Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613920--2310-2619768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tttütcilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdischliberaler ^ugendvereine Deutschlands Monatliche Vellage zur südlich, liberalen Zeitung verantwortlicher Schriftleiter: Ernst Heinrich Seltgsohn» Verlia-Gnmewald, Douglasstraße so Grundsätzliches über Erziehung und über jüdische Erziehung. Bon Walter I. Kaufmann, Berlin. Die Frage -er Erziehung ist eins -er wichtigsten Probleme unserer Zeit geworden. Allüberall beschäftigt man sich mit dieser Frage und diskutiert über sie eifrig. Ich sehe den Grund für die Aktualität dieser Frage in zwei Motiven. 1. Man ist sich klar darüber geworden, daß -er moderne Mensch trotz allen „Segens der Zivilisation" im tiefsten Grunde unglücklich ist, und daß die Menschheit zu ihrer Genesung einen neuen Typ -es Menschen nötig hat. 2. Man hat erkannt, -atz die heutige Erziehung im Grunde nicht richtig, nicht zeitgemäß ist, da sie niemals diesen „neuen Menschen" Hervorbringen kann. Wir leben im Zeitalter des DiSzensionentaumels. Der Mensch rast Lurch das Leben, ob er will oder nicht, er muß rasen. Der Mensch hat keine Zeit, glücklich zu sein, denn es gilt ja, Rekorde zu brechen. Wie in einem riesigen, in rasender Geschwindigkeit befindlichen Karussell, kreisen die Menschen. Um einen Mittelpunkt rasen die Leben sschifse. „Macht" heißt dieses Zentrum. Mit gierigen Händen greifen die Menschen hinein in den Berg der Sünde, aus dem sie die Macht schöpfen. Der eine packt mehr, der andere weniger, doch allen zerrinnt nach kurzer Zeit die Macht in den Händen. Aber die Gier Hört nicht auf, das Karussell kreist, der Berg lockt und — die Menschen werden immer häßlicher, immer unglücklicher. Doch in allen Menschen kommen Minuten der Besinnung, traurige Minuten. 'Haltet sie fest, diese Zeit, denn aus ihr kann die Rettung kommen. In solchen Minuten -er Besinnung gewinnt stets der eine Gedanke Klarheit: „Es kann und darf nicht so weiter gehen", ein Gedanke, der für den Verantwortungsvollen Aufgabe bedeutet. Der Mensch selbst ist es gewesen, der sich das heutige Leben geschaffen hat, da er nicht wußte, wo das wahre Glück liegt. Der Mensch selbst muß auch das neue Leben gestalten, in dem er glücklich sein wird. Doch der Heutige Mensch, der Taumelmensch, vermag das nicht. Drum muß ein neuer Mensch geschaffen werden, ein ganz neuer Typ. Wie soll dieser Mensch ausslehen? Da ertönt vielstimmig die Antwort: „Er soll so beschaffen sein, daß er die Möglichkeit hat, wahrhaft glücklich zu sein." Wahrhaft glücklich? Was könnte man wahrhaft glücklich nennen? Zufriedenheit? Nein! Sattheit? Zweimal nein! Rhythmus? Vielleicht?! Ja, hat denn nicht jeder ein anderes Bild vom Glücklichsein? Fühlt denn nicht jeder anders? Niemals können wir für alle Menschen eine gleiche Regel geben und sagen, wer diese Regel befolgt, wird glücklich sein. Doch eins können wir sagen: „Wer ganz sich selbst lebt, nicht für sich selbst, sondern das lebt, was in ihm ist, was ihm gemäß ist, -er kann glücklich werden." Natürlich muß man bei diesem Grundsatz, ° wie ja überhaupt bei jeder Erziehung, im Hinblick auf die Gemeinschaft, den unbedingten Glauben an das Gute im Menschen haben. Doch das nur nebenbei. Man wird aber einwenöen: „Wie ist es