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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-08-05 · 31 (5.8.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
31 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Jahrgang Nummer 31 FMchÄemleZeiLmg Beilage 5. August 1927 Hauptversammlung der Liberalen Vereinigung Die Vereinigung für das liberale Judentum hält ihre diesjährige Hauptversammlung am 22. und 23. Oktober in Frankfurt a. M. ab. Als Verhandlungschema ist „Die gegenseitige Abgrenzung der Beziehung von Individuum und Gemeinschaft" bestimmt. Es ist in Aussicht genommen, das Thema in einem Generalreferat sowie in Spezialreferaten, die sich auf Haus und Erziehung, auf Kultus und aulf Gemeindeleben beziehen, zu behandeln. Eine Aussprache der Delegierten, die von allen Ortsgruppen der Vereinigung entsandt werden, wird sich anschließen. Außerdem sind einige organisatorische Angelegenheiten der Vereinigung zu beraten. Ludwig Holländer 50 Jahre alt! Dev Direktor des Central-Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Holländer, begeht am Freitag, den 5. August, seinen 50. Geburtstag. An diesem Tage werden sich viele Herzen dem treuen unermüdlichen Kämpfer für das deutsche Judentum zuwenden, und auch wir möchten ihm an dieser Stelle unseren herzlichsten Glückwunsch aussprechen. Was Ludwig Holländer für das deutsche Judentum geleistet hat und noch heute leistet, läßt sich in wenützen Glückwunschzeilen nicht aussprechen. Er, der Mitarbeiter der großen Vorkämpfer des deutschen Judentums, Maximilian Horwitz und Eugen Fuchs, hat in sich die Haupttugenden der beiden Heimgegangenen Führer vereinigt, das Organisationstalent des ersteren, die geistige Höhe und das Gemeinschaftsbewußtseiyi des zweiten. Wenn heute die Freunde des Central-Vereinis stolz daraus sind, daß sie nicht nur einer Organisation an-?lchören, sondern einer lebendigen Bewegung dienen können, o hat die Tätigkeit Holländers in erster Linie dazu beigetragen. Wann und wo er sprach, hatte er etwas zu sagen. Er war weil entfernt von dem seichten Durchschnittsgeschwätz der Bezirksvereinsreden, sondern forderte von seinen Zuhörern statt eines behaglichen Hindämmerns eine seelische Einstellung und ein geistiges Zusammenraffen. So ist sein Erscheinen in vielen Orten Deutschlands für Tausende von Juden überhaupl der erste Anstoß gewesen zur Selbstbesinnung und zu positiver jüdischer Betätigung. Auch außerhalb des Central-Vereins hat Holbänder als Mitglied des geschäftsführenden Ausschußes der Großloge und als langjähriger Vorsitzender des Geschästsausschusfes des K. C. im Sinne seiner Ideale gewirkt. Uns aber steht er besonders nahe, weil er je länger je mehr eingesehen hat, daß eine positive religiöse Stellungnahme die unerläßliche Voraussetzung ist für eine fruchtbare Abwehr- und Ausbautätigkeit im jüdischen Außenkampf. Holländer selbst ist einer derjenigen Liberalen, die in schwerem inneren Kampf sich ihr liberales Judentum errungen und es ständig in sich ausgebaut und festgelegt haben. Wir wünschen dem jungen Fünfziger, der nach langer Krankheit erst jetzt seine alte Kraft und Frische wiedergewonnen hat, für die zweite Hälfte seines Lebens weiter de» Erfolg und das Glück, welches selbstlose Arbeit im Dienste einer großen Sache zu geben vermag. Keine Uebergabe des Palästinamandats an Italien. Die Presse bringt Mitteilungen aus halbamtlicher Quelle, in denen den Gerüchten, daß zwischen England und Italien Verhandlungen über die Abtretung des Palästina-Mandats an Italien geführt werden, kategorisch entgegcngetrcten