Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 31 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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New-Yorker Dame hatte die Zusendung an ihn veranlaßt) und daher die Bekehrung Ford's sich um gute sieben Jahre verzögert hat, in welchen seine unermüdliche, mit gigantischen Mitteln in der ganzen Welt arbeitende Propaganda Unheil gestiftet.hat, welches wohl nicht so bald, wenn überhaupt, gutgemacht werden kann. Es wäre ein leichtes gewesen, Henry Ford gleich am Beginn seiner unseligen Tätigkeit zu überzeugen, daß die Grundlage, auf die sie sich aufbaute, die Protokolle nämlich, morsch war.... Wer sich mit dem Problem Ford genauer befaßt hat, erkannte, daß dieser Mann ein Opfer schlauer Agenten war. Infolge von Vorfällen rein privater Natur, die höchstens mit allgemeinen Wirtschafts fragen, aber nichts mit der Judenfrage zu tun hatten, war er in eine judenfeindliche Stimmung versetzt worden. In diesem Seelenzustand war es einer antisemitischen Kamarilla leicht, den von seiner praktischen Tätigkeit ganz absorbierten, jeder literarischen und historischen Kritik fernstehenden Mann, für den damals in Berlin aufgekommenen Protokollglauben zu gewinnen. Namentlich war der Hauptanstifter, wie man schon 1922 aus amerikanischen Quellen erfuhr, Ford's deutscher Sekretär, Dr. August Müller, ein ehemaliger völkischer Corpsstudent, der auch das Geschäft seines Chefs mit den deutschen Agrariern in Landwirtschaftsmaschinen, Traktoren und dgl. vermittelte. Anfang 1920 traten die „Protokolle" von Berlin aus einen gewaltigen Triumphzug durch Europa und Amerika an. Die „Times" schlugen Lärm und forderten eine Untersuchung gegen die „jüdische Weltverschwörung", der Papst ließ durch den Kardinal Staatssekretär Gasparri dem französischen Protokoll-Uebersetzer seinen Dank und den apostolischen Segen übermitteln. Die Reaktionäre aller Länder hatten eine ausgezeichnete Waffe gegen die „Revolution" in jeglicher Gestalt gefunden. Denn wenn man es schwarz auf weiß in Händen hat, daß niemand anderer als die Juden die Urheber und Nutznießer aller Revolutionen in der Welt sind und daß diese Revolutionen geradewegs nur dahin zielen, die christliche Staats- und Weltordnung zu stürzen und lie jüdische Weltherrschaft aufzurichten, so ist es klar, daß jede ehrliche Christenseele davor zurückschauern muß, mit der Revolution etwas zu tun zu haben. Schon im Jahre 1918, bevor sie in Deutschland auftauchten, hatten die Protokolle der „guten Sache" glänzende Dienste geleistet. Die gegen den Bolschewismus kämpfenden „weißen" Generale unter Wränget ließen in ihren Armeen zehntausende von 'Exemplaren der Protokolle verbreiten, und die Soldaten überzeugten sich rasch, daß der ganze Bolschewismus, gegen den sie diesen blutigen Krieg führten, nichts anderes war, als der zur Tat gewordene Welteroberungsplan der Juden, als dessen erstes Opfer Rußland fiel. Das Ergebnis dieser Propaganda waren die schauerlichen Pogrome in Süd-Rußland, bei deren Erinnerung das Blut in den Adern stockt. Das Instrument hatte sich also bewährt und die um Ford durften es natürlich nicht missen. Seine Wochenschrift „Dearborne Independent" veröffentlichte in einer endlosen Reihe von Artikeln, eine erweiterte Paraphase der Protokolle nebst einem weitläufigen Kommentar, wo aus aller Welt und aus allen Gebieten der antisemitischen Literatur und „Wissenschaft" Beweise und Zitate haufenweise herbeigewälzt wurden. Alle diese Artikel wurden später gesammelt und bildeten das zweibändige Buch „The international Jew", das in Amerika in einer halben Million Exemplaren verbreitet wurde und von dem Fritsch die deutsche Ausgabe in ganzen Wagenladungen versandte. An diesem Buch haben antisemitische „Gelehrte" und Schriftsteller aller Nationen mitgearbeitet. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob Ford eine Zeile davon vor dem Druck zu sehen bekam. Als die ersten zwei Nummern dieser Wochenschrift erschienen, sah das American Jewish Committee sich veranlaßt, dazu Stellung zu nehmen. Man weiß bei uns leider sehr wenig über diese hochwichtige Organisation. Gegründet 1908, vereinigt sie in sich die hervorragendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Judenschaft aller Gebiete. An ihrer Spitze steht Louis M a r s h a l l, der „Greis mit der Jünglingsseele", einer der ersten Juristen der Vereinigten Staaten, ein Mann, dem Juden und Nichtjuden in gleichem Maße den Tribut der Verehrung, man kann schon sagen, der Ehrfurcht zollen. Liest man die jährlichen „Reports" dieser Gesellschaft, so bewundert man die treue und scharfe Wachsamkeit, mit der sie die geringsten Anzeichen von Judenhaß, alles was auch nur im entferntesten den Rechten und der Ehre der Juden als Menschen und als amerikanische Bürger bedrohlich werden kann, wahrnimmt und mit welcher Unerschrockenheit und Festigkeit Louis Marshall darauf reagiert. Im vierzehnten „Report" für 1920 (abgedruckt im 23. Band des American Jewish Pear Book S. 303 ff.) liest man den Brief, den Louis Marshall im Namen der drei Millionen amerikanischer Juden an Mr. Ford schrieb, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß seine Wochenschrift Antisemitismus der tückischesten Art verbreite, daß das Dokument (die Protokolle), auf die sie sich stütze, eine schamlose Fälschung sei, erfüllt vom Geiste des Hasses und mittelalterlicher Vorurteile, eine giftige Verleumdung eines ganzen Volkes. „Drei Millionen tief verwundeter Amerikaner warten gespannt auf Ihre Antwort." Die Antwort kam postwendend, und zwar nicht von Ford selbst, sondern von seinen Angestellten, und war herausfordernd arrogant und höhnisch. Sie versprach die Fortsetzung der Artikel (sie zogen sich weitere volle 2 Jahre hin) und empfahl deren aufmerksame Lektüre. Acht Tage später kündigt die weltberühmte Verlags- Firma Pütnam's Son's eine neue Uebersetzung der Protokolle an — es war bereits die dritte in englischer Sprache —, im Anschluß an das in London und New Dork zugleich mit großer Aufmachung herausgegebene Buch „The Cause of World Unrest", welches eine Reihe von Abhandlungen über die „jüdische Wellrevolution" enthielt. Der Chef des genannten Verlagshauses ist ein persönlicher Freund von Louis Marshall und dem ehemaligen Botschafter in Konstantinopel Oskar S. Straus. Louis Marshall schreibt an ihn und beschwört ihn im Namen ihrer alten Freundschaft, im Namen der heiligsten amerikanischen Ideale, daß er dieses Buch ja nicht herausgebe, da es eine grobe Fälschung sei, es verleumde die ganze Judenheit, es atme Intoleranz, Haß und mittelalterliche Vorurteile. Major Putnam antwortet, es sei gerade eines der heiligsten amerikanischen Ideale, jedem Menschen die uneingeschränkte Rede- und Gedankenfreiheit zu gewähren, aber er sei bereit, eine ausführliche