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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-07-29 · 30 (29.7.1927) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
30 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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auch Lurch Lie gemeinschaftliche Erziehung jü-ismer und nichtjüdischer Kinder zur Uebevbrückung der Gegensätze in der deutschen Volksgemeinschaft beizutragen hofft. Dennoch muß es aus Gründen der Gleichberechtigung auch vom Standpunkt des liberalen Juden aus begrüßt wer-em daß -er Entwurf die Parität der drei in Krage Lammenden Bekenntnisse beachtet und neben -er evangelischen und katholischen Volksschule gleichberechtigt ungleichwertig die jüdi- - sche Volksschule erwähnt*). Die Bekenntnisschule dient nach Lern Entwurf zur Aufnahme von Bindern eines bestimmten Bekenntnisses/ doch können aus besonderen Gründen auch andere Kinder eingeschult werden. Sie erfüllt die Unterrichts- und Erziehungsaufgaben Ler deutschen Volksschule gemäß dem Glauben, in dem die Kinder erzogen werden. Lehrpläne, LehrunL Lernbücher sind der Eigenart der Schule anzupassen. Im Leben der Schule sind die dem Bekenntnis eigenen religiösen Uebungen und Gebräuche zu pflegen und die dem Bekenntnis eigenen Feier- und Gedenktage zu berücksichtigen. Nur solche Lehrkräfte dürfen an ihr hauptamtlich angestellt werden, die dem Bekenntnis der Kinder, für ivelche die Schule bestimmt ist, oder einem verwandten Bekenntnis angehören. Die Einrichtung sämtlicher Schulformen des Entwurfs, und somit auch der jüdischen Volksschule, erfolgt aus Antrag von crziehungsberechtigten Reichsangehörigen durch die Gemeinden. Unter Gemeinden sind dabei die öffentlichen Verbände zu verstehen, die zur Errichtung und Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen fiir die ihnen zugewiesenen Einwohner bestimmt sind. Damit wird hoffentlich der Streit -er jüdischen Parteien über die jüdische Schule in den jüdischen Gemeindeverwaltungen ein Ende finden. Den zionistischen Phrasen von der jüdischen Schule aber dürfte durch den Entwurf gleichfalls ein Ende bereitet sein. Einmal, weil hier die jüdische Volksschule ganz klar nur als religiöse Bekenntnisschule anerkannt wird, dann aber, weil als Aufgabe aller deutschen Volksschulen, also auch der jiddischen Volksschule, bestimmt wird: „Alle deutschen Volksschulen haben die gemeinsame Ausgabe, die schulpflichtige Jugend durch Unterricht auf der Grundlage des deutschen Kulturguts zu körperlicher nnd geistiger Tüchtigkeit heranzubilöen nnd sie in Unterstützung, Ergänzung und Fortführung der elterlicher: Erziehung zu sittlich wertvollen Menschen und zu Staatsbürgern zu erziehen, die fähig und bereit sind, der deutschen Volksgemeinschaft zu dienen." Das: der d e n t s ch nationale Innenminister' eine solche Ausgabe auch für die jüdische Volksschule für möglich hält, darf uns mit besonderer Genugtuung erfüllen. In der kürzlich unter dem Titel „Deutsche Rasseuangst" erschienenen Biologie des deutschen Antisemitismus" bespricht der Verfasser, Dr. Michael Müller- Claudius, in einem Abschnitt „Tragödie zwischen Kind und Raffe" das Leben des jüdischen Kindes in der nichtjüdifchen Umwelt. Dort heißt es: „Darum ist allzu oft die jüdische Kindheit eine andere Kindheit als die unsere. Eine erschütterte Kindheit, eine umschattete Kindheit, eine Kindheit, in die Leid hineiriblutet, das wir nie erfuhren und dem wir deshalb fremd bleiben mußte;, — wiewohl es von uns kam. *) Es würde zu weit führen, wenn in diesem Aufsatz auch noch auf die Bestimmungen über Schulaufsicht und Schulverwaltung sowie über den Neligionsuntericht eingogangcu werden sollte. Auch hierbei werden der jüdischen Religionsgemeinschaft gleiche Rechte wie den übrigen Bekenntnissen