Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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daß i*fc Hochschule wieder ein Vermögen von 906000 M. aus. weilen kann, worin allerdings -er Wert oeS eigenen Grundstücks in Höhe von IM 000 M. inbegriffen ist. Das Kuratorium hat die alten Stiftungen ausgewertet, einige Stiftungen sind auch durch Schenknrmen -er Angchörig-em -er Sinter wieder erhöht worben. Dem Bericht ist -a- Verzeichnis -er gehaltenen Vorlesungen bei gegeben. Er enthält außerdem die von Herrn Rabbiner Dr. Baeck Lei -er Trauerfeier kür -ie Kuratoren Herren Geheimrat Professor Dr. Albert Masse, OberregiernngSrat Dr. Paul Meyer und Max Weiß, sowie für den ehemaligen Dozenten Dr. Martin Schreiner gehaltene Gedenkrede, ferner enthüllt -er Bericht seit langer Zeit wieder eine wissenschaftliche BeÄage, -iosetbe ist gleichfalls von Herrn Dr. Baeck versaßt und hat die Pharisäer zum Gegenstände. Im übrigen würbe -er Abschluß genehmigt und das Kuratorium, sowie -de Revisoren einstimmig wicdergewMt. BreAa«. (Der Gemein de Haushalt.) Die Sitzung der Gemeindevertretung am 30. Juni war zur Hauptsache der Beratung -es Haushaltsvlans 1027/28 gvwi-wet. Der Borst eher, Justizrat Petser, erüffnete sie mit einem Nachrufe auf den verstorbene» Gomeindovertreter Adolf Lewi«, der seine reichen Erfahrungen auf sozialpolitischem Gebiete lange der Gemeinde zur Berfüguv« gestellt und in schwerer Zeit ihr seine Kräfte gewidmet Hütte. Der Vorsitzende der Gemeinde, Gcheimrat Goldfel-, so teilte er weiter mit, läge trank in Berlin und würde voraussichtlich Ende der Woche nach Breslau zurückkehren. Die von fünf Jugendsünden vorliegenden Gesuche auf Bcrvilligung von Zuschüssen wurden dem Borstande zur geneigten wohlwollen-on Prüfung überwiesen. Nach Annahme einer Anzahl Legat-Ausfüllungen. nach Durchberatung einer Deukmalsordnung für die Gemeinöcfriedhvfe. die nach dem Referat des Gemeindevertreters Malsch nur in wenigen Punkten geändert wurde, und nach Besprechung des Vermaltungsberichts für die Zeit vom 1. Mai bis zmn 16. Juni d. I., der vorschlägt, von einem Umbau des Repräsentanten-Sitzungssaales wegen der hohen Kosten vorerst abzusehen. wird in die Beratung des Haushaltsplans 1027/28 eingetreten. Gemeindevorsteher Hancke, der Finanzdezernent, leitet sie durch eine längere Rede ein, in der er insbesondere darauf hiuweist. daß die durch die Etatskommission erfolgte Erhöhung eurer Anzahl Einnahmeposten und Herabsetzung von noch mehr Ausgabeposten eine Aenderung des Steuersatzes von WA Prozent nicht zur Folge haben würde. Wenn dadurch auch 105 000 M. eingespart würden, so wären immer noch rund sss ooo Al. durch Kiiltusstencrn aufzubringen,- er fürchte aber, daß -der Plan so nicht durchgeführt werden könne» zumal Gehaltserhöhungen in Aussicht ständen. Ihm erividerte der Vorsitzende der Etatskommission. Gemeindevertrcter Gins, daß der Plan in Uebcreinstimmnng aller Parteien bestimmt sei, jüdisches Leben zu pflegen. Nicht unbedingt Notwendiges sei gestrichen worden, weil die Ge meinde sich das jetzt nicht leisten könne. Er habe nicht die Absicht, die Herabsetzung der Nultussteuer zu beantragen, damit die Gemeinde nicht ohne Reserven bleibe. Für die sorgsame Ausarbeitung des Haushaltsplanes spricht er dem Borstande und den Beamten seinen Dank aus. Auf den Etat der Grundstiicksverwaltung und des Wohlfahrtsamtes geht er noch besonders ein. Jener müsse mehr