Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 35 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Zahrgang Nummer 35 Beilage 2. September 1927, FWichMEÄlmz Aufruf! An die deutschen Juden! Tie bedeutsame Zeit des jüdischen Jahres steht vor der Tür. Rasch Haschonoh und Jom Hakrppurim rufen zum Gotteshause unb zu stiller Feier in den jüdischen Häusern. Aber ihr Aufruf zur Besinnung, zur Einehe und Umkehr findet in unserer Mitte nicht mehr überall Gehör. Mancher ist gleichgültig, mancher ist seinen Brüdern und dem Gott seiner Väter fremd geworden. Andere sind unter der Last der Arbeit erdrückt. Die Zeit scheint dahin zu sein., da^-die geschlossenen Geschäfte der jüdischen Kaufleute an Sabbathen und Festtagen, am Rasch Haschonoh und Jom Hakippurim ein stummes aber eindringliches Bekenntnis zu Gott und zum Judentum vor aller Welt ablegten. Aus dieser Unfähigkeit, unsere heiligen Tage zu feiern, sprechen Not und Druck den jüdischen Seele. Unsere Verantwortung, unsere Sorge bewegt uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an die deutschen Juden. Genug des Leids, daß so vielen von uns der Sabbirch, dieser Quellpuntt unseres Familienlebens, die Wurzel der edelsten Tugerchen unserer Gemeinschaft, der Tag unseren Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verloren gegangen ist. Sollen nun auch die ehrfurchtgebietenden Tage dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer fallen? Die „Tage der Umkehr" nahen. Möchte ein jeder den Willen und den Weg finden, die heiligen Tage ganz und ungeschmälert zu feiern. Möchte jeder jichische Geschäftsinhaber seine Angestellten von jeder Arbeit an den hohen Tagen befteien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tiefes Bedürfnis ihres Herzens ist, der religiösen Pflicht gemäß Sabbathe und Feste zu feiern, weitherziges Berständ>nis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten findjen. Euch alle aber bitten wir: Setzt alles dsaran, daß unsere Ruhe- und Festtage unserer jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben. Tie Treue zum Judentum fordert Opfer. Aber ihr Lohn ist eine Ruhe des Gewissensi, das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die Festigung und Erhöhung des Judentums. J>n Geiste eng mit Euch allen verbunden, wünschen wir Euch den Segen der heiligen Tage. „Möge alle Sorge von Euch weichen; bie Freude an Gott bleibe die Quelle Eurer Kraft!" Ter Vorstand des Rabbinerverbandes in Deutschland. Der ungarische Innenminister und die Inden-Razzien Tie führende ungarische Zeitung „Pestcr Lloyd" veröffentlich: einen „Eine neue Verleumdungskampagne gegen Ungarn" überschriebenen Aufsatz des ungarischen Ministers des Innern Dr. Bela v. Scitovszky, der sich zu einem großen Teil mit den jüngsten Razzien und „Fremden"-Ausweisungen befaßt. Er erklärt, daß die chm unterstellten Ockgane ehrliche und friedliche Bürger keineswegs belästigten!, und schreibt dann weiter: „... Diese Razzien haben sich nicht gegen die Bürgerschaft, namentlich aber nicht gegen die dem jüdischen Glauben angehörenden Personen gerichtet, sondern einzig und allein gegen Elemente, die unter Außerachtlassung der bestehenden Bestimmungen die auch in dieser Hinsicht ungeschützten Grenzen Ungarns am unerlaubten Wegen übertreten haben.... Wenn ein Land im wohlverstandenen Interesse der Aufrechterhaltung seiner inneren Ordnung derartige Verfügungen rrifft, so verdient es keinen Ta Del, sondern eher Lob und Anerkennung. ... Schließlich muß ich aber auch aus die Insinuation zurückkommen, als würden die vom Ministerium des Innern getroffenen erwähnten Verfügungen eine antisemitische Tendenz a u f w e i s e n. Ich erkläre in der entschiedensten Weise, daß das Ministerium des