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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-08-05 · 31 (5.8.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
31 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Tie heutigen Verhältnisse können nur Idealisten, die im Dienste der Wissenschaft auch vor Hunger und Elend nicht zurückschrecken, zum Studium locken. Wenn nun trotzdem die Hochschulen angeblich in Gefahr sind, zu „verjuden", dann verraten die Warner vor dieser Gefahr nur, auf welcher Seite die wahren Idealisten zu finden sind. Der jüdische Idealismus hat schon die härtesten Proben bestanden und bewiesen, daß es ein Mittel, die Wege zn Billdung und Wissen dem, der ehrlich danach strebt, zu verrammeln, nicht gibt. Und Wissen ist eine Macht, an der auch der Judenbaß nicht zu rütteln vermag. Es ist eine pikqnte Tatsache, daß der österreichische Ministerpräsident Prälat Seipel, der -Obmann der christlich-sozialen Partei, rn der es an arischen Aerzten nicht mangelt, in der Behandlung jüdischer Professoren steht. Und schon im Mittelalter haben die Mächtigen der Erde jüdische Leibärzte bevorzugt, aber auch auf anderen wissenschaftlichen Gebieten die jüdische Tätigkeit zu schätzen gewußt. So hat der große Hohenstaufenkaiser Friedrich II. Juden zur Uebersetzung des Aristoteles herangezogen, auf dem nachher die katholische Scholastik aufgebaut wurde. Auch die orientalischen Märchenschätze wurden durch jüdische Uebersetzer der abendländischen Kultur einverleibt. An den kühnen Entdeckungsreisen, die eine neue Aera der Weltgeschichte einleiteten, haben Juden teil genommen, und es ist eine gerade in unseren Tagen oft diskutierte Frage, ob nicht auch Kolumbus, wenigstens der Abstammung nach, zu ihnen zu zählen ist. Deshalb haben schon im Mittelalter die großen Denker uüd Dichter, an deren Namen sich die damalige Blüte der deutschen Kultur knüpft, die religiöse Toleranz gepredigt, und es ist nach dem Literarhistoriker Wilhelm Scherer ein Zeichen des Verfalls im Mittelalter wie in der neuesten Zeit, wenn die Fanatiker auftreten, die den Antisemitismus auf chr Banner geschrieben haben. Es kann leider nicht bezweifelt werden, daß Deutschland durch den Weltkrieg einer Periode des Niedergangs entgegengeführt wurde. Wenn ihm wieder eine Blüte beschieden sein wird, dann wird es auch die Juden als kulturelle Mitarbeiter wieder zu schätzen wissen. Dr. Hugo S p i e g l e r. Das Tote Meer — die reichste kaliquelle der Welt Die Palästinaregierung hat an den jüdischen Ingenieur in Tcl- Aviv, Suprasky, eine Konzession zur Ausbeutung der Kali-Stoffc des Toten Meeres verliehen. Rach amtlichen Angaben enthält das Tote Meer 1300 Millionen Tonnen Kali, in der Form von Kaliumchlorid, im Marktwerte von 280 Milliarden Mark, 853 Millionen Tonnen Brom, in der Form von Magnesiumbromid, im Marktwerte von 1040 Milliarden Mark, 11900 Millionen Tonnen besonders reines Kochsalz im Marktwerte von 10b Milliarden Mark und 22 Milliarden Tonnen Magnesiumchlorid im Marktwerte von 3300 Milliarden Mark — vom Gips und vom Kalziumchlorid nicht zu sprechen. Dr. Thomas H. Norton, der jetzt in der New-Uorker Fachzeitschrift „Chemicals" über die bevorstehende Ausbeutung des Salzbestandes im Toten Meere berichtet, rechnet bereits mit einer baldigen und unvermeidlichen Senkung des Welt-Kalipreises um 50 pCt. Er schreibt, auf dem Gebiete der ganzen chemischen Industrie gebe es keine Chance gleich der, die sich setzt, ganz im stillen, in Palästina vorbereitet habe. Und nichts könne Palästina daran hindern, in der Lieferung einiger unserer wichtigsten und gebräuchlichsten Chemikalien ein entscheidender Faktor und der Sitz eines Weltmonopols zu werden. Werbt neue Mtglieder! In der „B. Z. am Mittag" zieht E. L. aus den obigen Tatsachen die Schlußfolgerung: .,5000 Millionen Mark, das Doppelte des amerikanischen Naiionalvermögens, beträgt der Marktwert der wichtigen