eingeräumt. Die Bestimmungen über den Religionsunterricht für Bekenntniönrinderheiteii in Gemeinschafts- und B-ekenntnisschnlen müssen als tolerant angesprochen werden. Im Einklang mit Art. 148 der Reichsverfassung bestimmt der Entwurf noch ausdrücklich, -atz in allen Volksschulen darauf Bedacht zu nehmen ist, daß die Empfindungen Andersdenkender nicht verletzt werden. Wenn wir von Scheidung reden: was trennt den Juden mehr von uns: die Rasse — oder die andere Kindheit, diese Kindheit mit der Saat -es Leides, die wächst und groß wird, die wir nicht in uns tragen, und die wir in den Juden gesät und ein gegraben haben? Wer ermißt die formende Gewalt dieses Leides? Und wer darf es auf sein Gewissen nehmen, Rasfenpsycholoaie, Rassenabgrenzung und Rassenpolitik zu treiben — ohne dies Wissen: daß nicht nur Rassen trennen können, sondern nicht minder die Leidenserlebnisse der Kindheit?" In diesen Sätzen liegt die letzte und zugleich tiefste Frage, die der Entwurf des Reichsschnlgesetzes uns zu beantworten aufgibt. Wird er eine Generation erziehen helfen, deren Kinder unseren Kindern dieses Leid nicht mehr bereiten werden, die mit unseren Kindern trotz der Verschiedenheit des Bekenntnisses wahre Kameraden sein werden? Wir zweifeln, doch wir wollen hoffen. Bruno Woyda. Religiöse Anschauung. Von Professor Dr. E u gen Wölbe. Die neuen Richtlinien für den Unterrichtsbetrieb an den höheren Schulen gewähren der religiösen Unterweisung den breiten Raum, den sie beanspruchen darf. Ihr Zweck ist die Erziehung zur sittlichen Persönlichkeit: als Mittel zur Erweckung eines diesen Zweck fördernden religiösen Sinnes wird der gemeinsame Besuch von Gotteshäusern, Friedhöfen, Allertumssammlungen und sozialen Gemeindeeinrichtungen empföhle;:. Die jüdische Jugend der Großstädte hat vielerlei Möglichkeiten zur Verfügung, diesen Zweig des Religionsunterrichts zu pflegen. Keine Gemeinde bietet so reiches Anschauungsmaterial wie Berlin mit seinen vielen Synagogen, Friedhöfen, mit seinem Jüdischen Museum und anderen Erinnerungsstätten von jüdischem Interesse. Da der jüdische Religionslehrer die unabiweisliche Pflicht hat, in seinem Unterricht alle religiösen Richtungen innerhalb des deutschen Judentums objektiv zu würdigen, ohne eine von ihnen herabzusetzen — der aufmerksame Zögling wird die religiöse Einstellung des Lehrers doch heraushören! — so steht er auch den religiösen Einrichtungen der Gemeinde objektiv gegenüber und führt sie seinen Schülern pietätvoll vor Augen. Zu Besuchen dieser Art findet sich im Laufe des Schuljahres Zeit genug. Oft sind am Sonnabend vormittags Schulfeiern, die um 8 Uhr beginnen und kaum eine Stunde dauern. Demgemäß kann der Lehrer mit seinen Schülern um 10 Uhr pünktlich zum Gottesdienst erscheinen. Da außerdem fast alle Ferien Freitags beginnen, so kann der folgende Tag ganz begnem zum gemeinsamen Besuch einer Synagoge verwendet werden. Daß sich au diesem ersten Ferientage hier und da ein Schiller von einem solchen Anschauungsunterricht „drückt" ist nicht zn verwundern, denn wenn je, so ist in der religiösen Unterweisung jeder Zwang verpönt. Im allgemeinen haben sich meine Schüler an diesen Besichtigungen gern und mit sichtlichem Interesse beteiligt. Da besuchten wir die Synagoge zu P o t s d a m. Der herrliche Tempel, der wie eine fürstliche Schloßkapelle anmutet, machte ans die Schüler einen tiefen Eindruck. Namentlich interessierte sie der voll Friedrich dem Großen gestiftete preußische Adler mit gekreuzten blinkenden Schwertern, der von der Orgelbühne herabgrüßt. Rabbiner Dr. Schreiber segnete mit einer längeren, zn Herzen gehenden Ansprache einen Barmizwahknaben ein, welchen Oberkantor Guttmann mit einem feierlichen „Boruch habo" begrüßte. Nach dem — durchweg hebräischen — Gottesdienst besuchten wir das