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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Jahrgang Mmmer ZS Beilage 9. September 1927 Die gottesdienstliche Versorgung Berlins an Rofchhaschono und Jom Kippur (Schluß.) Dem Plätzevermietungs-Büro obliegt die durch seinen Namen gekennzeichnete Tätigkeit, den Verkauf bezw. die Verteilung der vielen Tausend Synagogen- und Betsaal-Karten gemäß den von den Gemeindebehörden (Vorstand und Repräscntanten-Versammlung) festgesetzten Preisen und Beschlüssen durchzuführen und die hierzu erforderlichen Arbeiten in die Wege zu leiten. Bei der von Jahr zu Jahr zunehmenden Zahl der Andachtsstätten vermehren sich die Schwierigkeiten und nehmen die Tätigkeit einer entsprechenden Zahl von Mitarbeitern und Beamten, unter Beteiligung der Synagogen-Vorstände, in Anspruch. Es ist nicht leicht, die Wünsche der Gemeindemitglieder im Rahmen der vorhandenen Zahl von Plätzen zu befriedigen und dies gelingt nicht immer restlos zur allgemeinen Zufriedenheit. Und was für Wünsche vielfacher Art werden geäußert, bei denen die völlige Unkenntnis der großstädtischen Ortsvcrhältnisse sich zeigt. Die meisten der in den jüngstvergangenen Jahren aus der Provinz nach der Reichshauptstadt Zugezogenen sind immer noch an die Kehillo-Berhältnisse gewöhnt und legen diesen Maßstab ihrer jahrzehntelangen Gewöhnung zu Unrecht an die ganz andersgearteten großstädtischen Zustände an. Das Hauptübel, das der Befriedigung aller Wünsche und Anforderungen entgegensteht, liegt in dem nicht zu beseitigenden krassen Mißverhältnis zwischen der Zahl der vorhandenen Synagogenplätze und der für Rofchhaschono und Jom Kippur beanspruchten vielfachen Zahl der Plätze. Der gewaltige Zuzug nach Berlin in den Jahren nach der politischen Umwälzung hat dieses Mißverhältnis noch erheblich gesteigert. Auch der in Aussicht genommene Bau von zwei Synagogen kann diesen Mangel nur etwas vermindern, nicht völlig beseitigen. Beim besten Willen und trotz aller ehrlichen Bemühungen seitens der Gemeindebehörden ist es auf absehbare Zeit hinaus unmöglich, jedes Gemeindemitglied, überdies deren Familien, mit ständigen Synagogenplätzen zu versorgen. Diese Tatsache ist bedauerlich und schneidet tief in manche liebe Gewohnheit ein, daß an Rofchhaschono und Jom Kippur die einzelnen Mitglieder mancher Familien in mehreren Betstätten getrennt ihre Andacht verrichten müssen, besonders bedauerlich um der Heranwachsenden Jugend willen, daß sie beim Gottesdienst die Gegenwart und Anleitung der Eltern entbehren muß. Die Gemeinde hat schon seit Jahren besondere Jugendgottesdienste eingerichtet, in denen für die Jugend die Andacht nach einer unter Berücksichtigung der schulmäßigen Vorbildung zusammengestellten Gebetordnung bei Wahrung der beim Hauptgottesdicnst üblichen Hauptgebete stattfindet. Für die reifere Jugend wird durch die Rcligionslehrer an den Schulen eine entsprechende Zahl Eintrittskarten zu den Hauptgottesdiensten bereitgestellt.. Sowohl im Hauptwie im Jugendgottesdienst sind der überlieferte Ritus wie die liberale Richtung berücksichtigt. In den letzten Wochen vor Rofchhaschono steigert sich die emsige Tätigkeit in den Büros, um allen Ansprüchen und Anfragen des jüdischen Publikums gerecht zu werden. Das Bauamt der Gemeinde hat im Einvernehmen mit dem Plätzevermietungs-Büro die Orientierungspläne für die Anordnung der Platzreihen gemäß den sicherheitspolizeilichen Bestimmungen anzufertigen. Diese Ausstellungen sind für die Preisfestsetzung, den Druck und Verkauf der Eintrittskarten maßgebend. In einigen Sälen sind feste Sitzreihen vorhanden; in den meisten Sälen muß das Gestühl den Ausmaßen der Räume nach genau zu beobachtenden Die räumliche Ausdehnung Groß-Berlins läßt die Einrichtung von bezirksweise» Abfertigungsstellen für die Vermietung der Syna- Borschriften