Monographie aus Marshalls Feder zu veröffentlichen, die die Unechtheit der Protokolle beweisen und das Märchen vom jüdischen Ursprung des Kommunismus widerlegen solle. Anstatt nun die Gelegenheit zu ergreifen, ein solches Buch durch eine der ersten Berlagsfirmen der angelsächsischen Welt herauszugeben, bewogen Marshall und Straus den Major Putnam, das fast Versammlungskalender Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 182 (Averbachfches Waisenhaus), Gottesdienst am Freilag, den 5. Angnst, abends 7.15 Ahr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonoli. Sonnabend, den 6. August, früh 10 Ahr. Abends 8 Vs Uhr: Andacht zum 9. Ab Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. schon ganz fertiggedruckte Buch, „in das er große Auslagen hineingesteckt hatte", zurückzuziehen. Dies war ein schwerer Fehler, denn es erhöhte nur das Ansehen der Protokolle und steigerte den Verdacht gegen die Juden, gab also der Ford'schen Propaganda neue Nahrung. Einen ähnlichen Fehler hatte die Londoner jüdische Gemeinde kurz zuvor begangen. Alles was man unternahm, um die Unechtheit der Protokolle zu beweisen, trug nur dazu bei, ihre Popularität zu mehren. Das American Jewish Committee lud bald darauf die bedeutendsten jüdischen Körperschaften in Amerika ein, „mit vereinten Kräften eine Antwort der Juden an das amerikanische Volk auf alle diese Anwürfe zu erteilen". Allein diese Antwort blieb aus. Dagegen begannen die jüdischen Blätter einen Kampf gegen Ford mit Methoden, die wir in Europa höchst bedenklich und völlig unwirksam finden müßten. Man machte sich über seine Unbildung lustig, man verspottete seine Mängel an ästhetischem Geschmack, seine protzigen Salonwagen u. dgl. oder man strengte mit riesiger Reklame Ehrenbeleidigungsprozesse gegen ihn an, die sich in hohen Schadensersatzsorderungen ansdrückten. Bald kündigte der, bald jener in den Zeitungen an, er habe Fords Antisemitismus überwunden, indem er 200000 oder gar eine Million Dollar zur Reparatur seiner verletzten Ehre fordere. Inzwischen traf es sich z. B., daß einer der Kläger Fords, Aaron Schatz i r a, von den Parteifreunden des ersteren in einen Prozeß wegen Kontraktbruches mit einer Schadensersatzforderung von einer Million Dollar verwickelt wurde, so daß sich die Sache schließlich aus glich... Das alles war in den Händen von Fords antisemitischen Sekretären nur Material zu neuen „Beweisen" für die Schuld der Juden und zur Aufstachelung und Verbitterung des Hasses: Wenn es sich herausstellt, daß 3E und 9) zu Unrecht beleidigt wurden, ist dadurch die Unecht heit der Protokolle und die Nichtexistenz der „jüdischen Welt Verschwörung" bewiesen? Warum machen die Juden so viele Umwege, anstatt direkt für die Unechtheit der Protokolle einen Beweis zu führen? Wo bleibt die Antwort, die Louis Marshall im Namen der bedeutendsten jüdischen Organs sation schon 1920 versprochen hatte?... Das waren die Fragen, mit denen die antisemitischen Blätter alle diese Aktionen begleiteten. Diese Antwort aber wurde endgültig und auf „juristisch zwingende, unwiderlegliche Weise" in Deutschland im Herbst 1924 durch das genannte Buch gegeben. Die Leser dieses Blattes kennen die Briefe, die eine stattliche Anzahl der be deutendften deutschen Gelehrten an den Verfasser geschrieben; sie erklären alle, der Beweis für die Fälschung sei lückenlos geführt, die Protokolle seien endgültig erledigt.. Wir