eiwbringen, und bei diesem, der ein Drittel des Gesamtetats bedeute, müssen die Berwaltnngskosten herabgesetzt und die Unterstützungen mehr produktiv gestaltet werden. Herr Gins schloß mit der Bemerkung, daß seiner Meinung nach im Rahmen dieses Haushaltsplanes alles erfüllt werden könne, was im jüdischen Gemeindeleben notwendig sei. Der zionistische Redner Jaevbsohn warf mit unnötiger Schärfe dem Haushaltspläne vor. daß ihm die Wirtschaftlichkeit und die Gerechtigkeit fehle. Zur. Erhöhung, der Wirtschaftlichkeit in der Frage der lei stcuerung einpfahl er. Sie Körperschaften schärfer heranzu- .zichcn. gab aber keinen Weg an. wie das möglich sei. Die Gerechtigkeit sah er dadurch verletzt, daß zionistische Vereine uittt unterstützt würden,' er mußte sich aber sagen lassen, daß eine ReligionSgemeinde nur religiöse Institutionen beriicksichtige. SelbstverstälMich vermisse er Palästina im Etat. — Bei der Beratung der einzelnen Abschnitt« des Haushaltes ivnrden nach Vortrag der Berichterstatter nur geringfügige Aendernngcn vorgenonnnen. — Eine kurze geheime Sitzung beschäftigte sich dann noch mit Gehaltsangelegenheiten einzelner Beamten. Die Äeichenwärter sollen nach zehnjähriger Di-cnstzeit in der Gemeinde nach Gruppe 3 der Bcsoidnngsordilnng anifsteigen. Der Schächter Herr Leopold Freier wird am 1. Oktober d. I. mit der gesetzlichen Höchstpension in den Ruhestand versetzt. Die Uhr hatte schon Mitternacht geschlagen, als die Gemeindevertreter in die Ferien gingen. Darmstadt. lJnbiläum.) Lehrer und Kantor E. Häuser beging sein 25jähriges Dienstjnbiläum bei der Israel. Religionsgemcinde. Dresden. iA ns de m Gem ei u &clc t> c v.) Im Ferienheim Oberrochwitz. das sich im Besitze der Fraternitasloge IT. D. B. B. befindet, werden im Gegensatz zu früher die Kinder während des diesjährigen Sommers in zwei Abieillingen von je drei Wochen ausgenommen. Diese Maßnahme bezweckt, möglichst alle echvlwrgSbedürßU«e» Kinder der Dresdener jüdischen Gemeinde in de» ffttmt* beim unterzubringen. — Au- BeröffMlichmrge» der Israelitischen ReligionSaemeinde geht hervor, vatz hie 1W1 von ihr etwothtnt Bibliothek deS 1018 verstorbenen LiteratmprvfefforS August «Lusche eiue der bedeutendsten Sammlungen -er Disfenschaft der eudentums darstellt. Sie enthält u. a. Werke der deutschen iteratur, Philosophie und neutestamentlichen kritische« Theologie. Biele Bücher und Schriften habe» höchste» Seltenheitswert, da sie inzwischen vollständig vergriffe» stütz. Krauksurt a. M. (GemeÜndefitzuugJ Am 30. Juni tagte» unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Merz Lach die Gemeintzevertveter. Im Neunen deS BorftaudeS tzeLt Herr Dr. Baerwald mit, -aß Herr Rabbiner Dr. Lz»««S am gestrigen Lag« nach langer Krankheit sein« erste AmtShantzlung wieder vornehme« konnte. Gleichzeitig dankt er in warmen Aorten Herrn Rabbiner Dr. GaLzVevaer. -er in langen, mühseligen Wochen die Hauptlast der Arbeit übernommen habe. Die Gemeintzevertreter nehmen Laim Stellung zu dem Borstanüsbeschlnß betreffs der Neuauslage des ersten Teiles -des Soligmannschen GoVe-LbucheS. Der Vorstand selbst ist mit der Ausnahme der 5 Megilloth «inverstanden und Littet die Gemeintzevertretnng um beschleunigte Beschlußfassung, .damit das Buch noch vor -den Herbstseiertageu erscheinen könne. Herr Dr. Geiger (lib.) bemängelt die äußere Fassung deS Buches mit seiner teilweise ganzseitigen und teilweise halbseitigen