen pekuniären Erfolg von dieser genußreichen Veranstaltung zu verzeichnen. A. K. ‘ Bielefeld. (Iugendtagung.) Der Bezirksverband der jüdischen Jugendvereine Nordwestdeutschlands hielt am 1l. September seine diesjährige Delegiertentagung hier ab. Voraus gingen eine Freitagabendfeier am 9. unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Kronheim und ein Bortrag am 10. von Fritz Schwarzschild, Wiesbaden, dem Geschäftsführer des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands: „Die Jugend in der Gemeinde". Im Mittelpunkt der eigentlichen Tagung stand das Referat Rabbiners Dr. Klein, Düsseldorf: „Jüdische Jugend -- - — Schicksal und Ausgabe". Ausgehend von den verschiedenen Epochen der deutschen Jugendbewegung zeigte der Referent, wie man insbesondere nach dem Krieg auch die jüdische Jugend mit Parteiung belastet, mit Problemen welcher Liebe und Wertschätzung sich Siegfried Neustadt erfreute. Der Liberale Verein sür die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. verliert mit ihm einen seiner besten Mitarbeiter und lvird sein Andenken stets in Ehren halten. Berlin. (Errichtung einer R e i i g i o n s l e h r e r - Bil - d u n g s a n st a l t.) Wie bereite früher mitgeteilt ivurde, har der Preußische Landesverband in Aussicht genommen, eine Religionslehrer-Bildungsanstalt ins Leben zu rufen, deren unterste Klasse, sofern eine genügende Anzahl von Anmeldungen vorliegt, die Arbeitest bereits Mitte Oktober ds. Js. ausnehmen soll. Für die Ausbildung in den Religionswissenschaften werden Paralletklassen sür die liberale und gesetzestreue Richtung geschaffen. Es soll den Schülern überlassen -leiben, die von ihnen gewünschte Richtung zu wählen. Nähere Einzelheiten sind aus dem in der vorliegenden Ausgabe enthaltenen Inserat zu ersehen, auf das besonders hingewiesen sei. Berlin. (Sitzung der Subventionskommission des Preußischen Landesverbandes.) Am 8. ds. Mts. fand unter dem Vorsitz des Herrn Bruno Galewski wieder eine Sitzung der Subventionskommission statt. Es wurde beschlossen, die Inspektion des Religionsunterrichts in den vom Landesverband subventionierten Gemeinden mir größter Sorgfalt weiter auszuüben, da der Landesverband für die ordnungsgemäße Verwendung der Beihilfe seinen Mitgliedsgemeinden und der Regierung genüber verantwortlich ist. Ueber die Staatsbeihilfen erstattete Herr Dr. Freund ausführlichen Bericht. Er gab davon Kenntnis, daß die Auszahlung der vom Preußischen Landtag bewilligten Beihilfen trotz größter Bemühungen noch nicht zu erreichen gewesen sei. Ueber ihre Verwendung soll die Subventionskommission aus dem Lausenden gehalten werden. In diesem Zusammenhang wurde der Appell der Vertreter der Lehrerschaft an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden besprochen, von dem bisher nur einzelne Mitglieder der Kommission durch die Presse Kenntnis hatten. Es wird darin die sofortige Auszahlung einer größeren Beihilfe an die Lehrer gefordert. Voraussetzung für diese Eingabe der Lehrerschaft war aber, wie das mitanwesende Mitglied der Kommission, Herr Mittelschullehrer Stern, bestätigte, die Annahme, daß die Ausschüttung der bewilligten Staatsbeihilfen seitens des Finanzministeriums schon erfolgt sei. Nach obiger Feststellung des Herrn Dr. Freund wird allgemein anerkannt, daß hier irgend ein Verschulden der Subventionskommission nicht vorliege, da die notwendigen Gelder sür die Gehaltszuschüsse noch nicht zur Verfügung stehen. Sobald dies der Fall ist, wird über die Erhöhung der Bezüge der Lehrerschaft beraten bezw. beschlossen werden. Daß der Landesverband die Sorge für die Lehrer als eine seiner vornehmsten Ausgaben betrachtet, und daß in dieser Beziehung seit dem kurzen Bestehen des Verbandes bereits außerordentlich viel getan worden ist, wird heute allgemein, selbst in den kleinsten Gemeinden, anerkannt. Es wurde beschlossen sestzustellen, in welchen Gemeinden nicht seminaristisch vorgebildete Lehrer tätig sind und aus dem Wege einer Inspektion Erhebungen mit Bezug daraus anzustellen: schon heute soll der betreffenden Gemeinde mitgeteilt werden, daß ihnen keine Schwierigkeiten gemacht werden, daß aber in Zukunft bestimmte Grundsätze zu befolgen sind, auf die die Mitgliedsgemeinden bei neuen Anstellungen Rücksicht nehmen müssen. Ueber etwa 40 Gesuche wurden Entscheidungen gefällt. 