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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-05-27 · 21 (27.5.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
21 (27.5.1927)
Date
1927-05-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Hamtbrasch-Sttstung. Den Bemühungen des Herrn Justizrat Breslauer ist es gelungen, die Aufwertung einer Anzahl Stiftungen durch Angehörige der Stifter durchzuführen. Der Berwaltunasbericht für die Zeit vom 16. März bis zum 60. April d. I. erwähnt die Verfügung des Regierungspräsidenten, in welcher der Steuersatz für 1927/28 von 12H% von Aufsichtwegen genehmigt worden ist. Er bringt ferner die Mitteilung, daß die Vervollständigung des Kupferdaches btt Neuen Synagoge, welche die NotaSdeckuna aus der KrieaSzeit beseitigte, fast 12 000 M. Kosten verursacht habe, bittet um nachträgliche Genehmigung einer Petzach-Bylhilfe für oie Leichenwärter und einer Ausgabe von 4000 M. für eine mannshohe Hecke auS Lebensbäumen in fast 300 Metern Ausdehnung hinter einem Drahtzaun auf dem Friedhof Cosel. Eine längere geheime Sitzung beschäftigte sich mit GehaltSregeluttgen und Anrechnungen von früheren Dienstjahren. Salear. /Auflösung der jüdischen Volksschule.) Nachdem der seit vielen Jahren hier wirkende Lehrer und Prediger May in den Ruhestand trat, wurde die jüdische Volksschule infolge abnehmendst Schülerzahl von der Regierung aufgelöst. Aus demselben Grunde haben in den letzten Jahren mehrere Schulen des Bezirks ihre Pforten schließen müssen. — In der Nachvargemsinbe Fanten ist der 33 Jahre als Vorsteher für die Interessen der jüdischen Gesamtheit wirkende Herr Nathan Oster gestorben und unter großer Beteiligung der Ortseingesessenen, auch solcher christlichen Bekenntnisses, zu Grave getragen worden. Lehrer May von hier widmete dem Verstorbene» »inen ehrenden Nachruf und hob dessen große Verdienste üm die hiesigen GeMsindeverhältnifse hervor. (Todesfall.) Hier ist das Ehrenmitglied »er Gemeinde, der fast ein Bierteliahrhundert an ihrer Spitze stehende ehemalige Vorsteher Aleranber Benoty aepüeven. Die Repräsentanten und Ser Vorstand widmeten »»« Entschlafenen, der sich um baS religiöse Leben besonders verdient machte, herzlich« Worte des Dankes und der Anerkennung. DüstelSorf. (Sport.) An der am 33. Mai in Düssel- Mf Osläuferien Rheinstaffel. an dir der jüdische Turn- und Sportverein „Makkavi", Düsseldorf, das erstemal n die große Oeffentlichkert trat, gelang es diesem Verein i scharfer Konkurrenz mit über SO Vereinen in seiner .lasse Mt seiner ersten Mannschaft den zweiten J.G.-Platz, vtbjs den vierten Staffelplatz, mit feiner zweiten MaNn- "t iff den 15. Platz zu belegen. Offert. (Die Rheinlandaktion ber Gesellschaft »Ort".) Die von der Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und ber Landwirtschaft unter den Juden ,,Ort, Abt. Deutschland, unternommene Rheinlandaktion geht unter sehr gutem Erfolg vor sich. In mehreren Städten -es Rheinlandes hat Herr Dr. Singalvwsky in den letzten Wochen Vorträge gehalten, die starken Eindruck interließem Der Generalsekretär der „Ort"-Gesellschaft, tbt. Deutschland, Dr. Michael Traub, sprach am 13. Mai N Köln und am 16. Mai in Essen über den Umbau des üblichen Wirtschaftslebens in