Anordnung der Gebetstücke, wodurch unklar bliebe, welche Gebete hebräisch und welche deutsch zu sagen feien. Dazu käme, daß maßgebende Stellen sich geäußert hätten, daß diese Anordnung mit Absicht so labil gehalten sch, so daß Mo die Art des Bortrages der Gebete willkürlich in die Hände der amtierenden Funktionäre gegeben sei. Der Redner befürwortet, daß im Druck deutlich erkennbar gemacht werde, für welche Teile der laut zu betende Text hebräisch und für welche TM« er deutsch zu sprechen sei. Herr G o i t e i n (jüd. BokkSpartei) stellt fest, daß di« Neufassung des Gebetbuches einen wesentlichen Fortschritt bedeute. Einzelne Teile jedoch bedürften noch der Verbesserung. io daß er deshalb Verweisung des Manüi'kriptes an eine kleine Kommission von Sachverständigen beantrage. Herr Dr. Baerwald glaubt, daß Herr Goitein von einer falschen Voraussetzung ausgehl. Nicht um das Erscheinen eines neuen Buches handele es sich Hier, sondern lediglich um die verbesserte Neuauflage eines vergriffenen Buches. Man sei von dem Wunsche der liberalen KultuskomMission. auSgegangen, kleine Unebenheiten auszumevzen. Die nochmalige Einberufung einer Kommission sei allein aus Zeit- und Verfasinngsgründen nicht angängig. Auch die Befürchtungen des Herrn Dr. Geiger. Laß die Willkür einzelner Funktionäre entscheiden könne, träfen wohl nicht zu. Herr Landsberg (lib.) spricht sich gegen den Antrag Geiger ans. Die deutschen Gebete würden, sowestt sie der Vvrtzeter vvrtrage. undeutlich, und damit wirkungslos, gesprochen. Eine labile Anordnung sei schon deshalb vorzuzi-Hhen, weil, wenn im Laufe der Jahre der Wunsch nach mehr Deutsch hervortreten solle, diesem man üann ohne weiteres entsprechen könne. Herr Grünstein (jiifö. Bolkspartei) nimmt Zlnstoß an einigen Diktionen des Buches. Herr Dr. Mainzer flitz.) wendet sich gegen die Ausführungen deS Herrn Landsberg. Er hält es für unzweckmäßig und bedenklich. daß einzelne Gebete gleichzeitig deutsch und Hebräisch gesprochen werden sollen und pflichtet der ÄussassMig -es Herrn Dr. Geiger bei. Herr Dr. Geiger Mb.) erklärt die von ihm VemLngelte Anordnung habe gar nichts mit den Gebeten des Bvrbeters zu tun. Auch bestehe nicht -ie Absicht. wie vou anderer Sette behauptet werde, hebräische .Gebets grundsätzlich auszumerzen, sonder« es müsse lediglich die Verpflichtung maßgebend sein, auch diejenigen in der Synagoge beten zu lasten, die des Hebräischen uukvnbiq. dennoch der Segnungen eines Gottesdienstes teilhaftig werden wollten Man dürfe nicht sagen, die Religion solle warten, bis das DE zu ihm komme, sondern man müsse gerade unrgekohrt di« Religion zum Volke führen. Der Vorsitzende. Herr Dr. Merzbach (lib.), hält eine etwaige Vertagung für bedauerlich und ersucht -ie Gemeindevertreter, da nun doch schon grundsätzliches Einverständnis herrsche, um unbedingte Ablehnung des Antrages Goitein. Auch Herr Landsberg (lib) erklärt sich hieraus mit dem Antrag Geiger einverstanden. Der Antrag Geiger auf Kenntlichmachung -er Sprachenanweifnng im Texte des Gebetbuches wird angenommen. Nach längerer, zum Teil recht hitziger Debatte, an der sich die Herren Dr. Baerwald, Dr. S i m o n iiüö. Bolkspartei). Dr. Geiger (lib.). Stiefel (lib.) beteiligen, werden die Budqetzwölstel für die Monate Juli und August bewilligt. Nach einer Debatte Wer die Abänderung der Geschäftsordnung bittet schbietzlich die Gemeindevertretung den Vorstand, in Erwägungen