Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 30 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Eschrveac. lTodesfall.) Hier verstarb im 74. Lebenslahre der allgemein geachtete Kreisvorsteher S. Katzenstein. Die Gemeinden und der Landrat des Kreises widmen dem Verstorbenen einen in wärmsten Worten gehaltenen Nachruf und heben sein außerordentliches Geschick hervor, mit dem er fast 30 Jahr das ihm übertragene Amt versehen habe. Auch die vornehme, ehrenhafte Lebensart des Verstorbenen, seine vorbildliche Pflichttreue, sein aufrechtes und liebenswürdiges Wesen gegen jedermann finden in den teilnahmsvollen Worten der Trauer ihre rückhaltlose Anerkennung. Guben. lTodessalI.) Kantor a. D. Hermann Rabbi n o w i tz. der die Vertretung für den beurlaubten Prediger Winterberg von der hiesigen jüdischen Gemeinde übernommen hatte, brach Sonnabend vormittag bei Ausführung der gottesdienstlichen Handlungen im hiesigen Tempel plötzlich zusammen. Gin Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Hannover. lTe m v elf chä n d e r an der Arbeit.) In der Nacht zum Freitag, -en 22. Juli, ist von bisher unbekannten Händen unsere Synagoge mit sechs Hakenkreuzen in roter Oclsarbe beschmiert worden. Die beiden Hakenkreuze rechts und links vom Eingang haben eine Höhe und Breite von 85 Zentimeter, die anderen sind etwas Keiner. An der Südostccke befindet sich außerdem die bekannte völkische freundliche Aufforderung: „Schlagt die Juden tot!" Diese Inschrist ist 70 Zentimeter hoch und 4,40 Dieter laug. Kassel. (Stiftung.) Eine sinnige Aufmerksamkeit wurde Herrn Richard Gotthelft, über dessen 70. Geburistag bereits berichtet wurde durch die Sinai-Loge bereitet. Der Präsident der Loge, Fabrikant Ludwig Katzenstein, überbrachte die Mitteilung von der Erneuerung der Adolph Gotthelft-Stistung, die infolge der Kriegssolgen fast wertlos geworden war. Als Adolph und Richard Gotthelft- Stiftung soll ein diesem Zweck dienender namhafter Betrag das innige Verbnndeusein und den besonderen Dank gegenüber dem um die Loge verdienten ehemaligen Präsidenten zum Ausdruck bringen. Kassel. <60. G c bu r ts t ag.) Am 27. Juli beging Landrabbiner Dr. Walter unter lebhafter Anteilnahme der Gemeinde seinen 00. Geburtstag. Die zahlreichen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten. die ihm bei dieser Gelegenheit übermittelt wurden, bekundeten die Verehrung und Wertschätzung, die sich Dr. Walter während seiner achtjährigen Tätigkeit bei allen Gemeindeangehörigen erworben hat. Königsberg. lB e i s e tz n n g von Gemeinde- B u r e a u d i r e k t o r R o s c n t h a l.) Eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich in der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes eingefnuden. mit dem nach langem schweren Leiden verschiedenen Bureaudirektor der Synagogen-Gemeinöe, Josef Roscntlml. das letzte Geleit zu geben. Nach dem Trauergesang von Kantor Wollheim hielt Gemeinderabbiner Dr. L e w i n die zu Herzen gehende Leichenrede, der er den vom Verstorbenen selbstgewählten Spruch „Süß ist deZ Arbeiters Ruhe" zugrunde legte. Das ganze Leben des Verstorbenen sei Arbeit für die jüdische Gemeinde gewesen und mit einer seltenen Hingabe habe er diese Arbeit geleistet. Deshalb trauere auch die ganze Gemeinde um diesen verdienstvollen Beamten, der auch besonders in der Wohlfahrtspflege sowie im Kreise der Odd Fellow-Loge hervorgetreten sei. Namens des Vorstandes und der Revräscntanteuverfammlung der Spnagogengemeinde ries Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Falken