Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 26 (1.7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Kameraden^ zum Bortrag, während dte erschienenen Militärvertreter die Ehrenbezeugung leisteten. Die jüdischen Frontsoldaten defilierten an dem Denkmal vorbei. In tiefer Ergriffenheit schieden die Anwesenden von dem Denkmal de^aefall-enerr Söhne der Jüdischen GeaneinLe Berlin. Berlin. (Die Liturgie der Resormgemeinde.s Dem Mitteilungsblatt der Jüdischen Reformgemeinde entnehmen wir: „Die Kommission für Schaffung einer neuen Liturgie unter Leitung des .Herrn HanS Lachmann-Mosse hat ihre Arbeiten rüstig gefördert. Neben der Liturgie für den Skrintagsgottesdienst. die bereits eingehende Besprechung fand, ist die Murale siir die Wallfahrtsfeste so rechtzeitig sertiggestellt. daß bereits an Sen beiden letzten Festen der Gottesdienst nach dieser neuen Liturgie stattfinden konnte. Daß Sie Seelenseier nicht mehr als eine Art Nachfeier am Ende d«S Gottesdienstes steht, sondern, wie es ja überall üblich ist, mehr in die Mitte gerückt ist, wird die, die glaubten, zur Seelenfeier immer noch früh genug zu kommen, zu größerer Pünktlichkeit anhalten. Am Versöhnnugstag bleibt die Seelenseier aus besonderen Gründen an der bisherigen Stelle. Auch wird diese Seelenfeier umfangreicher und ausgedehnter mit all den gewohnten Gesängen gestaltet. Besonderen Wünschen nachkommend, die berechtigt erschienen, ist auch die Seelenfeier an den WallfahrtSfesten noch etwas ergänzt worden. Die Liturgie für die hohen Feiertage ist ebenfalls schon so weit gefördert, daß sie in ihren HauptteAlen bereits gestaltet ist, so daß wir mit Sicherheit damit rechnen, daß schon an den kommenden hohen Festtagen der Gottesdienst nach der neuen Liturgie veranstaltet werden kann. Da durchweg die laugen Gebete des Borbeters in Fortfall kommen und teils durch stille Gebetsähe ersetzt, teils in stille Gebete mit nwd ohne Orgelbegleitnng nmgewandeli werden, da ferner die Gruppierung der einzelnen Teile um bestimmte Höhepunkte die Liturgie übersichtlich und fortschreitend gestaltet. so daß Ermüdung durch allerlei Einschaltungen und Wiederholungen vermieden wird, so wird die andächtige Stimmung bedeutend gehoben werden und vom Anfang bis zum Ende des Gottesdienstes nicht erlahmen. Bei all diesen Umgestaltungen u\t>b Neugestaltungen sind die berühmten, allerort bekannten traditionellen Hanptstücke der Festliturgie erst recht als die sofort erkennbaren Höhepunkte zur Geltung gekommen, und sic erfahren durch stärkere Berücksichtigung der traditionellen Melodien und erhöhte musikalische Ausgestaltung die ihrer Bedeutung entsprechende besondere Weihe. Wir sind sicher, daß die neue Liturgie unsere alten Fremde noch enger mit unserem Gottesdienste verbinden und unseren gottesdienstlichen Beranstaltnngen zahlreiche neue Freunde gewinn«»« W'r* “ Berlin. <F a m ilie n f o r s ch u n g.s Die Gesellschaft für jüdische Familiensnrschung hielt am 15. Jnni d. I. in Berlin ihre dritte ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Tätigkeitsbericht des Sekretariats ist zu erwähnen, daß das abgelaufene Geschäftsjahr dem inneren Aufbau gedient Hat. Das Archiv hat sich ansehnlich vermehrt und