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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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nie den Tod erleidet, und rechte Dankbarkeit, die nie vergibt, lassen die Genreinden des ganzen Landes bekennen, daß der Gefierte ihnen ein Vater war. der jedem Bedürftigen mit Rat und Schutz zur Seite stand. Sein nimmer, müdes, uneigennütziges Wirken ließ ihn auch Bedacht neh. men aus die Heranbildung von Lehrkräften, um die kleinen Gemeinden mit Lehrern zu versorgen. Ein unvergäng. licheS Denkmal hat er sich durch seine Schriften über die Grundlehren der jüdischen Religion gesetzt. So war sein ganzes Leben ein Vorbild von echter Pflichttreue. Reli. giosität und Bescheidenheit. — Rabbiner Dr. Freund, der Schwiegersohn des Verstorbenen, zeichnete dessen Charakterbild als Führerpersönlichkeit, deren selbständiges Denken üM allumfassender Geist sich auch den weltlichen Dingen zu. llbandte. Seinem Wissen verband sich tiefste Ethik, gegründet auf Gerechtigkeit und Wahrheit. DaS sicherte ihm die An- «rkennung selbst der widerstrebenden Richtungen innerhalb oes Judentums, und wird sein Wirken unvergesien machen. Zum Schluß gedachte Rabbiner Dr. Galliner deleuchtenden Vorbildes, das der Gefeierte ihm und den anderen Schülern als Lehrer und Mensch bot. Mit Harmonium- Aängen endete die stimmungsvolle Feier, an die sich noch «ine Gedenkfeier am Grabe des Dr. Feilchenseld auf dem hiesigen israelitischen Friedhof an schloß. Tan«. (70. Geburtstag.) Der seit mehreren Jahrzehnte» alS Gemeindeältester hier tätige Rentner M. Freubenthal beging letzten Sonntag in erfreulicher körperlicher- Gesundheit und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Jüdischer VolKslieder-Abend Leo Gollanin. Do sehr man sich auch gegen die vielfach herrschende Meinung zu wenden hat. daß öaS ostjüdische Volkstum die alleinige oder auch nur die wichtigste Repräsentanz deS Judentumsei, so wenig wird man verkennen dürfen, daß in ihm jüdische Kulturmerte von Bedeutung stecken. Die Welt steht gegen den Gedanken des Judentums, die Inden verkörpern ihn und werden durch Wirkung und Gegen- Wirkung zur Schicksalsgemeinschaft. Diese welthistorische Auseinandersetzung klingt auch auS den ostjübischen Volksliedern. deren bedeutendster Interpret. Leo Gollanin, am 15. Juni im Berliner Logenjaal einem begeisterten Publikum Proben dieser einzigartigen Kunstgattung zu Gehör brachte. Der Sänger wußte in vollendeter Weise durch sachkundige, fein abwägenöe Zusammenstellung des Programms und durch seine herrliche kultivierte SangeSkunsr — die ergreifende Tragik und die weltüberwindende Gotteshingabe zum Ausdruck zu bringen, Sie charakteristisch sind für das jüdische Schicksal. Seine Gattin. Jda Gollanin. rvar ihm eine sichere und kluge Begleiterin. Der ausgezeichnete Konzertabend fand erfreulicherweise auch durch die nichtjüdische Presse Beachtung und höchste Anerkennung. So wird Gollanins künstlerisch', s Wirken zu einem beachtlichen Werk jüdischer Apologetik, welches zu fördern sich alle jüdischen Instanzen angelegen fein lassen sollten. —tz. Erholungsheim des Reichs-Ausschusses der jüdischen Iugendverbände in Seesen. Der Reichsausschuß hat in Deesen am Harz ein Erholungsheim für die Mitglieder der ihm angeschlossenen Verbände erworben. DaS Heim wird voraussichtlich ab 1. Juli erholungssuchende Jugendliche aufnehmen (mit koscherer Verpflegung). TageSsatz 1,80 bis 2 M. Anmeldungen von Jlrmitgliedern umgehend an Ludwig Lewin, Charlottenburg 8. Riehlstr. 9. Auskunft bet demselben oder bei Hans Löwenberg. H. L. i > 11 > i; •, * * * * *' * Sprechsaal Major Burg. Sehr geehrte Redaktion! Die Erwähnung deS Burg! Herr Grabes m dem Artikel Über den Friedhof in der Schönhauser Allee, beruht wohl auf einen Irrtum. Nicht ein 1870/71 gefallener Leutnant ist in demselben bestattet, sondern der in den fünfziger Jahren an der Cholera verstorbene Major Burg, der einzige aktive jüdische Offizier, der der Preußischen Armee während ihres mehr als 200jährigeu Bestehens angehört hat. Burg trat in den Freiheitskriegen als Freiwilliger ein und fein Wunsch, Berufssoldat zu werden, wurde ihm vom Prinzen Äugust von Preußen, der am Großen Stern im Park von Bellevue ein Denkmal hat. dem Bruder LouiS Ferdinänbö und gleich diesem großen Gönner der Juden, erfüllt. Major Burg- Derkkwürdtgkoiten sind nach seinem Tode gedruckt: ein« Reuauflage ist in den neunziger Jahren erschienen. ES ist sehr interessant. seine Laufbahn zu verfolgen und zu erfahren,, wie er sich alle» Versuchen, ihn dem Judentum zu entfremde«, gegenüber standhaft benommen hat. Er war u. a. Lehrer an der Kriegsschule, der späteren Kriegsakademie. Mich wundert. Laß von ihm jetzt nicht mehr gesprochen wirb! Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener G. Minder. Ahnung. Eine Legende von Max Zodikow. Es war um die Zeit, als noch der Glans und die Kraft der alten Wunder das Volk beherrschten. Gott war ihnen zwar nicht mehr so nah wie in der Patriarchenzeit, aber er sprach und. offenbarte sich noch manchem, und dem großen Zaddik verkündete und gewährte er viel. Heiß schien die Sonne auf die Gassen von Kowno. Der trockene Staub, der die Luft aufsog, machte sie stickig und unerträglich. Menschen hasteten, sich Kühlung zufächelnd, hin und her. Wagen rasselten, Karossen rollten. Pferde schnoben nach Atem. Frauen kicherten, Greise japsten, Kinder juchzten und liefen, als würden sie vom Masik (einem jagenden Geist) verfolgt. Ad einer Ecke mitten im Gewühl stand, an die Wand gelehnt, Zaddik Loew Ben Joel, ein weiser Greis mit langem dichtem Bart; er, der Rabbi von Kowno. „Was rennen die armen, die kleinen klugen Geschöpfe! Zu welchem Anfang, zu welchem Ziel trägt sie ihr fallender Fuß . . . Eitel, eitel ist ihr Beginnen und Tun, eitel, eitel ihr ganzes Sinnen und Enden . . Also murmelten die Lippen des Weisen, und Tränen der Wehmut fielen in seine Seele. In Dorf und Stadt erzählte man sich die seltsamsten Dinge von diesem Mann. Keiner wagte, ihn auf der Straße anzureden, denn es hieß, er schaue den Himmel und lese die Zukunft der Juden. Einige, Gelehrte und Fromme, wachten ganze Nächte mit ihm, forschend hinter geschlossenen Türen, in alten Bibeln und vergilbten Kabbalen. Die meisten aber mieden den gestrengen Rabbi, teils aus Aberglauben, teils aus Furcht oder Ehrfurcht. Es ward erzählt, daß die sonnenumglühtesten Wege milde Schatten um ihn warfen, wenn er sie überschritt, und Regen und Hagel bildeten Spalier, wenn er, der Rabbi von Kowno, hindurchging, daß trocken und unbeschadet Gewand und Leib ihm bleibe. Alles sähe und wisse er vorher durch einen heiligen heimlichen Spiegel, in dessem Glas das tiefste Bekenntnis Israels geschrieben steht. Kranke berührte sein Finger und sie genasen; Lahme hob er auf seinen Rücken, trug sie eine Stunde Wegs und weilte mit ihnen drei Tage in einer fernen abgelegenen Klause; am vierten Tage gingen sie geraden Schritts und erhobenen Haupts zu ihren Wohnungen; Stumme benetzten mit ihren Lippen seinen Spiegel, und das urheilige Wort 'floß frÖnlich aus ihrem Mund. Viele Wunder und Menschen erstaunende Taten soll Rabbi Zaddik Loew Ben Joel vollführt haben. — Aber eine Stunde aus seinem Leben lebt wie eine mystisch fortwirkende Episode in den alten Seelen der Menschen des Ghetto von Kowno. Der Rabbi steht noch immer an derselben Ecke; sinnend fliegen seine Blicke um und um. Da sieht er eine Schar Knaben dahereilen. Wohin eilen sie so, denkt der Rabbi, und plötzlich — wie von irgendeiner Ahnung ergriffen ruft er den letzten, einen rasenden Nachzügler, an. Der Knabe keucht: „Hab nicht Zeit, muß baden gehn." Der Rabbi ruft noch einmal, läuft, so gut seine alten Beine ihn tragen, ihm nach und umklammert fest seinen Ärmel. „Nein, nein, laßt mich," schreit der Junge, und der Atem scheint ihm auszugehen. Der Rabbi zieht sein Taschentuch, kühlt ihm die feuchte Stirn, dann, ihm die rechte Hand aufs Haupt legend und mit der linken fest sein Gelenk umschnürend, sagt er ruhig und sanft: „Bleibe mein Sohn, eine Viertelstunde lang nur bleibe bei mir." Der Knabe fuhr auf: „Meine Kameraden sind schon längst da; sie plätschern und schwimmen im warmen Fluß; nur ich. ich bin in eine Schlinge geraten, laßt mich, laßt mich gehen. Ich habe mich verspätet, muß eilen, muß eilen . . „Lage mir Deinen