wird. In offiziellen Kreisen gibt man der Verwunderung darüber Ausdruck, daß solche Gerüchte ernst genommen werden konnten, wo doch Italien niemals irgendeinen Schritt nach dieser Richtung unternommen hat. Bekanntlich hat der bestinsormierte diplomatische Mitarbeiter der „Westminster Gazette" schon vor einigen Tagen die Gerüchte über Verhandlungen bezüglich einer Uebergade des Palästina-Mandats an Italien als absurd bezeichnet. (Jta.) Einweihung des Jugendheims Seesen. Nach verhältnismäßig kurzer Zeü ist es gelungen, einen schon lange in der jüdischen Jugendbewegung vorhandenen Wunsch, nämlich die Schaffung eines eigenen Landerholungsheimes zu verwirklichen. Die Zentralwohlfahrisst elle der deutschen Juden hat im vorigen Jahre das von dem Kuratorium der Jacobsonschen Waisenanstalt in Seesen verwaltete Waisenhaus, das wegen Mangels an Mitteln seine letzten Zöglinge im Jahre 1923 entlassen mußte, erworben. Seit 1923 war das Haus für die Zwecke der Wohnungszwangswirtschaft requiriert, vor etwa einem Monat erfolgte die teilweise Räumung des Hauses von den Zwangsmietern, und jetzt hat der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände, in dem alle Gruppen der jüdischen Jugendbewegung vertreten sind, das Haus mietweise von der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen! Juden übernommen. Ein großer Garten umgibt das Haus, ein Teil dient jetzt als Sport- und Spielplatz. Da das Heim noch nicht völlig geräumt ist, können in diesem Jahre nur 35 männliche und weibliche Jugendliche gleichzeitig Ausnahme finden. Das Heim dient zur Erholung von Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren. Gerade für die erwerbstätige Jugend soll hier eine Möglichkeit eines billigen Erholungsaufenthaltes gegeben werden, der aber andererseits die Beschränkungen, die sonst ein Heimaufenchalt mit sich bringt, möglichst wenig spüren lassen soll. Das Heim, das am 12. Juli zum ersten Male belegt worden ist, ist am Sonntag, den 24. Juli, eingewecht worden. Bei der Einweihungsfeier waren unter anderem vertreten.: Dr. Meier Hildesheimer, Berlin, Eugen Caspary, Berlin, Dr. Friedrich Ollendorf, Hilde Ottenheimer, Prof. Wolfsdorf, Wolfenbüttel, Dr. Kopfstein, Seesen, ferner der Vovstand des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände, alte Freunde der Jaeobsonschen Waisenanstalt und die im Heim zurzeit anwesenden Jugendlichen. Bon den staatlichen und' städtischen Bchörden und von vielen Einzelpersonen waren Begrüßungsschreiben eingegangen, aus denen hervorging, daß das neu gegründete Heim sich schon jetzt einer warmen Sympathie zu erfreuen habe. Dr. Ludwig Tietz begrüßte zunächst die Anwesenden, dankte vor allem dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und dem Kuratorium der Jacobsonschen Stiftung für ihre wesentliche Michilfe an dem Zustandekommen des Heimes. Darauf nahm Rechtsanwalt Dr. Kopfstein das Wort, um aus der Geschichte der Jacobsonschen Wa,isenanstalt zu berichten. Er wies darauf hin, daß das Kuratorium der Waisenanstalt das Haus in dieseni Augenblick zu einem neuen Zwecke der Zentralwohlsahrtsstelle und dem Reichsausschuß übergebe. Im Jahre 1852 ist die Jacobsonsche Waisenanstalt durch Meier Jacobson gegründet worden. Gemäß dem Geist der Zeit war satzungsgemäß bestimmt worden, daß ein Viertel der vorhandenen Freiplätze christlichen Waisenkindern Vorbehalten bleiben sollte. Mit der Anstalt war die ganze Zeit hindurch eine Schule verbunden. Schon sehr früh war der Antrag gestellt worden, die Stiftungsmittel in einer amerikanischen Anleihe anzulegen, was aber von der