Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 30 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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?. Jahrgang . Nummer 30 Beilage 29. Juli 1927 Der Papst gegen den Antisemitismus. Eine päpstliche Enzyklika über die Judenfrage erwartet. Der bekannte katholische Publizist Kaplan Franz Rödol- München veröffentlicht in den „Abwehrblättern" eine Betrachtung über die Stellung der vatikanischen Kreise zur Frage der Bekämpfung des Antisemitismus. Als Mitglieder internationalen katholischen Gesellschaft „Amici Israel" bezeichnet er als Hauptzweck dieser Vereinigung ,chie Mtivisierung des Evangeliums und seines Geistes, weil nur so das Judentum richtig verstanden und allen judengegnerischen Maßnahmen ein wirksamer Damm entgegengesetzt werden kann." Er hebt hervor, daß die Gesellschaft nur für Geistliche da ist, also nur Geistliche der katholischen Kirche zu ihren Mitgliedern zählt uwd nur solche aus nimmt. Es hat sich manchesmal eine Unklarheit über die Stellung des päpstlichen Stuhles zur Judenfrage ergeben, weil auch in dem offiziellen Blatt des Vatikans, dem „Osservatore Romano" hin und wieder judengegnerische Meinungen zn lesen waren. Die päpstliche Presse-Stelle, meint Kaplan Rödel, repräsentiere aber nicht die „Kirche". Mit dem Auftreten der Amici Israel ward auch das anders, ihr Einfluß wachte auch vor den römischen Redakt ionsstuiben nicht Halt, so ergab sich die völlige Umstellung und gerechte Würdigung von Judentum und jüdischen Fragen. lieber die Stellung des Papstes zum Antisemitismus schreibt Kaplan Rödel: „Wie Pius XI. selbst über den Antisemitismus denkt, hat er ja seiner Zeit bei der Audienz an die Gründer der Amici Israel erklärt, wo er ausdrücklich auf Hie Verwerflichkeit und Unvereinbarkeit des Antisemitismms mit dem Christentum hinwies. Bislang blieb das die einzige päpstliche Kundgebung in dieser Sache, doch kann gesagt werden, daß der Papst mit großem Interesse die Weiterentwicklung der Amici Israel verfolgt. Die Amici Israel selbst arbeiten in Ruhe und Gründlichkeit weiter bis zu dem Zeitpunkt, wo sie mit einer großen Anzahl von bischöflichen und priesterlichen Mitgliedern vor den Papst hintreten können. Und dieser Zeitpunkt wird es auch sein, der daun dazu benutzt wird, eine offizielle päpstliche Kundgebung über die Judenfrage, etwa in Form einer Enzyklika zu erwirken. Auch das ist nichts neues im Rahmen des römischen Katholizismus. Denn als das vatikanische Konzil 1863/70 in Rom tagte, hatten es die beiden Brüder Lehmann, zwei jüdische Konvertiten und nachmalige katholische Priester, unternommen. eine Sammel schritt zur In de ns rage abzufassen und hatten dafür auch bereits an die 500 Unterschriften von Kardinalen und Bischöfe gesammelt. Von diesem Plane mußte damals Abstand genommen werden, weil in dieser Frage sich eine größere Mehrheit zu ergeben schien als in anderen vordringlichen Fragen. Das Werk der Amici Israel wird den Lehmannschen Gedanken wieder ausgreifen und zur glücklichen Vollendung führen." Der Aussatz schließt: „Auf alle Falle kann die Gesellschaft der „Amici Israel" nach außen hin Roms Standpunkt in der Judenfrage aufs schärfste dokumentieren und wird cs auch zweifellos tun. Sie wird es sein, die die römische Auffassung in dieser Sache in die Tat umsetzt, falsche Meinungen nach dieser Richtung hin zunichte macht, ein Segen für Juden Me für Christen. Und meine persönliche Meinung geht dahin. daß dies der einzig gangbare Weg fein wird, wie ihn die Amici Israel suchen. Solange wir den Antisemitismus 3haben mit seinen krassen und rohen Auswüchsen, solange ist die Einigung unseres Volkes unmöglich, solange bleibt di Volksgemeinschaft nur eine Phrase, ein Schlagwort. Ist auch 'das Gepräge der Amici Israel ein mehr internationales, die Wirkung ihrer Tätigkeit vermag doch auch das nationale Leben zu befruchten und direkt vaterländische Arbeit zu leisten, patriae unitati, civium libertati." (Jla.) folgen der Wiener Anruhen. Wien, 22. Juli. (J.T. A.) Bes