Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 24 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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vurchglühte ihu, wenn er von dem schicksalsschweren Gang sprach, den die Juden durch die Länder der Erde gemacht, welche Begeisterung erfüllte ihn, wenn er zu seinen Schülern von der sittlichen Kraft des Väterglaubens sprach. AuS dem Religionsunterricht, den er der Jugend gegeben, ist sei» »Kurzaefatztes Lehrbuch der jüdischen Religion" hervor, gegangen, daS drei Auflagen erlebt hat. In diesem ist er. wie dies Maybaum in seiner Methodik des Wdifchen Religionsunterrichts anerkennt, feinen eigene» Weg gegangen. Die ersten jüdischen ReltgionSbücher für die Jugend standen in der ganzen Anordnung unter dem Einfluß der christliche» Religionsbücher. Fetlchenfeld behandelte in seinem Buch erst die Grundlehren des Judentums, spricht dann von der Aufgabe, die die Religion zu erfüllen hat und stellt daun Sitten und Bräuche des Judentums als Heiligungsmtttel, Nicht als »Gesetze^ dar. Er versteht eS, diese mit neuem Inhalt zu erfüllen, ihre versittlichende Kraft zu zeigen und sie mit dem Leben -er Gegenwart in Einklang zu bringen. Fetlchenfeld hat seine Bücher für »Schule und HauS" geschrieben. Er wußte, daß man Religion nicht auS Büchern lernen könne, sondern daß vielmehr religiöse Persönlichkeiten in -er Umgebung der Kinder sein müssen, wenn diese z» religiösen Menschen heranreifen sollen. Darum suchte er auf die Famtltenhäuser Einfluß zu nehmen, insbesondere, die Mütter zu bestimmen, ihre Kinder in der Religion zu unterweisen. Go sehr Fetlchenfeld mit der Jugend und für die Jugend Sesonnen und gesorgt hat, so sehr er in seiner pädagogischen lrbett durchdrungen war von dem Worte unserer Alten »Die Welt besteht durch den Hauch des MundeS der Kinder des Lehrhauses. sein rabbinischeS und seelsorgerisches Amt ist darum nicht zu kurz gekommen. Auf der Kanzel wirkte er durch die Tiefe -er Gedanken, durch seine schlichte Vortragsweise und durch seine ganze Persönlichkeit. Es war alles tief und innerlich an ihm, angeerbt und angestammt, ein Schatz von Bätersitte und edlem Familiengut.. »Das Andenken des Gerechten wirkt fort in dem Segen, sten es fortpflanzt." Dieser Segen strömte aus von seiner Lebensarbeit, die ihren Ausdruck gefunden in seinen Lehrbüchern, der Segen strömte aus von seiner Persönlichkeit auf diejenigen, die seinem Herzen nahegestanüen, auf feine Kinder und auf alle seine zahlreichen Freunde und Schüler, die in seinem Gssiste wirken zum Segen des Judentums und der Judenheit. Hundertjähriges Bestehe« des jüdischen Friedhofes in der Schönhauser AUee. Nicht allzu viele in Groß-Berlin wohnende Juden wiffen, daß es in Berlin außer dem jüdischen Friedhof in Weißensee, dessen Bezeichnung zu einem Begriff von Gedankentiefe und Gefühl für die Berliner Judenheit geworden ist, noch einen anderen Friedhof der jüdischen Gemeinde gibt, und zwar in der Schönhauser Allee. Am 29. Juni dieses Jahres tft es ein Jahrhundert her, seit diese ehrwürdige Begräbnisstätte im Jahre 1827 in Benutzung genommen wurde, nachdem der im Zentrum des damaligen Berlin gelegene erste Friedhof der jüdischen Gemeinde in der Gr. Hamburger Str. voll belegt war. Während dieser Friedhof für die