Aufsichtsbehörde abgelehnt worden ist, sodaß das große Stiftungsvermögen von der Inflation verschlungen worden ist und die einstmals so reich dotierte Stiftung nicht mehr in der Lag.: wkr, auch nur einer geringen Anzahl von Waisenkindern Heim und Erziehungsstätte zu sein. Dr. Kopfstein schloß mit der Bitte, daß das Heim in demselben Geiste der Toleranz fortgeführt werden sollte, in dem es seit seiner Gründung geführt worden war. Darauf übernahm Dr. Lubinski im Namen des Reichsausschusses das Heim. Mit dem Jacobsonheim in Seesen erntet die jüdische Jugend schon nach kurzer Zeit di: erste Frucht ihres Zusammenschlusses. Es mag eine gewisse symbolische Bedeutung haben, daß 75 Jahre nach der Gründung des Waisenhauses die Waisenanstalt in ein Erholungsheim fürs die gesamte jüdische Jugend umgewaudelt wird. Vielleicht kommt darin eine Aenderung des Bewußtseins der jüdischen Gesellschaft zum Ausdruck, die heute nicht nur eine Verantwortung. gegenüber der Waise, dem Urbild der Armut, sondern auch eine Gesamtverantwortung gegenüber der jüdischen Jugend empfindet. Die Verantwortung der älteren Generation der Jugend gegenüber muß aber auch für die Jugend zum Anlaß eigener Verpflichtung werden. Gerade der Umstand, daß der Lebensstil des Heimes von der Jugend bestimmt werde, legt aus die Jugend eine besondere Verpflichtung. Sie hat hier zu beweisen, daß die von ihn im Kampf mit der älteren Generation geforderten Lebensformen eine! wirkliche Grundlage für das Zusammenleben junger Menschen sind. Der durch die Organisation im Reichsausschuß organisatorisch verwirklichte Gedanke des Zusammenschlusses der jüdischen Jugend hat sich hier in der Wirklichkeit bes alltäglichen Zusammenlebens zu bewähren. Die verschiedenen Nuancen des jüdischen Lebens sollen in dem ernsten gemeinsamen Jugendheim ihre Anerkennung und ihren Ausdruck finden. Dr. Hildesheimer begrüßte im Namen des Vorstandes der Zentralwohlsahrtsstelle das neugegründete Heim. In der Schaffung des Heims sieht er den Ausdruck, der schon in derl Schrift vochandenen Liebe zur Jugend. Das Heim ist chm aber auch Beweis dafür, daß die Jugendbewegung jetzt stärker als früher gerade in positiver Arbeit ihre Aufgabe sieht. Ebenso sagte Dr. Ollendorff für die Geschäftsführung und Mitarbeiter der Z.W.St. Unterstützung und Förderung zu. Für den Borstand der jüdischen Gemeinde, Berlin, und zugleich für das Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde überbrachte Herr Caspary dem Heim seine besten Wünsche. Er versprach, darauf hinzuwirken, daß die Sympathie der GemeiüÄeinstanAen für das Seesener Heim auch in der Form einer Unterstützung des Heimes zum Ausdruck kommen soll. Im Aufträge der Großloge für Deutschland trug Prof. Wolfsdorf seine Wünsche für das Heim vor. Darauf sprachen die Vertreter der dem Reichsausschuß angeschlossenen Jugendverbände. Der Vertreter des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Felsenthal, übergab mit seinen Glückwünschen dem Heim einen silbernen Kidduschbecher, das Symbol, das die Juden in allen Ländern an jed«e»in Freitag Abend eint, soll auch zum Symbol der Einigkeit der jüdischen Jugend werden. 