angepaßt und aufgestellt werden, gogen- und Betsaal-Plätze in den Synagogengebäuden bezw. Schulgrundstücken der Gemeinde wünschenswert erscheinen (wie andere Betriebe schon längst Zweigstellen zur bequemeren Abfertigung des Publikums eingerichtet haben). Dadurch würde manche der sich bisher gezeigten Unzuträglichkeiten vermieden werden. Die Gemeindemitglieder hätten dann nicht nötig, von allen Stadtteile« bis zur äußersten Peripherie »nb den Vororten nach der einen Zxntralabfertigungsstelle der Verwaltung in der Orauienbprger Straße zur Erneuerung bezw. zum Kauf von Eintrittskarten und allen sonstigen Anfragen sich zu wenden und mancher Schriftwechsel würde fortfallen. Manche Verärgerung und vor allem die Menschenansammlungen im Plätzevermietungs-Büro in den letzten Wochen vor Roschhaschono — trotzdem die Erneuerung der Karten bereits mehrere Monate vor dem Fest beginnt — würden nach Möglichkeit eingeschränkt bezw. vermieden werden. Nicht unwidersprochen soll endlich die Ansicht mancher Gemeinde- Mitglieder bleiben, die Gemeindeverwaltung „verdiene" an den feiertäglichen Veranstaltungen. Abgesehen davon, daß die Gemeindebehörden es als eine Selbstverständlichkeit betrachten, einem jeden, der nicht in der Lage ist, einen Platz zum Gottesdienst zu kaufen, einen solchen in einem Betsaal kostenlos zu gewähren — in den Synagogen ist das mit Rücksicht auf die zahlenden Reflektanten nicht möglich —, wird das Gegenteil obiger Ansicht am besten durch die Unkosten für die Saalmieten und die Gehälter an die so große Zahl der beim Gottesdienst Mitwirkenden bewiesen. Die Ausgaben übersteigen bei weitem die Einnahmen aus der Plätzevcrmietung, worüber die alljährlich im Gemeindeblatt veröffentlichte Abrechnung den Beweis liefert. Wie unbegründet und irrig ist ferner die Meinung, daß die Juden die Teilnahme am Gottesdienst bezahlen müssen, wogegen die Andersgläubigen in die Kirchen Eintritt unentgeltlich haben. Diese Aeußerung bedeutet eine völlige Verkennung der pekuniären Situation der jüdischen Gemeinden, die von der der anderen Konfessionen ganz verschieden ist, da die jüdischen Gemeinden in erhöhtem Maße als die Kirchengemeinden für ihren Etat selbst zu sorgen haben. Tatsache ist, daß die Gemeindeverwaltung an den Festgottesdicnsten nicht nur nichts „verdient", sondern aus den Erträgnissen der anderen Verwaltungszweige ein schönes Stück Geld hierfür zusetzt, um den Notwendigkeiten der Veranstaltung der Gottesdienste zu genügen. — So ist von Seiten der Gemeindeverwaltung weitgehendst für die Erfordernisse der gottesdienstlichen Veranstaltungen gesorgt Jedem Glaubensgenossen aber sei es heilige Pflicht, durch pünktliches Kommen zu Beginn der Andacht und nicht vorzeitiges Verlassen des Gottesdienstes wie durch Vermeidung von Störungen während desselben die Weihe zu steigern. A. Lichtenfeld, Berlin. Weisheit aus dem Talmud Mitgetellt von Max Hayek. Wer ist weise? Wer von jedem lernt. Wer ist stark? Wer sich selbst besiegt. Wer ist reich? Wer mit dem zufrieden ist, was er hat. * Rabbi Jochanan ben Sakkai hatte fünf Schüler: Elicrsar, Jofua, Jose, Simon und Eleazar. Eines Tages ries er sie zusammen und fragte sie: „Was ist das höchste Gut des Menschen? Darauf antworteten die Schüler einer nach dem andern und Eliasar begann: „Ein klares Auge!" Josua aber sagte: „Ein wahrer Freund!" Jose meinte: „Ein guter Nachbar!" Srmon: „Vorsicht!" Doch Eleazar schloß: „Gn freundliches, gutes Herz!" Worauf Rabbi Jochanan ben Sakkai sagte: „Eleazar hat die beste Antwort gegeben, denn ein freundliches, gutes Herz schließt alle anderen Güter ein!" Wenn das Alter niederreißt, baut es auf. Wenn die Jugend aufbaut, reißt sie nieder. Wer nachts weint, mit dem weinen die Sterne. * Ein Heide kam einst zum Pharisäer Schamai und sagte: „Ich möchte Jude werden, wenn du vermagst, mich das ganze