überhaupt für uns so mannigfaltig gebundenen Menschen möglich, ganz uns selbst zu leben?" Zugegeben, daß dieses Ideal des Sich-s e l b st -lebens nicht ganz verwirklicht werden wird. Doch kommt es darauf an, daß der Mensch sich immer und immer wieder bemüht, so viel wie möglich von diesem Ideal zu verwirklichen. Es kommt eben aus die Haltung an. Für die Erziehung ist ja nun die Aufgabe ganz klargestellt: Menschen mit eben dieser Haltung zu erziehen. Symptomatisch für die allgemein anerkannte Notwendigkeit eines neuen Geistes in der Erziehung ist die Entwicklung unser jugendbewegten Bünde. Mit wenigen Ausnahmen, und abgesehen von den politisch gewordenen Bünden, sind sie zu reinen Erziehungsbünden geworden. Was im Elternhaus, in der Schule versäumt wird, und was man für unbedingt notwendig erkannt hat, will man in den Bünden verwirklichen. Die Erziehung zum Vollmenschen, der danach strebt, ein Leben zu führen, das ihm gemäß ist, das für ihn paßt. Die moderne Erziehung will Bollmenschen, die ihr Wesen leben. Bei der Erziehung eines jungen Menschen muß der Erzieher alles an den Menschen heranbringen, von dem er glaubt, daß es in ihm schlummert. Erziehung heißt: Weckung schlummernder Kräfte. Merkt Ihr etwas, Erzieher jüdischer Kinder, vor allem Ihr Eltern jüdischer Kinder? Wollt Ihr Eure Kinder, Kinder aus jüdischem Haus, Kinder, deren Großvätern das Judentum noch das Leben bedeutete, deren Ahnen der Welt die Ethik gebracht haben, deren Ahnen die Propheten predigten, wollt Ihr solche Menschen wahrhaft erziehen, wollt Ihr alle guten Kräfte, die in ihnen schlummern, wecken, dann müßt Ihr auch die jüdischen Kräfte wecken, die in jedem jüdischen Menschen schlummern, die nur der rechtzeitigen Erweckung harren. Eltern und Erzieher von jüdischen Menschen, wollt Ihr Bollmenschen erziehen, so müßt Ihr auch das Jüdische an Eure Zöglinge und Kinder heranbringen, auf daß sie ganze Menschen werden. Für uns muß es heißen: „Modern erziehen, heißt auch südiich erziehen." Das Wunder. Ein Punkt, über den man sich schon oft gestritten hat, und wohl auch noch häufig streiten wird, ist: Glaubst du an das Wunder? Und ist die Antwort dann anders, als man sie selbst geben würde, so blickt man entweder mitleidig-verächtlich vom Standpunkt des naturwissenschaftlich gebildeten Menschen des 20. Jahrhunderts herab, oder man hält den andern Br mindestens größenwahnsinnig. Die wenigsten aber Das Ili-Programm Ili Berlin. Erster Borsitzender Hans Rosenberger, Berlin. Steglitz, Friedrichsrnher Straße 58. Mitglieder des Berliner Ili, die am 8. Juli «ach Magdeburg zur Theaterausstellnng fahren «olle«, mögen sich umgehend bei Heinz Hirschel, Berlin RW.4V, ThomasinS« strotze 81. snur schriftlich) melden. An alle Gruppen. Wir «ollen in de» Groß«» Ferien möglichst viele Fahrten unternehmen. Es besteht die Möglichkeit» antzer den unten angesetzten Fahrten noch andere Wanderungen seventnell auch Wochentags) zu machen. Diesbezügliche Wünsche sind schriftlich an Hans Rosenberger, Steglitz, Friebrichörnher Straße 58. zu richten. Für die 1A«Taaefahrten find »nbe. dingt schriftliche Anmelouugen 1V Tage vorher gleichfalls an Hans Rosenberger zn senden. Die Treff, zeiten «erden nach Anmeldung mitgeteilt. Sonntag, den 18. Juli» Fahrt «ach Bernau. Tressen um H9 Uhr vor dem Stettiner Borortbahnhof. Sonnabend, den 