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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-07-15 · 28 (15.7.1927) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
28 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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iiscm Aufgabenkreis. Getreu den Weisungen -er Schrift tut die Kirche Fürbitte für Volk, Staat und Lbrigteit . . . An ihre Glieder stellt die Kirche drei Forderungen. Sie will, daß jeder nach bestem Wissen iilld Gewissen dem StaatSaanzen dient und für das Ä-ohl der Gesamtheit Opfer bringt. Sie will, daß jedermann um des Wortes GotteS willen der staatlichen Ordnung untertan ist. Sie will, daß jeder sich seiner Mitverantwortung bewußt ist und sich für alle« einsegt, was Volk und Staat stärkt, bessert und fördert. Solcher Vaterlanösdienst ist auch Gottesdienst." Das heißt also: Die Kirche ist eine Heimat für alle, die ihr zugehören wollen, woher sie auch kommen aus den politischen Parteien, das Vaterland für den Christen, unter welcher Staatsform auch, eiuö Heimat, die Dienst und Opfer sondert. Durch Pflicht und Gewissen sind die Christen Bürger des Staates, der Staat aber soll die Aufgabe, der KtrHe achten, „die Grundsätze des göttlichen Wortes -irr Geltung bringen", — „bestimmte sittliche Forderungen zu stellen", z. B. in der Wohnungsfrage, 'beim Fugendschutz, in Sachen von Lohn und Arbeit, im öffentlichen Schutz der Sittlichkeit. Die Kirche kann nicht darauf vernichten, „in Selb* ständigkeit und Freimut an Gesetzgebung und Verwaltung die ewigen sittlichen Maßstäbe anzulegen und im gesamten öffentlichen Leben die Forderungen des christlichen Gewissens zu vertreten". Unsere Gruppe III, die die Kirchlich-Liberalen umfaßt und Glieder aller politischen Parteien außer den Kommunisten in sich schließt, bat einmütig dieser Kundgebung zugestimmt. Sie wird weder rechts noch links alle befriedigen welches Menschenwort könnte das in unserer Zeit! — aber sie ruft jeden auf zu ernster Erfassung seiner Bürgerpflicht im Staat. Sie wurde schließlich fast einstimmig angenommen von allen drei Gruppen, von denen die Linke etwa 30 Mitglieder, die Mitte 50, die Rechte den Rest von etwa 130 an Mitgliedern zählte. Die Gruppen hielten ihre Sondersitzungen, die Mstimmungen geschahen einmütig oder kamen durch Mitglieder aus allen Gruppen züstande. Ausgesprochene Republikaner und strenge Monarchisten Haben dieser Kundgebung zu gestimmt. Das konnte geschehen, weil ein Urteil über die Staatssorm nicht Sache des Kirchentages sein konnte. Tr hat sich weder für die Monarchie noch für die Republik ausgesprochen, und man sollte ihm «das danken. Ich wenigstens wünsche mir als Protestant Freiheit vom kirchlichen Gebot über meine politische Stellungnahme. die Vertrauten reicher Handelsherren von TyroS aus dis edelsten Bauhölzer durch die Straßen. weil König Salomo ln Jerusalem zum Tempelbau des kostbaren Gutes benötigte? — Und hätte die Stadt veraessen sollen, daß. als Griechen und Ptolemäer einander befehdeten. Simon der Makkabäer und sein Bruder Jonathan, der streitbare Hohepriester. die Feste dem Syrerhkuptmann Apollonius entrissen- — Roms Raubtierpranke griff nach der Gleißenöen. VespasianuS kam und zerstörte. lWaS hätte ein Flavier in Palästina sonst tun sollen?) — Konstantin der Große kam und baute auf. Das Lamm siegte (scheinbar) über Jahwe, über Baal, über Moloch