dem Brande im Wiener Justizpalast wurden .Hunderttausende Akten und Dokumente jüdischen Inhalts von außerordentlich historischem Wert vernichtet. Erst in den letzten Jahren begannen jüdische Historiker mit der Sichtung dieses Materials, das ungefähr sechs Millionen Aktenstücke umfaßte,' der größte Teil blieb undurchforscht und ging nun der jüdischen Geschichtswertung verloren. In den Archiven des niedergebrannten Justizpalastes befanden sich n. a. folgende jüdische Materialien: alle Dokumente betreffend die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina in den Jahren 1772 bis 1880das gesamte Aktenmaterial betreffend die Juden Mährens, Böhmens, Schlesiens, Transsylvaniens, sowie aller österreichischen Urprovinzen einschließlich Wiens der letzten vier Jahrhunderte. Historisch sehr bedeutsam waren die Akten des einstigen »Judenamtes" aus der Toleranzzeit. Ferner wurden vernichtet die Dokumente der jüdischen Geschichte in Benetien und den übrigen einst von Oesterreich beherrschten italienischen Provinzen, sowie sehr viele jüdische Dokumente aus den Archiven der alten kaiserlichen Hauptkanzleien, der Vorläufer der späteren Ministerien. Vernichtet wurden die geheimen Polizeiarchive Josef II., die zahlreichen Geheimberichte über historisch-jüdische Persönlichkeiten, Sekten und politisch-religiöse, sowie kulturelle Bewegungen im österreichischen Judentum, sowie alle Ministervatsprotokolle über wichtig jüdische Angelegenheiten seit 1846! alle Referate der Provinzstadthalter über die Lage der Juden uwd ihre berufliche Schichtung. Wien. 22. Juli. (J.T.A.) Wie aus dem Friedhossamt der Israelitischen Kulturgemeinde mitgeteilt wird, sind dort bisher drei jüdische Opfer des Aufruhrs gemeldet worden, und zwar: Emil Koppstcin, 26 Jahre alt, Schlosser: Arthur Kreisky, Kaufmann, und Jakob Jellinek. Jüdische Trauer um König Ferdinand von Rumänien. Bukarest. 24. Juli (I. T. A>). Das Testament des verstorbenen Königs Ferdinand von Rumänien wurde gestern geöffnet. Der König hat für Wohlfahrtszwecke 30 Millionen Lei hinterlassen, darunter auch einen Beitrag für jüdische Synagogen. Diese testamentarische Bestimmung des Königs hat aus die jüdische Bevölkerung des Landes einen tiefen Eindruck gemacht. Die Bukarester jüdische Gemeinde hat eine Kundgebung an die jüdische Bevölkerung erlassen, in der es heißt: Der große und ruhmvolle König, der erste Herrscher des vereinigten Rumäniens, ist gestorben. Unser großer Protektor, der unsere Bestrebungen nach bürgerlicher Gleichberechtigung erfüllt hat. weilt nicht mehr unter den Lebenden. Er war der erste, der unsere Opfer auf dem Schllachffelde gewürdigt hat. Heute, da das ganze Volk seinen Tod beklagt, erinnert sich die jüdische Bevölkerung, daß sie in den schweren Tagen aus seinem Munde das erste Wort der Gerechtigkeit und des Trostes gehört hat. Die Uni an rumän rischer Inden hat an die königliche LarnWe ein KonövLeM-D^esramw geschickt. Am gestrigen MsschÄerchZeilmg Sonnabend wurden in allen Synagogen Rumäniens Tranerandachten abgehaltcn. Die Zionistische Organisation Rumäniens hat beschlossen. d-n Verstorbenen König rn das Goldene Buch des Jüdischen Nationalsonds eintragen zu lasten. Die Organisation hat ferner an die Königin Maria und an den Premier Bratiarm Kond oleuztelegramme geschickt. Der K. C. Tag. Die Vorgänge auf dem Deutschen Studententag in Würzburg haben besonders die jüdische Oeffentlichkeit in starkem Maße aus die Zustände an den deutschen Universitäten gelenkt. In starkem innerem Zusammenhang mit der Würzburger Tagung werden auch die Beratungen des 25. ordentlichen K. C.-Tages ldes Äartell-Couvents der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) in Freiburg stehen, der in der Zeit vom 29. Juli bis 1. August stattfindet. Gleichzeitig werden in Freiburg zum 7. Male die Meisterschaften des Verbandes auf dom K. C.