Zeit von annähernd 150 Jahren — 1672 bis 1827 — für die Berliner jüdische Bevölkerung ausretchte (wozu noch die Bestattungen von außerhalb des Ortsbezirks kamen, die ans der Provinz Brandenburg nach Berlin überführt werden mußten, da es im weiteren Umkreis keine andere jüdische Begräbnisstätte gab), war der Friedhof in der Schönhauser Allee infolge des Wachstums der Gemeinde schon nach 80 Jahren voll belegt. Die letzte Bestattung in der Gr. Hamburger Str. fand am 27. Juni 1827 statt,- mit der Beerdigung am 29. Juni 1827 wurde der Friedhof in der Schönhauser Allee eröffnet. Die Zahl der Grabstellen beträgt ungefähr 22 500. Die „Aeltesten" der Judenschaft dies war die damalige Benennung für die verwaltungsführende Körperschaft — hatten unter der Einwirkung einer Verfügung der Königl. Regierung vom Dezember 1817. welche anordnete, daß das Begraben auf den Kirchhöfen in der Stadt etnzustellen fei, und mit Rücksicht auf späteren Zuzug dieses außerhalb des damals bewohnten Stadtbezirks belegene Terrain gewählt. Die Entfernung bis zu dem vor dem Schönhauser Tor belesenen Gelände war für die damalige Zeit ein weiter Weg, obgleich die jüdische Bevölkerung jn der Hauptsache in der Gegend der Oranienburger Straße. Rosenthaler Straße, bis zum Alexauderplatz wohnte. Die Leichen wurden außerdem damals zum Friedhof hin getragen. Der Friedhof Schönhauser Allee war über ein halbes Jahrhundert, von 1827 bis zur Eröffnung desjenigen in Weißensee im Jahre 1880. in Benutzung. Auch heute ist er noch nicht gänzlich geschlossen. In den Erbbegräbnissen, die alteingesessene Familien erwarben, sind noch Stellen frei,' hin und wieder findet daher auch fetzt noch eine Beisetzung statt. Die Inspektion des Friedhofs hat neben der Pflege der Gräber die Tayara von Leichen hier auszuführen, die den Krematorien in Groß-Berlin zugeführt werden, um den weiter^ Weg nach Weißenfee zu. ersparen. Die früher von der Friedhofsverwaltung benutzten Räume sind seit mehreren Fahren dem Wohlfahrtsamt Prenzlauer Berg zur Verfügung gestellt worden. Gegenüber der jüdischen Begräbnisstätte in der Gr. Hamburger Str.. deren Vorhandensein nur ganz wenigen Juden Berlins bekannt sein dürfte, bedeutete die Anlage des Friedhofs Schönhauser Allee einen großen Fortschritt. Der Unterschied der Raumfläche des ersterwähnten diesem gegenüber und wiederum desjenigen in Weißensee legen deutlich Zeugnis ab von der gewaltigen Entwicklung der jüdischen Gemeinde Berlin im verflossenen Jahrhundert. Der Friedhof liegt unweit des Schönhauser Tores, Untergrundbahnhof Seuefelder Platz. Nach der Straßenseite ist er durch eine Mauer begrenzt; an der Rückseite trennt hinter der abschließenden Mauer ein Gang, vom Seuefelder Platz bis zum Wörther Platz, das Friedhofsgelände von den Häusern der Weißenburger Straße. Trotz der unmittelbaren Umgebung der Straßen sind die Besucher von einer würdigen Stimmung umgeben; gegenüber dem großen Friedhof in Weißensee hat man hier den Eindruck eines solchen einer Kehillo. Neben dem Eingang zum Friedhof befindet sich die hier später errichtete zweite Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde. Ein Besuch des schön gepflegten Beth aulom ist für jeden Glaubensgenosien, besonders für Interessenten der Altberliner Familiengeschichte empfehlenswert. Die