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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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revolutionieren — er ist bekanntlich Schöpfer des Automobils geworden. Obendrein gewinnt in unseren Tagen die Uebcrzcugung immer mehr Raum. daß. auch auf dem Wasser der erste Bezwinger der Entfernung zwischen Europa und Amerika, der Entdecker der neuen Welt. Christoph ColumbuS, jüdischer Abstammung gewesen ist, und -war nicht nur er. sondern auch die Gefährten seiner wagemutigen Fahrt. Seriöse spanische Historiker liefern hierfür eine ganze Reihe beachtenswerter Beweise und setzen sich damit in Widerspruch zu den wenig seriösen Theorien Huston Stewart Chamberlains. -er den Eolumbus und seine Begleiter als typische Besitzer deS in „arischen Langschädeln unruhig hämmernden, stets nach vorwärts treibenden Gehirns" charakterisiert. Run mutz solch ein Gehirn doch wohl auch in dem „semitischen Kurzschädel" deS Inden LevineS emporgestiegen. Aber wichtiger als die Widerlegung der physiologischen Rassenlehre Chamberlains und seiner Nachbeter erscheint uns die psychologische Ergründuna LeS jüdischen Interesses für die technischen Probleme der Bezwingung von Raum und Materie. Ist dieses Interesse eine Folge der Assimilation oder ist eS zutiefst im Urgrund der jüdischen Seele verankert? Die geheimsten Sehnsüchte der Menschenseel« offenbaren sich nach Professor Freuds Psychoanalyse im Wunschtraum. Die Wunfchträume von Völkern und anderen typischen Gemeinschaften spiegeln sich in deren Mythen. Dir müssen also in den Born der jüdischen SagennndMärchenwelt hinabtauchen, um zu ergründen, ob urch in welchem Rahmen die jüdische Seele »a« der allgemein menschlichen Sehnsucht erfaßt erscheint, die rohe Materre zum Leben zu erwecken und sich dienstbar zu machen, so erst wahrhaft zum Ebenbild? Gottes werdend. Und da stoßen wir auf die Prager Sage vom Golem, dieser Lehmfigur. die vom hohe« Rabbi Löw geformt, lebendig gemacht und — schließlich wieder vernichtet wurde. Um das zutiefst Jüdische an dieser Sage und ihrem pessimistischen AuSgang zu enträtseln, tut man gut. sich von all den vielen modernen Bearbeitungen an jene zu halten, deren Gestalter man wohl den unmittelbarsten Einblick in die jüdische Seelen- und Gedankenwelt zubilligen muß. ES ist dies zweifellos G. Leiwik, dessen Golem-Tragödie von der hebräischen Schauspielertrnppe HaSimah im Vorjahre in Deutschland aufgeführt worden ist. In diesem Drama erscheint der Golem als die technische Erfüllung deS WunschtraumS der Ghettojuden, der rohen Gewalt der Judenfeinde Gleiches, abwehrend und rächenzugleich. entgegensetzen zu rönnen. Dieses Vertrauen zu der erlösenden Maschine stellt der Dichter als Verrat au dem vergeistigten Ideal der jüdischen MessiaSsehnsucht hin: Der Rabbi, der den Golem geschaffen, um an den Verbreitern der Ritualmoröveschulöigung blutige Vergeltung zu üben, verjagt im Drama den gleichfalls die Rettung der Prager Juden vor den Auswirkungen der Mutlüge planenden Messias, weil er durch diesen seine Rachepläne gefährdet sieht. Die so symbolisierte Versündigung am jüdischen Geiste bildet die tragische Schuld des RabbiS. Er büßt sie durch die Erkenntnis, daß das Wesen der Maschine der sinnlos blinde Zwang zur Entfaltung der ihr verliehenen Kräfte ist. der irgendeinmal den edlen und unedlen, doch immer in einem höheren Sinne planmäßigen Impulse der Menschenleere feindlich entgegenwirkt: Am Beil des Golem klebt schließlich nicht nur das Blut der