wurde in zahlreichen Fällen erfvlareich von Familienforschern benutzt. Anch die Bibliothek der Gesellschaft konnte erweitert werden. Die Viertels ahrszeitschrist. die die Gesellschaft herausgibt, ist pünktlich imd regelmäßig erschienen und brachte mit insgesamt 23 Originalabhandlunigen Beiträge zur theoretischen und praktischen Familiensorschung. Die biologische Famili,eusorschung, die Familicnlegeude und das nicht nur interessante, sondern anch in besonderem Matze praktisch verwertbare Kapitel Wer Familiennamen wurde ausführlich behandelt. Biele Interessen sind somit befriedigt worden. Bei -der praktischen Arbeit des einzelnen Forschers hak die Gesellschaft nützliche Dienste geleistet. In grober Anzahl wurden mündliche und schriftliche Auskünfte, sowie eingehende Beratungen erbeten und.erteilt. Bon besonderem Nutzen hat sich das S u ch V l a t t, das in Verbindung mit der ZettsWrift jede« Nditgliode kostenlos zur Verfügung steht, erwiesen. ES wurden viele Fragen gestellt, und von den zahlreich eingsgangenen Antworten wuvden die meisten bereits ve'rMentticht. Vortragsabende und Besichtigungen führte» die Mitglieder und Freunde zu regem Gc»daukenaustausch zusammen. Der gesamte Borstand wurde per Akklamation wisdergewählt: die Geschäfte führen, wie seither: Dr. CzMtzer. als Vorsitzender: Dipl.-Pauftnann Ernst Wolfs, als Schriftführer: Reg.-Bamneister Wolf Stern, als Kassenwart. Fm Anschluß ass den geschäftlichen Teil hielt Herr Dr. Czelkitzer einen Dortrag über: „Familienglück »nid Statistik", denk eine angeregte Diskussion folgte, und die Zeugnis von dem rege» Interesse der Zuhörer «bleche. Der Bortrag selbst wirb in der Viertekjahrszeikschrist demnächst vertzffenMcht. fktfts. iSportsest des R j FI Am 3v. Juni 1-927 feierte die jüdische Fungsront. Jugend- und S-yorigruype im Reichsbutzd jüdischer Frontsolldaten, auf dem Bar-Kochlba- Oportplatz in Maviendors ihr dteSMriseS internes Sportfest. Die eindelneu Konkurrenzen waren durchweg gut belegt und zeigten ein gutes Können, wenn auch keine Rekordleistungen etftielt wurden. ES war eine Freude, die gut durchtrainierten Körper der beteiligten Jurrgmariwen und Mädchen zu sehen. Auch die Männerabteilung zeigte hervorragend« Lchstuwgen. Leider war der Wettergvtt der Veranstaltung nicht günstig gesonnen, trotzdem folgte eine große Menge den sportlichen Darbietungen und spendete de« Spieler» reichen Boistzll. Danzig. Synagogeueinbrnch.) Ju der Nacht zum 18. Juni wurde in die Synagoge eingebrochen. Entwendet wurde ein Kelch und eine silberne Büchse. Dresden. lA u s . dem Ge nr c i n dep a r l a m e n t.) Zn Begin der ersten im Juni staitfindendeu Gemeiuderakssitzung verliest der Vorsitzende. Vorsteher Siegfried Piontowski. die eiugegaugenclr Schreiben. Kaufmann Jacob Baltin-Dresden hat die Wahl in die Steuerberusuugskonmdission Her Dresdner Gemeinde angenommen. Vorstand und Friedhofsaus schütz machen Mitteilung von ihrem Beschluß, in Zukunft die Ausstellung von Gräbmäleru auf dcau hiesige» Mischen Friedhof erst dann zuzulasseu. wenn seitens der Hinterbliebenen alle der Beerdigung-Brüderschaft gegevüber bestehenden Verbindlichkeiten geordnet sind. Das Kollegium stimmte dieser Regelung zu. Ueber