Mausoleum unseres unvergeßlichen Kaiser Friedrichs sowie die Gärten von Sanssouci. Ein Sonntagvormittag ward dem Tempel der! Refo rm-g e m e i n d e gewidmet. Gewiß, die fast ausschließlich deutsche Liturgie hat im ersten Augenblick. die hauptsächlich aus traditionell gerichteten Familien starnmen-en jungen Leute befremdet; aber die Thoravorlesung, dtze Predigt und der weihevolle, stärker als je zuvor mit traditionellen Melodien üurchwebte Gesang zeigten ihnen, daß auch diese Form der Gottesverehrung einen durchaus jüdischen Kern birgt, -er Erbauung weckt und zum Herzen spricht. Der Rest des Vormittages wurde zu einem Besuch Ler Grabstätte unseres großen Führers Moses Mendelssohn verwendet, dessen Leben und Wirken kurz zuvor Gegenstand unseres Unterrichts gewesen war. Zu Linern Besuch der jüdischen Gemeindebibliothek sowie des Jüdischen Museums genügte ein Stündchen. Hier interessierte meine Schüler vor allem Ler Vorhang, welchen König Friedrich Wilhelm I. als Spende bei seinem Besuch im Tempel Heidereutergasse anläßlich der Einweihung im September 1714 mitgebracht hatte. In die kostbare Gobelrnarbeit ist in lateinischer und deutscher Sprache der Spruch „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang" eingestickt. Um aber diesem schönen Knltusgegenstande auch ein jüdisches Gepräge zu gehe», haben die damaligen Empfänger in hebräischen Gold- Luchstabell die Inschrift angebracht: „Es lebe unser Herr, der König Friedrich Wilhelm!" Auch der Besuch dieser Alten Synagoge baute sich auf Besprechungen in den vorangegangenen Religionsstunden auf, welchen die Geschichte der Juden in Berlin und in der Mark Brandenburg zugrunde lag. Bekanntlich hatten Eifersüchteleien der Familien Liebmann und Magnus unter dem Druck des durch die drohende Veröffentlichung von Eisenmengers Schandschrist „Entdecktes Judentum" zn befürchtenden Judenhasses zur Einigkeit innerhalb der Berliner Iudenschaft und als deren Ausdruck zum Bau dieses schönen Gotteshauses geführt. Jetzt durften die Knaben diesen Tempel betreten. Im Anschluß an den Gottesdienst in der Alten Synagoge besuchten wir das Berliner Ghetto. Feierliche Stille herrschte in der Grenadierstraße. Geschlossen waren die Geschäfte ideren hebräische Inschriften die Schüler zu enträtseln suchten): geputzte Menschen schritten ans und ab. Die ,Schul" der Chassiöim leerte sich bereits: wir mußten daher unseren Besuch ihres Gottesdienstes bis zum Freudenfeste der Thora verschieben, an welchem die chassidische Ekstase ihren Höhepunkt zu erreichen pflegt. Ein anderer Sabbat führte irns in den Friede n s t e nl p e l: überaus erhebender Gottesdienst ausschließlich in der heiligen Sprache, künstlerischer Gesang des Oberkantors Lewandowski. Die Synagoge der Sephardim machte zunächst den Beschluß. Hier gab's viel zn lernen. Wir hatten vorher im Religionsunterricht die Vertreibung der Juden ails Spanien und Portugal behandelt — hier beteten wir mit den Nachkommen dieser Glaubenshelden! An den portugiesischen Akzent der hebräischM^ Sprache hatten wir uns schnell gewöhnt: möchten sich alle Besucher auch die Würde zum Vorbild nehmen, mit der unsere sephardischen Brüder beten! Jeder der zahlreichen Tempelbesucher verfolgte in seinem Pentateuch die Thoravorlcsung! Niemand erlaubte sich zu plaudern, sich zu schütteln oder die Gesänge des Vorbeters mit selbstgemachtem Singsang zn begleitend Trotz der Eintönigkeit der Melodien bedeutete der sephardische Gottesdienst (den ich von Rom, Nizza und Wien her kannte) für die jugendlichen Aschkenasim eine wahrhafte Gemütserhebung. Daß die Knaben, soweit sie Barmizwah waren, mit dem Lehrer zur Thora allsgerufen bzw. mit anderen Mizwaus beehrt wurden lind daß sie hier zum ersten Male „Duchenen* sahen, sei nur beiläufig erwähnt. Selbstverständlich ist