und Astrate, über alle Götter und Götzen, die die üppige und schwelgerische Stadt geduldet, wen» nicht verehrt hatte. Aber auch das Lamm mußte sich ergeben. Andere Zeiten, andere Zeichen! Der Halbmond ging auf über der farbigen Schönheit der Städte: zwiebelkupplige Moscheen wuchsen schwerfällig empor, während zarte, zerbrechliche Minarette mit ausschwebender Grazie in den Namen Atlas des Himmels stachen. Der KrummsÄbel herrschte. Und sein Uebermut rief aus dem Westen feinen großen Widersacher, das Schwert. Und nun sahen die staunenden, begehrlichen, um Gunst buhlenden Städte, in deren Adern Erfahrung von Liebkosungen und Züchtigungen brannte. Jahrhunderte hindurch dem Kampf der Weltanschauungen und der Macht gelüste zu. die ihre Mauern mit wildem Puls durchseelten? Kalifen oder Kreuzfahrer. Sarazenen oder Christen. Araber oder Juden. — wer Erde Las letzte Wort behalten, den letzten Hieb erteilen? Gierig forschten die Städte. Gefällig und lieböienertsch neigten sie sich jedem neuen Eroberer und lockten ihn in ihre vernichtenden Arme. Unverwüstlich blieben dennoch ihre Reize und trotzten jeder Zerstörung. Denn die Sonne ließ nicht ab. sie zu küssen. Sie Lächelten, gewährten, versagten . . . Frauen unter Männern .... Begehrt und genommen werden, hieß ihr Los. Und keiner, ob im Morgenland, ob im Abendland. — durfte mit Fug ein Großer, ein Zwingherr heißen, der sich ihnen nicht zu ihren weißen Füßen geworfen hatte. — Will die Natur heute das Gebot einer läng st fälligen Rache vollziehen? — Angstvoll forscht unser Geist in der Vergangenheit der geweihten Stätten. Der heilige Ludwig kam aus gallischen blauen gezogen, und selbst der Korse, der Sohn der Apokalypse, in dem das Abendland den Antichristen verfluchte, flocht wenigstens die Fieberblüte des 'Schwellcngrußes in den Kranz feiner blutigen Abenteuer. Und es kamen Jahre, da kreuzten feindliche Schiffe vor der Reede von Jaffa; auf die späte Enkel des Löwenherz neuen Hunger verspürten. Wieder flogen totbringende Geschosse über Mauern und Fruchtgärten. Die verführerischen, üppigen Frauen aber mit den träge gleitenden Gliedern, die elfenbeinhäutigen, heißäugigen, rotlippigen Frauen unter Turban und Schleiern mußten eilends die Stadt verlassen. Und eitel Wehklagen scholl hinter ihnen drein. Just so wie heute... Wollten die fremden Eroberer sich doch in ihrer Vermessenheit den Weg bahnen zu der königlichen Schwester der Städte: Jerusalem! „ Als der grause Geist moderner Kriegstechnik mit Maschinengewehren. giftigen Gasen und Handgranaten über die Stadt Jericho dahinfuhr. vermochten wir uns solche Verbrechen mit der frommen Einfalt, der uns heilig geltenden Stätte nicht einmal in der Phantasie vorzustellen. Und wir dankten dem Herrn, daß er seine Stadt nicht im Stiche ließ, sondern die Einnahme der Stadt tat Jahre 1918 durch die Engländer dank den Spionagediensten einer gefälligen Mrs. Rahab ein äußerst unblutige und — für das stolze Alckion — nahezu beschämende war. Der traurige Rest verwitterter Steine, das von den Briten gewonnen ward, hieß darum auch nicht die Posaunen von Jericho zürn anderen Male Sieg und Gottesurteil schmettern. — Heute hingegen heißt es. daß Jericho erneut in Gefahr sei. Bedroht von Himmel und Erde. Was aber will das besagen, der erfreulicherweise noch unbestätigten Nachricht gegenüber, daß — Jerusalem, die Fürstin unter den Städten, zittere? Als tat