Gesetz zu lehren, während ich auf einem Fuße stehe!" Schamai, der nicht zu den Geduldigen zählte, erhob den. Stock und jagte den Heiden fort. Der Heide ging daraus zu einem anderen jüdischen Weisen und stellte chm die gleiche Bedingung. Hillel, dessen Weisheit so groß war, wie seine Geduld, sagte dem Heiden: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst — das ist das ganze Gesetz! Alles andere ist Erweiterung und Auslegung!" * WB Gott zu Adam sprach: „Distel und Dornen wird die Erde für dich tragen!" — da vergoß Adam Tränen des Kummers und der Angst. Doch als Gott hinzufügtc: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen!" — beruhigte sich Adam. Wehe den Weisen und Gelehrten, die ohne Tugend find. Weh denen, die kein Haus besitzen und versuchen, eine Türe tmzu zu bauen! # Was du einem Kinde versprochen hast, mußt du halten, sonst lernt es lügen. * Wer um des Geldes willen heiratet, wird ungehorsame Kinder haben. * Ein zänkisches Weib ist wie ein Regentag. * Wirf keinen Stein in die Quelle, ans der du eben getrunken hast. * Wer gegen Arme gütig ist, tut chnen mchr, als wer ihnen Nahrung gibt. m Der Bettler erweist dem Almosengeber eine größere Gunst, als der Wohltäter dem Betller. « Wer der Ehre nachläust, wird sie nicht einholen, denn sie flicht vor ihm. Wer vor der Ehre flieht, den verfolgt sie. ■* Es ist besser, der Schweif eines Löwen als der Kvtpf eines Fuchses zu sein. * Der Mensch wurde am sechsten Tage geschaffen. Daher sollte er sich nicht zu schr überleben und nicht zu stolz schns, denn die Mücke wurde früher geschaffen als er. * Der Mensch sollte die Demut Gottes nachahmen. Deryi Gott mied alle hohen Berge und offenbarte sich aus dem niederen Hügel des Sinai. * Im alten Palästina gab es einen alten Spruch: „Wer sich weigert, einen Streit fortzusetzen und stille bleibt, stammt von guter Familie." * Unter den Menschen werden vier Charakterzüge gefunden: Leicht zu erzürnen und leicht zu beruhige^. Langsam zu erzürnen und langsam zu beruhigen. Leicht zu erzürnen und schwer zu beruhigen. Schwer zu erzürnen umd leicht zu beruhigen. * Ein Rabbi, der ob seiner Frömmigkeit bekannt und verehrt war, pflegte abends, wenn er sich zur Ruhe begab, Zusagen: „Alle Beleidigungen und Beschimpfungen, die heute aus mich geladen wurden, sind mm vergeben!" * Das Schweigen ist der Zaun, der um die Weisheit gebaut ist. * Israel ist mit den Sternen und mit dem Staub verglichen worden. Wenn es sich erhebt, erhebt es sich bis zu den Sternen. Wenn es aber fällt, Ml es tief hinab in den Staub. * Waffen und alles, was zum Kriege gehört, sollte nicht als eine Zierde, sondern als eme Scharcke der Zeiten erachtet werden. Denn die Zeiten des wahren Menschvi werden erst angebrochen sein, wenn alle Sperre Sensen und cllle Schwerter Sicheln geworden sind und wenn kein Volk gegen eiy anderes sich erhebt und die Menschen nicht langer die grausame Kunst üben, einander zu töten. ' +* * Aus den Gemeinden : * Nachen. (Einheitsliste für d ie Repräsentantenwahlen.) Um bei den nächsten Repräsentantenwahlen einen Wahlkampf zu vermeiden, haben sich nach längeren Verhandlungen die maßgebenden Verbände, nämlich die Vereinigung für das liberale Judentum, der Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und die Zionistische Vereinigung, die zugleich für die ostjüdische Gruppe verhandelte, aus eine Einheitsliste geeinigt. Die Kandidatenliste soll unverzüglich fertiggestellt und demnächst veröffentlicht werden. Die Einigung wird von den führenden Kreisen sehr begrüßt, weil sie dazu beitragen wird, den inneren Frieden in der Gemeinde zu fördern. Berlin. (Ein neu eingerichteter liberaler Gottesdienst.) Die Jüdische Gemeinde veranstaltet in diesem Jahre anläßlich der hohen Feiertage erstmalig einen Gottesdienst nach neuem Ritus in den Pharus-Sälen, Müllerstraße 142. Damit wird