Innern nur ungarische und ausländische Staatsbürger kennt und in seinen Verfügungen keine religiösen Unterschiede macht. Daraus ergibt sich, daß mir jeder Antisemitismus vollständig fern liegt. Gerade deshalb richten sich meine Maßnahmen nicht gegen Individuen, nicht gegen Konfessionen, nicht gegen Nationalitäten und auch nicht gegen Nationen, sondern im wohlverstandenen Interesse des Landes mit der größten Objektivität nur gegen jene, die sich gegen die Gesetze des Landes vergehen und bestrebt sind, aus ihrem un^esetz^ licheu Vorgehen noch Nutzen zu ziehen." (Jla.) Das deutsche Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels und die Ostjuden Vor wenigen Wochen fand in London ein internationaler Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels statt. An diesem Kongreß haben auch mehrere Persönlichkeiten aus Deutschland terlgcuomrnen. Unter dem den Teilnehmern zu gegangenen Material des Kongresses befand sich ein Bericht des „Deutschen Nattonattomitees zur Beiämpfung des Mädchenhandels" über die Grenzbereisung nach Deutsch- und Polnisch-Oberschlesien, der sich weniger mit Mädchenhandel und sehr viel mit der Frage der Ostjudeneinwanderung nach Deutschland bes kräftigt. Ter vom Schriftführer des Deutschen Komitees, Regrerungsrat Tr. Knndt, gezeichnete Bericht behandelt sehr ausführlich den. sogenannten Menschen-Schmuggel an der oberschlesischen Grenze im Jahre 1923.. Diese Prozesse, die jetzt 4 Jahre zurückliegcn und seinerzeit in der gesamten Presse sehr ausführlich behandelt wurden, bilden das wesentlichste Material des Berichtes, der zu dieser Frage zwar nichts neues bringt, aber viele und langst widerlegte Behauptungen zu diesem Thema entbält. Während der Bericht die Vorgänge sehr eingehend darstellt, wird von der aus den Prozessen allgemein bekannten Tatsache, daß eine ganze Anzahl vou Menschenschmugglern durch die jüdische Arbeiterfürsorge- Stelle Beuthen (Zweigstelle des Arbeiterfürsorge-Amtes der jüdischen Organisationen in Deutschland) dem Gericht namhaft gemacht wurde, nicht Notiz genommen, trotzdem dies allgemein bekannt und z. B. in einem ausfühVlich-en Artikel von dem verstorbenen Tr. Paul Nathan in der „C.-V.- Zeitung" vom 28. Februar 1924 ausführlich dargestellt wurde. Sehr charakteristisch sind die statistischen Angaben des Berichtes zur Zalu der Osyuden in Deutschland. Nach Zitierung der allgemein bekannten Denkschrift des Reichsministeriums des Innern an den Reichstag aus dem Jahre! 1923 (Reichsdrucksache No. 4084 I. Wahlperiode 1920 -22), ' derzusolge in den Jahren 1918 bis 1920 60000 Ostiuden nach Deutschland gekommen find, wird zwei Sätze später die Behauptung ausgestellt, daß im Jahre 1920 in Berlin allein 50000 bis 70000 Ostiuden sich unangemeldet aufgehalten haben. Ter Widerspruch, der in diesen zwei Sätzen steckt, wrrd auch bei flüchtiger Durchsicht des Berichtes klar, denn abgesehen davon, daß dre Zahl von 50000 bis 70000 unangemeldeten Personen nt Berlin offenbar maßlos übertrieben ist, ist es za unmöglich, baß sich sämtliche Ostjuden, die in der Denkschrift des Reichsministerin ms aufgezählt wurden, nur rn Berlin allein und dazu noch unangemeldet befunden haben. In der felben Bemerkung wird fiir das Jahr 1923 die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Ostjuden auf 400000 angegeben, für das Jahr 1926 wird ihre Zähl mit 100000 beziffert. Auch diese Zahlangaben gehen, wie es jedem Sachverständigen bekannt ist, sehr weit an der Wirklichkeit vorbei, zeigt doch das Ergebnis der Volkszählung des Jahres 1925 -- also in einer noch früheren Zeit - daß der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in Deutschland insgesamt 29 000 beträgt. Auch daraus ergibt sich die unsachliche und