Hi« Tagung der deutschen jüdischen Landesverbände, die am 22. Dich in Dresden stattfand, berichtet Borsteher Rechtsanwalt Sulinger. Hierzu führt Gemeindeverordueter Dr. John Levy aus. daß er den Standpunkt der jüdischen Bolkspartei dahiivgehend befürworte, überall dort, wv für die Delegiertenwahr der Landesverbände das Nrioochlsystem nicht bestehe, dieses Wahlsystem — unmittelbare, gleiche und geheime Wahl — für die Wahl der Vertreter zum Reichsverband zur Anwendung zu bringen. Rechtsanwalt Salinger. der die Dresdner Tagung der deutschen jüdischen Landesverbände in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandcs geleitet hat. erklärt demgegenüber nachdrücklichst: „Der Weg zur Berwivklrchiung, des Reichsverbandes, der geschaffen werden muß, führt über die Landesverbände. Man mutz es den Landesverbänden und den Gemeinden, die einem Landesverband nicht angchören, selbst überlassen, nach welchem Modus sie ihre Delegierten für den kormnenden Reichsverband wählen wollen." Nach Kenntnisnahme von der am 19. Juni nach Chemnitz cinbernfenen Ausschutzsitznng des Sächsischen Israelitischen Gemcindeverbarch.es macht Vorsteher Pionkowski Las Kollegium mit dem Inhalt der zweiten Eingabe des Rabbiners Dr. M. Schornstein und Genossen vom 29. Mai 1927 bekannt, in der Maßnahmen zur Einrichtung eines orthodoxen Gemeindcgottesdienstes gewünscht werden. Vorsteher Max Levi erklärt als Vorsitzender des Synagogenausschusses, daß dieser bestrebt fein werde, die Wüm'che der orthodoxen Elemeiudemitglieder zu erfüllen. Gleiches sicher: namens der liberalen Fraktion Rechtsanwalt Salinger unter der Bedingung zu. daß mit, dom Bestehen eines von der Gemeinde zu unterhaltenden orthodoxen Gottesdienstes die Unterstützung der Bethau svereiue und Mmjonim aufhöre. Die von Dr. John Levy für die jüdische Volkspartei zu diesem Pmvkre verlesene Entschließung lautet: 1. Die Gemeinde halt es für begrüßenswert, einer, orthodoxen Gemeindegottesdienft einzurichten. — % Finauzkommission und Synagogenansschntz werden gebeten, bis Mm Oktober 1927 dem Gemeinderat darüber zu berichten, ob es technisch und finanziell möglich ist. im Etatsjahr 1928 einen orthodoxen Ge- MeindegotteSdienst ins Leben zu rufen. — In zwei weiteren Punkten der volksparteilicheu Resolution wird der Vorschlag gemacht, den Adaß Jeschurun zur Stellungnahme zu den Vorschlägen Dr. Schornsteins zu veranlassen. Genüge der Gottesdienst des A .I. des orthodoxerfetts zu stellenden Äusprüchen. so soll die Rdatz Jeschurun bis zur Schaffung eines orthodoxen GemeisidogvtteSdrensteö die bisherige Unterstützung der Gemeinde weiter erhalten. Nachdem Dr. Leun die Entschließung ausführlich begründet hat. erfolgte eine längere Aussprache, an der sich außer Rabbiner Prof. Dr. Winter die Herren Direktor Zucker. Pionkowski uud Lehmann beteiligten. Als Ergebnis stellt der Vorsitzende fest, daß der Gemeindevorstand den Auftrag hat, die Angelegenheit im Sinne der Erklärung der liberalen Fraktion und der Volks Partei zu bearbeiten. Bor Schluß der Sitzung spricht das Kollegium gemäß der durch den GemeinÄeverordneten Egon Feuerstein vorgenommenen Prüsimrg Hie Rechnung des Henrieikenstiftes für 1926 richtig und erteilt der Vermal