6 jüdischen Beamten (Lehrern bezw. Kantoren) wurden Pensionen bezw. Beihilfen zugebilligt: darunter wurde der früheren Leiterin eines jüdischen Kleintinder-Hcims ein monatlicher Zuschuß zu ihrer Pension gewährt. Zwei Lehrern wurden Ruhegehälter zugesprochen. Einen monatlichen Zuschuß erhielt ein junger Mann, der sich zum Kantorberuf ausbilden lassen will. 14 leistungsschwache Gemeinden, die ihre Synagogen, Friedhöfe, Mikwaus usw. in Ordnung bringen wollen, wurden mit Zuschüssen bedacht. Dem Gesamtarchiv der Deutschen Juden in Berlin wird der Restbetrag der ihm bereits bewilligten namhaften Unterstützung ausbezahlt werden, jedoch soll ein Mitglied des Rates in die Verwaltung des Archives delegiert werden. Berlin. (Jüdische A l t e r s h i l f e.) Am letzten Sonntag hatte die „Jüdische Altershilfe, Groß-Berlin", zu einem Tee und Hauskonzert nach der Billa ihres Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. Jaffa geladen. Lange vor Beginn des Konzertes waren die herrlichen Räume gefüllt. Die Veranstaltung wurde durch ernste Cellovorträge des Herrn Baldner eröffnet. Dann folgte ein Bortrag des Herrn Dr. Jaffa über Eindrücke seiner Amerikareise. Der Vortragende verstand es, durch seine interessanten Beschreibungen des amerikanischen Lebens die Zuhörer zu fesseln. Er schilderte anschaulich die Reise auf dem Dampfer, die Ankunft im Hafen von New Jork, das dortige Hasten und Treiben, das intensive Arbeiten des Amerikaners, erzählte ferner von Chicago und Detroit mit eingehender Würdigung der Fordschen Fabriken und kam zum Schlüsse noch auf die Wunder der Niagara-Fälle und auf Californftn zu sprechen. Gesangsvorträge der Frau Gerson-Danziger, die mit r herordentlich sympathischer Stimme durch habe sie sich vielfach verbittert von der Arbeit in der Oessentlichkeit zurückgezogen. Diese Jugend wolle sich eben nicht vor den Parteiwagen spannen lassen. In unbeirrbarer Neutralität betone sie gegenüber der allgemeinen Zersplitterung der deutschen Judenheit das allgemein-jüdische. Nicht das gedankliche Erfassen des Geistes, sondern die Verwirklichung des Geistes führe dazu, die wahre Gemeinschaft zu schaffen. Heute habe sich die Jugend bewußt auf die konkrete Tat eingestellt, dem Ganzen etwas zu sein, über sich hinaus zu schaffen für spätere Geschlechter. Es sei notwendig, daß unsere Jugend über ihr Judentum ihr Menschentum erringen wolle. Im Judentum hat es sich selten um einzelne gehandelt, die sich aus der Masse heraushoben. Persönlichkeitstultns ist unjüdisch. Sv ist der Weg für uns gegeben, den die Verbandsleitung immer komreter gestaltet. All unser Tun wird erst dann die richtige Bedeutung gewinnen, wenn wir erkennen, daß der Messias aus unsere Tat wartet, wenn wir wissen, daß wir jüdischen Menschen die Pflicht haben, aus unserem Innern heraus zum Besten des Ganzen zu wirken. Dann wird erst das Judentum etwas sein, tvorum es sich lohnt zu ringen und zu arbeiten. In der Aussprache fanden besonders die Worte des Rabbiners Dr. Kronheim starken Widerhall, der sich mit dem Problem „Masse und Auslese" befaßte und betonte, die Auslese dürfe nicht in falscher ganz unjüdischer Aristokratie eigene Wege gehen. Die Starken hätten heilige Pflichten gegen die Schwachen. Er fordere die Bereitschaft der Begabten. Unsere begabte Jugend stehe zum Teil noch außerhalb unserer Reihen. Aus der Gesinnung jedes Einzelnen müsse das eine herrliche Wort mit Macht Hervorbrechen: „Hineni! Hier bin ich!" Der Nachmittag war der Erledigung der verbandsgeschäftlichen Angelegenheiten gewidmet. Ein Gesellschaftsabend