auf den Grabsteinen verzeichneten Namen berichten wie eine Chronik von den Berliner jüdischen Patrizierfamilien, die hier zur Ruhe »MS loaaacxoJxroaxiDauou^ 8 Tage vor Ihrer Reise müssen Sie bei Ihrem zuständigen Postamt die Veber- Weisung beantragen, wenn Ihnen die »Kölner Jüdischliberale Zeitung" aus kürzere ober längere Zeit in di« Sommerfrische nachgesandt werden soll. n *TTTnrvTTnrTWTr^^ ,, ■ ■ nrrph Verfammlrmgskalender j Berlin-Rorde». Liberale Synagoge Norden (im Auerbachfchen Waisen, ha«S. Schönhauser Allee 16!): Gottesdienst: Freitag, de» 17. Jnni. abends 7.15 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr, Salo- «onski. Sonnabend, de« 18. Jmü, vormittags 10 Uhr. bestattet sind, von denen manche in den Enkeln jener Männer und Frauen fortleven. die vor Jahrzehnten die Geschichte des damaligen Berlin erlebten und manche nicht nur an der Entwicklung der jüdischen GemeirÄe bestimmend mitwirkten, sondern auch in ihrer anderSkonfefftonellen Umgebung Stellung und Einfluß erwarben. Eine Anzahl der Wohltätigkeit gewidmete Stiftungen, die leider der Inflation zum Opfer gefallen sind, tragen die Namen jener Spender zum Andenken. Es will uns scheinen, daß diese Juden in der Beschaulichkeit jener vergangenen Epoche sorgenfreier und glücklicher waren als wir Heutigen, daß sie aus ihrer Zeit die Kraft zogmr zu ihrem Wirken, mit dem sie sich Achtung und Ans eben erwarben und Leu Grund zu Vielem legten, auf dem die nachfolgende Generation weiterbauen konnte. Bon den Namen der zahlreichen bekannten Familien können hier nur einige genannt werben: in der Ehreureihe sind u. a. bestattet: die seiner Zeit in Berlin amtierenden Rabbiner bzw. Prediger Dr. Michael Sachs, der Verfasser der nach ihm benannten Machsorim, und dessen Freund Dr. Moritz Veit, die sich groß« Verdienste um die damalige Entwicklung der Berliner jüdischen Gemeinde erworben haben; Dr. Michael Zunz, Abraham Geiger, Holdheim, hier hat auch im März 1926 der der neueren Generation bekannte Arzt. Profesior Dr. James Israel, seine Ruhestätte erhalten; die politischen Freiheitskämpfer Laöker. Bamberger und Loewe sind ebenso wie die Grabstätte der Märzgefallenen von 1848 ein Beweis für die rege Teilnahme der Juden an den politischen Geschehnissen jener Zeit. — Erbbegräbnisse sind vorhanden von Moritz Reichenheim und Moritz Mannheimer und deren Mefrauen, die ihr Leben der jüdischen und allgemeinen Menschenliebe widmeten; von den Familien Avolant, Ginsberg, Poppelauer, Magnus, Mamroth. Haberland. Lachmann und vielen anderen. Von bekannten Persönlichkeiten seien erwähnt: der Botaniker Pringsheim, Profesior Dr. Felix Liebermann. Profesior Traube. Dr. Witkowski. Geh. Sanitätsrat Dr. Max Meyer. Geh. Sanitätsrat Dr. Hollstein, Gerson von Bleichröder, Caesar Wollüeim, Kommerzienrat Goldberger, Chajim Steinthal, die Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Justizrat Siegmund Joel Meyer, Sustizrat Hermann Makorver und Geh. Sanitätsrat Dr. ulius Blumenthal: der Direktor der nach ihm benannten jüdischen Schule, Aron Horwitz, die Begründer der Berliner Großkaufhäuser, N. Israel, V. Manhetmer und Hermann Gerson, der Begründer von Wolffs Telegravhenbureau, der im Kriege 1870/71 gefallene Leutnant Meno Burg, neben vielen anderen .