darüber einzutreten, wie es möglich ist. noch vor den Herbstseiertagen die Ärankonhaussyuagoge in ihren früheren oder einen sonstig geeigneten Raum zu verlegen. Die Gemeiudevertreter ersuchen um genauen Bericht in der nächsten Gemeindesitzung. Die Oesfentlichkeit wird hieraus ausgeschlossen. _ . _ «. HL (LodeSfakL) 9» der Nacht va» 29. auf SO. Jmri verstarb plötzlich tm 89. Lebensjahre Herr Direktor GlauVerg. Der Verewigte war iu den neunziger Jahre» des vorigen Jahrhunderts aus de« klemev Lanaeufebold nach Frankfurt gekommen und übernahm hier die Mazzenbäckerei -er Gemeinde. Aus kleinste» Anfänöeu heraus vermochte er Salb dank einer außergewöhnlichen Willenskraft und et»«« »uermüdlichev BieveMeiß sich zu höchste» sozialen Stufe» emporzuarbetteu. Gr gründete bau» später im Berei» mit anderen große» Finne» die Brotfabrik Osthafen, die M6 statt heutigen Tage als das Muster einet modernen Fabrik gilt. Als Mitglied -er konservativen Fraktion der Ginytttsgemeintze vertrat er warmherzig in Wort und Schrift dte Interesse» der fübtsche» Hmtzdumröer. wie er auch dem Vorstand des Vereins selbständiger ifraeüttscher Handwerker und GewerbetretSeutzer auge-ürle. Hett feine» Lebens hat dieser, seine« innere» Wesen und Äußeren Wirke» nach einfache Mensch sich in praktischer Güte und wohltuender Unbedenklichkeit für Mt Not anderer erwärmen könne» und sich so de» nnauSlvschbaren Dank vieler erworben. Auch der tu jüdische» Dingen in einem awderen Lager Stehende wird im Hinbück auf solch reiche Lebensarbeit nicht anders urteile» könne», als daß dieser viel zu früh Dahingeschiedeue treu feinem Glauben und treu seine» deutschen Doll dem Wohl und der Wohlfahrt aller gelebt bat» Frankfurt a. M. (Tage jüdischer MnsiLs Durch ein Versehen des Druckers wurde in dem in der vorigen Nummer veröffentlichten Bericht des ersten Abends der jüdischen Musiktage der Name des Herrn Kantor» Namnow- Fleischmann vergessen. An Stelle de» im Programm anäekündigten Herrn Ziegler saug Herr Oberkantor Namnow- Fleischmann von hier mit einer schöne», von warmer Inbrunst getragenen Stimme die BarttvnsoliS. ES «ruß ferner in dem Bericht heißen: A. Holde und nicht Govde. Gtudirenvat F. RoMchiAö und nicht R. Frank, Namnow - Fleflchmaun und nicht Naimow - Fleflchmann, R. Schucht und nicht Schlucht. Kassel. lT ödes fall.) Kommerzienrat Moritz Wertheim, Seniorchef der Banksirma S. I. Werihauer jr. Nachfolger, ist jäh und unerwartet am Gehirnschlag gestorben. Im Geschäfts- und Fabrikleben, mit dem ihn innigste Beziehungen als Aufsichtsratmitglied zahlreicher hiesiger und auswärtiger Firmen verbanden, genoß der Verstorbene Hohes Ansehen. Zuvorkommende-, hilfsbereites Wesen schufen ihm zahlreiche Freunde, und so hat die Nachricht von seinem plötzlichen Tode innige Teilnahme geweckt. Sozialer Arbeit widmete der Entschlafene gern und frerrdia seine Unterstützung, und auch manche Anstalt jüdischer Wohlfahrtspflege--verliert in ihm den opferwilligen Freund und Förderer. Namentlich werden die von seiner Gattin, Frau Eugenie Wertheim gegründeten und betreuten Anstalten, das Altersheim und der Kinderhort, es schmerzlich empfinden, daß einer ihrer edelsten Gönner nicht mehr unter den Lebenden weilt. In seiner Eigenschaft als Stadtverordneter hat der Verstorbene ebenfalls mehrere Jahre hindurch gemeinnützig gewirkt. München. (Was München passieren mutzte.) Bei dem Stiftungsfest der Universität München wurden