beschloß die zahlreich besuchte, interessante Tagung. Crefeld. (M e i st e r s ch a f t s k ä m p s e des V i n t u s.) Zum dritten Male trägt der „Bintus" (Verband jüdisch neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands) seine leichtathletischen Meisterschaften aus. In dem neu eiugeweihten Grotenburg-Stadiou in Crefeld werden am 2». September die Kämpfe ausgetragen. An diesen Meisterschaften nehmen ca. 22 Vereine, die sich auf ein Gebiet von Hamm bis Trier erstrecken, teil. Sportler und Sportlerinnen werden in heißem Wettkampf um die Siegespalme streiten. Es wird eine Heerschau über die sportliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend Westdeutschlands sein. Aus diesem Grunde dürste die Veranstaltung das Interesse weitester jüdischer, aber auch nichtjüdischer Kreise beanspruchen. Da die Leitunng der Veranstaltung in sporterfahrenen Händen liegt, kann mit einer reibungslosen und interessanten Austragung der Kämpfe gerechnet werden. Der Besuch der Veranstaltung kann daher jedem nahegelegt werden. Dresden. (G e m e i n d e r a t s s i tz u n g.) In der ersten Sitzung, die der Gemeinderat unter Leitung des Vorstehers Pionkowski nach den Ferien abhielt, gab Vorsteher Rechtsanwalt Saling er in seiner Eigenschaft als Dezernent des Wohlfahrtswesens der Dresdener Israelitischen Gemeinde einen ausführlichen Bericht über die finanzielle Notlage, unter der die jüdische Fürsorgetätigkeit in Dresden zu leiden hat. Er erklärte, daß er außerstande sei, die Wohlsahrts-, stelle weiterzuführen, wenn deren Etat nicht ausgebessert werde. In Anbetracht dessen bewilligte der Gemeinderat, unter ausdrücklicher Anerkennung der Verdienste, die sich Rechtsanwalt Salinger um die jüdische Wohlfahrtspflege in Dresden erworben hat, weitere 15000 Mark für den Wohlfahrtsetat, so baß dieser zuzüglich der für 1927 bereits zur Verfügung gestellten 25 000 Mark jetzt insgesamt 40000 Mark beträgt. Hinsichtlich der Steuervorauszahlung stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag des vom Vorsteher Pionkowski vertretenen Finanzausschusses zu, gemäß dem für das Steuerjahr 1927 eine Vorauszahlung von 10 o/o erhoben wird. Im Einvernehmen mit dem Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband erklärte sich das Kollegium damit einverstanden, daß an Stelle des Lehrers Hermann Schacher, der in eine Kantorenstelle nach Erfurt berufen wurde, der Lehrer Jacob Blum aus Wilhermsdorf bei Nürnberg auf zunächst 3^ Jahre verpflichtet wird. Außer in Dresden hat er Unterrichtstätigkeit u. a. in Bautzen zu übernehmen. Dresden. (Soziale Stiftung.) In der kürzlich abgehaltenen Sitzung des Vorstandes der Sozialen Stiftung, die vom verstorbenen Konsul Max Arnold im Dezember 1908 mit der Maßgabe gegründet wurde, der Wohltätigkeit ohne Ansehen der Konfession und Nationalität zu dienen, wurde bekanntgegeben, daß das infolge der Inflation zusammengeschrumpfte Stiftungsvermögen durch erneute hochherzige Stiftungen wieder auf eine ansehnliche Höhe gebracht werden konnte. Mithin ist es der Sozialen Stiftung möglich, nach dem jeweiligen Bestand ihrer Mittel Zuwendungen an wirtschaftlich Bedrängte oder sonstwie notleidende Berufskreise zu machen. Voraussetzung ist, daß die Vermittlung durch freie, gemeinnützige oder wohltätige Vereine und gleichwertige Anstalten geschieht. Gemäß den Beschlüssen des Vorstandes, dem statutengemäß je ein Geistlicher des evangelischen, katholischen und jüdischen Bekenntnisses angehört und als dessen Vorsitzender nach dem Tode des Geheimen Kommerzienrates Georg Arnold der Bankier Konsul Dr. Heinrich Arnold gewählt wurde, werden auf Grund von meist schon länger vorliegenden Gesuchen zunächst eine Reihe von gemeinnützigen Vereinen und Organisationen Unterstützungen erhalten. Die Geschäftsstelle der Sozialen Stiftung befindet sich in Dresden-A. 1, Zeughausstraße 2. Fulda. (Synagogen-Einweihung.) Die umgebaute und wesentlich vergrößerte Synagoge