einem seit langen Jahren im nördlichsten Teile Berlins bestehenden Bedürfnis Rechnung getragen. Es ist zu hassen, daß recht viele unserer liberal gesinnten Glaubensgenossen von der dankenswerten Neuerung unserer Gemeinde Gebrauch machen. Der Plätzeverkauf hat am 4. September ds. Js. im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29, begonnen. Berlin. (Verwaltungs st reitverfahren gegen die Bestätigung der R e p r ä s e n t a n t c n w a h l e n?) Im Septemberhest seines Mitteilungsblattes veröffentlicht der Verband nationaldeutscher Juden e. B. die nachstehend wiedergegebene Notiz: „Der Polizeipräsident von Berlin hat die Wahl zur Repräscntanten-Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde be - stätigt. Die gegen diesen Bescheid eingelegte Beschwerde ist von dem Ober Präsidenten zurückgewiesen worden. Gegen diesen Bescheid wird weitere Beschwerde eingelegt. Ueber die Einleitung des Bcrwaltungs-Streitverfahrens schweben Er- Wägungen. Weitere Mitteilungen folgen. Der Vorstand." Berlin. (Stellenvermittlung des Preußischen Landesverbandes.) Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden macht daraus aufmerksam, daß die von ihm eingerichtete Stellenvermittlung von den ihm angcschlossenen Gemeinden noch nicht in befriedigender Weise in Anspruch genommen wird. Es liegt eine ganze Reihe von Gesuchen um Nachweis von Vorbcterstellen für die hohen Feiertage vor. Es empfiehlt sich für alle Gemeinden, bei denen derartige Stellen noch offen sind, sich unverzüglich mit dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in Verbindung zu setzen. Berlin. (Hindenburgwohlfahrtsmarken.) Wie uns die Zcntralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden mitteilt, beginnt am 26. September der Verkauf der Hindenburgwohlfahrtsbri es marken anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten. Der außerpostalischc Vertrieb wurde der Deutschen Nothilse übertragen, die ihre Organisation und Erfahrungen in den Dienst dieser Ehrengabe stellt. Der Gesamterlös ebenso wie der einer Hindenburgspende wird Ztvecken, die der Reichspräsident selbst bestimmt hat, zugesührt. Der Erlös der Hindenburgspende soll den Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zusätzlich ihrer Reichsunterstützung, der der Hindenburgwohlfahrtsbriefmarke den schwer notleidenden Mittelstandsangehörigen, Sozialrentnern usw. zugute kommen. Zur Ausgabe gelangen: 8, 15, 25 und 50 Pfennig Marken und eine künstlerisch ausgestattcte Postkarte zum Preise von 15 Pfennig sowie Markenhestchen. Die Zentralwohlsahrtsstelle bittet, dieses Werk fördern zu wollen, zumal die Deutsche Nothilfe bei ihren Verteilungen für Wünsche von jüdischer Seite vollstes Verständnis bewiesen hat. Berlin. (Große Ehrungen fürJustizrat Dr. Julius Magnus.) Am 6. September vollendete Justizrat Dr. Julius Magnus, Rechtsanwalt am Kammergericht, sein sechzigstes Lebensjahr. Justizrat Magnus, einer der hervorragendsten Vertreter der deutschen Juristenwelt, hat sich hohe Verdienste um die Rechtswissenschaft durch die Herausgabe der Juristischen Wochenschrift, der führenden juristischen Zeitschrift Deutschlands, erworben. Die juristische Fakultät der Universität Frankfurt a. M. hat ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Der preußische Justizminister, die Berliner Juristenfakultät, der Anwaltverein, die juristische Gesellschaft u. a. m. haben ihm ihre Glückwünsche dargebracht. — Justizrat Magnus nimmt auch an jüdischen Werken lebhaften Anteil. Cr gehörte früher dem Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde an und ist jetzt Mitglied des Kuratoriums des deutschen Keren Hajessod. Frankfurt a. M. (Jubiläum.) Dieser Tage feierte Herr Julius Weihhaupt sein 50 jähriges Schneiderjubiläum. Der Jubilar, der im 78. Lebensjahre steht, hat den Feldzug 1870/71 mitgemacht und für seine