444444 ► 444 44444 44444444444444444444444444 44444444444444j >44444 i:*: Aus den Gemeinden : * :: * Berlin. (Dach st uhlbrand im jüdischen Siechenhaus.) Im jüdischen Sicchenhaus, das unmittelbar neben der großen Synagoge in der Oranienburger Straße 31 steht, ist am Mittwoch morgen ein Brand ausgebrochen, der einen großen Teil des Dachstuhles vernichtete. Es bestand keine Gefahr für die Insassen des Siechenhauses, da die Zcmentdecken sich als vollkommen feuersicher erwiesen. Nur an einer Stelle ist die Mauer durchgebrannt. Die alten Leute, die durch den Feueralarm in bcgreisliche Aufregung versetzt waren, wurden bald beruhigt. Das Feuer war nach zweistündiger Arbeit der Feuerwehr gelöscht. Es hat den Dachstuht in dem weit in den Garten hinein gelegenen Teile des Hauses in etwa fünf Fenstern Front total zerstört. Berlin. (K a n t o r e n f o r t b i l d u n g s k u r s u s.) In der Zeit vom 4. bis 26. Juli sand in Berlin ein Kantorensortbildungskursus statt. Wie notwendig diese Einrichtung ist, beweist die Tatsache, daß die Tcilnehmerzahl in jedem Jahre wächst. Dem Fortbitdungsprinzip entsprechend, wurde der wissenschastliche Teil des Lehrplans in diesem Jahre noch weiter ausgebaut. Rabbiner Dr. Bergmann gab in seinen Vorlesungen ein interessantes Bild der Entwicklungsgeschichte gottesdienstlicher Bräuche und der wichtigsten Gebete, Rabbiner Dr. Löwcnthal hielt Vorlesungen über jene Stellen aus dem Schulchau aruch, die das Wirken des Vorbeters und einen Teil der wichtigsten Gebete behandeln. Musikhistoriker Altmann berichtete über die Entwicklungsgeschichte der Musiktheorie unter besonderer Berücksichtigung der im jüdischen Gottesdienst gebräuchlichen Skalen. Oberlantor Davidsohn behandelte in seinem Unterricht die Liturgie des gottesdienstlichen Jahres und gab besondere Hinweise für die würdige Ausgestaltung des Gottesdienstes, sowohl in traditioneller wie auch moderner Beziehung. Oberkantor Asch befaßte sich ausschließlich mit stimmlicher Fortbildung. Er zeigte, wie Gesangsästhclik mit der kantoralen Wirksamkeit innig verbunden sein muß. Befriedigt verließen die Teilnehmer den Kursus. Dank der zur Verfügung gestellten Mittel war es möglich, fast sämtlichen Teilnehmern einen erheblichen Zuschuß für Reise und Aufenthalt zu gewähren. Berlin. (Zeitschrift für jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge.) Die Hauptstelle für jüdische Wandcrfürsorgc gibt in Gemeinschaft mit dem Arbeitersürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands und' der Vereinigten Zentrale für Jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland eine neue Zeitschrift für „Jüdische Arbeits- und Wandcrfürsorgc" heraus. Sie ist den Fragen des jüdischen Arbeitsnachweises und der Berufsberatung, der Sozialpolitik und Wirtschaftsfürsorge, der Wanderung und Wanderfürsorge, dem Ausländerrecht und Ausländerschutz gewidmet. Ihr Ziel ist, der praktischen Arbeit Anregung und theoretische Vertiefung zu geben und allen jenen Menschen, die sozialpflegerisch und sozialpolitisch in der jüdischen Arbeit stehen, es zu ermöglichen, sich über die Erfordernisse und Voraussetzungen ihrer Arbeit zu unterrichten. Als Herausgeber fungieren: Rechtsanwalt Dr. Georg Baum, Alfred Berger, Eugen Caspary, Lcgationsrat Pros. Dr. Sobernheim, Siddy Wronsky. Die Schristleilung befindet sich in den Händen von S. Adler-Rudel und Dr. Max Kreutzbcrgcr. Die Geschäftsstelle und Expedition befinden sich: Berlin N. 24, Auguststraße 17. Tie Zeitschrift erscheint monatlich. - Das erste Heft ist den Fragen der Produktivierung der jüdischen Wanderung gewidmet und enthält grundlegende Aussätze voo den Herren Berger, Caspary, Adler-Rudel und Grünbaum-Hannover. Berlin. (Professor Neubcrg 50 Jahre alt.) Der über Deutschland hinaus bekannte Professor Dr. Carl Neuberg, Direktor des Kaiscr-Wilhclm-Jnstituts für Biochemie, beging am Freitag, den 29. Juli, seinen 50. Geburtstag. Professor Neuberg ist Hauptvorstandsmitglicd des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin. (8 