mordlustigen Mönche, sondern auch, das in blindem Wüten eines entfesselten Mechanismus vergossene I u ö e n b l u t! Worauf der reuegeguälte Rabbi seine Schöpfung wieder vernichtet. ' Diese'Auffassung vom Wesen der Maschine, aus einer Dchö-sirnst' ded Geistes zur Sünde rv'der den Geist zu werden und statt Vollendung Vernichtung der Kultur zu bringen, schien im letzten Kriege, der sich der wunderbarsten Errungenschaften der Technik als Mordwerkzeuge bediente, gräßlich bestätigt. Doch darf nicht übersehen worden, daß die Maschine auch damals, nicht Ueberwinderin. sondern nur Sklavin deS Menschengeistes gewesen ist. Es ist nicht ihre Schuld, wenn sie, das Werk menschlichen SchöpsungsörangeS. zum Instrument menschlichen BernichtunqStriebeS entwürdigt wird, wenn, wie im Drama Leiwiks, als Rache Werkzeug mißbraucht wird, was seiner Natur nach ebensogut Werken der Liebe dienen kann: der Golem zeigt auch die edleren Triebe deS Geistes, der ihm künstlich eingehaucht ward, wird aber an ihrer Entfaltung gewaltsam behindert. In dem Jud^n, der in unseren Tagen den Flug über den Ozean angeregt und mitgemacht hat. pulsiert aber nicht der Geist deS HasicS, sondern der Ser Annäherung der Länder, der M e n s ch e n v e r b r ü - e r u n g Ein tiefer Abgrund liegt zwischen dem Schöpfer des Golems und dem der Columbia. Freuen wir uns, daß mir küesen Abgrund innerlich überwunden haben. Die Brücke über ihn führte uns aus dem Ghetto in die Freiheit, aus -cm seelenvergistenden Pesthauch der Abgeschiedenheit in die lebensbejahende Gemeinschaft aller Menschen, in denen bewußt oder unbewußt die messianische Sehnsucht unserer Propheten wirkt. Auf dieser Brücke ist auch -er jüdische Geist aus der düsteren Umklammerung ihm wesensfremder BernichtungStriebe der ShylockS in die reine Sphäre de- Schaffensdranges der LevineS Raum gesunden haben... Golem und Columbia sind zwei Marksteine psychischer Entwicklung. Sir markieren den Weg der jüdischen Seele a u S Nacht z n m Licht. Dr. Hugo Spiest er. Mr Propheten als 6«tirifctr. Don Dr. 58. Schidlof. . Die Heilige Schrift ist ohne allen Zweifel ein sehr ernstes Buch, und die Propheten, die ihre mahnende und sehr, sehr oft Strafen androhende Stimmen erhoben, waren im Grunde wirklich keine humorvollen Leute. Dennoch: wenn man die Prophetenworte durchlieft, blitzt zuweilen die Sonne eines gewissen HumorS hervor — allerdings nicht eines -eiteren oder schalkhaften HumorS, sondern eines solchen, der die scharfe Geißel der Satire schwingt, der es nicht an Spott und Hohn fehlen läßt, der es sogar nicht verschmäht, karikaturistische Zerrbilder zu malen und den Menschen im Hohlspiegel zu zeigen, wie sie auSsehen und aussehen würden, solange sie dem Trieb -er Sünde und der blinden Leidenschaft folgen. Götzendienerei. Buhlerei, Ungerechtigkeit in Handel und Wandel entfachen den Zorn -er Propheten und erwecken deren satirische Laune. Jesaia besonders schüttet die Schalen seines grimmigen HumorS ruS gegen Aegypten und Tyrus, gegen Babel und auch gegen Jerusalem. Götzenöieuerei und Aberglauben erregen leinen Grimm: Unheil und Untergang prophezeit er: „Sie komme vollen Matzes über dich, trotz deiner Zaubereien Menge, trotz deiner Beschwörungen gewaltige Fülle. Du warst so sicher in deiner Bosheit und sprachst: „Ich bin es, sonst nichts!" Nun kommt Böses über dich, das abzubitten du nicht vermagst, es stürzt Unglück auf dich, das du nicht sühnen kannst, und plötzlich trifft dich Vernichtung, ohne daß du es wußtest. Halte doch fest an deinen Beschwörungen. an