Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 36 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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entzieht. Und wir wollen nicht, daß das deutsche Judentum aussterbe. Wenn ein Volk das Recht darauf hat, seiner Vergangenheit stolz zu sein, so sind wir es. Und gerade als gute Deutsche haben wir das Recht, zu wünschen, daß unser Stamm inmitten unseres Volks nach wie vor um die höchsten Siegeskränze auf allen Gebieten des kulturlichen Lebens, in Wissenschaft, Kunst und körperlicher Tüchtigkeit, ringe und durch diesen Wettbewerb das Ganze zu immer höheren Leistungen emporführe. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat sich entschlossen, das von dem Verfasser dieses Aufsatzes ersonnene und seit mehr als sieben Jahren in Bärenklau bei Berlin mit vollem Erfolg erprobte System der inneren Kolonisation anzunehmen, das nicht von vornherein den erworbenen Grund und Boden an selbständige Gärtner und Bauern aufteilt, sondern zunächst in Gestalt der „Anteils Wirtschaft" unter starker Beteiligung der Arbeiterschaft am Gewinn bewirtschaftet und erprobte Arbeiter auf dem Gute selbst ansiedelt. Da wir, dank unserer eigentümlichen Geschichte, in Deutschland nur wenige jüdische Jungmenschen besitzen, die die Technik der Landwirtschaft oder des Gartenbaus im väterlichen Betrieb im Kinderspiel erlernt haben, ist in dieser Form der Siedlung die beste, vielleicht die einzige Methode gefunden, durch die Juden in größerer Anzahl zu voll ausgebildeten Bauern geformt werden können: ein Vorteil, der stch auf das Angenehmste mit anderen rein agrartechnischen Vorteilen von großer Bedeutung verbindet, von denen hier zu reden nicht der Raum ist, Vorteile, die sich aber heute schon in Bärenklau auf das deutlichste herausgestellt haben. Die Aktion wird bedeutende Mittel erfordern, um die Großgüter anzukaufen und auf den notwendigen Kulturstand zu bringen. Aber diese Mittel brauchen nicht a fonds perdu gegeben zu werden. Wenn bei der Auswahl der Güter und der leitenden Männer die selbstverständliche fachmännische Besonnenheit waltet, werden sich die Betriebe ganz gewiß als rentabel genug Herausstellen, um einen beschienen, aber sicheren Zins gewähren zu können. Muß doch hier nicht die anspruchsvolle Familie eines in feudalen Gewohnheiten ausgewachsenen „Herrn" aus den Erträgen alimentiert werden! Ui ist hier doch jene Jnteressensolidarität der gewinnbeteiligten Arbeiter mit dem Betriebe gegeben, die Fleiß und Sorgfalt weit über das Maß desjenigen vermehrt, was die heutigen kapitalistischen Großbetriebe aus ihrer Arbeiterschaft herausholen können. Diese Großbetriebe werden alle Vorteile der Administration durch akademisch geschulte Landwirte, der Disposition der Arbeitskräfte im Großen, des Ein- und Verkaufs im Großen verbinden mit der Sorgfalt und dem Fleiß heutiger Bauernbetriebe. Und werden dank dieser Kombination den Bauernbetrieben um ebensoviel überlegen sein, wie diese heute den gewöhnlichen Großbetrieben. Wir dürfen daher hoffen, daß der Appell des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten an die deutsche Judenheit zur Beschaffung der erforderlichen Geldmittel für dieses gleichzeitig deutsche und jüdische Werk einen vollen Erfolg haben wird. Lage der Landwirtschaft und deutsche Juden Bon Rudolf S. Mo sf e, Rittergutsbesitzer auf Stangenhagen bei Trebbin. Unter den deutschen Juden bricht sich der Gedanke Bahn, daß sich rnchr als bisher deutsche Juden den landwirtschaftlichen Berufen zuwenden müssen. Die Gründe hierfür find durchschlagend: das hat die feit einem halben Jahr vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten geführte Siedlungspropaganda bewiesen. Die folgenden Zeiten sollen die Frage vom landwirtschaftlichen Staiwpunkt aus beleuchten. Die deutsche Landwirtschaft befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise. Auf den ersten Blick müßte das abschrecken. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, daß die Krise im wesentlichen nicht den Bauernbetrieb, sondern den Gutsbetrieb betroffen hat. Da die Siedlungsarbeit nicht auf Schaffung von Gutsbesitzern, sondern, auf Errichtung selbständiger Bauern- und Gärtnerstelleu ausgeht, braucht die Krise der Gutsbetriebe sie nicht zu schrecken. Diese Krise kommt sogar der Siedlungsarbeit zugute. Denn sie führt dazu, daß Gutsland zu schr günstigen Preisen in Hülle und Fülle angebotrn ist, sodaß ein Landproblem schlechterdings nicht vorhanden ist. Hätten wir nur das Geld, um den hundertsten Teil des angebotenen Gutslandes zu kaufen und m Bauern- und Gärtnerland zu verwandeln! Während die Lage der Güter sich ungünstig entwickelt hat und auch für die Zukunft keine sehr günstige Voraussago gestattet, macht der Bauernstand Fortschritte. Allem Anschein nach gcht die Entwicklung auf Herstellung von Queckitätsprodukten anstelle der Maffenprovukte. Während Getreidemassenerzeugung immer stärker unter den Druck ausländischer günstiger arbeitender Gebiete kommt, fällt der deutschen Landwirtschaft mchr und mchr die Aufgabe zu, Fleisch, Milch, Gemüse und Obst hervorzubringen. All das sind aber gerade bevorzugte Gebiete des bäuerlichen und gärtnerischen Kleinbetriebes. Unsere polttische Konstellation ist dieser Entwicklung günstig, denn die großen linksgerichteten Parteien, die Gegner des Getreideschutzzolles sind, befürworten die Zollfreiheit der Futtermittel nrw einen bedingten Zollschutz für Vieh, Molkereiprodukte und Gemüse. Es ist zuzugeben, daß auch diese Erzeugnisse vom Ausland stark und billig angeboten weiten. Man kann aber damit rechnen, daß hier stets dev genügende Schutz ftir die inländische Erzeugung gesichert wird. Tenn die Landwirtschaft ist keine quanttte negligeable im deutschen Wirtschaftsleben, die man einfach versacken lassen kann. Eine Zusammenstellung, die ich für zuverlässig halte, gab an, daß die deutsche Jahresmilcherzeugung über 31/2 Milliarden Mark ausmacht, während die deuffche Roheisen- und Kohlenerzeugung zusammen noch nicht einmal diesen Wert darstellen. Parallel mit der wirtschaftspolitischen Gunst der bäuerlichen Lage geht eine innere Umstellung des Bauernstandes. Die größten Kartoffeln baut nicht mehr der dümmste Bauet, sondern gerade der klügste, mit modernem Wissen und Können ausgerüstete Bauer, und der kaufmän,nisch veranlagte Bauer versteht diese größten Kartoffeln am besten zu. verwetten. Diese Erkenntnis ist auf dem Lande schon recht verbreitet und hat dazu geführt, daß der Bauernberuf durchaus' kein ungelernter Beruf mehr ist. In großer Zahl sind unsere Bauernsöhne schon durch die landwirtschaftlichen Schulen gegangen, und auch die älteren sangen an, die Förderung durch den landwirtschaftlichen Verein und die Beratung durch Landwittschastslehrer, Tierzuchtinspektoren, Wiesenbaumeister und ähnliche Leute auszunutzen. Die Abneigung gegen das Buch hat nachgelassen, man hött wohl gelegentlich auch die landwirtschaftlichen Notizen im Radio ab. Aus dem alten Bauerntyp erwächst der moderne Farmertyp. Das macht sich natürlich auch auf außerberuflichem Gebiet geltend. Das Fahrrad hat eine Revolution im Leben des Bauern, der sonst kaum in die nächste Kleinstadt kam, hervorgerufen. Dazu nehme man die Wirkung von Eisenbahn, Elettttzität, Fernsprecher, Rundfunk