Kriege ihr heiliges Spital durch Feuerbälle, von frevelnden Menschenhänden geschleudert, gekränkt werden sollte, blieb ihr königliches Haupt unversehrt. Wohl flogen die Bomben in die Mauern der Stadt, aber sie konnten ihr nichts zu Leide tun, da sie für und für und in Wahrheit ewig ist, weil sie nicht nur Stadt, sondern Stein gewordener Gedanke ist. Die Fürstin unter den St'ädten ergrimmt. Ihre königliche Stirn ward entweiht. Völker mögen entstehen, vergehen. einander hassen, bekämpfen, vernichten: sie wohnt über allem Geschehen, denn sie sah mehr als der Menschen Leben und Sterben: sie sah Geburt und Tod eines Gottes. Die Fürstin unter den Städten runzelt die Braue ob des Verbrechens, das ihr geschehen soll. Doch dann entwölken Das Erdbeben i« PalSstina. Jerusalem. 12. Juli. iUnited Preß.) Die Meldungen, die heute aus der Umgebung einlausen, lassen erkennen, daß es sich bei dem gestrigen Erdbeben um eine große Katastrophe handelte, die eine große Anzahl Menschenopfer gefordert und bedeutenden Materialschaden angerichtet hat. Rach den bisherigen Feststellungen sind allein in der Stadt Nablus, fünfzig Kilometer nördlich von Jerusalem. 30 Personen ums Leben gekommen und wett über 380 verletzt worden. In Jerusalem selbst sowie in den Vorstädten sind, wie bis jetzt ermittelt werden konnte. 26 Personen getötet und 30 verwundet worden. Auch aus Ain Karim kommt die Nachricht, daß dort 5 Personen von einstürzenden Mauern erschlagen wurden. Der Sachschaden in Jerusalem hat sich ckls sehr beträchtlich herausgesteüt. Das Heilige Grab. die jüdische Universität, das Regierungsgebäude und die Residenz des Kommissars Lord Plumer sowie eine g' oste Zahl von Wohnhäusern sind schwer beschädigt worden. Biele Gebäude sind dem Einsturz nahe. Da die Ermittliuttu'n der Behörden noch nicht abgeschlossen sind, befürkbict man, daß die Zahl der Toten und Verwundeten noch weiteren Zuwachs erfahren wird. Ein Bericht der Zionistischen Exekutive. Aus Kreisen der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, wurde an die Zionistische Bereinigung für Deutschland ein telegraphischer Bericht über das Erdbeben gesandt, der besagt: Ter Erdstoß setzte am Montag, den 11. Juli. 3 Uhr 5 Minuten nachmittags in der Linie Nord-Süd ein. Die jüdischen Siedlungen in Judäa, im Emek Jesreel und in Galiläa haben keinen Schaden gelitten. In Tel-Aviv und in Safed wurde der Erdstoß stark verspürt, er richtete aber nur nnbedentende Hausbeschädigutmen an. Stärker war der Erdstoß in Tiberias, wo 12 Häuser einstürzten und viele andere beschädigt wurden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Man zählt einige Verwundete. In Jerusalem sind 10 bis 20 Todesopfer und eine größere Anzahl Verwundeter zu beklagen. Insbesondere hat die Altstadt gelitten, wo mehrere Häuser einstürzten und u. a. auch die Synagoge Beth El sehr stark beschädigt worden ist. Schwerer Materialschaden ist im Chemischen Institut und im Judatstischen Institut der Hebräischen Uniuersität ait verzeichnen. Man schätzt den Schaden auf -AM» Pfund. Bon den Städten, der Provinz hat Ludd schwer gelitten: man zählt dort 7 Tote Und 10 Verwundete. In Ramleh wirr den 12 Tote und 40 Verwundete aus den Trümmern hervorgezvgen. In Jericho wurden durch einen Hotelciniiinv, o Personen getötet. Am meisten heimgesucht wurde die Stadt Nablus (Sichern): dort zählt man 20 Tote und Verwundete. Viele andere arabische Orte wurden sthwcr betroffen: die Zahlen der Opfer sind noch nicht endgültig sestgestellt. Unter bei» Todesopfern sind keine Juden. Eine eigentliche Panik trat nirgends in Erscheinung. Es war nur ein einziger Erdstoß zu verspüren, dem kein zweiter gefolgt ist. (Jta.) Uebeririebene Nachrichten. Berlin. 