deiner Zaubereien Menge, mit denen du dich von Jugend auf gemüht, vielleicht vermagst du dir zu helfen, vielleicht zu widerstehen. Bist du der vielen Beratungen müde, laß sie doch aufstehen und dir helfen, die Himmelsabteiler, die Sterngucker, die aus Neumonden verkünden die Dinge, die doch kommen werden. Siehe, sie sind wie Stoppeln, im Feuer verbrennen sie, nicht retten sie sich selbst aus der Gewalt der Flamme, die keine Kohle, sich daran zu wärmen, keine Glut, davor zu sitzen ist. Also werden die sein, mit denen du dich gemüht, die mit dir verkehrten von deiner Jugend aus. sie irren jeder seines Weges, niemand hilft dir." So geißelt der Prophet die abergläubischen Torheiten Babels. Und an einer anderen Stelle sagt er: „So sie sprechen zu euch: „Befragt doch die Beschwörer und Zauberkundigen. die da zirpen und flüstern", befragt da nicht ein Volk ein Gott? Für die Lebenden die Toten?" Um den Sinn dieser Ironie zu verstehen, muß man wissen,' daß die antiken Tvtenbeschwörer den Toten flüsternde und zirpende Stimmen gaben. Wahrscheinlich waren diese Beschwörer Bauchredner, die aus diese Weise die abergläubischen Frager täuschten. Und der Witz liegt in der Bedeutung deS Satzes: Wenn die Lebenden nicht ein und auS wissen, sollen die Toten Rat schaffen? Gegen die Ueppiakeit und gegen die Trunkenheit findet Jesaia kräftige Worte: Wehe denen, die am frühen Morgen nach starken Getränken jagen, am späten Abend vom Weine glühen! Zither und Harte. Pauken und Flöten und Wein sind ihre Gelage, aber das Tun des Ewigen beachten sie nicht. Seiner Hände Werk sehen sie nicht. Wehe den im Weintrinken, den Tapferen im Mischen tränke Tapferen!" So ruft er an anderer Stelle. Diese Völlerei macht die. denen das Wächteramt über Israel übertragen ist. achtlos und nachlässig. „Alle ihr Tiere im Walde kommt zum Fratze/ spottet Jesaia, „alle Tiere im Walde! Die Wächter sind blind allesamt, ohne Einsicht allesamt, stumme Hunde, können nicht bellen. Sie träumen, sie liegeu da, cs gefällt ihnen, zu schlafen. Wer die Hunde sind auch gieriger Seele, sic wissen nicht satt zu werden, sie. die Wächter sein sollen, wissen nicht auszupasseu. Allesamt gehen sie ihres Weges, jeder nur seinem Vorteil zu, sie die Hirten: „Kommt, ich hole Wein, starkes Getränk, laßt uns zechen, und morgen soll es wie heute herrlich und hoch hergehen!" Und selbst, als Gott sie emporziehen will ans der Sünde und sein will zum Geier des Gerichts für den, der da sitzt zu Gericht, und zur Tapferkeit denen, die (den Feind) an den Toren zurücktreiben. Aber — so dringt der Propheten hohnvoller Spott — aber auch diese (die Richter, Priester und Krieger) „taumeln vom Weine, schwanken vom starken Getränken, taumeln beim Weissagen, wanken beim RechtSfpvuch: denn alle Tische sind voll unflätigen Gespeies. kein Plätzchen ist mehr frei." So geht eS zu bei hoch und nieder. Auch Hofea wendet sich dagegen: „Es ist unseres Königs Geburtstag! Schon sind tche Fürsten selbst ergriffen vom Fieber deS Weins und er selbst (der König) streckt seine Hände den Spöttern entgegen." So betrunken ist er und sind seine Gäste, daß er willig sich verspotten läßt und seine Tafelgenossen ungestraft ihren Witz an ihm auslassen können. Scharf geht der Propheten Spott mit der Zuchtlosigkeit und der Eitelkeit der Frauen ins Gericht. Wieder ist es Jesaia, der besonders beißenden Spott über die Töchter Jerusalems ausgießt: „Und der Ewige spricht: Dieweil hossärtig sind die Töchter Zions, einhergehen mit gerecktem Halse, umherwerfend die Augen