-Sportsest zur Austragung gelangen. Von den Kar tellko rpo r at ioue n aus allen Teilen des Reiches sind über hundert Meldungen abgegeben worden, darunter auch von einer Anzahl siegreicher Teilnehmer au einzelne» Hochschülmeisterschasten. Im Mittelpunkt der sportlichen Wettkämpfe stehen die olympische Staffel mit dem Wanderpreis des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und die Fonstballwettspiele um den Bruno Goldstein-Erinnerungspreis. Es gelangen auch in diesem Jahre zum ersten Male die Tennismeisterschaften zur Austragung. Das Erdbeben in Palästina. Die Reichsanstalt für Erdbebenforschung in Jena teilt mit: Das Erdbeben in Palästina vom 11. Juni bedeutete insofern eine Ueher raschung, als in Palästina derartige schwere Beben seit Beginn der christlichen Zeitrechnung nicht mehr ausgetreten sein dürften. Die nicht seltenen Erdbeben Palästinas, etwa vier im Jahresdurchschnitt, sind meistens schwach. Die uns sonst zahlreich überlieferten schweren Beben beschränkten sich aus den Norden, also Syrien, wo Antiochia und Aleppo am schwersten und am häufigsten heimgesucht worden sind. Die letzten schweren Beben in jener Gegend, mit Schüttergebieten bis zu 1500 Kilometer Länge, haben am 3. April und 5. August 1872, sowie am 9. Januar 1873 stattgesunden. Die übrigen im Lause der Geschichte als zerstört gemeldeten Städte liegen teils an der Küste, teils im Talzuge des Nähr ol Asi (Orontes) und des Jordan. Von der Wirkung der Evdstößc zeugen vor allem die Ruinen von Baalbek (Heliopolish von Babbath Ammon und von Todmur (Palmyra). Die bis jetzt vorliegenden Nachrichten über das jüngste Beben lassen zwar eine genaue Bestimmung seines Herdes nicht zn. Jedoch deutet alles darauf hin, daß diesmal das Beben vom Toten Meer ausgegaugen ist. Diese Ansammlung konzentrierten Salzwassers nimmt die tiefste Stelle der Erdrinde ein .denn ihr Spiegel liegt 364 Meter unter demjenigen des Mittelländischen Meeres. Sie ist. durch Einbruch der Erdrinde in geologisch jüngster Zeit entstanden. und die letzte damit verbundene Katastrophe war gegen Ende der Steinzeit der Untergang von Sodom und Gomorrah gewesen, deren Stätte heute von der Südbucht Scbcha des Toten Meeres eingenommen werden dürfte. 5üttt dem letzten Erdbeben waren keinerlei vulkanische Vorgänge verbunden. Die Ursache sind Schollenverschiebungen in der Bruchzone des Toten Meeres, wobei die mit ihren rauhen Bruchründern aneinander reibenden Felsschollen die Schwingungen der Erdbebenwellen erzeugen. Es handelt sich also, wie bei allen Erdbeben in dieser Gegend, um sogenannte Tektonische oder Dislokations-Beben. (Jta.) ReueZorschungsergebnissezurbiblischenGeschichle Bei Ausgrabungen des Direktors der englischen Schule für Altertumskunde in Jerusalem wurden außerhalb der Mauern von Jerusalem. 40 Fuß unter der Erdoberfläche, Teile von 22 Fuß dicken Mauern, die anscheinend dem makkabäischen Zeitalter angehören, gefunden. Die beiden Mauern bilden ein Tor, und man nimmt an, daß es sich um den Eingang zur Festung Akra handelt, die im Jahre 168 v. Chr. von dem jüdischen König Antiochus Epiphanes für die Angehörigen der Garnison gebaut wurde und im ersten Buch der Makkabäer erwähnt wird. Die weitere Entdeckung von 300 Münzen aus der Zeit Alexander Aenuaeus', ungefähr 19 v. Ehr., bestätigt diese Ansicht. Nach einem Bericht aus Jerusalem erklären Geologen die Rauchsäulen, die in der Nähe von Zerka am Nvrdostufer des Toten Meeres aufsteigeu, für Gas. das aus den Tiefen der Erde infolge der durch das letzte Erdbeben hervorgeruscnen Risse hervvrdringt. Die Beobachtung dieser Erscheinung wird zur Erklärung einer Episode der biblischen Geschichte verwertet. Man nimmt an, daß es solche Rauchsäulen waren, die Abraham erblickte, als er von Hebron herüberschaute und die Zerstörung von Sodom und Gomorrah beobachtete. Es gibt jetzt eine ganze Anzahl von Stellen an den Küsten des Toten Meeres, an denen Gase aus Erdrissen steigen. Sitzung des Jewish Board os Depuiies. Entschiedene Ablehnung einer Teilnahme an der nationaljüdischen Nechtsschntzkonferenz. London, 25. Juli (I. T. A.) Zu Beginn der gestrigen Sitzung des Jewish Board of Deputies teilte der Präsident O. E. d'Avigdvr