wurde letzten Sonnabend unter starker Beteiligung der Gemeindemitglieder, der Vertreter von Behörden und Korporationen ihrer Bestimmung wieder übergeben. Der erste feierliche Gottesdienst war schon Freitag abend abgehalten worden. Zu dem offiziellen Festakt, der Sonntag vormittag stattfand, hatten die Staats-- behörden und die Stadt Fulda Vertreter entsandt; auch aus der Bürgerschaft und den benachbarten israelitischen Gemeinden waren viele Gäste erschienen. Mehrstimmiger Chorgesang leitete die Feier ein; für den verhinderten Provinzialrabbiner Dr. Cahn sprach Rabbiner Kunstadt in eindrucksvollen Worten von der Würde und Bedeutung des Gotteshauses. Die Glückwünsche der Staatsregierung überbrachte Landrat Freiherr von Gagern, während Oberbürgermeister Dr. Antoni namens der Stadt Fulda gratulierte und das harmonische Verhältnis der jüdischen Gemeinde zur Ortsbevölkerung betonte, auch die rege Beteiligung der Israeliten an gemeinnützigen Aktionen anerkannte. Tiefen Eindruck machte auch die Ansprache des Vertreters der Gemeindeältesten, Dr. Herz, der dem Gotteshaus die wichtige Aufgabe nachrühmte, daß es zur Bildung der menschlichen Seele und zur Vorbereitung der Menschen für die Aufgaben im Dienste der Gemeinde, des Staates und der gesamten Menschheit beitrage. Göttinger». (Zum Tode Prof. Meyers.) Die Nachricht von dem durch Absturz in den Alpen erfolgten jähen Ableben des Professors Dr. Erich Meyer hat in akademischen Kreisen lebhafte Teilnahme ausgelost. Der Verstorbene genoß als Mediziner bedeutenden Ruf und war vor seiner Uebersiedelung an die hiesige Universität als außerordentlicher und ordentlicher Professor in Straße bürg i. E. tätig. Die medizinische Poliklinik unterstand hier seiner Leitung, und im Kriege bewährte sich Prof. Dr. Meyer als Fachberater sür interne Krankheiten an der Front und später in der Garnison Straßburg. Nach dem unglücklichen Kriegsausgang mußte er als deutscher Jude Straßburg verlassen; nach kurzem, Aufenthalt in Frankfurt a. M. erhielt er die Göttinger Professur. Hannover. (T o d e s s a l l.) Im Alter von 74 Jahren verschied plötzlich Louis H. Oppenheimer, eine der markantesten Persönlichkeiten unserer Gemeinde, in deren Verwaltung er auch früher als Repräsentant tätig war. Als Sohn des in der ganzen Provinz Hannover und weit darüber hinaus bekannten Hirsch Oppenheimer (welcher lediglich l'schem mizlvoh das heilige Amt eines Mohel Jahrzehnte lang ausübte) sah er es als seine vornehmste Aufgabe an, die Familientradition ausrecht zu halten. Ein tkeuer Jude, war er stets bemüht, für die Grundlagen des Judentums, Tauroh, Awaudoh und Gemiluth Chasodim, zu wirken. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß die von seinem Vater ins Leben gerufene Stiftung zur Unterstützung armer Wöchnerinnen und zur Ausbildung von Mohelim, die durch die Inflation überaus geschädigt war, wieder lebensfähig wurde. Bei der am 7. September stattgefundenen Beisetzung würdigte Landrabbiner Dr. Freund die Verdienste dieser starken jüdischen Persönlichkeit. Kassel. (Einweihungsfeier der renovierten Synagoge.) Die hiesige Gemeinde hat die Synagoge Rosenstraße, die dringend der Erneuerung bedurfte, in den letzten Wochen Herrichten lassen. Die Renovierung wurde unter Leitung des Reg.-Baumeisters a. D. und Architekten Karl Sichel von der Dekorationsfirma Gebr. Gallo in wenigen Wochen ausgeführt; der Gottesdienst mußte solange an anderer Stelle abgehalten werden. Am vergangenen Freitag wurde der im schmuckeren Gewände erstandene und durch manche technische Neuerung bereicherte Betraum wieder eröffnet und durch eine eindrucksvolle Einweihungsseier seiner Bestimmung übergeben. Das - mit Geschmack umgestaltete Innere machte 'einetr vornehmen und vorteilhaften Eindruck. Die Einweihungsfeier began.n mit dem dia lauwu, den Kantor Godlewsky mit dem Synagogenchor abwechselnd 'sang. Die heilige Lampe wurde dann mit einigen weihevollen Worten des