Osteuropa. Beide Borträge, ^je überaus zahlreich besucht waren, gestalteten sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung der jüdischen Bevölkerung für die Ausvaüidee von Ort. In den meisten Rhetnlandstädten haben sich lokale Ort-Komitees gebildet, denen die führerloett Vertreter des rheinischen Judentums beigetreten sind. Frankfurt. (Geineindes 1 tzuug.) Nach ein monatlicher Pause, die durch die Beratungen der Finanzkommisstün ausgefüllt war, eröfsnete Herr Dr. Merzbach am 24. Mai die Gemeindesttzüng. Die Gemeindevertretung Awjlltgt zuerst die Budgetzwölftel für die Monate April. Mai und Juni. In ber Frage der AufwettüngSanlethen, beschließt man, den Altbesitzern von 500 Mark, die nur über ein Einkommen bis 8000 Mark verfügen, eine 29prozentige Aufwertung zu gewähren. Für spezielle Zwecke der Röntgenabteilung des Krankenhauses werden 1000 Mark bewilligt. Dieselbe Summe weist man der „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" zu. Ferner bittet man Herrn Rabb. Dr. Seltgmann. an Stelle des erkrankten Rabb. Dr. Lazarus vorläufig den Religionsunterricht übernehmen zu wollen. Bei Vorlesung der AustrittserklärungKN aus der Gemeinde "‘8.) dafür und aus dem Judentum tritt Herr Dr. Hahn (li ..... ein. daß mau die Namen der Betreffenden künftighin wieder im Genieindevlatt veröffentliche. .Frau Gttth (liv.) warnt vor derartigen Matznahmeu, mit denen man nur unschuldige Familienmitglieder treffe. Herr Stiefel Md.) bekämpft derartige Anprangeruttgsmethoven. die letztendlich keinen Erfolg bringen könnten. Der Vorstand solle in einer der nächsten Sitzungen dazu Stellung nehmen. Der GaSvertrag, den die Gemeinde mit der Stadt abgefchloß, wird trotz gewisser Bedenken des Vorsitzenden Herrn Dr. Merzbach einstimmig angenommen. Nach Erledigung untergeordneter Tagespuukte tritt man in die Generaldebatte Über Sen Etat ein. Herr Dr. Geiger (lib.) erhebt sich nun za seiner Rebe, die infolge verstandesmätziger Klarheit und reichster Sachkenntnis mit ihrer inneren Beschwingtheit und warmen Freudigkeit den nachhaltigsten Eindruck hittterließ. Der Redner dankt anfangs seiner Worte den Aemeindebeamten für die geleistete Arbeit. Anlaß zu einer .Kritik im Rahmen einer Generaldebatte gäbe vor allem der Beschluß des Vorstandes» die Protokolle der Vorstandsberatungen den Gemetndevertretern nicht zugänglich zu machen Derartige Beschlüsse seien nicht haltbar. Des weiteren müsse man einmal Stellung nehmen zu den von außen her immer wiederkehrenden Klagen. Man sage, die Gemeinde habe nichts für jüdisches geistiges Leben übrig. Für die liberale Fraktion müsse er derartige Anwürfe entschieden znrttckweisen. Gerade die Liberalen hätten sich stets für geistige Bewegungen inieresiiert. Wenn man tatsächlich denn noch Widersprüche finden könne, so läge das nicht an der prinzipiellen Haltung seiner Fraktion sondern an den zwaugsmätzigen Notwendigkeiten eines Etats. Außerordentlich gefährlich sei das Schlagwort „Jüdisches Leben". „Jüdisches Leben" sehe eben von verschiedenen Standpunkten verschieden aus. Verwerflich sei aber auf alle Fälle die Methode, dem Privatleben und Privatempfinben des Einzelnen nachzuspüren. Maßgebend könne nur der ehrliche Wille zur Arbeit im Interesse der jüdischen Gemeinde