13. Juli iJ.T.A.) Das Ullstein-Blatt „B. Z. am Mittag", das gestern an der Spitze die Überschrift trug: „Jerusalem durch Erdbeben zerstört", bringt heute die Mitteilung des Ullstein-Dienstes aus Kairo, wonach die Zahl der Verluste an Menschenleben in Palästina aus über 1000 festgestellt ist. In Amman, der Hauptstadt TranSjoröantcns. sollen 800 Personen tot sein. Die gestrige offizielle Mitteilung wußte nur von 62 Toten zu berichten. Eine heutige Jta-Meldung teilt mit, daß die Anzahl der Toten im ganzen Lande auf 120 geschätzt wird. Da nun zuverlässige Nachrichten aus Jerusalem selbst vorliegen. ist es klar, daß auf eine so übertriebene Meldung aus Kairo nicht viel zu geben ist, Beben im heiligen Lande. Von Doris Witt «er. Jaffa—Jerusaleuv—Jericho: langsam stößt der Weg durch -die Herzader des heiligen Landes. Hoch bauen heitige Siedlungen sich über Tälern nnd Meeren. Städte, die wie feurige Herzen sind, worin der brausende Strom des Geschehens niemals erkaltet. Wie war es einst? Weißglutende Sonne über weißglutenden Mauern. Zärtlich geschweifte Hügel schmeichelten sich an den blauen Himmelssaum. Aufwärts von den Wassern stiegen die schwerfeuchtenZ Gärten, wo Wetastock und Feigenbaum ihren herbsüßen Atem verströmten. Im Hasen von Japha, Joppe, Jaffa schaukelten die Schiffe, köstlich «beladen mit Gold. Silber, Elfenbein. Affen und Pfauen. Und die steilen Gassen auf und nieder schritten die Frauen, die Frauen Judas, denen der ergrimmte Prophet rmchgesagt hat, daß «sie hoch einhevfahren, im Gehen den Hals emporrecken und freche Blicke werfen, immerdar tänzeln und mit den Fußspangen klirren die Frauen, denen nach des Zornp redtger-is Verheißung Jahwe abreitzen sollte „die prächtigen Fnßspangen und die Stirnbänder und die Halbmonde, die Ohrtropfen und die Armketten und die Kopfbünde. die Schttttkettchen und die Prachtgürbel und die Riechflaschen, die Amulette, die Fingerringe, die Fciertleider und die Mäntel, die Ueberwürf« und die Taschen, die Spiegel, und die feinen Linnen und die Turbane und die Schleier." — Ist es soweit? Will ein Gesetz sich erfüllen, da die Natur sich empört in den Sprachen von Donner und Blitz, von unterirdischen Grollen und überirdischen Tosen? Unergründlich ist das Gedächtnis der heiligen Städte ... Schleppten nicht einst, da noch der PHöniker hier herrschte, Londoner Eindrücke. Bon Klara Caro-Köln. (Nachdruck verboten.) Wir haben in unserer vorletzten Nummer eingehend über die Londoner internationale Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels unter den Judssn berichtet. In der „Kölner Jüdisch-liberalen Zeitung" schildert nun sine der Teilnehmerinnen an der Konferenz, die Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes. Frau Klara Caro, Eindrücke ihrer Reife, die wir nachstehend wiöergeben. Die Red. I. Freitag Nachmittag in Whitechapel. Eine lange, lange Zeit in London, ,-der Wett" —.denn f>tK' AtaTt Stadt patzt nicht mehr auf diese endlose Fääche, aus diese Bersänadenartigkett des Gepräges einzelner Stadtteile. diesem Wirbel. Lärm, Berkohr, wie ihn wohl keine Stadt Europas mehr