88. und Sonntag, den 84. Jnli. Fahrt in die Schorfheide. Sonntag, den 81. Jnli, Fahrt nach Ferch. Treffen um y-9 Uhr vor dem Bahnhof Zoo. Sonnabend, den 6. und Sonntag, den 7. Angnst, Fahrt an den Scharmützelsee. Ili Breslau s„Abraham Geiger"). Erster Vorsitzender: Rabbiner Dr. Halpersohn, Breslau 18. Moritzstratze 58. Mittwoch, den 89. Juni, von 8V* Uhr abends ab. zwang» loses Beisammensein im Friebeberg-Garten. Kaiser-Wilhelm» Straße 181. Gäste herzlich willkommen. Im Monat Juli finden allwöchentlich Mittwoch abends von VA Uhr an Zusammenkünfte im Friede» berg-Garten, Kaifer-Wilhelm-Straße 181, statt. Gäste stutz herzlich willkommen. Ab 1. Juli ist der Beitrag für das dritte Quartal 198? fällig. Wir bitten um pünktliche Einzahlung auf Postscheck, Konto Breslau Nr. 17448 Alfred Berger. Der Mindestpflicht» beitrag beträgt 8. M. Spenden sind sehr erwünscht. Ili Frankfurt a. M. Erster Vorsitzender: Dr. Hugo Hossmann, Niedenau 37. Dienstag, den 5. Juli. Sitzungszimmer Synagoge Königsteiner Straße. VA Uhr Heimabend: Aktuelle Tage-« fragen. Dienstag, den 19. Juli, Köniasteiner Straße. 8^ Uhr Heimabend sThema wird «och bekanntgegeben). Außerdem die regelmäßige« Arbeitsgemeinschaften. Der nächste Abend der Arbeitsgemeinschaft für freie Referate findet ausnahmsweise Mittwoch, den 89. Juni, statt. Nähere Auskünfte erteilt Alex Jakobsohn, WittelSbacher Alle« 9. Ili Magdeburg („Heimckt"). Erster Vorsitzender: HanS Frankenstein. Hasel» bachstratze 8. Freitag, den 84. Juni. Freitagabend-Feier i« kleinen Gemeindehaus. Große Gchnlstratze. (Anzünden der Lichter. Siddusch. Anschließend Referat eines Mitgliedes und Debatte.) Sonntag, den 3. Juli, gemeinsamer Besuch der wissenschaftlichen Abteilung der Theater-Ausstellnng. Anmeldung bis 30. Juni bei Hans Frankenstein. werden fragen: Sag mal, was verstehst du denn überhaupt unter dem Wunder? Denn schließlich ist auch dieser Begriff, genau wie alle andern, relativ, und so muß zuerst einmal der Wortbegrisf festgelegt werden. Und dann wird man meist zn dem ganz erstaunlichen Schluß kommen, nämlich: man hat ganz genau dieselbe Ansicht wie der antre, und daher wäre jeder Disput sinnlos. Am häufigsten findet man wohl folgende vier Definitionen, von denen immer eine, eine Steigerung zur andern bildet. Man kann unter dem „Wunder" das verstehen, was sich die Menschheit als Ganzes noch nicht erklären kann. Dieser Standpunkt ist entschieden der engste. Denn schließlich gibt es immer Fragen, die nur oerjenige erklärend beantworten kann, der sich gerade mit dieser Materie besaßt, und die für alle übrigen ein Buch mit sieben Siegeln sind. Und so wird eine zweite Gruppe von Menschen behaupten, daß das,-Wunder" das sei, was der einzelne nicht versteht, denn schließlich könne es ja für das Emzelindividnum ganz gleichgültig sein, was ein anderer sich bei einem Begriff denke: was i ch nicht verstehe, ist eben ein Wunder. Und wieder andre werden noch weitere Grenzen um den Begriff „Wunder" ziehen, und werden sagen: Mne Tatsache verstehen ist keine Kunst, wohl aber, diese Tat selber zu vollbringen. Was ich, mit allen menschlichen Hilssmitteln, nicht zuwege bringen kann, das ist ein Wunder. Was nutzt das, daß ich die Anziehungskraft der Erde verstehe und erklären kann, ich könnte das niemals künstlich schassen. Diese drei Definitionen sind zwar