sein. Was das „Positive" angehe, so habe gerade der Liberalismus, der das große Feld des Jndifferentismus bearbeite, von jeher feine Hauptaufgabe in positiver Arbeit erblickt. Niemals aber habe mün im jüdischen Lager selbst Proselyten machen wollen, wie es etwa die Orthodoxie versucht hätte. Was die soziale Fürsorge betreffe, so seien die Liberalen die Ersten gewesen, die für dib Uebernahme derselben durch die Gemeinden gestimmt hätten. Doch könne Gozialwohlsahrt. die übrigens in noch viel stärkerem Maße betrieben werden müsse, nicht allein das A und Omega einer Gemeinschaft bilden. Die Steuerkraft der Gemeinöemitglivder müsse so weit wie irgend nur möglich geschont werden. Man solle die Gebühren für Trauung, Beerdigung, Plätze der Synagogen usw. so niedrig ansetzen, wie cs eben noch gerade ««ginge. Andererseits müsse man sich aber stets vor Augen halten, daß der Geldbeutel der Gemeinde kein unerschöpflicher Born sei. Die Zahlen des Etats seien durchaus nicht sicher. Weise Sparsamkeit sei die unbedingte Pflicht einejeden GemeinbevertreterS! Wa» gewisse Artikel im Gemeindeblatt angehe, so müsse man von diesem neutralen Blatt mit aller Entschiedenheit die größte Objektivität fordern. Sonst werde nur Beunruhigung in die Gemeinde getragen! Friede müsse hier herrschen, Friede . . . aber nicht künstman nicht bemänteln! Aber mit Anstand und Offenheit licke Befriedigung! Natürliche Gegensätze solle und könne solle man seine Kämpfe überall austragen, damit die Würde des Judentums gewahrt werde! So und nicht ünders werde man das Interesse und dM MttaMit der GemLtnbemitglieber gewinnen, die dann gern ihre Kraft und Arbeitszeit für «ine jüdische Gemeinde gäben llebhafter Beifall bet der liberale» Fraktion. Bravorufe im Zuhörerraum.). _ . . Die Sitzung dauert fort. Ueber den meitereu Verlauf Serben wir in ber nächsten Nummer ausführlich berichten. m M3 tftt beschließt die Gemeindevertretung die öffentliche Sitzung auf den nächste« Abend zu verschiebe«. Frankfurt *. M. (Hebräische «horkonzerte.) Im Rahmen der ln diesem Gommer in Frankfurt a. M. stattsindendest Internationalen Mustkausstellung «erben Chorkonzerte hebrstfcher Gesänge veranstaltet werden. Neben Darvtetunasn der Frankfurter Gynagegenchöre werden 40 Mitglieder (Damen und Herren) ber Berliner Synagogenchör« unter Leitung des Herrn Aleranber »einaum, Dirigent ' ‘ ‘ ~ «de Juni ein ein Synagogenchor Frankfurt kommen, . . Halberftadt. (Jüdische Orthodorie und Simultan-Akabemie.) Der Landesverband gesetzestreuer Synagogengömeinden in Halberstadt hat stch.vor kurzem mit der in FtkNkfUri begründeten Siuiultan-Äkademie befaßt und diese Akademie als Bildungsstätte für gesetzestreue iÜI3Bte ftaeI?t^ämVÄüf diese Entschließung ähnliche Motive maßgebend gewesen, wie sie auch die kirchlichen Behörden der preußischen Katholiken bestimmt haben. „Wir halten," schreibt der »Israelit" die geistige Atmosphäre der simultanen Akademie nicht für geeignet, die Heranbildung geschloIener jüdjscher Erzietzerpersönlichkeiten zu fördern .,. Die Otthoooxi« ist überzeugt, daß eS ohne allzu starke Inanspruchnahme von Staatsmitteln ln absehbarer Zeit möglich sein mutz, eine orthodox-jüdische Akademie. die nur für Jude» bestimmt ist, in Anlehnnng an Köln und