tun« Entlastung. Für und wider! Don Doris Witt »er. i Fortsetzung.) Kaum im Zuchthaus eiugetroffen, hat Kowner Gelegerrheit genommen, an Dostojewski, den intellektuellen Urheber seines eigenen Verbrechens, zu schreiben. Ohne Beschönigung stellt er sich dem großen Manne vor: „Ich bin erstens Jude, und Sie sind den Inden nichts weniger als wohlgesinnt lworüber ich übrigens noch später reden werden): zweitens habe ich zu jener Art der Publizisten gehört, die Sie verachten: habe ich Sie doch besitzt, voll Wut und Bosheit beschimpft." Rach einer meisterlichen Analyse von Dostojewskis Werken fährt er fort: „Ich bin in einer vielköpfigen, armen jüdischen Familie in WUna zur Welt gekorumen. in einer Familie.äwo die Leute einander um eines Stückchen Brotes willen verfluchten: ich habe eine rein talmudische Erziehung erhalten und bin. nach jüdischer Sitte, bis zum siebzehnten Lebensjahr in kleinen Städten mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung umhergezogen, wo ich auf fremde Kosten lebte. Mit siebzehn Jahren wurde ich mit einem Mädchen verheiratet, das viel älter war als ich. Mit achtzehn Jahre ging ich meiner Frau durch, nach Kiew, wo ich die russische Grammatik, fremde Sprachen und die Elementargegenstände der allgemeinen Bildung, vom A angefaugeu, zu studieren begann... Da ich die hebräische Sprache nnd die talmrddische Literatur gründlich kannte, faßte ich den Gedanken, der Refonnator meines unglücklichen Volkes zr' werden. Ich schrieb einige Bücher, in denen ich. auf Grund der europäischen Wissenschaft, die Albernheit der jüdischen Vorurteile nachwies: aber die Juden »eÄhkannten meine Bücher und verfluchten mich. Hierauf stürzte ich mich in die Arme der russischen Literatur. Ich zog nach Odessa, lebte dort ausschließlich von der Mitarbeit bei lokalen Blätter« und korrespondierte mit Petersburger Zeitungen. Im Jahre 1871 ttbersiedelte ich «ach Petersburg. Dort begann ich als Mitarbeiter bei verschiedenen Z^-ffu^eu. wie „Die Tat". „Die Bibliochek". zDie unwersellt Arbeit". „Die Petersburger Nachrichten"* und wurde später ständiger Mitarbeiter oet der „Stimme^. Nachdem ich mich mit Krajemski überrvvrfen hatte, beschloß ich. die Ltteratur aufzugeben, dem ermatteten Hirn Ruhe m gönnen und' irgendein« mechanische Ardett zu erpressen. Ich trat bei de, Darlehens- «ns Diskontbank als srEscherf KsrretzrnrSnrt ein. Die »ene. meiner Arzichmng, «einen Gewohnheiten, meine» Ueberzeuauwgen eichWamaesetzte Atmosphäre verpestete mich. Nachdem ich zmei Iahte tem$ str die Operationen der Bank GinSttck gewonnen Hatte, überzeugte jch mich, daß alle Banken ans Betrug und Gaunerei aufgebaut sind. Ich sah. wie die Leute Millionen verdienten, die Versuchung trat an mich heran, und ich beschloß, eine Summe zu stehlen, die drei Prozent von dem jährlichen Reingewinn der Aktionäre der reichsten Bank in RMland darstellte. Diese drei Prozent wachte« die SumAe von hundertundachtmrdsechzigtausend Rubeln aus. Mit diesen drei Prozent hätte ich meine gebrechlichen Eltern, meine zahlreiche, bettelarme Familie, meine Mlnderjährigeu Kinder von der ersten Frau, das geliebte und liebende Mädchen, ihre Familie und noch viele „Erniedrigte und Beleidigte" versorgt, ohne