und trippelnd einherschreitend und mit den Fußkettchen klirrend — so will kahl machen der Herr die Scheitel der Töchter ZivnS und der Ewige entblößen ihre Scham. An jenem Tage schafft hinweg der Herr die Pracht der Fußspangen. der Haarnetze und Möndlein, der Gehänge. Armkettchen und Schleier, der Kopfvunde und Schrittkettchen und Gürtel und Riechfläschchen und Amulette, die Fingerringe und Nasenringe, die Wechselgewänder, Oberkleider. Mäntel und Taschen, die Spiegel und Hemdchen, Turbans und langen Schleier. Da wird sein statt Wohlgeruchs Moder, statt Gürtel nur Strick, statt geringelten Haares nur Glatzen, statt weiten Gewandes Sack, Brandmal statt Schönheit. Deine Männer fallen durchs Schwert, deine Helden im Kriege." Groß ist nachher — so prophezeit der Gottesstreiter — der Jammer unter den Frauen: „Nu jenem Tage ergreifen sieben Weiber einen Mann, indem sie sprechen: Unser Brot wollen wir essen und unser Gewand ankleiden, nur deinen Namen laß uns führen, tilge unsere Schmach hinweg!" Der Beispiele könnten noch manche gegeben werdep. Schonungslos trifft die Geißel der Satire Hohe und Niedrige. Männer und Frauen. Alle sind sie voll der Sünde, dem Götzendienst, dem Aberglauben, den Zauberern und Geisterbeschwörern untertan. Sie Lenken nur an die Befriedigung der sinnlichen Lüste, an Fressen und Saufen, an Buhlerei und vergessen dabei Gott und die vom Ewigen auferlegten Pflichten. Ihr nur auf das eigene Ich gerichteter Blick vergißt, nach außen Umschau zu halten, von wo der Feind drohend naht. Und so erfüllt sich das vom Propheten vorhergesagte Verhängnis und zu blutigem Ernst wandelt sich, was in blutigem Spott der Propheten Mund verkündet. Kalendarium für die Zeit vom 25.6. b. 2.7.1927 Juni 1887 Sonnabend 28 Sonntag 26 Montag 27 Dienstag 28 Mittwoch 29 Donnerstag SO Juli 1887 Freitag Sonnabend Diwan 5887 26. Neumondweihe ZPochenabschnitt: Kaurach Haftarah: 1. B. SarrriM Kap. 11,11—15 30. 1. 2 1. Tag Rosch Chodefch TammuK 5887 2. Tag Rosch Chodefch Wochenabschnitt: Chuckäß Haftarah: Richter Kap. li,l—8,8 Sabbat-Ausgang: 8.83 Uhr AUFAUE FÄHE HARTWIG-QUELLE Kalb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. Ärztlich empfohlen bei Zucker.« Nieren,-Magen,- Darm-und Stoffwechsel» Krankheiten DEUTSCHE MINERALQUELLEN AFG JÄGERSTR.,6 MERKURS4664/4666 Ausserdem vorrätig in allen einschlägigen Geschäften u.allen Verkaufsstellen d.KPech Jüdisch-liberale Organisation in Frankfurt a. 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Verein Tür f eaertiestattoflg in Berlin von 1874 11 Kosteaton Fenerbeitittul Annahme W 33, Lötzowstr. ia.Teleton Lützow 9E0-81 und Charlottenburg. Kantstr. 151». Ecke Fasanen;traBe Telefon Steinplatz 183,' Abitur. Obersekunda Vormittags-Abendschule Private Vor« bereitungsanstait, Direktor Danziger, Berlin, Alte Jakobstraße 124 Voranzeige I Demnächst erscheinen als Broschüre die in Nr. 16 der JTwfsdi-Uberälea Zeitung veröffentlichten Palttsilna ■fortrBjp von Pr. Brun« Wll-Brt1n von Btnntnrst Pr. Cohn-Bnnnnu Varauaalehtllcliar Praia Mk. OJO VosfcetteltaBgen kfftusen sehen jetzt erfolgen beim .nno-vw-u. »«ff “■ oanin sw oS| kingsnsvrsDs >«• ooooo<>^oo<<>oc><><>o<><><>c<^xk>o^>o<x>ocno ooooooooooooooooooooooooooooooo Malerarbeiten jeder ftrt führt aus Robert Gutheim dtrJta KD 50, Lutmbacher Straße 7 Lühow 6260 g — Kostenanschläge gratis. - 0 0^<><><>0<>0<><><XXXXXX>0<XX><XX>00<>00<> x>oooo^öo^oooooooo^oo^<x>ooooooo SehrlftEBrtltE d. ICKiBljing I. i. Ita. isiiitia E. f. 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