die Namen von sechs Studierenden üekanntgogebeu. die die von Len einzelnen Fakultäten für das Studienjahr 1926/27 gestellten PreiÄaufgabeu gelöst haben. Unter diesen sechs Preistragerir befinden sich zwei Juden, nämlich Karl Silberschmidt aus Aschaffenburg, Sohrr des Honorarprofessors und Rates am Obersten LanLessericht Dr. Wilhelm Silbecfchmidt. der die Aufgabe der zweiten SeMon der vhikofophischen Fakultät gelöst, und der Mitarbeiter des „Jüdischen Echo" cemcL med. vet. Erich Deutsch aus München, der mit seiner Arbeit „Untersuchung über den Einfluß der Bauart der Stallungen und der Führung des Stallbetriebcö auf öie Beschaffenheit der Stalluft" den Preis der tierärztlichen Fakultät errungen hat. Schenklengsfeld (Hundertjahrfeier der Chewrah-Bachurim.) Anläßlich ihres hundertjährigen Bestehens veranstaltete die htefige Chewrah-Bachurim einen Fostgottesdieust. Chorgesang erSffnete die Feier, die in der blumengeschmückten Synagoge ftattfarvd. Lehrer Grünewald hielt eine aus den Jubilämnstag eingestellte Festpredigt und beschlvb mit dem Chor durch musikalische Beiträge die eindrucksvoll verlaufene Feier, die auch durch eme gemütliche Zusammenkunft der Mitglieder mit ihren Damen harmonisch ergänzt wurde. (xoxnxmajaociD^^ 8 Tage vor Ihrer Reise müssen Sie bei Ihrem zuständigen Postamt die Ueberweisung beantragen, wenn Ihnen die „Jüdischliberale Zeitung" auf kürzere oder längere Zeit in die Sommerfrische nachgesandt werden soll. Fritz Reuter kein Antisemit. Zu seinem Todestage 12. Jnli 1874. In Stavelchagen wolintcn zu Reuters Zeiten viele Juden, mit denen er einen angenehmen und regen Verkehr unterhielt. Schon seit seiner Gymnasialzeit verband ihn innige J-riucndschast mit dem späteren praktischen Arzt Dr. Michel Licömann. Im Jahre 1Sö7, als Ncuter ans der Höhe seines verdienten Ruhmes stand, schrieb er, wie Dr. Strijek berichtet, nun seiner Eisenacher Billa au Liebmann: Mein lieber, treuer Bruder! «Dir, dem Juden, -der in trübster Zeit, in Not und Tod treu zu mir gestanden, verdanke ich viel mehr, als manchem, durch seinen Glauben aufgeputzten Christenmeirschcn. Nun kommen sic, viel-c, auch sehr viel« — aber damals, als -es wirklich not tat. da hatte ich wirklich keinen, der mir so treu zur Seite stand, wie Du." Jtin 31. Kapitel der „Dtromtid" schildert Reuter den { Tr. Licbmaun und icine Tochter Anna „De Water von de lütte Anna war cn Doktor, um cn Titel hadd hei gor nich, aewer hei ljadö wat Betcrcö, hei hadd cn Hart für de A nuaut." In den von Adolf Wflbrmidt herausgegebenen, nachgelassenen Schnft-en von Fritz Reuter heißt es im achten Briese: «Lieber Herr Jnspector Bräscg! In einer kleinen Stadt lebt ein edler Israelit. Der Mann beschließt, dem Zuge seines Herzens z-u solgeii, und sich seiner leidenden Mitmenschen zu erbarmen. Er geht zu seinem Gelbkasten, er l>olt 100 Thal er preußisch Courant hervor und giebt sie zu einer Suppen-Austalt für die Armen der Stadt. Große Freude in der christlichen Berfamrmlung! Haben Si-e's schon gehört? „Ja, ja, weiß es schon. Hat 100 Thaler ge- . zeichnet. Ausgezeichnet! Ja, er hat aber auch seine eigenen Mi'tcJ>cn zu diesem wohltätigen Zwecke angeboten (Allgemeine Freude mild Anerkcnu-ung.) Da erhebt sich -der Superintendent, und spricht: „Meine Herren, Annehmen oder Ab- 'rir.icu? Düs ist die Frage. Ich stimme für Ablehucn. Nie werde ich als christlicher Superintendent zngebcu,. daß christliche Arme aus