Bonn zu schaffen, und es wäre gefährlich, die Erreichung dieses Zieles durch die Hinnahme von Halbheiten zu gefährden." Hannöver. (Zwei wichtige Tagungen.) Am Itz. Mai fand im SitzüttgSsaale ber Gynagogengemeinbe die Mitgliederversammlung der Provinzialkasse Hannover- Braunschweig für jüdische Wanbersürsorge statt. AuS dem erstatteten Tätigkeitsbericht geht hervor, daß im letzten Jahre bei der Kasse 1430 Wanderer versprachen, von denen 1100 mit Fahrkarte Und Zehrgeld befördert worben sind und 77 nur Zehrgeld erhalten haben. 248 mußten abgewiesen werden, weil sie — auf Grund der Informationen von »er Hauptstelle in Berlin — ohne Ziel in Deutschland umherreisen. 328 der Borsprechenveu waren Deutsche. 1103 Ausländer. Die Kasse richtet ihr Hauptaugenmerk darauf, diese Leute nach ihrer Heimat zurückzuschicken. Die Ausgaben für die Wanderfürsorge im letzten Jahre betrugen 10193.11 M. — Nach dem Tätigkeits- und RechenschaftSberiHt erstattete Herr Dr. Kreutzberger von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, Berlin, eine« Bericht über die Gesamttätigkeit der jüdischen Wandetfürsorge tn Deutschland und über Sie Tagung der Hauptstelle Berlin, die am 8. und 9. Mat in Berlin stüttgefuttdett hat. ES folgte eine eingehende Besprechung über dttz Provinzialarbeit, tu der fast alle Vertreter der Gemeinden zu Wort kamen. — An der sich auschließenben Mitgliederversammlung deS Provinzlalverbandes für Jüdische Wohlfahrtspflege Hannover- Braunschmeig-Olbenvurg nahmen über 40 Vertreter der angeschlossenen Gemeinden und Institutionen teil. Dem Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen: Der Verband unterstützt etwa 30 Personen und Familien aus der Provinz mit einer regelmäßigen Beihilfe, Einmalige Beihilfen wurden an Alte. Kranke und Erholungsbedürftige erschöpfend geleistet. Acht Tuberkulose erhielten größere Zuschüsse, die ihnen einen Sanatöriumsaufenthatk ermöglichten. 166 Kinder wurden im letzten Jahre nach Dassendorf und ly nach Bad Kreuznach verschickt, außerdem sechs erwachsene Erholungsbedürftige in Bädern uns Kuranstalten untergebracht. Nach dem Tätigkeitsbericht gab Herr Lanbrabbtner Dr. Freund einen Uebsrvltck über Sie GesamttStigkett SeS Verbandes. Danach erstattete Herr Dr. Ovendorf, Berlin, der Geschäftsführer de« Zentralwohlfahrtsstells der deutschen Juden, ein Referat über „Grundlegende Reformen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland". Die Versammlung nahm die Berichte Mit einem Dank für alle an der Arbeit Beteiligten entgegen. Karlsruhe. (Von der Ausstellung für Fried« Hofskunst.) Die gegenwärtig in Karlsruhe gezeigte Ausstellung für Friedhofskunst enthält bekanntlich auch eine besondere Abteilung, die die jüdische FriedhofSkunst illustriert. Eine besondere Kose ist den badischen Jubenfrtedhösen gewidmet, von denen W. Kratt, ber Schöpfer beS badischen Denkmälerarchivs, im Auftrag SeS Oberrateder Israeliten stimmungsvolle Aufnahmen gemacht hat. Kassel. (Todesfall bet dem Straßenbahnunglück.) Bei dem gräßlichen Straßenbahnunglück, bas sich vorigen Mittwoch auf Wilhtzlmshvhe ereignete und neun Todesopfer forderte, während zahlreiche andere Fahrgäste mehr oder weniger schwere Verletzungen öavontrugen und in Krankenhäusern Aufnahme finden