Landrabbiners Dr. Walter entzündet. Nach dem Einholen der Thorarollen hielt der Geistliche die Festpredigt, die an den Bibelvers „Kinder seid Ihr dem Ewigen, Eurem Gotte" anknüpfte und das Verhältnis des Menschen zum Ewigen, aber auch zum Nebenmenschen beleuchtete. Mit besonderem Nachdruck wurde auf die bevorstehenden ernsten Feste hingewiesen, die die Mahnung der Rückkehr zu Gott und zum Gebet eindringlich predigen. Mit den üblichen Gebeten schloß die erhebende Feier, an der zahlreiche Gemeindemitglieder, insbesondere auch Vertreter des Borsteheramts der Israeliten und des Gemeindevorstandes sowie die oben genannten Leiter des Erneuerungsbaues teilgenommen hatten. Kassel. (Jüdische Siedlung.) Angesichts der vom Aeichsbund jüdischer Frontsoldaten propagierten Idee jüdischer Bauernsiedlungen dürfte die Nachricht von Interesse sein, daß im hiesigen Bezirk ein jüdischer Landwirt ein 200 Morgen großes Bauerngut mit lebendem und totem Inventar erworben hat. Es handelt sich um den praktisch sehr erfahrenen Landwirt Grunewald aus Mezebach bei Spangenberg, der das in der Nähe von Homberg gelegene Gut Dörrishof durch Kauf in seinen Besitz brachte. Köln. (I u st i z r a t C a h e n gestorben.) In der, . Nacht vom Freitag zum Sonnabend verschied unerwartet in Folge, Herzschlages Herr Justizcat Ludwig Cahen im Alter von 58 Jahren. Mit seinen Angehörigen trauern nicht nur Freunde und Bernfsgenossen, nicht nur die hiesige jüdische Gemeinde und deren vielverzweigte Organisationen, sondern weit darüber hinaus die Judenheit des ganzen. Reiches, zu deren feinsten Persönlichkeiten der Heimgegangene gehörte. Es gab fast kein zur Förderung ethischer, geistiger und charitatkpee Belange vereintes jüdisches Gremium, in dem Ludwig Cahen nicht als außerordentlich tätiger Führer wirksam gewesen wäre. Man wird noch lange den Verlust dieses Mannes aufs schmerzlichste empfinden und ihm eine treue Erinnerung bewahren. Limburg. (8 0. Geburtstag.) In diesen Tagen kann der im Ruhestande lebende Lehrer Emanuel Blumenthal in ausgezeichneter körperlicher Frische und geistiger Regsamkeit seinen 80. Geburtstag .. feiern. Die Gemeinde, der er den größten Teil seiner 50 Jahre umfassenden Lehrtätigkeit widmete, die er auch zur religiösen Standhaftigkeit erzog, blickt voll Verehrung und Liebe zu ihrem geistigen Führer empor, der sich durch hilfsbereites, gewissenhaftes und friedliebendes Wesen auszeichnete. Northeim. (Jubiläum.) Auf eine 25 jährige Tätigkeit als Vorsteher der hiesigen Gemeinde konnte Herr Blumberg zurückblicken. Die Gemeinde ließ durch Lehrer Spier ihre Glückwünsche aussprechen und ein Geschenk überreichen. Dr. Lewinsky, Hildesheim, würdigte bei einer Feier, die in der Synagoge stattfand, die Verdienstedes Jubilars um die religiösen Interessen der Gemeinde. — Am 1. Oktober verläßt Lehrer Spier die von ihm seit einigen Jahren bekleidete Lehrer- und Kantorstelle, um in gleicher Eigenschaft in den öffentlichen Volksschuldienst der jüdischen Gemeinde in Abterode <Hesseu) einzutreten. Herr Spier erfreute sich bei allen Gemeindemitgliedern großer Wertschätzung. Peine. (Todesfall.) In Hannover verstarb im Alter von 83 Jahren Herr Sigmund Seckel, der langjährige Vorsteher der hiesigen Gemeinde. Bis zu seinem vor etwa 22 Jahren erfolgten Fortzug von hier' hat sich der Entschlafene die Wahrung religiöser Interessen sehr angelegen sein lassen und auch als Stadtverordneter und Kreisdelegierter im allgemeinen segensreich gewirkt. Die Gemeinde wird dem in allen Kreisen der Bevölkerung hochgeachteten Bürger und hilfsbereiten Menschen ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Rvsrnberg. (Gedenkfeier für jüdisch-österreichische Soldaten.) Beim Vormarsch der österreichisch-ungarischen Armee auf Warschau im Winter 1914 sind 8 jüdische Soldaten im Kriegslazarrtt in Rosenberg Ö./S. gestorben und auf dem dortigey jüdischen Friedhof beigesetzi worden. Trotz eifrigsten Bemühens der Synagogen-,