0. Geburtstag.) Am 4. August beging der bekannte Landschaftsmaler Julius Bodenstein, Bkr.ni-Tempelhos, Albrechtstraßc 46 7, seinen 80. Geburtstag. Der in Kunstkreisen geschätzte Jubilar hat auch jüdischen Fragen stets ein reges Interesse entgegen^ gebracht. Lange Jahre war er als Repräsentant der Jüdischen Gemeinde tätig und viele Wohlfahrtsvercinc konnten ihn zu ihren eifrigsten Mitgliedern zählen. Mit Rat und Tat wirkte er bei der Begründung des Jüdischen Lchrlingsheims in Pankow mit. Besondere Freude bereitete ihm die Ausmalung von Synagogen. Der greise Künstler, dessen Vermögen durch die Jnjlation vernichtet wurde, schafft noch heute Tag für Tag in seinem Atelier am Schiffbauerdämm. Seine Landschaftsbilder zeugen von hohem künstlerischen Können. Wir wünschen dem Jubilar einen recht zufriedenen Lebensabend. Berlin. (Aus den G c m c i n d e b ü r o s.) Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat in ihrem Bürobetrieb einige zeitgemäße technische Neuerungen cingcführt. Im Verwaltungsgebäude Oranienburger Straße wird zurzeit die Ausstellung einer Schwarzdruckpresse nebst Zubchörmaschinen vorbereitet, auf der mittels elektrischen Antriebs ein Teil der Drucksachen (Formulare), Haupte sächlich für den Bedarf der Steuerbüros, hergestcllt werden soll. Für die Zwecke desselben Büros ist eine „Adrema"-Prägemaschinc angeschasst, die auf mechanischem Wege die Zahl von über hunderttausend Adressen der Steuerpflichtigen in schnellster Zeit für den jedesmaligen Versand brucffertig liefert und damit gleichzeitig eine stabile Kartothek der Gemcindemitglieder herstellt. Das statistische Büro der Gemeinde, das vor einiger Zeit neu eingerichtet wurde (es wurde an dieser Stelle darüber berichtet), wird in Verbindung mit dieser Kartei eine lückenlose Zusammenstellung der Gemcindemitglieder für künftige Wahlen und ähnliche in Frage kommende Zwecke zu liefern imstande sein. — Statt der bisher gebräuchlichen Steuer-Hebelisten in Buchform für je ein Jahr ist das moderne „Lose Blatt"-System eingesührt; für jeden Zcm'iten wird ein mit sämtlichen erforderlichen Merkmalen des Personenstandes versehenes Blatt geführt, das für Eintragungen während eines Jahrzehnts vorgesehen ist und infolge der praktischen Uebcrsichtlichkeit für einen so langen Zeitraum die größtmöglichste Sicherheit in der Handhabung der Einziehung der Steuer gewährleistet. — Auch andere Abteilungen haben sich die moderne Kartothek-Form zunutze gemacht, so die Schulverwaltung für die ständige Vermehrung der jüdischen Religionsunterrichts-Gelegenheiten und die dadurch bedingte Steigerung der Zahl der Lehr-- Personen, sowie die Gottesdienst-Kommission und das Wohlfahrtsamt für die Zwecke des zu versorgenden umfangreichen Gemeindcbezirks. — Bei der Erneuerung und dem Neukauf der Synagogen- und Betsaalkarten darf man diesmal eine möglichst reibungslose Abwicklung des GefchSftSnvrkch« wouSfeftn, wenn das Publikum die tron bet* Verwaltung (Plätzevermietungsbüro) bekanntgegebenen Termine beachtet, zumal infolge des in diesem Jahre späteren Datums der Feiertage die Zeit reichlicher bemessen ist. Lerli«. (Jüdisch-neutraler Sportverein.) Am 25. Juli 1927 sand in den Räumen des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen Gemeinde die 1. Generalversammlung der Sportgruppe im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Berlin, statt. Der Vorsitzende der Jugend- und Sportkommission Kleczewski erstattete Bericht übet die Umorganisation der Jungfront und Gründung der Männerabteilung der Sportgruppe im R. j. F. Insbesondere hob er die