innigsten, größten Wunsch mein Sohn, ich erfülle ihn Dir. Nur bleibe, bleibe noch zehn Minuten." Aber der Knabe reißt sich wie ein Sturmwind los und saust die kochende Straße hinab. Der Rabbi will ihm nach, ihn fassen, erjagen, halten -- vorbei., Er ist alt. seine Beine müde und schwer; jener ist jung, ihm scheinen Flügel gewachsen zu sein. Da ist es dem Rabbi auf einmal, als wollen auch am seinem Körper Flügel dringen, und er eilt dem ungehorsam verwegenen Jungen nach; eilt, eilt, bis er mitten am We$ zusammenbricht und eine stille Stunde dort liegen bleibt. Was er in dieser Stunde gedacht und gesonnen, wird wohl nur Einem offenbar sein. Mit geschlossenen. in sich gekehrten Augen liegt er da, ein Blinder, sieht er das tiefste und erschütterndste Schicksal. Und ein Ahnen quillt aus ihm, das zum Wissen wird und Geschehen. Schlaf überfällt ihn und e* träumt: Ein breites Wasser dehnt sich aus vor seinem Gesicht. Wellen spritzen auf und nieder, und wie ein gewaltiger Sturm brüllt und brodelt ein tiefes Branden. Aber mitten im peitschenden Strudel sieht er eine bleiche Gestalt, die ringt und ringt mit Füßen und Händen. Der Leib krümmt sich windend im zischenden Strom der Fluten, und eine heisere Stimme schreit . . . Tobend tanzt hohles Röcheln über die ganz wilde Fläche. Der Rabbi will hinzu, will hinein in den tosenden Strom, das zappelnde Leben zu retten, aber er kann nicht. Wie festgekannt sind seine Füße. Und er kämpft denselben Kampf am Ufer wie der in den brausenden Wellen. Eine erstarrte Weile verharrt er so, ein müßiger, leidender Zuschauer, bis der Damm unter seinen Füllen bricht, und er, ein Knabengesicht erblickend, in die singenden Wogen versinkt. . . Er erwacht. — Als er aufblickt, findet er zu seinen Füßen hingestreckt eine weinende Frau. „Gott, Herr der Welt," schreit sie, als sie des großen Zaddiks ansichtig wird, „mein Lehma Jul, mein Lehma Jul, mein Leben." Der Rabbi erhebt sich, kehrt ihr den Rücken und bietet ihr so rücklings seine Hand. „Ist er Euer Sohn gewesen?" „Mein Sohn, mein Schma Jul, mein Liebling, das Wasser riß ihn hinunter. Kalt und steif lag er vor meinem Gesicht, Rabbi, großer mächtiger Zaddik; mein Schma Jul ist stumm. Gebt ihm die Zunge, gebt ihm den Odern wieder," und sie umspannt schluchzend geneinigt des Rabbis Knie. Den aufgereckten Mann befällt ein fremdes Zittern und jäh wendet sich sein Gesicht. Ein Blick der anderen sagt ihm, daß ihre Seele voll Trauer ist. Da wird sein Innerstes weich, er zerreißt sein Gewand und verhüllt in den Händen das Haupt. Denn ihm ist klar: Die Ahnung schreit aus verwandtem Blut. Ein kostbarer Tropfen ward heute verschlungen. Danach rafft er sich zusammen und sagt, zur untergehenden Sonne aufblickend: „Wie eine Sonne gehen die Gerechten und Güten unter, und ihr Abendrot umstrahlt die Wohnungen Gottes, und wie eine Sonne gehen sie am Morgen jenseits wieder auf. Doch die Kinder und Kleinen dieser Erde sind wie Mond und Sterne. Sie wechseln und wandeln. — Der Herr aber regieret den Lauf aller. Ahnung ist unser Wissen, Wissen aber ist Schmerz. Komm, meine Schwester, wie die Blumen des Taues laß uns der Tröstung des Herrn warten" — und schweigend gehen sie durch die Nacht zum Gebet und heiligen Ori ihrer Herzen. OPEL baut jeden Tag 220 Wagen die es im Preis und in der Güfe mit jedem ausländischen Erzeugnis aufnehmen. Mit den Zubehör-Werken zusammen sind mehr als 20.000 deutsche Arbeiter an dieser Leistung beteiligt. Weitere Zehntausende gelernter Arbeiter, die heute erwerbslos auf der Strafe liegen, könnten ihr Brot finden, wenn jeder deutsche Käufer den Takt besitzen würde, deutsche Wagen zu wählen. — Mit wenig zu ergänzender Einrichtung sind die OpeUWerke in der Lage, täglich 450 Wagen herzustellen und den gesamten derzeitigen Import zu decken. Wer solche Folgen bedenkt, kann unmöglich mehr Auslandswagen kaufen und dadurch wertvolles deutsches Geld unnütz und unersetzbar ins Ausland bringen. 4/20 PS Oer Kleine von 2980 RM an W/40 PS Der Mittelstarke von 5000 RM an 12/50 PS Sechszylinder von 7750 RM en 15/60 PS Sechszylinder von 8250 RM en * Preise eb Werk!

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