und Kraftwagen, um zu verstehen, daß diese modernen Hilfsmittel das Landleben in ganz anderem Grade umgestaltet haben als das Stadtleben. Diese Hilfsmittel, besonders die Elektrizität, bedeuten natürliche auch die Befreiung des Bauern von der schwersten Handarbeit. Wer drischt heute noch mit dem Flegel, wer schneidet mit der Hand Häcksel, wer pumpt mit der Hand Wasser? Auch das Leben der Landfrauen ist durch die Maschine erleichtert: wo der Getreidebinder eingeführt ist, braucht die Bauernftau nicht mchr Garben zu binden. Diese Umwarüllung im Banernleben verdient gerade deshalb hervorgehoben zu werden, weil sie für unsere auf Intelligenz eingestellte, an städtisches Leben gewöhnte jüdische Jugend besondere Bedeutung haben muß. In diesem Zusammenhang soll der unfrommen Sage entgegengetreten werden, daß der Jude sich zur Landwirtschaft nicht eigne. Sie ist nichts weiter als ein Vorwand, um dem deutschen Judentum den kleinen Beitrag zum Si^lungswerk, den es braucht, vorzuenthalten. In Rußland und Palästina haben die Juden ihre vollkommene Eignung erwiesen, und wer in Deutschland Gelegenheit hatte, die zahlreichen jüdischen Inspektoren, Gättner und Lchrlinge bei der Arbeit kennen zu lernen, weiß, daß mit ihnen sehr wohl etwas anzufangen ist. Leider sind sie meist aus die falsche Fährte gesetzt worden, indem man sie zu Inspektoren statt zu Bauern vorbereitet hat. Als Inspektoren oder Gärtnergehilfen finden 1 sie in Deutschland, wenn sie Wer geworden sind und einen Hausstand begründen wollen, keine befriedigende Anstellung. Die Rot dieser Leute ist groß: sie müssen zuerst zur Bauern- Utld Gättnersiedlung kommen. Sie werden nicht versagen. Wenn nur das deutsche Judentum jn seiner Gesamtbett bei der Aufbringung der paar hunderttausend Mark nutzt versagt, die zur Durchführung der Siedlung nötig sind! Das Geld wird in den Siedlungen nicht dauernd festgelegt, sondern dient nur als Zwischentredtt bis zur endgültigen Finanzierung der einzelnen Siedlunasstelle durch Staatssredlungsgelder und Provinzialsiedlungsfonds. Es wird also in seiner Hauptmasse immer wieder zur Schaffung von neuen Bauern- und Gättnerstellen umgesetzt und kann daher großen Nutzen stiften. Nutzen für Deutschland und Nutzen für das Judentum! Lin Beitrag zur Siedlungsfrage! Bon Geheimer Justizrat Bert hold Timendorfer-Bertin (Altersgroß-Präsident der Großloge für Deutschland U.O.B.B. Mitglied des Siedlungs-Ausschusses des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten.) Es ändern sich Verhältnisse und damit auch Anschauungen. Wenn in früherer Zett über die Eignung der Juden zur Landwirtschaft die Ansichten stark auseinandergingen, so war dies eben durch die damaligen Verhältnisse begründet. Heut kann ein Zweifel über die Eignung der Juden zur Landwirtschaft nicht mehr bestehen. Das ergeben die Erfahrungen, die man in Palästina, in Argentinien und in neuer Zett in Sowjet-Rußland gemacht hat. Die Juden haben gezeigt, daß sie auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft chren Mann stellen. Sie werden diesen freilich nicht geringen Anforderungen ebenso gewachsen sein, wie sie den Strapazen des letzten Krieges gewachsen waren. Jetzt wird es geradezu als vaterländische Pflicht von unseren Glaubensgenossen betrachtet, sich dem Landbau im größeren Maße als bisher zuzuwenden. Gerade die Erfahrungen des letzten Krieges haben gezeigt, in welche Gefahr das Vaterland gerät, wenn es bei den wichtigsten Nahrungszweigen wie Brot, Gemüse, Obst lediglich auf das Ausland angewiesen ist. Es muß aber auch als eine Pflicht der Ehre bezeichnet werden, wenn unsere Glaubensgenossen sich dem Ackerbau mehr als