sehr schön, haben aber sämtlich einen Nachteil: sie können nicht zettbeständig fein, sondern müssen sich mit den fortschreitenden Kulturerrungenschaften ständig ändern. Und so wird eine große Anzahl von Menschen sich sträuben, eine solche Definition anzuerkennen, mit der sie Dinge als ,-Wunder" bezeichnen, die in wenigen Jahren schon völlige Selbstverständlichkeiten sein können. Und diese Menschen, als größenwahnsinnig verschrieen, sieben auf dem Standpunkt: es gibt kein Wunder. Daß diese Erklärung ihre Berechtigung hat, steht in ihrem Zustandekommen,' a/Äer auch aus das größenwahnsinnig" möchte ich noch eingehen. Die Anhänger «der drei ersten Definitionen geben doch zu: was ich fresp. die Menschheit) des 20. Jahrhunderts nicht verstehen sresp. riachmachen) kann, ist ein Wunder. Damit behaupten sie zugleich, «daß sie die Vollkommenen sind, daß eS nach ihnen kein Erkennen mehr gibt. Ich halte diesen I Standpunkt Br erheblich seMtlbvrvußter als den, her sagt: ich verstehe das nicht, aber das will ja gar nichts besagen, nach mir wird es ja noch tausende von Generationen geben, die weiter sein werden als ich. Bin ich und meine Zeitgenossen denn der Höhepunkt der Menschheit? — Damit halte ich die Frage über «den Wunderglauben für gelöst. Denn, angenommen, alle Menschen Hätten dieselbe Definition dafür, so wäre zwischen den einzelnen Ansichten wohl kaum ein Unterschied. Ueber Wortbearifse aber zu streiten, ist doch völlig sinnlos: „Begriff ist alle-, Nam' ist «Schall und Rauch" Hilde Hamburger. _ Iti-Berltn. Zur Problematik von jungen Juden, Bon Edgar Friedmann, Berlin. Der objektive Beobachter, der allem gleichmäßig skeptisch geaenübersteht, ob es Leben oder Tod, Judentum oder Christentum, Berus oder Ereignis, also kurz »Geirr oder Nichtsein" betrifft, wendet bestimmt sein größtes Augenmerk und seine schärfste Kritik der Jugend zu. Ihm ist daS: wer, was und woher gleich» für ihn ist ü der Nachwuchs, also die Zukunft. Wer nun in der Jugend selbst steht, für den ist es von ganz besonderem Interesse, die Gedanken, Ziele, Pläne, Irrungen und Wirrungen zu verfolgen, die in den einzelnen Jugendbewegungen sich Bahn brechen. Die Eigenarten zu kennzeichnen, die gerade den Juden, von seinen Kinderjahren bis in die ersten Mannesjahre, vor anderen auSzetchnen, ist an sich schon hoch interessant. Um allen gerecht zu werden, möchte ich von vornherein betonen, daß ich die Gleichberechtigung von Mann und Frau -iS zu einer bestimmten Grenze anerkenne, und daß sich meine Ausführungen sowohl aus Jnngens wie aus Mädels beziehen. Ich will mit der Schulzeit beginnen. In frühen Jahren erfährt das Kind, nicht immer in sanfter Form, durch die Mitschüler, -aß es anders sei als diese — nämlich jüdisch. Zuerst zieht das an einer Kinderseele gleichgültig vorüber, bis dann eines Tages irgendeine Veranlassung den Anstoß zu Fragen und Zweifeln gibt. Würde das Kind sich jetzt zwecks Aufklärung an die Eltern wenden, wäre manch Charakterkopf den gleichmütigen Trott seiner Zeitgenossen gegangen, ohne tiefgründige Erlebniffe. Er hätte aus Ueberlieferung übernommen und ohne Prüfung beibehalten. Bon dieser Art haben wir uns nun glücklicherweise seit einigen hundert Jahren freiaemacht. Allerdings muß ich ge* stehen, zum Vorteil des Jndisserentismus. Also, daS Kind scheut sich zu fragen, will aber den