hat. — und wir kommen nach Whitechapel. der Judenstadt mitten in London. Wenn auch in der Hauptstraße der Turm der streng gotischen angli-kanischen irirri)e weithin ragt, schon nach ein paar Schritten merkt man/daß es hier anders, ganz anders ist als sonst, wohin man auch in London kommen mag. Die Sprache nicht m-ehr englisch, sondern ein Gemisch von Deutsch, Jiddisch» Polnisch: die Ausschriften der Geschäfte Jiddisch, die Anküdiguugen von Theatern. Versammlungen usw. Jiddisch. Fragt man einen Vorübergehenden aus Englisch. erhält man aus deutsch,jiddisch 'die Antwort. Die Geschäfte, eines neben dem anderen in bunter Reihe, stellen ihre Auslagen auf der Straße aus. Besonders auffällig für uns Deutsche ist der gute Geschmack und die geradezu lukullische, ans Märchen vom Schlaraffenland erinnernde Auswahl in den Lebensmittelgeschäften. Wüßte man's nicht, die herrlichen Küchen, die Tausende von Schabbesbroien in den Fenstern, die vollen Fisch- und Fleischläben. die nervöse Geschäftigkeit, alles dies führt zum Bewußtsein, daß hier Tausende von Inden sich vorbaretten, aus des Alltags Last und Mühen in das Königtum des Sabbats einzugehen. Die prächtigen n.ud geschmackvollen Stoffe und Kleider nach allerneuester Mode verraten, daß das jüdische Mädchen bald das schlichte Wcrktaaslleid aüsJehen wird,um sich nmzuwandcln in eine Dame, die dann äußerlich kaum von den reicheren Schwestern des Westends zu unterscheiden sein wird: denn hier merkt man nichts von Armut, alles zeugt von Fleiß, Betriebsamkeit und geordneten Verhältnissen. Erst wenn man weiter h-ingeht in die vielen Gassen und Gäßchen mit den eng«n licht- und lustlosen Höfen, wie viel, denen Judenleid und Judennot den Wanderstav in die Hand gedrückt, hier im freien England eine Zuflucht gefunden haben. Eine wirkliche Zuflucht: denn so wcniq man bereit ist im Gegensatz zum Deutschen, die Hilfe über die Grenzen des Landes auszudehnen. so sehr man dem Grundsatz ohariity begina at home zu huldigen scheint, lwenn es sich nicht um große jüdische Aufgaben handelt), so hilfsbereit und opferfreudig umfängt man olle Glaubedsbrüder und Schwestern, die schutzsuchend nach drüben kommen. Eine unendliche Zahl von glänzend geführten und organisierten Wohlfahrtsinstitutionen sorgt für die vom Schicksal hart Gepackten. Sie sind, ave ebenso die Krankenhäuser. auch die interkonfessionellen. nur erhalten und getragen durch freiwillige Beiträge. Jede Anstalt hat ihren Gömrerkreis, der sie rrerforgt. So sah ich zunächst den „Shelter", die Londoner RubenSstratze, das Zufluchtshaus uNd die Volksküche der Durchwanderer. Ein großes Hans, nicht io hell und freundlich wie das unsrrge, bas Platz für 150 Menschen hat. mit eigener Synagoge. großen Aufenthaltsräumen, mit riesigen Schlafräumen. die nicht so behaglich und anheimelnd sind wie unsere kleinen. Für Verpflegung allein besteht ein Etat von 3000 M. die Woche: dank der englischen Gebefreudigkett Sann eine glänzende Verpflegung gegeben werden. In einem Sonderraum erhalten die Kinder der Emigranten Unterricht, jene Unglücklichen, die warten müssen, bis sie die Erlaubnis zur Einreise nach Amerika erhalten: oft dauert dies 2 Jahre. Im allgemeinen sind die sozialen Anstalten, die Waisenhäuser. Füvsorgeseminare wohl reicher und komfortabler ausgestattet: aber man konnte doch mit stolzer Genugtuung fesistellen. daß wir in Deutschland und besonders in unserer