früher zuwenden. Der unrichtige Glaube, als scheuen die Juden körperliche Arbeit, wird besser als durch Aufklärungsschriften durch Taten beseitigt. Die Bauern werden dann auch in den ackerbautreibenden Juden nicht mehr die städtischen Ausbeuter sehen, sondern gleichen Zielen zustrebende Genossen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch dadurch eine gewisse Freundschaft zwischen den Juden der Larrdbevölkerung und den Mitgliedern der anderen Religionen angebahnt wird. Das kann nur zum Votteil des Vaterlandes dienen. Der innere Friede, den unser deutsches Vaterland so nötig hat, kann dadurch gefördett werden. . Aber auch im eigensten Interesse sollten sich die Juden der Landwirtschaft zuwenden. Wir alle, die wir im Leben stehen, sehen ja, wie jeder Beruf, in denen die Juden bisher vettreten waren, überfüllt ist. Die Großloge hat deshalb schon im Jahre 1911 die bange Frage gestellt: „Was soll aus unseren Söhnen werden?" Neue Erwerbs - zweige müssen unseren Glaubensgenossen erschlossen werden. Und wenn die Landwirtschaft nur ein bescheidenes, wenn auch sicheres Einkommen bietet, so ist auch gerade dieses Moment als Erzieherisches für unsere Glaubensgenossen nicht allzugering zu achten. Aber freilich wird man bei den neuen Siedlungen die Fehler vermeiden müssen, vor denen wir schon früher gewarnt haben und an denen die früheren Versuche der verschiedenen jüdischen Bodenkultur-Vereine gescheitert sind. Man hat damals geglaubt, Personen mtt einem gewissen leiblichen und geistigen Defekt müßten besonders dem Ackerbau zugeführt werden, weil sie sich für andere Berufe nicht eignen und wett die Beschäftigung im Freien ihrer geschwächten Gesundheit besonders förderttch sein könnte. Nichts falscher als dies! Und gegen dieses Moment müßte mtt aller Entschiedenheit und Eindringlichkeit gekämpft werden. Das Siedlungswerk könnte nicht mehr diskreditiert werden, als Russische Juden Komödienhaus, Gastiplel der Habima: „Dybuk" von Anski. Chanan . . . L- Warschawcr; Asriel . . . B. Tschemerin-ky; Lea . . . Chanah Rowina. 1. Tie Habima eröffnet ihr diesjähriges Gastspiel im Berliner Komödienhaus mit dem bereits im Vorjahre von ihr gespielten „Dybuk" von Anski. Was die Habima uns gibt, das ist allerdings nicht so sehr eine eigentliche Darstellung der Dybuk-Legendr, als vielmehr eine Folge in sich geschlossener Einzelszenen, eine Folge von Einzelszenen allerdings, deren jede in sich so reich an theatrjalischem Leben ist, daß der Verlust einer geradlinig fortlaufenden Geschichte! darüber reichlich ausgewogen erscheint. Und doch! so sehr auch die Kunst dieser Szenen uns fesselt, sie würde nicht reichen, die innige Ergriffenheit zu begründen, die das Spiel der Habima tatsächlich allerorts wieder und wieder gefunden hat. Ohne Zweifel, der Grund dieser Ergriffenheit liegt nicht in der Kunst ihrer theatralischen Gestaltung, er liegt viel mchr in dem eigentümlichen Ethos, das als lebendige Kraft hinter dem Spiel der Bühne steht, in dem eigentümlichen Ethos des russisch-jüdischen Menschen. 2. Der spezifische Charakter einer Menschenart zeigt sich vittleicht zu allererst am deutlichsten in dem, was ihr fehlt. Dem russischen Juden — das ist gewiß durchaus ein anderer, als der Jude der Bibel, als der deutsche, der polnische, der portugiesische Jude — dem russischen Juden, wie die Habima ihn uns vor Augen stellt, fehlt ganz die sicher in sich ruhende Kraft des Mannes; ihm fehlt die einfach-gerade Heiterkeit des Kindes; ihm fehlt die mütterlich erfüllte Reife fraulichen Seins. Chanan, Asriel, Lea — das sind die Träger seiner Dybuk-Gefchichte; der Jüngling, der Greis, die Braut — das