mußten, sind auch einige Glieder der hiesigen israelitischen Gemeinde schwer betroffen worden. Tödlich verletzt wurde der Geh. Justizrat Rinteln, der mit seiner Frau von einem Ausflug zuruckkehrte und nur als Leiche aus den Trümmern des Wagend geborgen werben konnte. Der im 77. Lebensjahre stehende Jurist, der in Bochum und Essen als Amts- und LanbgerichtSrat tätig war. seit etwa 30 Jahren hier seinen Wohnsitz hatte und vor wenigen Jahren in den Ruhestand trat, erfreute sich wegen seiner beruflichen Tüchtigkeit, seiner vornehmen Gesinnung und seines liebenswürdigen Wesenbei Berufs» genossen und tn weitesten Kreisen der Bürgerschaft hoher Wertschätzung. Dem Borfteheramt der Israeliten hat er viele Jahre angehört und in dieser Eigenschaft feine aetsti gen Fähigkeiten gern und freudig in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft gestellt, der er sich stetverbunden fühlte. Sein jäher Tod hat innige Teilnahme geweckt, und seiner schwergeprüften Gattin, die bei dem Unfall nicht unbedeutende Verletzungen davontrug und im Krankenhaus -um Roten Kreuz Aufnahme suchen mußte, wirtief gefühltes Beileid entgegengebracht, mit dem auch der Herz liche Wunsch baldiger Wiederherstellung von den Folgen dev Unfalls verbunden bleibt. Königsberg. (Hakenkreuzlerische Theaterstörer vor Gericht.) Die KönigSLeraer BerufungSsirafkammer verhandelte, nachdem in ber ersten Instanz etn Freispruch erfolgt war, gegen die vier natlonalsoztaltstischen Führer, bte tm Mär» vorigen Jahre- Sei ber Aufführung des Lustspiel- ^Der fröhliche Weinberg" im Königsberger Reuen Schauspielhause einen Theaterskandal inszeniert batten, bei dem auch Stinkbomben geworfen wurden. Die Angeklagten behaupteten, daß sie alle rein ^zufällig" in- Theater gekommen seien. Dem widersprachen aber die Auslagen deS Intendanten und Regisseurs sowie des diensttuenden Polizeioffiziers, die übereinstimmend bekundeten, Satz der ganze Skandal organisiert gewesen sein mutz, um so mehr, da auch von der Straße aus nationalsozialistische Jünglinge versucht haben, in die Vorstellung etnzudringen und Skandal zu verüben. Der Hauptanaeklagte Kaufmann Scherwitz hielt vor Gericht eine große Rede, in der er behauptete, daß er gegen die vcrjudete Theaterkultur im allge meinen und gegen oieies Stucr, oas vsieuvar gor juuji einem Juden geschrieben ist, insbesondere habe protestrereu wollen. Er verlangte, daß der Intendant Dr. Fritz Jehner, ein Verwandter des bekannten Berliner Theaterleiters, nicht vereidigt würde, weil „er ein Angehöriger deS jüdischen Volkes sei". Der Angeklagte mußte von dem Vorsitzenden energisch itt die Schranken gewiesen werden. Auch mußte ihn der Vorsitzende zur Sache ermahnen, da er behauptete, daß -er Eentralvetein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens unter Leitung seines Syndikus Sabatzky in Königsberg gegen ihn eine Berntchtungszentrale unterhalte, die gesamte vssfenütchkett gegen ihn beeinflusse und auch dreseS BorufungSverfahren veranlaßt habe. Trotzdem alle Anzeichen dafür sprachen, daß ein organisierter Landsrtebensbruch vorlag, kam das Gericht nur zu einer Verurteilung de- Kaufmann- Scherwitz wegen Hausfriedensbruch- und ruhe stören den Lärmzu einer Geldstrafe von 10 M. und sprach die» übrigen