heim dem Verewigten Worte des Gedenkens nach. Für die Königin- Loge des Odd Fellow-Ordens überbrachte Architekt Schönwalö die letzten Grübe der Logenbrüder. Königsberg. (Todesfall.) In Kissingen verstarb plötzlich der Kaufmann Bruno Wolfs, der sich besondere Verdienste durch die Förderung der indischen Sportbewegung in Königsberg erworben hatte. Der Verewigte stand au der Spitze des Jüdischen Ruderklubs, der in ihm eins seiner wertvollsten Mitglieder verliert. Erst vor kurzem hatte der Verstorbene die Feier der Weihe zweier Boote des Jüdischen Ruderklubs geleitet. Landöberg. lRenban einer Le i ch e u ü a l l e.j In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten der isynagogen-Gemernöe. zu der auch die Kommission für das Bcerdignngswcsen eingeladen war. wurde der Neubau einer Leichenhalle beschlossen. Hiermit geht ein sehnlicher Wunsch der Gemeinde endlich in Erfüllung. In die Kommission wurde ein Mitglied des Vorstandes, je zwei Mitglieder der Repräsentantenversammlnug und der Kommission für 5aS Beerdigungswescn und als Vorsitzender der Kommission Herr Bankier Julius Reichmann gewählt, der sich um das Zustandekommen ded Projekts äußerst verdient gemacht bat. München. <R ab b i ne r wa h U Ter Vorstand der Knltusgemeiude bestätigte die Wahl des Rabbiners Dr. Ernst Ehrentren als Nachfolger seines Vaters in der Ohel-Jakob- Synagoge. Swinemünde. lE i it n e n e r Jin I i t i u - M e i st e r im R. j. F.) Bei den Deutschen Jiu-Jitsu-Meisterschaften in Swinemünde am 22. und 28. Juli konnte Ernst Joachimsthal von der Jiu-Jitsu Gruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin den Titel eines Deutschen I i u - I r t s u - M e i st e r s im Federgewicht erringen. Alfred Mendelsohn von derselben Gruppe wurde im Leichtgewicht zweiter. Der Kamps tm Fliegengewicht um den Meistertitel findet in etwa 14 Tagen in Berlin statt. In diesenr Kampf verteidigt Rosenthal II von der Jin-Jitsu-Grupve des R. j. F. seinen Titel. Wolfratshansen. (W i r t s ch a f t I i ch c F r a u e n s ch it l e.) Wir machen ans die Annonce der ersten Jüdischen Wirtschaftlichen Franenschnle ans dem Lande in Wnlsratshausen &et München aufmerksam, die jetzt schon die staatliche Genehmigung erhielt. Aus alter Zeit. Die Tyusendjahr-Feier mit ihrer Ausstellung „Jüdische Kunst" führte uns die. tausendjährige Geschichte der Juden am Rhein vor Augen. Seit dieser Zeit sehne ich mich danach, die jüdische Vergangenheit bei meinen Wanderungen an Ort und Stelle zu erforschen. Mein Weg führte mich nach Niederbreisig mit seinen Quellen, Bädern und Rheinpromenaden. Dieser Ort ist ein Idyll an Ruhe und Schönheit. Unweit Niederbreisigs auf dem Wege zur Burg Rheineck bleiben wir in Andacht stehen. Mitten im Walöesgrttn erheben sich alte jüdische Grabsteine, wunderbar erhalten und mit leicht lesbarer Schrift bedeckt. Es wird erzählt, daß um das Jahr 1000 der Schloßherr der Rheineckburg jüdischen Flüchtlingen und Bedrängten Obdach und Schutz gewährte, daß sie seine Leibeigenen wurden, und hier im Walhe ihre letzte Ruhe fanden. Erwähnen möchte ich, daß die Burg um das Jahr 1200 im Besitze der Erzbischöfe von Köln war. Von Nieüerbreisig aus lassen wir uns ans die andere Seite des Rheins übersetzen. Wir landen in H ö u n i n g e n. Unser Ziel gilt dem jüdischen Schlachter Levi, in dessen Hause seit dem 16. Jahrhundert, zwischen den Etagen ganz versteckt, eine kleine altehrwürdige Schul zu finden ist. So viel patriarchalisches im Originalzustand zeigt uns weder Worms noch Prag. Wir stehen vor kleinen