wahren Sachverhalt wissen und grübelt. Jetzt folgen Jahre und Eindrücke: Schule, Elternhaus, ReligronsunLerxicht. Immer weiter dehnen sich die GedanrenWLge»des KmöeS aus. Auf Gebiete, wo die Eltern längst nicht mehr antworten können. Und nun beginnt das Problem. Das Kind, das inzwischen zum Jüngling herangereist ist, will sich von -er Richtigkeit des Gehörten überzeugen. Der Jüngling will, um zu erfassen, selbst erleben. Kommt er dabei nicht zu dem erhofften Resultat, wendet er sich ab, um in einem anderen Problern weiter zu grübeln. Und jeder hält Las, was ihn bewegt, für das allein Wichtige, Ausschlaggebende und Zeitgemäße. Dabei gehen alle verschiedene Wege. Selbst wenn die Fährte gleich ist, d. h., wenn man einer bestimmten Bewegung angehört, eigene Wege gehen alle. Jeder zweigt ab, horcht nach innen. Eine Epoche hat der Heranreisende noch öurchzumachen, die für manchen oas vorzeitige Ende seiner nach dem Unendlichen suchenden Ideale bedeutet, — die Liebe. Ich will es berufenerer Feder überlassen zu schreiben, inwiefern sie mit zn den fast unausbleiblichen Problemen gehört. DaS eine möchte ich jedoch noch sagen: Daß auch sie für manche gerade das gesuchte Ideal sein kann, selbst wenn sie zur Zeit -der Erkenntnis in anderer Richtung das vorzeitige Ende bringt, beweist die Literatur. Immer suchen wir jungen Menschen. Selbst wenn wir uns heute zu einem Bekenntnis durchgerungen haben, immer ist in uns die Sehnsucht nach dem Großen, Gewaltigen, Unfaßbaren. Unser Wissenshunger — nicht aus dem realen Gebiete — ist in uns bis. ins späte Alter. Zn Taten bewegt er aber meist nur in der Jugend. Eine ungeheure Gewalt geht vou der einzelnen Individualität in der Masse aus. Bildlich läßt sich dies sehr aut erklären: Eine beliebig große Anzahl junger Menschen befindet sich beispielsweise in einer großartigen Natur oder hört schwere Musik, liest gemeinsam ein Buch, oder steht sonst unter dem Eindruck eines Erlebnisses, sei eS Theater, eine schöne Reise, eine Andacht oder auch ein unalücksfall. Es ist hochinteressant -te psychologischen Einorücke zu beobachten. Bei Andersgläubigen ist in der besagten Menge junger Menschen eine kleine Weile Ruhe. Man läßt den Eindruck vorüberziehen. Dann versucht jeder schnell darüber hinwegzukommen, weil er sich der inneren Regung schämt, die ihn überkommen hat. Wie anders ist das bei unS Juden! Wir werden lbeinahe wider Willen mitgerissen. Unser ganzes Innere bäumt sich ans. Wir leben in der Situatton. Alles ist in uns Erleben, Begreifen, Grübeln und Denken. Wir suchen. Und wenn wir nach langem Suchen eine Stufe des Ersehnten gefunden haben, ist unser Problem schon aus der philosophischen Warte angelangt, wo es ein Halten nicht mehr gibt, sondern nur das Weitereilen. In uns steckt von Klein auf ein solcher Ernst, daß, selbst wenn man oberflächlichere und leichtere Naturen weckt, man erstaunt ist. wieviel Hohes sich in ihnen answirken kann. Diese- Vergeistigte wurzelt bei jedem unbewußt und ist unabhängig von religiös-politischer Einstellung. Die weltpolitische Einstellung ist von selbst auszuschalten, -a man sonst auch anoere Thesen mit hineinzieben müßte, vor allem den Materialismus. Man kann nun natürlich nicht so verallgemeinern, -aß der Unterschied zwischen den genannten Arten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.