Arbeit der Mädchengruppe hervor und sprach über die Sportgruppe im R. j. F. als neutralen Sportverein. Alle übrigen jüdischen Sportvereine trei- ' ben mehr oder weniger jüdische Politik, während die Sportgruppe X in Anlehnung an den R. j. F. Politik jeder Art verbietet. Deshalb findet jeder Jude: ganz gleich welcher politischen Richtung er angehört, Ansnahme. Lerli«. (Ausbildung von Religionslehrern.) Der Rat des Landesverbandes beabsichtigt, in Kürze besondere Vorkehrungen für die Ausbildung von Religionslehrern zu treffen, und zwar in der Art, daß jungen Leuten, welche die pädagogische Akademie besuchen wollen, die Möglichkeit geboten wird, in Verbindung mit der Ausbildung für die Reifeprüfung zugleich eine möglichst gründliche Ausbildung in der Religionskunde und im Hebräischen zu erhalten. Zu diesem Zwecke ist die Einrichtung besonderer Klassen vorgesehen, in die Schüler mit der Reife für die Obcrsekunda einer höheren Lehranstalt Ausnahme finden. Neben der Darbietung des Unterrichtsstoffes der 3 oberen Klassen einer höheren Lehranstalt soll besondersdarauf hingearbeitet werden, eine Vertrautheit mit der hebräischen Bibel und dem Gebeibuche, sowie der jüdischen Geschichte und der Religionslehre hcrbeizusühren. Der erste Entwurf eines Unterrichtsplanes, der von einem Ausschüsse des Landesverbandes ausgcarbeitek worden ist, liegt nunmehr vor. Danzig. (Vom Wclt-Esperanto-Kongrcß.) Anläßlich des hier stattgesundencn Welt-Esperanto-Kongresses wurden von der Kongrcßlcilung in den Kirchen der verschiedenen Konfessionen Festgottesdienstc in Esperanto veranstaltet; so auch am Sonnabend, den 30. Juli, in der Synagoge der Danziger Gemeinde. Rektor Saphra, Prediger der Israelitischen Gemeinde in Annaberg i. Erzgebirge, hielt die Fcstpredigt in Esperanto. Vertreter von 35 verschiedenen Nationen konnten durch die Schöpfung des Juden Dr. L- Zamenhos so dem Gottesdienste lauschen und jüdisches Gedankengut in sich aufnehmen. So erwies sich Esperanto als eine Macht, die nicht nur Verständigungsmittel zwischen den Völkern ist, sondern auch die verschiedenen Konfessionen zueinander führt, da der größere Teil der Zuhörer aus Nichtjuden aller Herren Länder bestand. Der übliche Sabbatgottesdienst wurde in der heiligen Sprache von Hauptkantor Alt verrichtet, der es verstand, durch seine außergewöhnlichen stimmlichen Mittel und die warme und eindrucksvolle Art, mit der er die traditionellen Gesänge zum Bortrag brachte, auch diejenigen hinzureißen, denen die hebräische Sprache ftemd war. Der Gottesdienst wurde von allen Erschienenen als eindrucksvolle Veranstaltung gerühmt. Unter den erschienenen Kongreßteilnehmern befanden sich die Töchter des Schöpfers der Esperauto-Sprachc, sowie andere nahe Verwandte. Nach Beendigung des Festgottcsdienstes besichtigten die Teilnehmer unter persönlicher Führung des Herrn Justizrat Fabian, des Vorsitzenden der Danziger Syuagogcngemcinde, das in der Synagoge befindliche jüdische Museum mit seinen reichen Kunstschätzen. Eelsenkircheri. (Zionistischer Protest gegen das Wahlergebnis.) Wie wir bereits berichteten, fanden hier kürzlich Repräsrntantenwahlen statt, die mit einem völligen Fiask» der zionistischen Jüdischen Volkspartei endeten. Die Zionisten konnten nur ein einziges Repräsentantcnmandat erringen, während alle übrigen Sitze der liberalen Gegenliste zufielen. Dieser Mißerfolg hat nunmehr die Zionistische Bolkspartei veranlaßt, Wahlprotest einzulegen, den Grund hierfür leiten sie aus der plötzlich nachträglich gemachten i

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