einer Judenküche gespeist wenden!" „Ich auch nicht", ruft die StachtvovsteheexGvwält und fügt energisch hinzu: „Nie nicht! Nie nicht! Nie nicht!" Trotz dem heftigen Widerspruch von 4 Mitgliedern des Comitees, wird die Annahme geweigert. Di« Intoleranz hatte mal wieder gesiegt." Der Brief des Dr. Lisbmann, die Spende der 100 Thaler sind zwei Dokumente des Philo — nicht des Antisemitismus. Die Herren Max Beaver und Theodor Fritsch, für uns Inden unseligen Angedenkens, nehmen n-atürlich in ihren Hetz-Broschüren von diesen Tatsachen keine Notiz, ihr Prinzip ist: Caluniniere audaeter, semper aliqued haeret. Nun wollen wir mal einige Geschichten, welche den Beweis der angeblichen Judenserwdschaft Reutererbringen sollen, unter die Lupe nehmen. De ruffflcheu Rubeln. Der Fuhrmann Ddatz war ei«em Juden siw Daler sösteihn Groschen schuldig. Da Schmuhl sein Geld in Güte nicht erhalten kouute, ging er zmn »Kadi", und Matz wurde zur Rückgabe mit den Kosten verurteilt. „De Juid. de kümmt. um manht en wedder, Matz stiggt von sinen Wagen nodder. Du best mi", seggt hei. „in ein schönen Trubel, Dorch Din verdammtig Klagen bröcht. Wenn ick den Lnggodur in russ'sche Rnveil Di uu vetM. is Di dat recht? Ich howw sei eben von den Russen kregen. un twors so vel, dat iek sei Knapp bann drägerc. „Ja woll", sagt SchmuA. ,>gieb her das Gew. Dat dacht iek mi. Sieh! dat gefüllt Di woll". seid Maß un grep Nahn Wagen r-upper näh sin Schwep. (Peitsche) lln tellte em, as mußt so sin, In sine Jack -en Dutzend rin. ..Heww-k ok kein Luggsdur nich, Jnd Tahl ick Di russ'sche Rubel ut. Du seagst jo, 't es Di einerlei De sulw'gen Rubel geww ick Di De mi betahlt oll Rosomi Un wenn', nicht kliltgen, klappen si. Diese brutale Slrt der Zahlungsweile erinnert an die moderne Fehmc. Dat heit ik aniführen. Tau Bram-borg wohnt en oller Jud, - De hadd schir so vel Gew a» Metz. He! hungerte und döst, inbetz Hei immer mchr tauqammen fchrapen dsd, Emst hatte er sich gekochte Erbsen verwahrt, die durch das Stehen sauer geworden waren. Sie fortzmverfen. war sein Geiz zu groß. So gung hei endlich tau en Schap un wem Ne Buddel rute mit eu 5bäM, Un schenkte stck en MäSken i«. lln sprak tau sik in ssnen Sinn: As Du ißt die Erbsen. Levi, As Du kriggst e» kleinen Kü-mwel. As Du nicht die Erbsen ißt. As Du nicht den Kümmel kriggst. lln -sowtt kratzt hei as den Schimmel. De üwerall all up de Arwten stnnn, Un fvat de suren Arwten run. " Un höll dorup de» Gluck au't Licht. Un makt eu frmtdiliches Gesicht, Un lickmunnt säut und griut em tau. Doch as hei nachdacht hett in Rmch. Dat hei den Sbuck woll sparen kann. Dun got hei'n nah de Buddel rin. Da Hab ich. seggt dat olle Dirt D»n alte» Levi angeführt. ' Geizhälse sind kein Typ für Joden, solche anormate, üe. kltdgenswerte Menschen ha-t auch das Ehristenttrm anfzu- »»eisen. 2 Thessalonicher 6.10 heißt es: Geiz ist eine Wurzel cklle» UedelS. . Gin anderes Gedicht, auch den Geiz behandelnd, ist betitelt: En Schm utz. In Prenzlau wohnt en Jud', de hadd Mit Giz den wahren Deuwel feihn. Ms seine Söhne zu Vermögen gekommen waren, schenkten sie chm für die kurze Jacke, die er zu tragen gewohnt war, einen neuen Rock für neun Thaler As Gott mich niomals strafen soll, Was gabst Du, Benjamin for ihn? „Zwei Thaler". seggt ihm Benjamin, De Oll -echt nu ganz lustig surt. Doch knapp hett dat twei Stunden Imt, Dünn hei in stck Jack tauvügg. Na Beusermi», de flwtiwert sich,