übertriebene Darstellung des Berichtes. Für den Regierungsbezirk Breslau behauptet der Bericht, daß allein in den letzten Monaten des Jahres 1925 100 Schmuggler seswcstellt wurden, und daß in Breslau in den ersten 10 Monaten 1926 weitere 44 ostjüdische Menfchenschmuggler wegen Paßvergehens festgenommen wurden. Auch hier ist die Darstellung von einer Sachkenntnis getrübt, denn sofern Personen wegen Menschenschmuggel sestgenommen wurden, ist dies ein weit schwierigeres Delikt als ein Paßvergehen, das in allen Grenzbezirken außerordentlich häufig ist. Falls es in der Tat zutrifft, daß in Breslau 14 Personen wegen Paßvergehen festgenommen wurdeir, so ist dies lediglich ein Beweis dafür, daß jede illegale Zuwanderung nach Deutschland aus dem Osten in den letzten Jahren fast ansgehört hat. Tie schwerwiegendste Behauptung des Berichtes ist, daß die Jüdische Arbeiterfürsorge Breslau in den Fällen von Festnahmen von „derartigen Leuten" (gemeint sind: Menschenschmuggler) mit Geld und Anwälten eiugreift, um ihren Glaubensgenossen zu helfen. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen, denn dre Jüdische Arbeitersürsorge-Stelle in Breslau als Zweigstelle des Arbejteisürsorge-Amtes beOtibt scheu Organisationen in Deutschland übt tfire fürsorgerische Tätigkeit im engsten Einvernehmen mit den Polizei- und Regierungsbehörden in Breslau hauptsächlich um Ermöglichung der Rückwanderung polnischer Staatsangehöriger nach Polen. Es dürste aber kern Fall bekannt sein, in dem Die Jüdische Arbeiterfürsorge-Stelle Breslau es versucht hat, Personen, die sich des gemeinen Verbrechens des Menschenschm.ngg.'ls schuldig gemacht haben, zu schützen. Hingegen sind es grade die Arbeitersürsorqe-Stellen, die immer wieder auf die Schädlichkeit derartiger Elemente Hinweisen und sie soweit als möglich den Behörden namhaft machen. Interessant an dem Bericht ist der letzte Absatz, in dem zugegeben wird, daß Bestrafungen wegen Mädchenhandel auf der deutschen Seite Schlesiens nicht sestg.stellt werden konnten. Daraus wird klar, weshalb der Berichterstatter den größten Teil seiner Arbeit der sogenannten Ostindensrage, die seit Jahren nicht mehr aktuell ist, gewidmet hat, denn wenn er Mädchenhandel nicht feststellen tonnte, immerhin abrr doch seinen Bericht erstatten mußte, griff er eb/n zu einem Thema, das den Anschein erwecken kann, als ob es irgenowie mit Mädchenhandel in Zusammenhang stehen könnte. Bedauerlich ist, daß dieser Bericht, der. wie schau erwähnt, mit Mädchenhandel nichts zu tun hat und lediglich i n n e n d e u t s ch e Fragen berührt, einem internationalen Kongreß vorgelegt werden tonnte, um dort den Anschein zu erwecken, als ob an den deutschen Grenzen Zustände herrschen, die die A u f m e r l s a m - fett eine s solchen i n t e r n a t i o n a l e n Forums verdienen. Nuferer Meinung nach bedeutet das eine Bloßstellung Deutschlands vor einem internationalen Kongreß in einer Sache, über die wenn überhaupt etwas Wahres an ihr ist in Deutschland allein verhandelt werden darf. lJta.) * Hierzu teilt das Arbeitersürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands noch folgendes mit: Ter Bericht des Deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels über die Bereisung von Deutsch¬ und Polnisch-Oberschlesien in der Zeit vom 23. bis 30. November 1926, der die Frage des Mädchenhandels laum erwähnt sowie die auf diese Reise bezugnehmenden Stelle:: des Jahresberichtes des Deutschen Nationalkomitees für das Geschäftsjahr 1926 sind dem Arbeitersürsorgeamr seit längerer Zeit bekannt. Eine eingehende Prüfung dieses Reiseberichtes ergab: 1) daß der Bericht im wesentlichen aus falschen Voraussetzungen beruht. Tie statistischen Untertagen, die vie Behauptungen des Berichtes bekräftigen sollten, entbehren jeder Sachkenntnis und jeder Grundlage. Tie gebrachten Zahlen sind mit Ausnahme der der Denkschrift des Reichsministcrs des Innern entnommenen Erfindungen der antisemitischen Presse aus den Jahren 1922, 23. 