irgend jemandem einen wesentlichen Schaden zngefügt zu haben. Das sind die wahren Motive meines Verbrechens. Ich will mich rrichk rechtfertiKen, erkläre aber sogar Ihnen, daß ich, nachdem ich daS Verbrechen begangen hatte, nicht die geringsten Gewissensbisse weder empfunden habe, noch empfinde. Zweifellos ist mein Verhalten der gesellschaftlichen und der Bnchmoral entgegen, ich sehe aber darin in keiner Weise das entsetzliche Verbrechen, womit fast die ganze russische Presse mit schäumenden Munde gesprochen hat, indem sie mich mit Schmutz bewarf und mich als eine Ausgeburt des Menschengeschlechtes darstellte . . ." Und «ach diesem mutigen Bekenntnis geht Kowner unverzüglich meckias ia res, indem er an den großen Mann, den Repräsentanten der Menschheit, die Fragen richtet, die chm auf der Seele brennen: „Ich möchte gerne wissen, warum Sie nur gegen die Juden und nicht gegen di« Ausbeuter überhaupt auftreten. Ich hasse nicht weniger als Die die Vorurteile meiner Nation, und ich habe genug darunter gelitten: niemals jedoch werde ich zug-eben, daß gewissenlose Ausbeutung dieser Nation im Blute liegt. Können Sie sich wirklich nicht zu dem grundlegenden Gesetz eines joden sozialen Levens erhebe« demzufolge alle Bürger, ohne Ausnahme» sobald sie die für die E x i st e n z eines Staates notweirdigen Leistungen auf sich nehmen, auch aller Rechte und Vorteile von dessen Existenz teilhaftig werden müsse«, und daß für Uebertreter des Gesetzes, für schädliche Mitglieder der Gesellschaft ein und dasselbe, für all« in gleicher Weise geltende Maß der Vergeltung herrschen mutz? Warum sollen alleJuden in ihre» Rechten beschränkt sein und warum soll es für sie eigene Strafgesetze geben? Juwieferu ist dt« Ausbeutung durch Ausländer (die Juden find doch schließlich auch russische Untertan e n), durch Deutsche, Engländer, Griechen, von denen Rußland über und über voll ist. besser als die Ausbentnng durch die Juden?... Nein, Sie kennen leider Meder das jüdische Volk, noch dessen Lebe nsf o rme n. n o ch d e ss e n G e i st. n v ch sch l ie ß- Esens lOstsriesland). sTodes-fa>ll.f 57. Lebensjahre verstarb plötzlich am Herzschlag Lehrer Gotffchalk» der durch 38 Jahre erfolgreichen Wirkens geschätzte und geachtete Beamte der hiesigen israelitischen Gemeind«. Ein großes Trauergesowe, an dem sich zahlreiche Berussgenosfen und Bürger der Stadt beteffigten. geleitete die sterbliche Hülle des Euvschlafenen zur letzten Ruhestätte. In zahlrekcheu Ansprachen, die von Landrabbtner Dr. Blum-Emde». Lckhrer GotbschäE-Ernde». Lehrer Klein-Norden. Vorsteher v. d. Wcklde-E-mtzen, Lehrer Wvlff.Uurich und deur Vorsteher der Gemeinde Esens gehalten wurden, trat die allgemeine Trauer um den jäh aus dem Leben geschiedenen -bewährten Jngenderzieher nn-d BernB-genossen zutage. Der Verein der jüdiischen Lehrer in den Ratzbiwatsbezir-ken Enrden-Oldeaburg-Bremeu verliert in dem Heimgegang-eiden ein treues und eifriges Mitglied, «den als Schriftführer um die VersinSiirtereffen verdienten Berichterstatter, dem ein getreues Gedenken in der Geschichte der Organisation gesichert bleibt. . Frankfurt a. M lJubiläum.) Am lö. Juni beging Herr Heinrich Emde», ein langjähriges Mitglied der