Angeklagten frei. Ein solches Urteil erscheint nicht geeignet, die Nationalsozialisten, die gerade wieder in letzter Zeit einen ungeheuren Terror ausüben, von ihrer verderblichen Tätigkeit abzuhalten. Ko-ttu. (70s Geburtstag.) Am 5. Junt vollendet der Kaufmann Paul Sabatzky in voller körperlicher und geistiger Frische sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar gehört seit Jahrzehnten dem Repräsentantenkollegtum an. dessen Vorsteher er feit einer ganzen Reihe von Jahren ist. Er steht auf religiös-liberalem Boden. Weiterhin ist er Borsitzender des jüdischen WohltätigkeitS- und BeerdigungS- Vereins Chsmra Kabischa. An der C.B.-Bewegung wie an allen Bestrebungen des jüdischen Gcmeindolebens hat er starken Anteil genommen. Mainz. (Alter jüidischer Grabstein.) Bei Erneuerung der Fassade d«S HauleS Jnfe-lftratze 6 (Pilsener Bierstube. Inhaber: Jos. GtillemnwkeS) hat man einen Grabstein mit hebräischer Inschrift, vermutlich aus dem 18. JaHtchundett stammend, entdeckt. Die hiesigen Fachautoritäte» find davon unterrichtet, und mit der Prüfung de» JnihifttS der Schrift beschäftigt. Soweit sich vis jetzt beurteilen läßt, schelnt der Inhalt der Gvgbschrist von historischem Interesse zu sein. ES schweben D-erhandlUngen mit dem Besitzer des Hauses, zu dem Zwecke, den Stein, womöglich loszulösen und ihn dem neu errichteten jüdischen Denk-, malSsrtodhofe Mzufttyren. Mannheim. (AmtsjuViläum.) Am 1. Juni blickt der hiesige Oberrantor Nettler auf eine 60jährige Tätigkeit alS Kantor der hiesigen Gemeinde zurück. Die Gemeinde veranstaltete aus diesem Anlaß am 20. Mai in der Hairpt-» synagoge einen Festgottesdtenst, in der die zahlreichen Berdienste des Jubilars um die Gestaltung des Gottesdienstes gewürdigt wurden. Trotzdem ber Jubilar bereits seinen 75. Geburtstag überschritten hat, trügt er noch heut« mit seiner prächtigen Stimme zur würdigen Gestaltung des Gottesdienstes bei. Mannheim. (Ankauf eines biblischen Gemäldes.) Willy Ocher hat soeben «in neues Werk vollendet: Jakob erteilt seinen Söhnen den Segen. Das Bild erstrebt die Wiedergabe des Ernstes und der Feierlichkeit jener Stunde, die für das Schicksal -er einzelne« Stämme Israels bestimmend werden sollte. Der Künstler hat Inhalt. Form und Farbe zur glücklichen Harmonie verbunden. Das Gemälde wurde von Ser jüdischen Gemeinde Mannheim siir de« Sitzungssaal des Gemeindehauses angekaust. Marburg. (Todesfall.) Der Sentorchef des Bankhauses Baruch Strauß, Herr Karl Strauß, ist in voriger Woche an einem Herzleiden plötzlich verstorben. In ihm verliert die jüdische Gemeinde einen ihrer hervorragendsten Vertreter, die gesamte Bürgerschaft eins ihrer geachtetsten Mitglieder. Am deutlichsten prägte sich dies in der imposanten Trauerkunbgebung aus, die bei der Beerdigungsseier festzustellen war. Im Trauerhause sprachen Vertreter brr Angestellten des Hauses in Marburg und Frankfurt herzliche Abschiedsworte. In dem Trauergefolge, an dem nicht nur die ganze Gemeinde, zahlreiche Bürger, sondern auch viele auswärtige Freunde und Bekannte tetlnahmen. bemerkte man als offizielle Vertreter der Stadt Marburg Bürgermeister Müller und Justizrat Rohde neben anderen Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten, den Kurator der Universität