Renaissanee-Betpulten, die noch mit handgeschmiebeten Eisenbändern, alten Schlössern und Original-Schlüffeln versehen sind. Die ganze Anlage spricht dafür, daß die Synagoge nur Eingeweihten auffindbar war, sie hängt sozusagen zwischen den Wohnräumen. Interessant ist der Renaissance-Kronleuchter, ferner die Jad und das Holzgitterchen zur Frauenschuh das nochmals stark mit Vorhängen versehen ist. Nun weiter nach Rheinbrohl. Dort bringt uns ein liebenswürdiger Freund in ein seit der frühen Renaissance von Juden bewohntes Haus. Unter dem Dach (damit es die Feinde nicht aufspürten) ist eine kleine Schul eingebaut. Sie gemahnt an den Ernst der Zeit, und obwohl heute nur die Umrisse noch stehen und von den alten Einrichtungen nur noch ein sehr primitiver, großer Chanukah-Leuchter, ferner das Gitter zur Frauenschul vorhanden sind, sowie die allerheiligste Lade, erinnert das Ganze an die Gefahren und Schrecken der Zeiten, unter denen unsere rheinischen Brüder vor vielen Jahrhunderten ihre Gebete verrichteten. Aus der Geschichte der Gemeinde Rheinbrohl erzählt man sich noch folgende Episode: Vor 100 Jahren hatte die altehrwürdige Synagoge, welche damals mitten im Ort stand, einen bösen, aber sehr machthabenden, antijüdisch eingestellten Nachbar. Letzterer war Gutsherr: der ganze Ort war sozusagen von ihm abhängig, infolge seiner großen Besitztümer! Er ließ die Gemeinde nicht in Frieden, und um die benachbarte Synagoge los zu werden, legte er rings um diese. Schweineställe. so daß die Jauche ins Gotteshaus drang. Die Glaubensbrüüer suchten unter diesem Druck Schutz und Hilfe beim Ras in Bonn. Dieser empfahl, das Gotteshaus sofort außerhalb des Ortes zu verlegen und das Heiligste mitzunehmen. Es entstand die heutige Synagoge nahe der Post. Den Platz zur heutigen Synagoge bekam die Gemeinde zur Zeit von der Ortsverwaltung unentgeltlich. Leider tragt diese Synagoge nicht mehr den Stempel der alten Zeit. Erhalten ist nur in der Frauenschul ein schöner Renaissance-Lüster. Aber mit dem Auszug der Gemeinde aus der alten Schul drehte sich das Schicksal des schlimmen Nachbarn. Alle Seuchen, alle Krankheiten, die im Orte ausbrachen, gingen von seinen Höfen aus. Es starben ihm in kurzer Reihenfolge alles Vieh, alle Kinder. Er selbst endete bettelarm,!m Armenhaus von Rheinbrohl und wurde auf Kosten des Ortes beerdigt. — Der Funke. (ScMußJ Viele lange Stunden war Amenophis gewandert. Immer beschwerlicher wurde der Weg; allmählich stieg das Land an und wurde öde und trostlos. Die Sonne, die den Knaben in der Frühe hinausgelockt hatte, brannte nun in starrem, unbarmherzigem Strahlcnmeer hernieder und ließ die unbewegte Luft in glühenden Wellen tanzen und erzittern. Der Himmel versank vor dem glutenden Leuchten in farbenlose Ferne. Einförmig deckte graubrauner Sand die in unablässiger Lohe verbrannte Gegend, drang in Schube und Gewand und wandelte das gelöste Schreiten in schmerzhaftes Vorwärtsmühen. Durst überfiel den wandernden Knaben wie ein wildes Tier; die Kehle war trocken, die Lippen sprangen auf zu brennenden Wunden. Einen Augenblick zu ruhen, setzte sich Amenophis nieder. Den Kopf barg er unter dem leichten Schulterj tuch und es war ihm, als wehe ^plötzlich ein barmherziger Wind und fächle Kühlung und Leben. i Als der Prinz erwachte, lag er, auf ein Schilfgeflecht gebettet, in einer ärmlichen Hütte. Erschrocken schaute er umher; mit starkem Willen zwang er die Erinnerung in sich zurück: Man mußte ihn draußen in dem ewigen Wüstenfeuer gefunden haben, um ihn hier dem Leben