hatten von Berlin aus rechtzeitig den Amerikanern England: 125 (11 hebr., 62 jidd., 41 engl., 1 russ.); Südaftrva: 11 (6 jidd., 5 engl.); Argentinien: 26 (22 jidd., 3 spaniol., 1 französ); Palästina: 103 (78 hebr., 14 jidd., 5 spaniol., 4 engl., 1 deutsch, 1 ar.ab.); Böhmen: 32 (2 jidd., 23 deutsch, 6 tschechisch, 1 russ.); Buchara: 1 (buchjrrisch); Bulgarien: 29 (1 hebr., 13 spaniol., 12 bulgur , 3 französ.); Bosnien: 2 (1 spaniol., 1 serbisch); Bukowina: 16 (2 hebr., Id jidd., 4 deutsch); Belgien: 7 (3 jidd., 1 deutsch, 3 französ.); Beßaraoien: 4 (1 Jjefct., 1 jidd., 2 russ.); Gibyaltar: \2 (1 spaniol., 1 engl.); Galizien: 252 (85 hebr., 116 jidd., 15 deutsch, 35 poln., 1 französ.); Grusinien: 1 (grusinisch); D eutschland: 316 (43 hebr., 23 jidd., 249 deutsch, 1 russ.); Dänemark: 11 (6 jidd., 1 deutsch, 4 dänisch); Indien: 18 (2 hebr., 1 spaniol., 6 engl., 5 indische SprachdMekte, 4 arab.); Holland: 63 (6 hebr., 4 jidd., 1 spaniol., 4 deutsch, 46 Holland., 2 französ.); Ungarn: 125 (14 hebr., 15 jidd., 2 spaniol., 48 deutsch, 44 ungarisch, 2 rumän.); Wolhynien: 9 (ll hebr., 6 jidd., 2 russ.); Siebenbürgen: 1 (jrdd.); Tunis: 22 (1, hebr., 4 spaniol., 13 arab., 4 französ.); Türkei: 52 (5 hebr.. 34 spaniol., 7 türkisch, 6 französ.); Turkestan: 2 (russ.): Triest: 2 (ital.); Tripolis: 1 (ital.); Transsylvanien: 4 (ungarisch); Chile: 2 (spanisch); Griechenland: 10 (5 ital., 5 griechisch); Japan: 1 (russ.); Lettland: 11 (1 hebr., 9 jidd., 1 russ.); Litauen: 129 (11 hebr., 110 jidd., 8 russ); Mähren: 6 (deutsch); Ferner Osten: 1 (russ.); Memel: 1 (hebr.); Mandschurei: 4 (russ.); Mesopotamien: 2 (1 hebr., 1 arab.); Aegypten: 13 (4 hebr., 1 jidd., 1 spanipl., 5 grab., 7 französ.); Mexiko: 1 ivrtogiesisch); Marokko: 5 (französ.); Norwegen: 1 (normen); ubirien: 28 (1 hebr., 2 jidd., 8 deutsch, 2 ungar., 15 russ.); Oberschlesien: 4 (deutsch); Abessinien: 2 (1 engl., 1 russ.): Saloniki: 32 (1 hebr., 21 spaniol., 1 bulgar-, 1 türk., 1 griech., 7 französ.); Serbien: 3 (2 spaniol., 1 seÄ>.); Posen: 4 (deutsch); Polen: 232 (42 hebr., 172 jidd., 1 deutsch, 17 poln.); Persien: 2 (persisch); Finnland: 4 (2 finnisch, 2 schwedisch); Frankreich: 63 (3 hebr., 9 jidd., 2 spaniol., 1 engl., 46 französ., 2 russ.); Kaukasien: 7 (1 hebr., 2 jidd., 4 russ.); Kanada: 17 (9 jidd., 8 engl.); Kroatien: 5 (2 deutsch, 2 serb., 1 kroat.); Krim: 3 (russisch); Rumänien: 76 (11 hebr., 30 jidd., 1 spaniol., 2 deutsch.'2 französ., 30 rumän.); Rußland: 175 (21 hebr., 60 jidd., 1 deutsch, 93 russ.); Weißrußland: 60 (1 hebr., 49 jidd., 3 russ., 1 weißruss.); Schweiz: 31 (5 hebr.. 5 jidd., 13 deutsch, 3 französ., 5 russ.); Schweden: 2 (jidd.); Schottland: 1 (jidd.); Länder unbestimmt: 9 hebr., 5 jidd., 3 spaniol., 5 italien., 4 engl., 5 deutsch!, 2 Holland., 3 französ, 2 rumän., 3 russ. Nach Sprachen geordnet erschienen bis 1920 insgesamt: hebr.: 474; jidd.: 1199; spaniol.: 105; ital.: 129; enM: 549; bucharisch: 1; bulgar: 13; grusinisch: 1; deutsch: 513; dänisch: 4; Holland.: 48; ungar.: 50; türk.: 8; griech.: 6; indische Dialekte: 5; norweg.: 1; spanisch: 3; serb.: 4; arab.: 30; poln.: 54; portugiesisch: 1; persisch: 2; finnisch: ,2; tschechisch: 6; französ.: 107; kroatisch: 1; rumän.: 35; russ.: 206; weißruss.: 1; schwedisch: 2 — insgesamt 3477 fest gestellte Zeitungen. Hierzu kommen einige hundert statistisch noch' nicht erfaßte Zeitungen. i i* Der Hochschulantisemitismus