sind zugleich die Repräsentanten seiner Lebensform .... Ewige Jünglinge gehen vor uns, unruhig getrieben, bald in jubelnde Verzückung getaucht, bajld in melancholisches Sinnen versunken; chr Schmerz von grundloser Tiefe unb ohne Hemmen, ein unendliches weltweites Weh, ein leise üingendes Weinen; chr« Freude ein ekstatischer Schrei, ein gottseliges Entzücken, ein jauchzender Tanz . . . Und neben diesen steht der G reis, der Rabbi: schmerzlos, freudlos, Tränen und Lachen entrückt, starr, erhaben, über der flutenden Bewegung des Lebens in ernster Würde harrend, nichts als Vollstrecker ewiger Satzungen, richterlich fest, hart und unerbittlich, Herr der Gemeinde. Zw i sch en chnen aber, halb hierher, halb dorthin gehörig und so vielleicht das Wesen dieser Menschen am besten in feiner Ganzheit umfassend, erhebt sich die Gestalt chres Mädchentypns: scheu und zart, von inniger Demut erfüllt, unendlich rührend — und doch zugleich stark, hart, machtiig und groß. Ties Mädchenleben ist - absolut fern aller fraulichen Reise und Erfülltheit — ganz Sehnsucht, stete Erwartung, ewigbräutliches Sein. Und doch, es ist gewiß mehr als bloß Geschick einer Legende, daß ein Tybuk, daß der Geist eines Mannes von dieser Seele Besitz zu ergreifen vermag. Denn bei aller Scheu und Zartheit ist chr in der Tat und von Natur aus eine männlich-feste, hatte, unerbttlliche Kraft gegeben. Wie die Stimme hin und wieder klingt zwischen innig leisem Geflüster und trotzig rauhem Schrei, wie die Physiognomie der äußeren Erscheinung Zartheit und Stärke vereint, so ist offensichtlich das Wesen dieser Seele fetbft ein eigentümliches Zusammen kämpferisch trotzig beharrender Treue und sehnsüchtig suchender Hingegebenheit. So aber ist tatsächlich nicht nur das Mädchen dieser Welt, so ist zugleich in ihren wesentlichsten Zügen die Seele des russisch-jüdischen Menschen überhaupt: hart, fest, rauh und zugleich wehmütig sinnend, unruhig getrieben — ewig unterwegs! 3. „Um wessen willen, um wessen willen ist die Seele aus höchster Höhe herab in' tiefsten Grund geflossen? Im Fallen ist der Aufftieg eingeschlossen. . ." Ein Aufstieg der Seele, das macht in der Tat das eigentlichste Ethos dieser Menschen aus. Ein Aufstieg der Seele — das aber heißt ein zähes, unerbittlich hartes Ringen, trotzig treu der Stimme Gottes, wie heiligem Verlöbnis zugetan. Ein Aufstieg aus tiefstem Grund — und das bedeutet lange Wanderschaft, die müde macht und Sehnsucht weckt — wohl unterweilen ein entzücktes 'Schauen des Ziels, doch mchr ein stilles demütig hingegebenes Suchen, ein traurigleises Für-sich-sinnen. Alles in allem aber: ein u nenölieber Weg: ewiger Dienst und stete Envattung! . . . Hans Margslins. Toleranz m jüd. Lehre und Gebet 1. Gatt selber sagte: „Die Frommen aller Nationen sollen. selig werden, und Ihr Menschen wollt es ihnen verbieten?" 2. Auch der Fremdling, der in Deinen Zonen weilt, soll rühm am Sabbat. 3. Eines der Dinge, für die der Mensch Früchte genießen soll in diesem und jenem Leben ist: Frieden stiften unter den Lebenden! 4. Bewahre mich, 0 Gott, vor einem harten Gegner, er sei Bundesgenosse oder nicht! 5. Verkündet unter den Völkern Go-ttes Taten! 6. Gütig ist der Ewige gegen alle, und sein Erbarmen walltt über alle seine Werke! 7. Der Ewige beschützt die Fremdlinge. 8. Er spendet Licht der Erde und den auf ihr Wvhnmden in Barmherzigkett! 9. Ueber jeden tugendhaften Weltbürger laß doch Dein Erbarmen rege werden. 10. Gott richtet Völker gerecht. 11. Laß meine Seele gegen meine Lästerer gelassen und gegen Juden geduldig sein, wie Staub der Erde! 12. Die Wett besteht auf Wahrheit, Recht und Ftteden! E. Beyer.