wiederzugeben. Wer war der Retter? Ein Mensch? Hauste in dieser einfachen Hütte, zwischen diesen derben Möbeln, zwischen den rohgeschnitzten, kunstlosen Geräten ein Mensch? War er in die Hände von Räubern gefallen, von denen man ihm in der Jugend erzählt hatte? Welche Zeit es nur war? Hatte der Schlaf im Sand lange gewährt? Harrte noch der Wagen am Denkmal des Vaters auf ihn? Würde er den Weg zurüekfindou? Tausend Gedanken strömten auf ihn zu. in einer Hast, als wollten sic das im Schlaf Versäumte nachholen . Er wollte sich erheben, die Glieder waren gelähmt und versagten den Dienst. Schreck fiel wie ein schweres, finsteres Tuch herab. Rufen, schreien! Auch die Stimme war geschwunden, ein tonloses Keuchen stöhnte durch den engen Raum. Im Ausschnitt der schmalen Tür. vor der schattenspendend ein Baum stehen mußte, erschien ein Greis. Fremdartig war das einfache Gewand, das ihn umhüllte. Ein weißer Bart deckte die breite Brust; dunkle Augen blickten klug und mild. Amenophis lächelte. Ein Räuber? Sicher nicht. Der Greis trat bedächtig näher, sah, daß der Kranke erwacht war und reichte ihm aus einem Tonkrug einen erfrischenden Trank kühler Milch. „Wo bin ich?'4 fragte stockend der Knabe. „Jn guter Hut“, antwortete schlicht der Greis. „Sage mir, ob . . Ein neuer Schwächeanfall ließ den Prinzen die Frage nicht vollenden. Der Alte legie gekühlte Tücher auf, zwan£ einen Schluck Wein dem Bewußtlosen zwischen die Zähne. Langsam nur kehrten die Sinne zurück. Als der Abend hereinbrach, vermochte Amenophis sich zu erheben und, gestützt von dem Einsiedler, vor die Hütte zu treten. Auf einer einfach gezimmerten Bank am Fuße einer uralten Palme ließen sich beide nieder. Amenophis sah sich im Grunde eines mäßig tiefen Tales, das, durchflossen von einem klaren Wasser, eine kleine und verborgene Oase in der Wüste bildete. Bi» zur halben Höhe des Berges zogen sich an beiden Hängen grünende Weiden. Wie ein funkelnder Edelstein im Wüstensand, dachte der Knabe. Und als hatte der Alte den Gedanken erraten, sprach er leise: „Dieses Wasser in der Wüste, das nie versiegt, ist mehr wert als alles edle Gestein des Königs.“ Amenophis wandte den Blick zu Boden. Ob der alte Mann wußte, wie sehr er recht hatte? Nicht der zehnfache Besitz an Gold und schimmernden Steinen hätte heute den Verschmachteten gerettet. „Wie heißt du?“ forschte der Prinz. Der Greis schien zu zögern. Dann sagte er langsam, als müsse er sich besinnen: „In der Wüste gibt es keine Namen. Einst hieß man mich: Bela, den Schreiber.“ „Wurdest du in der Wüste geboren? Hast immer in diesem Tal gelebt?“ „Nein. Vor vielen Jahren kam ich aus dem Unterland, vom Meer. Dort wohnen meine Brüder. Das Land Gosen ist ihnen eine Heimat geworden.“ „So bist du kein Aegypter?“ Der Alte hob die Hand und zeigte ostwärts über die Wüste, über den Nil. „Meine Vorfahren kamen von dort,“ gab er zur Antwort, „von dort, wo über dem Meer die Sonne auffeht. Sie kamen in das Land, da einer der ihren linister des Königs geworden war und ihnen Schutz verhieß und Lebensmöglichkeit.“ „Minister des Königs?“ „Es ist viele hundert t Jahre her, Joseph hieß der Mann in unsrer Sprache.“ Der Knabe senkte die Stirn in die Muscheln der Hände. „Ich las in einem alten Buch von einem Fremden, der die Zukunft zu deuten wußte und das Land bewahrte vor der Hungersnot,“ sagte der Knabe sinnend. „Er ist es!“ Der Alte erhob sich. „Er ist mein Vorfahre!