Goldsmid mit, daß das Foreign Appeals Committee im Nameu des Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association in diesen Tagen einen Aufruf zur Unterstützung der Erdbeben - Geschädigten in Palästina erlassen werde. Es wurden bereits 250 £ an den stellvertretenden Oberkvmmissar von Palästina gesandt, weitere 780 £ folgen demnächst. Es sollen Schritte ergriffen werden, mit der Zionistischen Organisation, die ebenfalls für die Erdbeben-Opfer sammelt, ins Benehmen zn kommen, um ein Gegeneinander zu vermeiden. Herr Lucien Wolf erstattete den Bericht des Joint Foreign Committee, in welchem festgestellt wird, daß zum erstenmal seit vielen Monaten über Angriffe auf Juden in Rumänien keine Mitteilungen vorliegen. Bon der Politik der gegenwärtigen Regierung, in welcher Staatsmänner sitzen, sei eine Besserung der Lage der Juden in Rumänien zu erwarten. Der Board möge sein Beileid der königlichen Familie aus Anlaß des Ablebens des Königs, der für Frieden gekämpft hat, zum Ausdruck bringen. Die neue Regierung unterhält zu den Vertretern der jüdischen Gemeinde herzliche Beziehungen. Die antisemitische Partei ist in der neuen Kammer nicht vertreten und durch innere Zwistigkeiten vollkommen zerrüttet. Der Board of Deputies beschäftigte sich sodann mit der vom Komitee für jüdische Delegationen in Paris und dem Amerikanisch-jüdischen Kongreß ergangenen Einladung, sich an der im Monat August in Zürich statffindenden Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte zu beteiligen. Der Board erklärte sich mit dem vom Joint Foreign Committee abgefaßten Antwortschreiben, in welchem eine Teilnahme abge -- lehnt wird, einverstanden. In diesem Schreiben wird ausgesührt: Das Joint Foreign Committee und die Organisationen, als deren Organ es funktioniert, nämlich die Anglo-Jewish Association und der Jewish Board of Deputies. vertreten die jüdischen Gemeinden des British Empire, und es ist für sie deshalb unmöglich, nach irgendeiner Richtung hin ein Opfer ihrer Unabhängigkeit zu bringen. Wo es sich um den Schutz von Rechten der jüdischen Minderheiten in Ost- und Südosteuropa handelt, muß sich das Komitee mit der englischen Regierung wegen einer richtigen Interpretation und Anwendung der internationalen Verträge wenden, i indem ja Großbritannien Mitunterzeichner dieser Verträge ist. Diese Aufgabe kann das Joint Foreign Committee nicht mit einer fremden Körperschaft teilen, die mit den britischen Methoden und dem britischen Gesichtspunkt in solchen Kragen nicht vertraut ist. Wenn das Joint Foreign Committee an den Völkerbund hinsichtlich des Schutzes der Minderheitsverträge herantritt, so tut es dies als eine repräsentative britische Körperschaft, was in der Sicherung und der wirksamen Durchführung der Minderheitsverträge als ein Aktivnm von nicht zu unterschätzender Bedeutung zu buchen ist. Aus diesen Gründen ist das Joint Foreign Committee nicht in der Lage, dem vorgeschlagenen internationalen Zentralkomitee beizutreten, noch sich in irgendeiner Weise dieser Körperschaft unterzuordnen. Es muß selbst darüber bestimmen können, welche Vorkommnisse Anlaß zur Intervention geben und welche Methoden zur Anwendung kommen müßten, um eine solche Intervention erfolgreich zu gestalten. Das Komitee hält es für seine Pflicht, sich mit jenen Minderheiten, in deren Namen es austritt. ins Benehmen zu setzen; nur in seltenen Ausnahmesällen geschieht es, daß das Joint Foreign Comittee ohne einen direkten Auftrag der in ihrem Rechte beeinträchtigten Minderheit einschveitet. Dies die Gründe, weshalb das Joint Foreign Committee und die Organisationen, deren Organ es ist, die Einladung zur Teilnahme an der Rechtsschutzkonserenz ablehnen muß. In dem Brief wivd energisch der in dem Einladungsschreiben ausgestellten Beharrptnng entgegengetreten, baß die Verteidigung der Rechte der jüdischen Minderheiten durch „isolierte und oft einander widersprechende Interventionen" seitens zahlreicher jüdischer lokaler Organisationen gelitten hat. Nichts dergleichen sei geschehen. Das