— Im Erbbegräbnis der Familie Meyer-Deer hat neben seiner Mutter und den Geschwistern der bekannte Komponist Giacomo Meyerbeer seinen Platz erhalten. Die Erbbegräbnisie der Familien Gebert und Jacoby werden viele an die Schilderung der Lebensgeschichte von Jettchen Gebert, Henriette Jacoby durch den Schriftsteller Georg Hermann erinnern. — Möge eS der Berliner jüdischen Gemeinde nie an glanzvollen Namen wie diesen fehlen! A. L. Missionen für Wohnungsfürsorge und Wohnungsbeschassung, durch Unterstützung öffentlicher WohnungSfürsorgemaßuahmen den schweren Mtßständeu, die aus der Wohnungsnot innerhalb der jüdischen Bevölkerung entstanden sind, abzuhelfen suchen. Die von Herrn Caspary und Dr. Düendorfs auSgearbeitete« Richtlinien für die Verteilung der Subventionen wurden mit wenigen Aenberunge« angenommen. Danach werden nur überörtliche Organisationen, nicht lokale, unterstützt. Bei gleichgerichteten und verwandten Einrichtungen ist allmählich und organisch ans engere Zusammenarbeit hinzuwtrken. Bewilligt wurden Vorschüffe für die ZentralwohlfahrtSstelle der deutschen Juden, die Hanptstelle für Wanderfürivrge, den sozialen Ausschuß beS RabbinerverbandeS für Gefangenenfürsorge, den DJGB., für daS Arbeiterfürsorgeamt und eine Anzahl jüdischer Woylfahrtseinrichtungen. Endlich beschloß der WohlfabrtS-Ausschuß. eine Kommission zur Verteilung von Stipendien an jung« Mädchen, die sich für soziale Berufe ausbilben wollen, einzusetzen« Der Reichsverbandstag der Tierschuhvereine gegen das Schächten. Am 9. und am 10. Juni wurde ln Darmstadt -er 18. Rokchsverbandstag des Tierfchutzvererns unter Betoi-ligmdg von Delogierten aus allen Teilen des Reiches abgehalten. Wich» tigster Punkt der Tagesordnung war ein von den Vereinen Düsseldorf, Hilchenbach, Lübeck und München gestellter Antrag auf allgemeine Durchführung des BetäubuugSzwaugeS bei Vornahme von Schlachtungen. Der Münchener Oberregierungsrat Dr. Einhauser wünschte ausdrücklich, daß auch bei Schlachtungen nach jüdischem Ritus die Betäubung der Tiere vorangehen müsse. Der Berliner Pfarrer Hecker meinte, mau wolle und solle nicht in eine andere GlarcheuS- Werzeugung eindringen, aber doch in Unterscheidung von Zeremonialgesetzen und Sittengesetzen von einem überkonfessionellen Standpunkt aus der allgemeinen Humanität zu dienen suchen. Rabbiner Dr. Munk-Berlin betonte, daß eS in dies«!« Punkt für den von ihm vertretenen Glaubensstandpunkt keinen Unterschied zwischen diesen beiden Gesetzen gäbe. DaS Schächtgebot sei tief religiös begründet in dem Verbot deS BlutgenusieS. Es sei den Juden verboten, Fleisch von Tieren zu genießen, bei denen, wie es durch di« Betäubung z. B. bei den Bolzenschußapparaten geschieht, das Gehirn des Tieres verletzt wird. Rabbiner Dr. Horvvitz-Frankfurt a. M. betonte ebenfalls, daß das Schächtgebot für die Juden zu den religiösen Geboten gehöre, die man nicht restlos in ihren Motiven ergründen könne. Oberschulrat Jung-Darmstadt regte einen Vermittlungs- Vorschlag an, daß zum Schutz einer konfessionellen Minderheit Ausnahmen gestattet sein sollen, die von dev Behörden und in Begrenzung auf die Zahl der in Bettacht kommenden Staatsbürger zur Geltung gelangen könnte. Eine eingehende Debatte folgte. Schließlich wurde der anfänglich gestellte Antrag auf allgemeine Durchführung des