Gemeinde mtt dem, was auf sozialem Gebiete geleistet wird, sicher nicht im Rückstand sind, daß unsere Heime einen Vergleich recht gut aushalten können. Lernen könnten wir noch viel — wenn auch schon erfreuliche Anfänge sich regen — von der Art und Weise, wie die Jugend vom frühesten Alter an. besonders aber auch die schulentlassen«. ersaßt und betreut wird. Der große Gedanke der „Settlements", wie er in Amerika erstand, aus der Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft, jene fruchtbringendste Arbeit, der die amerikanische Jugend ihre auf dem Londoner Kongreß auch so oft gerühmte Reinheit ' verdankt, hier in Whitechapel ist er «zu neuem Leben erwacht. Ein Jude aus der besten Londoner Gesellschaft hat 1914 mit feiner jungen, bildschönen Frau dem Leben der Gesellschaft entsagt und durch Gründung eines Settlement die edelste Pionierarbeit begonnen. Er selbst und seine Frau wohnen dort in dem Settlement in Whitechapel und opfern ihr ganzes Leben der ostiüdvschen Jugend. 1000 Kinder sind ständig im Settlement, das mit einigen wenigen Zimmern und ganz kleinen Mitteln begonnen, sich heute über mehrere Häuser erstreckt. 6000 Kinder, die sonst der Verwahrlosung, dem Verderben preisgogeben wären, stehen ständig unter Aufsicht des Hoims. Die kleinen Kinder kommen vormittags schon in den Kindergatten, 'die Schulkinder, die durch die Fürsorgerinnen direkt von der Schule überwiesen werden, nachmittags in das Heim. Es wird gearbeitet, gespielt, geturnt (schwedische Gymnastik), sehr viel Musik gettteben: so haben die Aelteren neulich eine berühmt gewordene Auf- «in denen die Kinder eingeteilt sind, heißen nach — Musikern: eS gibt Mozart, Beethoven. Haydngruppen ufrv. Abends kommen die Schulentlassenen, di« Berufstätigen oder noch in der Ausbildung Begriffenen biS 20 Jahre. Da wird gelesen, geturnt, gemeinsam gesungen, alles besprochen, was die jungen Menschen bewegt, und alles getan, um ihnen einen festen Halt zu geben und sie stark, froh, lcbenSmutig und rein zu erhalten. Die Erfolg« sollen prachtvoll lein. Am Mittwoch und Sonnabend wird getanzt. Freitag Abend ist gemeinsames Essen, zu dem auch die Eltern kommen könne», an dem zirka 1000 Personen teilnehmen. Sonst ist keine Verpflegung. Sabbat und an allen Feiertagen ist geschlossen, um die Jugend dem Elternhaus nickt zu entfremden: die Mädchen bl eiben auch schon Freitags daheim, um zu Helsen. Selbstredend ist SeMtverwaltung eingesühtt. Ein Rat der Aeltesten von 16 bestimmt die Ausnahme. Unfreiwillig ausgeschlossen wurden bisher nur drei Kinder. Ehe man abends auseinandergeht, wirb gemeinsam das Schmagckbet verrichtet. Es können natürlich nicht alle jungen Juden des Eastend in das Settlement: die. die nicht Ausführung der Meistersinger inszenierte. Die kleinen Grirpven, nähme finden, sind znsammengeschloffeu in Turn-, Wanderurrd Sportverbändeu. geführt von ihren Brüdern aus dein Londoner Westen, die zweimal die Woche zu ihnen herauSkommen. um mit ihnen zu turnen und sich mit ihnen zu besch-idsiigen in den zahlreichen Klubs, oder mit ihnen im Sommer auf 14 Tage in ein sogenanntes eamp an die See zu gehen, wo die jungen Menschen sich mit ganz billigen Mitteln erholen können. Die Form ist übrigens streng militärisch, ein wunderbares Gegengewicht gegen die dumpfe Ghettolust, in der.sie tagsüberJebeu-müssen .Es-ist.ein

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