2) Ter Teil des Berichtes, der den sogenannten Menschenschmnggel-Prozessen in Teutsch-Oberschlesien gewidmet ist, enthält nichts, was nicht bereits in den Jahren 1923 und 21 anläßlich der in Beuthen stattgefundenen Prozesse der breitesten Oeffcntlichkeit bekannt war. Es ist schon an anderer Stelle daraus 'hingewiesen worden, daß gerade die Arbeiterfürsorgestelle Beuchen wesentlich zur Bekämpfung des Menschenschmuggcls in Oberschlesien beigetragen hat. Tie geschilderten Ereignisse liegen fast 4 Jahre zurück und entbehren jeglicher Aktualität. Ter Berichterstatter ist dabei von dem Vorwurf nicht frei zu sprechen, daß er als Grundlage für seine Behauptungen offenbar ausschließlich antisemitische Pressenotizen verwandt hat. 31 Was den gegen die Arbeitersürsorgestelle Breslau erhobenen Vorwurf betrifft, so sei hier ein Schreiben des Herrn Oberpräsrdenten fiir Schlesien an die Jüdische Arbeiterfürsorgestclle in Breslau beigegeben: „Aus Ihr Gesuch vom 22. 6. 24 bescheinige ich Ihnen gern, daß ich im Laufe der letzten Jahve mehrfach Gelegenheit harte, Ihre Tätigkeit kennen zu lernen. Hierbc: hatte ich stets den Eindruck, daß Sie ernstlich bemüht suü>, den Behörden bei der Durchführung ihrer Aufgaben behilflich zu sein. Mich hat hierbei besonders dre objektive Berichterstattung angenehm berührt; ebenso das Bestreben, die mit den hiesigen Verhältnissen nicht vertrauten jüdischen Ausländer in günstig:: Weise zu beeinflussen. Aus Ihren mir neuerdings abschriftlich übersandten Berichten vom 23. Januar 1923 und 7. Mai 1923 habe ich entnommen, aber auch von anderer Seite habe ich gehört, daß Sie mit Erfolg bemüht waren, die Neueinwanderung einzudämmen und die Abwanderung so zu fördern, daß die Zahl der noch in Schlesien befindlichen Ostjuden stark zusammengeschmolzen ist." Dieses Schreiben ist wohl die stärkste Widerlegung der von Herrn Tr. Kundt erhobenen Beschuldigungen gegen die Arbeiterfürsorgestelle Breslau. 4) Soweit der Bericht sich mit den Verhältnissen in Breslau :m Jahre 1926 beschäftigt, sind seine Angaben nach Rückftage beim Herrn Polizeipräsidenten in Breslau von diesem als fälsch bczcichnet. Eine weitere Widerlegung erübrigt sich daher. ' : 5) Ta die Reise des Vertreters des Deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels auf Grund eines Erlasses des Herrn Ministers des Innern vom 23. Mai 1925 nwglich wurde, hat das Arbeiterfürsorgeamt den Herrn Minister des Innern auf 'die unrichtige und das deutsche Ansehen im Ausland schädigende Berichterstattung des Herrn Tr. Kundt aufmerksam gemacht und darum ersucht, auch amtlich den Bericht des Deutschen Nationalkomibees einer Prüfung zu unterziehen. Vom Ergebnis dieser PrLfung wird das Arbeiterfürsorgeamt die Oefsentlichkelt noch unterrichten. Die Stärke der Parteien auf dem XV. Zionistenkongreß Auf dcm XV. Zionistenkongreß werben 280 Delegierte aus allen Ländern der Welt teilnehrnen. Diese Zahl verteil! sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: Allgemeine Zionisten und Linkes Zentrum 147; Misrachi 48; Hitachduih 34; Poale Zion und Z. $. 