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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-08-12 · 32 (12.8.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
32 (12.8.1927)
Date
1927-08-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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7. Jahrgang Nummer 32 Beilage 12. August 1927 Jüdische Kultur-Problematik Nicht die Antworten, feststehend und unerschütterlich, sind für die Entwicklung menschlicher Kulturwege maßgebend, sondern weit wichtiger sind sehr häufig die Fragen und Probleme. Fragen und Probleme allerdings, die mit unentwegter Aufrichtigkeit gestellt, mit kühnem Wagemut geklärt und seelischer Leidenschaftlichkeit erwogen werden. Wie fanatische Wahrhaftigkeit, unvorsichtige Kühnheit und eine heiße, unruhige Seele zum jungen Menschen gehören, so ist es Sache der echten Jugend, daß von ihr die fortentwickelnde Frage, das weiterführende Problem ausgeht. In diesem edlen Sinne echten Jugendgeistes ist der Artikel „Probleme des gesetzestreuen jungen Menschen" von Leo Kurzweil, Köln, geschrieben, der unter dem Obertitel „Jüdische Kulturproblematik" in der Nr. 27 des Jüdischen Wochenblattes erschienen ist. Mit heißem Herzen geschrieben, will er mit heißem Herzen gelesen und gewürdigt werden. Es sei vorangeschickt, daß keine Antwort und kein klarer Weg uns von Leo Kurzweil dort gegeben ist, wohl aber werden von ihm die alten Fragen erneut gestellt, die uns moderne Juden schon lange bedrängen und die doch nur allzuleicht, ertrinkend im Meer der Gewohnheit nick) der Gleichgiltigkeit, aufhören, Aufschrei der Seele zu sein. Hierin liegt das Verdienst jenes Artikels, daß mit klarer Entschiedenheit und Offenheit die Probleme aufgezeigt werden, die den jungen jüdischen Menschen beherrschen. Leo Kurzweil sagt: den gesetzestreuen jungen Menschen. Und das ist das Zweite, was uns aus seinen Worten so wahr und warm entgegenweht. Hier spricht ein junger Jude, der den Sjog lathauroh, den Zaun, den die Tradition um die jüdische Lehre errichtet hat, als berechtigt anerkennt und doch zugleich fühlt, daß dieser Zaun gar oft zur Mauer geworden ist, die den Ausblick versperrt, die sich hemmend in den Weg der gewordenen Kultur stellt. So und nicht anders ist die Frage zu verstehen, die feinen Ausführungen zu Grunde liegt: „Kann sich der geistige Inhalt der jüdischen Gesetze und der jüdischen Tradition, insbesondere bei uns im westlichen Kulturkreise, ausrechterhalten? Leben wir noch in diesem Geiste." — Die Frage, so gestellt von einem gesetzestreuen jungen Juden, ertönend im Kreise der Orthodoxie, mutet neu und beinah revolutionär an. — Es wird manche Liberale geben, die meinen, daß uns liberalen Juden diese Problemstellung Sinn und Ziel unseres Zusammenschlusses bedeutet, also so alt wie der Liberalismus selbst ist. Wer so spricht, verkennt den Wert der im Wortlaut vielleicht ähnlichen, doch dem Sinne nach neuartigen Frage durchaus. Denn die Bedeutung dieser Problemstellung liegt gerade darin, daß über Partikularismus und falsche Scham hinweg die Frage aus gesetzestreuem Lager ertönt. Der Unterschied zum Liberalismus liegt auf der Hand. Ist hier der Wille zur Entwicklung das Primäre, und war hier (oft zum Schaden) das große Neinsagen der Mangel des Vorzuges, so geht dort das große Ja, das unentwegte Festhalten am einmal Gegebenen, voraus. „Daß man für den gesetzestreuen Juden fordern darf, daß er sein Gesetz halte, so wie es in der ununterbrochenen Kette der Tradition auf uns gekommen ist, ist selbstverständlich und bedarf keiner weiteren Ausführung." Dieses Ja ist gewißlich der Vorzug eines Mangels, der durch die folgende Frage, „ob dieser Geist stets derselbe geblieben ist", — deutlich aufgedeckt wird. Denn nun ergibt sich das eigentliche Problem, den Maßstab zu finden, der, Traditionstreue und Entwicklungsnotwendigkeit in gleicher Weife berücksichtigend, den Zaun um die Thora erweitert. Die Entwickelung der modernen Kultur bejahend, ohne zugleich die Tradition zu verneinen, das müßte