mit dem gemeinsamen Besuch jüdischer Andachtsstätten das Thema „Religiöse Anschauung" nicht erschöpft. Ohne geeignete vorherige Einführung in Ritus und Geschichte des zu besuchenden Tempels bleibt ein solcher Besuch im besten Falle eine angenehme Abwechslung, während er nach einer solchen Vorbereitung eine wertvolle, dauernd in der Max Brod. Von Max Spanier. „Nur Liebe — von nichts anderem weiß ich. Zerreißet, was ich sonst gesungen! Denn Lüge war's. wenn cs nicht Liebe war." Das Gesicht des Judentums in der deutschen Dichtung der Gegenwart ist nicht aus eine Formel zu bringen, mit wenigen Worten zu umschreiben, die Spanne der Anschauungen ist zu groß. Wie man in der deutschen Dichtung gegenwärtig keine einheitliche Strömung feststellen kann, ist auch das Werk der dichtenden dentschen Inden ein mannigfaltiges. Der Snbjcktivismrls triumphiert, jeder folgt seinem Stern, kämpst für seine individuelle Weltanschauung. Es gibt Juden, denen ihre Religion stärkstes Erlebnis wurde, begeisterte Zionisten, abgeklärte Dogmatiker, Juden, ZU vollkommen in ihrer reinen Menschlichkeit, um religiöse Bindungen zu ertragen, einige gehen ganz in ihrem Deutschtum ans, unterscheiden sich nicht von ihren völkischen Gefährten, andere erwarten das Heil und die Erlösung Europas ans fernem Osten. Es gibt Revolutionäre und Konservative, Sozialisten und nationale Parteigänger, gute Europäer und Söhne buddhistischer Weisheit. Der Geist des auferstehenden Judentums strömt aus dem Osten. Prag ist seine Residenz. Die Namen Paul Adler. Franz Werfel, Franz Kafka. Max Brod u. a. sind Richtung und Bekenntnis. Was Max Brod aus der Schar der Lyriker. Epiker und Dramatiker erhebt, ist sein frohes, bejahendes Bekenntnis zum Judentum sin welchem Gegensatz zu Jakob Wassermann!), und nicht nur dies, die Zukunftsbedeutung. die er dem Judentum zulegt, hebt ihn empor. Sein zweibändiges Bekenntnis buch „Heidentum. Christentum, Judentum" war eine offene klare Auseinandersetzung mit den drei Religionen, mit der Amalganbilbnng, die heute unsere westeuropäische Kultursphäre beherrscht. Es würde über die Absicht und den Umfang «reiner Arbeit hinansgehen (ich fühle mich in diesem Falle «ur alS Interpreter), dieses gedankenreiche, große Werk eingehend zu erörtern. Brod vernichtet nicht nur. er baut auch aus. Der Jude kann kraft seiner Religion den westlichen Liberalismus erretten. denn er vereint in sich die notwendigen Faktore. Ist das Christentum vor allem jenseitig eingestellt, so ist der Jude ein starker Bejaher des Diesseits. Die Gnade findet der Jude in der Liebe. Liebe als großes Diesseitswunder. Hieraus entspringt die Lust am Leben und zum Schassen. Brod kleidet sein Bekenntnis in den Ausspruch Rabbi Simon bar Jochais: „Uns ist ein Wunder geschehen, drum laßt uns eine nützliche Einrichtung treffen". Dieses Buch war wieder eine Tat, rüttelte die Laueir auf und wurde einer Jugend zum Erlebnis, sie sah im Judentum eine nenaufsteigeude Botschaft. Wenn man auch nicht in allem mit Brod übereinstimmt und andere Notwendigkeiten für die Zukunft verlangt, bewundern mutz man seinen ethischen Ernst, sein Ringen um Wahrheit, sein freies Bekenntnis. Gott und Liebe sind die beiden Ziele, die er stets nmkäulpft. umwirbt, umschmeichelt und erfleht: in all seinen Versen, in seinen Romanen, Novellen, immer das gleiche Motiv. Nur von Liebe weiß «r. Der Lyriker: „Das Buch der Liebe". „Das gelobte Land", „Die Höhe des Gefühls" ist zart und innig, voll Jubel über die Schönheit der Natur, voll Hingabe an den Menschen. (Er ist der Anstatt. Franz Werfel die Musik.) Groß ist seine Sehnsucht nach Liebe, herrliche Kränze windet er um seine Geliebte. Nus diesem Erlebnis fließt auch seine Nendichtuna des Hohen Lieds. Er steigt über den Alltag hinaus, wärmt sich <ut allen Körpern, denn