Während die österreichische Linksrevolte in Wien blutig zusammenbrach, hat die österreichische Reaktion einen Bor- ... . .._. stoß über die Landesgrenzen siegreich zu beendigen vermocht. unser Material zur Verfügung gestellt und namentlich ans die! Der Würzburger D tudententag hat sich vor die den Juden der ganzen Welt drohenden Gefahren der Ford'- Wahl zwischen den Weisungen des preußischen Unterruhtsmii. srben Nrovooanda aufmerksam aemacbt. die butcft versönlicbe I , M Diktat des österreichischen Hochschulansschusses gestellt, für das zweite entschieden. Und das ist gleichbedeutend mit der Anerkennung des Rassenprinzips bei der Aufnahme österreichischer Studenten in die reichsdeutsche Studentengemeinschast. Es ist nur eine höchst oberflächliche Abwehr, wenn man sich darauf beschränkt, die Fortschritte des Rassenprinzids von den Hochschulen bloß juristisch zu beurteilen und aff ungesetzlich abzulchnen. Solchem Gerechtigkeitsfanatismus\ wäre ja Genüge getan, wenn die Gesetze, die die Gleichheit N aller Staatsbürger aussprechen, einfach außer Geltung gesetzt würden. Die Antisemiten wünschen sich gar nichts Besseres, ja, es ist chnen um eine solche Wiederherstellung mittelalterlicher Rechtsamkeit weit mehr zu tun als um einen Nechtsbruch. Ihr leuchtendes Vorbild ist Horthy-Ungarn, wo dev Kamps gegen die Juden auf streng legitimem Wege geführt wird. Ist er deshalb weniger verabscheuungswürdig, und schlägt nicht gerade ein solches „Recht" der Gerechtigkeit im höheren Sinne ins Gesicht? In Wirklichkeit enthüllt just der antisemitische Kampf um die Hochschulen die ganze Unsittlichkeit des Hakenkreuz lert ums. Denn dessen Anklageri gegen die Juden gipfeln bekanntlich in dem Vorwurf, daß sie ein Parasiten!eben auf Kosten der „Wirtsvölker" führen, deren Lebenssäfte sie angeblich aussaugen. Ein so begründeter, sich gern „wissenfschaftlich" gebärdender Antisemitismus hätte, um seine Berechtigung darzulegen, den Nachweis von der Unfähigkeit der Juden zu erbringen gehabt, sich über die parasitäre Existenz hinaus zu entwickeln, die ihnen im mittelalterlichen Ghetto aufgedrängt war. Statt dessen hören wir die Herren Lärm schlagen, weil die Juden ihrer „Hinaufpflanzung" im Sinne Nietzsches nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, sondern sie sich im Gegenteil höchst angelegen sein lassen und zu ihrer Erreichung kein Opfer scheuen. Solch beispielloser Feuereifer nach Bildung und Wissen straft zwar das aritisemtz tische Geschrei von der jüdischen Minderwertigkeit gründlich Lügen, liefert aber den Hakenkreuzrittern nur ein neues Schlagwort: das von der jüdischen „Herrschsucht". Und doch haben gerade antisemitische Statistiker in ihrem Uebereifer, die Verjudung gewisser Berufe zu brandmarken, bewiesen, daß die akademisch graduierten Juden weniger der staatsbeherrschenden Bürokratie zustreben als vielmehr den freien Berufen. Wenn in diesen Berufen die jüdische Prozentnorm eine ansehnliche Höhe erreicht, so zeigt das nur, daß die arischen Akademiker die Versorgung an der Staatskrippe dem freien Wettbewerb der Kräfte vorziehen, während der Jude schon im Ghetto zu der Auffassung erzogen wurde, das Studium nur als Selbstzweck zu üben. Der Ostjude, der den Talmud „lernt", findet es auch heute noch ganz natürlich, sich sein Brot auf eine mit seinem Studium in Keiner Weise zusammenhängende, oft harte und demütigende Art zu