der neue Weg sein, den Liberale und Orthodoxe zueinander hingehen, um ihn gemeinsam fortzuführen — die einen im Hinblick auf das Prinzip der Entwicklung, die andern in der Treue zur offenbarten Ueberlieferung — beide um weder Prinzip, noch ein Gesetz — sondern den göttlichen Geist des Judentums zu erfahren. Leo Kurzweil tut entschieden den Schritt, sich als gesetzestreuer Jude zum Gedanken der Entwicklung zu bekennen. „Nur insoweit kann man von einem einheitlichen Geist der jüdischen Gesetze sprechen, als man darunter die Gebote faßt, die in ihrer Grundnorm und in ihren minimalen Fragen die Thora selbst aufstellt." Ja er geht sogar weiter. Selbst die Thora enthält Rechtsnormen und Forderungen, deren „unverbrüchliches Festhalten unter Umständen Auswirkungen haben können, die dem wahren Geist desselben Gesetzes Hohn sprechen". Diesen wahren Geist zu erfassen, ist die Aufgabe. Hier beginnt die Schwierigkeit des Weges. An welchen Prinzipien rütteln, an welchen ist festzuhalten? Denn es ist viel leichter gesagt, als getan, daß eine „völlige Abstraktion des Gesetzes von Tatbeständen" zu bewerkstelligen sei. Diese Schwierigkeit scheint erhöht durch den orthodoxen Standpunkt, den L. K. trotz aller Freiheit der Denkweise einnimmt. Ihm geht die Frage nach der Aufrechterhaltung des wesentlichen geistigen Inhalts unserer Religion der anderen Frage voran, ob wir Menschen von heute nock» in diesem Inhalt leben. Hier scheint ein Unterschied zur liberalen Auffassung zu bestehen, die die Frage nach dem derzeitigen Menschen der Frage nach den Prinzipien überordnet oder wenigstens voranstellt. Mit anderen Worten: das Problem beginnt beim liberalen Juden früher, als es hier von L. K. angeschnitten wird. Wie können wir Juden von heute moderne Menschen und wahrhafte Juden sein, so lautet der zusammengefaßte Komplex des ganzen Problems. Die Antwort „nicht Anpassung, sondern Reorganisation" wird gegeben. Der Weg, die Mittel sind, der Schwierigkeit des ganzen entsprechend, wie gesagt, unklar, ja zum Teil nicht in der ganzen Komplikation und unter voller Berücksichtigung jüdischer Mentalität erfaßt. Wohl wahr — uns fehlen die modernen Pauskim — uns die Männer, die auf Grund ihrer umfassenden Kenntnis und zugleich mit kühnstem Wagemut die Ergebnisse des Vergangenem mit dem fordernden Bewußtsein der Gegenwart verbinden. Wenn es aber solche Männer gäbe?? — Seien wir ehrlich! Schon ein moderner liberaler Rabbiner, der nicht — bei aller Anerkennung seiner Anschauung — zugleich m seinem äußeren religiösen Leben die orthodoxen Bräuche unserer Tradition innehält, verdirbt sich selbst in liberalsten Kreisen seine Einwirkungsmöglichkeit auf das jüdische Leben seiner Gemeinde. Das hat seine Erklärung in der Struktur unseres gewordenen Judentums. Es war eben niemals bloß | der Einzelne, (außer Moses, und mit ihm erlebte doch die > Gesamtheit die Offenbarung), der Gesetze umschmiedete und das! Judentum umformte. Träger des religiösen Lebens ist eine Gesamtheit stets gewesen. Zur talmudischen Zeit hielten sich die Gelehrten an Deutungsregeln, die doch wieder von der geistigen Elite geschaffen oder zum mindesten anerkannt worden waren. Hierin ruhte die Kraft der Fortentwicklung, die doch immer am Gegebenen gebunden blieb. Hier wurzelte das Anpassungsvermögen an die Umwelt und die Stärke der Gewißheit des Eigenen. In unseret Zeit ist eine einheitliche Gesamtheit, die umprägen und n e u s ch a f f e n kann, nicht vorhanden. Wohl kennen wir Parteien wohl den einzelnen Außenseiter, der deutlicher als die Masse sich seinen Schulchan Aruch allein macht. Aber die Anerkennung eines einheitlichen zeitentsprechenden Willens, der doch jüdisch genannt werden kann, gibt es nicht. Kann nun die akademische orthodoxe Jugend, wie vorgeschlagen wird, Träger dieses Gesamtwillens werden? Ich glaube nein. Denn sofort würden wieder, entsprechend unserer Mentalität, die Stimmen laut werden, die ihnen das Führerrecht absprechen. Was die Jugend — nicht nur die akademische — soll und kann, das ist: Mahner, Rufer, Erwecker einer Gesamtheit zu werden, die erst noch gebildet werden muß. Denn nicht in einem oder noch sovielen Zeitungsartikeln wird das moderne Judentum geboren, sondern das Feuer des Schmelztiegel — Leben — muß entfacht, bewacht und genährt werden von Sachverständigen. Es würde eine ungeheure Leistung schon darstellen, wenn einmal — und erst in Deutschland — bindend für den deutschen Juden — eine jüdische Synode, nur religiösen Fragen dienstbar, geschaffen würde. Die führenden Männer aller religiösen Geistesrichtungen — Parteiführer und Rabbiner —, sie müßten als ständige Gemeinschaft mehrmals im Jahr tagen. Horchend auf den Flügelschlag der Zeit, Rechnung tragend dem altüberlieferten Judentum, in sich den Willen, neues Blut dem jüdisch-religiösen Organismus zu geben, so könnten Halachoth für das werdende Judentum unserer Tage entstehen zum Segen für das Ganze. Aber so schön dieser ,UIIIII>IIIIIIIIIIIIII>II!IIII>III,,lIIIIIIIIIIIIIIIIIIII»IialII>I>lII>IIIIIIII»II»III»II»I»»I»l»»IIIII»IIIIII»III!I«I!I»!»»II»IIIII»I»IlI» Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands llllllllllllllUllllllllllUltllllUllllllllllljJllllllllllllllltllllllllllllllllllHIlllllllllllllllUlllllllllllllllllllllllllillltlllllllllilllllllllllllilll Gedanke erscheinen muß, mutet er dem Kenner des verzwickten jüdischen Gemeinschaftslebens wie eine Utopie an. Daß Orthodoxie und Liberalismus sich an einen Tisch fetzen, um das Leben unserer Religion zu erhalten, erscheint leider, leider heute noch durchaus utopistisch. Strahl der Hoffnung bedeutet allerdings solche Stimme und solcher Ruf, wie ihn L. K. erhebt. Aber auch noch nicht mehr. Schränken wir unsere Forderung vorerst ein dahin, daß einmal die Orthodoxie für sich und der Liberalismus für sich eine Synode schaffte. (Den Anfang hat der Liberalismus mit der Londoner Tagung gemacht.) Welch' großartige Leistung wäre schon dieses. Müßte nicht Klärung allmählich sich finden und könnte nicht herzenstiefer Wille zur Religion ein einheitliches neues Leben schaffen? Doch auch hier ist allzugroße Ueberschwenglichkeit der Hoffnung einzudämmen. Denn die Einheit und der Wille einer Synode bedeutet noch nicht der fort- und mitwirkende Jnipuls der Menge. Wie wurden einst die Richtlinien im liberalen Lager gefordert, mit wieviel Kraft geschaffen und wie wurden sie von denen, die nach ihnen riefen und denen, die ihre Träger sein sollten, boykottiert. Das soll nicht ein Gutheißen der Richtlinien bedeuten, sondern sei ein Beispiel dafür, wie groß die Stagnation überall bei uns ist, wie wenig nachgiebig und mitschreitend die Menge ist. Der Schrei nach Reorganisation ist mehr ein Gewohnheitsrus in unseren Reihen, denn ein Ruf innigster Anteilnahme und flammender Begeisterung. Die Abstraktion des jüdischen Gesetzes zu finden wird nicht nur Mittel, sondern wird Zweck sein müssen. Vorerst aber gilt es, wieder junge, begeisterte Menschen zu finden, die erfüllt von der Sehnsucht nach Tatjudentum, bedrängt von dem Zwiespalt zwischen Tun und Glauben sich zu einer Masse zusammenschließen, aus der ein neuer jüdischer Wille geboren wird. Rabbiner Dr. Davin Schönberger, Aachen. * Nachwort -er Schriftlettung. Dieser Auffatz wurde aus der Einsicht heraus geschrieben, daß der Kurzweilsche Artikel im Frankfurter „Jüdischen Wochenblatt", dem.Organ der Achduth, die größte Beachtung verdiene, weil er blitzartig die Nöte der orthodoxen Jugend, und damit der Orthodoxie überhaupt, erhelle. Herr Rabbiner Dr. Schönberger hat in ausgezeichneter Weise die Problematik der Kurzweilschen Gedankengange entwickelt und auf die Unklarheiten des Aussatzes hingewiefen. Wir möchten noch weitergehen und feststellen, daß eine Lösung durch den Versuch einer Synthese von Gesetzestreue und — sagen wir einmal vorsichtig — Angleichung an die Gegenwartskultur unmöglich ist. Darüber vermögen die von Kurzweil formulierten, an manchen Stellen gewunden erscheinenden Darlegungen nicht hinwegzutäuschen. Aufschlußreich sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen des Mannheimer Rabbiners Dr. Unna in einer später erschienenen Nummer des I. W. Dieser angesehene gesetzestreue Führer bekundet viel Verständnis für den Notschrei der orthodoxen Jugend, muß aber resigniert die Dinge auf sich beruhen lassen, da ihm keine Instanz gegeben zu sein scheint, die etwa zu einer Aenderung autorisiert wäre. Im liberalen Lager wird man Aussprachen, wie sie hier im I. W. erfolgten, mit Aufmerksamkeit beachten müssen. Deuten sie doch mit aller Klarheit auf lebhaft werderids Strömungen innerhalb der „starren" Orthodoxie hin, auf Tendenzen, deren Möglichkeit zuzugestehen bisher selbst uns liberalen Juden als höchst gewagt erschienen wäre. Der Freiburger ft C.-Tag Der K. C. (Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) hielt in Freiburg i. Br. seinen 2b. ordentlichen Verbandstag ab, zu dem aus allen Teilen des Reiches K. C'er gekommen wqren. Zu Beginn der Veranstaltung am Freitag- Abend besuchten die K. C.-Teilnchmer geschlossen den Gottesdienst in der Freiburger Synagoge. Am Sonnabend-Abend fand der große Festkommcrs in der Harmonie statt, zu dem außer den zahlreichen Chargierten der Kartell-Verbindungen auch Vertreter von Behörden, Vereinen und der Studentenschaft erschienen waren. An dem Kommers haben etwa 300 Personen teilgenommen. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Alte-Herren-Berbandes der Freiburger K. C.-Verbindung nahm zunächst Herr Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig das Wort zu der Tendenzrede. Der Redner führte aus, daß es Ausgabe des Verbandes sei, durch die Erziehung der Korporationen Persönlichkeiten heranzubilden, die dem Vaterlande nützen können. Ein Verband wie der K. C. kann es sich nicht leisten, eine Masse zu bilden, sondern jeder muß auf seinem Platze sein. Der Redner erneuerte das Gelöbnis, die alten bisher gegangenen Wege weiter zu wandeln, Deutschtum und Judentum zu vereinen und Persönlichkeiten zu erziehen, die diese Ausgaben leisten können. Namens des Geschäftsführenden Ausschusses des K. C. sprach Dr. Berlak an Stelle des durch Krankheit verhinderten 1. Vorsitzenden Dr. Holländer. Er sagte: Man hat uns als Störenfriede der Hochschulen betrachtet, aber ist ein Kämpfer Störenfried? Was wir auf unsere Fahne geschrieben haben, ist der Kampf um die Gleichberechtigung des deutschen Juden an der deutschen Hochschule. Die Vaterlandsrede hielt Dr. Urias-Hamburg. Er sagte: Der Krieg ist zu Ende, unsere Besten sind gefallen. Was hat das Kriegserlebnis uns jüdischen Studenten Besonderes gesagt? Wir haben neben dem Krieg beinahe auch unser Vaterland verloren. Darum steht vor uns Jungen die Aufgabe: erobert euch euer Vaterland! Wir wissen, daß wir ein Teil unseres Vaterlandes sind, für das wir gekämpft, gestritten und geblutet haben. — Als der Redner geendet hatte, sang die ganze Festversammlung stehend das Deutschlandlied. Die eigentlichen Beratungen begannen am Sonntag. Es wurde einstimmig beschlossen, ein Begrüßungstelegramm an Dr. Holländer zu senden. Ferner wurde folgendes Telegramm zur Vorlesung gebracht: „Den K. C. begrüßt mit den besten Wünschen für erfolgreiche Verhandlungen, der Bund Vereinigung freier Akademiker." Dr. Berlak gab zunächst den Geschäftsbericht und teilte mit, daß die Zahl der Aktiven sich gegen das Vorjahr nahezu verdoppelt hätte. Das Hauptreserat hielt Herr Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig über das Thema „Probleme der inneren jüdischen Politik". Dr. Goldmann führte ungefähr aus: Für uns K. C'er gilt der Grundsatz, daß wir vom Allgemeinen uns nicht entfernen dürfen. Es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns nicht abzuschließen. Zur Frage des nationalen Judentums gab der Redner zu bedenken, daß dieses unser Leben ganz anders werten will; es will das Judentum in eine Sonderstellung bringen, die sich politisch auswirkt. Es muß von jedem K. C'er Kenntnis der jüdischen Probleme verlangt werden und eine Erkenntnis der Grundzüge ihrer Entwicklung. Cand. jur. W. S. Matzdorsf-Berlin referierte über die gegenwärtige Lage an den deutschen Hochschulen und kennzeichnete besonders die Ergebnisse des Würzburger Studententags. Nach eingehender Debatte nahm der K. C.