britische Joint Foreign Committee hat immer im Einvernehmen mit anderen großen jüdischen Organisationen, wie der Alliance Jsraälitc Universelle, der Jewish Colonisation Association, dem Hilfsvereiu der Deutschen Juden, der Union deutschösterreichischer Juden und selbst auch dem Amerikanisch- Jüdischen Kongreß gehandelt, wobei die zu bekämpfenden Mißstände erfolgreich beseitigt wurden, ohne daß eine -er mitgehenden Gesellschaften irgendeine Einbuße an ihrer Unabhängigkeit hat erleiden müssen. Das Joint Foreign Committee wird sich glücklich schätzen, dieses System freundschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften, wann immer sich die Notwendigkeit dazu ergibt, fortsetzen zn können. Und wann immer das Comit6 de Delegation jutveS und der American Jewish Cvugreß das Bedürfnis habest sollten, an das Joint Foreign Committee mit Vorschläge« heranzutreten, können sie des herzlichsten Willkommens sicher sein. In der darauffolgenden Diskussion sagte Herr Lneien Wolf, die Beteiligung an einem Internationalen Komttee würde einem Selbstmord gleichkommen. Es sei vollkommen unmöglich, sich unter die Kontrolle einer anderen Körperschaft zu stellen. Das Joint Foreign Committee konnte bisher der Unterstützung seitens der britischen Regierung gewiß sein. Ein internationales Komitee würde keine Regierung haben, in deren Namen es auftreten könnte. Zu bedenken sei auch, daß Amerika dem Völkerbund nicht angehört und daß der American Jewish Congreß es schwierig haben würde, an einer Intervention teilzunehmeri. Die Alliance Jsraclite Universelle, der .Hilfsverein der Deutschen Juden, das American Jewish Committee, deren Präsident Louis Marshall ist, sowie die Gemeinde russischer Inden in Paris, die vom Advokaten Sliosberg geleitet wird, haben bereits die Einladung zur Teilnahme an der Züricher Konferenz zurückgewiesen. Es seien zu der Konferenz Körperschaften mit extrem revolutionären Ideen eingeladen worden, deren Mitarbeit schädlich sein und das Joint Foreign Committee kompromittieren könnte. Chefredakteur Morris Myer führte aus, Herr Lucien Wolf habe nicht im Geiste des Joint Foreign Committee gesprochen. Man habe zwar beschlossen, der Konferenz fernzubleiben, aber nicht gegen sie zn sprechen. Alle Länder, in denen Juden unterdrückt werden, werden in Zürich vertreten sein. Ueberall dort wird die Notwendigkeit des Bestehens einer zentralen Körperschaft empfunden. Die Entsendung eines inoffiziellen Vertreters zum Kongreß würde von Nutzen sein. — Der Vorsitzende d'Avigdor Goldsmid stimmte den Ausführungen Lucien Wolfs bei. Aus den Gemeinden Baden-Baden. (Moritz M i n k o wfk y - Ausft ellung.) In Baden-Baden ist gegenwärtia eine Ausstellung des begabten jüdischen Malers Moritz Minkowsky zu sehen, dessen Werke anläßlich einer Ausstellung seiner Bilder in Düsseldorf in deutschen Kunstkreisen viel Beachtung gefunden haben. Die meiste Aufmerksamkeit erregen seine Bilder „Königin Esther". „Nach dem Pogrom", „Der Talmudist", „Die Synagoge von Tolna" u. v. a. Im kommenden Winter wird auch in Berlin eine Minkowsky-Ausstellung zu sehen sein. Von Berlin begibt sich der Künstler zu Studienzwecken nach Palästina. Berlin. (Berichtigung.) Für den verstorbenen Justizrat Sonnenfeld zieht nicht, wie irrtümlich in unserer Nummer 37 mitgeteilt wurde. Herr Stadtrat Herzberg in die Berliner Repräsentantenversammlung ein. sondern Dr. Kurt Fleischer. Darmstadt. (Jüdisches im Lanöesmuseum.) Im Anschluß an die historische Ausstellung dieses Sommers „Alte Kunst am Mittelrhein" ist nunmehr auch eine jüdische Abteilung eröffnet worden, welche jüdische Kunstwerke des Mittelalters und Abbildungen nach solchen aus dem Gebiet zwischen Worms und Koblenz u-msatzt. Am interessantesten ist eine Reihe kostbarer Handschriften des 19. bis 15. Jahrhunderts, neben dem berühmten Machsor aus der Wormser Synagoge, zwei Machsorim mit Miniaturen, zwei hebräische Bibeln um 1800, ein Psalter und vor allem die älteste Niederschrift der Minhaqim von Jacob Levi aus der Krankjurter StadibBliotheL.