“ Lange Zeit lag Schweigen zwischen dem Greis und dem Knaben. Jeder schien seinen Gedanken nachzuhängen, besorgt, sie dem andern zu verbergen. Amenophis sah Bela dem Schreiber voll ins Gesicht. Wie von einer plötzlichen Idee ergriffen. „Dann bist du der Hebräer einer?“ klang seine rasche Frage. Bela stutzte und erschrak. Wie wußte der Knabe von den längst vergangenen und im Aegyptenland vergessenen Dingen? „Wer bist du, daß du das weißt?“ fragte er zurück. Amenophis stand auf von seinem Sitz und trat auf den Alten zu. „Fürchte nichts. Hoffe vielleicht! Wer ich bin? Ein verirrter Knabe!“ „Du mußt mehr sein? Bist du der Großen de« Königs einer?1' beharrte der Greis. Amenophis legte beide Hände auf seine Schulter». Leise, wie ein verstohlenes Flüstern stählen sich di« Worte aus seinem Munde: „Glaubst du an die Götter? An Horns, an Osiris und Isis, an Anubis, an Toth? Glaubst du an Ammon, den Furchtbaren?" Bela erzitterte. Ein Fanatiker des Ammon? Ein Verräter? Tief senkte er den Blick der dunklen Augen in die des Jünglings und wußte, daß er — — — einen Suchenden vor sich hatte. „Nein, du Wißbegieriger! Deine Götter kenne ich nicht!“, sprach er laut und bestimmt. Leiser Widerhall scholl im Tal. „Du glaubst an keinen Gott?“ Der Alte löste sich aus der Umklammerung des Knaben und hob die Hände ausgebreitet gegen den grünblauen, in überirdischem Licht schimmernden Nachthimmel: „Ich glaube. Aber ich glaube an einen Gottl“- Wie ein Schrei stieß das Wort in die Stille. Wankenden Schrittes ging Amenophis zur Bank zurück, Bela an der Hand nachziehend. Als sie nebeneinander saßen, begann er, und es tönte wie das Singen eines nächtlichen Zaubervogels: „Wisse, du Weiser, daß ich der Sohn des Königs bin, der Erbe von Ober- und Unterägypten! — Lange forschte ich nach Wahrheit, da ich au den Göttern verzweifelte, die man in Theben verehrt. Es sind Blutgötter, Götter, die zum Eigennutz der Falschen erdacht sind. Wahre Götter müssen anders sein. — Nun fand ich bei dir in der Wüste, was ich vergeblich suchte in tausend Büchern. Das ist die Wahrheit: Ein Gott ist, einer allein. Und er ist gut. — Wie die Sonne allein ist in strahlender Majestät, so ist ein Gott allein, zu herrschen über Welt und Mensch. — Ich werde ihn verkünden, den einzigen Gott und werde die Bilder der Blutgierigen stürzen!“ Mit einem wilden Schrei schnellte der Jüngling hoch. Und — stürzte zuckend zusammen im Krampf. Bebend trug ihn Bela auf das Lager. Am folgenden Abend fanden die Truppen, die auf der Suche nach dem Königssohn waren, Amenophis in der Wüste nordwärts wandern und brachten ihn seiner Mutter zurück. Als wenige Jahre später, nach dem Tode seines \aters, Amenophis der Vierte sich die Krone von Ober¬ und Unterägypten aufs Haupt setzte, stürzte er die Herrschaft der Vielgötter mit unbeschreiblicher Ausdauer und unbegreiflicher Kraft. Seinen Namen, der ihn an den verhaßten Ammon erinnerte, legte er ab und nannte sich fortan Echun-Aton. — Aton, den einzigen Gott, den er verkündigte mit der ganzen Reinheit seines Herzens und dem er Achet-Aton, die Stadt „Horizont des Aton“ erbaute, sah er versinnbildlicht im Glanz der Sonnenscheibe. Der Funke aber zu seinem Glauben an den E inen flog zündend in sein Herz in jener Nacht, da er mit Bela sprach, dem Schreiber aus dem Stamme Josephs des Hebräers . . . Kalendarium für die Zeit vom 3». 7.d. 6.8.1927 Juli 1927 Ab 8887 Sonnabend 30 Sonntag <81 August 1927 Montag 1 Dienstag 2 Mittwoch 8 Donnerstag 4 Freitag 5 Sonnabend 6 1. Wochenabschnitt: Massei Hastarah: Jeremla 8,4—28; 3.4; 4,1 it. 2 2. 8. 4. 5. 6. 7. 8. Sabbat Ehaion Wochenabschnitt: D'worim Haftarah: Jesair 1,1—27 Sabbat-AuSgang: 8,41 Uhr