in allen Gesichtern sieht er Gottes Antlitz, wird eine Schwinge der Unendlichkeit. Meist wählt Brod zur Realisierung seiner Idee. Definierung seiner Anschauungen die Romanform, doch das Problem ist stets aktuell, ist den Nöten der Gegenwart entrissen und will Weg weisen zur Erlösung, zur besseren Welt, zum wahren Ich. Tycho Brahe ist ein Ringer um Gott wie Jakob: „Ich lasse dich nicht, dn segnest mich denn." Dieser Phönix der Astronomie sucht die Wahrheit, die innere Harmonie, Gott in der Sternenmelt. Allein fühlt er sich unfähig, den Weg zu schreiten, drum sucht er sich einen Bundesgenossen und findet diesen in Johann Kepler, dessen Ruhm eben aufsteigt. Nun. wo er einen Freund hat, glaubt er, schneller an sein Ziel zn gelangen. Welch ein Irrtum! Immer neue Fragen brausen in Tycho Brahe auf und er findet keine Antwort. Das grobe Hindernis liegt in unserer Brust. Die falsche Lehre ist uns gegeben, um im Falschen das Wahre zu erkennen. Wir müssen uns begnügen, durch Läuterung zur Reinheit steigen. Alles ist unwichtig, wichtig ist nur eins: die göttliche Wahrheit. Tycho Brahe geht zum Kaiser Rudolf II.. der eben nach Prag zurückgekehrt ist. mehr um seinen Freund Kepler anzuklagen, als um für ihn zu bitten. Im Vorzimmer des kaiserlichen Schlosses begegnet Tycho Brahe Rabbi Löwe ben Bezalel. Zum ersten Male, daß er mit einem Juden spricht und näheres über das seltsame Volk erfährt. Was ist sein kleinliches Ungemach, gegen das Leid, das auf diesem Volke lastet! Gott ist nicht um des Gerechten willen da. um ihm zn dienen und ihn zu stützen, sondern der Gerechte ist da, um Gott zu dienen und ihn zu stützen. Was Tycho Brcche in jahrzehntelanger Arbeit nicht gefunden, vergebens in den Sternen gesucht, entspringt seinem Innersten. Unter der Erkenntnis bricht er zusammen und ruft. Visionen erschauend, wie Jakob: „Hier bin ich!" Nun weiß er, wo Gott ist, ist Klarheit. Auch der Kaiser hatte ihn den Sinn des Lebens gelehrt: „Es gibt nur eines, um dessentwillen es sich lohnt zu leben: das Vollkommene". Der Roman spielt in und um Prag zur Zeit des Habsburgers Rudolf II. Bunte Kriegsbilder flattern auf, Landschaften erblinken. Tycho Brahe, Kepler. Elisabeth, deren Bräutigam, echte Menschengestalten mit Eitelkeiten, Schönheiten und Besonderheiten, alle von menschlicher Wärme durchprckst. Auch in dem Drama „Eine Königin Ether" snicht d i e Kvinigin Esther) wogt der Streit um Gott, Liebe urä» Vollkommenheit. Das Drama knüpft keineswegs an die bekannte Ueberlieferung, ist mehr ins litauische Volksmärchen» übertragen, streift die Jetztzeit. Es ist symbolische Gestalt, hat allgemein-ere Bedeutung: nur die Namen Hanum, Mordechai, Esther erinnern an die bekannten Vorgänge. Tuch der König fragt nach dem Sinn der Wett: Was ist daS für eine Welt, in der man immer schuldig wird? WaS ist daS für ein Gott, der sie geschaffen hat? Er strebt nach Vollendung und findet sie in der Ergänzung mit Esther. Haman ist der ewige ^Zerstörer, wird hier zum Juden, die er darum hassen mllß. Haman will durch Esther erlöst werden und wird durch sie vernichtet. Haman ist Teil jener Kraft, „die stets das Böse will und doch das Gute schafft". Vielleicht ist Lader Sinn des Dramas: „Es ist unmöglich Mensch zu sei». Dennoch bleibt uns nichts anderes übrig. — „Begrenzt, wie wir sind, vermögen wir eben auch keine unendliche Liebe ansznatmen." In den beiden Romanen „Das Leben mit einer Göttin" und „Franzi oder eine Liebe zweite» Ranges" breitet sich das Diesseitswunder: die irdische Liebe. „Ich liebe — denn Gott hat die Stimme meines Flehens erhört". Das Weib stolziert mit seiuem Schatte», seinen Eigenheiten und wird trotzdem zur Göttin erhöbe«, weil der Geliebte in ihr die Erfüllung erschaut. Die Liebe

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