jüdischliberale» Bereinigung seinen 75. Geburtstag. Dem Jubilar, der alS Ehrenbürger der Universität Frairksurt a. M.. alS' Ehrenmitglied der Fakultät für Wirtschaft und Sozialwisscn-- schaft und der deutsch -südslawischen Gesellschaft, als Dorstandsmitstlied des Republikanischen Reichsbundes, der deutsche« Stivdentenhilse, des Freien deutschen Hochstiftes, der deudsch-orientalischen Gesellschaft, der Schopenhauergesellschast nsav. eine führende Rolle im öffentlichen Leben spielt, wurde von der Presse aller Richtungen die herzlichsten Glücknmrvsche zu seinem Ehrentage dargebracht. Wir schließen uns um so freudiger an. als ja der 75jährige auch stets für die Not i-m tüüischen Loben ein mitfühlendes Herz hatte. Schwerlich werde» wv-hl je seine deutschen Mitbürger gleicher Konfession z. B. sein Wirken für das Phrlantropin in allerschwevsten Zeiten vergessen könne«. Herr Emden, der bekanntlich auch im Vorstand ,<dcs Vereins znr Griirvdung und. Erhaltung einer Akademie für Wissenschaften des Judentums" sst, hat mit Gut und Blut, — er verlor einen Sohn im Weltkriege — sich stets für die Ideale eingesetzt, die wir deutschen Juden in gewaltiger Mehrheit als die unseren an» sehen. Mögen Heinrich Emden in gleicher körperlichen und geistigen Frische zu Frankfurts Nutzen nnd des Judentums Ehren noch recht viele Jahre glücklichen Wirkens beschießen sein! Hannover. sÄ-itzuug des Revr ä>se nt a»tenkolle q i u m s.s Am 21 Juni fand eine Repräsentautewsitzung statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung würdigte der erste Vorsitzende. Herr Kommerzienrat Berliner, die großen Verdienste des kürzlich versto-rbenen früheren ersten Vorstehers Senator Leopold Fischer. Sein Bild wird im Sitzungssaale des Verwaltungsgebäudes Ausnahme finden. Es folgen sodann Mitteilungen des Vorsitzenden über den Stand der Verhandlungen beir. Aufnahme einer Anleihe bei der Stadtschast Hannover. Das Geld soll zur Errichtung von Banliü)- keiten uns dem Friedhof in Bothseld Verwendung finden. Nach eingehender Aussprache beschließt das Kollegium, der dafür eingesetzten Kornmiffion Vollmacht zum Abschluß einer Anleihe in Hohe von 206 000 Mark zu erteilen. Es folgt die Besprechung der vorliegenden Baupläne für die Baulichkeiten auf dem Friedhof. Die Schönheit der Entwürfe löst allgemeine Befriedigung und Zustdmmrrlg ans. Dem ersten Vorsitzenden wird aus der Mitte des Kollegiums für seine vorbildliche Arbeit auch in dieser Angelegenheit gebankt. Das Kollegium erklärt sich mit ^den vorliegenden Projekten grundsätzlich einverstanden und beauftragt die danrii betraute Kommission, das weitere zur Ausführung des Baus zu veranlassen. Nach kurzer Beratung werden die Abgaben für das zweite Vierteljahr des Rechnungsjahres wie folgst,jtz^- gesetzt: In Rücksicht darauf, daß der endgültige ReichZewkvrnmensteneribetrag der Zensiten für das Kalenderjahr 1926 immer noch nicht festgestellt werden konnte, sott als Vorauszahlung auf die Synagogcnabgabe» ein weiteres BiertEMr im verflossenen Rechnungsjahr gezahlten Gomeindesteuern erhoben werden. Ein Antrag der Zionistischen Ortsgruppe an die Gemeinde, die von der ZOG. ins Leben gerufene hebräische Sprachschnle zu snlbvent'ionieren, ruft