Salze, die bis jetzt tot im Meere liegen. Aber -bic Regierung in Palästina wird schon in allernächster Zeit an die Auswertung dieses Mineralienschatzes gehen, der hauptsächlich durch Verdampfung an der Sonne, also mit geringsten Kosten, gewonnen werden kann." Am Toten Meer, nur 100 Kilometer vom nächsten Mittelmeerhafen, dürfte es bald sehr lebendig werden. Bericht über das Jüdische Museum in Kassel Die Direktion des Landesmuseums und der Arbeitsausschuß für das Jüdische Museum haben kürzlich einen Bericht über die Sammlungen veröffentlicht, dem manche interessante Einzelheiten zu entnehmen find. Zunächst wird mit Genugtuung festgestellt, daß der Ausstellung ein voller Erfolg beschieden gewesen ist und daß das Interesse an ihr bei allen Bevölkerungsschichten festgestellt werden konnte. Neben den zahlreichen jüdischen Besuchern, die die ausgestellten Gegenstände besichtigten, erschienen auch Andersgläubige, die unter wissenschaftlicher Führung Erläuterungen über Sinn und Zweck der ausgestellten Gegenstände entgegennah men und sichtlich befriedigt über das Gehörte und Geschaute den künstlerischen Rahmen der Anordnung betonten. Der evangelische Psarrerverein, von Metropolitan Dittmar geführt, die katholische Geistlichkeit mit dem Dechanten Delmenhorst, eine größere Anzahl Kasseler Lehrer und Schüler, so z. B. die oberen Klassen des Friedrichs- und Wilhelmsgymnasiums, zählten zu den Bewunderern der Sammlung. Auch ausländische Gelehrte aus Dänemark und England sprachen sich über die gezeigten Gegenstände und die Form ihrer Anordnung anerkennend aus, und in gleicher Weise äußerten sich der Generaldirektor der Preußischen Sammlungen, Exzellenz von Falke, sowie der Dezernent für Museums angelegenheiten, Ministerialrat Dr. Galh und zahlreiche Teilnehmer der Konferenz westdeutscher Museumsdirektoren. Bemerkenswert ist, daß die Stadt Kassel die erwähnte Sammlung in das hier zu errichtende Kulturmuseum aufnehmen wollte, daß die Leiter der Ausstellung es aber vorzogen, den selbständigen Charakter des Jüdischen Museums zu wahren, weil es mit Recht als erstmalig gelungener Versuch der Darstellung künstlerischer Hinterlassenschaft jüdischer Vergangenheit und des im Kultgerät sich zeigenden Gedankenkreises in wirklich moderner, musealen Grundsätzen entsprechender Weise angesehen werden konnte. Auch der kulturellen Mission der Ausstellung wird im Bericht besondere Bedeutung beigemessen; sie wurde dadurch erfüllt, daß weite Kreise der Bevölkerung zum ersten Male einen Blick in die ihnen zum Teil auch durch Vorurteile verschlossene Welt jüdischen Glaubens und Familienlebens tun durften. Augenblicklich sind die Bestände des Museums zurückgestellt worden, weil die Räume, in denen sie bisher gezeigt wurden, wechselnden Ausstellungen dienen müssen. Ihre endgültige Aufstellung in erheblich umfangreicheren Räumen wird vorbereitet, sodaß wohl bald das Jüdische Museum in erweiterter Form gezeigt werden kann. Dazu erbitten die um die Schaffung der Ausstellung verdienten und auch Dauernd um ihre würdige Ausgestaltung bemühten Stellen am Schlüsse des Berichts das Interesse der bisher noch Fernstehenden, damit „ein wirklich umfassendes Bild nicht nur des jüdischen Geisteslebens der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart mit besonderer Betonung des heimatlichen Charakters" geboten wird. Möchte dieser Appell um freudige und tatkräftige Mithilfe beim weiteren Ausbau des jüdischen Museums stärkste Resonanz finden! Jüdische Jugendbücherei. Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M. Unter Mitwirkung der Jugendschriften-Kommission der Großlo°;e für Deutschland VIII 0.0.6.6. erscheint im Verlag J. Kauffmann eine Jüdische Jugendbücherei, von der 3 Bändchen vorliegen. Die erste Reihe wird von Dr. Arthur Galliner herausgegeben; sie hat die erfreuliche Tendenz, „die befruchtende Wechselwirkung jüdischen und deutschen Geistes zu zeigen“. Der Herausgeber selbst hat den ersten Doppelband verfaßt, durch den der „Künstler und Führer Max Liebermann“ der Jugend nahegebracht werden soll, ln einer Einleitung wird „Der Eintritt der Juden in die künstlerische Kultur des 19. Jahrhunderts“ gestreift und alsdann in anschaulichen Schilderungen, die durch die Beifügung zahlreicher Abbildungen Liebermannscher Gemähde erhärtet werden, Sein und Werden der Persönlichkeit des Künstlers und seiner Kunst dargestellt. Als weiterer Band dieser Reihe ist eine Sammelschrift „Im Kampf um die Menschenrechte“ erschienen, eingeleitet und bearbeitet von Dr. H. Freudenberger. Sie enthält Dokumente aus dem Kampf um die Gleichberechtigung der Juden. Manasse ben Israel, Montesquieu, Lessing, Dohm, Mendelssohn, Klopstock, Mirabeau, Auerbach, Börne und Rießer sprechen als Streiter für Menschenwürde und Menschenrecht. In der Einleitung gibt Dr. Freudenberger eine vorzügliche Uebersicht über die neueren Bestrebungen für die Gleichstellung der Juden. Erwünscht wäre hier vielleicht noch ein kurzer Abschnitt, der die Bedeutung des Emanzipationskampfes aus dem Sinn des Judentums würdigt. Eine zweite Reihe wird von Dr. Erich Klibansky herausgegeben. Hier erschien als erstes Bändchen „David Reubeni in Portugal“ von Max B r o d , ein Ausschnitt aus dem bekannten Reubeni-Roman, in dem ein interessanter Einblick in das Seelenleben der Marranen gewährt wird, ln einem Anhang werden die gleichen Ereignisse noch nach dem Emek Habacha von R. Joseph Hakohen geschildert. Den bisher erschienenen Bänden ist weiteste Verbreitung in den Kreisen der jüdischen Jugend zu wünschen. Erfreulich ist die Preisfestsetzung der Bücher; abgesehen von dem Doppelband über Liebermann kosten sie kartoniert nur je 1.— M.f ein recht beachtlicher Fortschritt für den jüdischen Büchermarkt. B. W. t* BÜCHERSCHAU l*i Kalendarium für die Zeit v.6.8.bis 13.8.1927 August 1927 Ab 5687 Sonnabend 8. Sabbat Chason WochcnaKschnitr: D'niorim ^aftarah: Jcsaia 1,1—27 SabbattAusgang: 8.41 Uhr Sonntag 7 g. Tischoh d'a:r; Fasttag, Ansg. 8.39 Uhr Montag K 10. Dienstag H 11. Mittwoch 10 12. Donnerstag 1J 13. Freiiag 12 14. Sonnabend 13 15. Sabbat Naehma Wochcnabschniil: Wocßahanan Hasiarah: Jcsaia 40,1- 26 Sabbat-Ausgang: 8.26 Uhr Uilerslflizt das Handuierk Der Herein selösiMoer Her MauDens. e. u.. Berlin hat in seiner Organisation alle Berufe vereinigt und ist jederzeit in der Lage, leistungsfähige Handwerksmeister naehzuweisen Geschäftsstelle: Louis Wolff — Berlin NO 18 — Gr. Frankfurter Str. 80/81 Amt Königstadt 2490 Amt Königstadt 2490 Am 24. Juli 1927 verschied im 79. Lebensjahre Herr Albert Landauer Ehrenmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München u. stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes Der Verblichene hat nahezu vier Jahrzehnte der Verwaltung der Gemeinde ununterbrochen angehört. Wir vertieren in dem Heimgegangenen eine Persönlichkeit, die nicht ersetzt werden kenn. Der liebe Tote vereinigte mit klugem Rat eine eiserne Pflichterfüllung und eine Hingebung und Opferwilligkeit ohnegleichen. Sein Andenken wird für alle Zeiten dankbar in der Gemeinde bewahrt werden. München, den 25. Juli 1927 Vorstand u. Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde München Dr. Neumeyer Dr. Oestreich Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfltzowstraße 44, Telephon: Lützow 960*61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke FasanenstraSe, Telephon: Steiaplatz 1835 mm heißt Fiuflaafleanstali am SttHnctiensee Wannsee 5525 Wannsee 5525 Familienbad Strand Restaurant schuilmmunterrtctit Herrlich am Walde gelegen Verbindung per Autobus ab Bahnhoi Wannsee bis Wilhelmplatz K. BarSke m Predigtamt zu den diesjährigen Herbstfeiertagen gesucht. Erstklassige Zeugnisse vorhanden. Nähe Berlins erwünscht, aber nicht Bedingung. Angebote unter Kn. 89 an die Expedition dieses Blattes. 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