-Tag säst einstimmig zur Hochschulpolitik folgende Resolution an: „Der 25. ordentliche Berbandstag des K. C. (Kartell-Convents der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) in Freiburg nimmt in Uebereinstimmung mit den von den früheren Verbandstagungen festgelegten hochschulpolitischen Richtlinien zu dem Ergebnis des Würzburger Studententags folgende Stellung: Der Würzburger Beschluß kann nie die Grundlage einer Verfassung der Deutschen Studentenschaft sein, da seine Urheber die Einheit der deutschen Kulturgemeinschaft aus völkischen Gesichtspunkten bestreiten, aus politischen Erwägungen die Staatsautorität verneinen und einen wahrhaft großdeutsche nZus a m m e n s ch l u ß , wie er das Ziel der Kriegsteilnehmer-Generation war, durch rassische Scheidung unmöglich machet. Getreu seiner Grundtendenz erstrebt der K. C. die Vereinigung >> aller, sich zur deutschen Kulturgemeinschast bekennenden Studierenden in einer Deutschen Studentenschaft als einer vom Staat mit öffentlichen Rechten versehenen Organisation. Der K. C. macht es seinen Angehörigen zur Pflicht, nach wie vor in der studentischen Selbstverwaltung mit aller Kraft zu arbeiten und in der Front der freiheitlichen, den heutigen Staat bejahenden Studentengruppen den Kampf gegen den Geist des Würzburger Beschlusses für das hochschulpolitische Ziel des Verbandes zu führen." (Jta.) Aus den Gemeinden Berlin. (Preisausgabe der theologischen Fakult ä t.) Die Berliner Universität stellt für das Jahr 1927/28 eine Reihe von Preisausgaben zur Bearbeitung. Die theologische Fakultät wünscht für den staatlichen Preis die Beantlvortung der Frage: „Was lernen wir aus den rabbinischen Parallelen für das Verständnis der Predigt Jesu?" Berlin. (Der Landesverband im öffentlichen Leben.) In den letzten Wochen sind dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden unter anderem drei Einladungen zugegangen, die beweisen, daß der Landesverband entsprechend der evangelischen Landeskirche und der katholischen Kirche von maßgebenden Stellen immer mehr als die gegebene religionsgesellschaftliche Vertretung der preußischen Judenheit angesehen wird. So ist dem Landesverband eine Einladung zur Eröffnung der Ausstellung „Das junge Deutschland", die vom Reichsausschuß der deutschen Jugendverbändc in Verbindung mit verschiedenen Reichs- und Staatsbehörden veranstaltet wird, übermittelt worden. Ferner hat der Bund der Saarvereine den Landesverband zu seinem diesjährigen Bundestag verbunden mit einer großen Saarkundgebung nach Würzburg cingeladen. Wie schon in früheren Jahren, so hat auch in diesem Jahre die Reichsregierung den Landesverband zur Teilnahme an der Verfassungsfeier im Reichstagsgebäude gebeten. Für die Feier, die die Reichsregierung zusammen mit der Preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin am Abend des Berfassungstages im Hause der Funkindustrie zu Berlin t liegt gleichfalls ein amtliches Einladungsschreiben vor. Der Landesverband wird selbstverständlich überall in geeigneter Weise vertreten sein. Berlin. (Die Beisetzung des Obrrregierungsrats Scheret.) Am 4. August, nachmittags, fand unter starker Beteiligung die Beisetzung des während seines Sommerurlaubs im finnischen Seebade Hangö auf tragische Weise verstorbenen Oberregierungsrates Jacob Scherek auf dem Israelitischen Friedhof zu Weißensee statt. Oberregierungsrat Scherek trat im Jahre 1920 als Regierungsrat in die Pressestelle des Preußischen Staatsministeriums ein und wurde 1926 zum Oberregierungsrat befördert. Neben seiner intensiven deutschpolitischen Arbeit war er sehr stark an jüdischen Dingen interessiert. Die Konitzer Ritualmordaffäre hat er in einem Drama „Wahn" gestaltet, das aber seinerzeit unter ein Zensurverbot fiel und erst vor etwa vier Jahren erstmalig in Hamburg ausgeführt wurde und leb-

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