eine längere Aussprache hervor. Bon mehreren Herren wird Ablehnung gefordert, weil in der Sprachschule vorwiegend Neuhebräissch gelehrt wird. Andre wiederum machen darauf aufmerksam, daß die zur Verfügung stehenden wöchentlichen drei Stunden Religionsunterricht erfahrungsgemäß kaum hinreicheu, die Heranwachsende Jugend mit der hcbrässchen Sprache ordentlich vertraut zn machen. Es wird geltend gemaäsi, die Gemeinde könne kein Interesse daran haben, die Heranwachsende Jugend von einein zionistischen Lehrer zionistisch öelich dessen vierzig Jahrhunderte alte Geschichte. Ich sage l e i d e r. w e i l Sie jodenfaSs ein aufrichtiger. absolut ehrlicher Mensch, doch unbewußt der ungeheure» Masse eines im Elend dahinlebenden Volkes Schaden zu fügen. Die mächtigen Juden, welche Minister und Mitglieder des Staatsrate 8 in ihren Salons empfangen, die fürchten natürlich weder die Presse, noch auch den ohnmächtigen Zorn der Ausgebeuteten! Doch genug davon. Ich werde Sie schwerlich von meiner Ansicht überzeugen, würde aber auifS lebhafteste wünschen, daß Die mich überzeugten. Uud siehe: Das Wunder geschieht. Rußlands berühmtester Manu läßt sich herab, den Brief des Zuchthaussträflings Albert Kowner wicht nur zu beantworten, sondern auch zu erklären, daß er selten etwas Geistvolleres gelesen habe als eben diese« Brief. Und nicht allein, daß sich ein langivieriger Briefwechsel zwischen dem freien Doftojews'kl und dem inhaftierten Kowner entwickelte, hielt der große Dichter dieses Kapitel seiner Erlebnisse sogar für würdig, es in einer späteren Periode in seinem Roman von den „Brüdern Karamasoff" unter dem besonderen Titel „pro et contra" leidenschaftlich und eingehend z« erörtern. Rein persönlich stellt Dostojewski sich mit dem Airtor der „Beichte" völlig auf das gleiche Niveau, vermeidet sogar einen Ton der Belehrung. Ermahnung oder Predigt anzunchmen oder irgendwie auf feine eigene sittliche Üeberlegenheit anzuspielen. Die Gradheit und Entschiedenheit. womit Dostojewski seinen Freispruch fällt, indem er Kowner erklärt, er betrachte seinen ^Prozeß" ebenso, „wie Sie ihn selbst beurteilen", verdient jede Anerkennung. Ein ander Ding jedoch ist der reine Herzenstakt des Dichters einer gemarterten und zu Tode gehetzten Seele gegenüber: ein anderes die Einstellung des Denkers zu der von Kowner aufgeworfenen Judcnfrage. Da lesen wir in „Pro et contra“ unter anderem die folgenden vorurteilsvollen unnachdenklichen, populären Gemeinplätze nach-; plappernden, für einen Dostojewski geradezu beschämenden Sentenzen und Tendenzen: „Es mag vielleicht sehr schwer sein, hinter die vierzig Jahrhunderte alte Geschichte eines Volkes, wie das der Juden, zu kommen — ich weiß es nicht. Eines aber weitz ich bestimmt nämlich: daß es in der ganzen Welt kein zweites Volk gibt, das so über sein Schicksal klagt, stp ununterbrochen, bei sedem Schritt und jedem Wort, über seine Erniedrigung, über seine Leiden und sein Marty» rertum jammert wie die Juden. Man könnte f« wirklich denken, daß nicht sie in Europa f herrschen. Wenn sie es auch Ueinetme-en. nurausder Börse tnu. i» Reifet Mm Pvlitir. Sie inneren A«g-ek«gerrheiten, Dffe; , Moral der Staaten rLgrrri._Mas^auH-dep,^oAei 4