verdienen, so wie dereinst der Westjude Spinoza das ihm angebotene Lehramt an der Heidelberger Universität abgelchnt und lieber durch Brillenschleifen den Unterhalt für sein der Philosophie geweihtes Leben gefunden hat. Deshalb ist es von grotesker Komik, wenn heute vorzugsweise die Kostgänger des Staates, die Offiziere, Beamte usw. durch das Hochschulstudium der Juden deren parasitäre Neigungm bestätigt finden wollen. scheu Propaganda aufmerksam gemacht, die durch persönliche Intervention leicht hätte zum Schweigen gebracht werden können; allein in dieser Richtung waren aus den dargelegten Gründen unsere Bemühungen vergebens. So mußte erst Artur Brisbane kommen, um dieser Propaganda ein Ende zu machen. — Für uns in Deutschland fließt aus all dem eine wichtige Lehre: gleich wie auf vielen anderen Gebieten, haben wir auch auf dem Gebiete der Abwehr die Arbeiten zu leisten, die den Juden anderer Länder erwachsen Vom bekehrten Ford Aus der Umgebung Henry Fords wird versichert, daß Ford Verfügung getroffen hat, daß sämtliche Ausgaben seines Buches „Der internationale Jude" in allen Sprachen und Ländern aus dem Buchhandel gezogen und die Exemplare vernichtet werden sollen. Diese Verfügung hat Ford getroffen, als ihm mitgeteilt wurde, daß der Herausgeber des „Internationalen Juden" in Deutschland, der Leipziger Antisemit Theodor Fritsch, erklärt hat, den Pressemeldungen über Ford's Abkehr vom Antisemitismus keinen Glauben schenken zu wollen, solange Henry Ford sein Werk „Der internationale Jude" nicht aus dem Buchhandel gezogen hat. In einem Interview mit Vertretern der jüdischen Presse ersuchte Herr Louis Marshall, an den bekanntlich Henry Ford seinen „Widerruf" gerichtet hat, den Fall Ford nicht allzusehr aufzubauschen und auf alle Fälle nicht so zu tun, als ob dem Judentum durch die Umkehr Ford's ein Glück widerfahren sei. (Jta.) Jüdische Zeitungen in Vergangenheit und Gegenwart Herr M. Probst in Jerusalem, der als Erster Statistiken über jüdisches Pressewesen veröffentlicht hat, äußert sich in einem Schreiben an die Jüdische Telegraphen-Agentur zu den Angaben des Bibliothekars der Berliner Jüdischen Gemeinde, Herrn Josef Lin, über Zahl und Bedeutung der jüdischen Presse in Vergangenheit und Gegenwart dahin, daß die von Herrn Lin mit 4000 angegebene Zahl der bisher erschienenen jüdischen Zeitungen bereits überholt ist. Die Angaben des Herrn Lin stützen sich auf die Zahlen, die 1920 vorljagen; seitdem sind 7 Jahre verflossen, während welcher Zeit die Gesamtzahl der jüdischen Zeitungen auf ungefähr 5000 bestimmt werden dürste. Herr Lin erwähnt ferner, daß die Zahl der Sprachen, in denen jüdische Zeitungen, erschienen sind, 30 beträgt; auch diese Angabe, meint Herr Probst, hatte nur bis 1920 Geltung; zurzeit dürfte die Gesamtzahl der Sprachen auf ungefähr 35 gestiegen sein. Nach den von Herrn Probst angestettten Erhebungen erschienen von 166 7 bis 1920 in allen Ländern und Sprachen die folgenden jüdischen Zeitungen: Oesterreich: 139 (30 hebräisch, 18 jiddisch, 8 spaniotisch, 82 deutsch, 1 polnisch); Australien: 11 (englisch); Ukraine: 179 (21 hebr., 98 jidd., 60 russisch); Uruguay: 2 (jü)h.)^ Italien: 18 (1 hebr., 16 italienisch, 1 arabisch); Algier: 13 (1 hebr., 5 arab., 7 französ.); Elsaß-Lothringen: 20 (1 jidd., 11 deutsch, 8 französ); Nordamerika: 871 (58 hebr., 828 jidd., 8 spaniolisch, 457 engl., 28 deutsch, 1 poln., 1 rumänisch);