nebst vielen Professoren, Abgeordneten ber Vereine und Gesellschaften, deren Mitglied der Verstorbene gewesen war. Promnzialrabbtner Dr. Cohn entwarf an ber Bahre ein Lebensbild des Entschlafenen und hob sein liebenswürdiges Wesen, die vornehme Gesinnung und Hilfsbereitschaft des Verklärten hervor. Für die Gesellschaft zur Erforschung der Wissenschaften an der Universität Marburg sprach Geheimrat Elster herzliche Worte des Dankes, den sich Karl Strauß um die Erhaltung und Förderung ber Gesellschaft dauernd erworben habe. Auch Delegierte des Vereins ehemaliger Schützen und Jäger und de- Turnvereins 1860 gaben in bewegten Worten ihrer Trauer uttr den Heimgegangenen beredten Ansdruck. Dr. Bergel. Frankfurt a. M., vertrat den Landesverband für Hessen-Nassau und Hessen und betonte den stark ausgeprägten Wohltätigkeitssinn des Entschlafenen, der stets offene Hand zeigte, wenn es galt, jüdische Institutionen zu unterstützen. S. Haas vertrat die Hermann-Cohen-Loge im UOtzB. und widmete dem langjährtaen Bruder innige Abschiedswort«. Endlich ließen die Gesellschaften, deren Aussichttzrat der Verstorbene angehört hatte, ihre Teilnahme durch Vertreter zum Ausdruck bringen. Gebet und Segen des Geistlichen beschloß bte eindrucksvolle Feier, die einem edlen, allgemein geachteten und durch bedeutende Gaben des Geiste- und de- Charakters ausgezeichneten Manne galt, dessen Andenken auch Über baß Grab hinaus in der Geschichte der Marburger israelitischen Gemeinde unvergeßlich bleiben wird. Neustadt. (50jähr 1 geS Bestehen der Synagoge.) In feierlicher Weife wurde im Beisein der Behörden, -er Geistlichkeit deS Ortes und zahlreicher Gäste von Nah und Fern baS 50jährige Bestehen der vom Kommerzienrat Fränkel erbauten Synagoge begangen. Im Mittelpunkt der Feier stand die Festpredigt des Ra-bbiners Dr. Braunschweiaer^ÖppAn. Nordhanse». (Beschichte der Juden.) Aus Anlaß der Taufendjabrfeter der Stadt Nordbauseu, welche vom 27. bis 36. Mai dieses Jahres stattfinüet. erschien eine von Dr. Heinrich Stern - Nordhausen verfaßte „Geschichte der Juden in Nordhausen", die eine Kulturgeschichte ber Juden Deutschlands tm Rahmen de« alten freien Reichsstadt Nordhausen biete. An Hand der Urkunden des Stadtarchivs und der Akten der Jüdischen Gemeinde, durch zahlreiche Bilddeigaben illustriert. schildert er die vielhundertjährtgen büntbemegten Swicksale der Nordhäuser Juden. Wir behalten uns vor, auf die Schvift noch zurück^ukommen. Plauen. (Todesfall.) Die hiesige Gemeinde hat durch den Heimgang des bisherigen Gemeindevorstehers. M«x Steinberg, einen schweren Verlust erlitten. Vorstand und Gemeinöeverordnete -er Israelitischen Religivnsgemeinde widm«n ihm einen Nachruf, in dem sie der Treue und Hingebung, mit welcher er seinem Amte diente, gedenken. WanbSbeck. (AmtSjubtläum.) Die hiesige Gemeinde wird am 1. Junt das 25jährige Amtskubiläum ihres Seelsorgers, de» Herrn Rabbiner Dr. S. Bamberger. begehen. Zur Borfeier wird am 29. Mai ein Festart in der Synagoge stattfinden. Äe'si- (Todesfall.) Die hiesige Synagogenaemeinde beklagt den L.od des ersten Vorstehers. Fabrikbesitzer Jacob ^enm. der in ^n$eit Jahren mit ganzer Kraft für die Gemernde gewirkt hat.

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