28; Zionisten-Revisionisten 12; Radikale Zionisten 11. Diese Einzelzahlen sind derzeit noch schwankend; das Kongreßgcricht arbeitet permanent an der endgültigen Feststellung. (Ucber den Verlaus und die Ergebnisse des Z i o n i st e n k o n g r c s s e s werden wir nach seiner Beendigung zusammenhängend berichten. Die Red.) Die amerikanischen Juden und die Arbeit von „Ort" Dr. D. Levovitch über seine Amerika-Reise Herr Dr. D. Levovitch, Mitglied der Zentralverwaltung des Verbandes „Ort" (Gesellschaft zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden), der in den letzten fünf Monaten im Aufträge von „Ort".in den Vereinigten Staaten geweilt hat, um die „Angehörigenhilfe" zu organisieren und die „Orl-Credit Eorporation" begründen zu helfen, erstattete vor einem Kreise deutsch-jüdischer und rusjischi-jüdischer Persönlichkeiten — unter dem Vorsitz von Justizrat Dr. I. Brodnitz — Bericht über seine Mission in Amerjika. Er schilderte die ideelle und materielle Wechselwirkung zwischen amerikanischem, und europäischem Judentum und meinte, der aufs Praktische gerichtete amerikanische Geist werde in Europa immer mehr zu Einfluß gelangen. Ferner sprach er von der großen Joint-Aktion zugunsten der osteuropäischen Juden und teilte mit, es habe sich letztens bemerkbar gemacht, daß die amerikanischen Juden des Geldgebens müde und nur dann bereit sind, an europäischen Aktionen teil-r zunehmen, wenn ihnen ein fest umrissener praktischer Plan yorgelegt wird. Es ist mit das Verdienst von „Ort", das amerikanische Judentum über die wirkliche Lage in Ost- , europa und über die Aufbautendenzen unter der osteuropäischen Judenheit aufgeklärt und so das weitere Interesse und die tätige Unterstützung für das jüdische Aufbauwerk geweckt zu haben. Jetzt arbeitet „Ort" in Amerika im Kontakt mit dem Joint. Der Vorsitzende der Executive des American Ort, Dr. Moskowitz, ist gleichzeitig Mitglied des Joint. Ein gewisses Erträgnis des Joint-Drives wird dem Ort für seine Wiederausbauarbeit zur Verfügung gestellt, wogegen Ort vorläufig von einem Drive Abstand nimmt und gegenwärtig eine intensive Propaganda zur Erhöhung seines Mitgliederstandes aus 10 009 führt. Herr Dr. Levovitch entwickelte sodann den Plan der Angeh origenhils e. Ungefähr 20 Millionen Dollar geben amerikanische Juden jährlich für die Unterstützung ihrer Verwandten in Osteuropa aus. Diese Riesensumme erfüllt keinerlei produktiven Zweck. Auf den Amerikaner wirkt es wie eine Offenbarung, wenn man ihm vorschlägt, seinem Verwandten statt Bargeld Maschinen, oder — wenn er Kolonist ist oder es werden will — ein Pferd oder eine Kuh zu geben, um ihm auf diese Weise zu einer Dauerexistenz zu verhelfen. Um diese konstruktive Hilfe in die Wirklichkeit umzusetzen, bedarf es einer festgefügten Organisation. „Ort" unternahm es, eine solche Organisation, die ein Mittler zwischen den amerikanischen Juden und ihren Verwandten in Osteuropa sein soll, zu schaffen. Das Finanzorgan wird die „Ort" Eredit Corporation mit einem Grundkapital von 100000 Dollar sein. Die Eorporation wird das zur Anschaffung der notwendigen Maschinen und des Inventars erforderliche Geld vorschießen, der amerikanische Verwandte wird diese Summe in Raten zurückzahlen. Auf diese Weise wird man vielen Tausenden Juden in den Ländern Osteuropas die Grundlage zu einer Existenz schassen. Beim Verbände „Ort" sind bis jetzt etwa 1000 Gesuche aus Polen und Rußland eingegangen, und zahlreiche amerikanische Juden haben bereits ihr Einverständnis dazu gegeben, von dem System der Angehörigen-Hilfe des „Ort" Gebrauch zu machen. Das Kapital der Corporation in Höhe von 100000 Dollar ist in Amerika fast ganz zustande gebracht. Die Verwandtenhilfe wird sich nicht auf Amerika beschränken, auch die Juden in den Ländern Südamerikas, Südafrika und anderen Ländern werden herangezogen werden. Die Frage der Berufsumschichtung und des produktiven Ausbaus steht jetzt überall,' wo Juden wohnen, aus der Tagesordnung. Mindestens so berechtigt wie die Rückkehr der Juden zum Alten Heiligen Lande ist die Rückkehr zu neuem Lande und zu neuer Arbeit. (Jta.i