Betäubungszwanges mit großer Mehrheit angenommen? Diesem Antrag gemäß wird der Vorstand beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um im Deutschen Reich die Betäubung der Schlacht» ttere zu erlangen. (Jta.) Sprechsaal Die Presse der Inden. Eine Sondergruppe innerhalb der »Prcffa" Internationale Presieansstellung Köln 1928. Die fm Mai 1928 in Köln zu eröffnende »Internationale Presse-Ausstellung", die eine Weltschau Ler geistigen und wirtschaftlichen Bedeutung des Presiewesens in allen Erscheinungen bringen wird, wird eine Sondergruppe: »Die Presse der Juden" enthalten, die eine Schau des gesamten jüdischen Presiewesens in Vergangenheit und Gegenwart bieten wird. Die Sondergruppe »Die Presse der Juden" wird zunächst eine historische Gruppe ausweisen, die die Anfänge der jüdischen Nachrichtenübermittlung im Altertum und die Entwicklung des jüdischen Nachrichtenwesens bis aus unsere Generation darstelleu wird. Bedeutsame historische Dokumente. die ältesten jüdischen Zeitungen, alle Zeitungen, die im jüdischen geistdgen Leben eine Rolle gespielt haben, ebenso bildliche Darstellungen historischer Ereignisse, Bilder historischer jüdischer Persönlichkeiten, die Entwicklung des jüdischen drucktechnischen und Kunstdruckwesens in früherer Zeit ldie berühmten hebräischen Druckereien in Amsterdam, Venedig, Prag. Wilna usw.) werden zu sehen sein, ebenso Standard-Werke der hebräischen und Jrrdaiea-Literatnr der Vergangenheit. Den Mittelpunkt der Ausstellung wird natürlich die jüdische Presse von heute, gegliedert a) nach Landen. b) nach Sprachen, c) nach Fächern bilden. Jede Zeitung wird durch eine Gruppe vertreten, sein, die das erste Exemplar, die Jubiläums-Nummern. andere denkwürdige Nummern, sowie das letzte Exemplar zeigt. Bielddarstellungen der Häuser und Druckereien der groben jüdischen Zeitungen, wie das moderne jüdische Druckwesen überhaupt, werden zu sehen sein, ebenso das Jllustrationswesen der jüdischen Presse. Diese Abteilung wird eine Schau bedeutsamer jüdischer Dokumente der Gegenwart bieten. Die jüdische Kunst der Gegenwart und das jüdische Buch sollen würdig vertreten sein. Das System der Arbeit und der Wirkungsbereich der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit ihren sechs Abteilungen, ihren Tagesbulletins und Sonderausgaben werden ebenfalls zur Darstellung gelangen. lJia.) vom Wohlfahrtsausschuß des Landesverbandes. Am Sonntag, den 12. Juni d. I. fand unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Dr. Türk eine Sitzung des Wohlfahrts- AuSschusies statt. Einen großen Teil der Beratungen nahmen bevölkerungspolitische Fragen iu Anspruch, wozu als Sachverständige die Herren Dr. meä. Theilhaber und Dr. moä. Tugendreich hinzugezogen waren. Der WohlfahrtS-AuSfchutz wird, unabhängig von dem Beschlüsse deS Rates eine Konferenz aller Organisationen zu einer Beratung über Maßnahmen gegen Taufen. Austritte und Mischehe einzuherufen, eine Aufklärung Ser jüdischen Bevölkerung, besonders über die Gefahren des Geburtenrückganges in die Wege letten. Es sollen Flugblätter an die jüdische Bevölkerung versandt werden und insbesondere die Mitwirkung des Rabbiner- und Dehrer-DerSanLes in Anspruch genommen werden. Eine Kommission, bestehend aus Fra« Wronfky, Dr. Peyser, Dr. Eschelbacher und