große Tapferkeit mehrere Auszeichnungen erhalten, er ist Mitbegründer der Schneiderzwangsinnung und Ehrenvorsitzender des Vereins für israelitische selbständige Handwerker; seit 1919 gehört er als liberales Mitglied der Gemeindevertretung an. Die große Beliebtheit, deren Herr Weihhaupt sich bei seinen Mitbürgern aller Konfessionen erfreut, fand u. a. darin ihren Ausdruck, daß ihm neben zahllosen Glückwünschen der Altmeisterbrief der Handwerkskammer Wiesbaden überbracht wurde. Eine große hiesige Tageszeitung veröffentlichte auch das Bild des Jubilars. Kassel. (Ein jüdischer Oberst.) Diese gewiß seltene Auszeichnung hat ein Sohn des vor längerer Zeit verstorbenen Fabrikanten L. Pollitz, Herr Walter S. Pollitz, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Amerika erlangt. Der seit etwa 22 Jahren von seiner Heimat abwesende und jetzt in Seatle (U.S.A.) ansässige Herr weilte kürzlich hier, um sich im Auftrag der amerikanischen Regierung zum Kongreß der Kriegsteilnehmer nach Paris zu begeben. Leer. (Persönliches.) Der langjährige Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr M. Roseboom, der 27 Jahre mit Umsicht und Eifer die ihm anvertrauten Interessen wahrnahm, legte dieses Amt aus Gesundheitsrücksichten nieder. Bei seinem 87. Geburtstag, den er kürzlich in seltener Frische feiern konnte, zeigte sich die allgemeine Beliebtheit, die der hilfs- und opferbereite alte Herr in weiten Kreisen genießt. Leipzig. (Jüdisches Lektorat an der Universität.) Wie wir hören, hat Herr Dr. Lazar Gulkowitz am alttestamentlichen Seminar der Universität Leipzig die veria legendi für die Wissenschaft des Judentums erhalten. Herr Dr. Gulkowitz ist mehrfach durch tiefschürfende, grundlegende wissenschaftliche Arbeiten hervorgetrcten und dürfte in hohem Maße dazu berufen fein, den angehenden evangelischen Theologen die Grundlagen des biblischen und nachbiblischen Judentums zu vermitteln. Marburg. (7 5. Geburtstag.) Der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Simon Höxter, beging dieser Tage seinen (o. Geburtstag und war aus diesem Anlaß Gegenstand mancherlei Ehrungen und Aufmerksamkeiten. Neubraatzeuburg. (Synagogenjubiläum.) Die 50iahrige Jubelfeier der Synagoge ging am letzten Sonntag in einer alle Teilnehmer befriedigenden Weise vor sich. Aus Berlin, Hamburg, Rostock und Neu-Strelitz hatten sich Glaubensgenossen mit der Gemeinde in ihrer herrlichen Synagoge zum Festgottesdienst vereint, dem auch Vertreter der evangelischen Geistlichkeit, der Schulen und der Stadt, sowie Ehrengäste aus der Familie des einstigen Begründers der Synagoge, Sylvester Löwenhaupt, beiwohnten; der katholische Pfarrer war durch Krankheit verhindert. Die Staatsregierung und mehrere Behörden hatten schriftlich gratuliert. Im Tempel hielt der Landesrabbiner Dr. Silbcrstein aus Rostock die Festpredigt über die Bedeutung und das segcnsvolle Wirken des Gotteshauses, sowie über die Grundlehren unseres Glaubens. Die Predigt klang in dem Gedanken aus, daß das Gotteshaus kein Haus für Gott, sondern ein Haus für die Menschen ist. Gebet und Gesangsvorträge des Kantors Blumen seid aus Güstrow gaben der Feier ihren würdigen Rahmen, die durch einen weiteren Gesangsvortrag des Kantors Schlachter aus Stavenhagen beschlossen wurde. Abends fand im Hotel Mosch ein Festbankett statt, in dessen Verlauf verschiedene Ansprachen /gehalten wurden. Unter anderem gab der 1. Vorsteher, Herr Max Heine, einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung des bemerkenswerten Synagogenbaues und Herr Prof. Wölbe aus Berlin spcqch den Wunsch nach einer innigeren Verknüpfung der kleinen mit den großen Gemeinden aus. Zu erwähnen ist noch, daß der langjährige, nunmehr emeritierte Kultusbeamte der Gemeinde, Tumbowsky, Gegenstand mannig^lcher Ehrungen war.

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