Dr. Theilhaber hat eS übernommen. Vorbereitungen dafür zu treffen. Dem Rate wird ein Antrag übergeben, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß Sie jüdischen Gemeinden, besonders die Großgemeinden, durch die Gründung von Kom-, Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung/ledWch 'öte preßgesetzliche Verantwortung. Synagogenchöre. Mannheim, 'den 18. Juni 1937. An die Redaktion der »Jüdffch-liberalen Zeitung" Berlin. Sehr geehrte Redaktion! An Ihrem Bericht in Nr. 23 der ,FWdiffch-lilberalen Zeitung" über das Konzert des Synagogenchors in Mannheim gestatte ich mir folgende Bemerkung anzuknüpfen: Gerade vom Standpunkt des Liberalismus aus verdiene» derartige Veranstaltungen gewürdigt zu werden. Den» fie zeigen, wie man bestrebt ist. in modern künstlerischer Weffe die traditionellen Gesänge den Betern nahe zu bringen, die Andacht zu heben, das religiöse Gefühl in ästhetisch ansprechender Weise zu fördern. Aber dieses Ziel wird meines Erachtens einigermaßen doch nur erreicht, wenn im Gottesdienst diese Gesänge aus dem Munde jüdischer Beter er-, schallen, die aus innerem Antrieb ihre,künstlerische Begebung in den Dienst der Sache stellen. So ist es in Mannheim der Fall. Der Synagogenchor besteht lediglich aus männlichen und weiblichen G e m e i n d emitgli ed e r n. die freiwillig ohne jede Vergütung an Sabbaten und Feiertagen als Sänger wirken. Dies bedarf besonderer rühmender Hervorhebung, weil! in vielen deutschen Großgemvinden der Chor lediglich oder zum grüßten Teil aus bezahlten Sängern besteht, ja in manchen auch nichtjüdische Mitglieder zählt. Das ist kein würdiger Zustand, insbesondere die Mitwirkung nichtjüdischer Sänger im Gottesdienst. Auch die Mitwirkung bezahlter jüdischer Kräfte hat schon unerfreuliche Ergebnisse gezeitigt. Ist es doch schon vorgekommen. Laß die Chormitglteder. sogar einer konservativen Synagoge, kurz vor Beginn der Feiertage streikten, und erst durch Anerkennung ihrer Lohnforderungen zur Ausübung ihres Dienstes zu bewegen waren. Es müssen Mittel und Wege auch in den Großgemeinden gesucht werden. um freiwillige Synagogenchöre zustande zu bringen. Ich erlaube mir die Anregung, daß die Redaktion der »Jüdisch-liberalen Zeitung" zunächst einmal durch eine Nachfrage festzustellen versucht, in welchen Gemeinde« bezahlte Chöre, einzelne bezahlie Chorrnitglieder, evtl. Nichts«den. im Gottesdienst Mitwirken, und daß denn Sachverständige sich äußern, in welcher Weise dem gekennzeichneten un-würdigen Zustand abgeholfen werden kann. Dr. Julius Jüdische Ehrenbürger in Kottbus. Düsieldorf, den 13. Juni. Ttergartenstr. 34. An die Redaktton der »Jüd. lib. Zeitung" Berlin. » In Ihrem Artikel in Nr. 28. »Der Flug über den Ozean", von Dr. Hugo Spiegler, ist bemerkt, daß die Kottbuser wahrscheinlich ungläubig gewesen wären, wenn man ihnen am Pfingstsonntag prophezeit hätte, daß sie einen jüdischen Ehrenbürger bekommen würden. Hierzu möchte ich bemerken, daß Kottbus schon vor langer Zeit einen jüdischen Ehrenbürger hatte, den vor etwa zwei Jahren verstorbenen Großindustriellen. Kommerzienrat Grünevaum. der auch bet der Beisetzung entsprechend geehrt wurde. Grünevaum war Jude, ob er später vielleicht getauft war. kann ich allerdings nicht sagen. Mit vorzüglicher Hochachtung Frau Jda Cobkenz.